Monatsarchiv: August 2015

See-Schwimmen besser als gedacht

Mein Blog heißt ja vor allem deshalb „Chlorhuhn“, weil ich am liebsten im Becken schwimme. Ich bin zwar am See groß geworden, aber See-Schwimmen war für mich immer eher „Gaudi“ als Sport. Bissl Oma-Brust, paar Meter raus – fertig. Kraulen hab ich zwar mal probiert, vor zwei Jahren oder so, aber irgendwie kam mir das komisch vor. Und da es keine Bahnen zu zählen gab, auch irgendwie fad. Ans andere Ufer schwimmen? Im Tegernsee viel zu weit.

Tegernsee – das heißt „der große See“.

Dann habe ich einen Radio-Beitrag mit Christof Wandratsch zum Thema Freiwasser-Schwimmen gemacht und mir Tipps geholt. Und siehe da: Es macht Spaß! Und es ist auch sportlich. Zusammen mit Lutz konnte ich einige Seen erkunden, doch auch allein habe ich ein paar Strecken gemeistert. Jetzt in Begleitung von „Paul“, meiner Boje. Da kann ich auch alleine bissl weiterschwimmen. Und was muss ich sagen? Das Bahnen-Zählen fehlt mir im Freiwasser gar nicht mehr. Ich schwimme Zug um Zug und merke nun auch, dass ich voran komme. Ich glaube, das ist bissl wie im Flugzeug. Wenn der Flieger nur über Wolken fliegt, hat man auch den Eindruck, nicht vom Fleck zu kommen. Und im See ist das auch so. Die Entfernungen sind einfach viel weiter als im Becken und gerade, wenn man ungeübt ist, hat man den Eindruck, dass sich nichts bewegt. Und bei mir schwang vor allem anfangs die Angst mit, dass ich es nicht schaffe.

Boje „Paul“ sagt, dass er ein Freund ist und nur von kompetenten Schwimmern benutzt werden darf – also von mir! *g

Doch wie so oft im Leben: Übung macht den Meister. Und wenn man sich mal drauf einlässt, gern auch in Gesellschaft, dann ist es eine wirklich schöne Erfahrung. Und das Beste: So macht der Sommer auch bei Hitze Spaß. Wenn die anderen das Freibad zum „Abkühlen“ missbrauchen.


Seen, Paul und eine Wasser-Melone

Ja, ich weiß! Wassermelone schreibt man ohne Strich! Aber: Nicht meckern, sondern lesen! Dazu später mehr …

Erstmal muss ich gestehen, dass das „Chlorhuhn“ seit einer Woche (!!) nicht im Chlorwasser war. Ja, sowas! Was ist passiert? Sommer ist passiert. Also Hochsommer. Und nein – das Becken ist nicht ausgetrocknet. Oder: Ich weiß es nicht. Ich war da nicht mehr. Es war vergangenen Mittwoch schon am Vormittag sowas von chaotisch in der Schwimmerbahn, dass ich daneben geschwommen bin. Es war echt einfacher, der Aqua-Joggerin auszuweichen als mit diesen „Schwimmern“ zu konkurrieren. Und weil ich vor allem deshalb schwimme, weil es entspannend und meditativ ist, bin ich dem Ärger aus dem Weg gegangen und habe das Freibad jetzt gemieden. Ziel: See!!! Bzw: Seen, Mehrzahl!

Nachdem ich mir ja von Christof Wandratsch Tipps zum Freiwasserschwimmen geholt habe, habe ich daran echt Spaß gefunden. Auch Lutz und sein 25-Seen-Projekt haben daran einen großen Anteil. Und nicht zu vergessen: Paul. Mein neuer Freund und treuer Begleiter.

Paul, die Boje

Paul, die Boje

Paul und ich waren im Lußsee „Test-Schwimmen“. Der Lußsee ist ein Baggersee im Nord-Westen von München, idyllisch zwischen den Autobahnen gelegen. Naja. Die Autobahnen sind quasi seine Eltern. Da braucht man eigentlich keine Boje, aber ich wollte Paul eben mal testen. Und es war toll. Er ist so, wie man sich einen Mann eigentlich wünscht: Da, wenn man ihn bräuchte – und ansonsten stört er nicht. Jammert auch nicht rum, schwimmt gern …

Petra mit Paul im Lußsee

Petra mit Paul im Lußsee

Nach dem erfolgreichen Test wurde Paul wieder in den Rucksack gepackt und es ging an den Tegernsee. Auf dem Heimatsee verkehren einige Boote, in der Bucht, in der ich immer schwimme, sind Stand-Up-Paddler unterwegs und Touris in E-Booten. Da ist es schon nicht schlecht, wenn man gesehen wird.

