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Schaurig im Kirchsee

Eines kann man dem Sommer 2019 nicht vorwerfen: Dass er langweilig oder einseitig ist. Es gibt alles von kühl-regnerisch bis megaaffenheiß!  Was aber auch dazugeführt hat, dass die Seen schwankende Temperaturen haben und für das Chlorhuhn das Freibad oft eine gute Alternative war. Und so kommt es, dass ich mein erstes „richtiges“ Freiwasserschwimmen erst am 9. August absolviert habe. Wasserfrosch Lutz hat eine Mitfahr- und Mitschwimmgelegenheit angeboten, die ich gerne angenommen habe. Seine Challenge 2019 ist beendet, es gibt freie Auswahl bei den Seen. Einziges Kriterium: Das Wasser sollte warm genug fürs Chlorhuhn sein, denn zum längeren Schwimmen fehlt mir der Neo. Und kurz im kalten Wasser – das gibt’s erst ab Oktober wieder.

Wissenswertes über den Kirchsee

 

Also fiel die Wahl auf den Kirchsee. Ein Moorsee im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, unweit meiner Heimat Tegernsee. Tatsächlich ist der Kirchsee eine Alternative für einige aus dem Tegernseer Tal, wenn der Tegernsee noch kühl ist. Denn Moorseen sind nicht so tief und deshalb schneller warm. Und groß ist der Kirchsee auch nicht. Die Lage ist idyllisch, Moorlandschaften mit Kiefern erinnern mich immer an Finnland oder Schweden. Nur dass hier im näheren Hintergrund das Kloster Reutberg und im hinteren Hintergrund der Wallberg, der über dem Tegernsee trohnt, zu sehen ist. Sehr schön, ich bin begeistert!

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Der Kirchsee mit Kloster Reutberg im Hintergrund. Nicht im Bild: der Wallberg

Wir machen uns bereit zum Schwimmen, setzen Kappe und Brille auf und schnallen die knallorangenen Bojen um. Da werden wir am Ufer schon von einem Knirps neugierig beäugt und auch gleich gefragt, was wir da haben. Später, als wir zurückkommen, will der Bub die Bojen noch ganz genau inspizieren. Jetzt geht’s aber erstmal ins Wasser, das angenehm warm ist. Wie auch in Finnland sind meine Füße bräunlich unter Wasser. Wir beschließen, einmal quer über den See zu schwimmen, um dann im Uhrzeigersinn am gegenüberliegenden Ufer entlang zu schwimmen. Die ersten paar Meter läuft es gut, ich habe ein gutes Wassergefühl und das Schwimmen fühlt sich gut an. Als wir in Ufernähe sind, machen wir ein paar Bilder, checken die Wassertemperatur: 26 Grad. Zum Teil fühlt es sich kälter an.

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Und dann, als ich weiterkraulen will, überkommt mich fast eine Panik. Der Blick in das tiefe schwarzbraune Wasser ist auf einmal gespenstisch. Zusätzlich hat sich eine dünne Schichtwolke vor die Sonne geschoben, so dass es unter Wasser noch etwas düsterer ist.

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Bis hierher ging es gut …

Ich muss mich total zusammenreißen, dass ich keine Panik bekomme. Das ist echt unangenehm, das hatte ich nicht mal beim Vollmondschwimmen im Chiemsee. Und da war es auch stockfinster unter Wasser. Aber das hier, das ist anders. Was tun? Ich schwimme erstmal Brust, Kopf unter Wasser, aber den Blick eher nach vorn als nach unten gerichtet. Das geht so einigermaßen.

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Moorleiche statt Chlorhuhn

Bei der nächsten Gelegenheit bespreche ich mich mit Lutz. Ich kann so nicht die ganze geplante Strecke schwimmen. Der Blick nach unten macht mir Angst. Ich verstehe es nicht so ganz, denn wenn ich im Tegernsee nach unten blicke, sehe ich auch nichts – außer grünem Wasser. Aber das hier ist anders – und leider so gar nicht meins.

