Monatsarchiv: Januar 2016

Tegernsee-Eisschwimmen

Nach vier Wochen Pause sind wir gestern endlich wieder Eisschwimmen gegangen. Und zwar im besten See von allen – dem Tegernsee! Das Wetter war gut, Sonne und relativ warm. Zu Beginn hatte ich allerdings mein Thermometer vergessen, so dass wir die Temperatur nur schätzen konnten. Etwa fünf Grad, nahmen wir an.

 

Beim Reingehen sind wir deutlich schneller geworden als bei den ersten Versuchen. Noch immer faszinierend, wie klar und ruhig der Tegernsee im Winter ist.

Das Reingehen ging sogar recht gut und jeder ist ein paar Züge geschwommen. Ich hatte meinen neuen Badeanzug an. Aber am Bauch fühlte es sich kälter an als sonst. Der neue Badeanzug hat am Bauch eine doppelte Stofflage. Irgendwie fühlte es sich deshalb kälter an. Ich hab nach den paar Schwimmzügen aufgehört. Andi ging’s ähnlich.

 

Wie immer: Andi ist zuerst untergetaucht und schwimmt.

 

Aber ich bin auch recht schnell untergetaucht und schwimme ein paar Züge.

Als wir wieder an Land waren, haben wir uns – jeder für sich – gefragt, ob wir es nicht doch länger im Wasser hätten aushalten können.

 

Allerdings sind wir auch recht schnell wieder draußen …

Vor allem, weil in der Facebook-Schwimmgruppe einige sind, die deutlich länger im Wasser sind. Woran liegt es bei uns? Fehlt das Schwimm-Ziel, auf das wir zuschwimmen? Sind wir zu vorsichtig aus Respekt vor dem kalten Wasser? Sollten wir einfach nach dem ersten, kurzen Reingehen, einen zweiten Versuch starten? Oder einfach akzeptieren, dass wir halt nur kurz ein paar Züge schwimmen?

 

Hätten wir nicht doch etwas länger ausgehalten?

 

Danach noch kurz das Thermometer geholt, um zu messen. Schwer zu sagen, wo der blaue Strich steht: 5 Grad etwa

 


Sprachbad

Vielleicht hat sich der ein oder andere von Euch mal gefragt, was das Chlorhuhn eigentlich macht, wenn es nicht im Wasser ist. Nicht viel, wird sich mancher denken – denn allzu viel Zeit dürfte es nicht sein … Heute will ich euch erzählen, was ich an Land mache – und lustigerweise hat es wieder was mit Wasser zu tun. Ich lerne Finnisch. Das hat an sich noch nichts mit unserem geliebten Element zu tun. Aber ich nutze seit geraumer Zeit eine App, um meine Sprachkenntnisse aufzubessern. Die App heißt schon mal „WordDive“ und das Logo ist ein Männchen im Wasser! Na, aber hallo! Das ist doch wie für mich gemacht!

Wenn das Chlorhuhn fleißig Finnisch lernt, darf „Mikko“ ins Wasser springen!

WordDive“ ist ein finnisches Start-up, das mehrfach preisgekrönt ist. Wer sich ein bisschen mit Sprachen auskennt, wird wissen, dass Finnisch etwas anders „funktioniert“ als zum Beispiel Deutsch, Englisch oder die romanischen Sprachen. Das macht das Lernen etwas schwieriger und ist vielleicht auch der Grund, warum „Babbel“ die Sprache nach wie vor nicht im Programm hat.

„WordDive“ kombiniert nach eigenen Angaben die Vorgehensweise des finnischen Schulsystems mit Bausteinen der mobilen Spieleindustrie. Erste Entwicklungsschritte fanden bereits 1987 (!!) an der Uni Tampere statt. 2010 ging der Service online und wird in über 150 Ländern genutzt. Und jetzt eben auch von mir.

