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Kälte-Kopfweh

Heute habe ich es endlich wieder zum Eisschwimmen geschafft. Das letzte Mal war ich an Allerheiligen., davor am 1. Oktober. Dann war entweder irgendwas oder das Wetter hat nicht gepasst. Bei Regen zum Beispiel habe ich keine Lust, da ich ja mit dem Radl fahre.

Heute aber endlich gute Bedingungen. Bissl Sonne, kaum Wind und sogar ziemlich warm: 10 bis 12 Grad Lufttemperatur. Vorfreudig schwinge ich mich aufs Radl und düse los zum See. Puh! Ganz schön warm! Obwohl ich nur ein T-Shirt unter meiner Jacke anhabe.

Das Licht ist auch ganz besonders. Irgendwie indirekt, weil es inzwischen eine Wolkenschicht gibt. Aber trotzdem hell. Dadurch leuchten die letzten gelb-orangen Blätter an den Bäumen golden.

Am Langwieder See angekommen, stelle ich mit Freude fest, dass kaum Leute unterwegs sind und zum anderen der See spiegelglatt ist. Prima! Idealbedingungen!

Als ich dann ins Wasser gehe, merke ich, wie kalt es ist. Die Nächte waren oft kalt seit Anfang November. Und mir ist irgendwie warm vom Radln. Ich bleibe also erstmal stehen und gewöhne mich an die Kälte. Aber weil es ja draußen auch nicht soooo warm ist, um im Badeanzug im kalten Wasser zu stehen, tauche ich unter.

Ist das kalt! Krass! Ich versuche ruhig zu bleiben und schwimme im hüfttiefen Wasser. Aber es wird nicht besser. Es schneidet mir eiskalt am Nacken entlang. Die Füße sind Eisklumpen, mein Atem macht Dampfwölkchen über dem Wasser. Mein Kopf schmerzt aufgrund der Kälte. Das habe ich noch nicht erlebt.

Ich muss raus. Ich dachte, dass ich viermal hin- und herschwimmen kann. Aber es geht nicht. Ich muss raus. Einmal hin und her, das reicht. Krass! Ich überlege noch, ob es vielleicht geht, wenn ich mich kurz hinstelle und warte. Aber auch das ist mir zu kalt. Alles in mir fordert: Rausgehen ! Raus! Raus! Und das mache ich dann auch.

An Land wickle ich mich in mein Handtuch. Es kribbelt immerhin ganz schön. Das fühlt sich gut an! Immerhin etwas!

Woran es lag? Keine Ahnung. Es gibt einfach Tage, da soll es nicht sein. Und dann darf man es auch nicht erzwingen. Lieber auf den Körper hören als irgendwelche Risiken eingehen. Und morgen ist ein neuer Tag.


Start in die Wintersaison

Als ich am Langwieder See ankomme und ein Foto machen will, denke ich mir: Das hast du doch schon 100mal fotografiert. Den See. Den Himmel mit und ohne Wolken. Die Bäume mit grünen Blättern, dann mit gelben und irgendwann ohne Laub. Aber das ist ja das Schöne: Es ist inzwischen vertraut. Das Schwimmen im See im Herbst, Winter und Frühling mache ich inzwischen auch schon ein paar Jahre und deshalb kenne ich auch diese Stelle am See schon recht gut. Und auch, wenn es immer dasselbe ist, ist es immer wieder anders.

Heute ist es recht windig, von Westen her weht es über den See. Der macht leichte Wellen, die Autobahn dröhnt übers Wasser. Ich lasse mich davon nicht stören, freue mich lieber, dass die Sonne trotz Wolkenschicht noch wärmt und gehe ins Wasser. Das ist frisch, aber nicht kalt. Untertauchen und schwimmen ist kein Problem. Mein Thermometer zeigt zwar stur 20 Grad an, aber das glaube ich nicht. Eher 16 Grad. Es bitzelt ein kleines bisschen, aber kein Kribbeln. Dazu ist es zu warm. Ich drehe eine kleine Runde, dann gehe ich wieder raus. Ich fühle mich erfrischt. Total toll!

