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Zweimal kalt zum Winteranfang

Ich muss gestehen: Ich bin nicht mehr so eifrig beim Eisschwimmen wie die letzten Jahre. Ich habe mich auch ein bisschen zur „Schönwettereisschwimmerin“ entwickelt. Wenn Ostwind ist: keine Lust, viel zu kalt beim Heimfahren. Bei Nebel: ebenso. Regen: geht gar nicht, Schnee ebenso. Und Westwind – da bin ich kürzlich umgedreht, weil ich auf dem Radl kaum vorangekommen bin und mir dachte, dass mir dann am See die Wellen ins Gesicht platschen und an Land mein Zeug wegweht. Ihr seht schon: Wenn man keine rechte Lust hat, ist jede Ausrede recht. Und als ich das letzte Mal schwimmen war, habe ich ganz seltsames Kälte-Kopfweh bekommen …

Aber dann gibt’s die Tage, an denen ich doch wieder Lust verspüre. Ich an den See radeln will, um im kalten Wasser zu schwimmen. Hätte ich gestern schon gern gemacht, aber das Wetter hat sich nicht an die Vorhersage gehalten – es hat bis Nachmittag geregnet. Als es dann endlich aufgehört hat, war die Zeit zu knapp, um zum See zu fahren. Es sind ja grad die kürzesten Tage und es wird früh dunkel. Also nur ein kleiner Spaziergang, am Nymphenburger Schlosskanal. In herrlichster Abendlichtstimmung und mit spiegelglattem Wasser. Da habe ich die Lust aufs Eisschwimmen ganz deutlich gespürt! Oh, wie schön wäre es, jetzt da reinzugehen, unterzutauchen und zu schwimmen!

Abendstimmung am Nymphenburger Schlosskanal

Und weil es heute Vormittag tatsächlich nur bewölkt war, kein Regen, kein Wind, habe ich meine Siebensachen eingepackt und bin zum Langwieder See geradelt. Eine andere Strecke als gewöhnlich, irgendwie war mir nach Abwechslung. Als ich am See ankomme, liegt er spiegelglatt und einsam vor mir. Yeah! Die Freude wird kurz getrübt, denn als ich meine Decke ausgebreitet habe, kommt ein Paar mit einem riesigen Schäferhund. Natürlich ohne Leine (ich glaube, man kann in München keine Hundeleinen kaufen) und dann muss der Hund natürlich erstmal ins Wasser. Ich beobachte die Szene kritisch, denn ich kenne das schon: Der nasse Riesenhund läuft zu mir – obwohl sonst genügend Platz ist. Ich habe Glück, der Hund weiß was sich gehört und bleibt bei seinen Haltern. Und die gehen dann auch wieder.

Jetzt wird’s ernst! Ich ziehe mich aus, es ist kühl (etwa 5-7 Grad) und mir ist vom Radln warm. Dann gehe ich ins Wasser. Oh! Kalt! Brrr! Aber klar, was habe ich erwartet. Ich schaffe es recht schnell, unterzutauchen und loszuschwimmen. Im flachen Wasser nur, zur Sicherheit. Und es ist kalt. Es ist richtig kalt. Auf der glatten Wasseroberfläche sehe ich meinen Atem. Ich merke, wie ich sehr schnell atme, unruhig bin. Weil es echt kalt ist. Ich drehe um, schwimme zurück. Es geht nicht. Ich muss hier raus. Dann stehe ich am Ufer, das Handtuch um mich gewickelt. Und warte ab. Höre in mich rein. Merke, wie der Puls und der Atem ruhiger werden. Ah, das ist gut.