Das Männchen im Wasser heißt „Mikko“. „Mikko“ will auf den Sprungturm klettern, um dann ins Wasser zu springen – um zu tauchen – WordDive also! Nach Wörtern tauchen. Im Finnischen spricht man auch von einem „Sprachbad“, in das man eintaucht. Wenn man von der Sprache dann umgeben ist.

Je mehr Punkte, desto höher klettert Mikko auf den Turm.


Damit Mikko auf den Sprungturm klettern kann, muss der Lerner – also ich – Übungen machen. Da gibt’s verschiedene Level und Themen. In der einfachsten Variante gibt’s ein Bild zu sehen und drunter vier Wörter zur Auswahl. Man klickt das richtige an und erhält Punkte. Nach fünf Aufgaben erscheint ein Zwischenergebnis und es geht weiter.

Zwischenstand. Bei den Grammatikübungen gibt’s viele Punkte. Der Kreis um das Häkchen zeigt, dass ich einige Wörter schon „dauerhaft“ gelernt habe. Also über mehrere Tage hinweg richtig konjugiert habe.


Dann kann man auch die Schwierigkeit erhöhen. In der „Medium“-Variante sind unter den Bildern keine ganzen Wörter, sondern Silben, die man zu Wörtern kombinieren muss. Nach jeder ausgewählten Silbe ändern sich die Auswahlmöglichkeiten. Das ist zwar schon etwas schwieriger, aber es bringt auch mehr Punkte. Und je mehr Punkte es gibt, desto höher kann Mikko auf den Turm steigen.

In den Grundeinstellungen kann man seine Lernziele individuell festlegen. An wie vielen Tagen pro Woche will ich lernen? Wie viele Minuten kann ich pro Tag aufbringen? Das gibt man ein und daraus errechnet sich ein Wochenziel an Punkten. Das gilt es zu erreichen, damit Mikko oben am Turm ankommt – und schließlich ins Wasser hüpfen kann. Das tut er dann auch – ein kleines Video erscheint. Mikko springt, taucht und schwimmt. Und danach grinst er. So wie wir Wasserratten es ebenfalls tun.

Tadaa! Für „Mikko“ ist die Woche optimal, wenn er ins Wasser springen darf. Sehr sympathisch, der kleine Finne.


Übrigens lernt man in der App auch brauchbaren Wortschatz! Ich habe euch ein paar Screenshots gemacht. Ich musste sehr lachen, weil „uida“, also „schwimmen“ ziemlich oft vorkommt. Und das nicht nur in der Rubrik mit den Sportarten!

Mit „WordDive“ lernt man Wortschatz und Sätze, die jeder Schwimmer brauchen kann!


Logisch! In einem Land mit über 188.000 Seen ist das schon ein wichtiger Satz.

  

Winterschwimmen ist auch wichtig. Wie ich es mir merke? „uinti“ ist Schwimmen, und weil’s schnell gehen muss: „avanto“… hihi.


  

WordDive kann jeder zwei Wochen kostenlos und unverbindlich testen. Ich kann es nur empfehlen. Und keine Angst: Es gibt nicht nur Finnisch, sondern auch Englisch, Spanisch, Französich, Italienisch, Schwedisch und ein paar andere. Schaut einfach selbst hier.

Für 9,99 Euro im Monat kann dann weitergelernt werden. Es gibt verschiedene Abo-Möglichkeiten. Infos gibt’s in den FAQ. Klar, das ist nicht gerade billig – aber man bekommt auch was fürs Geld. Und mir macht es Spaß. Es fühlt sich gar nicht so sehr nach „Lernen“ an, eher nach „Spielen“.


Luftkühlung vs. Wasserkühlung

Das Chlorhuhn war auf Abwegen – nicht nur außerhalb des Pools, sondern dieses Mal sogar außerhalb des Wassers: Urlaub in Finnland, genauer: in Lappland, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises.