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Solange ich nicht nach unten schauen muss, geht’s …

Es geht auch nicht weg. Wir beschließen, die Strecke abzukürzen. Ich schwimme weiterhin Brust und vermeide den Blick nach unten ins Dunkle. So geht’s einigermaßen. Aber so richtig Spaß macht es mir nicht. Das ist schade, denn eigentlich hatte ich mich gefreut, im See zu schwimmen. Am Ende war es ein guter Kilometer. Lutz ist nicht so ein „Schisser“ wie ich, hier könnt ihr seine Geschichte vom Kirchsee lesen.

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Unsere Schwimmstrecke: 1,29 Kilometer

Zurück an Land erwartet uns der Bub schon. Er wollte auch wissen, wie warm das Wasser ist und überhaupt. Und dann sag ich, dass es unheimlich ist, ins schwarze Wasser zu schauen. Der 6-Jährige weiß Bescheid: „Das ist doch klar, weil das ein Moorsee ist!“. Tja, da hat er Recht, der Kleine. Ich weiß auch nicht, was da los war mit mir. Vielleicht bin ich auch in letzter Zeit viel zu viel geschwommen. Am 8. August waren die 500 Kilometer voll. Das war mal meine Jahresleistung, ist aber schon vergangenes Jahr weit übertroffen worden. Ich bin halt ein Chlorhuhn.


Ich bin wieder in meinem Element

Nachdem ich die wirklich warmen und schönen Herbsttage vor allem zum Rennradln genutzt habe, habe ich jetzt das Rennrad genutzt, um zum Herbstschwimmen zu kommen. Das ist eine prima Sache, weil’s nämlich schneller geht und mehr Spaß macht.

Am Freitag bin ich sogar eine Variante der Strecke gefahren. Da war’s auch recht warm und als ich am Langwieder See angekommen bin, habe ich mich total aufs Wasser gefreut. Nicht etwa, weil ich verschwitzt war. Sondern einfach auf das Gefühl. Reingehen, schwimmen, genießen. Schauen, wie lange ich durchhalte.

Sonne, leichte Wellen und recht warmes Wasser: der Freitag am Langwieder See

Das Wasser kam mir auch nicht kalt vor. Ich bin zügig reingegangen, hatte aber kein Thermometer dabei. Geschätzt hätte ich es auf 15-16 Grad. Ich schwimme los, es ist kühl, aber nicht schlimm. Es hätte mich schon gereizt, rauszuschwimmen. Oder zu dem schräg gegenüberliegenden Ufer. Aber allein. Eher nicht. Nicht, dass es doch kälter ist als gedacht und dass was passiert. Lieber auf Nummer Sicher und bissl „doof“ am Ufer hin- und herschwimmen. „Viermal, das schaffst du“, denke ich. Und als ich die vier „Bahnen“ hinter mich gebracht habe, merke ich, dass das Wasser gar nicht kalt ist. Es ist eher so, dass es wärmer wurde beim Schwimmen. Auf meinem Rücken fühlt es sich warm an. Also schwimme ich weiter. Brav am Ufer, nach Bahn acht denke ich: „Die zehn machst jetzt voll!“ Gedacht – getan. Dann aber raus, schließlich will ich nicht übertreiben und muss auch noch heimradln.

Am Ufer überkommt mich dann dieses wohlige Kribbeln. Obwohl es ja noch gar nicht kalt ist, durchfluten mich diese Kalt-Warm-Wellen. Es ist herrlich. Wie habe ich es vermisst! Weniger vermisst habe ich allerdings, was unter meinem Badeanzug zum Vorschein kommt: Sand und sogar eine Minischnecke. Ich war wohl zu lange im Wasser, da hat sie es sich gleich bequem gemacht. Naja. Schnell weggeschnippt, abgetrocknet, angezogen.

Schee war’s!

