Archiv der Kategorie: Rund ums Schwimmen

Bahn frei – Buchtipps für Wasserratten

Zweiter Advent, die Zeit rennt, denn Weihnachten naht. Geschenke wollen gekauft werden, doch was schenkt man Wasserratten, Chlorhühnern und anderen Schwimmverrückten? Schwimmbrille? Besser selbst aussuchen? Badeanzug? Ob der passt und gefällt? Pullboye, Flossen, Paddels – ist natürlich alles vorhanden. Wie wäre es mit „Lesestoff“? Bücher über das Schwimmen, die schönste Nebensache der Welt, gibt’s viele. Einige habe ich selbst schon gelesen und deshalb habe ich hier mal eine Zusammenstellung für euch – als Inspiration!

Bahn frei von Lutz Prauser

Lutz Prauser dürften einige von euch kennen. Er ist auch Schwimmer und Blogger, wir zwei waren auch schon auf einigen gemeinsamen Schwimmausflügen. Lutz hat aus der Vielzahl seiner Blogeinträge einige ausgewählt und ein Buch gedruckt. Das Buch hat stattliche 331 Seiten und kostet 19.90 Euro (entweder bei hier bei Lutz oder über die ISBN 978-3-9782-0746-0-3 kann es jeder Buchhändler ordern, es ist im Verzeichnis lieferbarer Bücher gelistet.). Das Beste an dem Buch: ich komme darin auch vor! Spaß beiseite! Es sind Geschichten rund ums Schwimmen. Wie Lutz überhaupt zum „Wassermann“ wurde, wie er seinen inneren Schweinehund ein ums andere Mal überlisten muss. Viele dürften sich in den Geschichten wiedererkennen, manches lässt sich auch auf andere Sportarten übertragen. Das „technische Aufrüsten“ dürften nicht nur Schwimmer kennen. Lutz erzählt anschaulich, wen er im Hallenbad trifft, wie er auch bei Regen im Weiher schwimmt und welche Rechenaufgaben er beim „Kachelzählen“ meistert. Das Buch ist also für Anfänger, Geübte, Motivierte oder Couchpotatoes geeignet. Ob Chlorhuhn oder Freiwasserliebhaber, für jeden ist was dabei. Außer für die Kaltwasserschwimmer, denn das macht Lutz (noch?) nicht. Einziges Manko an dem Buch: Der Tegernsee ist nicht dabei!

Mein Jahr im Wasser von Jessica J. Lee

Berlin ist von Seen umgeben. Die Autorin ist in Kanada geboren und aufgewachsen, sie kommt als Wissenschaftlerin nach Berlin. Aus Liebeskummer heraus schafft sie sich selbst ein Projekt: 52 Seen in 52 Wochen erkunden. Also sommers wie winters schwimmen. Alle Seen will sie ohne Auto, also nur mit dem Rad und ggf. öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Manchmal schwimmt sie alleine, manchmal hat sie Gesellschaft. Sie schildert, wie es ihr beim Schwimmen geht, wie sie die Natur und die Seen, das Wasser und die Luft wahrnimmt. Gerade für Eisschwimmer ist das Buch interessant, weil sich viele darin wiedererkennen können. Außerdem gibt’s ausführliche Infos zu den Seen samt Anfahrtswegen, falls man also mal in Berlin ist. (336 Seiten, 18 Euro, ISBN-13: 978-3827013347)

Schwimmen von Nicola Keegan

Ein Roman, kein Erlebnisbericht wie die anderen beiden Bücher. Ich habe das Buch damals vor allem wegen des Titels gekauft. Es geht um Philomena, die in Kansas in einer exzentrischen Familie aufwächst. Um dem zu entkommen, geht sie leidenschaftlich gern schwimmen. Wenn sie im 50-Meter-Becken abtaucht, kann sie alles um sich herum vergessen und findet in eine neue Welt. Der Schreibstil ist interessant, das Ende fand ich etwas „plätschernd“. (ISBN-13: 978-3498035419)

Wassererzählungen von John von Düffel

Das Buch habe ich mal zum Geburtstag geschenkt bekommen, von einer Schwimmfreundin. Es sind Kurzgeschichten rund ums Schwimmen. Es fängt gleich mit einer Eisschwimmgeschichte in der Ostsee an, die so eindrücklich erzählt ist, dass ich mich gleich gefühlt habe, als wäre ich dabei. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, nicht alle drehen sich ums Schwimmen. Alle sind aber sehr schön geschrieben, so dass hier eigentlich für jeden was dabei sein sollte. (ISBN-13: 978-3423145541). (von John von Düffel stammt u.a. auch das Buch „Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen“, das ich aber nicht gelesen habe, deshalb ist es in dieser Liste nicht enthalten; ISBN-13: 978-3492276740)

Swim – über unsere Liebe zum Wasser von Lynn Sherr

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Darin geht’s rund ums Schwimmen. Und zwar von den Ursprüngen in der Bibel über die Römer bis heute. Die Autorin zeigt die Kulturgeschichte des Schwimmens, wie es sich vom Baden zu einem Sport entwickelt hat. Außerdem erzählt sie von ihren Vorbereitungen für das Bosporus-Schwimmen von Europa nach Asien. Da trifft sie auf die unterschiedlichsten Leute. Für sie als 70-Jährige ist es das erste „große“ Schwimmen, doch hier sind auch Schwimmer, die schon andere Meerengen wie den Kanal durchquert haben. Wer schwimmen liebt, wird dieses Buch mögen! (ISBN-13: 978-3942989527)

Nach Hause schwimmen von Rolf Lappert

Das Buch habe ich auch wegen des Titels gelesen. Aber: Es geht gar nicht ums Schwimmen. Im Gegenteil: Hauptfigur Wilbur hasst Wasser, hat sogar in der Badewanne Angst. Erzählt wird seine Lebensgeschichte. Immer abwechselnd Gegenwart und Vergangenheit – bis es zwangsläufig eine Geschichte wird. Ich fand es nur mäßig spannend, aber schön geschrieben. (ISBN-13: 978-3423138307)

Der kleine Wassermann von Otfried Preußler

Ein Kinderbuch. Was sage ich? Ein Kinderbuchklassiker! Der kleine Wassermann lebt auf dem Grund des Mühlenweihers, er tummelt sich mit dem Karpfen Cyprinus im Wasser und hat Spaß. Aber er will auch wissen, wie das Leben an Land so ist. Bei einem Ausflug ans Ufer holt er sich trockene Füße – und wird prompt krank! Wenn das mal keine Lektüre für uns Wasserratten ist! (ISBN-13: 978-3522183635)

Und wer weitere Inspirationen braucht – bei Amazon einfach mal das Stichwort „schwimmen“ eingeben, da erscheinen unzählige Bücher. Romane, Erlebnisberichte und sogar Reiseführer. Ich kaufe meine Bücher allerdings beim Buchhändler in der Stadt, denn dank Buchpreisbindung kosten sie überall dasselbe und die Lieferung über Nacht funktioniert prima, falls das Buch nicht vorrätig ist.