Dann bleibe ich noch ein bisschen am Ufer. Und siehe da! Eine zweite Frau kommt! Wir ratschen ein bisschen, dann schwimmt sie los. Auch sie meint, dass das Wasser etwa 16 Grad hat und dass sie öfter hier ist.

Ich sehe ihr noch nach, dann radl ich zurück. Ich habe nämlich Hunger!


Atemwölkchen und Messungen

Eigentlich muss ich ja nicht jedesmal was schreiben, wenn ich schwimmen war. Irgendwie ist es ja doch immer dasselbe – und dann doch wieder anders. Heute zum Beispiel gab’s wieder Ostwind, was immer kalt ist und vor allem beim Heimradln ätzend ist. Dafür war’s sonnig. Und es gab die ersten Atemwölkchen über dem Wasser. Das habe ich ja vor zwei Jahren zum ersten Mal gesehen und konnte es anfangs gar nicht glauben. Es ist einfach schön zu sehen, weil dann das Wasser endlich kälter wird.

Reingehen ist inzwischen so normal wie im Sommer. Freilich ist es kühl, aber irgendwie habe ich das jetzt so verinnerlicht, dass ich einfach gehe, bis das Wasser an den Oberschenkeln ist, dann tief durchatme und untertauche. Heute zum Beispiel war es anfangs gar nicht kalt. Erst mit der Zeit kam die Kälte. Vor einer Woche, als es so neblig war, war das ganz anders. Da musste ich die Backen aufblasen, um die Kälte aushalten zu können. Ein Bekannter von mir war so nett und hat mich mit seiner Spiegelreflexkamera fotografiert. Da sieht man das ganz gut. Auf den Handy-Fotos sieht man ja immer aus wie ein kleiner Punkt in einem riesigen Ozean!

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Wenn es sich anfangs recht kalt anfühlt, muss ich die Backen aufblasen, um die Kälte aushalten zu können. 

Außerdem habe ich ein neues „Spielzeug“: Ein GPS-Stick, der Routen aufzeichnen kann. Den habe ich spaßeshalber wasserdicht eingepackt und samt Thermometer hinter mir hergezogen. Damit ich endlich weiß, wie weit ich schwimme! Mittels Google Maps habe ich das zwar mal versucht auszumessen, aber naja. Ich bin halt neugierig. Deshalb habe ich auch das Thermometer dabei. Das hat heute 10 Grad angezeigt. Die Luft war deutlich kälter. Die Aufzeichnung der Schwimmstrecke kann ich immer erst daheim am PC anschauen. Es sieht lustigerweise so aus, als wäre ich an Land auf- und abgegangen, aber ich war definitiv im Wasser!

Schwimmstrecke-Langwieder See

Nein, ich bin nicht an Land geschwommen!

Nach vier mal hin und her war Schluss. Ich hätte wohl noch zwei mal mehr geschafft, aber nachdem ich am Freitag beim Heimradeln so dermaßen gefroren habe, wollte ich nichts riskieren. Ostwind. Kalte Finger und Füße. Das muss nicht noch mehr herausgefordert werden.

Zum Umziehen habe ich jetzt meinen Poncho wieder dabei. Den hat mir ja meine Freundin Diana genäht (weil ich ja nicht nähen kann) und der ist superpraktisch. Erstens weil er dunkelblau ist und damit Wärme absorbiert. Und zweitens weil er Wind- und Sichtschutz ist. Da kann ich mich in Ruhe umziehen. Meinen wohligen Kribbelschauer verpasse ich dadurch auch nicht, ich kann ihn vielmehr genießen!

Beim Heimradln sind die Finger und Zehen dann doch wirklich richtig kalt geworden. Der Ostwind ist einfach kein Freund des Eisschwimmers.