Und während ich noch dasitze und die Sonne genieße, kommen zwei Bekannte: Ruth und Robert, die ich letztes Jahr hier kennengelernt habe. Die auch im Herbst schwimmen und einfach schauen wollten, wie lange es klappt. Leider habe ich sie dann letztes Jahr nicht mehr gesehen. Aber just am Freitag, als ich zum See geradelt bin, habe ich an die beiden gedacht. Und schon sind sie da! Bis November haben sie durchgehalten, dann war’s Wasser zu kalt. Ich finde auch, dass es einen Unterschied macht, ob das Wasser über oder unter 10 Grad hat. Das ist so eine Grenze. Genau wie die 5-Grad-Marke. Das ist auch nochmal eine andere Nummer – und unter 5 Grad zählt es dann tatsächlich als Eisschwimmen.

Die beiden schwimmen also auch ihre Runde und wir ratschen noch ein bisschen. Sehr schön, das hat mich echt gefreut, die beiden doch wieder zu treffen.

Heute war ich auch nochmal schwimmen. Bei ganz besonderem Licht. Über München ist eine graue Wolkendecke, es gibt diffuses Dämmerlicht. Nicht dieses fade Licht, wenn es wolkig ist, sondern eher wie morgens oder abends in der Dämmerung. Das kommt wohl daher, dass der Himmel im Süden blau ist. Was sag ich: blau? Hellblau. Türkishellblau. Unfassbar schön. Und dieses Blau schiebt sich langsam nördlich. Oder besser, die warme, trockene Föhnluft schickt die Wolken weg. Sie schiebt sie nach Norden. Heute konnte ich das beim Radln schon prima beoabachten.

Da hinten schiebt der Föhn den blauen Himmel an – oder die Wolken weg. Ansichtssache!

Warm war’s aber nicht. Etwa 11 Grad. Leichter Ostwind, den man aber nur als Gegenwind-Verstärker gemerkt hat. Der See lag spiegelglatt vor mir. Dieses Prä-Föhn-Dämmerlicht hat eine ganz besondere Stimmung gezaubert. Die Birken haben golden geleuchtet. Und auch die anderen gelben Blätter sahen eher aus wie kleine Lampen an den Bäumen. Es war surreal. Ihr müsst euch das jetzt vorstellen, weil es auf den Fotos nicht so rüberkommt. Da ist es einfach duster und grau.

Das Handy kann die tolle Lichtstimmung nicht einfangen. Immerhin sieht man, wie spiegelglatt das Wasser ist.

Das Wasser kam mir dann aber deutlich kälter vor als am Freitag. Schon beim Reingehen an den Füßen habe ich es gespürt. Wieder ohne Thermometer. Ich dachte ja, dass es mir egal ist, wie warm das Wasser ist. Aber ehrlich gesagt bin ich zu neugierig und werde es nächstes Mal wieder mitnehmen. Ich tauche unter, es ist kalt. Kälter als beim letzten Mal. Ich schwimme einmal hin und her. Puh! Aber ich will auch kein Jammerlappen sein und sage mir, dass vier „Bahnen“ schon gehen. Also nochmal hin und her. Und dann raus. Es ist kalt. Ganz anders als am Freitag. An Land bin ich auch froh, mich in mein dunkelblaues Handtuch zu wickeln und den nassen Badeanzug ausziehen zu können. Dieses Mal auch ohne Mitbringsel aus dem See. Gekribbelt hat’s natürlich schon. Und das war wieder toll. Die Lebensgeister tanzen unter der Haut Samba, ich fühle mich erfrischt und belebt. Und freue mich schon aufs nächste Mal.

Der Busch rechts im Bild hat in Wirklichkeit gelb geleuchtet. Also nix grau-in-grau wie auf dem Bild.

Für alle, die es auch reizt, habe ich hier nochmal meine persönlichen Tipps zum Herbst-, Winter- oder Eisschwimmen zusammengefasst.


