365 Tage schwimmen

Das Jahr ist voll! Ich habe es tatsächlich geschafft, an 365 Tagen in Folge schwimmen zu gehen. Trotz Corona-Einschränkungen, schlechtem Wetter, überfülltem Bad und Revision. Aber: zu gewinnen gab’s nichts. Keine Fanfare, kein Tusch, kein Garnichts. 

Und es war auch nicht geplant. Ich nehme mir solche Dinge ja nicht vor, sie passieren unterwegs – wie die 50 Tage Wintersee in Folge. Ich wollte vergangenen Freibad-Sommer einfach jeden Tag nutzen (mit dem ganzen Corona-Zeugs und unseren Politikern wusste man ja nie) und nachdem ich an einem Tag mit dem Rennrad beruflich unterwegs war, habe ich den Badeanzug eingepackt, um auf dem Rückweg zumindest im See schwimmen zu können. Freibad hätte ich wahrscheinlich auch noch geschafft, aber das war mir zu stressig. Denn Spaß soll es ja trotzdem machen!

Und so ergab es sich, dass ich zum Ende der Freibad-Saison auf eine ziemlich lange Reihe von Folgetagen blicken konnte: von 17. April bis 30. September. Jetzt abbrechen? Irgendwie blöd. Und obwohl es im Sommer auch einige „Doppel“-Schwimmtage gab mit Schwimmen im Freibad UND im See, wollte ich das nicht als Argument nehmen. Jeder Tag ist jeder Tag.

Im November und Dezember schwebte das „Lockdown“-Schwert über mir, so dass ich vor allem zu Beginn der Winterschwimmsaison immer damit gerechnet habe, dass das Hallenbad doch geschlossen wird und ich auf den See ausweichen muss. Deshalb gab’s einige See-Einheiten. Und es war ja fast immer schön im See.

Richtig knifflig wurde es in den Weihnachtsferien: Das Wetter lud nicht gerade zu anderen Aktivitäten ein und in den Bädern galt eine Auslastungsgrenze von 25 Prozent. Beides führte dazu, dass es in der Olympiaschwimmhalle ab 10 Uhr vormittags im Becken voll und chaotisch wurde und ab Mittag gab’s nicht selten Einlass-Stopp. Also: Früh aufstehen, wer zumindest ein paar Meter in Ruhe schwimmen wollte. Und als ich an Weihnachten bei meinen Eltern war, gab’s gar kein Schwimmbad, nur den See. Allerdings bei windigem Nieselregen, also auch nicht gerade einladend. Aber da war mein „Projekt“ soweit fortgeschritten (über 200 Tage), dass ich nicht mehr abbrechen konnte!

Nicht gerade einladend war der Tegernsee an Weihnachten – aber es hilft nix!

Warum mache ich das? Das habe ich mich auch manchmal gefragt. Aber dann kamen einfach wieder so schöne Schwimmtage, an denen es besonders gut lief oder ich „meine Mitschwimmer“ in der Olympiaschwimmhalle getroffen habe, dass es einfach schön war. Da zu sein, seinem Hobby nachzugehen, Gleichgesinnte zu treffen und auch ein bisschen zu ratschen. Oder als im März fast einen Monat wegen Revision geschlossen war: Da war das Wetter richtig see-freundlich und so war ich fast jeden Tag im See schwimmen. Eigentlich dachte ich, dass ich auch mal andere Bäder teste, aber bis auf einen Ausflug zum Müllerschen Volksbad blieb ich im See. Es war einfach zu schön.

Stilvoll schwimmen im Müllerschen Volksbad

Und jetzt? Ist das Jahr schon seit einigen Tagen „voll“ und ich schwimme trotzdem weiter. Warum auch nicht? Es ist schön, ich fühle keinen Zwang, sondern Lust aufs Wasser. Außerdem steht die Freibad-Saison vor der Tür und wer mich ein bisschen kennt, weiß, dass das „meine“ Zeit ist. Und naja – irgendwann werde ich die Reihe wohl unterbrechen. Vielleicht steht ja mal ein Urlaub an und dann kann man auch mal was anderes machen. Muss man aber nicht …

So stelle ich mir das Freibad vor – ob es heuer tatsächlich so leer sein wird?


Winterschwimmen im April

Es war im März schon so schön sonnig und dann wurde es auch wärmer, so dass auch das Wasser im Regattabadesee etwas wärmer wurde. Einfach schön! Doch ich hatte noch das vergangene Jahr im Hinterkopf, als es nach einigen Frühlingswochen nochmal so richtig „greislig“ wurde, mit Wind, Schneeregen und einfach miesem Wetter. So war ich jetzt Anfang April auch nicht wirklich überrascht, als die vierwöchige Sonnenphase von einem Tief beendet wurde und es sogar schneite. Der Schnee blieb sogar liegen, allerdings fahrradfreundlich nur auf den Wiesen, Dächern und Autos und nicht auf der Straße.

Am Sonntag war ich schon auf dem Weg in die Olympiaschwimmhalle, weil es doch – anders als vorhergesagt – schneite. Nur leicht, aber naja, man weiß ja nie. Doch auf dem Radl merkte ich, dass es gar nicht schlimm war und hey – kommt da nicht die Sonne durch die Wolken? Soll ich nicht doch lieber zum See fahren? Aber da müsste ich doch nochmal umdrehen und den Rucksack etwas umpacken. So überlege ich beim Fahren und entschließe mich dann, doch zum See zu fahren. Also erstmal nach Hause, die See-Sachen einpacken, und wieder aufs Rad. Und dann schneit es wieder stärker. Ohmann! Weil ich aber auch meine Schwimmbrille ausgepackt habe (warum nur??), müsste ich jetzt wieder umdrehen. Nein, ich fahre jetzt zum See. Das wird schon nicht so schlimm und kalt sein, spreche ich mir Mut zu.

Als ich etwa drei Kilometer vom See entfernt bin, macht mein Rad komische Geräusche. Häh? Warum ist da so wenig Luft im Vorderreifen? Und während ich das noch denke, wird die Luft immer weniger: Ich habe einen Platten. Mist! Und jetzt? Vielleicht geht’s bis zum See? Nein, keine Chance. An einem der letzten Häuser werkelt ein Mann im Garten. Ich frage, ob er eine Luftpumpe hat (ich habe natürlich an dem Rad keine dabei). Er hat und wir pumpen. Allerdings sprudelt die Luft aus dem nassen Reifen fast gleich wieder raus. So ein Rollsplittsteinchen, das zum Streuen am Bahnübergang verwendet wurde, hat mir ein Loch in den Mantel und Schlauch gerissen. Mist. Die Luft hält zum Glück doch ein bisschen, so dass ich es bis zum See schaffe. Ohmann!