Ich bin wieder in meinem Element

Nachdem ich die wirklich warmen und schönen Herbsttage vor allem zum Rennradln genutzt habe, habe ich jetzt das Rennrad genutzt, um zum Herbstschwimmen zu kommen. Das ist eine prima Sache, weil’s nämlich schneller geht und mehr Spaß macht.

Am Freitag bin ich sogar eine Variante der Strecke gefahren. Da war’s auch recht warm und als ich am Langwieder See angekommen bin, habe ich mich total aufs Wasser gefreut. Nicht etwa, weil ich verschwitzt war. Sondern einfach auf das Gefühl. Reingehen, schwimmen, genießen. Schauen, wie lange ich durchhalte.

Sonne, leichte Wellen und recht warmes Wasser: der Freitag am Langwieder See

Das Wasser kam mir auch nicht kalt vor. Ich bin zügig reingegangen, hatte aber kein Thermometer dabei. Geschätzt hätte ich es auf 15-16 Grad. Ich schwimme los, es ist kühl, aber nicht schlimm. Es hätte mich schon gereizt, rauszuschwimmen. Oder zu dem schräg gegenüberliegenden Ufer. Aber allein. Eher nicht. Nicht, dass es doch kälter ist als gedacht und dass was passiert. Lieber auf Nummer Sicher und bissl „doof“ am Ufer hin- und herschwimmen. „Viermal, das schaffst du“, denke ich. Und als ich die vier „Bahnen“ hinter mich gebracht habe, merke ich, dass das Wasser gar nicht kalt ist. Es ist eher so, dass es wärmer wurde beim Schwimmen. Auf meinem Rücken fühlt es sich warm an. Also schwimme ich weiter. Brav am Ufer, nach Bahn acht denke ich: „Die zehn machst jetzt voll!“ Gedacht – getan. Dann aber raus, schließlich will ich nicht übertreiben und muss auch noch heimradln.

Am Ufer überkommt mich dann dieses wohlige Kribbeln. Obwohl es ja noch gar nicht kalt ist, durchfluten mich diese Kalt-Warm-Wellen. Es ist herrlich. Wie habe ich es vermisst! Weniger vermisst habe ich allerdings, was unter meinem Badeanzug zum Vorschein kommt: Sand und sogar eine Minischnecke. Ich war wohl zu lange im Wasser, da hat sie es sich gleich bequem gemacht. Naja. Schnell weggeschnippt, abgetrocknet, angezogen.

Schee war’s!

Und während ich noch dasitze und die Sonne genieße, kommen zwei Bekannte: Ruth und Robert, die ich letztes Jahr hier kennengelernt habe. Die auch im Herbst schwimmen und einfach schauen wollten, wie lange es klappt. Leider habe ich sie dann letztes Jahr nicht mehr gesehen. Aber just am Freitag, als ich zum See geradelt bin, habe ich an die beiden gedacht. Und schon sind sie da! Bis November haben sie durchgehalten, dann war’s Wasser zu kalt. Ich finde auch, dass es einen Unterschied macht, ob das Wasser über oder unter 10 Grad hat. Das ist so eine Grenze. Genau wie die 5-Grad-Marke. Das ist auch nochmal eine andere Nummer – und unter 5 Grad zählt es dann tatsächlich als Eisschwimmen.

Die beiden schwimmen also auch ihre Runde und wir ratschen noch ein bisschen. Sehr schön, das hat mich echt gefreut, die beiden doch wieder zu treffen.

Heute war ich auch nochmal schwimmen. Bei ganz besonderem Licht. Über München ist eine graue Wolkendecke, es gibt diffuses Dämmerlicht. Nicht dieses fade Licht, wenn es wolkig ist, sondern eher wie morgens oder abends in der Dämmerung. Das kommt wohl daher, dass der Himmel im Süden blau ist. Was sag ich: blau? Hellblau. Türkishellblau. Unfassbar schön. Und dieses Blau schiebt sich langsam nördlich. Oder besser, die warme, trockene Föhnluft schickt die Wolken weg. Sie schiebt sie nach Norden. Heute konnte ich das beim Radln schon prima beoabachten.