Tegernsee-Schwimmen

36 Grad und es wird noch heißer… das ist der Soundtrack dieser Tage. Und davon verschont bleibt auch nicht das Wasser im Tegernsee. 24 Grad hatte der Tegernsee am Samstag, am Sonntag soll er sogar noch wärmer gewesen sein. Rekord!

Die Wolken sind nur Deko am Tegernsee.

Am Samstag war ich jedenfalls auch im Tegernsee schwimmen. Ich war in Kaltenbrunn, am nördlichen Ende des Sees. Am Strand und in Ufernähe war natürlich großer Betrieb, kein Wunder bei dem Wetter, an einem Samstag in den Ferien. Aber ich habe ein schattiges Platzerl gefunden und war dann ja eh erstmal weg. Mit meiner Boje wollte ich nach Holz schwimmen. Das habe ich schon zweimal gemacht. Beim Reingehen ist das Wasser trüb. Der Sand ist wegen der vielen Leute total aufgewühlt, man sieht gar nicht, wohin man tritt. Obwohl der See hier sehr lange sehr flach ist, schwimme ich bald möglichst los. Ich habe nämlich keine Lust, mir die Zehen an einem Stein anzuhauen, die hier auch im Wasser sind.

Anfangs ist das Wasser echt richtig warm. Wärmer als im Freibad, zumindest fühlt es sich so an. Dann wird’s tiefer (und grüner) und ich spüre, dass vor allem die Wasseroberfläche warm ist. Von unten kommen immer mal wieder kalte oder kühlere Strömungen. Das ist nicht schlimm oder unangenehm. Es ist schön, interessant. Da muss ich an Neoprenanzugschwimmer denken: Sie verpassen das!

Ich schwimme also ganz für mich im grünsten Wasser des Tegernsees. Und die Oberfläche ist auch noch spiegelglatt! So ruhig kenne ich den See nicht. Es ist traumhaft. Zug um Zug komme ich voran. Keine Eile, keine Hektik. Keiner, der mich knapp überholt oder den ich überholen muss. Nur ich und der See. Also, zumindest hier. Herrlich. Und so warm! Nicht zu warm, eher genau richtig!

Irgendwann sehe ich ein Segelboot in meiner Nähe. Ich schwimme Brust mit Kopf über Wasser, um mir einen Überblick zu verschaffen. Dann warte ich kurz ab. Der Segler ruft mir zu: „Ich habe Sie schon gesehen! Mit Ihrer Boje sind Sie ja gut gekennzeichnet!“ Ich bedanke mich und sage, dass das einer der Gründe für die Boje ist. Dass ich gesehen werde. Dann fährt er weiter und ich habe den See wieder für mich und schwimme weiter. Westwärts, zum Ufer in Holz. Ich lande dort aber nicht an, es ist nicht wirklich schön da. Schlammiger Boden, viel Müll und die Badestelle ist direkt am Parkplatz der Bundesstraße, die um den See führt. Deshalb drehe ich dann um und schwimme zurück.

Jetzt ist leichter Nordostwind aufgekommen. Also Gegenwind. Nicht schlimm, die Wellen kräuseln sich nur ganz leicht. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich nicht vorankomme. Das täuscht wahrscheinlich, weil das Ufer hinter mir noch recht nah ist, aber das Ufer vor mir, mein Ziel, noch nicht in Sichtweite ist. Das Chlorhuhn kann damit nicht wirklich gut umgehen. Schließlich ist mein Schwimmrevier sonst einfach 50 Meter lang und Anfang und Ende kann ich sehen. Aber ich habe inzwischen eine Taktik entwickelt, damit ich nicht in Panik gerate. Es ist ja alles immer eine Kopfsache. Ich schwimme einfach Brust. Lange Züge mit einer langen Gleitphase unter Wasser. Das beruhigt mich. Brustschwimmen kann ich einfach schon viel länger als Kraulen. Und hier im See macht das auch mal Spaß. Ich halte niemanden auf, keiner bekommt einen Tritt ab. Und so tauche ich also auf und ab, gleite dahin, stoße die Beine kräftig nach hinten. Und irgendwann kommt auch mein Ziel in Sicht.