äkäslompolo

Der rote Punkt markiert unser Urlaubsziel. Äkäslompolo befindet sich 250 Kilometer nördlich des Polarkreises auf dem 67. Breitengrad (München: 48°)

Und da war’s: kalt – pakkasta, wie die Finnen sagen. Und zwar so richtig: MINUS 35 Grad.


Was macht jetzt dieses Thema im Schwimm-Blog? Naja, ich habe die Kälte jetzt auf sehr unterschiedliche Arten kennengelernt und festgestellt, dass mein Körper auf Luftkühlung anders reagiert als auf Wasserkühlung.

Wasserkühlung habe ich ja in den vergangenen Monaten beim Eisschwimmen oder eher beim Schwimmen in kühleren Gewässern getestet. Danach war mir so kalt, dass ich gezittert habe. Das „Kältezittern“ ist unter Eisschwimmern bekannt und ein Zeichen dafür, dass sich der Körper mit Muskelzittern die Wärme zurückholt. Auch habe ich das Gefühl gehabt, dass die Kälte wirklich durch und durch in mir war. Es fühlte sich beinah so an, als würde kaltes Blut durch meinen Körper laufen.

Bei der Luftkühlung in Lappland war das eine ganz andere Erfahrung. Bei minus 35 Grad unternahmen Andi und ich eine Schneeschuhwanderung. Weil es bergauf ging, mussten wir uns nicht sooo dick anziehen, wie mancher vermuten würde. Wärmende Merinounterwäsche, eine atmungsaktive Langlaufjacke und zum Schutz gegen Kälte und Wind noch die Außenjacke von meiner Northface-Jacke. Beim Schneeschuhwandern kann man auch Stöcke benutzen, so dass der ganze Körper in Bewegung ist. Das Gesicht habe ich mit einer „Kältecreme“ geschützt. Und nach den ersten Minuten in der Kälte (minus 35 Grad ist kälter als im Gefrierschrank, der ja meist so minus 20 Grad hat), ging’s auch. Beim Bergaufgehen war es im Wald sogar fast angenehm.


Kritisch wurde es nur oberhalb der Baumgrenze und am Gipfel – denn da war es windig. Schutz bot ein dick eingeschneiter Baum, in den wir uns flüchteten.


Beim Runtergehen wurden wir auch wieder warm, aber das letzte Stück Rückweg mussten wir an der Straße gehen – da wurde es richtig kalt. Zuhause angekommen, war mir durch und durch kalt. Aber kein Kältezittern. Ich war so kalt, dass ich mit Wärmflasche unter die Bettdecke kroch. Die Sauna war leider noch nicht geöffnet. Es war ein ganz anderes Frieren als nach dem Eisschwimmen. Ok, das Eisschwimmen war viel kürzer. Aber anscheinend reagiert der Körper auf die verschiedenen Kühlungen unterschiedlich. Sehr interessant!

Das war übrigens der Ausblick. Die Sonne hat ihren Zenit erreicht. Eine halbe Stunde später war schon wieder Sonnenuntergang. Die Tage sind kurz im Januar!



Eisschwimmen mit dem Profi

Ich war noch nie im Chiemsee. Drauf schon, daneben schon und natürlich vorbeigefahren. Aber drin? Fehlanzeige! Und mein erstes Mal im „bayerischen Meer“ soll jetzt nicht im Sommer sein, sondern im Winter. Ich besuche Jochen, der letztes Jahr seine Eismeile geschwommen ist, und im Moment fleißig trainiert, um in Burghausen über die 1000-Meter im Eiswasser an den Start zu gehen. Für Bayern 2 darf ich eine Selbstversuch-Reportage im Eisschwimmen machen. Und das Wetter könnte für das Vorhaben nicht besser sein: Kalt, grau, winterlich – kurz: scheußlich! Ein größerer Kontrast zum Sommerschwimmen scheint kaum möglich. Und ohne den Auftrag wäre ich an diesem Tag auch nicht an den See zum Eisschwimmen gefahren.

Wer mag, kann die Reportage hier anhören!

