Herbstliche Vorfreude 

Als im Frühling das Wasser in den Seen wärmer wurde, fand ich das Schwimmen dort reizlos. Jetzt ist der Langwieder See wärmer als im Frühling, aber es macht mir nichts aus. Im Gegenteil: Ich genieße es. Vielleicht ist es dieses Wissen, dass die Schwimmstrecke jetzt dann immer kürzer wird. Und dieses „noch einmal ausnutzen“-Gefühl. 

Und ein bisschen ist es auch die Vorfreude auf das „richtige“ Eis- oder Winterschwimmen. Mir ist es auch gerade egal, wie lange ich im Wasser bleibe oder wie weit ich schwimme. Es ist einfach nur Genuss. Der See, die Ruhe und ich. Es ist keine Herausforderung, länger oder weiter zu schwimmen. Dazu ist das Wasser noch nicht kalt genug. 

In der Natur hat sich jedenfalls seit Sonntag (meinem letzten Ausflug) einiges getan. Die Bäume sind merklich gelber, röter und oranger. Das Grün überwiegt zwar noch, aber nicht mehr lange. Ich mag den Herbst. Mit seinen schönen Farben. Mit dem milden Sonnenlicht und der angenehmen Wärme. Und vor allem der Ruhe. Der See liegt wieder spiegelglatt drin, es sind kaum Leute unterwegs. Und beim Schwimmen bin ich eh allein. 

Blick von der neuen Stelle zur ursprünglichen Stelle


Ich bin heute von einer anderen Stelle gestartet. Denn an meiner eigentlichen Stelle kommen dann im ungünstigsten Moment Menschen mit Hunden und/oder Kindern vorbei. Allerdings ist die Stelle schön in der Sonne, während die andere im Schatten ist. 

Das Wasser war beim Reingehen etwas frisch, beim Schwimmen aber angenehm. Knapp unter 17 Grad, also kaum kälter als letzte Woche. Ich schwimme in etwa dieselbe Strecke. 

Der See ist so spiegelglatt, dass sich der Himmel und die Bäume spiegeln. Es wirkt fast so, als sähe ich, was unter Wasser ist. Aber es ist nur die Spiegelung. Das Wasser ist tiefgrün unter mir. Und hinter mir ziehe ich eine Art Welle. Bissl so wie bei den Enten, wenn die auf einem ruhigen See schwimmen. 

Fast kein Unterschied zu letzter Woche


Danach ziehe ich mich um und dann ziehe ich um. Und zwar noch ein bisschen in die Sonne. Die kommt zwischen den Wolken immer mal wieder raus und wärmt sehr angenehm. Ich friere zwar nicht, aber warm ist mir auch nicht gerade. Es ist halt Herbst, da ist’s im Schatten frisch. 

Die Welt steht nicht Kopf, die Bäume spiegeln sich im See

Advertisements

Totgesagte leben länger – oder back in der Olympiaschwimmhalle

Tja… erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Oder so ähnlich. Ich hatte mich im April noch etwas wehmütig von der Olympiaschwimmhalle verabschiedet. Denn eigentlich sollte ab Mai der zweite Abschnitt der Renovierung anstehen und damit das Wettkampfbecken. Doch, wie das mit Baustellen so ist: Pünktlich ist da nix. Und so kommt’s, dass das Wettkampfbecken im Oly uns Schwimmern noch zur Verfügung steht.

Und nachdem die Freibadsaison endgültig rum ist – ein kleiner Ausflug nach Unterhaching hatte das Ende noch etwas hinausgezögert – bin ich wieder in der Halle.

Freibad Unterhaching


Am Montag war ich noch guter Dinge und bin ins Stadionbecken im Dante gegangen. Aber das ging gar nicht. Das Wasser ist viiiieeeeel zu warm, vor allem, wenn dann noch die Sonne rauskommt. Und es sind viel zu viele Leute (obwohl wenig los war). Aber ich war in den letzten Freibadtagen herrliche Ruhe gewöhnt. Naja. Nach zwei Kilometern habe ich aufgehört. Mit Kopfweh, weil das Wasser zu warm war.