Einfach toll, die Abendstimmung in Kaltenbrunn, wenn der Tegernsee der Länge nach vor einem liegt …

Ein sehr schöner Ausflug war das. Und obwohl ich fast eine Stunde unterwegs war, ist mir danach nicht kalt. So warm ist das Wasser! So warm ist die Luft auch im Schatten! Sommer halt!


Schwimmen und das schwedische Jedermannsrecht

Die meisten haben schon davon gehört: In Schweden gibt’s das „Jedermannsrecht“, auf schwedisch: allemansrätt. Das besagt, dass jeder die Natur nutzen darf, also auch Seen. Allerdings darf man (kurz gesagt) Privatgrund nicht betreten bzw. muss Abstand zum Haus halten. Und es gehen Pflichten mit diesem Recht einher: Müll muss wieder mitgenommen werden, darf nicht in die Landschaft geworfen werden. Eigentlich selbstverständlich und so weit ich das von meinen Eltern in Oberbayern gelernt habe, gilt das mit dem Müll auch hier: nicht liegenlassen, sondern wieder mitnehmen. Gerade an der Isar und im Englischen Garten in München scheint das nicht mehr zu gelten. Aber das ist ein anderes Thema …  (und mehr zum Jedermannsrecht gibt’s zum Beispiel hier, bei Elchkuss).

Ich habe mit dem Jedermannsrecht in Schweden natürlich auch Bekanntschaft gemacht. Bei meinen ersten Schwimmausflügen war es zum Beispiel so, dass kein Mensch und kein Haus weit und breit waren. Also Bahn frei und ab ins Wasser.

Am nächsten Tag bin ich in die andere Richtung geradelt, natürlich war da auch ein See das Ziel, der Ören bei Svalsjö. Ich fahre dort also am Ufer entlang, aber irgendwie sehen die Stege dort sehr „privat“ aus. Einmal ist sogar ein Zaun um die Wiese und den Steg. Das ist zwar eine traumhaft schöne Schwimmstelle, aber wohl privat und ich will hier keinen Ärger riskieren.

Also radle ich zurück zur Kreuzung, um es am anderen Seeufer zu probieren. An der Kreuzung ist auch ein Café mit Shop, ich beschließe, hier kurz nachzufragen. Per, der Inhaber und Schreiner, ist äußerst freundlich und meint, dass die Schwimmstellen nur privat aussehen und ich dort ohne Weiteres baden kann. Oder ich kann seine Schwimmstelle nutzen, er müsse jetzt ohnehin arbeiten. Ich bin gerührt und nehme das Angebot an. Per beschreibt, wie ich zu seiner Stelle komme: „Den Weg entlang, den Hügel hinauf und dann musst du rechts schauen, dass du es nicht verpasst. Da ist ein großer Stein im Wasser und eine Art Holzsessel an Land. Den habe ich gebaut. Da kannst du dich auch hinsetzen oder deine Sachen ablegen.“ Ohmann, wie toll!

Bevor ich zu der Stelle radln kann, verratschen wir zwei uns noch. Er begutachtet mein Radl (Mariannes altes Mountainbike) und wir fachsimpeln ein bisschen. Dann zeigt er mir sein Radl. Dazu müssen wir über die Wiese hinter dem Café gehen und zu seinem Privathaus. Dort auf der Veranda steht sein „Liebling“. Es ist ein Gravelbike! Lustigerweise habe ich darüber erst kürzlich fürs Fitnessmagazin berichtet.

Jetzt aber auf Pers Schwimmstelle. Die Wolken werden leider immer mehr, so dass es kein so richtig schöner Badetag ist. Aber ich finde den großen Stein und den Holzsessel. Zwischen den Birken hängt Pers gestreiftes Handtuch und wedelt im Wind. Aber ich habe ja mein eigenes dabei.