 


Olympiaschwimmhalle wieder offen

Gestern war die offizielle Wiedereröffnung der Olympiaschwimmhalle in München. Drei Jahre wurde renoviert, drei Jahre war je ein Teil der Halle gesperrt. Es gab neue Wege, neue Perspektiven und andere Schwimmbecken. Im ersten Teil der Bauarbeiten war das Trainingsbecken unter der Tribüne gesperrt. Das hatte zur Folge, dass die Studenten und andere, die eigentlich dort schwammen, im großen Wettkampfbecken ihre Bahnen zogen. Dann kam Teil zwei des Umbaus – das Wettkampfbecken war gesperrt, alle Schwimmer mussten in das kleine Trainingsbecken unter der Tribüne. Das Becken hat nur fünf Bahnen, da wurde es oft eng, vor allem, weil alle Bahnen geleint waren. Aber auch, weil oft Bahnen gesperrt waren, weil die Uni ja weiterhin ihr Schwimmtraining abhalten musste.

Beengte Verhältnisse im Trainingsbecken während der Umbau-Phase im Oly

In der ganzen Zeit des Umbaus hatte ich ganz vergessen, wie schön und großräumig die Olympiaschwimmhalle ist. Denn das Trainingsbecken ist unter der Tribüne, es fühlt sich an wie in einem Keller. Es ist auf derselben Ebene wie die anderen Becken, aber die Decke ist eben sehr niedrig. Man hat überhaupt nichts von der Außenwelt mitbekommen: Sonne? Regen? Schnee? Weltuntergang? Hätte alles passieren können, während ich meine Bahnen ziehe. Das fand ich schon schade, hier so unter Tage zu sein.

Deshalb bin ich letztes Jahr im Herbst auch recht oft im Dantewinterwarmfreibad gewesen. Ich möchte hier auch mal meine Hochachtung für die Bademeister aussprechen, die ja nicht nur eine Stunde hier unten im Dunklen saßen, sondern ihren kompletten Dienst über knapp zwei Jahre im Keller abgeleistet haben.

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Zwei meiner Schwimmfreunde hätte ich ohne den Umbau im Oly wohl nie kennengelernt: Jakob und Cissi, die schnell und schön schwimmen, sind mir irgendwann im Wettkampfbecken aufgefallen und wir sind ins Gespräch gekommen. Im Laufe der Zeit haben wir und oft gesehen, oft geredet und irgendwann sogar Telefonnummern ausgetauscht. So wurde aus der Bekanntschaft im Umbau-Oly über die Zeit eine Freundschaft, die im Sommer zu Schwimmausflügen in die Freibäder im Umland geführt hat und nun schon über viele gemeinsame Schwimmkilometer besteht. Ohne den Umbau hätten die beiden wohl immer im Hochschulbecken ihre Bahnen gezogen, während ich im Wettkampfbecken (so heißen die beiden Becken nun mal) geschwommen wäre. Ein sehr schöner Nebeneffekt des Umbaus.

Und dann war es irgendwann im Sommer 2019 soweit: Man munkelte, dass das Wettkampfbecken und auch das Trainingsbecken geöffnet sind. Für mich war das im Sommer noch gänzlich uninteressant – ich war bis 30. September im Freibad. Am 1. Oktober war ich „nur“ kurz Herbstschwimmen im See, das Wetter war einfach zu gut für die Halle. Und so kam es, dass ich am 2. Oktober das erste Mal wieder im „Oly“ war. Der Eingang ist noch der Baustelleneingang und so bin ich auch erstmal in die Sammelumkleide gegangen, die während des Umbaus mein Refugium war. Logo hatte ich auch hier „meinen“ Schrank! Doch der Weg von der Sammelumkleide zum großen Becken ist weit. Ich hab mich dann noch gewundert, warum das so ist und warum das früher anders war. Bis mir dann eingefallen ist, dass der Eingang noch an anderer Stelle ist. So gibt’s bzw. gab’s neue Wege – und auch eine neuen Schrank. Dazu später mehr.

Jetzt erstmal das Becken und die Halle. Die Fensterfront aus Glas muss noch gemacht werden, deshalb ziert hier ein schönes buntes Bild die Baustellenfassade.

Die Glasfassade muss noch erneuert werden. Währenddessen ziert dieses Bild die Holzwand.

Aber wie groß das Schwimmbecken ist! Acht Bahnen (statt fünf im Trainingsbecken). Und die Höhe erst! Wie viel Platz gibt es rund um das Becken. Und wie schön ist es unter dem geschwungenen Zeltdach. So luftig! Und ein Teil der Glasfassade ist frei, so dass man zumindest ein bisschen was von der Außenwelt mitbekommt. Manchmal scheint sogar die Sonne aufs Becken.

So leer ist es nur bei Betriebsschluss. Aber wie schön es ist, sieht man hier natürlich am besten. Und träumen wird man ja dürfen …

Ich sauge die neue alte Atmosphäre auf und freue mich. Es ist einfach schön, wieder im Oly zu sein. Dass das Becken jetzt aus Edelstahl ist und nicht mehr gefliest, ist schade. Aber ich habe mich beim Schwimmen im Trainingsbecken schon an das Edelstahl gewöhnt, so dass es mir gar nicht so neu vorkommt. Und ein paar Fliesenstücke vom alten Oly habe ich ja daheim!

Fliesen aus dem alten Oly-Schwimmbecken von 1972

Es schwimmt sich auch echt gut. Vor allem am Anfang kam mir das Becken groß und unübersichtlich vor. Im Trainingsbecken mit seinen fünf Bahnen hat man viel schneller gesehen, wer sonst noch da ist. Oder im Freibad, wenn eh nur eine Bahn für die Schwimmer abgetrennt ist. Da sieht man gleich, wer heute auch schwimmt. Aber bei acht Bahnen, von denen sechs geleint sind – da kann man schon mal den Überblick verlieren. Nachteil der vielen Bahnen: Es gibt nur einen eher kleinen Teil für die „Nichtschwimmer“ und nach wie vor ist es nicht gewollt, dass die Bahnen irgendwie „eingeteilt“ werden. Es kann jeder da schwimmen, wo er/sie es für richtig hält. Wenn man Pech hat, verirrt sich auf jede der sechs Bahnen ein langsamer Brustschwimmer, der schwer zu überholen ist. Oder man hat Glück und kann seine Bahn einmal auch mit einem richtigen Profi teilen – als ich mit Alexandra Wenk auf der Bahn geschwommen bin.