Deshalb jetzt wieder zurück im Wintermodus und im Oly. Ich war gespannt, wie es da sein wird. Der Haupteingang ist geschlossen. Seitlich geht’s rein, ein Labyrinth führt mich zu den Umkleiden. Zu den schon renovierten Umkleiden unter der Tribüne (beim Hochschulsport). Sehr schön sieht das aus. Auch die Duschen sind schön. Hellblaue Fliesen, alles sauber und doch noch im Stil von Olympia. Gefällt mir schonmal.

Mein Weg zum Schwimmbecken führt mich an dem neu gebauten Lehrschwimmbecken vorbei. Es ist noch ohne Wasser, aber die Leinen sind schon eingehängt. 

Futuristisch sieht das Lehrschwimmbecken im Oly aus. Und wohl nur für Trockenübungen…


Ich folge den Schildern (es sind eher Zettel) und gelange endlich zum Wettkampfbecken. Es sind mehr Bahnen als normal abgeleint und der Hebeboden ist höher, also das Wasser am einen Beckenende flacher (es geht mir grad bis zum Bauch). Außerdem scheint mir die Bahn schmäler zu sein. Kann aber auch falsche Erinnerung aus der Freibadzeit sein.

Das Schwimmen macht wieder Spaß. Ich wollte eigentlich gar nicht gehen und habe dann mit mir ausgemacht, dass ich wenigstens zwei Kilometer mache (statt der üblichen drei). Und dann ist es so schön, dass ich doch die drei Kilometer voll mache.

Jetzt muss man mal sehen, wie diese Bauarbeiten im Oly weitergehen. Die Stadtwerke halten sich mit Infos bedeckt. Wir werden sehen …


Herbstschwimmen 

Der Herbst ist heuer nicht so schön wie letztes Jahr. Es ist kühl und regnerisch. Da war meine Lust auf See-Schwimmen nicht gerade groß. 

Heute war es trocken und deshalb habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und bin zum Langwieder See geradelt. Die ersten Bäume werden schon gelb, der Efeu auf dem Weg ist leuchtend rot. Sehr schön!

Herbstfarben


Und als ich am See ankomme, schaut sogar die Sonne raus. Erst nur ganz zögerlich. Ich richte meine Schwimmsachen her und gehe zum Wasser. Der See liegt spiegelglatt vor mir. Ich bin allein und gehe rein. Das Wasser fühlt sich nicht kalt an. Im Gegenteil!

Alles meins! Und herrlich glattes Wasser…


Also bin ich fix drin und schwimme los. Der ganze See gehört mir. Ein paar Enten ziehen ihre Runden. Und ich schwimme. Es ist warm. Die Sonne scheint jetzt auf mich, ich spüre ihre Wärme. Und ich genieße das Schwimmen. Bis zum anderen Ufer, da, wo die Wasserwacht ihre Hütte hat. Aber da die Badesaison rum ist, ist keiner da. 

Ich schwimme zurück. Die Sonne scheint mir jetzt auf den Rücken. Der See ist noch immer spiegelglatt, nur ich mache kleine Wellen. 

Nach etwa 15 oder 20 Minuten bin ich zurück am Ufer. Auch beim Rausgehen ist es nicht kalt. Obwohl es eigentlich gar nicht warm ist. Also keiner dieser schönen Herbsttage. Zum Glück, so sind weniger Spaziergänger und Hunde da. 

Ich schaue aufs Thermometer. Das Wasser hatte 17 Grad. Die Luft wohl auch, mit der Sonne, die jetzt zwischen den Wolken immer wieder scheint. 

Im flachen Uferwasser war es bissl wärmer als unterwegs. Da waren es 17 Grad.


Ich friere nicht, dazu ist es zu warm. Aber eine Art wohliges Kribbeln gibt’s schon. 

Jedenfalls war es die richtige Entscheidung, heute zum Schwimmen zu fahren. Denn es war wunderschön und ich habe jetzt auch wieder richtig Lust auf weitere Schwimmausflüge. Und natürlich aufs kalte Wasser…

Auf dem Bild sieht man das nicht so, aber im Hintergrund werden die ersten Bäume gelb…


Der letzte Freibad-Tag

Irgendwie ging jetzt alles ganz schnell. Der letzte Freibad-Tag kam plötzlicher als Weihnachten und heute war es soweit. Und beim Schwimmen selbst ging’s auch irgendwie viel zu schnell. Viel zu schnell war mein normales Pensum von 3 Kilometern voll. Und das Becken – na, das war fast leer! Denn obwohl kein Freibad-Wetter ist, hatte das Freibad geöffnet. Seltsam, aber gut!

