Monatsarchiv: September 2016

Der letzte schöne Tag …

Ach, wie oft sagt man das so dahin: Der letzte schöne Tag … Und dann kommen doch noch viele, schöne Tage. Kennt man ja. Letztes Jahr war es zum Beispiel im November so. Es war sonnig und warm, da habe ich mit dem Experiment „Eisschwimmen“ angefangen. Heute ist zwar noch September, aber ich bleibe einfach dran, am „Eisschwimmen“. Das man jetzt als solches noch gar nicht bezeichnen kann. Weil es ein richtig schöner, warmer Herbsttag war. Und weil der Lußsee laut meinem Thermometer 20 Grad hatte.

Im Vergleich zum Sommer hat der Lußsee viel Wasser, es geht bin in die Wiese.


Das Wasser war herrlich! Schön und klar – und leicht türkis, ein bisschen Karibik im Nordwesten von München!

Ich war, wie am Starnberger See am Mittwoch, nicht die einzige, die sich ins Wasser getraut hat.Interessanterweise sind es meist ältere Leute, die im Herbst noch schwimmen. Und mittendrin ich Jungspund … *g

Gleich geht’s los …


Ich wage mich rein, es geht dank der warmen Wassertemperatur flott. Und dann schwimme ich erst ein bisschen in die eine Richtung, dann in die andere. Das Wasser ist klar, ich sehe den Grund deutlich unter mir. Ich bleibe in Ufernähe, damit ich zur Not einfach aufstehen und gehen kann. Aber das ist nicht nötig. Es ist einfach herrlich, gar nicht kalt! Am Ende waren es etwas mehr als 300 Meter Oma-Brust.

Nach dem Schwimmen schnell in trockene Klamotten – und dann Sonne tanken!


Als ich wieder an Land bin, merke ich doch, dass es nicht mehr Sommer ist. Es ist kühl, die Sonne steht tief. Außerdem ist es ganz schön windig. Deshalb ziehe ich mich fix um und genieße dann noch die Sonne. Sie wärmt mich. Denn jetzt, an Land, spüre ich, wie sich die Kälte angenehm in meinem Körper ausbreitet – und die Lebensgeister wieder tanzen!

So schee kon’s sei …


Herbstschwimmen

Der Herbst ist da! Mit schönstem Sonnenschein und blauen Himmel. Was gibt’s da Schöneres als einen glitzernden See? Nicht viel, behaupte ich mal…


Deshalb musste ich auch hier kurz rein. Das Wasser hat etwa 16 Grad. Nicht zu kalt für einen kleinen Herbstschwumm. Das Reingehen klappte einwandfrei und das Schwimmen war schön. Die drei, vier Grad Unterschied zum Sommer machen sich aber durchaus bemerkbar und so bin ich nur eine kleine Runde geschwommen. Draußen bläst auch ein frischer Wind. Da wollte ich nichts riskieren. 

Und was soll ich euch sagen? Es war: herrlich! Gigantisch! Belebend. Dieses Gefühl, wenn man aus dem Wasser kommt und die Lebensgeister unter der Haut tanzen… phantastisch! Der Sommer und das warme Wasser für längere Schwimmeinheiten sind das Eine – das kühle Wasser im Herbst und Winter das Andere! Es ist beides schön und ich freue mich, dass ich das Winterschwimmen für mich entdeckt habe. 


Saisonende im Freibad

Jetzt ist sie endgültig vorbei – die Freibadsaison in Bayern. Der Schwimmsommer war heuer ja recht schwimmerfreundlich. Oft kühl und regnerisch, da konnten wir Schwimmer in Ruhe unsere Bahnen ziehen. Es gab aber auch schöne Tage, an denen noch wenige Besucher das Freibad bevölkerten, aber die Beckenrandfreunde waren da. Und weil es sonnig war, konnte man bissl ratschen. Ich habe das ja hier schonmal beschrieben, wie schön es ist, dass man sich im Sommer im Freibad trifft und redet. Wenn man merkt, dass auch andere das „eigene“ Bad lieben und schätzen und alle anderen Bäder nur „Plan B“ sind. Und natürlich die gemeinsame Leidenschaft: das Schwimmen.

