Monatsarchiv: November 2015

Warum das Chlorhühnchen nicht spinnt

Manch Nicht-Schwimmer mag sich fragen, warum sich jemand freiwillig mehrmals die Woche in ein Schwimmbecken begibt, um dann stupide hin- und herzuschwimmen. Und das – je nach Länge der Bahn – 40 bis 160 Mal. Sind wir bekloppt? Beim Schwimmen habe ich mich das noch nie gefragt.

Vergangenen Sonntag stellte ich mir diese Frage aber. Ich durfte an einem „Spinning“-Kurs teilnehmen. Auch „Indoor-Cycling“ genannt. Viele Menschen treffen sich in einem Raum, in dem Fahrräder stehen (!!), die auch stehen bleiben. Mit den Pedalen treibt man eine Schwungscheibe an, ein kleines Rädchen regelt den Widerstand. Ziel des Treibens: Die Grundlagenausdauer stärken oder ausbauen. Und ich sag’s vorweg: Der Kurs war gut besucht und gut gemacht. Der Trainer hat die Musik mit den Beats auf das Programm abgestimmt. Er motiviert die „Fahrer“, wir treten in einer „Ebene“, dann wird’s „steiler“ und wir müssen sogar aus dem Sattel gehen. Ja, es ist anstrengend. Nein, es macht keinen Spaß. Ich stelle dieses Vorhaben nach etwa fünf Minuten in Frage. Ich stelle die Sinnfrage: Was mache ich hier? Und: Wie lange dauert das noch? Ein Blick auf die Uhr des Nachbarn verrät: Es ist noch lange nicht vorbei.

Beim Schwimmen habe ich mir solche Fragen selten gestellt. Eigentlich fast nie. Und ich schwimme ohne Musik, ohne Gesellschaft (zumindest ohne freiwillige in Form einer Trainingsgruppe) und ohne Plan (meistens). Spaß macht’s mir trotzdem. Oder gerade deshalb? Ich habe es eigentlich nie in Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, 60 Mal im 50-Meter-Becken von Wand zu Wand zu schwimmen. Es ist einfach schön. Das Wasser zu spüren, meine Kraft, den Druck, das Vorwärtskommen, das Gleiten, das Fliegen, die Leichtigkeit. Das macht’s für mich sinnvoll. Ich kann abschalten oder meinen Gedanken nachhängen.

Beim Spinning denke ich nur: Wann ist es rum? Erschwerend kommt hinzu, dass es drinnen ist. Klimaanlage statt frischer Luft, die zu allem Übel auch noch genau über mir weht. Ich bin nassgeschwitzt und spüre Zugluft. Ganz schlechte Kombination. Aber das ist es nicht. Radfahren ist für mich: draußen sein, Landschaften sehen, Berge rauffahren, einen tollen Ausblick genießen, unterwegs sein. All das verwehrt mir das „Indoor-Cycling“. Ich sitze am festen Platz und meine Phantasie reicht leider nicht aus, um mir die Anstiege und Ebenen vorzustellen, die Trainer Clemens sich ausgedacht hat.

Übrigens hatte ich dasselbe Erlebnis beim Rudern: Ich bin früher auf dem Tegernsee gerudert. Es war wunderschön. Ein schöner Sport mit einer schönen Bewegung und auf dem Tegernsee gibt’s schöne Landschaften rundum dazu. Als ich nach langen Jahren überlege, den Sport wieder aufzunehmen, fahre ich zur Ruderregatta-Strecke nach Oberschleißheim. Hier kann man in einem großen Viereck rudern. Wie langweilig!! Ich dachte nur: Das wäre ideal zum Schwimmen – so schön viereckig!


We did it again!

huihuihui! Nachdem es am Sonntag so schön war, wollten wir’s heute noch mal probieren mit dem See. Die äußeren Bedingungen waren etwas verschärfter. Es war wolkig und auch nicht mehr so warm. Ca. 15 Grad Lufttemperatur. Vorteil: weniger Schaulustige. Nachteil: kälter!


Aber es half nix. Wir wollten rein in den See! Das Wasser fühlte sich an den Füßen viel kälter an. „Aufs Thermometer schauen wir erst nacher“, sagt Andi. Erst standen wir bis zu den Oberschenkeln im Wasser. Allein die Hände einzutauchen, kostet irrsinnige Überwindung. Irgendwann ein „Platsch“ und Andi ist drin! Der ist echt verrückt! Hab ich erwähnt, dass er gar kein „Schwimmer“ ist?!