Auf dem Steg und den Wiesen liegt richtig viel Schnee – das Wasser ist relativ warm!

Und hier ist es auch richtig winterlich, so habe ich es heuer nicht erlebt (weil ich ja im Hallenbad war). Ich zweifle jetzt noch mehr, ob das mit dem See so eine gute Idee war. Aber naja, jetzt bin ich hier, also will ich auch schwimmen. Es ist auch etwas kalt, als ich mich ausgezogen habe. Ich schätze mal, dass es so 3 bis 4 Grad an Land sind. Als ich ins Wasser gehe, bin ich verwundert. Denn das fühlt sich „warm“ an! Klar, es hat noch immer 7 Grad. Das ist natürlich nicht „warm“, aber in meiner Erinnerung und Erfahrung heißt Schnee an Land, dass das Wasser unter 5 Grad kalt ist. Und das merkt man. Aber so ist es recht angenehm und „passt“ nicht ganz zur Winterlandschaft.

Das Schwimmen ist dann auch sehr schön, es ist hier in der Bucht windstill, die Schneeflocken haben auch wieder aufgehört und die Sonne spielt mit den Wolken verstecken. Ich genieße meinen kleinen Schwimmausflug und die winterliche Idylle am See.

Zurück an Land ist mir dann doch wieder etwas kalt, aber das ist nicht schlimm.

Und auch das Problem mit dem Rad hat sich gelöst. Ein Schwimmfreund mit Luftpumpe konnte leider nichts ausrichten, dafür war das Loch zu groß. Aber ein anderer Schwimmer war mit dem Auto da und hat sich als Transport angeboten. Also kann ich nur sagen: Das schöne Schwimmen war den Ausflug wert. Und es ist sehr schön zu erfahren, dass es hilfsbereite Menschen um mich herum gibt.


See-Genuss

Das Wasser im See ist für mich jetzt schon angenehm warm. Auf dem Thermometer sind es etwa 10 Grad, doch mit der warmen, windstillen Luft, dem blauen Himmel und Sonnenschein fühlt es sich schon richtig gut an. Vor allem, dass die Finger nicht sofort steif werden, trägt zum Genuss bei. Auch sind die Schwimmbewegungen wieder runder und ruhiger, der Puls bleibt im Normalbereich. Kurz: mein Körper schaltet nicht sofort in den Panikmodus.

Ich glaube auch, dass ich das Schwimmen vor allem deshalb so genießen kann, weil ich Anfang März bei richtig kaltem Wasser, zum Teil mit etwas Eis am Rand, wieder mit den regelmäßigen See-Ausflügen begonnen habe. Da war der Himmel zwar auch blau, aber die Luft war kalt, dazu kam ein kalter Ostwind. Und das Wasser hatte eher 3 als 5 Grad. Da war es schon eine Überwindung, die Hände einzutauchen und als ich mit dem ganzen Körper unter Wasser war, haben sich der Puls und die Atemfrequenz erhöht. Das ist jetzt ganz anders. Es ist natürlich noch kalt, aber in einem Bereich, den mein Körper gut tolerieren kann. Ich genieße das Schwimmen. Es ist kein „ok, bis dahin schaffe ich es, dann darf ich umdrehen“ – sondern eher: „wie weit kann ich es schaffen?“ und ein „aber nicht übertreiben, es ist ja nach wie vor kalt“. Und das finde ich schön.

So schön sieht es am See aus – und es ist auch schön warm!

So habe ich in den vergangenen drei Tagen meine Uhr mitgenommen und meine Schwimmstrecke immer etwas verlängert: erst gut sechs Minuten, dann acht und heute waren es fast 10 Minuten! An Land muss ich mich natürlich trotzdem fix ins Handtuch wickeln und umziehen, aber es ist nicht so „dringend“ wie noch vor zwei Wochen. Denn zum einen sind meine Finger beweglich geblieben, zum anderen weht kein Wind und an der Hütte ist es schön warm.

Nach dem Schwimmen ist mir dann schon kalt, aber nicht schlimm. Kein Zittern, kein enormes Frieren. Es ist halt so, dass meine Hände „von außen“ kalt sind und ich froh bin, dass ich meine Klamotten wieder angezogen habe und mich auf die Sonne freue. Aber alles in einem guten Rahmen.

Und es gibt noch einen Grund, warum ich das Schwimmen im See genießen kann. Ich „muss“ nicht im See schwimmen. Denn anders als vergangenes Jahr, als die Bäder von November bis Mai geschlossen waren, kann ich jederzeit auch ins Hallenbad gehen und da „richtig“ schwimmen. Das finde ich auch sehr schön.

Ein Herz für Winterschwimmer!

See-Revival dank Oly-Revision

Ich muss zugeben, dass ich entsetzt war, als ich das Schild an der Olympiaschwimmhalle mit den Revisionszeiten gesehen habe: drei Wochen geschlossen und das im Winter. „Das kann man doch auch in den Sommerferien machen, wenn die Freibäder geöffnet sind“, war mein Gedanke. Ja, freilich – es sind alle anderen Bäder in München offen und drei Wochen sind nicht die Welt. Trotzdem fand ich es blöd.

Wie können die nur?!?

Je näher der „letzte“ Tag rückte, desto mehr wollte ich unbedingt alles noch nutzen. Irgendwie ist dieses Gefühl seit dem ersten Lockdown vor zwei Jahren geblieben. Dieses „wer weiß, wann es wieder geht“.

Doch dann reifte in mir der Plan, die Zeit nicht zu verfluchen, sondern zu nutzen. Und zwar am See. Denn den hatte ich stark vernachlässigt, jeder Windhauch wurde zu einem Sturm deklariert, um als Ausrede herzuhalten, dass ich jetzt doch besser im Hallenbad „richtig“ schwimme. Und oft habe ich mich dann gefragt, wie ich das vergangenes Jahr aushalten konnte, bei kaltem und scheußlichem Wetter zum See zu fahren, mich auszuziehen und dann auch noch zu schwimmen. Die Antwort: Weil ich keine Alternative hatte.

