Monatsarchiv: August 2018

Nordsee-Baden

Das Chlorhuhn und das Meer, das ist so eine Sache … Ich glaube, das wird auch nix mehr mit uns. Ich war kürzlich an der Nordsee. Nicht in Deutschland, denn da ist immer Ebbe, wenn ich mal da bin. Sondern in Schweden. Am Kattegat. Ich bin den Kattegattleden geradelt. Der führt von Helsingborg im Süden bis nach Göteborg, immer an der Westküste entlang. Und natürlich fast immer am Meer, also der Nordsee entlang. Am zweiten Radltag war die Nordsee wütend oder zumindest hat sie gewütet. Es war ein heftiger Wind und dadurch gab’s heftige Wellen. Fürs Radln kein großer Spaß (kann man hier im neuen Radl-Blog lesen), fürs Schwimmen noch weniger.

Sieht schön aus, ist aber krass laut!

Nach 65 Kilometern Tagestour, zum Teil mit krassem Gegenwind, bin ich in Båstad angekommen. Ein Örtchen direkt am Meer, auch mein Hotel liegt direkt am Meer. Ich kann von meinem Zimmer im Bademantel losmarschieren und bin gleich am Sandstrand. Sand, das ist auch so eine Sache bei mir. Ich verstehe gar nicht, was alle immer mit ihren Sand-Stränden haben. Da hast den Sand überall (wirklich überall) und der geht auch nicht mehr weg. Ich bin also froh, dass ich nur Badelatschen und einen Bademantel anhabe, da hält sich das mit dem Sand-Souvenir in Grenzen.

Muscheln am Strand und die Pier geht ganz schön weit raus. Und da draußen ist es immer noch flach …

Der Wind bläst, ist zum Glück aber nicht kalt. Nur: wohin mit dem Bademantel (in dem auch meine Schlüsselkarte ist)? Ich sehe kleine Holzhüttchen mit Veranda. Keiner da, deshalb erlaube ich mir, meine Schuhe und den Bademantel hier in ein windgeschützes Eckchen zu legen. Und dann mache ich mich auf zum Strand, eine Minidüne hinunter und dann über den warmen Sand zum Wasser. Tausende und tausende Muscheln liegen hier. Und die Wellen rauschen ans Ufer. Das Wasser scheint flach zu sein, aber ich sehe nicht, was unter mir ist. Ich will ungern in scharfe Muschelkanten treten, deshalb entscheide ich mich für den Weg über die Pier. Sie führt relativ weit raus, am Ende ist eine Leiter. Über die gehe ich ins Wasser. Also, erstmal mit den Füßen. Es ist warm, trotz des Windes. Aber was ist unter mir? Wie tief? Wasserpflanzen? Ungeheuer? Es dauert ewig, bis ich mich entscheide einzutauchen. (Beim Eisschwimmen bin ich da viel zielstrebiger).

Und naja. Was soll ich sagen? Wasser halt. Zum Glück nicht tief. Je nach Wellental oder -berg geht mir das Wasser bis zu den Oberschenkeln oder zum Bauch. Schwimmen? Keine Chance. Es gibt auch keine Wellenpause. Es ist entweder hoch oder tief, aber nie ruhig. Und kräftig sind die Wellen! Ich tauche ein paar Mal ein, lasse mich hin- und herschwappen. Spaß sieht anders aus. Das ist nicht meine Welt. Ich stelle mich wieder hin und da wirft mich so eine Welle von hinten fast um! Zaxndi! Do legst di nieda!

Ich kraxle die Leiter wieder rauf, gehe über die Pier zurück zum Strand, von da zurück zum Holzhüttchen – und bin trocken. Der Wind hat mich trocken geweht!

Jetzt gehe ich erstmal in die Sauna des Hotels. Die hat eine riesige Glasfront mit Blick auf den Strand und das Wasser und ich bin der einzige Gast. Herrlich.

Sauna mit Tageslicht und Aussicht

Einen weiteren Nordsee-Versuch gab’s im Verlauf der Reise noch. In Steninge. Da übernachte ich in einem Hostel – und das war so schön da, das muss ich jetzt erst loswerden. Kennt ihr das, wenn ihr an einen Ort kommt und euch sofort wohl fühlt? Und willkommen? So war das im Vandrarhem Steninge! Catarina und Per betreiben dieses Hostel direkt an der Küste und am Kattegattleden. Und Catarina hat mich sofort herzlichst begrüßt, fast wie eine Freundin. Sie strahlt einfach sowas Herzliches, Gastfreundliches aus, das kann man nur schwer beschreiben, das muss man erleben. Es gibt einfach Leute, die zum Gastgeber geboren sind. Und eigentlich ursprünglich einen ganz anderen Beruf ausgeübt hatten. Das ist bei Catarina so und das war auch bei Marianne in Boxholm so. Die ist auch so eine Frau, bei der man sich sofort „dahoam“ fühlt und umsorgt, aber nicht so übermuttermäßig. Sondern einfach willkommen. Als Gast.

