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Frei schwimmen

Was macht das Schwimmen so schön? So besonders? Für mich zählen dazu: die Leichtigkeit im Wasser, das Schweben, das Gleiten, die Ruhe. Denn dank Wasser im Ohr nehme ich Geräusche nur gedämpft war. Das ist schön in unserer doch sehr lauten und oft hektischen Welt. Aber es gibt noch etwas, das das Schwimmen für mich ausmacht: Ich kriege den Kopf frei. Es zählt nur noch das Wasser und ich. Hin und her und hin und her und hin und her. Dabei zähle ich meine Bahnen, muss mich also in gewisser Weise konzentrieren. Doch diese stupide Zählerei schafft es meistens, dass ich den Kopf frei kriege. Und dann kommen neue, gute Gedanken und Ideen.

Allerdings klappt das nicht immer. Und dann schwimme ich auch nicht mehr schön, ich fühle das Wasser nicht, ich haue einfach nur rein – und es macht eigentlich auch keinen Spaß.

Kürzlich habe ich ein Interview mit André Wiersig gelesen. Der Extremschwimmer hat in einem Jahr alle sieben Meerengen bezwungen. Also zum Beispiel den Ärmelkanal oder die Straße von Gibraltar. In der Cook-Strait, die die beiden neuseeländischen Hauptinseln trennt, gibt’s wohl die krassesten Wellen überhaupt. Das Begleitboot war dem Kentern nahe, aber Schwimmer Wiersig hat den Wellen getrotzt. Seine „Geheimwaffe“: „Ich gebe alles ab, auch Erwartungen , und bin dann ganz leicht.“ Er meint das auch im übertragenen Sinne. Und ich kann das gut verstehen.

Es ist mir auch schon ein paar Mal gelungen, dass ich so einen negativen Gedankenstrom stoppen konnte. Und dann lief das mit dem Schwimmen – wohlgemerkt im Becken – gleich viel besser. An einmal kann ich mich ganz konkret erinnern: Es war der letzte Freibad-Tag, ich hatte trotz Sonnenscheins die ganze Bahn für mich allein. Aber es flutschte nicht. Weil ich die ganze Zeit grübelte, wie ich das mit der Radreparatur am nächsten Tag machen soll. Vor der Arbeit oder danach oder in der Mittagspause. Für alle Varianten gab’s pro und contra. Und dann hab ich mich quasi wachgerüttelt: „Petra!! Es ist der allerletzte Freibad-Tag. Dein Tag. Ab morgen ist wieder Halle oder warmes Wasser angesagt. Du solltest das hier genießen! Über das Rad kannst du in einer Stunde immer noch nachdenken!“. Und was soll ich euch sagen? Es hat funktioniert! Ich habe die Radgedanken in eine Schublade gesteckt und dann hat das Schwimmen ganz prima geklappt. Ich war, wie ich es im Nachhinein bei André Wiersig gelesen habe, ganz leicht. Und frei. Und dann kam der Flow und so wurden es vier Kilometer (statt meiner üblichen drei). Und anfangs dachte ich noch, dass ich nicht mal die Hälfte schaffen werde.

Leider klappt es nicht immer, dass ich meinen Kopf frei machen kann. Manchmal beschäftigen mich andere Dinge zu sehr, dass ich den Aus-Knopf nicht finden kann. Ich glaube, das ist auch ganz normal. Aber ich arbeite daran, denn das ist doch das Schönste am Schwimmen – dass man ganz leicht und schwerelos wird und auch der Kopf frei wird. Vor allem, wenn man ganz allein auf der Bahn schwimmt, muss man schließlich auf nichts achten – und vor allem hat man keinen Straßenverkehr, wie beim Rennradln oder Laufen.


Das Glück ist flüssig und türkis

Endlich heimkommen. Kennt ihr das Gefühl? Oder frisch verliebt zu sein? Oder sich wieder in jemanden zu verlieben? Ja, so ungefähr fühlt es sich an, wieder zu schwimmen. Zu dick aufgetragen? Ich glaube nicht. Zumindest nicht für uns Chlorhühner, Wasserratten, Schwimmjunkies, Wasserfrösche oder wie immer ihr euch auch nennt… Ich habe euch genau gesehen. Dieses fast schon debile Grinsen im Gesicht. Und auch diese Ehrfurcht vor dem Wasser: Kann ich es überhaupt noch? Denn wer von uns Wasserjunkies war schon mal ein Vierteljahr, drei Monate, 13 Wochen, nicht im Wasser? Keiner. Und warum nicht? Ja, blöde Frage.

Die Wolken konnten die Schwimmer nicht abhalten, endlich ins Bad zu kommen.

Und jetzt dürfen wir wieder. Als ich gestern noch kurz in der Sonne im Dantebad saß, hat es ein kleines Mädchen auf den Punkt gebracht: „Ich hab fast vergessen, wie schön schwimmen ist.“ Ich musste grinsen und dachte: Wie recht du hast!

Auf den Stufen im Stadionbereich setzt man auf Eigenverantwortung.

Oder der Typ, der mit uns auf der Bahn geschwommen ist. Schnell war der. Und gut. Der hat doch keine so lange Pause gemacht, der war doch heimlich im See! Oder im Ausland. Oder… naja. Es ergibt sich ein kurzer Schwatz am Beckenrand (mit Abstand, natürlich). Dabei grinst der Typ sosehr, dass sich seine Mundwinkel gefühlt dreimal um die Ohren wickeln. Und sagt, dass er paar Mal im See war (ich WUSSTE es!), Krafttraining an Land gemacht hat und dass auch viel Willen dahinter steckt. Und dass es gut läuft (das haben wir anderen neidisch zur Kenntnis genommen.). Ich muss auch grinsen, weil ich ihn so gut verstehen kann und mich für mich und für ihn und für uns alle einfach nur freue.

Ich war von Montag bis Mittwoch in Germering schwimmen. Das Freibad ist toll, aber nicht voll. Ok, lag am Wetter. Denn am Dienstag und Mittwoch war es tatsächlich kühl und regnerisch. Aber wer ein Junkie auf Entzug ist, der radelt auch im Nieselregen eine Stunde zum Bad. Die Schwindelgefühle vom ersten Schwimmtag waren dann am Dienstag schon besser. Ich habe Ohrenstöpsel benutzt, bin mit dem Pullbuoye geschwommen, habe mich auf eine möglichst ruhige Lage konzentriert. Es war schön. Und anfangs, also am Montag, kam mir die 50-Meter-Bahn ziemlich lang vor. Krass. Wenn man das immer macht, ist es nicht weit. Aber so war es ungewohnt. Und nach den ersten 500 Metern dachte ich auch: Jetzt weiß ich, warum so viele Leute immer so beeindruckt sind, wenn man sagt, dass man 3 Kilometer schwimmt. Ist doch nix! Jaahaa… wenn man es gewöhnt ist. Aber da komme ich schon wieder hin.

