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Frei schwimmen

Was macht das Schwimmen so schön? So besonders? Für mich zählen dazu: die Leichtigkeit im Wasser, das Schweben, das Gleiten, die Ruhe. Denn dank Wasser im Ohr nehme ich Geräusche nur gedämpft war. Das ist schön in unserer doch sehr lauten und oft hektischen Welt. Aber es gibt noch etwas, das das Schwimmen für mich ausmacht: Ich kriege den Kopf frei. Es zählt nur noch das Wasser und ich. Hin und her und hin und her und hin und her. Dabei zähle ich meine Bahnen, muss mich also in gewisser Weise konzentrieren. Doch diese stupide Zählerei schafft es meistens, dass ich den Kopf frei kriege. Und dann kommen neue, gute Gedanken und Ideen.

Allerdings klappt das nicht immer. Und dann schwimme ich auch nicht mehr schön, ich fühle das Wasser nicht, ich haue einfach nur rein – und es macht eigentlich auch keinen Spaß.

Kürzlich habe ich ein Interview mit André Wiersig gelesen. Der Extremschwimmer hat in einem Jahr alle sieben Meerengen bezwungen. Also zum Beispiel den Ärmelkanal oder die Straße von Gibraltar. In der Cook-Strait, die die beiden neuseeländischen Hauptinseln trennt, gibt’s wohl die krassesten Wellen überhaupt. Das Begleitboot war dem Kentern nahe, aber Schwimmer Wiersig hat den Wellen getrotzt. Seine „Geheimwaffe“: „Ich gebe alles ab, auch Erwartungen , und bin dann ganz leicht.“ Er meint das auch im übertragenen Sinne. Und ich kann das gut verstehen.

Es ist mir auch schon ein paar Mal gelungen, dass ich so einen negativen Gedankenstrom stoppen konnte. Und dann lief das mit dem Schwimmen – wohlgemerkt im Becken – gleich viel besser. An einmal kann ich mich ganz konkret erinnern: Es war der letzte Freibad-Tag, ich hatte trotz Sonnenscheins die ganze Bahn für mich allein. Aber es flutschte nicht. Weil ich die ganze Zeit grübelte, wie ich das mit der Radreparatur am nächsten Tag machen soll. Vor der Arbeit oder danach oder in der Mittagspause. Für alle Varianten gab’s pro und contra. Und dann hab ich mich quasi wachgerüttelt: „Petra!! Es ist der allerletzte Freibad-Tag. Dein Tag. Ab morgen ist wieder Halle oder warmes Wasser angesagt. Du solltest das hier genießen! Über das Rad kannst du in einer Stunde immer noch nachdenken!“. Und was soll ich euch sagen? Es hat funktioniert! Ich habe die Radgedanken in eine Schublade gesteckt und dann hat das Schwimmen ganz prima geklappt. Ich war, wie ich es im Nachhinein bei André Wiersig gelesen habe, ganz leicht. Und frei. Und dann kam der Flow und so wurden es vier Kilometer (statt meiner üblichen drei). Und anfangs dachte ich noch, dass ich nicht mal die Hälfte schaffen werde.

Leider klappt es nicht immer, dass ich meinen Kopf frei machen kann. Manchmal beschäftigen mich andere Dinge zu sehr, dass ich den Aus-Knopf nicht finden kann. Ich glaube, das ist auch ganz normal. Aber ich arbeite daran, denn das ist doch das Schönste am Schwimmen – dass man ganz leicht und schwerelos wird und auch der Kopf frei wird. Vor allem, wenn man ganz allein auf der Bahn schwimmt, muss man schließlich auf nichts achten – und vor allem hat man keinen Straßenverkehr, wie beim Rennradln oder Laufen.


Ein Leben ohne Schwimmen ist möglich, aber sinnlos

Jetzt dauert diese Corona-Sache schon über 2 Monate. Eigentlich länger, aber die Bäder sind seit über zwei Monaten geschlossen. Und wie das bei einem Junkie so ist, fällt der Entzug dank „Ersatzdrogen“ erst später auf. Also jetzt.