Jetzt war es gefühlt auch so – bzw. waren die Alternativen nicht so vielversprechend. Eine 50-Meter-Bahn im Dante, dazu aber warmes Wasser oder kürzere Bahnen in kleineren Bädern? Mit womöglich vielen Mitschwimmern? Mein Gehirn kann ganz toll Horrorszenarien basteln! Deshalb habe ich mir gedacht, dass ich dann lieber zum See radle.

Gesagt – getan! In der ersten Revisionswoche waren nämlich auch noch Faschingsferien, also Horrorhochzehn … haha… zumindest in meinem Horrorhirn. Und während es im Januar fast schon sommerlich warm war, gab’s gleich mal in der Nacht zum Rosenmontag Frost, am Vormittag, als ich geschwommen bin, waren es nur wenige Grad über Null. Und das Wasser war kalt. So kalt, dass ich das Gefühl hatte, mein Körper vibriert beim Schwimmen. Aber es war schön.

Oben das Bild vom 28. Februar 2022 – unten ein Jahr zuvor

Und so bin ich dann die ganze Woche zum See geradelt, obwohl es dank eines Hochs zwar schönen blauen Himmel mit Sonne gab, dafür aber kalten Ostwind und dank Nachtfrösten blieb das Wasser kalt, es gab sogar am Rand eine kleine Eisschicht. Aber ich war dann in meiner Routine und konnte das Schwimmen genießen. Und ich habe festgestellt, dass es für mich schon einen Unterschied macht, ob ich jeden Tag im See schwimme oder nur einmal pro Woche. Das Reingehen fällt mir schon lange nicht mehr schwer, aber es ist „natürlicher“, wenn ich es täglich mache.

An der Halbinsel war am 3. März etwas Eis – leider hat es nicht geklirrt, als ich vorbeigeschwommen bin.

In der 2. Woche ohne Oly war es montags bewölkt, ein kalter Wind pfiff und ich dachte, dass ich dann ja mal das Dante-Winterbad testen könnte. Zum einen sollte wegen des Wetters nicht zu warm sein, zum anderen hoffte ich auf weniger Mitschwimmer. Es waren tatsächlich nicht sehr viele Menschen da, aber das Wasser war trotz des kalten Windes zu warm. Ich hatte das Gefühl, dass ich gar nicht richtig schwimmen kann. Deshalb bin ich dann am Dienstag wieder zum See geradelt. Die Sonne schien, der Ostwind hat geweht, ich bin trotzdem vier bis fünf Minuten geschwommen. Und es war sehr schön.

In Woche drei wurde es am Montag plötzlich warm: Das Hoch war abgezogen, ein Tief brachte warme Luft aus dem Süden. Darauf war ich nicht so vorbereitet und deshalb war mir beim Radln ganz schön warm – ich war fast froh, als ich in den See gehen konnte. Am Mittwoch hatte ich es dann komplett falsch eingeschätzt: An der Hauswand daheim hatte es 7 Grad, also viel wärmer als in den beiden Wochen zuvor – da muss ich mich nicht so warm einpacken. Und das war komplett falsch. Denn diese 7 Grad waren bei Wolken und mit einer höheren Luftfeuchtigkeit ganz schön kalt. Da waren die 1-2 Grad plus mit dieser extrem trockenen Hochdruckluft wärmer. Erstaunlich!

Mein Thermometer hatte ich in der ganzen Zeit nur einmal dabei. Es zeigt bei Sonnenschein nicht die wirkliche Wassertemperatur an, wenn ich es hinter mir herziehe. Denn dann scheint die Sonne drauf… am Samstag habe ich es aber mitgenommen, weil mich interessiert hat, ob das Wasser schon wärmer geworden ist. Wegen des Windes konnte ich es nämlich nicht wirklich einschätzen. Es hatte sich schon so angefühlt, als wäre es über 5 Grad, aber weil beim Schwimmen doch immer ein leichter Wind die Oberfläche und mich gestriffen hat, war es schwer zuzuordnen. Am Samstag habe ich das Thermometer dann im Schatten unter dem Steg befestigt und es zeigte 7 Grad. Das kommt ganz gut hin.

Und weil ich ja vergangenes Jahr im Februar und März jeden Tag schwimmen war, kann ich direkt vergleichen. Zum Frühlingsanfang (letztes Jahr am 21. März, heuer am 20.) war das Wetter zum Beispiel eher winterlich und so kalt, dass meine Thermometerschnur angefroren war. Ganz anders heuer: Es war zwischendurch windstill, die Sonne scheint und hat schon einiges an Kraft, so dass ich gute fünf Minuten geschwommen bin und mir danach auch nicht kalt war.

Oben sieht man das Wetter 2022, unten die Bilder vom Frühlingsanfang 2021 – inklusive angefrorener Thermometerschnur

Wenn ich nur im Hallenbad schwimme, weiß ich nach einem Jahr nicht mehr, wie das Wetter war. Es ist natürlich ein großes Glück, dass das Wetter in den drei Wochen Revision gut war. So habe ich diese Chance genutzt und habe das See-Schwimmen wirklich genossen. Mal sehen, wie das wird, wenn die Olympiaschwimmhalle wieder öffnet – und ich im Zwiespalt bin zwischen See-Sonne und „richtigem“ Schwimmen. Vielleicht bekomme ich es mal mit einer „gesunden“ Mischung hin?

Für die Chronisten gibt’s auch noch eine Zahl: Bei den Schwimmtagen in Folge bin ich inzwischen bei 337 angelangt!

Am Mittwoch waren noch Reste des Saharastaubs in der Luft und sogar im Wasser waren die Steine in Ufernähe gelb!

Stilvolles Schwimmen

Beim Schwimmen mit Stil denkt man wohl in erster Linie an den Schwimmstil. Ich war heute aber besonders stilvoll schwimmen – in einem anderen Sinne. Denn ich war im Müllerschen Volksbad in München. Warum? Weil mein „Heimatbad“ im Winter, die Olympiaschwimmhalle, gerade kein Wasser im Becken hat. Es ist mal wieder Revision.

Kein Wasser im Oly – es ist Revision.