Ins Sommerbecken dürfen bis zu 75 Personen. Zum Glück waren so viele nicht da …

Gestern war dann der erste Tag im Dantebad. Mein Heimatbad. Mein geliebtes Sommerbecken, in dem die eine Schwimmerbahn im Schatten ist. Trotz eher mäßigem Wetter waren einige Leute da. Ich hatte mich mit zwei Schwimmfreunden verabredet. Es lief gut. Als mich meine Freunde dann mal überholt haben, war ich echt gerührt! Das war so schön. So normal. So wie früher. Und man ist gemeinsam. Man teilt diese Leidenschaft fürs Wasser, die Freude am Schwimmen. Am Schweben. Am Dahingleiten. Es war echt sehr emotional.

Das Chlorhuhn in seiner natürlichen Umgebung.

Und vor und nach dem Schwimmen haben wir bekannte Gesichter getroffen. Wie das oft so ist, weiß man den Namen nicht, hat keine Möglichkeiten der Kontaktaufnahme. Aber hier im Dantebad (oder jedem anderen Bad) gab’s nur ein Thema: Wie man die Zeit verbracht hat, dass man sich freut, wieder hier zu sein. Wie das Schwimmen war. Dass der See zu kalt und einfach nicht dasselbe ist. Dass Joggen als Alternative langweilig ist. Kurz: Dass man das Schwimmen mit nichts vergleichen oder gar ersetzen kann.

Heute war ich nochmal schwimmen. Mit meiner anderen Schwimmfreundin. An einem Brückentag mit blauem Himmel, Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Und dann Corona und alles – ohje. Aber dann: Überraschung. Es ist relativ wenig los, das Schwimmen klappt sogar ganz prima, wir sind zu dritt in der Bahn. Und bei mir stellt sich der Flow ein. Ich kann es gar nicht glauben, was da im Bauch kribbelt und im Hirn wirbelt, während ich da so vor mich hinschwimme. Die Sonne scheint durch die Blätter, ich spüre deutlich den Unterschied zwischen den schattigen und sonnigen Stellen im Wasser. Ich fliege, ich schwebe – ich will gar nicht aufhören. Der Schwindel ist besiegt und dass die Arme etwas schwer sind: egal. Ich bin in meinem Element. Daheim. Umschlossen vom Wasser, durchflutet vom Glück. Ich kann es gar nicht fassen, wie toll es ist!

Wasser!!

Seit Montag habe ich auch zuhause festgestellt, dass meine Laune deutlich besser ist. Gelöster. So ganz tief drinnen. Als ob ein Knoten geplatzt wäre. Erleichtert. Weil ich wieder schwimmen kann. Weil ein großes Stück Normalität in mein Leben zurückgekommen ist. Und weil schlechtes Wetter wieder Sinn macht!

Ich sag ja: Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen!

Endlich Freibad!

Ich konnte es kaum glauben, als ich am Freitag, 22. Mai, auf Facebook einen Link sah, der besagte, dass Markus Söder sagte, dass die Freibäder in Bayern am 8. Juni öffnen dürfen. Mein Herz hat einen Hüpfer gemacht, ohne Scheiß! Ich hatte Tränen in den Augen, weil ich mich so gefreut hab. Dann hieß es natürlich: Warten. Weiter warten. Fast wie als Kind in der Adventszeit … und dann kamen Meldungen von Bädern, die es nicht schaffen, am 8. Juni zu öffnen. (Übrigens haben die Bad-Betreiber auch aus den Medien erfahren, dass sie öffnen dürfen. Vielleicht habe ich es sogar früher gesehen als manch Bad-Betreiber… eigentlich unglaublich). Naja.

München ist gleich mal vorgeprescht und hat gesagt, dass einige Bäder am Montag, 8. Juni, öffnen. Man bereite alles vor (weil es vom März inzwischen wieder schmutzig war, Laub im Becken usw.). Aus Germering wusste ich, dass sie startklar sind, weil im Fliesenbecken Wasser sein muss und das war beheizt und wurde umgewälzt, weil sonst Algen wachsen. Alle Bäder haben sich was wegen der Hygiene- und Abstandsregeln überlegt, jetzt wurde da fleißig gewerkelt (vielen Dank!!). Und dann, ja dann kam, was kommen musste. Eine Wettervorhersage, die den Stadtwerken München nicht „schön“ genug war. Und so gab’s am Freitag dann die Information, dass die Bäder erst am Donnerstag (in Bayern ein Feiertag), 11. Juni, öffnen. Ohmann! Ich war sauer. Wütend. Enttäuscht.

Schlechtes Wetter…

Aber: Auf Germering ist Verlass. „Wir öffnen und sind eigentlich froh über das eher untypische Freibad-Wetter.“ Wir Sportschwimmer wissen ja eh, dass das die besten Tage sind. Und unter den neuen Voraussetzungen lässt sich da doch gleich ein Testlauf veranstalten.

Also, ich heute Morgen aufs Radl (radln bin ich ja jetzt gewöhnt) und ab nach Germering. Das sind 20 Kilometer, nicht gerade um die Ecke, aber machbar. Ich war so aufgeregt, ob ich alles eingepackt habe, dass ich gleich mehrmals meinen Rucksack überprüft habe. Und dann radle ich los, bin voller Vorfreude (fast wie beim Eisschwimmen) und male mir aus, wie es sein wird. Werden viele Leute da sein? In Germering kann man nichts online buchen, es geht das Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Bissl „zocken“, dafür fair (weil wenn jemand geht, kann wieder jemand rein – sollte es zu voll sein). Naja. Das Wetter ist nicht schlecht, morgens ist es kühl und bewölkt – also: ideal. Während ich also so vor mich hinradle, schwanke ich zwischen: Alle, alle, alle werden gleich am Vormittag zum Schwimmen gehen, weil sie es nicht erwarten können – und: ach, bei dem Wetter, da sind die üblichen Verdächtigen, das Bad ist groß, wird schon werden. Und natürlich male mich mir aus, wie es sein wird, wieder im Wasser zu sein. Bis auf ein paar Oma-Schwimmausflüge im See war ich ja an Land. Wie wird es sich anfühlen? Wie anstrengend wird es sein? Kann ich noch schwimmen? Kommt der Flow?

Dann bin ich endlich da. Puh – auf dem Auto- und Radlparkplatz nur wenige Fahrzeuge. Immerhin. Eine Menschenschlange ist auch nicht zu sehen. Dafür ein Bauzaun, der Ein- und Ausgang trennt.

Ein- und Ausgang getrennt

Ein paar Schwimmer kommen raus – mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Ohmann! Endlich! Ich auch will! Am Eingang stehen zwei Security-Männer. Der eine sagt: Jetzt gehen grad vier raus, der andere nickt. Und ruft mir zu: „Hier bitte Hände desinfizieren und dann hier Kontaktdaten eintragen.“ Ich befolge die Anweisungen, die Gesichtsmaske habe ich schon über Mund und Nase gezogen. An der Kasse bezahle ich meinen Eintritt, dann geht’s durchs Drehkreuz.