Per ist Weltmeister im Haferbreimachen. Er und Catarina betreiben das Vandrarhem Steninge.

Ich habe beim Weiterradln dann lange drüber nachgedacht, warum das bei Catarina und Marianne so anders ist als in einem (großen) Hotel. Da sind die Leute ja auch zuvorkommend und nett (schließlich ist man ja zahlender Gast). Aber das ist so ein „professionelles“ Nett, so, so … ich weiß nicht … nicht von Herzen. Sondern weil es halt dazu gehört, der Job es erfordert und man ja Dienstleister ist. Während das Nett-Sein im Vandrarhem Steninge und im Hotell Sommarhagen tatsächlich von Herzen kam. Weil die Betreiberinnen (zumindest habe ich das so empfunden) mit Herzblut bei der Sache sind. Und vielleicht auch, weil es ihr Hotel/Hostel ist. Sie haben es aufgebaut, die Gäste kommen zu ihnen – und wohl auch wegen ihnen – genau hierher. Sie sind nicht nur Angestellte, die ihren Job machen (bitte nicht falsch verstehen, ich habe hohen Respekt vor Jobs in der Hotellerie/Gastronomie; und die meisten machen den Job gut!). Es ist aber deren Projekt, deren „Baby“ und das merkt man.

So, jetzt aber zum Strand. Denn dahin hat mich Catarina dann auch gleich geschickt, der ist nämlich einfach auf der anderen Straßenseite.

 

Das ist ein Naturstrand, das heißt, die Algen werden nicht entfernt. Das Wasser ist trüb und wellig. Es gibt auch hier eine Leiter zum Reingehen. Ich spreche mit einer Frau, die gerade ihre Schwimmrunde beendet hat. Sie macht mir Mut: Das Wasser ist sauber, das Aufgewühlte ist nicht schlimm. Ich könne stehen, Wasserpflanzen gibt’s auch keine und wenn ich zwischen der Leiter und der Pier (die zu einer Insel führt) schwimme, ist es „safe“.

Ich wage mich also ins Wasser und schwimme ein bisschen hin und her. Weil der Strand in einer Bucht ist, sind die Wellen hier nicht so heftig wie in Båstad. Aber so richtig Schwimmen ist das auch nicht. Eher baden und sich treiben lassen. Für den Abschluss einer Radltour ganz schön. Als ich dann in der Dusche den Bikini ausziehe, sehe ich, dass in ein „Mitbringsel“ abbekommen habe. Der Schlamm hat sich in den Nähten gesammelt. Das sieht nicht schön aus, lässt sich aber zum Glück ganz leicht ausspülen.

Und später gibt’s hier einen wirklich schönen Sonnenuntergang zu sehen. Ich kann meinen Blick kaum abwenden, so schön ist es, der Sonne beim Untergang zuzusehen. Wie sie langsam aber sicher ins Meer fällt, ein Sonnenbad sozusagen.

Schon schön, so ein Sonnenuntergang über dem Meer!

Jetzt nimmt die Sonne ein Bad – ein Sonnenbad!

Als ich bei meinem vorigen Schwedentrip in Göteborg war (das ich übrigens sehr empfehlen kann), bin ich mit dem Schiff auf die Schären gefahren. Das ist eine feine Sache, einfach so mit dem öffentlichen Nahverkehr in eine Inselwelt zu fahren. Schon die Fahrt war Urlaub. Und es ist wirklich schön da im Schärengarten vor Göteborg.

Mit der Tram zur Endhaltestelle und dann aufs Schiff.

Hinaus in den Schärengarten von Göteborg. Für nur 9 Euro (Tagesticket)!

Ich bin bis zur Endstation gefahren und da ein bissl rumspaziert.

Dann habe ich mich in einem sehr gemütlichen Fleckerl Strand niedergelassen, dem Meer gelauscht und mein Buch gelesen.

Mein idyllisches Platzerl – ganz für mich allein!

Später bin ich dann weitermarschiert und habe eine schöne Badestelle gefunden. Mit großen, runden Felsen, auf denen ich mir ein Platzerl gesucht habe. Und einem Steg samt Leiter, um ins Wasser zu kommen.

Auf den Felsen war’s schön warm!

Auch hier war die Nordsee Anfang Juli schön warm, etwa 22 Grad. Und es war wellenarm, weil es in einer Bucht war. Ach, hätte man hier schön schwimmen können. Glasklares Wasser, kaum Wellen – aber irgendwas hat immer an meinen Füßen gekitzelt. Komische Wasserpflanzen, ohje! Chlorhuhnalarm. Ich bin dann nur vom Steg zu meinen Steinen und zurückgeschwommen.