Ich befürchte fast, dass ich es dieses Mal nicht schaffe. Es ist zu kalt an den Händen! Meine Füße haben sich gut an die Kälte gewöhnt. Irgendwann macht’s in mir „klick“ und ich lege mich ins Wasser und schwimme paar Oma-Züge. Es ist kalt, wird aber immer besser. Jetzt wagen wir einen Blick aufs Thermometer. „11 Grad“, liest Andi vor. Wir legen das Thermometer an Land und gehen ein paar Schritte weiter nochmal rein. Beim zweiten Mal geht’s besser. Ich schwimme im flachen Wasser deutlich mehr als am Sonntag. Nur im Nacken zieht die Kälte unangenehm entlang.

Nach etwa fünf Minuten geht’s zurück an Land. Alles kribbelt. So richtig kalt ist mir noch nicht. Doch nach ein paar Minuten zittern wir um die Wette! Die Sonne kämpft sich zwar etwas durch die Wolken, aber sie hat zu wenig Kraft. Dick eingepackt treten wir den Heimweg an. Auch, wenn dieses Mal keiner fragt, ob wir das wieder machen, ist der Ehrgeiz geweckt…


Und dann waren’s 500 …

Heute war es soweit: Ich habe die 500 Kilometer voll gemacht! Ein tolles Gefühl, wenn man das so bewusst mitkriegt… Ich habe in den vergangenen Jahren immer zu spät meine Kilometer zusammengezählt. Dieses Jahr war ich rechtzeitig dran und konnte heute gezielt auf diese runde, magische Zahl hinschwimmen. Irgendwie erhebend…

Archiv-Bild: Dante-Winterbad

Ich bin gestern und heute im Dante-Winterbad geschwommen. Trotz Sonne und sommerlichen Temperaturen war nicht zu viel los. Dabei habe ich zwei Dinge festgestellt: Erstens: schwimmen im Dante macht mehr Spaß als in der Olympiaschwimmhalle. Zweitens: Mitschwimmer motivieren! Überholen, davon schwimmen, seinen „Platz“ in der Bahn verteidigen – das kann scho. Ein schöner Ansporn sein. Voraussetzung ist natürlich, dass die Mitschwimmer keine Egoisten oder Idioten sind … 😉

Jedenfalls ist jetzt eine wirklich lange Strecke geschwommen und das Jahr ist noch nicht rum. Es wird also noch mehr!

Übrigens sind das nur die Strecken im Becken! In Bahnen umgerechnet ergibt das 10.000! (Ich gehöre zu den Glücklichen, die immer auf einer 50-Meter-Bahn schwimmen kann.)

Andere zählen übrigens auch, zum Beispiel Wasserfrosch Lutz.


13 Grad!

Schon länger „juckte“ mich das Schwimmen im kalten Wasser. Ich habe ja im Februar Sabine Croci besucht, die den ganzen Winter – ach, das ganze Jahr hindurch – im See schwimmt. Sogar die Eismeile hat sie geschafft. Und irgendwie wollte ich das mit dem Winterschwimmen auch mal ausprobieren. Und heute war’s soweit! Ok – Winter ist das da draußen grad nicht. November, aber etwa 20 Grad Lufttemperatur – im Schatten. Also richtig warm. Wann, wenn nicht heute? Am Freitag war ich noch am Starnberger See spazieren und war von der Ruhe am und im See total begeistert. Das Wasser lag so klar und friedlich da, einfach herrlich. Mangels „Ausrüstung“ bin ich nur mit den Füßen mal kurz reingegangen. Paar Minuten stand ich da im Wasser. Später sah ich eine Frau, die tatsächlich eine Runde geschwommen ist. Und ich dachte nur: Auch will!

Starnberger See am Freitag bei herrlichstem Herbstwetter

Ein Traum – wer „vergisst“ nur bei so nem Wetter die Badesachen daheim?

Also heute. Ziel war der Lußsee, den ich aus dem Sommer noch kenne. Es war mir wichtig, das an einem See auszuprobieren, den ich kenne. Wo ich weiß, wo ich reingehen kann, wie tief bzw. flach es ist und so halt. Ein tapferer Mitstreiter war gefunden. Denn allein sollte man so ein Unternehmen nicht machen. Wir radln also im schönsten Herbst-Wetter zum Lußsee.

Der Lußsee in schönster Herbststimmung. Mildes Licht, bunte Bäume, glasklares Wasser!

 Und natürlich sind da Spaziergänger und Sonnensitzer. Ich muss sofort an die vielen Einträge in unserer Facebook-Gruppe denken („Staunende Blicke“). Es ist tatsächlich so. Kaum sind wir in Badekleidung, sprechen uns die ersten an: „Wollt ihr da wirklich reingehen?“ – „Ja, zumindest versuchen.“.

Das Wasser ist unfassbar klar!