Nun ist es wieder vorbei. Auch, wenn die Saison um eine knappe Woche verlängert wurde, jetzt ist es rum. Heute war ich zum Abschluss nochmal im Schyrenbad. Bei Regen und Kälte. Damit schloss sich auch ein Kreis, denn so fing der Sommer ja auch an. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass der letzte Schwimm so schön wird. Ich war auch überrascht, dass bei dem scheußlichen Wetter doch so viele Leute da waren. Es war natürlich nicht viel los, aber wenn man denkt, dass man allein im Becken oder zumindest auf der Bahn, ist, dann sind 3 Schwimmer pro Bahn und weitere Badegäste doch ziemlich viel. Viel ist halt auch immer relativ.

schyrenbad

So leer war’s heute im Schyrenbad nicht, schön war’s trotzdem!

Ich war vorgestern das letzte Mal im Wasser. Nach zwei oder drei äußerst schwimmintensiven Wochen hatte ich am Freitag ziemliche Mühe im Wasser. Der Flow war weg, mal wieder. Deshalb war ich heute ganz ohne Erwartung. Und dann das: Es fühlte sich gut an. Aus dem Regen ins Wasser – herrlich. Von der Wand abstoßen, das erste Gleiten: herrlich! Die Brustbahnen verleihen schon eine Ahnung von Fliegen. Doch beim Kraulen kam es so richtig: Zug um Zug, Bahn um Bahn – ich fliege, schwebe, gleite. Und zähle, zähle, zähle. Was? Schon 10 Bahnen? Viel zu schnell fliegen die Meter an mir vorbei. Doch es ist kalt, Lufttemperatur etwa 14 Grad. Das Wasser ist normal warm, wohl 24 Grad. Und weil ich auch mal vernünftig sein will, beschließe ich, dass die üblichen 3 Kilometer reichen müssen. Die letzte Bahn genieße ich ganz bewusst. Es ist eine Brustschwimmbahn. Jeder Zug wird bewusst ausgeführt, die Gleitphase ausgiebig genossen. Und dann sind es nur noch vier, drei, zwei – ein Meter. Ende. Vorbei. Anschlag. Umdrehen und die inzwischen leere Bahn anschauen. Melancholisch werden. Abschied nehmen. Und raus aus dem Wasser und durch den Regen zur Dusche. Bis Mai!

 


Uida suomessa – oder: Die schwimmen, die Finnen

Ich war im August in Helsinki. Wie sich jetzt herausstellt: zu früh! Denn, das, was ich bei der Stadtführung gesehen habe, hat jetzt geöffnet: Ein Ostsee-Bad mit drei Schwimmbecken, direkt am Hafen, vorm Markt: der Allas Sea Pool.

Im August war hier nur die Rettungsmannschaft am Pool …


Letzte Handgriffe müssen noch erledigt werden. Es gibt drei Becken mit Ostsee-Wasser und einen herrlichen Blick auf Helsinki!

Da heißt es nur: nochmal hinfahren.Der Allas Pool hat das ganze Jahr (!!!) geöffnet und kostet nur 9 Euro Eintritt. Da sind nicht nur drei Pools enthalten, sondern auch eine Sauna – und das Ganze ohne Zeitbegrenzung. Wer also mal „Avantouinti“, also Winterschwimmen, ausprobieren will – sollte nach Helsinki fahren. Der Blog vom Tourismusamt hat all diese Infos hier zusammengefasst.

Ich war trotzdem in der Ostsee. Und zwar auf der Insel Seurasaari. Das dortige uralte Bad hatte leider geschlossen, doch ein Stückchen Strand reicht ja aus und dort bin ich wagemutig in die Ostsee gestapft. Meer ist ja nicht so meins, aber Ostsee und Finnland – das ist schon was anderes.