Innen und im Kassenbereich muss man Masken tragen. Das kennen wir ja schon…

Kein Mensch weit und breit. Dafür Hinweiszettel zum Abstandhalten. Die Innenumkleide ist geschlossen, aber draußen ist offen. Es gibt auch Spinde für Wert- und Badesachen. Also eigentlich alles wie immer.

Die Duschen sind gesperrt, von den drei Waschbecken ist das mittlere blockiert und bei den Toiletten ist nur jede zweite benutzbar, die anderen sind abgesperrt und mit Schildern versehen.

Nur jede zweite Toilette darf benutzt werden

Als ich zum Becken gehe, schiebt sich die Sonne zwischen den Wolken durch, um mich zu begrüßen. Es klingt nach Freibad, zwei Jugendliche springen vom Zehner und landen mit einem saftigen Platscher im Wasser. Oh, wie ist das schön! Der Sound des Sommers. Dann geht’s die letzten Meter zum 50-Meter-Sport-Becken. Türkis-leuchtend liegt es vor mir. Einige Menschen schwimmen, maximal zwei auf einer Bahn. Neu ist, dass auch der „Planscher“-Bereich Leinen bekommen hat. Da sind zwei Zweibahnen abgetrennt, auch die „Normalschwimmer“ müssen jetzt im Kreisverkehr schwimmen.

Ordnung gilt jetzt auch im „freien“ Bereich

„Bei den Sportschwimmern hat sich nichts geändert, die kennen das ja eh“, sagt mir der Schwimmmeister Holger. Ich frage ihn auch, ob er Tipps hat: nicht zu viel wollen beim ersten Mal nach so langer Pause. Ich versuche, es mir zu Herzen zu nehmen.

Abstand halten auch im Wasser am Beckenrand

Die Vorfreude ist einfach zu groß! Jetzt bin ich wirklich kribbelig und hibbelig. Ich setze Kappe und Brille auf, suche mir eine Bahn aus. Sie sind zu zweit, doch der Mann am Rand ist soeben fertig. Kurzer Ratsch: „Ich hätte nach 200 Metern nicht gedacht, dass ich 2.000 schaffe“, sagt er. Ui, denke ich mir. Er wünscht mir viel Spaß und ich lasse mich ins Wasser gleiten. ENDLICH! Oh, wie schön. Es ist mit 25 Grad genau richtig bei dem kühlen Sonnewolkenmix. Ich starte, wie immer, mit Brust. Es ist gut. Es ist schön. Es ist: wackelig. Ich schwanke zwischen Grinsen und Tränenverdrücken. So schön, wieder im Wasser zu sein! Und: 50 Meter sind ganz schön weit. Ich hab innerlich noch gelacht, als der Schwimmmeister gesagt hat, wie es ihm geht, wenn er von Winter und 25-Meter-Bahn auf die lange Bahn im Sommer umsteigt. Ich kenne das ja nicht, habe ja auch im Winter dank Olympiaschwimmhalle 50 Meter. Und jetzt: Puh… naja. So schlimm ist es nicht, aber es dauert. Dann komme ich an, atme durch und es geht zurück. Die ersten vier Bahnen sind immer Brust. Ich spüre meinen Körper, ich versuche die Bewegungen trotz aller freudiger Aufregung ordentlich und kraftvoll zu machen. Es fühlt sich gut an. Doch mir wird ein bisschen schwindlig. Naja, das wird sich schon geben mit der Zeit.

Dann ist Kraulen angesagt. Das habe ich jetzt tatsächlich seit 16. März nicht mehr gemacht. Die gute Nachricht: Ich kann es noch. Die schlechte: Es ist nicht besser geworden. Ich liege unruhig im Wasser, das spüre ich deutlich. Und durch das Geschaukel von mir und dem Wasser wird das Schwindelgefühl stärker. Hoffentlich geht das wieder weg! Ich versuche mich auf die Schwimmbewegung zu konzentrieren. Das geht und ich versuche, auch etwas Abdruck auf die Hand zu bekommen. Auch das klappt. Und so zähle ich Bahn für Bahn und schwimme so vor mich hin. Nach zehn Bahnen denke ich, dass Abwechslung gut wäre und will Rücken schwimmen. Der Sonne-Wolken-Himmel ist schön, das Rückenschwimmen klappt gut – aber an der Wende ist mir so schwindelig wie im kalten Wasser, ich muss auf die Bauchlage wechseln. Und hoffen, dass es besser wird. Es wird zwar im Laufe der nächsten Bahnen besser, aber es geht nicht weg. Das ist schade und vermiest mir meinen schönen ersten Freibadtag ein bisschen. Zeitweise bin ich sogar allein auf der Bahn, aber ich kann es gar nicht richtig genießen. Und weil ich auch nicht übertreiben will und soll, beschließe ich, dass es für heute mit 2.000 Metern (statt 3.000) gut sein soll.

Zum Abschluss und auslockern schwimme ich dann noch Rückenbeine. Das tut gut, ich merke aber, dass meine Körperspannung nachgelassen hat. Das werde ich also beim nächsten Mal auch zwischendurch machen. Und vielleicht auch ein Brett mitnehmen, um an der Wasserlage zu arbeiten. Als ich mein Pensum dann geschafft habe, bin ich zwar irgendwie glücklich, aber das Schwindelgefühl übertüncht das Ganze. Ich bin ohne Witz seekrank geworden!

Trotzdem war es ein sehr schönes Gefühl und ich werde die nächsten Tage auch wieder schwimmen gehen. Mit Ohrenstöpseln, vielleicht hilft das gegen den Schwindel? Und mit ein bisschen Technik im Programm. Wenn so wenig los ist im Becken, kann ich die Zeit dazu gut nutzen.

Das Wichtigste ist aber: Das Chlorhuhn war endlich wieder im Chlorwasser!

Daheim angekommen, zeigt das Thermometer an der Hauswand (Nordseite!) fast 20 Grad und die Sonne schaut regelmäßig zwischen den Wolken raus. So sieht „schlechtes Wetter“ aus.

Ein Leben ohne Schwimmen ist möglich, aber sinnlos

Jetzt dauert diese Corona-Sache schon über 2 Monate. Eigentlich länger, aber die Bäder sind seit über zwei Monaten geschlossen. Und wie das bei einem Junkie so ist, fällt der Entzug dank „Ersatzdrogen“ erst später auf. Also jetzt.

Radln als Ersatzdroge

Ich habe gestern einen Fernsehbericht über die Freibäder in NRW gesehen, die wieder geöffnet sind. Glückliche Menschen, die im Becken ihre Bahnen ziehen. Da war ich neidisch (bin ich normalerweise nicht) und traurig. Denn bei uns in Bayern gibt’s in Sachen Freibad noch nicht mal eine Perspektive!