Radln als Ersatzdroge

Ich habe gestern einen Fernsehbericht über die Freibäder in NRW gesehen, die wieder geöffnet sind. Glückliche Menschen, die im Becken ihre Bahnen ziehen. Da war ich neidisch (bin ich normalerweise nicht) und traurig. Denn bei uns in Bayern gibt’s in Sachen Freibad noch nicht mal eine Perspektive!

Ich gehe doch am liebsten schwimmen, wenn keiner da ist.

Als der Mann im Interview am Beckenrand dann auch noch geschwärmt hat, wie schön es ist, wieder im Wasser zu sein, Bahnen zu ziehen und den Flow zu spüren, war ich ehrlich den Tränen nahe. Denn da wurde mir schmerzlich bewusst, wie SEHR ich das Schwimmen vermisse! Das Eintauchen ins Wasser, die ersten Züge. Dann meine Kraft und gleichzeitig die Schwerelosigkeit. Und dann der Flow! Wenn ich funktioniere wie ein Uhrwerk. Ein Zug nach dem anderen. Immer weiter. Schwebend und kraftvoll. Das gibt’s nur im Schwimmbecken! Ich will auch wieder!

Ja, geh doch ins Freiwasser, werden jetzt einige sagen. Aber: Für mich ist das einfach nicht dasselbe! Der See ist schön, aber im Hochsommer „Notlösung“, jetzt zu kalt für richtiges Schwimmen und zu warm für Eisschwimmkicks. Und einen Neo habe ich nicht und will ich auch nicht.

Auch schön, aber kein Ersatz: Regattabadesee

Deshalb bin ich seit der Schließung hauptsächlich mit dem Rennrad unterwegs. Das ist schön. Keine Frage! Ich merke, wie ich besser werde. Wie ich mich besser auskenne und Neues entdecke. Holzofenbrot in Kollbach…

Oder auf einer neuen Route dieses kleine Verkaufshäusl. Sehr nett gemacht und ich habe auch mal Eier da gekauft.

Oder der Natur zuzuschauen, wie sie aufblüht und dann auch wieder verblüht. Der Raps ist inzwischen nicht mehr so gelb wie vor ein paar Wochen noch. Oder der eine Baum, der so toll ganz in weiß geblüht hat: jetzt ein normaler Baum (und ich habe es verpasst, ein Foto zu machen!).

Der Raps blüht inzwischen fast nicht mehr…

Ich war zwischendurch auch im Wasser. Im Regattabadesee, zum Beispiel kurz vor dem Regen. Das war schön. Aber kein Ersatz!

Tolle Stimmung kurz vor dem Regen

Also auch keine Option…

Oder in der Regattastrecke. Da kann man unterhalb der Tribüne schwimmen. Das war auch schön. Das Wasser ist so klar, dass man den Grund sieht. Geknickte Optik, wenn man nur mit Kopf über Wasser schwimmt. Aber dann kamen unglaublich viele Wasserpflanzen, das ist nicht meins. Dann bin ich umgedreht. Und als ich mich umgezogen habe, hatte ich lauter Dreck unter dem Badeanzug… also auch keine Option für mich…

An der Regattastrecke
Klares Wasser und viele Pflanzen

Heute beim Radln war es auch schön, aber ich bin trotzdem traurig. Denn es war ideales Freibad-Wetter: warm und zum Teil dicke, fette Wolken, die aber harmlos sind. Doch sie halten die Mehrheit der Menschen vom Freibad-Besuch ab und so habe ich da oft meine Ruhe (Stichwort: Abstand!). Und wenn man dann nach dem Schwimmen etwas ausgekühlt ist und am Beckenrand auf den warmen Steinen sitzt, freut man sich über jeden Sonnenstrahl, der einen wieder aufwärmt. Und hofft, dass die dicke Wolke schnell weiterzieht.

Ich hoffe jetzt, dass die dicke Wolke namens „Corona-Vorsichtsmaßnahme“ auch weiterzieht und sich die Politik und Badbetreiber für eine Öffnung der Freibäder durchringen kann. Natürlich unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln. Das haben wir ja alle verstanden! Nur, warum das Freibad im Sommer geschlossen ist, während Fußball gespielt wird, der Biergarten und die Geschäfte offen haben, das verstehe ich nicht!