Da habe ich die Gelegenheit genutzt und das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden. Ein Termin direkt in der Nachbarschaft des Volksbads brachte mich auf den Gedanken, dass ich ja dort schwimmen könnte. Wobei mir von Anfang an klar war, dass das kein sportliches Unternehmen wird. Denn das „Müllersche Volksbad“ ist kein Sportbad. Es ist ein Jugendstilbad, das damals größte und teuerste Hallenbad der Welt und das erste öffentliche Bad in München. Eröffnet wurde es 1901, finanziert mit einer Spende des Münchner Ingenieurs Karl Müller an die Stadt München, verbunden mit der Auflage, ein Bad für das „unbemittelte Volk“ zu errichten. Wikipedia schreibt: „Das Bad zählt mit seiner Architektur und Innenausstattung zu den schönsten Badehäusern Europas.“ Und ja, das stimmt!

Was für ein Schwimmbadeingang! Ich bin beeindruckt.

Schon vor dem Bad bin ich beeindruckt, fühle mich fast wie in einer anderen Zeit und anderen Stadt. Aber als ich dann das Gebäude betrete, bin ich tatsächlich „woanders“. Allein die Schrift an der Wand, die Atmosphäre, die Treppen, die hölzernen Umkleideschränke auf der Galerie – herrlich! Mit Blick auf das Schwimmbecken.

Wer Jugendstil mag, fühlt sich hier im Himmel

Es gibt zwei Schwimmbecken: das größere mit 30 Metern Länge und zwei „Schwimmerbahnen“, das ist das ehemalige Herrenbecken. Hier werde ich schwimmen. So beeindruckt ich von der Umgebung bin, so skeptisch bin ich, wie das Schwimmen klappen wird. Denn die „Leinen“ sind zwei Schnüre mit Perlen dran und das Becken ist kein modernes Überlaufbecken, so dass das Wasser recht wellig ist. Und das Beste: An einem Beckenrand ist eine Art Massage-Wasserfall. Der rührt das Wasser zusätzlich auf. Die Wand ist hier auch nicht eben, sondern hat einen kleinen Vorsprung. Zum Wenden nicht so ideal.

Das „Herren“-Becken mit den zwei Schwimmerbahnen. Den Wasserfall sieht man nicht, er versteckt sich unter der Brüstung.

Ich muss mich also erstmal ein paar Bahnen lang orientieren und eingewöhnen. Und ich denke die ganze Zeit, dass mir das bekannt vorkommt: Im Szechenyibad in Budapest war die Bahn zwar 50 Meter lang, aber dafür musste man an der Treppe wenden.

Ebenfalls ein sehr schönes Jugendstilbad: Szechenyibad in Budapest.

Die Mitschwimmer – auch auf den beiden Bahnen – waren auch nicht wirklich sportlich unterwegs. Eher gemütlich, anfangs war ich sogar die einzige, die gekrault ist. Es geht eher gemütlich zu, so dass ich anfangs fast ein schlechtes Gewissen habe, dass ich „schnell“ schwimme. Natürlich bin ich rücksichtsvoll, die breite Bahn hilft hier enorm, auch weitausholende Rückenschwimmermänner zu überholen. Und noch etwas fällt mir auf: Die gemütlichen Schwimmer sind sehr rücksichtsvoll und „sportlicher“ im Umgang als so mancher „Sportschwimmer“ in der Olympiaschwimmhalle oder im Dantebad. Es ist also ein sehr entspanntes Schwimmen, sowohl wegen meiner inneren Einstellung als auch wegen der anderen. Allerdings weiß ich jetzt auch die Olympiaschwimmhalle noch mehr zu schätzen. Denn wenn man sportlich schwimmen will, ist das schon ein großer Luxus!

Das etwas kleinere „Damen“-Becken im Müllerschen Volksbad

Für einen kleinen Ausflug in eine andere Welt und eine andere Zeit kann ich das Müllersche Volksbad aber durchaus empfehlen. Es ist einfach sehr stilvoll.

Es sind Details wie dieses Waschbecken, die das Müllersche Volksbad zu etwas ganz Besonderem machen!

Und es hat mich noch an ein anderes Bad erinnert: Das Yrjönkadunuimahalli in Helsinki. Da war ich nicht schwimmen, aber ich durfte einen Blick aufs Becken werfen. Es ist etwas „eckiger“ als das Müllersche Volksbad, aber durchaus ähnlich. Hier gibt’s nur ein Schwimmbecken – und unterschiedliche Tage für Männer und Frauen zum Schwimmen. Bis 2001 (!) war das Bad in Helsinki nämlich ein reines Nacktbade-Bad. Jetzt ist Badekleidung „erlaubt“, aber wohl keine Pflicht.

Ähnlich wie in München: Die Yrjönkadunuimahalli in Helsinki – sogar mit Wellenbrecherleinen!

Kaltes Wasser ist kaltes Wasser

Ja, wenn die Schwimmbäder geöffnet sind, ist das Chlorhuhn tatsächlich fast nur im Chlorwasser und kaum am See. Irgendwie finde ich das auch schade. Deshalb versuche ich zumindest hin und wieder, auch im See zu schwimmen. Heute wurde ich schon von einem strahlend blauen Himmel geweckt, die Sonne scheint, es ist windstill und obwohl die Nacht frostig war, ist es nicht wirklich kalt. Und da spüre ich es wieder: dieses Kribbeln, diese Ungeduld: Ich.Muss.Zum.See! Jawollja. Es ist nämlich das perfekte Wetter. Und so bin ich mal wieder voller Vorfreude und weiß auch, dass ich das Hallenbad heute nicht vermissen werde. Ich packe meine Siebensachen und schwinge mich aufs Radl.

Beim Radln wird mir dann erstaunlicherweise schon recht warm, die Sonne hat die Luft schon am Vormittag etwas schneller erwärmt als von mir eingeschätzt. Ich denke zurück an den vergangenen Winter: Da lag im Februar Schnee. Nicht die ganze Zeit, aber immer mal wieder. Heuer zum Glück nicht, ich kann ganz entspannt radln, es ist nicht glatt. Und nachdem mir recht warm ist, freue ich mich sehr auf den See.