Da hinten schiebt der Föhn den blauen Himmel an – oder die Wolken weg. Ansichtssache!

Warm war’s aber nicht. Etwa 11 Grad. Leichter Ostwind, den man aber nur als Gegenwind-Verstärker gemerkt hat. Der See lag spiegelglatt vor mir. Dieses Prä-Föhn-Dämmerlicht hat eine ganz besondere Stimmung gezaubert. Die Birken haben golden geleuchtet. Und auch die anderen gelben Blätter sahen eher aus wie kleine Lampen an den Bäumen. Es war surreal. Ihr müsst euch das jetzt vorstellen, weil es auf den Fotos nicht so rüberkommt. Da ist es einfach duster und grau.

Das Handy kann die tolle Lichtstimmung nicht einfangen. Immerhin sieht man, wie spiegelglatt das Wasser ist.

Das Wasser kam mir dann aber deutlich kälter vor als am Freitag. Schon beim Reingehen an den Füßen habe ich es gespürt. Wieder ohne Thermometer. Ich dachte ja, dass es mir egal ist, wie warm das Wasser ist. Aber ehrlich gesagt bin ich zu neugierig und werde es nächstes Mal wieder mitnehmen. Ich tauche unter, es ist kalt. Kälter als beim letzten Mal. Ich schwimme einmal hin und her. Puh! Aber ich will auch kein Jammerlappen sein und sage mir, dass vier „Bahnen“ schon gehen. Also nochmal hin und her. Und dann raus. Es ist kalt. Ganz anders als am Freitag. An Land bin ich auch froh, mich in mein dunkelblaues Handtuch zu wickeln und den nassen Badeanzug ausziehen zu können. Dieses Mal auch ohne Mitbringsel aus dem See. Gekribbelt hat’s natürlich schon. Und das war wieder toll. Die Lebensgeister tanzen unter der Haut Samba, ich fühle mich erfrischt und belebt. Und freue mich schon aufs nächste Mal.

Der Busch rechts im Bild hat in Wirklichkeit gelb geleuchtet. Also nix grau-in-grau wie auf dem Bild.

Für alle, die es auch reizt, habe ich hier nochmal meine persönlichen Tipps zum Herbst-, Winter- oder Eisschwimmen zusammengefasst.


Herbstschwimmen mit Begleitung

Heute war wieder einer dieser schönen warmen Herbsttage. Die Luft an sich war warm, die Sonne hat es noch verstärkt. Aber selbst bei Schleierwolkenschicht blieb es warm. Ein guter Tag für einen Ausflug ans und ins Wasser.

Ich bin zum Karlsfelder See geradelt. Eine schöne Strecke, kaum länger als zum Langwieder See. Und der Oktober macht sich bemerkbar, die Blätter werden langsam bunt.

Am Karlsfelder See treffe ich mich mit einer meiner Dantebadbeckenrandfreundinnen. Sie heißt auch Petra und wir teilen nicht nur die Liebe zum Wasser und Schwimmen, sondern auch die Vorliebe für bunte Badeanzüge und lustige Kappen.

Petra ist auch eine prima Triathletin und nutzt die wohl letzte Chance für ein Schwimmtraining im See. Also so richtig schwimmen mit Kopf unter Wasser. Deshalb zieht sie auch ihren Neo an, während ich ja eher dem Kältegefühl entgegenfiebere als der Schwimmstrecke.

Ins Wasser geht’s gemeinsam. Es hat etwa 14 Grad und bis zu den Oberschenkeln fühlt es sich richtig warm an. Kurz nach dem Untertauchen merke ich aber die Kälte. Ich lasse es auf mich wirken, schwimme ruhig dahin. Wir bleiben beide in Ufernähe und schwimmen ratschend dahin. Herrlich! Keiner da außer uns, das Wasser ist klar und glatt, der Himmel weiß-blau und es ist nicht kalt. Schön!