Und dann ist da ja noch die Frage nach dem Schränkchen. Von der Sammelumkleide war mir der Weg zum Becken und den Duschen zu weit. Außerdem sind in der Sammelumkleide jetzt auch wieder vermehrt Schulklassen, die zum Schwimmunterricht da sind. Da war es an der Zeit, dass ich mir eine neue Umkleide und einen Schrank suche. Nehme ich die alte „824“ wieder? Irgendwie scheinen die Schränkchen neu nummeriert zu sein, denn die Lage von „824“ ist nicht ideal.

Welches Schrankerl darf’s denn sein?

Hm… was nehme ich dann? Ich teste verschiedene Schränkchen auf ihre Lage und auf die damit verbundenen Wege. Und lande am Ende bei „700“. Ja – ein Schränkchen ohne eine „8“! Sowas!

Tadaa! Die 700 macht das Rennen – quasi 007 von hinten!

Aber die 700 ist ein guter Schrank. Kaum andere Leute da, nah an der Dusche und nah am Becken. Und: der einzige Kleiderbügel weit und breit im Oly ist auch fast immer da, wo ich ihn lasse. Nur ein paar Mal musste ich suchen, bis ich ihn wieder gefunden habe. Angeblich gibt’s 500 Kleiderbügel, aber wo die sich verstecken, habe ich noch nicht herausgefunden…

 

Der einzige Kleiderbügel im Oly – entweder im Schrankerl oder in der Umkleide!


Zum Geburtstag den 500. Kilometer

500 Kilometer – das ist schon eine Hausnummer! Das war meistens meine Jahresschwimmleistung, doch schon vergangenes Jahr wurde diese magische Grenze während der Freibad-Saison geknackt. Und heuer: schon am 8. August. Ok… ich habe ein bisschen „nachgeholfen“, denn als ich mal zusammengerechnet habe, wie viele Kilometer ich schon geschwommen bin, kam heraus, dass noch 12 fehlen, um die 500 rund zu machen (ich LIEBE runde Zahlen!). Und weil der 8. August mein Geburtstag ist, es bis dahin aber nur noch drei Schwimmtage waren, wäre die Rechnung mit drei Kilometern schwimmen nicht aufgegangen. Aber: 12 geteilt durch 3 Tage ist halt auch 4 Kilometer (anstatt 12 geteilt durch 3 Kilometer ist gleich 4 Tage). Und so habe ich mir gedacht, dass ich einfach jeweils einen Kilometer mehr schwimme, um mir selbst so ein verrücktes Geschenk machen zu können.

 

Do bin i dahoam: Dantesommerbecken!

Ich hatte ja eh schon gut vorgearbeitet. Der Mai war sehr gut für diese Bilanz, denn da war ich jeden Tag im Freibad. Im Juni habe ich mir ein paar „freie“ Tage gegönnt, doch schon nach einem Tag „ohne“ hat mir was gefehlt. Oder es hat eine Freundin/Freund gefragt, ob ich mitkommen mag ins Freibad. Logo!

 

„Kommst mit nach Germering?“ – wer kann da nein sagen?!

„In Freising gibt’s auch ein Freibad“ – ach, echt. Nix wie hin!

Und im Juli war es fast wie im Mai – jeder Tag Schwimmtag. Ok, einen Tag Pause gab’s, da war ich chillen und planschen in Starnberg.

 

Eher chillen und baden in Starnberg.

Und dann eben die magischen drei Tage mit den vier Kilometern. Zum Teil war es auch recht kühl und regnerisch, da war es im Wasser fröstelnd. Aber egal, wenn ich mir was vornehme, dann ziehe ich das auch durch. Erstaunlich, welchen Ehrgeiz ich da entwickeln kann. Und dann komme ich auch derart in meinen Schwimmflow, dass ich gar nicht merke, wie die Zeit vergeht und Bahn um Bahn abgeschwommen ist. Am Geburtstag selbst war ich dann zwar froh und glücklich, dass ich den 500. Kilometer geschwommen bin, aber meine Arme waren auch müde.

So macht Rückenschwimmen Spaß!

Und jetzt? Es ist noch einen Monat Freibad-Saison, das will ich natürlich nutzen. Und das macht mir einfach mehr Spaß als Freiwasser-Schwimmen. Besonders deutlich wurde mir das gestern im Kirchsee, einem Moorsee. Gruselig … oder bin ich einfach zu viel geschwommen? Gibt’s das überhaupt: zuviel??

Ich muss jetzt jedenfalls los … ins Freibad!


Zeitreise im Fluss

Ich stehe im Wald und doch im Schwimmbecken. Im Trockenen … und kann das Becken vor lauter Bäumen kaum erkennen. Denn hier in München Freimann war vor 30 Jahren das letzte Mal Wasser im Schwimmbecken.

 

Ich stehe im Schwimmbecken. Hier war vor 30 Jahren das letzte Mal Wasser drin …

Dann musste das Floriansmühlbad schließen. Es hat sich nicht gelohnt. Wie das mit Schwimmbädern halt so ist: hohe Kosten, wenig Einnahmen. Das Freibad im Münchner Norden war in privaten Händen, das Wasser kalt: an heißen Sommertagen mit etwas Glück 22 Grad. Denn das Wasser kam über einen Seitenarm der Isar, über den Garchinger Mühlbach. Der floss durch das Grundstück von Karl Kaltenbach, der das Bad in den 1930er-Jahren gegründet hat. Weil er wohl selbst gern gebadet hat. Und so wurde neben dem Bach ein Becken ausgehoben, mit Beton ausgekleidet und das Wasser aus dem Bach vorne hinein- und hinten herausgeleitet. Ein „Infinity-Pool“, lange bevor es den Begriff überhaupt gab. Jeden Abend wurde das Wasser abgelassen, damit sich keine Algen bilden und nicht zu viel Sediment ablagert. Bissl was ist aber immer liegen geblieben und deshalb musste das Becken einmal in der Woche geputzt werden. „Immer am Samstag in der Früh um 6 Uhr“, erinnert sich Claus Doppelhamer. Er ist der Enkel des Schwimmbadgründers und musste schon als Kind mit anpacken.

Und in genau diesem Becken stehe ich jetzt. Es gibt zwei Ebenen, eine flachere für Nichtschwimmer, dann ein paar Stufen, die in den „tiefen“ Bereich führen, den Schwimmerbereich.

Das Geländer trennt den Nichtschwimmer- vom Schwimmerbereich.

Über diese Treppen ging’s ins Becken …

So richtig „tief“ war es nicht: 1,50 Meter. Der Beton ist aufgeplatzt, überall wächst was Grünes: Gräser, Büsche, Bäume. Birken, die richtige Bäume sind. Denn seit 30 Jahren ist das Bad geschlossen und der Natur überlassen. Am Rand zum Bach sieht man die Leitern noch, das Metall ist gut erhalten, nur die Holzplatten der Leiterstufen sind verrottet, hier kann man nicht mehr rauf- und runtergehen. Erstaunlich, wie schnell sich die Natur alles zurückerobert.