Mein letztes Mal schwimmen im See war am Freitag vor einer Woche. Mein Mitschwimmer hatte spontan mittags Zeit und so haben wir die Gelegenheit genutzt. Leider war es bewölkt und leicht windig. Das Wasser hatte wohl so 5 bis 6 Grad, es war natürlich kalt, aber es hat sich nicht so schlimm angefühlt.

So war es am Freitag vor einer Woche

Mit diesem Eindruck bin ich heute am See. Und was sehe ich? In der Bucht rechts ist eine Eisschicht! Sie muss ganz dünn sein, denn tagsüber war es gestern sehr windig und auch recht warm. Mein Mitschwimmer bestätigt den Verdacht: „Gestern um 16.30 Uhr war das noch nicht da!“ Wir stehen in Badeklamotten am Ufer, die Sonne scheint und wärmt und so können wir tatsächlich noch ein bisschen ratschen, bevor es ernst wird.

Da hinten ist eine Eisschicht!

Ich gehe rein und merke, dass das Wasser kalt ist. Hart und kalt – wie Eiswasser eben. Das Untertauchen kostet mich ziemlich viel Überwindung, ich versuche ruhig zu bleiben und vor allem ruhig zu atmen. Ich mache mich darauf gefasst, dass es kalt ist und tauche unter. „Ruhig bleiben, alles gut„, sage ich mir und schwimme ganz langsam los. Ich bin total auf mich fokussiert und schwimme zur Birke. Das Ziel ist das Ende dieser Halbinsel, denn dahinter fängt das Eis an. Bis zur „Zweieinhalbminuten“-Bank komme ich nicht, denn hier ist Schluss. Weil aber dünnes Eis so schön klirrt und klingt, wenn meine Miniwellen daruntertauchen, wollte ich hierher schwimmen. Ich bleibe sogar kurz stehen und lausche. Herrlich. Aber auch: eiskalt! Wenn das Wasser so kalt und hart ist, habe ich immer den Eindruck, dass mein Körper vibriert. Die Hände tun weh von der Kälte, die Füße sind einfach nur kalt, da macht es mir fast nichts aus. Ich bin außerdem schon auf dem Rückweg, die Sonne scheint, schafft es aber nicht, meinen Rücken in dem Eiswasser zu erreichen. Wenn es nicht so kalt ist, spüre ich die Sonnenstrahlen auf der Haut unter Wasser; heute fühle ich gar nichts.

Mein Mitschwimmer ist in die andere Richtung geschwommen. Er meinte beim Reingehen noch, dass er wohl keine Minute aushalten wird; er war im November das letzte Mal mit mir im See. Und dann ist er doch noch im Wasser, als ich zurückkomme. Gemeinsam gehen wir raus, lachen und freuen uns. Denn es ist natürlich kalt und fast schmerzhaft, aber es ist auch wunderschön!

Und als wir wieder aufgewärmt sind, müssen wir noch ein Foto machen. Denn genau vor einem Jahr, am 13. Februar 2021, war der kälteste Tag, an dem ich schwimmen war. Nachts hatte es minus 10 oder sogar minus 12 Grad, die Höchsttemperatur war – 1 Grad! Und am Ufer und auf dem Steg war eine dicke Schneedecke. Geschwommen sind wir Winterschwimmer trotzdem – und weil meine Thermometerschnur binnen Minuten stocksteif gefroren war, haben wir das fotografiert. Heuer ist es anders, ein leichter Wind kommt auf und wedelt die Schnur sanft hin und her.

Heuer und vor einem Jahr – unterschiedlicher könnte das Wetter nicht sein!

Und als ich noch so sinniere, wie das Schwimmen vergangenes Jahr an diesem Eistag war, denke ich, dass das Wasser mit 3 Grad wohl genauso kalt war wie heute. Und dass es nur an Land anders war. Im Wasser war’s letztes Jahr kalt und heute auch. Und schön war es auch – letztes Jahr und überhaupt!

Der Wetterkalender zeigt auch, dass es vergangenes Jahr sehr kalt war. (bei den absoluten Werten stimmen die Angaben offensichtlich nicht)

Übrigens sind es inzwischen über 300 Tage in Folge, an denen ich schwimmen war (See und Bad).


Motivationstipps für die Schnecke

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr im Wasser nicht von der Stelle zu kommen scheint? Wenn jeder Zug ins Leere greift und einfach nur frustrierend ist? Ich hatte kürzlich so einen Tag. Ich war ehrlich gesagt auch nicht wirklich bei der Sache und so bin ich wohl auch geschwommen. Irgendwie im Wasser rumgeplanscht, frustriert, dass es nicht vorangeht und auch genervt, weil ich so ein Gedankenkarussell im Kopf hatte (und das ohne bestimmten Grund, eher so diffus) und naja. Einfach doof. Und dann war in der Schwimmhalle auch noch relativ viel los, so dass mein Plan, dass ich meditativ etwas abschalten kann, auch ins Wasser gefallen ist.

So langsam wie eine Schnecke habe ich mich gefühlt …

Ich rudere also so durch die Wellen und bin mit ein paar echt guten Schwimmern auf der Bahn. Hier ist es ordentlich, obwohl überholt wird. Leider wird mein Schwimmen auch nach den ersten 500 Metern nicht besser und dann überholt mich auch noch ein Mädel (korrekt wäre wohl „junge Frau“), die nur „Beine“ schwimmt. Sie stand nämlich mit ihrem Brett noch am Beckenrand und ein Blickkontakt signalisiert mir beim Wenden, dass ich gern weiterschwimmen kann. Und meistens ist es ja so, dass „Beine schwimmen“ nicht so besonders schnell ist, zumindest ohne Flossen. Aber am anderen Ende der Bahn, nach 50 Metern, war sie da. Da war meine Motivation dann ziemlich im Keller.

Ich habe dann eine kurze Pause gemacht. Das hilft immer. Sich sammeln, nachdenken, runterkommen und überlegen, wie man weitermacht. Einfach neu anfangen. Während meiner Pause war noch ein anderer, sehr guter Schwimmer, am Beckenrand. Weil ich wohl etwas „unschlüssig“ aussah, meinte er, dass er grad Pause macht (und ich also starten könnte). Ich sagte nur so, dass ich jetzt auch erstmal Pause machen muss, weil ich mich nicht nur sehr langsam fühle, sondern auch noch von einer „Beineschwimmerin“ überholt wurde. Da meinte er nur, dass ich mir nichts daraus machen soll und einfach auf die Uhr und nicht auf die Mitschwimmer achten soll. Das fand ich voll nett! Dass er mich motiviert hat. (Ich meine, der hat ja auch gesehen, wie ich schwimme…). Und etwas später kam noch die Freundin einer Freundin, die auch meinte, dass ich mir nichts daraus machen soll und mich einfach wieder auf mich fokussieren soll. Oder mir langsamere Schwimmer zur Orientierung suchen könnte.