Die ersten Schritte im glasklaren Wasser sind zügig gemacht, schon ist der Badeanzug nass. Und naja. So richtig kalt ist es an den Füßen nicht. Eher an der Hand, die das Thermometer unter Wasser hält. Ratzfatz zieht sich die blaue Linie von 20 Grad zurück. „15 Grad?“ fragt mein Mitstreiter Andi. „Ich glaub, das geht noch weiter runter“, erwidere ich. Und tatsächlich: Bei etwa 13 Grad bleibt’s stehen.

13 Grad!

Ich werfe das Thermometer ans Ufer zurück, wir gehen weiter rein. Am Bauch kurzes Zucken. „Schon kalt“, sagen wir beide. Ich warne Andi noch, dass sein Puls nach oben gehen wird, sobald er ganz reingeht. Und schwupps – untergetaucht ist er! Schnauft wie ein wilder – und grinst. Ich brauche noch ein bisschen, aber es ist auch kein Wettkampf.

Tadaaa! Wir sind drin!

Die Sonne scheint in einem milden Licht, das Wasser ist tatsächlich viel klarer als im Sommer. Man sieht jeden einzelnen Stein. Und dann ist es auch für mich soweit: Ich tauche unter. Den Kopf lasse ich noch draußen. Es kribbelt überall. An den Armen ist es echt richtig kalt. Aber ich schiwmme ein paar Züge Oma-Brust. Und es wird etwas wärmer. Mein Puls hat gar nicht so heftig reagiert. Nur die Arme sind echt kalt, die Schwimmzüge klappen aber erstaunlich gut.

Wir schwimmen zwar nur „Oma-Brust“, aber fürs erste Mal im Herbst und kalten Wasser schwimmen doch ganz ok … 😉

Nach etwa zwei Minuten ist es auch wieder gut. Für ein erstes Mal soll es reichen.

Wieder an Land stellt sich eine Glückseligkeit ein, die Haut kribbelt, die Sonne wärmt. Es ist fast unbeschreiblich. Ein junger Mann am Ufer hat uns beobachtet, ratscht mit uns. Und ist so nett, ein paar Erinnerungsfotos zu machen. Da sind wir also nochmal kurz rein ins Wasser und eine kleine Runde geschwommen. Gar nicht mehr so kalt! Schön. So klar. So leer. So nur unseres. Wieder an Land, werden wir von weiteren neugierigen Spaziergängern gefragt, ob wir das öfter machen. Andi und ich schauen uns an und sagen: „Ja!“.

Zum Abschied streichle ich das Wasser noch kurz. Schön war’s!


Er ist wieder da!

Irgendwie war nach dem Ende der Freibad-Saison bei mir bissl die Luft raus. Ich bin zwar nach wie vor schwimmen gegangen, aber so richtig viel Spaß machte es nicht immer. Manchmal hat es sich sogar so angefühlt, als „müsste“ ich schwimmen. Keine Ahnung, woran das lag. Dann war ich eine Woche im Urlaub, Rennradln. Zurück in München bin ich wieder schwimmen gegangen. War schön, aber die letzten 1000 Meter haben sich doch arg gezogen. Hm… Was tun? Weniger schwimmen? Habe ich danach gemacht. Und dann am Tag danach am Daumen verletzt, halb-offene Schürfwunde. Also mal lieber nicht schwimmen gehen. Traurig? Nicht wirklich.


Aber – jetzt kommt’s – heute MUSSTE ich gehen. Keine Ahnung, warum. Jedenfalls war ER wieder da. Der Flow! Yeah!Der linke Daumen hat ein Pflaster und eine Plastikhülle drüber. Fühlte sich anfangs komisch an. Ich hatte bissl Angst, dass die Konstruktion nicht hält. Aber nach ein paar Bahnen habe ich rausgefunden, wie ich das hinbekomme. Und dann lief’s!

Endlich wieder Flow. Endlich wieder strecken, Arm eintauchen, Wasser fühlen, Wasser fassen, ziehen, drücken – und vorankommen! Mal eine Schippe drauflegen, um am „Mitschwimmer“ in der Nachbarbahn vorbeizuziehen. Merken, dass Power im Körper ist. Fliegen, gleiten! Den Herzschlag spüren, tief einatmen. Anschlag. Wende. Delfin-Kick. Tauchen. Armzug. Herrlich!

Ich war endlich wieder im Flow. Der Kopf frei, die Arme und Beine machen das, was sie sollen. Ich denke nicht viel nach. Weder über die Schwimmtechnik, noch über sonstwas anderes. Einfach nur das Wasser spüren. Meine Kraft spüren. Und dazu teilweise allein auf der Bahn. Ein Traum in türkis!