Füße im Sand, Chlorhuhn am Strand …

Die zwei finnischen Mädels, die ebenfalls an dem Mini-Strand waren, haben ganz schön lange gebraucht, bis sie untergetaucht sind. Kein Wunder: Es fielen Worte wie „kylmä“ und „viisitoista“. Da ich ein bisschen Finnisch kann, war klar: Das Wasser ist „kühl“ und hat „15“ Grad. Brrrr… Aber immerhin Sonnenschein und auf dieser Seite der Insel windstill. Und da ich ja auch ein bisschen eine Eisschwimmerin bin, musste ich da rein. Tatsächlich: kylmä. Und mein Thermometer bestätigt die 15 Grad. Eine kleine Mini-Runde Oma-Brust bin ich dann geschwommen. Es war schön, aber kalt.

Sehr idyllisch ist es an der Ostsee auf der Insel Seurasaari.


Dann bin ich mit dem Leihradl wieder weitergezogen. Ziel: Olympiaschwimmbad Helsinki. 1952 fanden die Spiele dort statt und so habe ich mich aufgemacht, um mir diesen Pool anzuschauen.

Das Olympia-Schwimmbad von Helsinki – Uimastadion!

Ein gefliestes, türkises, 50-Meter-Becken. Mit vielen Leinen – und leider vielen Leuten. Freitagnachmittag halt. Die ersten Bahnen sind etwas breiter, das ist für die Aquajogger, hat mir der nette Mitarbeiter erklärt. Denn ich durfte vorher auf die Tribüne, um mir das Becken anzusehen. Man stelle sich das mal in Deutschland vor: Da geht man an die Kasse und fragt: Darf ich erstmal schauen, bevor ich reingehe? Aber ich bin in Helsinki und die Finnen sind sehr nett. Und so stehen wir also auf der Tribüne, ich bewundere das Becken und der Bad-Mitarbeiter erklärt noch, dass es Bahnen für langsame und schnelle Schwimmer gibt. Und ich denke: Wow! Das wollte ich immer.

Viele abgetrennte Bahnen – Chaos gibt’s trotzdem.

Da es nur 4 Euro Eintritt gekostet hat – inklusive Sauna! – wage ich mich dennoch ins Becken. Leider kommt genau zu dieser Zeit auch eine Schwimmtrainingsgruppe, die eine der schnellen Bahnen belegt, weshalb es auf den anderen Bahnen noch etwas voller wird. Am Beckenrand steht auch – wie vom Mitarbeiter vorher erklärt: „hitaasti“ – langsam – und „nopeasti“ – schnell. Ich also in die „nopeasti“-Bahn. Und was muss ich sagen: Entweder konnte der Oma-Brustschwimmer kein Finnisch – oder er war einfach ein Ignorant, wie es sie bei uns auch gibt. Das Wasser war angenehm, obwohl mir 27 Grad eigentlich zu warm sind. Doch das Gewusel war mir dann zu viel, so dass ich nach einem Kilometer wieder aufgehört habe. Einen Tritt ins Gesicht oder einen Schlag auf den Kopf brauche ich nicht, schongarnicht im Urlaub.

Danach bin ich noch in die Sauna – war ja im Preis inbegriffen. Die Sauna ist in Finnland so eine Art Grundrecht. Allerdings darf man sich das jetzt nicht wie bei uns vorstellen mit Sauna-Landschaft und allemdrumunddran. Es ist einfach bei den Duschen eine Sauna, also der Raum, in dem es warm/heiß ist. Und da wird geredet – lautstark. Und auf Finnisch, was prima ist, wenn man die Sprache lernen will. So habe ich in der Sauna gleich ein „Sprachbad“ genommen. Wunderbar.

Ein „Sprachbad“ habe ich dann auch noch in Tampere genommen. Leider nicht, weil die Stadt zwischen zwei Seen liegt. Der Nieselregen und die Kälte haben mich davon abgehalten, mehr als eine Hand in einen der Seen zu stecken.

Tampere liegt zwischen zwei großen Seen …


Nieselregen und tiefhängende Wolken haben mich vom See-Schwimmen abgehalten …

 

Besuch bei „WordDive“

Ich habe „WordDive“ besucht. Von „WordDive“ habe ich hier schon berichtet. Das ist eine App, mit der man Sprachen lernen kann. Ich lerne damit Finnisch. Stefanie ist wie ich aus Bayern und lebt jetzt in Finnland.