Vielleicht gehe ich jetzt doch nochmal rein? Weil ich mir ja schon öfter gedacht habe, dass es vielleicht doch länger gegangen wäre. Wenn der erste Schock überwunden ist. Bisher habe ich das nie gemacht. Aber heute schon. Ich lege also das Handtuch auf meinen Platz und gehe erneut ins Wasser. Es ist immer noch kalt. Saukalt! Aber ich bin ruhiger und kann noch einmal im flachen Wasser am Ufer hin- und herschwimmen. Dann muss ich doch raus. Es ist zu kalt. Ich bin es einfach nicht mehr gewöhnt. Meine Muskeln vibrieren vor Kälte. Ich bin knallrot! Und meine Zehen sind so steif, dass ich kaum in meine Flip-Flops komme. Ich bin auch ein Depp! Genau deshalb habe ich eigentlich Schlappen ohne Zehentrenner, für die eisigen Tage. Die hätte ich mal einpacken sollen. Jetzt ist es zu spät, irgendwie geht’s, dass ich die zwei Schritte in zur Decke gehen kann. Die Schuhe will ich vor allem deshalb anziehen, damit meine Füße nicht schmutzig werden. Weil kalte, nasse Füße sich nicht gut von Schmutz befreien lassen. (Weitere Tipps zum Eisschwimmen gibt’s hier.)

Passende Badekappe zum Eisschwimmen, nur die Flipflops sind ungeeignet.

Dann abtrocknen, Badeanzug runter, T-Shirt an. Unterhose an. Socken, Hose, Pulli, Schal, Jacke, Mütze statt Badekappe. Mann, ist mir kalt. Es kommt nicht mal ein Kribbeln oder so, es ist einfach nur kalt. Ich trinke von meinem heißen Tee aus der Thermosflasche, das tut gut. Dann packe ich zusammen und radle heim. Beim Radeln sind natürlich meine Finger kalt und fast steif, meine Füße sind Eisklumpen. Hm… irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Aber irgendwie war’s trotzdem schön!


Kälte-Kopfweh

Heute habe ich es endlich wieder zum Eisschwimmen geschafft. Das letzte Mal war ich an Allerheiligen., davor am 1. Oktober. Dann war entweder irgendwas oder das Wetter hat nicht gepasst. Bei Regen zum Beispiel habe ich keine Lust, da ich ja mit dem Radl fahre.

Heute aber endlich gute Bedingungen. Bissl Sonne, kaum Wind und sogar ziemlich warm: 10 bis 12 Grad Lufttemperatur. Vorfreudig schwinge ich mich aufs Radl und düse los zum See. Puh! Ganz schön warm! Obwohl ich nur ein T-Shirt unter meiner Jacke anhabe.

Das Licht ist auch ganz besonders. Irgendwie indirekt, weil es inzwischen eine Wolkenschicht gibt. Aber trotzdem hell. Dadurch leuchten die letzten gelb-orangen Blätter an den Bäumen golden.

Am Langwieder See angekommen, stelle ich mit Freude fest, dass kaum Leute unterwegs sind und zum anderen der See spiegelglatt ist. Prima! Idealbedingungen!

Als ich dann ins Wasser gehe, merke ich, wie kalt es ist. Die Nächte waren oft kalt seit Anfang November. Und mir ist irgendwie warm vom Radln. Ich bleibe also erstmal stehen und gewöhne mich an die Kälte. Aber weil es ja draußen auch nicht soooo warm ist, um im Badeanzug im kalten Wasser zu stehen, tauche ich unter.

Ist das kalt! Krass! Ich versuche ruhig zu bleiben und schwimme im hüfttiefen Wasser. Aber es wird nicht besser. Es schneidet mir eiskalt am Nacken entlang. Die Füße sind Eisklumpen, mein Atem macht Dampfwölkchen über dem Wasser. Mein Kopf schmerzt aufgrund der Kälte. Das habe ich noch nicht erlebt.

Ich muss raus. Ich dachte, dass ich viermal hin- und herschwimmen kann. Aber es geht nicht. Ich muss raus. Einmal hin und her, das reicht. Krass! Ich überlege noch, ob es vielleicht geht, wenn ich mich kurz hinstelle und warte. Aber auch das ist mir zu kalt. Alles in mir fordert: Rausgehen ! Raus! Raus! Und das mache ich dann auch.

An Land wickle ich mich in mein Handtuch. Es kribbelt immerhin ganz schön. Das fühlt sich gut an! Immerhin etwas!

Woran es lag? Keine Ahnung. Es gibt einfach Tage, da soll es nicht sein. Und dann darf man es auch nicht erzwingen. Lieber auf den Körper hören als irgendwelche Risiken eingehen. Und morgen ist ein neuer Tag.