Flugs bin ich nackt und gehe ins Wasser. Trotz des Windes und der Wolken ist es nicht kalt. Wegen der Wellen ist das Schwimmen wieder in eine Richtung schön und in die andere nicht so. „Genug“, denke ich und gehe an Land. Und dann merke ich, dass es doch zu kurz war und es gar nicht kalt ist und überhaupt: Ich habe ja keine Eile. Also nochmal rein und bissl schwimmen. Es ist eher Planschi-Schwimmen, aber egal. Es ist schön.

Auf dem Rückweg kehre ich dann bei Anna und Per ein. Denn im Café gibt’s Zimtschnecken und Kaffee, eine kleine Pause schadet nie. Und Zimtschnecken sind natürlich immer Pflicht, weil es die hier in Bayern nicht gibt (oder ich noch keine gefunden habe).

Per stellt übrigens „mekaniska kabinett“ her. Das sind Figuren aus Holz, die sich bewegen oder mit den Augen rollen, wenn man an der Kurbel dreht. Die setzt Zahnräder aus Holz in Bewegung. Total verrückt. Könnt ihr hier im Internet mal anschauen und wenn ihr mal in der Gegend seid, vorbeifahren.

Ich war dann an dem Tag trotz Wolken noch in verschiedenen Seen beim Schwimmen. Denn rund um das Hotell Sommarhagen gibt’s acht verschiedene Seen, im Umkreis von 1500 Metern. Wenn das mal nix ist, dann weiß ich auch nicht.

Hier gab’s sogar eine Art Rundkurs mit Bojen:

Und hier war ich tagsüber schwimmen und abends gleich nochmal, weil es so schön war, in der Abendstimmung.


Schwedisches Seen-Schwimm-Paradies

Meine schwedischen Schwimmausflüge gehen noch weiter. Von Stockholm bin ich mit dem Zug nach Boxholm gefahren und von dort mit dem Taxi zum Hotell Sommarhagen. Ein kleines Hotel in der schwedischen Pampa, pro Quadratkilometer gibt’s hier nur 2 Einwohner (in München sind es gefühlt 2 Einwohner pro QuadratMETER…).

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Das Hotel ist in einem alten Pfarrhaus untergebracht und wird von Marianne und Bengt-Göran, kurz BG, geleitet. Äußerst herzliche Menschen, die im wahrsten Wortsinne Gastgeber sind. Der Gast, also ich, ist hier wirklich König. Das fängt schon mit so banalen Dingen an, wie: Ich kann mein Frühstück natürlich auch auf der Terrasse vorm Haus einnehmen. BG bringt die Polster. (Auf Mallorca hatte ich auch mal vor, auf der sonnigen Terrasse zu frühstücken – aber nein, im Frühstücksraum wird gegessen. Auch, wenn es Büffet ist und ich eh alles selbst an den Tisch bringen muss.)

Hier, im schwedischen Niemandsland, ist es wunderschön. Es gibt Wald und Seen. Marianne und BG haben sämtliche Wege, die vom Haus starten, erwandert und erradelt und verschiedene Touren markiert.

Es ist für jeden was dabei: eine kurze 4-Kilometer-Runde, eine längere Radlrunde – und: „Es gibt keine Tour, die nicht an einem See vorbeiführt“, verspricht Marianne. Sie erklärt die Touren ausführlich und individuell. Weil ich gern schwimmen möchte, verrät sie mir gute Schwimmplätze. „Badeanzug brauchst du keinen. Da kommt keiner vorbei, höchstens ein Elch, aber der hat ja auch keine Badehose!“

Und so packe ich Handtuch (zur Vorsicht den Badeanzug), Thermometer und was zu trinken ein und mache mich auf zu meiner ersten Erkundung. Es geht den Hügel hinauf, in den Wald hinein. Und dann kommt auch schon der erste See: Svarten, der schwarze See. Spiegelglatt liegt er da, von Kiefern umgeben. An einer Grillstelle kann ich meine Sachen abstellen und in den See gehen. Weil weit und breit tatsächlich niemand da ist, gehe ich nackt.