Nach meiner kleinen Pause und den sehr netten (und überhaupt nicht arroganten oder überheblichen) Tipps der Mitschwimmer war ich auch wieder geerdet und dachte mir, dass ich jetzt einfach 500 Meter schwimme und schaue, was passiert. Und was soll ich sagen? Die Wasserlage war viel besser, jeder Zug hat Sinn ergeben und mich nach vorne gebracht. Es war jetzt nicht unbedingt wie fliegen, aber es lief wieder runder. Und ich war auch mit dem Kopf mehr bei der Sache. Ich war sozusagen mit Kopf und Körper im Wasser. Das war sehr schön. Aber am meisten hat mich die Aufmunterung durch die beiden Schwimmer gefreut. Nachdem mein Tag nämlich insgesamt etwas trist war, tat das auch richtig gut.


Sonniges Winterschwimmen

Nach dem warmen Jahreswechsel ist es jetzt wieder kälter geworden. In der Nacht hatte es oft Frost und meist Nebel. Als ich da vormittags in die Olympiaschwimmhalle geradelt bin, dachte ich mir oft: Krass, dass du letztes Jahr bei diesen Temperaturen und bei so einem Wetter (und manchmal noch viel schlechterem Wetter!) zum See geradelt bist und geschwommen bist. Und jetzt? Bin ich froh, dass die Strecke ins „Oly“ nicht mal halb so lang ist wie zum See und dass ich im Warmen schwimmen kann. Wenn es aber keine andere Möglichkeit gibt, so wie letztes Jahr im langen Novemberlockdown, dann kann ich ganz schön hart sein, habe ich festgestellt. (Und naja, das weiß ich ja schon: Ich bin ein Chlorhuhn und schwimme so oft es geht im Chlorwasser; ist im Sommer ja ähnlich).

Heute Nacht war es sternenklar, der Fast-Vollmond hat vom dunkelblauen Himmel geleuchtet und irgendwer hat die Gefrierschranktür offen gelassen. Oder einfacher gesagt: Es war kalt! Frost, an der Hauswand minus 3 Grad, da kann man sich ja ausrechnen, wie kalt es in „echt“ war. Aber: Es ist auch schön und die Sonne scheint schon morgens, sie muss nicht erst gegen den Nebel ankämpfen. Und so ist sie dann auch in der Lage, etwas Wärme zu verbreiten.

Ich will heute kein „Mätämuna“ – Weichei – sein und drinnen schwimmen. Nein, heute ist ein guter Tag zum Eisschwimmen. Ich kann erst mittags los, da ist es auch schon etwa zwei bis vier Grad plus. Es weht auch kein Wind, also prima Bedingungen.

„Normalerweise“ ist die Sonne links vom Steg, aber wer zu spät kommt, findet sie rechts davon …

Am See steht die Sonne „falsch“, sie ist schon weitergerückt. Das ist seltsam und auch, dass doch einige Menschen da sind. Vormittags bin ich ja meist allein da und genieße die Ruhe. Doch die Sonnengenießer sind sehr ruhig und auch nett, als wir später ratschen. Die Luft ist um einiges kälter als an Silvester und Neujahr, deshalb kommt mir das Wasser gar nicht so kalt vor. Es ist sogar ziemlich einfach zum Reingehen (ich war seit 12 Tagen nicht im See). Die Sonne scheint mir ins Gesicht, das Wasser ist kalt und klar (drei Grad), ich tauche unter und kann gleich losschwimmen. Kein Kälteschock, ich merke aber, wie sich mein Körper anpasst. Das Schwimmen fühlt sich auch richtig schön an. Kein „ichwillsofortraushier“, sondern eher „wowichdarfabernichtzuweitschwimmen“. Und so kann ich mit ruhigen Brustzügen am Ufer entlangschwimmen, an der Eine-Minute-Birke vorbei, ans Ende der Zwei-Minuten-Halbinsel und bis zur Zwei-ein-halb-Minuten-Bank am Ufer. Dann drehe ich um, weil erstens in der Drei-Minuten-Bucht Schatten ist, zum anderen weil ich merke, dass das Wasser kalt ist und ich natürlich noch zurück zum Steg muss. Nicht übertreiben, das habe ich mir ja vorgenommen. Und so schwimme ich mit der Sonne im Rücken zurück zum Steg, die Kälte ist jetzt in den Händen und Füßen deutlich zu spüren. Ich versuche weiterhin, eine Faust zu machen, damit die Finger beweglich bleiben. Aber ich merke auch, dass das nicht mehr so ganz leicht geht. Und dann bin ich schon am Steg, die Strecke war genau richtig.

Rausgehen ist auch schön, weil es wie erwähnt windstill ist und die Sonne tatsächlich etwas wärmt. Oder ich bilde es mir ein, egal – es ist schön. Umziehen klappt prima, die Holzwand an der Hütte ist durch die Sonnenstrahlen schön warm und ich kann meine Finger auch noch bewegen. Als ich angezogen bin und mit der Frau ratsche (die mich natürlich bewundert hat für meinen Mut ;-)), spüre ich die Kaltwelle durch meinen Körper rauschen. Herrlich! So ein richtig erhebendes Gefühl! Wenn es zu kalt ist, kann ich das gar nicht wahrnehmen, weil ich dann so ausgefroren bin und sofort zittere, da geht diese Welle irgendwie unter. Aber jetzt: einfach nur toll!

Das Zittern kam dann ein bisschen später, aber es ist nicht schlimm, weil mich mein Tee und die Sonne wärmen. Und der Ratsch mit der Frau ist sehr angenehm. Sie hat es sich mit einem Campingstuhl, Buch und Wolldecke auf der Terrasse der DLRG-Hütte gemütlich gemacht, es ist aber trotzdem genug Platz für mich in der Sonne. Sie erzählt mir dann, dass ihr Mann und sie den Ort hier als „Kanada“ bezeichnen. Ich muss lachen und sage, dass es für mich auch in Finnland sein könnte. Eine Hütte am See, bisschen schwimmen, die Sonne und Ruhe genießen – deshalb mag ich das hier so gerne.