Olympiaschwimmhalle wieder offen

Gestern war die offizielle Wiedereröffnung der Olympiaschwimmhalle in München. Drei Jahre wurde renoviert, drei Jahre war je ein Teil der Halle gesperrt. Es gab neue Wege, neue Perspektiven und andere Schwimmbecken. Im ersten Teil der Bauarbeiten war das Trainingsbecken unter der Tribüne gesperrt. Das hatte zur Folge, dass die Studenten und andere, die eigentlich dort schwammen, im großen Wettkampfbecken ihre Bahnen zogen. Dann kam Teil zwei des Umbaus – das Wettkampfbecken war gesperrt, alle Schwimmer mussten in das kleine Trainingsbecken unter der Tribüne. Das Becken hat nur fünf Bahnen, da wurde es oft eng, vor allem, weil alle Bahnen geleint waren. Aber auch, weil oft Bahnen gesperrt waren, weil die Uni ja weiterhin ihr Schwimmtraining abhalten musste.

Beengte Verhältnisse im Trainingsbecken während der Umbau-Phase im Oly

In der ganzen Zeit des Umbaus hatte ich ganz vergessen, wie schön und großräumig die Olympiaschwimmhalle ist. Denn das Trainingsbecken ist unter der Tribüne, es fühlt sich an wie in einem Keller. Es ist auf derselben Ebene wie die anderen Becken, aber die Decke ist eben sehr niedrig. Man hat überhaupt nichts von der Außenwelt mitbekommen: Sonne? Regen? Schnee? Weltuntergang? Hätte alles passieren können, während ich meine Bahnen ziehe. Das fand ich schon schade, hier so unter Tage zu sein.

Deshalb bin ich letztes Jahr im Herbst auch recht oft im Dantewinterwarmfreibad gewesen. Ich möchte hier auch mal meine Hochachtung für die Bademeister aussprechen, die ja nicht nur eine Stunde hier unten im Dunklen saßen, sondern ihren kompletten Dienst über knapp zwei Jahre im Keller abgeleistet haben.

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Zwei meiner Schwimmfreunde hätte ich ohne den Umbau im Oly wohl nie kennengelernt: Jakob und Cissi, die schnell und schön schwimmen, sind mir irgendwann im Wettkampfbecken aufgefallen und wir sind ins Gespräch gekommen. Im Laufe der Zeit haben wir und oft gesehen, oft geredet und irgendwann sogar Telefonnummern ausgetauscht. So wurde aus der Bekanntschaft im Umbau-Oly über die Zeit eine Freundschaft, die im Sommer zu Schwimmausflügen in die Freibäder im Umland geführt hat und nun schon über viele gemeinsame Schwimmkilometer besteht. Ohne den Umbau hätten die beiden wohl immer im Hochschulbecken ihre Bahnen gezogen, während ich im Wettkampfbecken (so heißen die beiden Becken nun mal) geschwommen wäre. Ein sehr schöner Nebeneffekt des Umbaus.

Und dann war es irgendwann im Sommer 2019 soweit: Man munkelte, dass das Wettkampfbecken und auch das Trainingsbecken geöffnet sind. Für mich war das im Sommer noch gänzlich uninteressant – ich war bis 30. September im Freibad. Am 1. Oktober war ich „nur“ kurz Herbstschwimmen im See, das Wetter war einfach zu gut für die Halle. Und so kam es, dass ich am 2. Oktober das erste Mal wieder im „Oly“ war. Der Eingang ist noch der Baustelleneingang und so bin ich auch erstmal in die Sammelumkleide gegangen, die während des Umbaus mein Refugium war. Logo hatte ich auch hier „meinen“ Schrank! Doch der Weg von der Sammelumkleide zum großen Becken ist weit. Ich hab mich dann noch gewundert, warum das so ist und warum das früher anders war. Bis mir dann eingefallen ist, dass der Eingang noch an anderer Stelle ist. So gibt’s bzw. gab’s neue Wege – und auch eine neuen Schrank. Dazu später mehr.

Jetzt erstmal das Becken und die Halle. Die Fensterfront aus Glas muss noch gemacht werden, deshalb ziert hier ein schönes buntes Bild die Baustellenfassade.

Die Glasfassade muss noch erneuert werden. Währenddessen ziert dieses Bild die Holzwand.