Irgendwann wird’s natürlich schon kühl und ich gehe raus. Draußen an Land ist’s toll! Die warme Herbstluft, dazu das Kribbeln auf der Haut vom Wasser… Wahnsinn! Sooo schön!

Ich ziehe mich an, Petra krault jetzt noch ein paar Runden.

Die Männer aus ihrer Trainingsgruppe schlüpfen derweil in ihre Neos und starten dann. Sie schwimmen insgesamt 20 Minuten.

Am Ende hat jeder das gemacht, was er wollte und konnte. So unterschiedlich die Aktionen waren, es hat jedem Spaß gemacht und wir hatten einen ganz tollen Mittagsausflug!

Den Radio-Beitrag dazu gibt’s am Sonntag, 14. Oktober, auf B5aktuell im „Fitnessmagazin„, um 7.35 und um 17.05 Uhr. Natürlich auch als Podcast.

Außerdem hat mich das Radln zum Karlsfelder See (wie immer mit dem Stadtfahrrad) dazu motiviert, das Rennrad mal wieder aus dem Keller zu holen …


Start in die Eisschwimm-Saison

Eisschwimmen ist es natürlich noch nicht. Aber heute habe ich die Eisschwimm-Saison eingeläutet. Der Herbst ist da! Nicht nur auf dem Kalender, sondern auch in der Natur. Die letzten beiden Nächte waren kalt. Tag und Nacht sind im Moment in etwa gleich lang. Die Sonne steht recht schräg und verbreitet ein schönes, sanftes Licht. Ihr merkt schon: Ich mag den Herbst. Das milde Licht, die Kälte am Morgen. Das wohlige Gefühl, wenn die Sonne wärmt. Das man sehr zu schätzen weiß, weil es im Schatten kühl ist. Herrlich! Und es wird noch besser, wenn die Blätter orange, gelb und rot leuchten werden!

Heute früh war’s echt kalt. Ich dachte schon, dass ich Handschuhe zum Radeln anziehen muss. Aber es ging dann schon, die paar Meter in die Arbeit. Aber da war mir klar, was heute Nachmittag passiert: Herbstschwimmen. Im See. Yeah!

Und so starte ich an meinem freien Nachmittag mit dem Radl zum Langwieder See. Doch vorher muss ich noch meine Siebensachen packen und das Richtige anziehen. Das stellt mich jedes Jahr wieder auf eine Probe. Was ist passend? Was ist nicht zu warm zum Radln und doch warm genug, falls ich nach dem Schwimmen friere? Irgendwie kann ich das noch immer nicht richtig einschätzen. Ich entscheide mich für ein T-Shirt unter meiner Regenradljacke. Die Regenradljacke ist winddicht und hat ein Netz, so dass ich nicht schwitze und sie nicht nass an mir klebt (wie z.B. die Softshelljacke). Eine gute Entscheidung, wie ich unterwegs zufrieden feststelle.

Da waren noch einige Mini-Wellen, aber nachdem ich das Foto gemacht habe, war die Wasseroberfläche spiegelglatt!

Das Radln ist auch wieder schön. 45 Minuten Vorfreude, dazu ein blauer Himmel mit herbstlichen Schleierwolken. Am See angekommen, stelle ich zu meiner Freude fest, dass keiner da ist. Juhu! See für mich. So mag ich das. Decke hin, Rucksack drauf, hinsetzen. Genießen. Blick aufs Wasser, das ruhig vor mir liegt. Das milde Herbstsonnenlicht scheint mir entgegen. Die Bäume sind noch grün, nur einzelne Einzelblätter geben den modischen Vorreiter in sattem Gelb. Der Rest traut sich noch nicht und bleibt vorerst bei der Sommerfarbe grün.