Kälte-Kopfweh

Heute habe ich es endlich wieder zum Eisschwimmen geschafft. Das letzte Mal war ich an Allerheiligen., davor am 1. Oktober. Dann war entweder irgendwas oder das Wetter hat nicht gepasst. Bei Regen zum Beispiel habe ich keine Lust, da ich ja mit dem Radl fahre.

Heute aber endlich gute Bedingungen. Bissl Sonne, kaum Wind und sogar ziemlich warm: 10 bis 12 Grad Lufttemperatur. Vorfreudig schwinge ich mich aufs Radl und düse los zum See. Puh! Ganz schön warm! Obwohl ich nur ein T-Shirt unter meiner Jacke anhabe.

Das Licht ist auch ganz besonders. Irgendwie indirekt, weil es inzwischen eine Wolkenschicht gibt. Aber trotzdem hell. Dadurch leuchten die letzten gelb-orangen Blätter an den Bäumen golden.

Am Langwieder See angekommen, stelle ich mit Freude fest, dass kaum Leute unterwegs sind und zum anderen der See spiegelglatt ist. Prima! Idealbedingungen!

Als ich dann ins Wasser gehe, merke ich, wie kalt es ist. Die Nächte waren oft kalt seit Anfang November. Und mir ist irgendwie warm vom Radln. Ich bleibe also erstmal stehen und gewöhne mich an die Kälte. Aber weil es ja draußen auch nicht soooo warm ist, um im Badeanzug im kalten Wasser zu stehen, tauche ich unter.

Ist das kalt! Krass! Ich versuche ruhig zu bleiben und schwimme im hüfttiefen Wasser. Aber es wird nicht besser. Es schneidet mir eiskalt am Nacken entlang. Die Füße sind Eisklumpen, mein Atem macht Dampfwölkchen über dem Wasser. Mein Kopf schmerzt aufgrund der Kälte. Das habe ich noch nicht erlebt.

Ich muss raus. Ich dachte, dass ich viermal hin- und herschwimmen kann. Aber es geht nicht. Ich muss raus. Einmal hin und her, das reicht. Krass! Ich überlege noch, ob es vielleicht geht, wenn ich mich kurz hinstelle und warte. Aber auch das ist mir zu kalt. Alles in mir fordert: Rausgehen ! Raus! Raus! Und das mache ich dann auch.

An Land wickle ich mich in mein Handtuch. Es kribbelt immerhin ganz schön. Das fühlt sich gut an! Immerhin etwas!

Woran es lag? Keine Ahnung. Es gibt einfach Tage, da soll es nicht sein. Und dann darf man es auch nicht erzwingen. Lieber auf den Körper hören als irgendwelche Risiken eingehen. Und morgen ist ein neuer Tag.


Start in die Wintersaison

Als ich am Langwieder See ankomme und ein Foto machen will, denke ich mir: Das hast du doch schon 100mal fotografiert. Den See. Den Himmel mit und ohne Wolken. Die Bäume mit grünen Blättern, dann mit gelben und irgendwann ohne Laub. Aber das ist ja das Schöne: Es ist inzwischen vertraut. Das Schwimmen im See im Herbst, Winter und Frühling mache ich inzwischen auch schon ein paar Jahre und deshalb kenne ich auch diese Stelle am See schon recht gut. Und auch, wenn es immer dasselbe ist, ist es immer wieder anders.

Heute ist es recht windig, von Westen her weht es über den See. Der macht leichte Wellen, die Autobahn dröhnt übers Wasser. Ich lasse mich davon nicht stören, freue mich lieber, dass die Sonne trotz Wolkenschicht noch wärmt und gehe ins Wasser. Das ist frisch, aber nicht kalt. Untertauchen und schwimmen ist kein Problem. Mein Thermometer zeigt zwar stur 20 Grad an, aber das glaube ich nicht. Eher 16 Grad. Es bitzelt ein kleines bisschen, aber kein Kribbeln. Dazu ist es zu warm. Ich drehe eine kleine Runde, dann gehe ich wieder raus. Ich fühle mich erfrischt. Total toll!

