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Das Chlorhuhn an Land …

Das Corona-Virus hat uns weiterhin im Griff. Inzwischen sind nicht nur die Schwimmbäder geschlossen, fast das komplette öffentliche Leben ist lahmgelegt. Keine Cafés, Kneipen, Restaurants, keine Freunde treffen und natürlich kein Schwimmen. Das ist schon hart. Hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Aber mir fehlt das Schwimmen, die Routine, das Wasser, der Flow. Ja, der Flow fehlt mir am meisten!

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Ohmann… das fehlt mir!

Beim Schwimmen geht’s ja nicht nur ums Wasser. Ich liebe es einfach, wenn ich so dahin schwebe, mich gleichzeitig leicht und kraftvoll fühle. Wenn ich meinen Rhythmus gefunden habe und Bahn um Bahn durchs Becken ziehe. Um mich herum nur Wasser, das alle Geräusche dämpft und so schön gurgelt. Das ist beruhigend. Vor allem, wenn ich allein schwimmen kann. Das Glück habe ich hin und wieder. Und gerade jetzt merke ich, dass es das ist, was mir fehlt. Dieses Gefühl von „Sicherheit“. Wenn ich einen blöden Tag hatte und ins Wasser gehe, fällt vieles von mir ab. Mein Kopf wird frei, die Gedanken drehen sich nicht mehr, sie ordnen sich. Ich kann abschalten oder auf neue Ideen kommen. Oder Dinge von einer anderen Seite sehen. Das wäre gerade jetzt, in dieser schwierigen und unsicheren Zeit so wichtig. Aber: Es geht nicht. Und ja, das ist mir auch klar.

Was macht das Chlorhuhn stattdessen? Es versucht sich im Leben an Land. Als es vergangene Woche so schön frühlingshaft und warm war, bin ich mit dem Rennrad gefahren. Und es war schön! Ich habe mich sogar bei dem Gedanken ertappt, dass es gar nicht so schlecht ist, dass das Bad geschlossen hat, so mache ich wenigstens was anderes. Es hat gut getan, an der Sonne zu sein, den Fahrtwind zu spüren. Es war bissl wie im Urlaub. Da geht mir das Schwimmen auch nicht ab. Da mache ich andere Sachen und natürlich ist die Gesamtsituation eine andere. Und ich kann mich aufs Schwimmen freuen, denn wenn ich wieder daheim bin, kann ich ja wieder ins Bad. Aber jetzt? Weiß es keiner.

Frühling am Feldmochinger See – beim Radeln gesehen

Hübsch und blau, aber kein Schwimmbecken … 

Am Samstag war dann Nieselregen, da wollte ich nicht radfahren. Aber da ich samstags oft mit Freunden schwimmen gehe, war es doppelt hart. Weil wir weder schwimmen gehen können, noch ein Alternativprogramm starten können.

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Die Olympiaschwimmhalle vermisst uns Stammschwimmer sicher auch!

Wäre Eisschwimmen eine Option? Hm, ja, vielleicht. Das Wetter hat mir da auch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es wehte ein starker und eisiger Ostwind. Ich bin mit meinem normalen Stadtfahrrad geradelt, es war ja sonnig. Aber es war wirklich kalt und unangenehm, da hatte ich überhaupt keine Lust zum Eisschwimmen. Dazu kommt, dass ich heuer nicht besonders oft im kalten Wasser war. Und für „richtiges“ Schwimmen ist das Eisschwimmen kein Ersatz. Es ist etwas ganz anderes. Es ist ein Kick, eine Herausforderung, aber einen Flow gibt’s da nicht. Mal sehen, wie sich das Wetter entwickelt.

Ich denke mal, dass es euch anderen, die auch gern und oft schwimmen, ähnlich geht. Vielleicht helfen ja die Schwimmbuch-Tipps über die Trockenzeit? Viele lokale Buchläden, die zur Zeit geschlossen sind, bieten trotzdem einen Online-Versand an. Ihr könnt also doppelt Gutes tun: für euch und für den Buchladen.

Weiteres „Opfer“ von Corona: Der Sauna-Tag in Helsinki. Ich war eh schon unentschlossen, ob ich in diesen Zeiten überhaupt wegfahren soll (war da noch erlaubt), aber es hat sich irgendwie nicht richtig angefühlt. Und dann haben sich die Ereignisse überschlagen, der Sauna-Tag wurde abgesagt. Glück im Unglück. Da habe ich natürlich auch keine Zimtschnecken bekommen, dafür hat mir meine Freundin Diana eine gebacken und mit ins Dantebad gebracht.