Ich gehe doch am liebsten schwimmen, wenn keiner da ist.

Als der Mann im Interview am Beckenrand dann auch noch geschwärmt hat, wie schön es ist, wieder im Wasser zu sein, Bahnen zu ziehen und den Flow zu spüren, war ich ehrlich den Tränen nahe. Denn da wurde mir schmerzlich bewusst, wie SEHR ich das Schwimmen vermisse! Das Eintauchen ins Wasser, die ersten Züge. Dann meine Kraft und gleichzeitig die Schwerelosigkeit. Und dann der Flow! Wenn ich funktioniere wie ein Uhrwerk. Ein Zug nach dem anderen. Immer weiter. Schwebend und kraftvoll. Das gibt’s nur im Schwimmbecken! Ich will auch wieder!

Ja, geh doch ins Freiwasser, werden jetzt einige sagen. Aber: Für mich ist das einfach nicht dasselbe! Der See ist schön, aber im Hochsommer „Notlösung“, jetzt zu kalt für richtiges Schwimmen und zu warm für Eisschwimmkicks. Und einen Neo habe ich nicht und will ich auch nicht.

Auch schön, aber kein Ersatz: Regattabadesee

Deshalb bin ich seit der Schließung hauptsächlich mit dem Rennrad unterwegs. Das ist schön. Keine Frage! Ich merke, wie ich besser werde. Wie ich mich besser auskenne und Neues entdecke. Holzofenbrot in Kollbach…

Oder auf einer neuen Route dieses kleine Verkaufshäusl. Sehr nett gemacht und ich habe auch mal Eier da gekauft.

Oder der Natur zuzuschauen, wie sie aufblüht und dann auch wieder verblüht. Der Raps ist inzwischen nicht mehr so gelb wie vor ein paar Wochen noch. Oder der eine Baum, der so toll ganz in weiß geblüht hat: jetzt ein normaler Baum (und ich habe es verpasst, ein Foto zu machen!).

Der Raps blüht inzwischen fast nicht mehr…

Ich war zwischendurch auch im Wasser. Im Regattabadesee, zum Beispiel kurz vor dem Regen. Das war schön. Aber kein Ersatz!

Tolle Stimmung kurz vor dem Regen

Also auch keine Option…

Oder in der Regattastrecke. Da kann man unterhalb der Tribüne schwimmen. Das war auch schön. Das Wasser ist so klar, dass man den Grund sieht. Geknickte Optik, wenn man nur mit Kopf über Wasser schwimmt. Aber dann kamen unglaublich viele Wasserpflanzen, das ist nicht meins. Dann bin ich umgedreht. Und als ich mich umgezogen habe, hatte ich lauter Dreck unter dem Badeanzug… also auch keine Option für mich…

An der Regattastrecke
Klares Wasser und viele Pflanzen

Heute beim Radln war es auch schön, aber ich bin trotzdem traurig. Denn es war ideales Freibad-Wetter: warm und zum Teil dicke, fette Wolken, die aber harmlos sind. Doch sie halten die Mehrheit der Menschen vom Freibad-Besuch ab und so habe ich da oft meine Ruhe (Stichwort: Abstand!). Und wenn man dann nach dem Schwimmen etwas ausgekühlt ist und am Beckenrand auf den warmen Steinen sitzt, freut man sich über jeden Sonnenstrahl, der einen wieder aufwärmt. Und hofft, dass die dicke Wolke schnell weiterzieht.

Ich hoffe jetzt, dass die dicke Wolke namens „Corona-Vorsichtsmaßnahme“ auch weiterzieht und sich die Politik und Badbetreiber für eine Öffnung der Freibäder durchringen kann. Natürlich unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln. Das haben wir ja alle verstanden! Nur, warum das Freibad im Sommer geschlossen ist, während Fußball gespielt wird, der Biergarten und die Geschäfte offen haben, das verstehe ich nicht!


Erster 1. Mai ohne Freibad

Heute bin ich traurig. Richtig traurig. Denn der 1. Mai ist „mein“ Feiertag. Ja, klar, das ist in ganz Deutschland und vielen Ländern Europas ein Feiertag. Aber heuer – dank Corona – eben nicht „meiner“. Denn normalerweise öffnen am 1. Mai die Freibäder. Aber was ist schon normal in diesen Tagen, Wochen, Monaten? Seit Mitte März sind die Bäder geschlossen, Schutz vor Ansteckung. Sollte mal zwei Wochen dauern, jetzt sind es sechs Wochen.

Dicke Wolken und Wasser – das wäre das ideale Freibadwetter für mich.

So lange nicht schwimmen – das gab’s nicht, seit ich regelmäßig meine Bahnen ziehe. Nicht mal 2014 nach meinem Radlunfall. Da lag ich im Krankenhaus und musste mich auch danach auskurieren, aber nach drei Wochen durfte ich wieder schwimmen. Das hatte zwar wenig mit „Schwimmen“ zu tun, war aber unglaublich wichtig für meine seelische Gesundheit.

Und genau die ist heute überhaupt nicht gut. Weil ich inzwischen einen Lichtblick brauche. Eine Perspektive. Und ja, mir geht’s neutral betrachtet, nicht schlecht. Ich habe Arbeit, kann Rennrad fahren, meine Familie und Freunde sind gesund. Ich habe weder pflegebedürftige Eltern noch Kinder, die daheim lernen müssen und auch ihre Freunde nicht sehen können.

Über 100 Kilometer mit dem Rennrad – das geht nur dank guten Trainings …

Und dennoch schlägt mir die Corona-Situation heute ganz besonders aufs Gemüt. Weil keiner weiß, wie es weitergeht. Und ob die Bäder überhaupt öffnen dürfen. Dabei hat sich der Bäderverband schon Gedanken gemacht, wie man ein Hygienekonzept umsetzen kann. Es ist die Rede davon, dass man die Duschen sperrt und dass Eintrittskarten vorab gekauft werden müssen, wie bei einem Konzert, zum Beispiel. Das wäre doch ok. Duschen kann man auch daheim (hab ich die letzten sechs Wochen getestet, geht prima) und wenn weniger Leute im Becken sind, ist es eh entspannter. Das kenne ich ja nur zu gut. Und selbst wenn das bedeutet, dass man nur zweimal pro Woche seine Bahnen ziehen kann (statt sieben Tage die Woche), dann ist das noch immer besser als jetzt.