Dann bleibe ich noch ein bisschen am Ufer. Und siehe da! Eine zweite Frau kommt! Wir ratschen ein bisschen, dann schwimmt sie los. Auch sie meint, dass das Wasser etwa 16 Grad hat und dass sie öfter hier ist.

Ich sehe ihr noch nach, dann radl ich zurück. Ich habe nämlich Hunger!


32. Mai

Heute ist der 32. Mai. Das ist kein Tippfehler… oder vielleicht ein kleiner. Man könnte nämlich auch sagen, dass es heute das 32. Mal war. Dass ich schwimmen war. Am Stück! Seit das Freibad am 1. Mai aufgemacht hat, war ich jeden Tag schwimmen. Das wollte ich mal ausprobieren. Letztes Jahr war ich fast den ganzen Mai schwimmen, es gab 3 Tage „frei“. Aber jetzt eben das Experiment.

Ihr könnt euch ja vorstellen, dass es soooo schlecht nicht sein konnte, wenn ich auch heute, laut Kalender der 1. Juni, schon wieder schwimmen war.

Angefangen hat es natürlich gut. Mit viel Vorfreude auf die Freibad-Saison. Und es war toll! Obwohl im Schyrenbad das Wasser an den ersten beiden Tagen recht frisch war. Dafür war das Wetter gut. Das sollte ja nicht so bleiben. Und so bin ich im Regen durch die ganze Stadt geradelt, um ein paar ruhige Bahnen ziehen zu können. Bis auf 2 Tage konnte ich auch meine Standardstrecke von 3.000 Metern schwimmen. Aber die „fehlenden“ 500 Meter wurden bei nächster Gelegenheit nachgeholt. Muss ja alles seine Ordnung haben!

Manchmal war’s auch echt kalt. Aber dafür war ich ungestört. Und ich kam mir recht schnell vor. Ich habe einfach (fast) die ganze Strecke durchgekrault. Zu kkkkaaaalllt zum Nachdenken oder Pause machen! Weiter immer weiter!

Dann flux über die Wiese laufen zur Dusche. Die ist zwar warm, aber der Raum nicht. Es ist eher offen, so dass es kühl ist. Und die Umkleide ist ebenfalls offen. Nur ein Dach drüber (immerhin!). So bin ich dann halb verfroren heimgeradelt und war froh, wenn ich angekommen bin.

Aber es gab auch schöne Tage. An denen ich trotzdem fast allein geschwommen bin, die Sonne hinter den Wolken hervorgelugt hat und es nicht so kalt war. Oder eine meiner Schwimmfreundinnen dabei war. Jede eine Bahn für sich… toll!

Oder ein Tag mit Sonne im Dante. Da war dann gleich ganz viel los. Aber kein Problem, ich kannte alle 4 Mitschwimmer!

Dann war der Tag mit dem Dauerregen. Da hatte ich Glück, denn als ich unterwegs war, hat es fast gar nicht geregnet. Die Isar hatte aber schon beim Hinfahren viel Hochwasser, knapp zwei Stunden später, hatte sie sich einen Weg über die Wiese gebahnt, um den Radweg auf der rechten Seite zu fluten. Das war schon spannend, wie schnell das ging!

An einem anderen Tag habe ich im Schyrenbad ein vierblättriges Kleeblatt entdeckt! Einmal kurz nach unten geschaut und da war es!

Und natürlich gab’s die Tage, an denen ich mir dachte: gut, wenn es vorbei ist und ich Pause machen kann. Und beim Schwimmen die ersten 10-20 Bahnen nicht vorbeigehen wollten. Und dann die letzten 10 auch… die zogen sich… und ich war flügellahm und eigentlich froh, dass es nur noch 2 Tage sind. Der Feiertag und der Freitag. Yeah. Ende in Sicht.

Da lief es im Wasser dann prima! Wie am Schnürchen. Als ob ich nicht die letzten 30 Tage geschwommen wäre.