Zimtschnecke fürs Chlorhuhn

Und heute gab’s bei meinem Bäcker auch wieder eine Zimtschnecke., eine Spezialanfertigung. Im Sortiment gibt’s die nämlich nicht. Aber der Junior fand Zimtschnecken bei einem Urlaub in Schweden auch toll, darüber haben wir mal geredet und er hatte im Januar schon mal eine „Test-Schnecke“ gebacken. Das Ganze ist dann wegen der Krapfen etwas eingeschlafen, aber heute bekam ich eine neue Version zum Probieren! Es gibt also auch Lichtblicke in dieser echt blöden Zeit!

Zimtschnecke von meinem Bäcker!


Februar-Schwimmen

Heute war mal wieder ein guter Tag zum Eisschwimmen. Winterschwimmen. Februarschwimmen. Nennt es, wie ihr wollt … 😉

Es war sonnig, mit etwa 10 bis 12 Grad recht warm und kaum merklicher Ostwind. Der hatte mir gestern noch die Tour vermasselt, weil es bei etwa 4 Grad einfach nur kalt geblasen hat. Da war ich auch schon auf dem Weg zum See, habe dann aber spontan beschlossen, nicht zu schwimmen, sondern nur zu radeln. Aber heute war alles gut.

Beste Bedingungen!

Der See lag spiegelglatt vor mir, die Sonne scheint durch feine weiße Schleierwölkchen. Perfekt. Als ich ins Wasser gehe, merke ich aber, wie es sticht. Wie 1000 kleine Nadeln an den Füßen, das habe ich so echt selten wahrgenommen. Und es wird auch nicht besser, sondern ist richtig kalt. Aber ich bin entschlossen und tauche unter. Schwimme los. Ist das kalt. Wahnsinn. Ich bin tapfer, atme tief ein und schwimme weiter. Die 15 bis 20 Meter-Strecke kommt mir ewig vor. Es ist kalt, mein Herz schlägt wie verrückt. Ich zwinge mich, langsamer zu schwimmen. Drehe um, schwimme zurück. Natürlich immer am Ufer entlang, wo ich stehen kann. Und fasse einen Plan: Wenn ich am Ausgangspunkt ankomme, stelle ich mich hin und warte kurz. Weil ich ja erst letztes Mal wieder gedacht habe, dass es vielleicht beim zweiten Mal besser wäre. Also eine Pause machen.

Gedacht – getan. Das fällt mir nicht leicht, denn das Wasser ist natürlich trotzdem kalt, auch wenn es jetzt nur im Stehen ist und bis zum Bauch reicht. Zum Glück ist es windstill, der Uferwall hält den Ostwind ja ab. Ich merke, wie sich mein Puls beruhigt. Die Atmung wird ruhiger. Die Füße sind zwar kalt, aber es sticht nicht mehr so arg. Ich schaue aufs Thermometer: 6 Grad … naja. Fühlt sich kälter an. Deutlich kälter.

Im flachen Uferbereich ist das Wasser laut Thermometer 8 Grad warm. Naja. Glaube ich nicht …

Dann wage ich mich an Runde zwei. Es ist immer noch sehr, sehr kalt. Aber ich kann ruhiger schwimmen und schaffe es ein weiteres Mal hin und zurück. Dann aber nix wie raus. Ich bin krebsrot, es kribbelt voll schön!

Handtuch rum und auf dem Rücken die Sonnenstrahlen genießen. Herrlich. Wie viel Kraft die Sonne schon hat! Und jetzt durchfließt es mich auch wieder heiß-kalt-heiß-kalt. Herrlich! Ich ziehe mich an und bleibe noch ein bisschen am Ufer sitzen. Blicke auf den See, der jetzt wieder wellenlos vor mir liegt und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Das sind eigentlich die schönsten Winterschwimmtage: Wenn die Sonne schon etwas Kraft hat, aber das Wasser noch kalt ist.

So schee scho! Ein zweifacher Himmel am Langwieder See mit milchiger Sonne.

Und anscheinend entdecken immer mehr Menschen das Winter- oder Eisschwimmen für sich. Und zwar nicht unbedingt als Wettkampf wie Jochen Aumüller, Sabine Croci und Christof Wandratsch, sondern einfach so. Hier gibt’s ein kleines Facebook-Video.

