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Der Sinn des Lebens …

Heute war wieder ein grauer Nebeltag in München. Und leichter Ostwind. Typische Hochdrucklage im November. Eigentlich kein Wetter zum Eisschwimmen. Oder halt Eisschwimmen und dann beim Heimfahren frieren. Ich bin trotzdem los. „Stell dich nicht so an.“ „Du warst schon bei scheußlicherem Wetter oder kälterem Wasser schwimmen.“ „Wenn man erstmal da ist, ist’s auch schön!“. So motiviere ich mich, packe meine Sachen und radle los. Es ist kalt, grau, feucht. Aber draußen nicht so schlimm wie drinnen befürchtet. Ich bin guter Dinge.

 

Als ich am See ankomme, ist es auch hier grau-in-grau. Die Wasseroberfläche ist spiegelglatt, der Hügel schützt vor dem leichten Ostwind. Ich lege meine Decke hin, packe meine Sachen aus und setzte mich hin. Schaue aufs Wasser. Das stille graue Wasser schaut zurück. Es ist nicht einladend. Überhaupt nicht. Mir ist auch bissl kalt, es hat wohl 4 Grad. Ich sitze ziemlich lang auf meiner Decke und starre auf den See, der da vor mir liegt. Erst denke ich gar nix. Dann denke ich: Stell dich nicht so an. Dann: Ich habe jetzt überhaupt keine Lust. Und wenn man keine Lust hat, soll man auch nicht. Oder ist das nur eine faule Ausrede? Innerer Schweinehund und so … Dann stelle ich die Sinnfrage: Ist es sinnvoll, das zu tun? Beim Rauskommen fluchen, weil es dann an Land so kalt ist? Beim Heimfahren gegen den Ostwind frieren? Keine Finger und Füße mehr spüren? Ist es wirklich soooo schön, im kalten Wasser zu schwimmen? Will ich das? Will ich das jetzt den ganzen Winter durchziehen? Ist es das Ende, wenn ich heute nicht schwimme? Oder ist es einfach ok, es ganz sein zu lassen? Das Heimradeln ist doch oft ätzend. Mit klammen Fingern und tauben Füßen. Und so sitze ich da und starre und bin schon ganz starr. Bewegungsunfähig, aber nicht wegen der Kälte. Der See starrt unfreundlich, abweisend, grau und kalt zurück. Und nun? Kommen die ganz großen Fragen: nach dem Sinn des Lebens und überhaupt. Und ob ich nicht doch lieber in den Urlaub fahren sollte? Was anderes sehen? Raus aus dem Trott? Außerdem muss jetzt eine Entscheidung her. Denn wärmer wird’s definitiv nicht. Also ausziehen und schwimmen oder Sachen packen und heimradeln. Und damit umgehen, dass ich nicht geschwommen bin. Mich nicht dazu aufraffen konnte, obwohl ich schon alle Vorbereitungen getroffen habe.

Ich habe mich fürs Zusammenpacken entschieden. Kein Schwimmen heute. Nicht mal ausgezogen habe ich mich. Nur die Schuhe. Aber die Socken schon nicht mehr.

Beim Heimradeln ist es trotzdem kalt. Arschkalt. Ich komme mit klammen Fingern und tauben Füßen daheim an. Immerhin keine nassen Sachen, die ich zum Trocknen aufhängen muss …

Und jetzt? Keine Ahnung …


Drei Jahre Eisschwimmen

Am Valentinstag 2015 war es soweit: mein erstes Date mit dem Eisschwimmen. Was soll ich sagen? Liebe auf den ersten Blick war es nicht gerade … Es war ein kalter, neblig-windiger Tag in Mittelfranken, der Große Rothsee war halb mit Eis bedeckt. Wir waren am Großen Rothsee, weil der kleine komplett zugefroren war. Eisschwimmer-Probleme halt. Warum war ich da? Weil ich neugierig war und weil ich das große Glück habe, mit meiner Neugier Geld verdienen zu dürfen. Deshalb habe ich Sabine und Norbert besucht, weil ich einen Radiobeitrag übers Eisschwimmen machen wollte. Sabine und ihre eiskalte Leidenschaft kannte ich aus Facebook (bekanntlich die Seite im Netz für Verrückte aller Art).

 

Während sich Sabine aus- und umzieht, nehme ich alles mit meinem Mikrofon auf. Meine Finger sind schon ganz kalt, aber als Sabine schwimmt, will ich es selbst probieren. Schließlich hat es mich ja interessiert, wie das so ist mit dem kalten Wasser und überhaupt. Also ziehe auch ich mich um und stehe dann nur noch mit Badeanzug und Badekappe da. Norbert hat das Mikrofon übernommen und hat Sabine, die an der Eiskante mit ihrer Boje ihre Bahnen zieht, und mich am Ufer im Blick. Und was kann ich sagen? Weit bin ich nicht gekommen. Das Wasser hatte keine zwei Grad, der fiese kleine Nebelwind war kalt auf der Haut und ich war total verkrampft. Wie man auch auf dem Bild sieht.