 

Das ist auf der anderen Seite des Beckens. Die Holzstufen der Leiter sind morsch.

Ich versuche mir die Geräusche von damals vorzustellen: Ein Plätschern und Rauschen, denn das Wasser lief vom Bach ins Becken und auf der anderen Seite über eine Mauer in Kaskaden wieder raus. Dazu Lachen und fröhliches Kinderkreischen. „Hier sind wir immer entlang balanciert“, erinnert sich Andi. Der 52-Jährige war als Kind fast jeden Tag im „Flori“. Und schon vor Jahren, als er mir davon erzählt hat, war er wehmütig, dass es das Bad nicht mehr gibt. Jetzt war es soweit, wir dürfen die Wildnis anschauen, Gaby und Claus Doppelhamer erzählen von früher und zeigen alte Fotos. Die 1980er sind gelbstichig und doch lebendig! (Wer mag, kann hier den Radio-Bericht anhören).

Im Floriansmühlbad war einiges geboten: Man konnte sich in dem Mühlbach entlang treiben lassen, im Schwimmbecken planschen oder sich unter die Wasserfälle stellen oder, wenn man mutig war, ins „Wellenbad“ springen. Hier kamen zwei Wasserströme zusammen, es muss lautstark gerauscht haben. Auf den Bildern im Fotoalbum schäumt das Wasser weiß und die Menschen stehen an, um dann einer nach dem anderen hineinzuspringen. „Das hat dich sofort weggezogen, das war toll“, schwelgt Andi in den Erinnerungen. Jetzt plätschert es nur noch ganz ruhig.

 

In dem Häuschen wird Strom erzeugt, früher rauschte auch in dem rechten Bereich Wasser entlang.

… und schoss hier wieder raus – ins Wellenbad. Heute rauscht hier kaum noch was.

Und weil es ein schöner Sommerabend ist, kommt ganz am Ende meines Besuchs das Beste: Wer mag, darf in dem Bach baden. „Das Wasser hat ca. 20 Grad“, meint Gaby Doppelhamer. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen! Der Bikini und ein Handtuch sind eh im Rucksack – man weiß ja nie – und so schnell kann keiner schauen, bin ich umgezogen und stehe an der Leiter. Die Leitern im Bach sind nämlich noch voll funktionsfähig, die Stufen sind Metallbügel.

Idylle pur. Am rechten Rand sieht man noch die Leitern, hier kann man noch ein- und aussteigen.

Das muss man mir nicht zweimal sagen!

Ui, frisch. Aber nicht schlimm. Perfekt. Ich lasse mich reingleiten, die sanfte Strömung nimmt mich mit. Nicht so reißend wie im Eisbach, sondern gemütlich. Als ich gegen den Strom schwimmen will, merke ich die Kraft aber deutlich. Doch ich komme voran. Langsam, aber ich schaffe es mit einiger Anstrengung, einige Meter flussaufwärts zu schwimmen. Dann klettere ich die Leiter rauf, barfuß geht’s an Land zurück und dann nochmal ins Wasser. Herrlich!

Yeah! Die Strömung nimmt mich kräftig, aber sanft mit.

Und nochmal. Und dann nochmal. Und das Beste: Ein Freibad ganz für mich allein. Naja. Nicht ganz, einen Mitschwimmer gab’s schon.

Sommerliche Abendidylle am Garchinger Mühlbach.

Dann genießen wir den Abend am Bach mit Bier und Brotzeit, bevor wir das Floriansmühlbad wieder verlassen. Für immer. Leider. Schade!

Heute war der Eintritt frei, denn das „Floriansmühlbad“ gibt’s nicht mehr.


Sauna-Päivä in Helsinki

Die Sauna ist in Finnland allgegenwärtig und ihr wisst ja sicher, dass es dort so viele Saunen gibt, dass sich statistisch gesehen zwei Finnen eine Sauna teilen können. Und da könnte man ja meinen, dass in Finnland jeder Tag „Sauna-Tag“ wäre. Aber es gibt einen Tag, der tatsächlich so heißt „Sauna-Päivä„. Hauptsächlich in Helsinki. An diesem Tag im März sind Saunen geöffnet, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit sind: Private Saunen, Saunen im Studentenwohnheim oder im Hotel. Und weil ich ein großer Fan der finnischen Sauna bin, bin ich letztes Jahr extra zum Sauna-Päivä nach Helsinki geflogen. Der nächste Termin ist jetzt am Samstag, 9. März.

Planung

Aller Anfang ist Planung! Um den Sauna-Tag entspannt genießen zu können, ist es sinnvoll, sich bei den verschiedenen Saunen anzumelden. Die meisten Angebote kann man nämlich nur nutzen, wenn man sich angemeldet bzw. eingetragen hat. Den Plan gibt’s hier: https://www.helsinkisaunaday.fi/search und der wird auch ständig erweitert. Reinschauen und dranbleiben lohnt sich also!

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Tervetuloa! Herzlich willkommen beim Sauna-Tag!

Bei den einzelnen Saunen steht auch, was geboten ist und was man mitbringen muss. In aller Regel ein Handtuch. Sinnvoll sind auch Badeschlappen und manchmal auch ein Badeanzug bzw. Badehose. In Finnland wird oft geschlechtergetrennt sauniert, manchmal aber gemeinsam. Und da wird dann Badebekleidung getragen. Und wer es richtig „finnisch“ will, setzt sich einen Sauna-Hut auf. Der soll den Kopf vor zu großer Hitze schützen. Ebenfalls wichtig: Trinken! Wer schwitzt, verliert Flüssigkeit und Mineralien, deshalb viel trinken. Wasser ist immer gut, aber auch Saftschorlen oder ein Bier sind möglich. Und wer den ganzen Tag von Sauna zu Sauna zieht, sollte auch eine Mahlzeit einplanen.

Huopalahden Sauna

Meine erste Sauna am Sauna-Tag war eine ganz besondere: Huopalahden Sauna. Mit dem Zug geht’s nach Huopalahti. Das Wetter an diesem März-Tag ist grau: Die Wolken hängen tief und obwohl es Mittag ist, ist das Licht diffus. Der Schnee auf den Straßen und Gehwegen ist auch grau und leicht matschig. Es ist nicht wirklich kalt, um den Gefrierpunkt. Aber diese graue Feuchtigkeit ist ungemütlich. Genau das richtige Wetter, um in die Sauna zu gehen. Ich verlasse den Bahnsteig, denn die Sauna ist genau am Bahnhof. Kein Wunder, das alte Bahnhofsgebäude aus weißem Holz wird von der Finnischen Bahn nicht mehr gebraucht und so hat es Liisa Akimof 2013 gekauft. Und wie sich das in Finnland so gehört, gehört zum Bahnhof auch eine Sauna. Liisa sägt gerade Holzlatten in kleinere Stücke, als ich auf das kleine rote Ziegelhäuschen zusteuere. Darin ist die Sauna.