Zum Abhärten, als Kick, zum Wachwerden … und dann ist mir eingefallen, dass mein erster zaghafter Versuch schon über vier Jahre her ist! Kinder, wie die Zeit vergeht.

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Ganz verkrampft – da geht natürlich nix! Aber das musste ich auch erst lernen …


Fieser Ostwind

Der Nebel hatte sich in München gegen Mittag gelichtet, wenn auch nicht komplett. Doch ich wollte das relativ gute Wetter nutzen, denn fürs Wochenende ist eher Regen angesagt. Und bei Regen macht Radln in Kombi mit See-Schwimmen wenig Spaß. Mir zumindest nicht. Also heute, trotz leichtem Ostwind.

Am Langwieder See selbst war der Nebel noch ziemlich präsent, es gab kaum Lücken. Doch eigentlich hat das was – so mystisch. Und es ist ruhiger als bei Sonnenschein. Der See liegt spiegelglatt vor mir, ich platziere mich ganz nah am Wasser.

Mystische Nebelstimmung am Langwieder See

Mystische Novembernebelstimmung am Langwieder See

Vom Radln bin ich gut angewärmt, außer meine Hände und Füße, die sind etwas kühl. Jetzt also nicht lange fackeln, Sachen für Danach herrichten, ausziehen, Thermometer schnappen und rein. Das Wasser ist wärmer als gedacht, das Reingehen klappt ganz ohne Probleme. Es kostet mich erstaunlicherweise nicht mal Überwindung. Aber beim Schwimmen merke ich doch, dass es kalt ist. Und weil ich letztes Mal beim Heimradln so gefroren habe, vor allem in den Fingern, will ich es dieses Mal nicht übertreiben. Ich schwimme also viermal hin und her. Ein Kontrollblick aufs Thermometer zeigt 8,8 Grad. Wie schön!

An Land ist es dann erstmal heiß. Also nicht draußen, sondern mir. Mein Körper heizt nach, weil ihn das Wasser ausgekühlt hat. Den fiesen, feinen Ostwind spüre ich jetzt aber. Flugs das Handtuch rumgewickelt, Badeanzug runter, T-Shirt drüber. Und dann kommt mein Geburtstagsgeschenk zum Einsatz: Mein Poncho! Da ich nicht nähen kann, war meine Freundin Diana so nett (die kann sowas nämlich!) und hat aus einem Stück Fleecestoff einen Poncho genäht. „Geht doch ganz einfach, einmal zusammennähen und oben einen Tunnel für den Gummizug – fertig“, sagt sie. Ja, da hat sie leicht reden. Schließlich ist ja alles, was man kann, ganz leicht. Und mein Glück, dass sie es kann, denn jetzt habe ich einen dunkelblauen Poncho, unter dem ich mich umziehen kann. Und der – das ist fast noch besser – den Wind etwas abhält. Bei dem Ostwind, der kaum merklich ist (der See hatte ja nicht mal Mini-Wellen), ist das ganz fein.

Als ich angezogen bin, trinke ich noch etwas heißen Tee aus meiner Thermosflasche. Denn jetzt ist es wieder soweit, dass ich den Tee brauche. Vor zwei Wochen noch war es richtig warm, da brauchte ich das nicht. Jetzt bin ich froh drum! (Hier gibt’s übrigens meine persönlichen Tipps zum Winterschwimmen.)

Und zum Abschluss mache ich noch ein Foto vom Thermometer. Und siehe da: Im Uferbereich ist das Wasser kälter als ein paar Schritte weiter, wo ich geschwommen bin. Es zappelt zwischen 8,1 und 8,4 Grad hin und her. Unterwegs (im bauchnabeltiefen Wasser) waren es 8,8 Grad. Ich hatte letzte Woche schon das Gefühl, dass das Thermometer unterwegs mehr angezeigt hat als dann beim Foto. Spannend!

Das Thermometer kann sich nicht recht entscheiden...

Das Thermometer kann sich nicht recht entscheiden …

Beim Heimradln merke ich diesen fiesen Ostwind umso deutlicher. Denn meine Radlstrecke geht fast nur ostwärts – und dann kommt zum Fahrtwind auch noch dieser kalte, kaum merkliche Wind. Echt fies!

Dennoch war das „Eisschwimmen“ – oder Herbstschwimmen – heute eine gute Idee. Ich war nämlich etwas angespannt, genervt oder wie man das auch bezeichnen möchte. Und das Schwimmen samt der Bewegung an der frischen Luft haben meine Laune deutlich verbessert. Und ich hätte beinahe noch gekniffen …