Tags drauf war ich dann mit meiner Schwester im Schliersee schwimmen. Paul war auch dabei. Nicht, dass er dann enttäuscht ist! Wir sind zur Insel geschwommen. Da war der Schliersee eigentlich noch recht ruhig, aber irgendwann wurde er „aufmüpfig“ und wellig. Ich habe direkt gemerkt, wie die Wellen an Paul zerrten.

Schliersee

Schliersee

Links im Bildrand ist die Insel zu sehen.

Links im Bildrand ist die Insel zu sehen.

Schwimm-Strecke im Schliersee

Schwimm-Strecke im Schliersee

Gestern war dann der Höhepunkt des Freiwasserschwimmsommers. Nummer 25 auf der Liste von Lutz war der Ammersee. Da wollte ich gerne mit. Und Paul auch, er war schon sehr aufgeregt. Sein erster „richtiger“ Einsatz! Und mit Begleitung – Lutz‘ Boje hat keinen Namen. Aber sie war auch dabei. Und Paul durfte sogar meinen kleinen Geldbeutel transportieren. Bisher hatten wir das Fach ja noch gar nicht benutzt.

Das Wetter war besser als es auf dem Bild aussieht. Die Landzunge im Hintergrund war unser Schiwmmziel.

Das Wetter war besser als es auf dem Bild aussieht. Die Landzunge im Hintergrund war unser Schiwmmziel.

Am Ammersee ging’s in Stegen los. Und los-„gehen“ trifft’s ganz gut. Es geht ewig im flachen Wasser dahin. Es war immerhin so tief, dass Paul bissl Kontakt mit dem angenehm warmen Wasser hatte. Irgendwann, kurz vor Herrsching (Scherz!) konnten wir dann endlich schwimmen. Ziel: Eine Landzunge im Süden. Lutz war nach dem Hunde-Erlebnis wieder mal super vorbereitet und hat die Entfernung auf zwei Kilometer berechnet. Das hat mir schon Respekt eingeflößt. Denn das heißt: vier Kilometer. Wir mussten ja wieder zurückschwimmen. Ich schwimme im Becken im Normalfall drei Kilometer, vier habe ich hin und wieder auch gemacht. Aber: Alle 50 Meter eine Wende, keine Strömung und ich kann einfach aufhören, wenn ich nimmer mag. Und jetzt halt nicht. Nach etwa einer halben Stunde schwimmen beratschlagen wir uns, was das Ziel sein könnte. Der Anlegesteg der Schifffahrt in Buch. Da könnte es wohl einen Kiosk oder so geben, bei dem wir eine Stärkung kaufen könnten. Obwohl ich gut gefrühstückt hatte, meldete sich der Hunger. Nicht schlimm – noch nicht. Wir kommen unserem Ziel näher – und was höre ich? Einen bellenden Hund! Ohje! Lutz sieht Leute im Wasser. Wir sind etwas „gebrannte Kinder“, schwimmen aber näher. Es sieht nicht nach Edel-Privat-Grund aus. Immerhin.