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Das alte Bahnhofsgebäude in Huopalahti.

Rund um das Ziegelhäuschen stehen ein paar Häuser aus Holz. Das größte ist weiß und steht am nächsten an den Gleisen. Das war früher der Bahnhof. Doch heute ist aus dem Vorort-Bahnhof eine gesichtslose S-Bahn-Station geworden. Liisa wohnt hier und bietet in dem großen Haus Lesungen und andere Kultur-Events an. Die Sauna ist eigentlich nur für die Bewohner des Areals.

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Da ist die Sauna drin.

Heute, am Sauna-Tag, können auch Besucher kommen. Vorausgesetzt, sie haben sich angemeldet und Glück gehabt. Zweimal 8 Plätze gibt’s. Eine Runde für Frauen, eine Runde für Männer. Wie das in Finnland traditionell so ist. Seit 1910 gibt’s die Sauna, erzählt Liisa. Sie war für die Bahnarbeiter gedacht.

(Sobald das Video läuft, steht das Bild auch nicht mehr auf dem Kopf)

Es ist eine alte, einfache Sauna. Etwa 10 Quadratmeter groß. Die Wände sind betongrau, eine steile Holzleiter führt zu der Sauna-Bank, auf der wir später zu acht Platz haben. Durch das Fenster dringt das diffuse Nebelwintergrau in den Raum. In der Ecke stehen zwei Öfen: Einer mit großen Steinen oben drauf, der Kiuas, also der Sauna-Ofen. Der andere ist eine Wassertonne, hier wird das Wasser erwärmt. Wer sich waschen will, muss das mit einer Schüssel machen, auf die ganz altmodische Art. Duschen gibt’s nämlich keine. Es atmet den Charme der Vergangenheit.

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Alles ganz schlicht: Holzbank, der Saunaofen mit den Steinen und die Tonne mit dem heißen Wasser.

Die Sauna wird mit Holz beheizt, was eine sehr schöne Wärme ergibt. Es ist keine so trockene Luft wie ich es aus Deutschland kenne. Was auch daran liegen könnte, dass wir viele Aufgüsse machen. Auch das macht in Finnland kein Sauna-Meister, der zur vollen Stunde kommt, sondern die Sauna-Gäste selbst. In unserem Fall ist das Johanna, die mit Sauna-Hut und Sauna-Tattoo – ein Holzeimer und ein Birkenbündel – ein echter Fan des Schwitzens ist.

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Gleich sind alle Plätze belegt!

Und was kann ich sagen? Es ist einfach nur schön. Wir sitzen wie die Hühner auf der Stange, genießen die Wärme und ratschen. Sehr entspannt. So gefällt mir das. Und zum Abkühlen geht’s in den Schnee! Ich gehe erst ein bisschen auf und ab, atme die frische Luft. Dann wage ich es und lege mich kurz in den weißen Schnee. Schön! Auch Elisa schnappt frische Luft und ist begeistert von der alten Sauna und der Umgebung: „Es ist schon lustig, da warten die Fahrgäste am Bahnsteig auf den Zug, während wir hier im Schnee liegen. Wir haben quasi Publikum!“

Der Zug fährt ein und nimmt die Wartenden mit. Und auch wir warten nicht länger, sondern steigen in die Sauna – für die zweite Runde.

Liisa hat nicht nur die Sauna angeheizt, sie hat auch die Kaffeemaschine angemacht und gegen eine kleine Spende gibt’s sogar einen Kuchen mit Äpfeln aus dem Bahnhofsgarten. In der Waschküche stehen neben zwei großen Waschmaschinen zwei 50er-Jahre-Sessel und ein Nierentisch.

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Liisa killt mit ihrem Messer gleich den Apfelkuchen.

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So charmant kann eine Waschküche sein.

Und während ich mir zum Abschluss Kaffee und Kuchen schmecken lasse, ist die Frauen-Zeit in der Sauna auch schon rum und die Männer kommen. Peter hat sich gleich mal die Säge geschnappt: „Wenn jemand schon so nett ist und kostenlos eine Sauna anbietet, will ich meinen Teil dazu beitragen, dachte ich mir. Und ich hatte Recht: Es ist noch kein anderer da… ja, warum nicht? Im Stadtleben machst du das nicht so oft, aber im Sommer ist es ganz normal – nur nicht im Winter.“ Liisa hatte in ihrer Sauna-Beschreibung erwähnt, dass sie sich freut, wenn jemand beim Holzsägen hilft. Wir Mädels haben das nicht gemacht, aber die Jungs sind ganz fleißig. Nach und nach trudeln die Männer ein, jeder greift zur Säge und sägt ein bisschen. Alle haben gute Laune und ich finde es schade, dass ich weiterziehen muss.

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Wer mag, darf sägen.

Sauna-Dorf im Museumsinnenhof

Mit dem Zug fahre ich zurück ins Zentrum von Helsinki. Unweit des Bahnhofs ist das Nationalmuseum und dort ist im Innenhof ein ganzes Sauna-Dorf aufgebaut. Ein Zelt dient als Umkleide, rund um stehen Imbisswägen, die aber keine Würstl braten, sondern mobile Saunen sind. In die kleine Tubi-Sauna passen gerade mal 6 Besucher, in die Rauchsauna etwa 10. Viel Platz ist nicht und so wuseln die Besucher auf dem Platz zwischen den Sauna-Anhängern umher. Nur mit einem Handtuch bekleidet, manche sogar barfuß. In einem der Anhänger ist sogar ein Whirlpool angekarrt worden.

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Im Imbisswagen werden keine Würschtl gegrillt, sondern Saunagäste …

Hierher können alle ohne Anmeldung kommen, aber Badebekleidung ist Pflicht. Mir persönlich war das Gewusel aber zu viel. Aber hier wird auch mal wieder bestätigt, was ich schon öfter in der finnischen Sauna erlebt habe. Es stimmt nicht, dass die Finnen pauschal so schweigsam sind. Sie sind sehr gesprächig – besonders, wenn es um die Sauna geht. Wer das also erleben will, ist beim Sauna-Tag goldrichtig! Die Saunen sind kostenlos und eigentlich hat man nichts zu verlieren.