Kurzer Schockmoment: Der Absperrzaun ist schon aufgestellt, obwohl das Becken noch offiziell geöffnet ist!

Es ist nämlich ziemlich kühl, windig und grau heute in München. Ab und zu hat die Sonne mal kurz rausgeschaut, aber das war eher ein Zwinkern als ein Schauen. Egal, ab ins Wasser. Auch wenn ich die letzten 15 Tage nichts anderes gemacht habe. Ich war seit meiner Rückkehr aus Dänemark jeden Tag im Freibad. Weil das Ende ja nahte. Zwischendrin war es fast mal zu viel Freibad, aber dafür war der nächste Tag dann wieder besser. Und irgendwann konnte ich die verbleibenden Tage an einer Hand abzählen, das musste natürlich genutzt werden.

 

Schon die letzten 3 bis 4 Male war es so, dass ich (fast) allein im Bad war und so konnte ich mich nur auf mich konzentrieren. Keine Ausweichmanöver, kein Taktieren, keine überhöhte Geschwindigkeit, kein Überholen – einfach nur schwimmen. Und so komme ich in den schönsten Flow. Ich schwimme und schwimme und schwimme – und denke: nix. Ich zähle die Bahnen, das ist so monoton, dass es schon meditativ ist. Und schwupps – wieder zehn Bahnen voll. Und weiter geht’s mit Nummer 11, 21, 31, 41. Und ratz-fatz sind drei Kilometer (mit ein- und ausschwimmen) rum.

Heute war ich auch im Flow. Zuerst nicht so, aber dann setzte es ein. Ich denke manchmal, dass ich ein alter Diesel bin: der braucht auch, bis er warmgelaufen ist. Und dann tuckert er vor sich hin und läuft und läuft und läuft. Und ich tuckere – naja…- und schwimme. Hin und her und hin und her. Ich spüre das Wasser an mir vorbeirauschen, ich gleite. Meine Arme und Hände finden diese „Griffe“ unter Wasser, an denen ich mich festhalten und entlang hangeln kann. Ich spüre, wie mich das Wasser unter meinem Bauch trägt. Ich merke den Auftrieb. Aber ich denke nix. Ich bin einfach. Das erreiche ich nicht oft. Aber wenn es so ist, ist es einfach nur genial! Denn ich bin dabei nicht langsam. Ich bin aber regelrecht im Tunnel. Ich krieg kaum mit, was um mich herum passiert. Hin und wieder nehme ich zwar andere Schwimmer im restlichen Becken wahr, aber eher im Augenwinkel. Aber wenn jetzt plötzlich jemand in meiner Bahn auftauchen würde, ich würde mich zu Tode erschrecken. Weil ich so in mir und im Schwimmtunnel bin. Und wie gesagt, auch nicht gerade langsam unterwegs bin …

Für Olympia reicht es natürlich nicht, aber ich fühle mich schnell und ein Blick auf die Uhr zeigt, dass ich nicht getritschelt (für nicht-Bayern: getrödelt) habe. Außerdem bin ich am Beckenrand nach der Einheit, also nach 2.500 Metern, ganz schön am Schnaufen. Und ich bin glücklich! Erledigt, aber happy.

