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Start in die Eisschwimm-Saison

Eisschwimmen ist es natürlich noch nicht. Aber heute habe ich die Eisschwimm-Saison eingeläutet. Der Herbst ist da! Nicht nur auf dem Kalender, sondern auch in der Natur. Die letzten beiden Nächte waren kalt. Tag und Nacht sind im Moment in etwa gleich lang. Die Sonne steht recht schräg und verbreitet ein schönes, sanftes Licht. Ihr merkt schon: Ich mag den Herbst. Das milde Licht, die Kälte am Morgen. Das wohlige Gefühl, wenn die Sonne wärmt. Das man sehr zu schätzen weiß, weil es im Schatten kühl ist. Herrlich! Und es wird noch besser, wenn die Blätter orange, gelb und rot leuchten werden!

Heute früh war’s echt kalt. Ich dachte schon, dass ich Handschuhe zum Radeln anziehen muss. Aber es ging dann schon, die paar Meter in die Arbeit. Aber da war mir klar, was heute Nachmittag passiert: Herbstschwimmen. Im See. Yeah!

Und so starte ich an meinem freien Nachmittag mit dem Radl zum Langwieder See. Doch vorher muss ich noch meine Siebensachen packen und das Richtige anziehen. Das stellt mich jedes Jahr wieder auf eine Probe. Was ist passend? Was ist nicht zu warm zum Radln und doch warm genug, falls ich nach dem Schwimmen friere? Irgendwie kann ich das noch immer nicht richtig einschätzen. Ich entscheide mich für ein T-Shirt unter meiner Regenradljacke. Die Regenradljacke ist winddicht und hat ein Netz, so dass ich nicht schwitze und sie nicht nass an mir klebt (wie z.B. die Softshelljacke). Eine gute Entscheidung, wie ich unterwegs zufrieden feststelle.

Da waren noch einige Mini-Wellen, aber nachdem ich das Foto gemacht habe, war die Wasseroberfläche spiegelglatt!

Das Radln ist auch wieder schön. 45 Minuten Vorfreude, dazu ein blauer Himmel mit herbstlichen Schleierwolken. Am See angekommen, stelle ich zu meiner Freude fest, dass keiner da ist. Juhu! See für mich. So mag ich das. Decke hin, Rucksack drauf, hinsetzen. Genießen. Blick aufs Wasser, das ruhig vor mir liegt. Das milde Herbstsonnenlicht scheint mir entgegen. Die Bäume sind noch grün, nur einzelne Einzelblätter geben den modischen Vorreiter in sattem Gelb. Der Rest traut sich noch nicht und bleibt vorerst bei der Sommerfarbe grün.

Grün ist auch das Wasser, oder zumindest schimmert es grün. Denn eigentlich ist es durchsichtig und weil keiner da ist, der den Staub aufwirbelt, ist es glasklar. Ich mache mich zum Schwimmen bereit, spüre, wie die Sonne durch die Schleierwolken wärmt. Das Thermometer habe ich zwar dabei, beschließe aber, es nicht zu verwenden. Ist ja eigentlich auch egal, wie warm oder kalt das Wasser ist. Ich weiß aus zwei bzw. drei Wintern Eisschwimmen, dass ich bei jeder Temperatur ins Wasser gehen kann. Und dass die Dauer des Schwimmens von mehreren Faktoren abhängt, nicht nur von der Wassertemperatur.

Beim Reingehen merke ich, dass der Langwieder See trotz zweier kalter Nächte noch warm ist. Also nicht badewannenwarm, aber auch nicht kalt. Es kostet mich null Überwindung unterzutauchen. Ich schwimme los, Omabrust, weil ich das immer so mache im Herbst. Es ist herrlich! Diese Ruhe. Der See nur für mich, das Wasser angenehm kühl oder warm (sucht es euch aus). Und so schwimme ich zum anderen Ufer, zur Wasserwachtstation, die natürlich unter der Woche im Herbst nicht besetzt ist. Zug um Zug komme ich näher. Ich genieße das Gefühl, den See für mich allein zu haben. Das Wasser, das wärmer ist als vermutet. Ich gleite dahin, blicke mich um und spüre ein leichtes Kribbeln am Rücken. Ist es die Kühle des Wassers? Sind es die milchigen Sonnenstrahlen? Egal. Es ist einfach schön. Die richtige Entscheidung heute. Keine Welle kräuselt das Wasser, lediglich meine Schwimmzüge hinterlassen leichte Wogen. Beim Zurückschwimmen habe ich die Sonne hinter mir, mein Ziel vor mir. Ein paar Spaziergänger beobachten mich neugierig, ziehen dann aber weiter. Gut so. Ich möchte die Ruhe gern weiter genießen. Und nicht an Land gefragt werden, ob ich gerade schwimmen war. Oder wie kalt das Wasser ist.