Aber wie groß das Schwimmbecken ist! Acht Bahnen (statt fünf im Trainingsbecken). Und die Höhe erst! Wie viel Platz gibt es rund um das Becken. Und wie schön ist es unter dem geschwungenen Zeltdach. So luftig! Und ein Teil der Glasfassade ist frei, so dass man zumindest ein bisschen was von der Außenwelt mitbekommt. Manchmal scheint sogar die Sonne aufs Becken.

So leer ist es nur bei Betriebsschluss. Aber wie schön es ist, sieht man hier natürlich am besten. Und träumen wird man ja dürfen …

Ich sauge die neue alte Atmosphäre auf und freue mich. Es ist einfach schön, wieder im Oly zu sein. Dass das Becken jetzt aus Edelstahl ist und nicht mehr gefliest, ist schade. Aber ich habe mich beim Schwimmen im Trainingsbecken schon an das Edelstahl gewöhnt, so dass es mir gar nicht so neu vorkommt. Und ein paar Fliesenstücke vom alten Oly habe ich ja daheim!

Fliesen aus dem alten Oly-Schwimmbecken von 1972

Es schwimmt sich auch echt gut. Vor allem am Anfang kam mir das Becken groß und unübersichtlich vor. Im Trainingsbecken mit seinen fünf Bahnen hat man viel schneller gesehen, wer sonst noch da ist. Oder im Freibad, wenn eh nur eine Bahn für die Schwimmer abgetrennt ist. Da sieht man gleich, wer heute auch schwimmt. Aber bei acht Bahnen, von denen sechs geleint sind – da kann man schon mal den Überblick verlieren. Nachteil der vielen Bahnen: Es gibt nur einen eher kleinen Teil für die „Nichtschwimmer“ und nach wie vor ist es nicht gewollt, dass die Bahnen irgendwie „eingeteilt“ werden. Es kann jeder da schwimmen, wo er/sie es für richtig hält. Wenn man Pech hat, verirrt sich auf jede der sechs Bahnen ein langsamer Brustschwimmer, der schwer zu überholen ist. Oder man hat Glück und kann seine Bahn einmal auch mit einem richtigen Profi teilen – als ich mit Alexandra Wenk auf der Bahn geschwommen bin.

Und dann ist da ja noch die Frage nach dem Schränkchen. Von der Sammelumkleide war mir der Weg zum Becken und den Duschen zu weit. Außerdem sind in der Sammelumkleide jetzt auch wieder vermehrt Schulklassen, die zum Schwimmunterricht da sind. Da war es an der Zeit, dass ich mir eine neue Umkleide und einen Schrank suche. Nehme ich die alte „824“ wieder? Irgendwie scheinen die Schränkchen neu nummeriert zu sein, denn die Lage von „824“ ist nicht ideal.

Welches Schrankerl darf’s denn sein?

Hm… was nehme ich dann? Ich teste verschiedene Schränkchen auf ihre Lage und auf die damit verbundenen Wege. Und lande am Ende bei „700“. Ja – ein Schränkchen ohne eine „8“! Sowas!

Tadaa! Die 700 macht das Rennen – quasi 007 von hinten!

Aber die 700 ist ein guter Schrank. Kaum andere Leute da, nah an der Dusche und nah am Becken. Und: der einzige Kleiderbügel weit und breit im Oly ist auch fast immer da, wo ich ihn lasse. Nur ein paar Mal musste ich suchen, bis ich ihn wieder gefunden habe. Angeblich gibt’s 500 Kleiderbügel, aber wo die sich verstecken, habe ich noch nicht herausgefunden…

 

Der einzige Kleiderbügel im Oly – entweder im Schrankerl oder in der Umkleide!