Heute waren wie gesagt die drei Kilometer schnell um. Viel zu schnell. Es ist doch der letzte Tag. Bis Mai (bis Mai!!!!) hat das Dante-Sommerbecken zu! Bis Mai! Das ist länger als ein halbes Jahr! Also, obwohl es bissl kühl ist, lege ich noch eins oben drauf. Ich überlege auch gar nicht lange, sondern schwimme einfach weiter. 1.000 Meter, 20 Bahnen, das geht schon noch. Und jetzt bitte genießen. Und nicht hetzen. Es ist der letzte Tag (der letzte!!!). Vor einer langen Durststrecke. (Ja, es wird auch im Winter geschwommen. Und ja, im Dante-Bad kann man im anderen Becken auch im Winter (ab morgen!) draußen schwimmen. Aber das ist einfach nicht dasselbe. Ich schwimme also weiter. Gleite. Drücke. Stoße mich ab. Genieße. Und schwimme. Und genieße. Die Leichtigkeit im Wasser, die Kraft meines Körpers zu spüren und zugleich diese Schwerelosigkeit. Und die Gedankenlosigkeit. Denn ich bin wieder oder immer noch im Tunnel und es wird nichts gedacht, nur Bahnen gezählt und genossen. Und schwupps sind auch die zusätzlichen 1.000 Meter rum. Dann muss Schluss sein, man soll schließlich aufhören, wenn es am schönsten ist!

Herbstlaub am und im Wasser. Dafür kaum Leute. Herrlich zum Schwimmen!

Ein letzter Blick aufs Becken, ein Abschiedsfoto und ein leises „pfiati, Dante-Sommerbad“, dann geht’s in die warme Dusche. Bevor die Eisschwimm-Saison dann startet …


Hochwasser und kaltes Wasser 

Schön langsam fängt die neue Eisschwimmsaison an. Ja, genau jetzt! Wo das Wetter oft noch gut und das Wasser in vielen Seen noch nicht kalt ist. Stichwort: Gewöhnung!

Ich habe heute einen beruflichen Termin mit der Möglichkeit zum Schwimmen im Tegernsee verbunden. Es hat am Wochenende viel geregnet und deshalb ist der See ziemlich voll, Hochwasser sozusagen. Nicht schlimm, aber deutlich sichtbar. Und das Wasser ist abgekühlt. 16,5 Grad hat der Tegernsee noch! Ich denke mal, dass der Lußsee noch wärmer ist. 


Egal. Ich bin am besten See von allen. Es ist ein herbstlicher September-Tag nach einer kalten Nacht. Im Schatten ist es kühl, 14-16 Grad  vielleicht. In der Sonne ist es aber sehr angenehm. 

Ich gehe zur Point. Da biegt der Tegernsee quasi in die Egerner Bucht ein. Vor der Bucht ist der See arg wellig und unruhig. Es ist übrigens genau gegenüber meiner normalen Schwimmstelle. 

Blick auf meine eigentliche Schwimmstelle


Ich gehe also um die Ecke und da wird der See ruhiger. Der „Überführer“ kann gar nicht fahren, sein Steg ist überflutet. Gut für mich, weil es abgelegen und ruhig ist. 

Der Steg ist zum Teil unter Wasser


Ich ziehe den Bikini an und gehe auf den Steg. So kalt fühlt sich das Wasser nicht an. Dann beim Eintauchen kurzer Schreck. Am nackten Bauch ist es doch kalt. Aber es geht! Ich schwimme. Etwas hinaus, dann in die Bucht hinein. Kitschig ist gar kein Ausdruck! Hier werden Postkartenmotive aufgenommen. Ich kenne es ja eigentlich, ist ja meine Heimat. Aber irgendwie sehe ich es immer öfter mit anderen Augen. 


Ich schwimme noch ein Stück weiter Richtung „offenem“ See, aber die Wellen sind doof und das Ausflugsschiff kommt auch noch. Ich schwimme zurück und gehe an Land. 

Ein gaaaanz leichtes Kribbeln setzt ein, während mir die Sonne auf den Pelz scheint. Herrlich! Vorfreude ist toll! Nachglühen auch!


Ostseeschwimmen 3 – Stockholm

Meine Reise an der Ostsee ging nach Fünen noch ein Stückerl weiter in den Norden: nach Stockholm. Dorthin bin ich mit dem Zug gefahren. Das hat zwar gedauert, war aber eine schöne Reise – und ich durfte nochmal über die Öresundbrücke fahren.

Die Öresundbrücke von oben …


Stockholm liegt ja auf vielen kleinen Inseln, ist also von der Ostsee umgeben. Das gibt der Stadt ein sehr angenehmes Flair.

Herrlichste Abendstimmung in Stockholm


Stockholm liegt auf vielen Inseln …

… deshalb ist immer und überall Wasser. Toll!