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Kostenloses Sauna-Angebot im Innenhof des Nationalmuseums

Torni-Sauna im GLO Hotel Art

Meine nächste Sauna ist die im GLO Hotel Art. Das Jugendstil-Haus wirkt von außen fast wie eine Burg. Die Mauern bestehen aus großen Granitsteinen, die Holztür ist schwer und mit Eisen beschlagen. Über dem Eingang thront ein Turm. Und im obersten Stockwerk, unterhalb des Turms, ist die Sauna ”Torni”. Die Sauna steht in ihrer Einfachheit in starkem Kontrast zu den dicken Mauern, den schweren Türen und massiven Möbeln, die im Hotel stehen. Es ist eine recht schlichte, elektrisch beheizte Hotelsauna für etwa 10 Leute. Es ist Frauenrunde und kaum sitzen wir auf den Bänken, wirft eine Frau auch einen Aufguss. Dreimal. Warum eigentlich? Reicht nicht eine Schöpfkelle Wasser? Sie ist von der finnischen Sauna-Society und erklärt: ”Einige sagen, dass der Sauna-Geist es mag, wenn du dreimal wirfst. Dann ist er zufrieden und macht den schönsten Dampf. Vielleicht muss man auch einfach zuhören, als ob du mit einem Menschen sprichst: Wie reagiert der Ofen? Beim ersten Mal weißt du es, beim zweiten Mal bist du besser und beim dritten Mal seid ihr befreundet – das wäre eine rationale Erklärung.”

Manche sagen auch, dass man beim dritten Mal im Dunklen einfach die beste Chance hat, den Ofen auch zu treffen.

 

Im GLO Hotel gibt’s kostenlose Getränke und sogar Bier!

Die Umkleide im GLO Hotel. Hat was von Ostseebad …

Ich treffe hier auf Laura und Marjo. Die beiden Freundinnen sind schon den ganzen Tag von Sauna zu Sauna unterwegs. Der Sauna-Tag ist für die beiden der wichtigste Tag im Jahr. Seit Anfang Januar haben sie akribisch geplant, damit sie möglichst viele Saunen besuchen können. Sie waren schon auf einem Boot, einer Sauna mit Dachterrasse und im Hostel. Jetzt sind sie hier.

Der Sauna-Tag ist irgendwie ein Event, ein Festival. In jeder Sauna treffe ich auf neue Leute. Die alte und einfache Sauna der Eisenbahner ist so ziemlich das Gegenteil von der Hotelsauna und vor allem ist der Aufenthaltsbereich hier sehr viel mondäner, mit Ledersesseln und einem schweren Holztisch. Dazu gibt’s kostenlose Getränke – und sogar Bier. Spontan beschließen Laura und Marjo, mich zu ihrer nächsten Sauna mitzunehmen. Zu einem neugebauten Studentenwohnheim.

Kalasatama-Studentenwohnheim

Das Studentenwohnheim ist ein modernes und deshalb ist hier die Sauna nicht im Keller untergebracht, sondern im obersten Stockwerk. Mit Schnee auf der Dachterrasse zum Abkühlen. Die Sauna ist winzig klein, nur 6 Leute haben Platz. Trotzdem ist Jan-Erik, der Vorsitzende im Wohnheim, stolz, dass seine Sauna jedes Jahr beim Sauna-Tag dabei ist. Inzwischen ist es schon spät, 20 Uhr. Unsere Bikinis sind feucht, wir wollen sie nicht mehr anziehen. Die Mädels beratschlagen sich und auch die Studentenwohnheimjungs meinen, dass wir alle gemeinsam nackt in die Sauna gehen können. Ich kenne das ja aus Deutschland eh, deshalb ist mir die Entscheidung ganz recht. Bissl komisch ist es dann schon, als wir so ganz nah beieinander sitzen und ratschen – wie in einer Bar. Nur, dass wir eben nackt sind. Vesa macht einen Aufguss, dass uns ganz schnell heiß wird! Nix wie raus – auf die Dachterrasse und in den Schnee. Einmal tief durchatmen und dann rein ins kühle Weiß. Herrlich!

Sompa-Sauna

Inzwischen ist es 22 Uhr. Die Studentensauna schließt, alle ziehen sich wieder ihre warmen Hosen, Schuhe und Jacken an. Zeit zum Aufbruch und auch wir Mädels machen uns auf den Heimweg. Naja. Nicht so ganz. Ein „Muss“ ist „Sompa Sauna“. Eigentlich gehört sie nicht wirklich zum Sauna-Tag, denn diese Sauna in Helsinki ist jeden Tag rund um die Uhr geöffnet und kostenlos. Aber irgendwie gehört sie doch dazu und deshalb gehen wir hier noch hin. Es ist sehr schön. So „ungeplant“ und doch gut organisiert. Es ist immer jemand da, der sich um Feuerholz und Wasser kümmert. Die Sauna ist sehr heiß, die Aufgüsse zischen und natürlich sind wir sofort in ein Gespräch vertieft. Und dann geht’s für mich noch ins Eisloch. Mitten in der Nacht, im dunklen! Der Weg dorthin ist auch abenteuerlich, ich muss aufpassen, dass ich auf dem Schnee nicht ausrutsche. Eine kleine Treppe führt ins „Avanto“, das Eisloch. Ich gehe rein, tauche unter – herrlich! Mitten in Helsinki, in der Ostsee, im Eis. Finnischer geht’s nicht! Nochmal kurz aufwärmen, dann ist wirklich Schluss für heute.

Anarchisch: Sompa-Sauna

Das Eisloch – Avanto – bei der Sompa-Sauna mit Blick auf die Stadt

Ein ereignisreicher Tag mit viel Entspannung und schönen Eindrücken. ”Ich fühle mich erschöpft, weil ich 12 Stunden lang in der Sauna war. Es gefällt mir, aber jetzt bin ich fertig. Es ist Zeit fürs Bett und zum Wassertrinken. Ich befürchte, dass ich mich morgen verkatert fühle wegen der Dehydrierung. Jetzt heißt’s warten bis nächstes Jahr. Aber ich bin sicher, dass wir unseren Rekord nochmal verbessern: wir waren in 7 oder 8 Saunen – also nächstes Jahr dann 9 – mindestens!”, sagt Marjo auf dem Nachhauseweg. Die Mädels sind so nett, dass sie mich noch begleiten, bis ich mich wieder zurecht finde.

Mein Fazit zum Sauna-Tag: Es ist eine ganz besondere Stimmung. Wie auf einem Festival. Wer ein bisschen offen ist, wird interessante Gespräche führen und nette Leute kennenlernen. Ich bin allein zum Sauna-Tag gefahren, aber natürlich kann man auch mit einer Freundin oder einem Freund fahren. Wer als Pärchen unterwegs ist, sollte aber bedenken, dass in manchen Saunen eben geschlechtergetrennt sauniert wird und das bedeutet oft, dass zuerst eine Stunde die Frauen an der Reihe sind und danach die Männer. Das könnte die Planung etwas erschweren. Aber die Informationen sind alle übersichtlich auf der Homepage zusammengefasst.