Schwimmen mit Alexandra Wenk

Vor einigen Wochen habe ich mir in der Olympiaschwimmhalle die Bahn mit Alexandra Wenk geteilt. Sie schwimmt ja nicht mehr in München, war aber zu Besuch in der alten Heimat – und was macht man da? Schwimmen, natürlich! Wir waren nur zu zweit auf der Bahn, es war ein Tag, an dem es recht ruhig war. Und ich muss sagen: Ich war begeistert. Oder ich bin es eigentlich immer noch. Zu sehen, wie so ein Profi schwimmt, das ist einfach nur toll. Wie sie ganz ruhig im Wasser liegt, sich selbst bei den Bewegungen kaum bewegt, kaum anstrengt und so derart schnell vorankommt. Wahnsinn! Sie ist wohl „nur locker“ geschwommen, wenn ich mir erlauben darf das zu beurteilen. Allein die Wasserlage. Ganz ruhig, ganz nah an der Oberfläche. Ganz flach. Ein Armzug, ein Beinschlag – und zack, weg ist sie! Keine Wellen, keine Sauerstoffblasen, kein Garnix! Wie ein Fisch. Diese Körperspannung, diese Beherrschtheit. Anmut pur. Ich habe eine Gänsehaut bekommen, weil es mich so fasziniert hat. Es ist gar nicht so sehr die Geschwindigkeit, die mich beeindruckt hat (obwohl die auch um einiges höher ist als bei meinen eh schon sehr guten Schwimmfreunden). Es ist schwer zu beschreiben, aber vielleicht hat mich am meisten diese Körperbeherrschtheit begeistert. Diese Ruhe und Kraft. Die Leichtigkeit, mit der sie durchs Wasser gleitet, ohne es aufzuwühlen. Die Perfektion. Ich war jedenfalls sehr begeistert, das aus nächster Nähe zu sehen, zu erleben. Und dankbar. Denn es passiert nicht jeden Tag, dass ich mir die Bahn mit einem Profi teilen darf.


Start in die Wintersaison

Als ich am Langwieder See ankomme und ein Foto machen will, denke ich mir: Das hast du doch schon 100mal fotografiert. Den See. Den Himmel mit und ohne Wolken. Die Bäume mit grünen Blättern, dann mit gelben und irgendwann ohne Laub. Aber das ist ja das Schöne: Es ist inzwischen vertraut. Das Schwimmen im See im Herbst, Winter und Frühling mache ich inzwischen auch schon ein paar Jahre und deshalb kenne ich auch diese Stelle am See schon recht gut. Und auch, wenn es immer dasselbe ist, ist es immer wieder anders.

Heute ist es recht windig, von Westen her weht es über den See. Der macht leichte Wellen, die Autobahn dröhnt übers Wasser. Ich lasse mich davon nicht stören, freue mich lieber, dass die Sonne trotz Wolkenschicht noch wärmt und gehe ins Wasser. Das ist frisch, aber nicht kalt. Untertauchen und schwimmen ist kein Problem. Mein Thermometer zeigt zwar stur 20 Grad an, aber das glaube ich nicht. Eher 16 Grad. Es bitzelt ein kleines bisschen, aber kein Kribbeln. Dazu ist es zu warm. Ich drehe eine kleine Runde, dann gehe ich wieder raus. Ich fühle mich erfrischt. Total toll!

Dann bleibe ich noch ein bisschen am Ufer. Und siehe da! Eine zweite Frau kommt! Wir ratschen ein bisschen, dann schwimmt sie los. Auch sie meint, dass das Wasser etwa 16 Grad hat und dass sie öfter hier ist.

Ich sehe ihr noch nach, dann radl ich zurück. Ich habe nämlich Hunger!


Letzter Abschied vom Freibad

So… jetzt ist wirklich Schluss mit Freibad! Das Schyrenbad in München hatte als erstes aufgemacht (ich war dabei!) und als letztes zugemacht. Ein Novum in München, dass das Freibad bis 30. September geöffnet hat. Normalerweise ist mit Schulanfang Mitte September Schluss. Vielleicht eine Verlängerung bei besonders gutem Wetter. Aber ohne wenn und aber bis 30. September – das ist neu. Und das hat mich gefreut. Und auch bissl gestresst… weil ich ja dachte, dass ich am 9.9. zum letzten Mal im Freibad schwimme. Und dann mein Leben wieder „normal“ wird. Aber so? Da „musste“ ich ja fast schwimmen. Nicht, dass das Freibad geöffnet hat und keiner kommt! Und an kühlen Regentagen war es wirklich so, dass kaum jemand da war, zum Teil war ich ganz allein. Und an den schönen Spätsommertagen – ja, da wollte ich mir das natürlich nicht nehmen lassen. So kam es, dass ich jetzt seit 12. August JEDEN Tag im Freibad war. Immerhin in unterschiedlichen Bädern, aber: JEDEN Tag drei Kilometer geschwommen. Und ich dachte schon, der Mai war krass, weil ich da ja jeden Tag im Freibad war. Das war der Plan und den habe ich umgesetzt. Jetzt war es kein Plan mehr, sondern der „normale Wahnsinn“. Zudem ich auf dem Weg zum Schyrenbad seit einer Woche an der Wiesn (aka Oktoberfest) vorbeiradeln muss. Keine angenehme Sache, dachte ich. Doch das ging besser als erwartet (am Wochenende habe ich das gemieden).