Normalerweise wäre ich heute freudig aufgewacht. Es ist nämlich das perfekte Freibadwetter: Wolken, ab und zu Regen, mit etwa 16 Grad nicht zu kalt und definitiv kein Wetter, das die Massen ins Bad lockt. Aber nein – nix ist. Als ich mir dann dachte, dass ich doch mit dem Rennrad eine Runde drehe und vielleicht auf dem Rückweg kurz in einen See springe, fängt es just zu regnen an, als ich aus der Haustür trete. Dazu dunkle Wolken, keine Ahnung, ob es bei den paar Tropfen (der Himmel weint!) bleibt, oder ob es wie vorhergesagt, stärker zu regnen anfängt.

Das wäre Plan B gewesen, aber bei Regen radlen und nasse Klamotten am See – naja. Muss nicht sein.

Ich packe also das Rad zurück in den Keller und beschließe, stattdessen spazieren zu gehen. Da kommt doch glatt die Sonne wieder raus! Ich bin etwa eine Stunde unterwegs: Die Sonne kommt raus, wärmt. Dicke Wolken schieben sich drüber, es wird kühl und dunkler. Irgendwann fallen ein paar Tropfen. Ich werde traurig. Denn genau das hätte ich jetzt gern im Wasser erlebt. Wie schön ist es, wenn man schon etwas ausgekühlt ist und dann die warmen Sonnenstrahlen auf dem Rücken spürt! Wie schön ist es, wenn es auf einmal unter Wasser leuchtend hell wird, das Edelstahlbecken die Sonnenstrahlen reflektiert! Und wie interessant ist der Wechsel hin zum Dunkel! Und dann sieht man auf bzw. unter der Wasseroberfläche, wie es leicht regnet, wie die Tropfen eine Delle in die Oberfläche machen und sich dann im Wasser aufzulösen scheinen. Nie habe ich intensiver als beim Schwimmen wahrgenommen, dass sich die Lichtintensität während des Regens verändert. Es wird heller, doch trotzdem regnet es noch. Wie schön ist es zu wissen, dass man schon zwei Kilometer geschafft hat und das Wasser warm genug ist, dass auch der letzte Kilometer noch geht! Wie schön ist der Gedanke an die warme Dusche nach dem Schwimmen! Das nasse Gras unter den Füßen zu spüren, auf dem Weg zurück zur Umkleide. Wie egal ist das Wetter im Freibad, denn die Klamotten sind im Trockenen! Wie sehr vermisse ich das gerade!

Meine Sehnsucht nach dem Schwimmen – und damit nach einem Stück Normalität – ist unermesslich. Das Rennradfahren ist schön, keine Frage. Ich war und bin froh um die Abwechslung. Doch so ohne Freibad ist es keine Abwechslung mehr. Da können die Touren noch so schön sein …

Auf einer meiner Touren hat der Raps trotz Wolken sehr gelb geleuchtet.

Mäh!


Wasser marsch!

Jetzt ist es soweit: Kein Wasser. Zumindest nicht im Freibad und nicht in absehbarer Zeit. Ich hatte es ja fast befürchtet. Manno! Jetzt, wo das Wetter so schön ist. Jetzt, wo die Sehnsucht echt groß ist! Fünf Wochen an Land! Das muss man sich mal vorstellen! Fünf mal sechs Tage ohne Wasser. 30 Tage! Hallo?? Das hatte ich nicht mal nach meinem Unfall. Und da war immerhin Besserung in Sicht. Und jetzt? Vor lauter Panik und Angst bleiben Sportstätten geschlossen. Sogar Stege an den Seen sind gesperrt. Hoch ansteckend, so ein paar Holzplatten auf dem Wasser. Unfassbar.

Hochansteckend, so ein Steg!

Ja, schon klar – die Ansteckung geht von den Menschen aus, die hier in Horden rumsitzen. Aber haben wir in den letzten fünf Wochen nicht alle gelernt, dass es wichtig ist, Abstand zu halten? Ich hoffe doch, dass die meisten Mitmenschen das inzwischen wissen und sich nicht eng an eng aneinander quetschen (was ich persönlich ja schon immer besser fand, aber als „seltsam“ galt).

Alles meins, keiner da!

Das Radln macht nach wie vor Spaß, meine Ortskenntnis im nördlichen Outback von München erhöht sich. Zum Glück spielt das Wetter noch mit. Denn Radln ist sehr wetterabhängig, ganz anders als Schwimmen. Allerdings stelle ich auch Parallelen fest: Inline-Skater sind die Brustschwimmer des Radlfahrers: schwer einzuschätzen, gehören irgendwie nicht dazu und sind immer im Weg. Vorteil vom Radlfahren: Man hat eine Klingel, um auf sich aufmerksam zu machen. Doch der Schein trügt, nicht immer wird man gehört. Immerhin sind die „Hindernisse“ überholt und tauchen nicht nach 50 Metern wieder auf … Galgenhumor!

Bayern wie im Klischee: der Starnberger See, im Hintergrund die Alpen im Dunst

Heute habe ich es nicht mehr ausgehalten ohne Schwimmen. Deshalb bin ich vormittags zum Starnberger See gefahren. Vorteil von Corona: Weniger Autoverkehr, immerhin. Und am See zum Glück nur ein anderer Mensch. Ich halte ja, siehe oben, eh gern Abstand. Also kein Problem. Der Steg ist zwar gesperrt, ins Wasser kommt man trotzdem.

Bestes Wasser!

Das ist angenehm klar und kühl, aber nicht zu kalt. Ich gehe rein, es ist echt schön! Weil ich vom Radln etwas aufgehitzt bin, warte ich ein bisschen, dann tauche ich unter. Schööööön! Ich schwimme Oma-Brust, einmal um den Steg herum. Das Wasser ist kühl, ich merke, wie mein Atem schneller geht. Aber es ist gut auszuhalten, außerdem könnte ich hier überall stehen, das Wasser ist flach. Und so schwimme ich die paar Meterchen um den Steg. Beim Rausgehen ist mir ganz wohlig, und als ich das Handtuch um mich wickle, kribbelt es. Es ist nicht so heftig wie im Winter, dafür ist das Wasser schon zu warm und auch die Luft ist fast schon sommerlich. Aber es ist schön! Ich genieße den Blick aufs Wasser und die Alpen, die im Dunst zu erkennen sind.

Schön war’s! (Und irgendwann schaffe ich es auch, ein gutes Selfie zu knipsen!)

Dann ist es schon wieder Zeit zum Aufbruch. Beim Radln ist mir nicht kalt, aber ich fühle mich erfrischt. Gestärkt. Es ist zwar nicht mit dem Bahnenschwimmen im Schwimmbad zu vergleichen, aber sehr schön.

Auf die Freibad-Saison möchte ich dennoch nicht verzichten. Es wäre wirklich unglaublich, wenn wir heuer überhaupt nicht ins Freibad könnten!