Der Chiemsee liegt stahlgrau und kalt vor uns. Andi ist auch dabei. Jochen ist Profi und hat ein Digitalthermometer, bei dem er eine Sonde ins flache Wasser wirft, in der Hand hält er die Anzeige. Sie pendelt sich bei 6,7 Grad ein. Im Schwimmbereich wird der See etwa 5 Grad haben, schätzt Jochen.

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Es liegt sogar ein bisschen Schnee auf dem Steg. Gleich wird’s ernst!

Im Schutz der Wasserwachthütte ziehen wir drei uns um. Es weht ein leichter Wind, als wir in den See gehen wollen, fallen ein paar Schneeregentropfen. Das ist jetzt auch schon egal, wir werden eh gleich nass sein. Jochen übernimmt die Führung und das Mikrofon.

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Bestes Wetter zum Eisschwimmen: kalt und grau. Jochen übernimmt das Mikrofon.

Schnellen Schrittes schreitet er in den Chiemsee. Wir kommen kaum hinterher. Und mir ist echt kalt. Zu lange schon halbnackt im Freien gestanden – schließlich musste auch alles aufgenommen werden. Und ich merke wieder, wie viel es für mich ausmacht, ob ich den See kenne oder nicht. Jochen sagt zwar, dass es hier sehr weit flach ist. Aber mir fällt es – siehe Tegernsee-Schwimmen – deutlich leichter, wenn ich die Umgebung kenne.

Andi taucht als erster unter und schwimmt ein paar Züge. Mehr als bei den anderen Versuchen. Die Motivation durch den Profi ist ihm deutlich anzumerken.

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Andi schwimmt im kalten Chiemsee.

Jochens Tipps: Zügig reingehen, nicht trödeln, aber auch nicht hetzen. Dann langsam auch die Arme eintauchen, bis zu den Schultern unter Wasser gehen. Und beim Losschwimmen: ruhig bleiben. „Sonst verpufft die ganze Energie und Wärme, die dein Körper gespeichert hat, für nichts“, erklärt er uns. Und so bleibt Andi zum ersten Mal richtig ruhig, als er untertaucht und schwimmt.

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Ich bin so lange im kalten Wasser gestanden, dass es mir schwerfällt, ganz unterzutauchen.

Bis es für mich allerdings so weit ist, bin ich schon echt ausgefroren und schaffe nur noch zwei oder vier Armzüge.

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Da schwimme ich, während Jochen meine Frier-Geräusche aufnimmt und gar nicht zu frieren scheint …

Schön war’s trotzdem! Und während Andi und ich zurück an Land schwimmen, bringt Jochen das Mikro ins Trockene, um dann noch ganze acht Minuten zu schwimmen!

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Ich bin schon wieder warm eingepackt, als Jochen endlich aus dem Wasser kommt. „Warm ist mir nicht, aber auch nicht wirklich kalt“, sagt der Eisshwimm-Profi! Hut ab!

Wahnsinn! Ich bin echt beeindruckt, während ich so zittere, dass ich das Mikrofon kaum mehr halten kann. Hätte ich ein Glöckchen umgebunden, ich würde dauerbimmeln! Aber das Zittern ist gut, sagt Jochen. Der Körper holt sich so die Wärme zurück. Und wie auch die letzten Male spüre ich eine Kälte in mir, die von ganz tief innen zu kommen scheint. Es fühlt sich ganz anders an als nach einem Spaziergang in der Kälte oder wenn man vom Wind ausgekühlt ist. Es ist total spannend zu spüren, was das kalte Seewasser mit dem Körper anstellt. Und dieses Mal waren es fast schon richtige Eisschwimm-Bedingungen: Draußen kalt und grau, Lufttemperatur um den Gefrierpunkt – und das Wasser nur noch bissl über der magischen Fünf-Grad-Grenze. Toll!

Mein Besuch bei Jochen stand sogar in der Lokalzeitung.