Und dann eben heute. Sonne, Samstag, warm … und nichts anderes vor. Hm. Ob ich es wage? Eigentlich wäre es verschenkt, nicht schwimmen zu gehen. Vor allem, wenn nächste Woche wirklich Hochsommer ist. Dann geht nämlich nichts mehr. Dann ist Schluss mit lustig und allein in Ruhe und so… also gut. Für 2 klitzekleine Kilometerchen geh ich schwimmen.

Und dann bin ich da. Und es ist recht ruhig. Glück gehabt. Ich lass mich ins Wasser gleiten. Es ist angenehm kühl. Ich spüre das Kribbeln der Wasserblasen an meinem Bauch. Ich trage nämlich einen Bikini, weil es schönes Wetter ist. Ohmann, ist das schön. Und von wegen flügellahm, ich fühle mich gut und schnell.

Dann ist auf einmal Chaos, viele Leute, die recht unterschiedlich schwimmen. Das mag ich eh nicht und nachdem ich jetzt immer allein war, ist es noch blöder. Gut, dass ich nur 2 Kilometer machen will und das gleich erledigt ist.

Und dann? Dann löst sich das Chaos auf und ich denke… hm. Das kann ich jetzt so nicht beenden. Jetzt, wo wieder Ruhe und Ordnung ist. Da muss ich ja fast… genau! Und so war das dann auch. Und am Ende waren es dann doch 3 Kilometer. Zur Belohnung, weil es ich ja gestern mein Ziel erreicht habe.

Morgen ist jedenfalls Schwimmpause. Ganz, ganz sicher!


Maifeiertag – Freibadfeiertag

Schon seit einigen Jahren fiebere ich dem 1. Mai entgegen. Also, jedes Jahr aufs Neue. Und zwar nicht, weil es zwar „Tag der Arbeit“ heißt und ein freier Tag ist, sondern weil es meist der erste Tag im Freibad ist. Letztes Jahr war das anders, da war schon früher geöffnet, weil es ein langes Wochenende war. Heuer ist der 1. Mai ein Mittwoch und somit wieder der erste Freibadtag. Sogar mit Sonne und recht warmen Temperaturen. Und was heißt das fürs Chlorhuhn? Auf ins Schyrenbad natürlich!

Nachdem ich am 23. April das letzte Mal in der Olympiaschwimmhalle war (und damit hoffentlich das letzte Mal „unter Tage“ wegen des Umbaus), war ich einige Tage in Dresden. Dort bin ich Rad gefahren, schwimmen war ich nicht. Und so war ich heute quasi „ausgehungert“, nach über einer Woche ohne schwimmen.

Am Schyrenbad empfängt mich zum Glück keine Menschenschlange (hätte mich bei dem schönen Wetter nicht gewundert), sondern ein Schild – mit dem ich schon fast gerechnet habe: 21 Grad Wassertemperatur.

Abschreckung oder Einladung? 😉

Es war kühl die letzten Tage (habe ich gehört, ich war ja nicht da). Ich denke mir: egal, wird schon gehen. Und zur Not nur zwei statt drei Kilometern. Das hatte ich auch schon mal. Wenn man so viele Jahre schwimmen geht, kennt man irgendwie schon alles…

Das Schyrenbad hat seit letztem Sommer drei Bahnen für Schwimmer (nicht mehr nur zwei) und als ich ankomme, ist auf allen drei Bahnen relativ viel los. Aber es scheint geordnet zuzugehen und so starte ich meine Freibadsaison.

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So war’s 2018 im Schyrenbad. Heute nicht ganz so voll.