Diesen Spruch von Benjamin Franklin sollten wir uns alle zu Herzen nehmen. Es gibt keine Vollkaskoversicherung fürs Leben …


Das Chlorhuhn an Land …

Das Corona-Virus hat uns weiterhin im Griff. Inzwischen sind nicht nur die Schwimmbäder geschlossen, fast das komplette öffentliche Leben ist lahmgelegt. Keine Cafés, Kneipen, Restaurants, keine Freunde treffen und natürlich kein Schwimmen. Das ist schon hart. Hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Aber mir fehlt das Schwimmen, die Routine, das Wasser, der Flow. Ja, der Flow fehlt mir am meisten!

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Ohmann… das fehlt mir!

Beim Schwimmen geht’s ja nicht nur ums Wasser. Ich liebe es einfach, wenn ich so dahin schwebe, mich gleichzeitig leicht und kraftvoll fühle. Wenn ich meinen Rhythmus gefunden habe und Bahn um Bahn durchs Becken ziehe. Um mich herum nur Wasser, das alle Geräusche dämpft und so schön gurgelt. Das ist beruhigend. Vor allem, wenn ich allein schwimmen kann. Das Glück habe ich hin und wieder. Und gerade jetzt merke ich, dass es das ist, was mir fehlt. Dieses Gefühl von „Sicherheit“. Wenn ich einen blöden Tag hatte und ins Wasser gehe, fällt vieles von mir ab. Mein Kopf wird frei, die Gedanken drehen sich nicht mehr, sie ordnen sich. Ich kann abschalten oder auf neue Ideen kommen. Oder Dinge von einer anderen Seite sehen. Das wäre gerade jetzt, in dieser schwierigen und unsicheren Zeit so wichtig. Aber: Es geht nicht. Und ja, das ist mir auch klar.

Was macht das Chlorhuhn stattdessen? Es versucht sich im Leben an Land. Als es vergangene Woche so schön frühlingshaft und warm war, bin ich mit dem Rennrad gefahren. Und es war schön! Ich habe mich sogar bei dem Gedanken ertappt, dass es gar nicht so schlecht ist, dass das Bad geschlossen hat, so mache ich wenigstens was anderes. Es hat gut getan, an der Sonne zu sein, den Fahrtwind zu spüren. Es war bissl wie im Urlaub. Da geht mir das Schwimmen auch nicht ab. Da mache ich andere Sachen und natürlich ist die Gesamtsituation eine andere. Und ich kann mich aufs Schwimmen freuen, denn wenn ich wieder daheim bin, kann ich ja wieder ins Bad. Aber jetzt? Weiß es keiner.

Frühling am Feldmochinger See – beim Radeln gesehen

Hübsch und blau, aber kein Schwimmbecken … 

Am Samstag war dann Nieselregen, da wollte ich nicht radfahren. Aber da ich samstags oft mit Freunden schwimmen gehe, war es doppelt hart. Weil wir weder schwimmen gehen können, noch ein Alternativprogramm starten können.

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Die Olympiaschwimmhalle vermisst uns Stammschwimmer sicher auch!

Wäre Eisschwimmen eine Option? Hm, ja, vielleicht. Das Wetter hat mir da auch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es wehte ein starker und eisiger Ostwind. Ich bin mit meinem normalen Stadtfahrrad geradelt, es war ja sonnig. Aber es war wirklich kalt und unangenehm, da hatte ich überhaupt keine Lust zum Eisschwimmen. Dazu kommt, dass ich heuer nicht besonders oft im kalten Wasser war. Und für „richtiges“ Schwimmen ist das Eisschwimmen kein Ersatz. Es ist etwas ganz anderes. Es ist ein Kick, eine Herausforderung, aber einen Flow gibt’s da nicht. Mal sehen, wie sich das Wetter entwickelt.

Ich denke mal, dass es euch anderen, die auch gern und oft schwimmen, ähnlich geht. Vielleicht helfen ja die Schwimmbuch-Tipps über die Trockenzeit? Viele lokale Buchläden, die zur Zeit geschlossen sind, bieten trotzdem einen Online-Versand an. Ihr könnt also doppelt Gutes tun: für euch und für den Buchladen.

Weiteres „Opfer“ von Corona: Der Sauna-Tag in Helsinki. Ich war eh schon unentschlossen, ob ich in diesen Zeiten überhaupt wegfahren soll (war da noch erlaubt), aber es hat sich irgendwie nicht richtig angefühlt. Und dann haben sich die Ereignisse überschlagen, der Sauna-Tag wurde abgesagt. Glück im Unglück. Da habe ich natürlich auch keine Zimtschnecken bekommen, dafür hat mir meine Freundin Diana eine gebacken und mit ins Dantebad gebracht.

Zimtschnecke fürs Chlorhuhn

Und heute gab’s bei meinem Bäcker auch wieder eine Zimtschnecke., eine Spezialanfertigung. Im Sortiment gibt’s die nämlich nicht. Aber der Junior fand Zimtschnecken bei einem Urlaub in Schweden auch toll, darüber haben wir mal geredet und er hatte im Januar schon mal eine „Test-Schnecke“ gebacken. Das Ganze ist dann wegen der Krapfen etwas eingeschlafen, aber heute bekam ich eine neue Version zum Probieren! Es gibt also auch Lichtblicke in dieser echt blöden Zeit!

Zimtschnecke von meinem Bäcker!


Corona-Schwimmpause

Mensch, was sind das für komische Zeiten gerade? Vor zwei, drei Wochen war noch alles normal – und auf einmal überschlägt sich alles und auch die Schwimmbäder sind davon betroffen. Ab morgen, Dienstag, 17. März, werden sie auch in München geschlossen. Sinnvoll – aber traurig!

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So leer wird es vorerst in der Olympiaschwimmhalle sein … 😦

Das werden jetzt harte Zeiten für uns Dauer-Schwimmer. Mindestens zwei Wochen sind alle Bäder in München (und gefühlt im Rest der Welt) geschlossen. Fürs richtige Schwimmen im Freiwasser ist es noch zu kalt. Und ausgerechnet heuer war ich keine so fleißige Eisschwimmerin. Naja. Es ist sowieso kein „Ersatz“, eher eine „Ergänzung“.

Gleich mal vorweg: Ich finde es richtig, dass die Bäder auch geschlossen werden. Zwar ist die Übertragung im Chlorwasser nicht nachgewiesen und ziemlich unwahrscheinlich, die Ansteckung an der Türklinke nicht wahrscheinlicher als im Supermarkt. Es gibt aber zwei weitere Aspekte zu beachten: Das eine ist, dass inzwischen viel mehr Menschen infiziert sind (und es oft nicht wissen, weil sie (noch) keine Symptome haben). Das andere ist, dass sich das Virus über die Luft verbreitet, man soll einen Abstand von zwei Metern zueinander einhalten. Und da sind wir am Knackpunkt: Selbst wenn man zu „Randzeiten“ schwimmen geht, trifft man auf andere Menschen. Und manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man zu zweit am Beckenrand steht. Und schnauft (atmet). Und weil immer mehr Menschen infiziert sind, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass da einer im Bad infiziert ist. Das war vor zwei Wochen noch anders, da waren weniger Infizierte gemeldet. Und wenn ich dann sehe, dass sich Gruppen von fünf oder mehr Schwimmern zusammentun und gemeinsam trainieren, ratschen, pausieren, außer Puste sind – dann wird mir da jetzt eben ganz anders. Es geht jetzt eben darum, die Ausbreitung einzudämmen, zu verlangsamen.