Jahresbilanz 2018 – 666 Kilometer

31. Dezember – Zeit für die Jahresbilanz. Rückblick auf ein verrücktes Schwimmjahr mit einem sehr ansehlichen Kilometerstand: 666 Kilometer. Und ja, das ist kein Zufall! Nachdem ich ja schon während der Freibad-Saison die 500 Kilometer (mein durchschnittliches Jahresendergebnis) erreicht hatte, war die Frage, was noch möglich ist und wohin die Reise geht. Also, wohin war ja eigentlich klar: 50 Meter hin und 50 Meter zurück. Von Beckenrand zu Beckenrand. Aber wie oft noch? Gönn ich mir eine Pause? Welches Ziel ist realistisch, ambitioniert und doch machbar? 600 Kilometer – das wäre doch zu schaffen. Also war das angedacht.

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Die Fische müssen ins Wasser!

Im Herbst, als es noch so schön und warm war, aber die Freibäder geschlossen hatten, hat mich ein paar Mal der „Rappel“ gepackt und ich wollte nicht schwimmen. Im Dante-Winterfreibad war mir das Wasser zu warm (und mutmaßlich zu viel los, bei bestem Spätsommer/Frühherbstwetter) und in der Olympiaschwimmhalle bei eingeschränktem Platzangebot und dank Umbauphase  (laut Stadtwerken noch bis Ende Februar, ab Mitte März 2019 wieder Normalbetrieb) im Keller ohne Tageslicht – nein. Ich bin frei, dachte ich, und nutze die Sonne. Einmal war ich schon auf halbem Weg ins Oly, doch dann bin ich umgekehrt, heimgeradelt und habe die Schwimmsachen gegen Radlsachen getauscht. Freiheit! Ich „muss“ nicht schwimmen! Ich kann machen, was ich will! Hehe… und schon am nächsten Tag hatte ich doch wieder Lust auf schwimmen, in der kellerartigen Olympiaschwimmhalle. So bin ich halt. Ohne schwimmen geht’s nicht. Das Schwimmen ist ein großer Bestandteil in meinem Leben geworden, seit ich vor einigen Jahren einen Kraulkurs besucht habe. Zwei gute Freundinnen habe ich in den beiden Kursen kennengelernt. Und vom vielen Schwimmen kenne ich auch viele Leute, manche besser andere nur flüchtig. Und so ist es immer auch ein bisschen wie „heimkommen„, wenn ich ins Dante gehe. Man kennt sich, man ratscht. Sei es in der Umkleide oder am Beckenrand. Und natürlich kenne ich auch die Kassenkräfte, Bademeister und die Putzfrau.

Im November, als es grau und neblig war, hatte ich dann noch weniger Lust auf die dunkle Olympiaschwimmhalle und bin ins Dante-Winterfreibad gegangen. Jetzt, wo es draußen kälter war, war das Wasser auch nicht zu warm. Ich hatte oft Glück und konnte meine Bahnen weitgehend ungestört ziehen. Als ich dann kürzlich in der Olympiaschwimmhalle war, wurde ich vom Bademeister gleich gefragt, wo ich war. „Da trainierst du immer so fleißig und dann bist du auf einmal nicht mehr da“, sagt er und grinst. Ich entgegne, ob mich meine Freundin (die er auch kennt) nicht „abgemeldet“ habe und dass ich „fremdgegangen“ bin, im Dante. Aha, alles klar. So ist das …

Naja. Und dann waren die 600 Kilometer doch auch schon vor Ablauf des November voll. Was nun? 700 – das ist Wahnsinn. 100 Kilometer in einem Monat mit Weihnachten (also Nicht-Schwimm-Zeiten)? Das schaffe ich nicht. 650? Hm… das wäre machbar, aber dann müsste ich mich ranhalten. Und ich mag’s eigentlich nicht, wenn ich zu viel Druck habe. Weil ich ja vor allem zum Schwimmen gehe, weil ich es gerne mache. Dann erwies sich der Dezember als gnädig, ich hatte oft Glück, dass viele Schwimmer auf Weihnachtsfeiern mussten oder Geschenke einkaufen oder was-weiß-ich zu erledigen hatten. Ich hatte nur ein Ziel: schwimmen … Und dann waren die 650 Kilometer auch schon vor Heiligabend geschafft, genauer: 651. Dann kam der 2. Weihnachtsfeiertag mit diesen unglaublichen und schönen fünf Kilometern am Stück. Und im Hinterkopf wusste ich auch schon, dass der 29. Dezember kommt, an dem 50×100 geschwommen werden sollten. Also auch die noch drauf, macht 10 Kilometer. Dann fehlten nur noch läppische fünf Kilometer für die magischen, teuflischen 666 Kilometer. Die habe ich dann aufgeteilt abgefertigt. Am Ende, gestern, fehlten noch 2 Kilometer. Ich schwimme ja normalerweise immer 3 Kilometer. Da hat es sich fast so angefühlt, als würde ich mich gar nicht richtig nass machen für diese „kurze“ Strecke. Die „paar“ Bahnen … soll ich extra deshalb hingehen? Den vollen Eintritt zahlen, wenn ich doch gar nicht die volle Strecke schwimme? Hm… Spätschwimmen mit vergünstigtem Eintritt? Danach in die Sauna? Oder einfach „kurz“ ins Oly (günstiger als Dante)? Oder ist’s mir egal? (wer von euch denkt jetzt: „die spinnt“?) Dann habe ich mich kurzentschlossen auf ins Oly gemacht und bin diese 40 Bahnen geschwommen. Ich war relativ entspannt, weil es ja nur „ein bisschen“ war. Und dann habe ich die letzten 50 Meter ein kleines bisschen zelebriert. Weil ich wusste, dass es jetzt vollbracht ist. Ein gutes Gefühl!

Vergangenes Jahr war ich nicht so motiviert. Da standen am Ende 498 Kilometer auf der Uhr. Hätten auch „nur“ zwei gefehlt. Aber da war es mir egal.

Und nun noch ein Rückblick auf das Schwimmjahr: Angefangen hat es im Januar eher gemäßigt. Eine Mischung aus der 2017er Unlust und den „Gute-Vorsätze“-Bahn-Blockierern. Der Februar, obwohl kürzer, hatte eine höhere Kilometerzahl. Besonders krass war der Mai mit 84 Kilometern. Der Freibaderöffnungsmonat ruft bei mir immer eine ganz besondere Euphorie hervor. Ich war fast jeden Tag schwimmen. Entweder, weil gutes Wetter war (will man nutzen) oder weil schlechtes Wetter war (muss man nutzen). Nur drei „Fehltage“ gab’s im Wonnemonat. Und so ging’s im Juni weiter. Auch der Juli, urlaubsbedingt mit Abwesenheiten, war glanzvoll. Und auch im August. Denn trotz Supersommerwetter war es im Freibad oft überraschend ruhig. Vielleicht, weil die Seen auch schon schön warm waren. Im See war ich aber erstaunlich selten. Der „schwächste“ Schwimmmonat war der Oktober mit gerade mal 36 Kilometern. Da war wohl eine gewisse Sättigung durch die Freibadsaison und das gute Radlwetter schuld.