Es war heute jedenfalls die richtige Entscheidung, im See zu schwimmen. Das Wasser war trotz Kälte angenehm, die Gesellschaft war schön und dazu die Sonne – einfach perfekt. Ich muss ja nicht bei jedem Sauwetter zum See fahren, wenn die Hallenbäder geöffnet sind. Aber dafür muss ich ja auch nicht bei schönstem Sonnenschein immer ins Schwimmbad gehen, sondern kann mich auch mal mit fünf Minuten Winterschwimmen zufriedengeben.


Jahresbilanz 2021

Auch in einem verrückten Jahr ist vieles gleich: Weihnachten fällt auf den 24. Dezember, das Jahr hat am 1. Januar angefangen und endet am 31. Dezember. Und deshalb gibt’s auch heute einen Rückblick auf das „Jahr im Wasser“, denn das war es ja trotz Corona.

Die Schwimmbäder waren im „November-Lockdown“ ja bis 20. Mai geschlossen, doch der See war meist geöffnet. Und weil ich ja ein bisschen verrückt bin, war ich im Winter fast jeden Tag schwimmen. Im Februar und März war ich tatsächlich JEDEN Tag im See – ich wollte 50 Tage in Folge schaffen, es waren dann 61. Und nach einem Tief im April, als das Wetter eigentlich besser werden sollte, es aber nicht tat, ging’s fröhlich weiter. Und so kann ich heute, am 31. Dezember, stolz auf 258 Tage in Folge blicken, an denen ich schwimmen war; zum Teil im See, zum Teil im Freibad und an ganz verrückten Tagen sogar im See UND im Freibad.

Diese Reihe wollte ich auch an Weihnachten nicht unterbrechen und deshalb war ich bei Nieselregen im Tegernsee schwimmen. Das war hart und verrückt, aber wenn ich ein Ziel habe, dann kann ich ziemlich hartnäckig sein. Wäre ich nicht schwimmen gegangen, wäre die Reihe unterbrochen. Und so läuft es weiter und wer weiß, vielleicht kann ich am 16. April auf den Kalender schauen und sagen, dass ich ein Jahr jeden Tag schwimmen war? Das will ich nicht so leicht aufs Spiel setzen.

Das Wetter war nicht wirklich einladend und das Wasser kalt. Als ich mit dem Schwimmen fertig war, war’s doch irgendwie schön …

Zum Glück durften aber am 21. Mai die Freibäder öffnen und auch die Hallenbadsaison konnte ich ab Oktober einläuten. In der Olympiaschwimmhalle sind die Bahnen wieder normal geleint, also keine „Corona-Doppelbahnen“, so dass das Schwimmen wieder gut und meist problemlos erfolgen kann. Kurz sah es mal so aus, als müssten die Bäder schließen, doch das konnte zum Glück abgewendet werden. Ob da jetzt die Maßnahmen der Politik oder die Dynamik der Pandemie einen größeren Anteil haben, weiß ich nicht. Klar, das Testen ist nervig (zumal eh nur Geimpfte und Genese rein dürfen), aber ganz praktisch ist die Auslastungsanzeige.

573 Kilometer sind im Schwimmbecken zusammengekommen. Für ein Corona-Jahr, in dem die Bäder erst Mitte Mai öffnen konnten, also nur gut sieben Monate Chlorwasser zur Verfügung stand, gar nicht mal so schlecht. Und oft konnte ich in Ruhe schwimmen. Entweder, weil ich Glück hatte und wenige Leute im Bad waren oder weil ich Glück mit den Mitschwimmern hatte. Die Weihnachtsferien jetzt zum Jahresende haben allerdings vieles auf den Kopf gestellt, denn ohne Schnee und bei oft miesem Wetter wollten ALLE ins Hallenbad – dementsprechend voll war es die letzten Tage – und jeden Tag ein bisschen mehr.

Deshalb gab’s heute zum Jahresabschluss einen genialen Plan: Meine Freundin Diana und ich sind zum See geradelt. Das Wetter ist fast schon frühlingshaft, die Sonne scheint von einem blauen Himmel und die Luft hatte schon am Vormittag 12 Grad. Perfekt! Klar, der Temperaturunterschied von Luft und Wasser ist dann größer, aber die Sonne auf dem Rücken macht das Winterschwimmen viel schöner und erträglicher. Ich bin ganz stolz auf Diana, weil sie trotz längerer Seeschwimmpause mit ins Wasser gekommen ist und geschwommen ist. Anfangs war es natürlich kalt, das Herz schlägt schneller, aber das hat sich nach wenigen Schwimmzügen angeglichen und dann war das Schwimmen einfach nur schön! An Land konnten wir uns in der Sonne in Ruhe umziehen, während die Kaltwarmwellen durch meinen Körper rauschen und die Glückshormone freisetzen. Es ist wirklich nicht kalt, sondern einfach nur schön!

Wir lachen mit der Sonne um die Wette!

Und weil ich neugierig bin, schaue ich auf die Auslastung in der Olympiaschwimmhalle: trotz Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen sind 180 Menschen da, also fast an der Coronakapazitätsgrenze, der Balken ist tiefrot. Und ich kann nur den Kopf schütteln – und mich noch mehr über meine Entscheidung freuen!

Herrlichste Ruhe im See, während in der Olympiaschwimmhalle wohl Chaos herrscht …

Und so habe ich das Jahr so beendet, wie ich es angefangen habe: Mit einem Schwimmen im Regattabadesee, meine Freundin ist dabei – und ist sogar geschwommen (anders als vergangenen Winter).

Und noch etwas habe ich beibehalten und tatsächlich jeden Tag gemacht: Yoga. Ich möchte es nicht mehr missen, denn es ist ein schöner Ausgleich zum Schwimmen. Es macht mich beweglich und stabiler, es erdet mich, ich dehne mich und es macht mich wach. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass mir Yoga so viel Freude bereiten kann wie schwimmen!

Das ist zur Zeit meine liebste Morgenroutine – 15 Minuten, die ich mir gerne nehme.