 

Aber natürlich ist es traurig, dass die Bäder schließen. Zum einen natürlich, weil mein liebster Lieblingssport wegfällt. Ich schwimme ja gern, dieses monotone Bahnenziehen brauche ich für mein Wohlbefinden. Es ist mein Ausgleich, meine Meditation. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sich anfühlen wird, nicht zu schwimmen. Ob Radfahren das ersetzen kann?

 

Zum anderen, weil das Schwimmen und der Besuch im Bad auch eine soziale Komponente hat. Hier treffe ich Bekannte, die ich nur hier treffe. Deren Namen ich oft nicht weiß, die ich an der Badehose bzw. am Badeanzug erkenne und auf der Straße wohl nicht kennen würde. Die Gleichgesinnte sind, mit denen man zwei, drei Worte wechselt. Manchmal auch mehrere Sätze. Das wird mir, die alleine lebt, fehlen! Denn auch in der Arbeit sind weniger Menschen vor Ort, auch ich werde zum Teil Homeoffice machen – auch hier fehlen die sozialen Kontakte. Auch das ist richtig, aber es ist halt auch traurig.

 

Wir werden sehen, wie sich das alles weiterentwickelt – und ob ich danach noch schwimmen kann. Jetzt muss ich erstmal schauen, ob die Dusche daheim noch funktioniert … 😉


Bilanz 2019: 834 Kilometer

Wow! 834 Kilometer bin ich heuer, 2019, geschwommen. Nur im Becken! Die paar Meterchen im See kann ich dieses Jahr getrost unter den Tisch fallen lassen.

So leer ist das Becken natürlich nur nach Betriebsschluss

Das „Wow“ ist so zu verstehen, dass ich „normalerweise“ etwa 500 Kilometer schwimme. Das wurde letztes Jahr schon getoppt: Da waren es dann 666 Kilometer. Und dieses Jahr hatte ich die 500 schon am Geburtstag, also im August, voll. Da waren dann auch die 666 nicht mehr als nur eine schöne Zahl. Wohin sollte die Reise also gehen? 700? Realistisch, aber nicht wirklich eine Herausforderung. Aber solange diese Marke das Ziel war, war die „700“ in der Olympiaschwimmhalle auch mein Schrank.

 

Unfassbar! Kaum Schwimmer da, aber mein Schrank ist besetzt!

Zum Glück nicht immer …

Doch das war dann auch geknackt und die Kilometerjagd ging weiter. „Jagd“ deshalb, weil es mir heuer – ironischerweise genau in dem Jahr, in dem ich weniger schwimmen wollte – ziemlich wichtig war, Kilometer zu sammeln. Keine Ahnung, warum das so war. Ich habe auch immer fleißig mitgerechnet, normalerweise schaue ich am Ende der Freibadsaison mal, wie viele Kilometer schon zusammengekommen sind, oder im November. Aber heuer war alles anders.

Das hat mit einem verrücken Plan im Mai zu tun: Da wollte ich tatsächlich jeden Tag schwimmen gehen. Also vom 1. bis 31. Mai – 31 Mal hintereinander. Das war mal schön, und mal weniger schön. Weil entweder viele Leute da waren oder ich nicht in meinen Flow gekommen bin. Und manchmal hat es sich angefühlt wie Arbeit – und ich war ja auch tatsächlich öfter schwimmen als arbeiten (Feiertage, Wochenenden – keine Ausnahmen, zumindest nicht im Mai). Und dann war es doch so gut, dass ich am 1. Juni gleich nochmal schwimmen gegangen bin. Hihi!

Ach, Freibad … bis wir uns wiedersehen, dauert es noch …

Die verlängerte Freibad-Saison bis 30. September hat ihr übriges getan, dass zahlreiche Kilometer hinzugekommen sind. Und als dann die Olympiaschwimmhalle wieder geöffnet hat, war es da bis zur offiziellen Eröffnung sehr ruhig. Und das musste ich natürlich nutzen. Schönes Schwimmen unter dem Zeltdach, wieder mit viel Platz. Tja und so ging das Jahr zur Neige und das Chlorhuhn ist geschwommen, geschwommen, geschwommen. Und anders als zum Beispiel im letzten Jahr hatte ich nie „Unlust“ verspürt. Klar, manchmal fiel es mir im Wasser schwer, der Flow hat sich nicht eingestellt oder so, aber ich hatte immer Lust hinzugehen. Kein „Zuviel“ vom vielen Schwimmen – eher im Gegenteil!

Ich habe einen neuen Schrank – weil er eine „8“ enthält und so schön zweideutig ist.

Allerdings muss ich auch eingestehen: Ich habe wirklich kaum etwas anderes gemacht. Ich war nicht im Urlaub (im April in Dresden und im Oktober in Antwerpen), aber im Sommer war ich hier. Beziehungsweise im Freibad. Und auch das See-Schwimmen habe ich vernachlässigt. Sowohl im Sommer als auch im Herbst und Winter. Irgendwie war mir das „Kacheln zählen“ im Edelstahlbecken lieber. Und so habe ich auch kaum etwas erlebt, in diesem Jahr 2019. Kein Radln in Dänemark oder Schweden, keine neuen Abenteuer in Estlandoder sonstwo. Das kann man schon mal machen, ist sicher gut für die Klimabilanz, aber so das Gelbe vom Ei war’s nicht im Rückblick.

Auf der anderen Seite der Bilanz steht aber auch, dass ich viele „Gemeinsame Kilometer“ geschwommen bin. Im Winter, als wir in der Olympiaschwimmhalle noch im Trainingsbecken geschwommen sind, waren meine Schimmfreunde Jakob und Cissi oft da. Auch, wenn die beiden viel besser und schneller schwimmen als ich, sind wir irgendwie gemeinsam geschwommen. Auch mit meiner Freundin Diana hat es 2019 wieder öfter geklappt, das wir uns zum Schwimmen getroffen haben. Im Sommer gab’s zahlreiche Freibad-Besuche mit Cissi, die mir ihr Lieblingsfreibad in Dachau gezeigt hat, aber auch Ausflüge nach Germering oder „daheim“ im Dante- oder Schyrenbad. Und auch, wenn immer behauptet wird, dass Schwimmen ein einsamer und wenig kommunikativer Sport ist, finde ich es schön, wenn ich nette Gesellschaft habe. Klar: Während des Schwimmens redet man nicht miteinander, aber der/die andere ist auch da und jeder kann seinen Plan schwimmen – und ist nie weit weg. Ganz anders als beim Radlfahren …

Als Fazit lässt sich sagen, dass ich das mit den vielen, vielen Kilometern mal ausprobiert habe – und mal sehen, was ich 2020 mache. Das ist ein Schaltjahr, also ein Tag mehr zum Schwimmen – oder für was anderes… mal sehen …


Kollision

Seit ich regelmäßig schwimmen gehe, ist mir klar, dass es irgendwann passieren wird: eine Kollision. Damit meine ich nicht das leichte Berühren durch andere Schwimmer beim Überholen, sondern so richtig. Dass es an einem ruhigen Abend mit nur einem weiteren Schwimmer auf meiner Bahn (und ebenso ruhig auf den Nachbarbahnen) passiert, damit habe ich nicht gerechnet.