Naja. Und jetzt also Abschied Nummer 4 (nach Dante, Dachau und Germering). Bei Sonne, Wind und Wolken wollten dann auch noch andere Schwimmer den letzten Tag genießen, so dass ich leider nicht allein war. Daran hatte ich mich zwischenzeitlich schon gewöhnt, so dass mir sogar 2 bis 3 Mitschwimmer als viele Leute vorkamen.

Die Natur hat sich zu Beginn meiner Schwimmeinheit heute noch was ganz Tolles einfallen lassen: Es war ja recht windig (Auswirkungen des Sturmtiefs über Norddeutschland) und so fielen die gold-gelben Blätter nicht nur von den Bäumen, sondern ins Schwimmbecken. Und weil auch grad die Sonne gescheint hat, hat es ausgesehen, als würde man in einem Konfetti-Flitter-Regen schwimmen. Mann! Das war so toll! Leider kein Foto! Aber ihr müsst euch das so vorstellen: im hell-türkisen Wasser bricht sich nicht nur das Sonnenlicht, sondern die Blätter unterschiedlicher Bäume wirbeln umher. Dabei leuchten sie golden und gelb und irgendwie wirkt alles so „3D“. Einfach toll!

Nicht wirklich voll, aber wenn man so oft allein geschwommen ist, ist das hier: rappelvoll! 😉

Der Wind hat allerdings die Wasseroberfläche etwas aufgewühlt und abgekühlt, so dass ich nach meinen drei Kilometern ziemlich ausgekühlt bin und es dabei belasse. Keine Extra-Meter heute. Jetzt ist Schluss. Schluss mit Sommer, Sonne, Freiheit, Einsamkeit! Schade!

Ich habe auch noch Bilanz gezogen: Es waren sagenhafte 432 (was für eine tolle Zahl!!!) Kilometer in den verschiedenen Freibädern. Die meisten Fehltage hatte der Juni, ansonsten war ich fast jeden Tag. Stellt sich nur die Frage: Was mache ich morgen?


Ende der 19er-Freibad-Saison

Kinder, wo ist die Zeit geblieben? Die Freibad-Saison hat doch gerade erst angefangen – und schon ist sie wieder vorbei! Ok… wenn man ehrlich ist, hat sie am 1. Mai angefangen und das ist auch schon wieder vier Monate (sogar noch etwas länger) her. Aber es fühlt sich am Ende für mich immer so an, als wäre es gerade erst losgegangen.

Die Freibad-Saison startet traditionell im Schyrenbad. Flucht nach vorne, wenn man so will …

Letztes Jahr war ich dann irgendwie auch „froh“, dass es vorbei ist. Als es da im September so schön war und die Saison verlängert wurde, dachte ich nur: ohje. Einen dieser „Extra“-Tage habe ich noch genutzt, dann bin ich eh nach Estland geflogen.

Heuer war das ganz anders. Ich hatte ja im Mai diesen verrückten Plan, jeden Tag schwimmen zu gehen. Das habe ich auch gemacht. Es war schön, schrecklich, toll, kalt, voll, warm – irgendwie alles. Und weil es dann doch so gut war, bin ich auch am 32. Mai (im Kalender steht da bei den meisten 1. Juni) nochmal gegangen. Also schlägt der Mai mit 31 Freibad-Tagen zu Buche.

Der Juni war dann etwas „vernünftiger“, mit 23 Freibad-Tagen. Ich hatte nämlich ursprünglich den Vorsatz, auch mal etwas anderes zu machen. Nicht nur immer schwimmen. Also, wenn jemand eine Alternative geboten hätte, die besser ist als Freibad (meist ist es so, dass Freibad besser ist als nix zu machen), hätte ich das auch gemacht. Und bei sieben „Fehltagen“ war es also tatsächlich so, dass ich beispielsweise mal radln war. Oder am See mit meiner Freundin. Nur planschen – ehrlich!