Hui… doch ganz schön frisch, die 21 Grad. Obwohl von oben die Sonne lacht. Wohlweislich hatte ich schon meine Ohrenstöpsel eingepackt und in die Ohren gesteckt. Denn mit dem kalten Wasser im Ohr ist mir schon mal schwindelig geworden. Nach ein paar Bahnen habe ich mich an das kalte Wasser gewöhnt, lediglich meine Fußsohlen sind kalt. Aber das macht mir nichts, ich fühle mich wohl und kann recht friedlich schwimmen. Ich spüre das kalte Wasser an mir, ich gleite hindurch. Und dazu scheint die Sonne von oben auf mich. Ich spüre die warmen Strahlen durch die Wasseroberfläche hindurch auf meinem Rücken. Ist das schön! Das ist so schön! Und ich frage mich wieder einmal, warum es im Freibad soooo anders ist als im Winter im Dantebad. Das ist auch draußen, da scheint auch mal die Sonne. Liegt es am wärmeren Wasser? Am Stand der Sonne? An meiner Einbildung? Ich weiß es immer noch nicht. Ich weiß nur, dass ich diesen Moment, diese Monate, herbeigesehnt habe. Und heute ist es endlich so weit!

Nach zwei Kilometern überlege ich, ob ich aufhören soll. Spüre in mich hinein, ob mir kalt ist. Oder schwindelig. Oder „komisch“. Nein, nichts dergleichen. Außerdem ist es momentan gerade ruhig, ich muss nicht überholen, keiner überholt mich. Es ist harmonisch, das ist immer ein gutes Argument zum Weiterschwimmen. Und so mache ich dann meine 60 Bahnen voll. Drei Kilometer im Freibad. Die ersten des Sommers 2019. Es ist herrlich!

Ich steige aus dem Becken und will mich noch etwas in die Sonne setzen. Aber das ist zu kalt. Es hat nicht mal 20 Grad Lufttemperatur und ich merke jetzt, wie ausgekühlt ich bin. Also ab in die Dusche. Und nicht zu schnell, schließlich muss sich mein Kreislauf erstmal anpassen. Die Dusche ist schön warm, das tut gut. Dann umziehen und in die Sonne setzen. Banane essen, was trinken. Aufwärmen. Aber selbst mit der schwarzen Strickjacke ist mir kalt. Ich merke, wie ich zu zittern anfange. Es hilft nichts, ich muss heimfahren. Zu kalt. Und wahrscheinlich mehr Hunger als nur eine Banane. Und so endet der erste Freibadtag recht plötzlich, aber das Wichtigste habe ich ja gemacht: Ich war schwimmen. Im Freibad rumliegen, das ist eh nicht so mein Ding.


Februar-Schwimmen

Heute war mal wieder ein guter Tag zum Eisschwimmen. Winterschwimmen. Februarschwimmen. Nennt es, wie ihr wollt … 😉

Es war sonnig, mit etwa 10 bis 12 Grad recht warm und kaum merklicher Ostwind. Der hatte mir gestern noch die Tour vermasselt, weil es bei etwa 4 Grad einfach nur kalt geblasen hat. Da war ich auch schon auf dem Weg zum See, habe dann aber spontan beschlossen, nicht zu schwimmen, sondern nur zu radeln. Aber heute war alles gut.

Beste Bedingungen!

Der See lag spiegelglatt vor mir, die Sonne scheint durch feine weiße Schleierwölkchen. Perfekt. Als ich ins Wasser gehe, merke ich aber, wie es sticht. Wie 1000 kleine Nadeln an den Füßen, das habe ich so echt selten wahrgenommen. Und es wird auch nicht besser, sondern ist richtig kalt. Aber ich bin entschlossen und tauche unter. Schwimme los. Ist das kalt. Wahnsinn. Ich bin tapfer, atme tief ein und schwimme weiter. Die 15 bis 20 Meter-Strecke kommt mir ewig vor. Es ist kalt, mein Herz schlägt wie verrückt. Ich zwinge mich, langsamer zu schwimmen. Drehe um, schwimme zurück. Natürlich immer am Ufer entlang, wo ich stehen kann. Und fasse einen Plan: Wenn ich am Ausgangspunkt ankomme, stelle ich mich hin und warte kurz. Weil ich ja erst letztes Mal wieder gedacht habe, dass es vielleicht beim zweiten Mal besser wäre. Also eine Pause machen.