Die Ironie an der Sache ist gleich doppelt: Denn zum einen wollte ich den Nachmittag meiden, weil es die letzten Male einfach sehr gut besucht war. Viel Trubel, in dem man zwar relativ gut schwimmen konnte, aber ich kann mich da einfach nicht entspannen oder auf mein Schwimmen konzentrieren. Ständig habe ich Angst, dass mir jemand reinschwimmt, ein Überholvorgang meinerseits einen anderen Schwimmer behindert oder weitere Schwimmer dazu kommen und das „System“ durcheinanderbringen.

So leer ist es selten – gekracht hat’s trotzdem …

Also wählte ich den Samstag Abend. Da kann man oft Glück haben und in Ruhe schwimmen, während die anderen Menschen Essenseinladungen folgen, tanzen gehen oder im Kino sitzen. So auch kürzlich. Herrlichste Ruhe, pro 50-Meter-Bahn nur ein bis drei Schwimmer. Wir waren zu zweit. Ich musste an der Leine kurz pausieren, weil ich dachte, dass sich mein Schlüssel löst und ins über zwei Meter tiefe Wasser sinkt. Und weil ja niemand da war (außer einem Mitschwimmer), habe ich es riskiert und mich an der Leine festgehalten, um nach dem Schlüssel zu sehen (der am Fuß befestigt ist). Ich sehe auch, wie der andere näher kommt – und ich sehe, dass außer mir weit und breit niemand ist. Platz zum Ausweichen war also da und zwar reichlich. Und dann tut’s einen Schlag auf meinen Kopf. Aua! Aber sowas von! Das war richtig hart. Und der Schwimmer? Schwimmt einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre! Geht’s noch? Die junge Frau auf der Nachbarbahn ist inzwischen bei mir angekommen, bleibt stehen und fragt, ob alles ok ist. Ich muss verneinen, denn der Schlag war ziemlich hart. Er hat mich an der Schläfe getroffen.

Ich tauche jedoch auf ihre Seite der Leine und schwimme dort zurück. Sicher ist sicher. Inzwischen ist der Mann wieder auf meiner Höhe, ich versuche ihn anzuhalten. Keine Chance! Also schwimme ich erstmal zurück zum Beckenrand. Und irgendwie ist mir komisch. Dann beschließe ich, dass ich doch raus muss aus dem Wasser und den Bademeister um Hilfe bitte. Normalerweise mache ich das nicht, entweder ist mir eine Sache nicht so wichtig oder ich halte den „Übeltäter“ selbst an und bitte um etwas mehr Rücksicht.

Der Bademeister hat alles gesehen (bleibt aber trotzdem auf seiner Bank sitzen) und fragt, wie es mir geht. Ich muss mich tatsächlich setzen, irgendwie ist mir jetzt flau. Ob es der Ärger ist oder tatsächlich der Schlag, kann ich nicht einschätzen. Er bietet aber an, den Mann aufzuhalten. Und ein weiterer Schwimmer ist am Beckenrand und fragt, ob er helfen kann. Ich sage, dass er ja versuchen könnte, den Schwimmer aufzuhalten, mir ist es nicht gelungen. Und tatsächlich hält er ihn an, als er wendet (oder eher unter Wasser umdreht). Verdutzt, weil er in seinem Ablauf gestört wird, blickt er den Mann im Wasser an, dann zum Bademeister, weil der ihn jetzt anspricht. Ob er nicht gemerkt hätte, dass er mich am Kopf getroffen hat und dass so eine Schwimmbrille nicht nur die Augen schützt, sondern auch dafür da ist, dass man sieht, was auf der Bahn ist. Nein, er habe mich nicht gesehen. Die Brille sei angelaufen und er sieht nur, wenn jemand schwimmt, weil es dann Blasen gibt. Dann meint er noch, dass er meine Hand berührt hat, als ich auf der anderen Bahn geschwommen bin. Jetzt bin ich komplett verwirrt, weil er mich ein paar Bahnen vorher so knapp überholt hat, dass sein Arm in meinen Arm eingefädelt ist (auch da gab’s keinen Anlass, so nah neben mir zu schwimmen). Aber daran kann er sich gar nicht erinnern. Statt sich zu entschuldigen, beteuert er weitere dreimal, dass er mich nicht gesehen hat (Standardausrede von Autofahrern gegenüber Radlern). Irgendwann ringt er sich zu einer Art Entschuldigung durch, die ich „annehme“, damit sich diese blöde Situation auflöst.

Ich muss mich noch ein bisschen ausruhen und schwimme dann lieber auf der Bahn mit der Frau. Sie erkundigt sich nochmal, wie es mir geht und sagt, dass der Mann sie auch schon erwischt hat, über die Leine. Ah, da klärt sich was für mich!

Ich will weiterschwimmen, es sind noch immer kaum Leute im Becken und ich denke, dass es wieder geht. Aber leider ist es nicht so. Mir wird schwummrig, als ich kraule. Ich versuche es langsamer, aber es wird nicht besser. Also nochmal kurz Pause. Ein sehnsüchtiger Blick auf das türkise, glatte Wasser und meine einzige Mitschwimmerin. Ich probiere es mit Rückenschwimmen. Das geht. Langsam zwar, aber immerhin. Ich versuche, den Vorfall zu vergessen. Will mich an dem eigentlich ruhigen Schwimmabend erfreuen, aber so ganz will es mir nicht gelingen. Zum einen, weil ich mich noch immer etwas unwohl fühle, zum anderen, weil mich diese Dreistigkeit ärgert. Ja, man kann mal jemanden übersehen. Ja, es kann mal zu einem Zusammenstoß oder so kommen. Aber dann einfach weiterzuschwimmen, als wäre nichts gewesen? Das geht nicht! Im Straßenverkehr wäre das Fahrerflucht. Und ich glaube dem Mann auch nicht, dass er es nicht gemerkt hat. Der wollte einfach weiterschwimmen, sein Ding durchziehen. Das fand ich dreist.

Auch einen Tag später spüre ich an der Schläfe noch etwas, wenn ich die Stelle berühre.