Als ich an Land gehe, bin ich glücklich. Es hat soooo gut getan zu schwimmen. In der Natur, unter dem weißlich-blauen Herbsthimmel. In dem grünen klaren Wasser. Bei mir sein, die Stille genießen. Ich wickle mich in mein Handtuch, trockne mich ab und ziehe mich um. Raus aus dem nassen Badeanzug, rein in die trockenen Klamotten. Die Ruhe ist fast wie in Schweden. Da hatte ich den ganzen See ganz für mich allein, konnte nackt schwimmen. Als Erinnerung an dieses schöne Erlebnis gibt’s einen schwedischen Schokokeksriegel.

So mag ich das: mildes Herbstlicht dank Schleierwolken und Sonne.

Und den Blick auf den Langwieder See, der jetzt wieder spiegelglatt vor mir liegt. Und zu dem ich ab jetzt wieder regelmäßig zum Schwimmen kommen werde. Jegliche Gedanken, ob ich das mit dem Herbst-, Winter- und Eisschwimmen heuer wieder machen werde oder sein lasse, sind dahin. Freilich mache ich das wieder! Logo! Sooo schön wie das ist! Und wenn dann erst das Kribbeln und Bizzeln vom kalten Wasser wieder kommt! Ach, ich kann’s kaum erwarten!


Fieser Ostwind

Der Nebel hatte sich in München gegen Mittag gelichtet, wenn auch nicht komplett. Doch ich wollte das relativ gute Wetter nutzen, denn fürs Wochenende ist eher Regen angesagt. Und bei Regen macht Radln in Kombi mit See-Schwimmen wenig Spaß. Mir zumindest nicht. Also heute, trotz leichtem Ostwind.

Am Langwieder See selbst war der Nebel noch ziemlich präsent, es gab kaum Lücken. Doch eigentlich hat das was – so mystisch. Und es ist ruhiger als bei Sonnenschein. Der See liegt spiegelglatt vor mir, ich platziere mich ganz nah am Wasser.

Mystische Nebelstimmung am Langwieder See

Mystische Novembernebelstimmung am Langwieder See

Vom Radln bin ich gut angewärmt, außer meine Hände und Füße, die sind etwas kühl. Jetzt also nicht lange fackeln, Sachen für Danach herrichten, ausziehen, Thermometer schnappen und rein. Das Wasser ist wärmer als gedacht, das Reingehen klappt ganz ohne Probleme. Es kostet mich erstaunlicherweise nicht mal Überwindung. Aber beim Schwimmen merke ich doch, dass es kalt ist. Und weil ich letztes Mal beim Heimradln so gefroren habe, vor allem in den Fingern, will ich es dieses Mal nicht übertreiben. Ich schwimme also viermal hin und her. Ein Kontrollblick aufs Thermometer zeigt 8,8 Grad. Wie schön!

An Land ist es dann erstmal heiß. Also nicht draußen, sondern mir. Mein Körper heizt nach, weil ihn das Wasser ausgekühlt hat. Den fiesen, feinen Ostwind spüre ich jetzt aber. Flugs das Handtuch rumgewickelt, Badeanzug runter, T-Shirt drüber. Und dann kommt mein Geburtstagsgeschenk zum Einsatz: Mein Poncho! Da ich nicht nähen kann, war meine Freundin Diana so nett (die kann sowas nämlich!) und hat aus einem Stück Fleecestoff einen Poncho genäht. „Geht doch ganz einfach, einmal zusammennähen und oben einen Tunnel für den Gummizug – fertig“, sagt sie. Ja, da hat sie leicht reden. Schließlich ist ja alles, was man kann, ganz leicht. Und mein Glück, dass sie es kann, denn jetzt habe ich einen dunkelblauen Poncho, unter dem ich mich umziehen kann. Und der – das ist fast noch besser – den Wind etwas abhält. Bei dem Ostwind, der kaum merklich ist (der See hatte ja nicht mal Mini-Wellen), ist das ganz fein.