Gedacht – getan. Das fällt mir nicht leicht, denn das Wasser ist natürlich trotzdem kalt, auch wenn es jetzt nur im Stehen ist und bis zum Bauch reicht. Zum Glück ist es windstill, der Uferwall hält den Ostwind ja ab. Ich merke, wie sich mein Puls beruhigt. Die Atmung wird ruhiger. Die Füße sind zwar kalt, aber es sticht nicht mehr so arg. Ich schaue aufs Thermometer: 6 Grad … naja. Fühlt sich kälter an. Deutlich kälter.

Im flachen Uferbereich ist das Wasser laut Thermometer 8 Grad warm. Naja. Glaube ich nicht …

Dann wage ich mich an Runde zwei. Es ist immer noch sehr, sehr kalt. Aber ich kann ruhiger schwimmen und schaffe es ein weiteres Mal hin und zurück. Dann aber nix wie raus. Ich bin krebsrot, es kribbelt voll schön!

Handtuch rum und auf dem Rücken die Sonnenstrahlen genießen. Herrlich. Wie viel Kraft die Sonne schon hat! Und jetzt durchfließt es mich auch wieder heiß-kalt-heiß-kalt. Herrlich! Ich ziehe mich an und bleibe noch ein bisschen am Ufer sitzen. Blicke auf den See, der jetzt wieder wellenlos vor mir liegt und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Das sind eigentlich die schönsten Winterschwimmtage: Wenn die Sonne schon etwas Kraft hat, aber das Wasser noch kalt ist.

So schee scho! Ein zweifacher Himmel am Langwieder See mit milchiger Sonne.

Und anscheinend entdecken immer mehr Menschen das Winter- oder Eisschwimmen für sich. Und zwar nicht unbedingt als Wettkampf wie Jochen Aumüller, Sabine Croci und Christof Wandratsch, sondern einfach so. Hier gibt’s ein kleines Facebook-Video.

Zum Abhärten, als Kick, zum Wachwerden … und dann ist mir eingefallen, dass mein erster zaghafter Versuch schon über vier Jahre her ist! Kinder, wie die Zeit vergeht.

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Ganz verkrampft – da geht natürlich nix! Aber das musste ich auch erst lernen …


Weihnachtsschwimmen

Seit drei Jahren gibt es bei mir eine neue Weihnachtstradition: schwimmen im Tegernsee. Heute war es sonnig und windstill, da gab’s keine Ausrede! Erst spazieren gehen zum Aufwärmen der Muskulatur, danach in den See.

Und siehe da! Der Tegernsee ist richtig voller Wasser! Oft hatte er gerade im Winter sehr wenig Wasser, doch der Regen der letzten Tage hat den Pegel steigen lassen. Nicht mal ein kleiner Kiesrand ist am Ufer. Das Wasser geht bis zur Wiese.

Und es ist trüb. Total trüb. Ich sehe gar nichts beim Reingehen. Was bissl blöd ist, weil ich weiß, dass da ein großer Stein ist. Irgendwo. Und an dem will ich mich nicht stoßen. Also muss ich ganz vorsichtig reingehen. Und kalt ist es natürlich auch. Laut Wasserwirtschaftsamt 5,4 Grad. Und ich war am 1. Dezember das letzte Mal schwimmen im See. Hui.

Ich stehe also bis zu den Oberschenkeln im Wasser. Will ich das jetzt? Oder ist es mir zu kalt? Oder zu blöd? Und dann kommen auch noch die zwei Schwäne. Mannomann! Aber zurück gehen müsste ich so oder so. Also nicht lange gefackelt, untertauchen und los. Boah. Kalt. Kalt. Kalt. Aber ich schwimme. Juhu. Kalt. Prima. Kalt.

Am Steg sieht man, wie hoch der Wasserstand ist.

Und dann umdrehen und zurück schwimmen. Kalt. Brrr. Und so eine Dreckbrühe. Normalerweise ist das Wasser im Winter so klar, dass ich total schön auf den Grund schauen kann. Aber hier und heute nur braun. Nicht schön. Und dann bin ich an Land. Ich bin überhaupt nichts mehr gewöhnt, sage ich zu meinem Papa, der wie immer mitgekommen ist und auch Fotos macht.

Hier sieht man, wie dreckig bzw. aufgewühlt das Wasser ist.