Glück und Gemecker

Heute war das Wetter viel besser als angekündigt (eigentlich Regen und kalter Wind, stattdessen windstill, bedeckt und sogar eine kleine Chance auf Sonne). Und so war ich schon beim Aufwachen voller Tatendrang und Vorfreude auf den See. Denn ich muss zugeben, dass es mir bei schlechtem Wetter schwerfällt, zum See zu fahren, wenn ich auch ins Hallenbad gehen kann. Aber so ganz will ich das mit dem Winterschwimmen nicht lassen und so war ich heute also voller Vorfreude. Einer meiner netten Mitschwimmer vom vergangenen Winter wollte auch kommen, wir treffen uns am See.

Als ich ankomme, ist kein Mensch da. Kein Spaziergänger, kein Mitschwimmer. Ich packe gerade meine Sachen aus, da höre ich Schritte (mein Mitschwimmer kommt mit dem Rad, er kann es nicht sein) und habe schon so eine Ahnung. Es ist ein anderer Winterschwimmer, der auch regelmäßig kommt (mit dem Auto, deshalb die letzten Meter zu Fuß). Und ich muss sagen: Ich mag ihn nicht so gern. Weil er immer, wirklich immer, was zu schimpfen und meckern hat. Ihm fällt das wahrscheinlich nicht auf, aber mir. Letzte Woche war das Wetter wirklich grausig, grau-in-grau, windig. Was macht er? Schimpft auf das Grau! Als hätte ich das bestellt. Er meint es wohl nicht so, aber mit seinem Gemeckere verdirbt er mir die Laune. Ich habe dann gesagt, dass man ja – anders als letztes Jahr – ins Hallenbad gehen könnte. Letztes Jahr war er ja auch da und hat bei der schönsten Nebel-verschwindet-Sonne-kommt-raus-Stimmung nur geschimpft, wie stressig es in der Arbeit ist. Ich habe gesagt, dass er jetzt mal runterkommen soll, den See und die Stimmung genießen soll – dafür sind wir ja schließlich hier. Aber ich habe keine Lust, hier immer diesen ganzen Seelen-Müll abzubekommen! Ich bin dann zu anderen Zeiten hingefahren. Das klappt dieses Jahr an den Wochenenden nicht so gut, leider.

Bis mein Mitschwimmer angeradelt kommt, hat Schimpfe-G. noch weitere Tiraden auf Lager, sogar richtig laut: „So ein Scheiß mit dieser Scheiß-Brille!“ plärrt er aus seiner Ecke. Ich bin entsetzt. Und zwar so entsetzt, dass ich nicht mal was sagen kann (und das heißt was bei mir!).

Es gibt sogar zwei Sonnen – eine oben und eine unten. Das gibt’s nur, wenn die Sonne im Winter tief genug steht.

Schwimmen war ich natürlich auch. Es war kalt, die Luft hat etwa 3 bis 4 Grad, es ist anfangs ein leichtes Kräuseln auf dem Wasser, später ist es windstill. Das Wasser hat wohl 5 bis 7 Grad. Es fühlt sich auf alle Fälle richtig, richtig kalt an! Ich habe vor dem Reingehen an der Hütte noch ein, zwei halbe Sonnengrüße gemacht, um mich aufs Schwimmen einzustimmen (und meine gute Laune wiederzubekommen; zum Glück war dann Ruhe von der Mecker-Ecke). Beim Reingehen war es einfach nur kalt. Boah! Ich schaffe es trotzdem, unterzutauchen und in Oma-Brust-Manier loszuschwimmen. Ich muss mich ganz schön konzentrieren, denn es ist wirklich, wirklich kalt. Ich „jammere“ leise ein bisschen vor mich hin, bemitleide mich, weil es so kalt ist. Und naja… es hilft ein bisschen. Die erste Minute ist geschafft, das „Wintergebüsch“ erreicht. Fünf Minuten will ich schaffen. Noch vier weitere Minuten in diesem a..kalten Wasser? Ohje! Und leider setzt auch der „Zweiminuten-Effekt“ nicht ein; es wird nicht wirklich besser bzw. wärmer.

Um mich selbst zu überlisten, schwimme ich weiter zum Schilfeck. Das dauert nochmal eine Minute, weiß ich von meinen letzten Schwimmausflügen. Dann zurück zum Steg, sind es vier. Ok, das kann ich schon schaffen. Es ist kalt, es tut weh, meine Finger werden steif, obwohl ich bei jedem Armzug eine Faust mache. Meine Füße sind kalt, ich spüre sie aber noch. Da kommt der Steg näher. Gut. Gleich geschafft. Aber vier Minuten – das ist ja blöd. Ich will fünf. Warm wird’s hier drin eh nicht mehr und kalt ist mir schon, also kann ich auch noch 60 Sekunden aushalten. Ich schwimme am Steg vorbei, bis zur Birke schaffe ich es nicht, drehe um und als ich fertig bin, stehen sagen- und heldenhafte 5 Minuten und 20 Sekunden auf meiner Uhr!

Anziehen klappt trotz der steifen und kalten Finger gut. Natürlich ist mir kalt, ich trinke heißen Tee und esse meine Banane. Dann mache ich ein paar Kniebeugen, setze mich in den „Stuhl“ aus dem Yoga und nehme ein paar tiefe Atemzüge. Der Schimpfe-Mann ist im Wasser, zum Glück. Die Sonne versteckt sich hinter der Wolkenschicht, aber sie ist erkennbar. Draußen bekommen wir übrigens das 1000-Fache an Licht ab als im Haus – selbst an trüben Tagen! Das erklärt auch, warum das Schwimmen im See trotz vieler Widrigkeiten auch schön ist und die Laune hebt.

Beim Heimradln fragt mein Mitschwimmer, ob mir wieder warm ist und wir ratschen noch ein bisschen über das Glück, dass das Wetter heute so viel besser war als angekündigt. Und wir erinnern uns an den Sonntag vor zwei Wochen, als es nur etwa zwei Stunden lang sonnig war: während wir zum See geradelt sind, beim Schwimmen und noch kurz, als wir an Land waren. Dann kamen von Norden erst Hochnebelschwaden und dann Wolken. So ein Glück! Und ganz ohne Geschimpfe, denn da waren nur wir zwei beim Schwimmen.