Als ich angezogen bin, trinke ich noch etwas heißen Tee aus meiner Thermosflasche. Denn jetzt ist es wieder soweit, dass ich den Tee brauche. Vor zwei Wochen noch war es richtig warm, da brauchte ich das nicht. Jetzt bin ich froh drum! (Hier gibt’s übrigens meine persönlichen Tipps zum Winterschwimmen.)

Und zum Abschluss mache ich noch ein Foto vom Thermometer. Und siehe da: Im Uferbereich ist das Wasser kälter als ein paar Schritte weiter, wo ich geschwommen bin. Es zappelt zwischen 8,1 und 8,4 Grad hin und her. Unterwegs (im bauchnabeltiefen Wasser) waren es 8,8 Grad. Ich hatte letzte Woche schon das Gefühl, dass das Thermometer unterwegs mehr angezeigt hat als dann beim Foto. Spannend!

Das Thermometer kann sich nicht recht entscheiden...

Das Thermometer kann sich nicht recht entscheiden …

Beim Heimradln merke ich diesen fiesen Ostwind umso deutlicher. Denn meine Radlstrecke geht fast nur ostwärts – und dann kommt zum Fahrtwind auch noch dieser kalte, kaum merkliche Wind. Echt fies!

Dennoch war das „Eisschwimmen“ – oder Herbstschwimmen – heute eine gute Idee. Ich war nämlich etwas angespannt, genervt oder wie man das auch bezeichnen möchte. Und das Schwimmen samt der Bewegung an der frischen Luft haben meine Laune deutlich verbessert. Und ich hätte beinahe noch gekniffen …


Praktische Tipps zum Winter- oder Eisschwimmen

Zuerst möchte ich mich bei euch bedanken. Es gibt einige, die meinen Blog nicht nur lesen, sondern auch kommentieren. Das freut mich! Vor allem, dass ich wohl einige von Euch dazu anrege, das Eisschwimmen selbst auszuprobieren, freut mich. Und da habe ich mir gedacht, dass ich mal meine Tipps und Erfahrungen vom Eis- oder Winterschwimmen hier kompakt zusammenfasse. Sie sind zwar alle schon mal in den verschiedenen Artikeln aufgetaucht, aber so habt ihr sie auf einen Blick.

Kaltes, klares Wasser… das wollen immer mehr ausprobieren…


Meine Erfahrung ist sehr subjektiv, ihr könnt das natürlich anders sehen oder machen, das müsst ihr selbst wissen. Das Wichtigste ist jedoch: Eisschwimmen ist ein Extremsport. Das kann auch gefährlich werden, deshalb nicht übertreiben. Am besten ist man nicht allein am See. Ich bin zwar meistens allein, bleibe aber deshalb im flachen Wasser, nah am Ufer. So kann ich mich hinstellen und rausgehen, sollte sich mein Körper komisch anfühlen. Da ich keinem – weder mir noch sonst wem – was beweisen muss, gehe ich nur ins Wasser, wenn mir danach ist. Letzte Woche zum Beispiel war’s zwar in München sonnig, aber am Lußsee hing dicker Nebel, dazu Ostwind und Raureif. Das war mir zu kalt und ungemütlich, da habe ich mich nicht mal ausgezogen.

Schön, aber zu kalt. Wenn mir nicht danach ist, gehe ich nicht rein.


Letztes Jahr bin ich sehr langsam ins Wasser gegangen, bin lange rumgestanden. Das mache ich jetzt nicht mehr. Ich gehe zügig rein, bis das Wasser an den Oberschenkeln ist. Dann atme ich tief durch, sage zu mir: „Gleich wird’s kalt“, und dann tauche ich unter.Profi-Eisschwimmer Jochen riet mir im Januar, dass man ruhig bleiben soll – also kein „huuuchh“ und Rumgehampel – denn das kostet unnötig Energie.

Da mir das kalte Wasser am Kopf zu kalt ist, bleibt der über Wasser. Die Badekappe hält die Haare trocken und den Kopf bissl warm (man will ja nicht unnötig frieren…). 