Wasserpflanzen ohne Ende …

… die beim Schwimmen kitzeln.

Genug (Nerven)Kitzel fürs Chlorhuhn. Ich hab mich dann an Land wie ein Seehund auf die warmen Steine zum Trocknen gelegt. Mit vom Salzwasser pappiger Haut. Da waren mir die Seen in Schweden schon um einiges lieber!


Tegernsee-Schwimmen

36 Grad und es wird noch heißer… das ist der Soundtrack dieser Tage. Und davon verschont bleibt auch nicht das Wasser im Tegernsee. 24 Grad hatte der Tegernsee am Samstag, am Sonntag soll er sogar noch wärmer gewesen sein. Rekord!

Die Wolken sind nur Deko am Tegernsee.

Am Samstag war ich jedenfalls auch im Tegernsee schwimmen. Ich war in Kaltenbrunn, am nördlichen Ende des Sees. Am Strand und in Ufernähe war natürlich großer Betrieb, kein Wunder bei dem Wetter, an einem Samstag in den Ferien. Aber ich habe ein schattiges Platzerl gefunden und war dann ja eh erstmal weg. Mit meiner Boje wollte ich nach Holz schwimmen. Das habe ich schon zweimal gemacht. Beim Reingehen ist das Wasser trüb. Der Sand ist wegen der vielen Leute total aufgewühlt, man sieht gar nicht, wohin man tritt. Obwohl der See hier sehr lange sehr flach ist, schwimme ich bald möglichst los. Ich habe nämlich keine Lust, mir die Zehen an einem Stein anzuhauen, die hier auch im Wasser sind.

Anfangs ist das Wasser echt richtig warm. Wärmer als im Freibad, zumindest fühlt es sich so an. Dann wird’s tiefer (und grüner) und ich spüre, dass vor allem die Wasseroberfläche warm ist. Von unten kommen immer mal wieder kalte oder kühlere Strömungen. Das ist nicht schlimm oder unangenehm. Es ist schön, interessant. Da muss ich an Neoprenanzugschwimmer denken: Sie verpassen das!

Ich schwimme also ganz für mich im grünsten Wasser des Tegernsees. Und die Oberfläche ist auch noch spiegelglatt! So ruhig kenne ich den See nicht. Es ist traumhaft. Zug um Zug komme ich voran. Keine Eile, keine Hektik. Keiner, der mich knapp überholt oder den ich überholen muss. Nur ich und der See. Also, zumindest hier. Herrlich. Und so warm! Nicht zu warm, eher genau richtig!

Irgendwann sehe ich ein Segelboot in meiner Nähe. Ich schwimme Brust mit Kopf über Wasser, um mir einen Überblick zu verschaffen. Dann warte ich kurz ab. Der Segler ruft mir zu: „Ich habe Sie schon gesehen! Mit Ihrer Boje sind Sie ja gut gekennzeichnet!“ Ich bedanke mich und sage, dass das einer der Gründe für die Boje ist. Dass ich gesehen werde. Dann fährt er weiter und ich habe den See wieder für mich und schwimme weiter. Westwärts, zum Ufer in Holz. Ich lande dort aber nicht an, es ist nicht wirklich schön da. Schlammiger Boden, viel Müll und die Badestelle ist direkt am Parkplatz der Bundesstraße, die um den See führt. Deshalb drehe ich dann um und schwimme zurück.

Jetzt ist leichter Nordostwind aufgekommen. Also Gegenwind. Nicht schlimm, die Wellen kräuseln sich nur ganz leicht. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich nicht vorankomme. Das täuscht wahrscheinlich, weil das Ufer hinter mir noch recht nah ist, aber das Ufer vor mir, mein Ziel, noch nicht in Sichtweite ist. Das Chlorhuhn kann damit nicht wirklich gut umgehen. Schließlich ist mein Schwimmrevier sonst einfach 50 Meter lang und Anfang und Ende kann ich sehen. Aber ich habe inzwischen eine Taktik entwickelt, damit ich nicht in Panik gerate. Es ist ja alles immer eine Kopfsache. Ich schwimme einfach Brust. Lange Züge mit einer langen Gleitphase unter Wasser. Das beruhigt mich. Brustschwimmen kann ich einfach schon viel länger als Kraulen. Und hier im See macht das auch mal Spaß. Ich halte niemanden auf, keiner bekommt einen Tritt ab. Und so tauche ich also auf und ab, gleite dahin, stoße die Beine kräftig nach hinten. Und irgendwann kommt auch mein Ziel in Sicht.

Einfach toll, die Abendstimmung in Kaltenbrunn, wenn der Tegernsee der Länge nach vor einem liegt …

Ein sehr schöner Ausflug war das. Und obwohl ich fast eine Stunde unterwegs war, ist mir danach nicht kalt. So warm ist das Wasser! So warm ist die Luft auch im Schatten! Sommer halt!