Das Wasser ist warm und weich. Seidig. Trinkwasser, sagte Marianne. Ich schwimme und mache den Mund auf. Wie ein Fisch lasse ich das Wasser in den Mund laufen und nehme einen Schluck. Ich schwimme etwas aus der kleinen Bucht raus und lasse die schwedische Landschaft auf mich wirken. Vor allem die Ruhe hier! Und das klare Wasser, das mit 23 Grad wärmer ist als der Tegernsee. Sooooo schön! Schon jetzt ist klar: Das ist mein Lieblingssee!

Am nächsten Tag mache ich eine Radtour. Auf Schotterstraßen geht’s am alten Schulhaus vorbei, das jetzt ein Sommerhäuschen ist.

Dann kommt lange, lange, lange gar nix. Außer Wald und Waldesrand. Vögel singen, Hummeln summen. Und das Radl rollt über die Schotterstraße. Ich komme zu einem alten Bauernhaus. Genauer gesagt ist es ein alter Bauernhof, der aus drei Teilen besteht. Einer Scheune mit einem Torbogen, unter dem ich durchgehen kann. Ich muss mich ducken, es ist niedrig. Und dahinter stehen dann links und rechts zwei kleine, rote Schwedenhäuschen. Wie im Spiegelbild. Durch die Fenster kann (und darf!) man nach innen schauen. Der Hof ist ein Freilichtmuseum. Manchmal sind Leute da, die die Tür öffnen. Heute leider nicht. Durch die Fenster sehe ich in eine andere Zeit.

Ich schwinge mich wieder in den Sattel und radle weiter. Ich komme an einem kleinen Dorf vorbei, das an Bullerbü erinnert mit seinen roten Häusern, die Fenster sind weiß gerahmt. Ich erreiche eine Kuppe und sehe: einen See. Da unten ist er! Mein See für heute, bei Danskebo. Er leuchtet dunkelblau zwischen den grünen Bäumen. Ich bin voller Vorfreude.

Jetzt komme ich auch auf eine Teerstraße, das Radln ist gleich viel leichter und angenehmer. Und die Straße führt am See entlang. Ich halte nach einer geeigneten Badestelle Ausschau. Gar nicht so einfach, das ganze Ufer ist bewachsen und ich will die Natur nicht stören. Schließlich finde ich eine Stelle – mit einer Holzleiter und einem Steg samt Bank.

Alles nur für mich! Und das neben einer geteerten Straße. Aber: keiner da außer mir! Ich lege das Radl ins Gras und gehe zum Steg. Es ist von der Straße her etwas geschützt, deshalb kann ich auch hier nackt baden. Das gefällt mir sehr gut. Vor allem, weil ich danach keinen nassen Badeanzug ausziehen muss. Auch hier ist das Wasser angenehm warm. Wegen des Windes ist es etwas wellig und so macht das Schwimmen in die eine Richtung etwas mehr Spaß als in die andere. Geschenkt. Die Idylle hier macht’s wett. Und nach meiner Schwimmrunde lege ich mich auf das warme Holz des Steges und lasse mich trocknen. Herrlich!

Auf dem Heimweg bin ich dann trotzdem nochmal in den Svarten-See gegangen. Weil das einfach eine schöne Stelle ist. Zu schön, um nur einmal hinzugehen!

Außerdem gibt’s hier im Wald, in der Nähe des Hotels, noch ein paar Walderdbeeren. Die waren sowas von gut, ich bin gleich erschrocken, als ich auf die erste gebissen hatte. So eine Geschmacksexplosion! Als wäre die kleine Erdbeere das Konzentrat der großen.

Und es gab auch schon Blaubeeren. Erst habe ich nur eine oder zwei dieser kleinen Waldheidelbeeren gesehen, aber als ich genauer hingeschaut habe, habe ich bemerkt, dass der ganze Wald voll davon ist. Vor allem abseits des Weges. Herrlich! Waldblaubeeren, schwimmen und Ruhe!