Unsere ungefähre Route im Ammersee

Unsere ungefähre Route im Ammersee

Eine Frau auf einer Schwimmnudel hört mich, dreht sich her und fragt: „Wer schnaubt da?“ Dabei lächelt sie freundlich. Ich sage nur „ich“, und sie sieht Lutz und mich an. Mit unseren Bojen, Kappen und Brillen sehen wir schon sportlich aus. In der naheliegenden Frage: „Woher kommt ihr denn?“ schwingt Respekt mit. „Aus Stegen“ lautet die Info und die Augen der beiden Frauen werden größer. „Wow“, kriegen sie grad noch raus. Ich frage, ob man da an Land gehen darf. Ja, aber es gebe keine Möglichkeit, dort etwas zu kaufen. Es ist ein Campingplatz, kein Kiosk weit und breit. Ich muss arg verhungert ausgesehen haben, denn sie fragt, ob sie uns ein Glas Wasser oder Melone bringen soll. „Das wäre ja unglaublich nett von Ihnen“, antworte ich. „Ach, am besten kommt ihr einfach mit rauf zum Camper.“ Lutz und ich wechseln ungläubige Blicke. Am Camper angekommen, werden uns Sitzplätze auf den Campingstühlen unterm Paraplui angeboten, die wir mit dem Hinweis auf nasse Badeklamotten dankend ablehnen. Außerdem ist uns kalt, so dass wir uns gern in die Sonne setzen. Die Frau, nach deren Namen wir leider gar nicht gefragt haben, verschwindet im Camper, bringt uns Wasser mit Sprudel (ohne hatten wir ja unterwegs genug), um dann sofort wieder reinzugehen. Dann kommt sie mit der versprochenen Wassermelone raus. Und ich sag euch was: Das war die beste Wassermelone der Welt. Sozusagen eine Wasser-Melone, denn sie füllt die Energiespeicher sanft auf, ohne später im Magen zu liegen. Wir müssen ja noch zurück!

Nach einem sehr netten Ratsch, vielen Danksagungen und ein paar warmen Sonnenstrahlen geht’s für uns zurück zum Ufer und ab auf den Heimweg. Ich habe davor auch wieder etwas Respekt. Vor allem, weil ich beim Schwimmen immer wieder äußerst hohe Wasserpflanzen unter mir gesehen habe. Zum Glück nur gesehen und nicht gefühlt.

Der Rückweg flutscht aber supergut. Ich fühle das Wasser, den Druck, habe zum ersten Mal wirklich das Gefühl, dass ich voran komme. Und so schwimme und schwimme und schwimme ich. Nach etwa einer Viertelstunde schaue ich mal auf meine Uhr. Schaue nach vorne. Doch noch ein ganzes Stückerl. Hin hatten wir mit Pause gut 50 Minuten gebraucht. Schaue zurück. Einiges geschafft. Lutz ist hinter mir. Ich warte, bis er wieder auf meiner Höhe ist. Sollte wirklich was passieren, wäre ein zu großer Abstand blöd. Zwischendrin schwimme ich auch immer mal wieder Brust, sogar „Oma-Brust“, um die Umgebung besser sehen zu können. Doch dann bekomme ich wieder Lust und kraule weiter. Es läuft wie am Schnürchen. Und anscheinend schwimme ich in einer anderen Linie, denn ich sehe keine einzige Wasserpflanze. Einzig eine Möwe, die erst schneller schwimmt, um dann doch wegzufliegen. Sie fühlte sich wohl gestört …

Irgendwann kommt auch das Ausflugsschiff wieder vorbei. Es ist zwar weit weg, aber irgendwann spüre ich seine breiten Wellen. Ich glaube, ich habe so ausgesehen wie die Enten, wenn sie auf den Wellen schaukeln. Und dann is auch schon das Ziel erreicht. Das Wasser ist so flach, dass ich beim Schwimmen Staub aufwirble. Deshalb beschließe ich, dass das Ziel jetzt erreicht ist. Ein Blick auf die Uhr: knapp 45 Minuten. Ein kaum merklicher Südwind hat uns heimgetrieben. Lediglich die Spitzen der Segelboote haben ihn verraten. Sie blickten uns entgegen, was heißt, dass der Wind von hinten kam.

An Land gab’s dann die mitgebrachte Brotzeit (Banane, Vollkornbrot, Bifi, Tomaten und Hefe-Nuss-Teilchen). Und weil das nicht genug war, sind wir noch in den Biergarten neben an. Da gab’s für mich Currywurst mit Pommers und für Lutz Obazdn und Breze. Und für jeden ein alkohlfreies Weißbier.

Wohl verdiente Currywurst nach gut vier Kilometer schwimmen!

Wohl verdiente Currywurst nach gut vier Kilometer schwimmen!

Das war echt ein wunderschöner Tag mit netten Ereignissen und der Erkenntnis, dass ich im Freiwasser vier Kilometer (mit Pause) schwimmen kann. Hätte ich nicht gedacht. Aber man wächst mit seinen Aufgaben. Ich will mehr!