Stefanie aus Bayern arbeitet bei „WordDive“ in Tampere.

Sie arbeitet bei „WordDive“ und da habe ich sie besucht. Sie hat sich viel Zeit genommen, um mir die kleine Firma zu zeigen. Sogar ihr Chef, der Erfinder von „WordDive“ hatte Zeit.

„WordDive“ ist mehrfach ausgezeichnet


Hier entstehen die Online-Sprachkurse


Verschiedene Sprachbücher dienen als Grundlage

Hier, in einem kleinen Büro neben der Universität von Tampere, werden Vokabeln eingetippt, neue Kurse ersonnen, Bilder gesucht, Fehler ausgebessert undundund… Witziges Detail: In Finnland ist es üblich, seine Straßenschuhe auszuziehen. So auch hier im Büro. Im Eingangsbereich gibt’s also nicht nur eine Garderobe für die Jacken, auch die Schuhe kommen ins Regal. Die Mitarbeiter haben Hausschuhe, für Gäste gibt’s Gästehausschuhe. Ich muss sagen, dass ich das gut finde. Denn ich mag es in meinem Büro auch nicht, wenn ich den ganzen Tag Straßenschuhe anhabe. Meistens ist es nämlich mit denen viel zu warm. Nur werde ich hier in München oft komisch angeschaut, wenn ich mit Hausschuhen im Büro rumlaufe.

Anekdote zum Schluss

Beim Stadtrundgang durch Helsinki und beim Radlausflug habe ich immer wieder Schwimmbäder gesehen. Es schien, als hätten die mich gesucht. Uimahalli oder Uimastadion – das sind die Wörter, die ein Schwimmer auf Finnisch wissen muss!

In Helsinki kann man schwimmen! Yeah!


Frei-Schwimmer

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Archivbild vom Dantebad. Sieht aber noch so aus …

Jetzt, gegen Ende der Freibad-Saison, läuft es (wieder) prima mit dem Schwimmen. Den ganzen Sommer bin ich nicht wirklich in den „Flow“ gekommen. Ich war zwar schwimmen und auch oft, aber irgendetwas hat mich eingeschränkt. Gestern und vorgestern habe ich meinen Körper aber wieder richtig gespürt. Ich war fast allein auf der Bahn, das Wasser angenehm kühl und die Bahnen sind nur so an mir vorbeigerauscht. Ich dachte schon, dass ich mich verzählt habe. Ein Blick auf die Uhr am Beckenrand zeigt: Nein, alles im normalen Bereich. Ich habe die kleinen Luftbläschen unter meinem Bauch gespürt. Ich habe gespürt, wie das Wasser an mir vorbeigleitet. Wie ich durch das Wasser gleite. Ich habe mich endlich wieder wie ein Delfin gefühlt. Die „Griffe“ im Wasser, an denen man sich an diesen guten Tagen entlanghangeln kann, waren wieder da. Und so schwamm ich Bahn um Bahn – und habe noch 1.000 Meter draufgelegt, weil es einfach lief – wie am Schnürchen! Ich habe meinen Körper wieder gespürt. Die Kraft, die ich habe. Ich war voller Energie. Es war: unbeschreiblich!

Ich kann nicht genau sagen, was mich seit Mai derart belastet oder behindert hat. Ich dachte, es ist vielleicht eine Art „Übersättigung“ mit schwimmen. Aber das hält normalerweise nicht so lange an. Und Lust zum Schwimmen hatte ich ja – sonst wäre ich nicht hingegangen. Aber das Gefühl hat gefehlt. Und zwar an Tagen, an denen ich allein im Wasser war, genauso wie an Tagen mit vielen Mitschwimmern.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr  es vom Kopf gesteuert wird, was wir machen. Gestern und vorgestern war ich seit Langem wieder im „Junkie-Modus“. Da fällt es mir schwer, aufzuhören. Und ich steige aus dem Wasser und grinse grenzdebil wie auf Drogen. Kein Wunder, mein Körper war wohl mit Chlor geflutet.