Als ich dann das Handtuch um mich schlinge und in der Sonne stehe, kribbelt es herrlich warm am Rücken. Ich spüre auch, wie die Sonne schön wärmt. Herrlich! Gut, dass ich doch geschwommen bin. Auch wenn es nur eine halbe Minute war. Aber ich war drin!


Eisbär ist tot

Ich glaube, das kennt (und fürchtet) jeder Schwimmer: die Badekappe reißt und man hat nur die eine in der Schwimmtasche…

Genau das ist mir diese Woche passiert. Ich habe beide Hände in der Kappe, ziehe sie vorsichtig auseinander und dann: zack! Ein Riss auf voller Länge!

Ausgerechnet die blaue Eisbären-Kappe! Ich habe ja mehrere Kappen, aber die hier war eine ganz besondere!

Und natürlich hatte ich keine Ersatzkappe dabei. Doch grade, als ich an der Kasse eine kaufen wollte, kam mir eine Bekannte entgegen. Sie kam aus der Dusche, Kappe in der Hand. Ganz unkompliziert leiht sie mir ihre und ich kann schwimmen.

Nächstes Mal habe ich sicher Ersatz in der Tasche. Und leider gibt’s die blaue Eisbären-Kappe nicht mehr. Aber dafür andere. Mal sehen, ob ich eine bestelle oder erstmal mit den gefühlt 100 anderen aus meinem Schrank schwimme …


Herbstschwimmen mit Begleitung

Heute war wieder einer dieser schönen warmen Herbsttage. Die Luft an sich war warm, die Sonne hat es noch verstärkt. Aber selbst bei Schleierwolkenschicht blieb es warm. Ein guter Tag für einen Ausflug ans und ins Wasser.

Ich bin zum Karlsfelder See geradelt. Eine schöne Strecke, kaum länger als zum Langwieder See. Und der Oktober macht sich bemerkbar, die Blätter werden langsam bunt.

Am Karlsfelder See treffe ich mich mit einer meiner Dantebadbeckenrandfreundinnen. Sie heißt auch Petra und wir teilen nicht nur die Liebe zum Wasser und Schwimmen, sondern auch die Vorliebe für bunte Badeanzüge und lustige Kappen.

Petra ist auch eine prima Triathletin und nutzt die wohl letzte Chance für ein Schwimmtraining im See. Also so richtig schwimmen mit Kopf unter Wasser. Deshalb zieht sie auch ihren Neo an, während ich ja eher dem Kältegefühl entgegenfiebere als der Schwimmstrecke.

Ins Wasser geht’s gemeinsam. Es hat etwa 14 Grad und bis zu den Oberschenkeln fühlt es sich richtig warm an. Kurz nach dem Untertauchen merke ich aber die Kälte. Ich lasse es auf mich wirken, schwimme ruhig dahin. Wir bleiben beide in Ufernähe und schwimmen ratschend dahin. Herrlich! Keiner da außer uns, das Wasser ist klar und glatt, der Himmel weiß-blau und es ist nicht kalt. Schön!

Irgendwann wird’s natürlich schon kühl und ich gehe raus. Draußen an Land ist’s toll! Die warme Herbstluft, dazu das Kribbeln auf der Haut vom Wasser… Wahnsinn! Sooo schön!

Ich ziehe mich an, Petra krault jetzt noch ein paar Runden.

Die Männer aus ihrer Trainingsgruppe schlüpfen derweil in ihre Neos und starten dann. Sie schwimmen insgesamt 20 Minuten.

Am Ende hat jeder das gemacht, was er wollte und konnte. So unterschiedlich die Aktionen waren, es hat jedem Spaß gemacht und wir hatten einen ganz tollen Mittagsausflug!

Den Radio-Beitrag dazu gibt’s am Sonntag, 14. Oktober, auf B5aktuell im „Fitnessmagazin„, um 7.35 und um 17.05 Uhr. Natürlich auch als Podcast.

Außerdem hat mich das Radln zum Karlsfelder See (wie immer mit dem Stadtfahrrad) dazu motiviert, das Rennrad mal wieder aus dem Keller zu holen …