Grün ist auch das Wasser, oder zumindest schimmert es grün. Denn eigentlich ist es durchsichtig und weil keiner da ist, der den Staub aufwirbelt, ist es glasklar. Ich mache mich zum Schwimmen bereit, spüre, wie die Sonne durch die Schleierwolken wärmt. Das Thermometer habe ich zwar dabei, beschließe aber, es nicht zu verwenden. Ist ja eigentlich auch egal, wie warm oder kalt das Wasser ist. Ich weiß aus zwei bzw. drei Wintern Eisschwimmen, dass ich bei jeder Temperatur ins Wasser gehen kann. Und dass die Dauer des Schwimmens von mehreren Faktoren abhängt, nicht nur von der Wassertemperatur.

Beim Reingehen merke ich, dass der Langwieder See trotz zweier kalter Nächte noch warm ist. Also nicht badewannenwarm, aber auch nicht kalt. Es kostet mich null Überwindung unterzutauchen. Ich schwimme los, Omabrust, weil ich das immer so mache im Herbst. Es ist herrlich! Diese Ruhe. Der See nur für mich, das Wasser angenehm kühl oder warm (sucht es euch aus). Und so schwimme ich zum anderen Ufer, zur Wasserwachtstation, die natürlich unter der Woche im Herbst nicht besetzt ist. Zug um Zug komme ich näher. Ich genieße das Gefühl, den See für mich allein zu haben. Das Wasser, das wärmer ist als vermutet. Ich gleite dahin, blicke mich um und spüre ein leichtes Kribbeln am Rücken. Ist es die Kühle des Wassers? Sind es die milchigen Sonnenstrahlen? Egal. Es ist einfach schön. Die richtige Entscheidung heute. Keine Welle kräuselt das Wasser, lediglich meine Schwimmzüge hinterlassen leichte Wogen. Beim Zurückschwimmen habe ich die Sonne hinter mir, mein Ziel vor mir. Ein paar Spaziergänger beobachten mich neugierig, ziehen dann aber weiter. Gut so. Ich möchte die Ruhe gern weiter genießen. Und nicht an Land gefragt werden, ob ich gerade schwimmen war. Oder wie kalt das Wasser ist.

Als ich an Land gehe, bin ich glücklich. Es hat soooo gut getan zu schwimmen. In der Natur, unter dem weißlich-blauen Herbsthimmel. In dem grünen klaren Wasser. Bei mir sein, die Stille genießen. Ich wickle mich in mein Handtuch, trockne mich ab und ziehe mich um. Raus aus dem nassen Badeanzug, rein in die trockenen Klamotten. Die Ruhe ist fast wie in Schweden. Da hatte ich den ganzen See ganz für mich allein, konnte nackt schwimmen. Als Erinnerung an dieses schöne Erlebnis gibt’s einen schwedischen Schokokeksriegel.

So mag ich das: mildes Herbstlicht dank Schleierwolken und Sonne.

Und den Blick auf den Langwieder See, der jetzt wieder spiegelglatt vor mir liegt. Und zu dem ich ab jetzt wieder regelmäßig zum Schwimmen kommen werde. Jegliche Gedanken, ob ich das mit dem Herbst-, Winter- und Eisschwimmen heuer wieder machen werde oder sein lasse, sind dahin. Freilich mache ich das wieder! Logo! Sooo schön wie das ist! Und wenn dann erst das Kribbeln und Bizzeln vom kalten Wasser wieder kommt! Ach, ich kann’s kaum erwarten!


Fieser Ostwind

Der Nebel hatte sich in München gegen Mittag gelichtet, wenn auch nicht komplett. Doch ich wollte das relativ gute Wetter nutzen, denn fürs Wochenende ist eher Regen angesagt. Und bei Regen macht Radln in Kombi mit See-Schwimmen wenig Spaß. Mir zumindest nicht. Also heute, trotz leichtem Ostwind.