Der Moorsee im Ostallgäu wirkt mit den Kiefern fast, als wäre man in Finnland!

Kiefern rahmen den Elbsee im Ostallgäu

Der Juli hat gleich mit einem Gewitter-Tag angefangen. Also, es sah so aus, als würde hier in München gleich mittags die Welt untergehen – aber es ist wie bei Hunden, die bellen. Die beißen nämlich auch nicht und so war es zwar dunkelst grau und windig – sonst aber nix. Also habe ich dem Gewitter gleich am 1. Juli mal 3.000 Meter im Freibad abgetrotzt, bevor es dann wirklich losging (da war ich aber schon daheim). Und dann war im Juli irgendwie fast jeden Tag Freibad-Wetter. Also, kühl und grau – genau mein Ding. Oder es war so mega-heiß, dass man etwas anderes gar nicht in Betracht ziehen konnte – also: Freibad! Fazit des Juli: ein „Fehltag“. Im August waren dann zu meinem Geburtstag die 500 Kilometer voll und trotz zweier „Fehltage“ (ich muss das ja fast so nennen) gab’s 90 Kilometer, weil ich den einen Fehltag ja quasi „vorgeschwommen“ bin.

So sieht es doch gut aus, im Dante!

Gut, und jetzt also September. Morgen geht in Bayern die Schule los, deshalb ist der Montag traditionell der letzte Freibad-Tag. Es war kalt und grau. Übrigens schon seit Donnerstag. Zu meiner Überraschung war ich nicht die einzige im Freibad. Es schien, als würden mehrere Menschen diese letzten Freibad-Tage nutzen wollen. Und heute im Dante also der allerallerletzte Freibad-Tag. Und was passiert da am Himmel? Warum ist es unter Wasser auf einmal so hell? Tja .. die Wolken haben sich gelichtet. Und ich denk mir nur so: yeah! Sonne, du schaffst das! Komm, ich hab noch die Hälfte vor mir, da kannst du mir nochmal zuschauen und den Rücken wärmen. Aber … naja. Sie hat es nicht geschafft. Und statt wärmer wurde es kälter: ein fieser kalter Wind saust über die Wasseroberfläche, da kühlt das Chlorhuhn schnell aus. Und ist dann am Ende leider eher froh, dass die 3.000 Meter voll sind.

Etwas wehmütig verabschiede ich mich von meinem Becken, das unter der bleigrauen Wolkendecke liegt.

Bye-bye, Dante-Sommerbecken. Die Wolken waren noch zu stark für die Sonne; der gelb-orange Schneefangzaun liegt schon bereit, um das Becken vor den Winterbadegästen abzutrennen.

Und während ich diese Zeilen tippe, hat das Bad noch offen – bis 19 Uhr. Und jetzt ist die Sonne da. Sie scheint von einem blauen Himmel, der mit ein paar weißen Wattebauschwolken verziert ist. Ob die Sonne auch noch auf das Becken scheint, kann ich von hier nicht sehen. Es könnte gut sein, dass der große Baum seinen Schatten auf die Wasseroberfläche wirft. Noch eine knappe Stunde ist geöffnet – dann ist wieder „Winterbetrieb“ und man kann im Dante in sehr warmem Wasser im anderen Becken (Stadionbecken) seine Bahnen ziehen. Doch das ist nicht dasselbe. Und mir außerdem noch viel zu warm.

Und ja – auch im Umland hat noch das ein oder andere Bad geöffnet und in München sogar das Schyrenbad noch. Da werde ich wohl doch noch draußen schwimmen können. Aber es ist einfach nicht dasselbe …

Erstaunlicherweise dachten ja viele, dass dieser Sommer „nicht gut“ war. Aber anhand der „Schlecht-Wetter-Regel“, bei der die Freibäder in München zum Teil geschlossen sind, lässt sich sehen, dass es gar nicht so schlecht war. Denn diese Regelung kam nur im Mai zum Tragen. Und meine vorläufige Freibad-Kilometer-Bilanz ist: 369 Kilometer. Was für eine Zahl!