Und jetzt ist das Jahr eben rum. Das Schwimmen aber nicht. Es geht schon morgen weiter – getreu dem Motto: Neues Jahr, alte Bahnen!


5.000 Meter – 100 Bahnen

Kürzlich hatte ich Glück: Ich war schwimmen und ich war fast alleine. 50 Meter hin, 50 Meter zurück – und nur für mich. So mag ich das, da komme ich in einen Flow. Aber nicht nur eine freie Bahn sind für das perfekte Schwimmerglück nötig. Es muss einfach passen. Dass man sich gut fühlt. Dass man sich fit fühlt. Dass der Kopf frei ist. Dass der Körper mitmacht. Und so ein Tag war das. Ich merke schon bei den ersten vier Kraulbahnen: Heute ist ein guter Tag. Ich schwimme. Ich gleite. Ich fliege. Was? Schon die ersten 10 Bahnen fertig? Wow. Weiter geht’s. Auf und ab. Hin und her. Es kommt ein Mitschwimmer, wir begegnen uns und stören uns nicht weiter. Ich bin im Flow. Es läuft wie am Schnürchen, auf und ab. Hin und her. Und bevor ich meine gewöhnliche Einheit von 3.000 Metern erreicht habe, beschließe ich, mein Glück zu nutzen und heute einen draufzusetzen. Vier Kilometer. Das ist mehr als normal, aber machbar. Habe ich schon öfter gemacht und geschafft. Ist gut, trotzdem eine kleine Herausforderung. Mein Kopf ist frei. Ich denke an nichts. Außer an die Zahlen, die immer größer werden mit jeder geschwommenen Bahn. 41, 42, 43 … immer weiter, immer hin und her. Mein Mitschwimmer ist inzwischen fertig. Ich bin wieder allein. Auf und ab. Unter mir etwa 1,80 Meter nur Wasser, ein bläulich schimmerndes Edelstahlbecken, darauf eine schwarze Linie, die am Ende ein „T“ wird. Und schon wieder zum „T“ wird, die nächsten 50 Meter sind geschwommen. Wende und zurück. Ich gleite, ich fliege. Ich bin eine Maschine. Eine Nähmaschine. Eine Lok. Bin ich das, die da schwimmt?

Wenn es so gut läuft, fühlt es sich auch gut an. Von außen betrachtet sehe ich wahrscheinlich aus wie immer: eine mittelmäßige Freizeitschwimmerin. Aber innen, da fühlt es sich großartig an. Da bin ich Michael Phelps. Oder Katie Ledecky. Die haut auch einfach so mal 1.500 Meter raus, ohne Anstrengung. Und so fühle ich mich. Ohne Anstrengung. Leicht wie ein Fisch, nur atmen muss ich noch. Aber auch das läuft automatisch. Ich bin im Tunnel. Ich will ewig weiterschwimmen. Und so beschließe ich – noch bevor das neue Ziel, vier Kilometer, erreicht ist – dass heute so ein Tag ist. So ein ganz besonderer Tag. Der Tag, an dem ich fünf Kilometer schwimme. Das ist was Besonderes. Das habe ich ein oder zweimal bisher gemacht. Und immer spontan im Becken entschieden. Wenn ich mich gut fühle, wenn die äußeren Umstände passen. So wie heute. Und deshalb sind jetzt also fünf Kilometer das Ziel. 100 Bahnen im 50-Meter-Becken. Eine Hausnummer. Was für andere ein Marathon oder der Mount Everest ist – für mich sind es heute diese 100 Bahnen. Ob ich den Schwimmstil wechsle? Zur Abwechslung? Nein. Es ist ja grad soooo schön. Kraulen ohne Kraftanstrengung. Ohne Nachdenken. Ohne Hetze. Ohne Taktik, weil außer mir kaum jemand da ist. Zwischenzeitlich kommt jemand, schwimmt ein bisschen mit mir und geht wieder. Das ist schon witzig, wenn man so lange schwimmt. Die Leute kommen und gehen. Und ich bin immer noch da. Meine Bahn. Yeah. Und ich werde auch nicht müde. Die Arme sind fit, sie werden nicht schwer. Die Atmung läuft geschmeidig, ich bin nicht außer Puste. Klar, ich strenge mich auch nicht an. Pressiert ja nicht, ich habe Zeit. Und ich genieße diese Zeit. Meine Zeit. Mit mir im Wasser. Im Reinen. Im Flow. Ich bin im Tunnel und krieg von der Außenwelt nichts mit. Wenn mir jetzt jemand entgegenkommen würde, würde ich mich total erschrecken. Zum Glück kommt keiner und ich kann meinen Rausch genießen …

Bisschen Respekt hab ich schon vor dieser Strecke. Aber der größte Teil ist geschafft. Noch fehlen 400 Meter, acht Bahnen. Das ist nicht viel. Auf und ab. Hin und her. Noch sechs Bahnen, noch vier, was?? Nur noch zwei. Ob ich nicht…? Sechs Kilometer, das wäre doch was … nein! Vernünftig sein. Aufhören, wenn’s am schönsten ist. Und es ist tatsächlich noch schön. Ich schwimme noch zwei Bahnen altdeutsch Rücken und zwei Bahnen Brust zum Auslockern. Und dann sind’s am Ende 100 Bahnen. 100 lange Bahnen. 100 mal 50 Meter! Fünf Kilometer. 5.000 Meter. So weit ist mein Weg mit dem Radl ins Bad nicht. Also hin und zurück vielleicht. Das ist echt eine Strecke. Ich komme nicht umhin: Ich bin stolz auf mich. Dass ich das jetzt so durchgezogen habe. Und mich noch immer gut fühle. Keiner muss mich beatmen oder aus dem Becken tragen. Ich bin ganz entspannt und ziemlich glücklich. So eine lange Strecke und das in einem Jahr, in dem ich ohnehin schon so viel geschwommen bin. Aber irgendwie macht es halt immer noch Spaß.

Am nächsten Tag habe ich übrigens keinen Muskelkater oder so bekommen. Ich habe mich lediglich etwas müde gefühlt. Als ob ich zu wenig geschlafen hätte oder ein Bier zu viel getrunken hätte. Aber das war am Nachmittag auch wieder gut. Trotzdem war ich am Folgetag mal nicht schwimmen. Da habe ich noch das gute Gefühl vom Vortag genossen!