Kopf über Wasser – Oma-Brustschwimmen…


Und dann schwimme ich los. Ruhig, gleichmäßig. Ich fühle in meinen Körper rein, wie verhält er sich? Wie nehme ich die Kälte wahr? Ich schaue dann auch mal auf die Uhr. Meist geht’s die ersten 20 Sekunden gut, dann wird’s hart. Und nach 2 Minuten geht’s gut. Letzten Samstag im Tegernsee wollte ich es wissen und bin 7 Minuten geschwommen. Danach habe ich echt schrecklich gefroren, ewiges Warmzittern. Das hat mir nicht gefallen. Also jetzt: nicht übertreiben und nicht so lang schwimmen.

Ich habe auch immer Badelatschen dabei. Allerdings sind die Flipflops mit Zehensteg nicht zu empfehlen; die kalten Zehen wollen nicht freiwillig in die richtige Position. Also lieber normale Schlappen (muss ich noch besorgen). Ich bevorzuge inzwischen auch die Stelle am See mit Kiesstrand. Denn eine Wiese ist im Winter meistens nass und batzig, habe ich letztes Jahr am Feldmochinger See am eigenen Leib erfahren müssen. Steine oder ein Steg sind dagegen ideal. Denn so bleiben die Füße sauber. An kalten, tauben Füßen Dreck wegzurubbeln, macht keinen Spaß!

Ein guter Lagerplatz am Kiesstrand


Bevor ich ins Wasser gehe, lege ich an meinem Platz das Handtuch und meine Klamotten schon bereit. Wenn ich nach dem Schwimmen zurückkomme, wickle ich mir das dunkelblaue Handtuch (bei Sonne leicht angewärmt!) um, tupfe mich trocken – nicht rubbeln. Je nach Wassertemperatur und Schwimmdauer geht das Gefühl in der Haut komplett verloren. Dann ziehe ich meinen Badeanzug obenrum runter und das T-Shirt an. Dann ist der Oberkörper schonmal geschützt. Wenn es recht kalt ist, ziehe ich meine Merinojacke auch gleich an, bevor ich den restlichen Badeanzug ausziehe. Nach der Unterhose ziehe ich meistens die Socken an, denn dann sind die Zehen eingepackt und verfangen sich nicht in der Hose.

Weil ich ja mit dem Radl zum Eisschwimmen fahre, habe ich eine Outdoorhose an. Die hält den Wind beim Fahren ab und wird nicht nassgeschwitzt. Außerdem habe ich zum Heimfahren ein Ersatz-Paar Socken dabei. Vom Hinfahren wurden die anderen zu oft feucht vom Schwitzen. Ich habe beim Hinfahren den Badeanzug schon an. Dann reicht die Merinojacke ohne T-Shirt. Die Merinojacke wird auch nicht nassgeschwitzt, das T-Shirt ist frisch aus dem Rucksack. So habe ich keine nassen/feuchten Klamotten zum Heimradln an. Außerdem ist es empfehlenswert, auf Knöpfe und Schuhbänder und sowas zu verzichten. Wenn die Hände richtig kalt und steif sind, ist ein Druckknopf schneller zu und Winterstiefel schnell angezogen. Außerdem halten die den Fahrtwind besser ab als Turnschuhe.

Das Radln ist nach dem Eisschwimmen zwar manchmal eine Herausforderung. Ich warte meist, wenn ich angezogen bin, etwas ab und trinke von dem Tee, den ich in der Thermoskanne dabei habe. Erstens kann ich so das „Nachglühen“ genießen und zweitens etwas aufwärmen. Wenn ich bereit bin, radle ich los. Hände und Füße werden zwar kalt, aber durch die Bewegung wärmt sich der Körper doch gut auf.

Bis ich letzte Woche im Tegernsee war, dachte ich, dass das Radln danach schlimm ist. Aber tatsächlich ist es gut, sich danach zu bewegen. Manche joggen danach auch. Wer gern läuft, kann das ja mal ausprobieren. Wichtig ist, dass man sich wohl fühlt. Und wenn man denkt, dass eine heiße Dusche oder ein Glühwein jetzt, wo man so ausgefroren ist, eine gute Idee wäre: Lieber nicht! Der Körper muss sich langsam von sich aus wieder aufwärmen. Er hat die Wärme in der Körpermitte konzentriert, Arme und Beine sind kalt. Doch nach und nach werden auch sie wieder mit warmem Blut versorgt. Eine heiße Dusche kann gefährlich werden, weil es das System durcheinander bringt. Also geduldig sein und beim nächsten Mal vielleicht nicht so lang im Wasser bleiben.