Typische Haltung unerfahrener Eisschwimmer: Mir ist kalt!

Bis zu den Knien habe ich es geschafft – dann war Schluss! Eigentlich eine ganz ordentliche Leistung, so ganz ohne Vorbereitung. Aber eigentlich auch nicht befriedigend.

Deshalb habe ich dann beschlossen, das Ganze im Herbst langsam angehen zu lassen. Bei 13 Grad im November, an einem sonnigen Tag. Da kam ich mir schon vor wie eine Heldin! Der erste Eisschwimmwinter war etwas unkoordiniert und unregelmäßig. Aber letztes Jahr, der Winter 2016/17, der war mein Eisschwimmwinter. Jede Woche seit Ende September 2016 war ich im immer kälter werdenden Wasser. Fiel mir anfangs das Reingehen noch schwer, war ich zögerlich und habe es manchmal nicht geschafft unterzutauchen, so lief es in diesem Winter prima. Hinradeln, umziehen, reingehen, schwimmen, rausgehen, fertig. Und natürlich das Kribbeln, die Heiß-Kalt-Wellen und die Glückshormone. Tipps für Nachahmer habe ich auch gleich zusammengefasst.

Kürzlich habe ich das Bild vom ersten Eisschwimmversuch zufällig wieder gesehen. Und da kam mir in den Sinn: Es ist alles eine Frage der Haltung! Schon rein äußerlich. Wie verkrampft ich da stehe. Als ob es wärmer würde, nur weil ich die Schultern zu den Ohren ziehe … und natürlich und vor allem ist es eine Frage der inneren Haltung. Ja, das Wasser ist kalt. Und ja, ich MUSS da nicht reingehen. Ich mache das freiwillig. Ich bereite mich mental darauf vor. Ich freue mich darauf. Wirklich! Vor allem die mentale Vorbereitung ist wichtig. Das macht den Moment des Reingehens entspannter. Ich weiß, was mich erwartet. Es wird kalt, dann schlägt mein Herz schneller. Dann beruhigt es sich, dann schwimme ich ruhiger. Und dann wird es irgendwann wirklich kalt und ich gehe wieder raus.

Auch noch locker beim Rausgehen: Eisschwimmerin mit Erfahrung. Weil’s schön ist!

Natürlich ist mir danach kalt. Und ich hab auch schon geflucht beim Heimradeln, weil Finger und Füße fast taub waren vor Kälte. Aber irgendwann ist mir wieder warm. Bisher ist mir immer wieder warm geworden! Vielleicht ist es ein bisschen wie mit dem Alkohol. Manch‘ einer schwört nach einem schlimmen Kater, niiieeee wieder zu trinken. Um es dann doch zu tun. Weniger vielleicht. Oder mehr essen. Oder keinen Durcheinander trinken. So ist’s auch beim Eisschwimmen. Kürzer schwimmen. Oder nicht bei Ostwind, der mich auf der Heimfahrt zusätzlich auskühlt. Einen heißen Tee mitnehmen. Solche Sachen …

Eine Beobachtung in Sachen „Kopfsache“ möchte ich noch erzählen: Einmal, als ich in der Sauna war, habe ich am Kaltwasserbecken im Außenbereich ein Pärchen beobachtet. Er ist recht lässig die kleine Leiter hinuntergegangen und kurz hin- und hergeschwommen. Sie hatte schon auf dem Weg zum Becken gesagt, dass das Wasser kalt ist und sie es sicher nicht schafft, da reinzugehen. Er hatte ihr gut zugeredet, deshalb versucht sie ihr Glück. (Dazu muss man sagen, dass die Luft abends auch kühl war). Jedenfalls steht sie gekrümmt vor Kälte an der Leiter, geht die Stufen vorsichtigst hinab, um dann all ihren Mut zusammenzunehmen und kurz bis zu den Schultern unterzutauchen. Und schwupps, war sie schon wieder draußen und ins Handtuch gewickelt. Das war eine Sache von Sekunden! Und ich, alte Eisschwimmerin, höhö, dachte mir: Wenn sie ganz ehrlich zu sich gewesen wäre: Sie hat die Kälte am Körper nicht gespürt. Das war alles nur vom Kopf. Weil so kurz, wie sie untergetaucht war, konnte das Gehirn noch gar nicht auf die neue Information reagieren. Die Info, dass es kalt war, war vorher schon da.