Am Langwieder See selbst war der Nebel noch ziemlich präsent, es gab kaum Lücken. Doch eigentlich hat das was – so mystisch. Und es ist ruhiger als bei Sonnenschein. Der See liegt spiegelglatt vor mir, ich platziere mich ganz nah am Wasser.

Mystische Nebelstimmung am Langwieder See

Mystische Novembernebelstimmung am Langwieder See

Vom Radln bin ich gut angewärmt, außer meine Hände und Füße, die sind etwas kühl. Jetzt also nicht lange fackeln, Sachen für Danach herrichten, ausziehen, Thermometer schnappen und rein. Das Wasser ist wärmer als gedacht, das Reingehen klappt ganz ohne Probleme. Es kostet mich erstaunlicherweise nicht mal Überwindung. Aber beim Schwimmen merke ich doch, dass es kalt ist. Und weil ich letztes Mal beim Heimradln so gefroren habe, vor allem in den Fingern, will ich es dieses Mal nicht übertreiben. Ich schwimme also viermal hin und her. Ein Kontrollblick aufs Thermometer zeigt 8,8 Grad. Wie schön!

An Land ist es dann erstmal heiß. Also nicht draußen, sondern mir. Mein Körper heizt nach, weil ihn das Wasser ausgekühlt hat. Den fiesen, feinen Ostwind spüre ich jetzt aber. Flugs das Handtuch rumgewickelt, Badeanzug runter, T-Shirt drüber. Und dann kommt mein Geburtstagsgeschenk zum Einsatz: Mein Poncho! Da ich nicht nähen kann, war meine Freundin Diana so nett (die kann sowas nämlich!) und hat aus einem Stück Fleecestoff einen Poncho genäht. „Geht doch ganz einfach, einmal zusammennähen und oben einen Tunnel für den Gummizug – fertig“, sagt sie. Ja, da hat sie leicht reden. Schließlich ist ja alles, was man kann, ganz leicht. Und mein Glück, dass sie es kann, denn jetzt habe ich einen dunkelblauen Poncho, unter dem ich mich umziehen kann. Und der – das ist fast noch besser – den Wind etwas abhält. Bei dem Ostwind, der kaum merklich ist (der See hatte ja nicht mal Mini-Wellen), ist das ganz fein.

Als ich angezogen bin, trinke ich noch etwas heißen Tee aus meiner Thermosflasche. Denn jetzt ist es wieder soweit, dass ich den Tee brauche. Vor zwei Wochen noch war es richtig warm, da brauchte ich das nicht. Jetzt bin ich froh drum! (Hier gibt’s übrigens meine persönlichen Tipps zum Winterschwimmen.)

Und zum Abschluss mache ich noch ein Foto vom Thermometer. Und siehe da: Im Uferbereich ist das Wasser kälter als ein paar Schritte weiter, wo ich geschwommen bin. Es zappelt zwischen 8,1 und 8,4 Grad hin und her. Unterwegs (im bauchnabeltiefen Wasser) waren es 8,8 Grad. Ich hatte letzte Woche schon das Gefühl, dass das Thermometer unterwegs mehr angezeigt hat als dann beim Foto. Spannend!

Das Thermometer kann sich nicht recht entscheiden...

Das Thermometer kann sich nicht recht entscheiden …

Beim Heimradln merke ich diesen fiesen Ostwind umso deutlicher. Denn meine Radlstrecke geht fast nur ostwärts – und dann kommt zum Fahrtwind auch noch dieser kalte, kaum merkliche Wind. Echt fies!

Dennoch war das „Eisschwimmen“ – oder Herbstschwimmen – heute eine gute Idee. Ich war nämlich etwas angespannt, genervt oder wie man das auch bezeichnen möchte. Und das Schwimmen samt der Bewegung an der frischen Luft haben meine Laune deutlich verbessert. Und ich hätte beinahe noch gekniffen …