Es ist wie ganz oft im Leben eine Frage der Einstellung und Haltung. Es muss nicht jeder zum Eisschwimmer werden. Aber wenn ich gefragt werde, wie ich das mache, sage ich: mentale Vorbereitung. Und Vorfreude! Und dann einfach machen … weil’s so schön ist. Immer wieder.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht, finde ich!


Fieser Ostwind

Der Nebel hatte sich in München gegen Mittag gelichtet, wenn auch nicht komplett. Doch ich wollte das relativ gute Wetter nutzen, denn fürs Wochenende ist eher Regen angesagt. Und bei Regen macht Radln in Kombi mit See-Schwimmen wenig Spaß. Mir zumindest nicht. Also heute, trotz leichtem Ostwind.

Am Langwieder See selbst war der Nebel noch ziemlich präsent, es gab kaum Lücken. Doch eigentlich hat das was – so mystisch. Und es ist ruhiger als bei Sonnenschein. Der See liegt spiegelglatt vor mir, ich platziere mich ganz nah am Wasser.

Mystische Nebelstimmung am Langwieder See

Mystische Novembernebelstimmung am Langwieder See

Vom Radln bin ich gut angewärmt, außer meine Hände und Füße, die sind etwas kühl. Jetzt also nicht lange fackeln, Sachen für Danach herrichten, ausziehen, Thermometer schnappen und rein. Das Wasser ist wärmer als gedacht, das Reingehen klappt ganz ohne Probleme. Es kostet mich erstaunlicherweise nicht mal Überwindung. Aber beim Schwimmen merke ich doch, dass es kalt ist. Und weil ich letztes Mal beim Heimradln so gefroren habe, vor allem in den Fingern, will ich es dieses Mal nicht übertreiben. Ich schwimme also viermal hin und her. Ein Kontrollblick aufs Thermometer zeigt 8,8 Grad. Wie schön!

An Land ist es dann erstmal heiß. Also nicht draußen, sondern mir. Mein Körper heizt nach, weil ihn das Wasser ausgekühlt hat. Den fiesen, feinen Ostwind spüre ich jetzt aber. Flugs das Handtuch rumgewickelt, Badeanzug runter, T-Shirt drüber. Und dann kommt mein Geburtstagsgeschenk zum Einsatz: Mein Poncho! Da ich nicht nähen kann, war meine Freundin Diana so nett (die kann sowas nämlich!) und hat aus einem Stück Fleecestoff einen Poncho genäht. „Geht doch ganz einfach, einmal zusammennähen und oben einen Tunnel für den Gummizug – fertig“, sagt sie. Ja, da hat sie leicht reden. Schließlich ist ja alles, was man kann, ganz leicht. Und mein Glück, dass sie es kann, denn jetzt habe ich einen dunkelblauen Poncho, unter dem ich mich umziehen kann. Und der – das ist fast noch besser – den Wind etwas abhält. Bei dem Ostwind, der kaum merklich ist (der See hatte ja nicht mal Mini-Wellen), ist das ganz fein.

Als ich angezogen bin, trinke ich noch etwas heißen Tee aus meiner Thermosflasche. Denn jetzt ist es wieder soweit, dass ich den Tee brauche. Vor zwei Wochen noch war es richtig warm, da brauchte ich das nicht. Jetzt bin ich froh drum! (Hier gibt’s übrigens meine persönlichen Tipps zum Winterschwimmen.)

Und zum Abschluss mache ich noch ein Foto vom Thermometer. Und siehe da: Im Uferbereich ist das Wasser kälter als ein paar Schritte weiter, wo ich geschwommen bin. Es zappelt zwischen 8,1 und 8,4 Grad hin und her. Unterwegs (im bauchnabeltiefen Wasser) waren es 8,8 Grad. Ich hatte letzte Woche schon das Gefühl, dass das Thermometer unterwegs mehr angezeigt hat als dann beim Foto. Spannend!

Das Thermometer kann sich nicht recht entscheiden...

Das Thermometer kann sich nicht recht entscheiden …

Beim Heimradln merke ich diesen fiesen Ostwind umso deutlicher. Denn meine Radlstrecke geht fast nur ostwärts – und dann kommt zum Fahrtwind auch noch dieser kalte, kaum merkliche Wind. Echt fies!

Dennoch war das „Eisschwimmen“ – oder Herbstschwimmen – heute eine gute Idee. Ich war nämlich etwas angespannt, genervt oder wie man das auch bezeichnen möchte. Und das Schwimmen samt der Bewegung an der frischen Luft haben meine Laune deutlich verbessert. Und ich hätte beinahe noch gekniffen …