Das wollte ich natürlich nutzen, deshalb habe ich mich über AirBnB in einer Wohnung mit Privatstrand eingemietet. Das Haus von Karina ist 45 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, dafür ist es in herrlichster Natur und auch der Privatpier ist mehr als herrlich!

Meine Unterkunft in Stockholm – das kleine Häuschen ist die Sauna

Privatpier!


Ich habe leider viel zu wenig Zeit gehabt in Stockholm, so dass ich nur am Sonntag Vormittag schwimmen gehen konnte. Aber dafür war es umso toller! Der Morgen war noch frisch, es hatte in der Nacht nur 7 bis 9 Grad. Die Ostsee lag spiegelglatt da, der Blick zu den Nachbarinseln war klar. Über eine kleine Leiter gehe ich ins Wasser, das angenehm warm ist, ich schätze 16 bis 18 Grad. Und dann schwimme ich! Oma-Brust, der Sonne entgegen, bis zu den Nachbarn. Ohmann, das ist doch ein Leben! Privatpier und einfach ausm Haus und ins Wasser! Dann schwimme ich zurück, die Morgensonne im Rücken, zu den anderen Nachbarn. Es ist soooo herrlich! Ich genieße es noch ein bisschen und dann geht’s zurück an Land. Hunger! Die Sonne scheint mir auf den Rücken, die Luft wird langsam wärmer.

Steiniges Ufer, glasklares Wasser, spiegelglatte Oberfläche – herrlich!


Für mein Frühstück stelle ich den Tisch und Stuhl im Garten in die Sonne mit Blick auf die Ostsee. So kann man leben!

Frühstück mit Aussicht!

PS: Am Samstag habe ich mich in Stockholm noch mit Mats Andersson getroffen. Der hatte 2002 „Ö till Ö“ – „SwimRun“ erfunden. Ab 2006 wurde aus dem Spaß- und Abenteuer-Event ein Rennen. Und auch in Bayern gibt’s das seit vorigem Jahr. Darüber haben wir uns ausführlich unterhalten – und dann noch ein Bild gemacht. Sehr interessante Geschichte!

Mats hat „Ö till Ö“ aus Spaß erfunden.


Ostseeschwimmen 2 – Svendborg

Von Nyborg bin ich mit dem Radl nach Svendborg gefahren. Ich muss sagen: Radln in Dänemark ist sowas von schön und entspannt! Nicht nur, weil es viel weniger Verkehr gibt. Sondern auch, weil die Mentalität eine andere ist. Radler sind hier Verkehrsteilnehmer – kein Störfaktor wie bei uns in Deutschland. Meine Strecke führt größtenteils am Meer entlang, was echt schön ist. Und es ist ziemlich hügelig! Hätte ich von Dänemark jetzt nicht erwartet.

In Schloss Broholm mache ich einen Zwischenstopp. Interviewtermin mit Anne. Die Dänen sind ziemlich locker und schnell spricht man sich mit Vornamen an. Anne hat aus dem Schloss ein Hotel und Restaurant/Café gemacht.

 

Sie zeigt mir die Räume, die alle unterschiedlich sind. Ich fühle mich wie in eine andere Zeit versetzt. Es gibt ein großes Herrenzimmer, in dem die feinen Herren damals bei Whiskey und Zigarre die Weltpolitik besprochen haben (oder über Frauen getratscht, wer weiß das schon?), ein Eckzimmer mit vielen Fenstern und blauer Einrichtung – das Zimmer für die Frauen. Hier hatten sie viel Licht, um ihre Handarbeiten zu machen und dabei zu reden. Es gibt noch viele weitere Räume.

 

 

… das Damenzimmer. Aber hier ist es gemütlicher, finde ich!

Die Gäste dürfen sich aussuchen, wo sie ihren Kaffee trinken. Ich entscheide mich für die Terrasse, weil die Sonne dort so schön hinscheint und ich auf das Wasser im Burggraben blicken kann.

 

 

… mit Blick auf den Burggraben.

Als es dann Abschied-Nehmen heißt von Anne, frage ich sie noch, ob sie vielleicht Winterschwimmen macht. Das ist in Dänemark nämlich auch recht populär. Ein großes Grinsen erleuchtet ihr ganzes Gesicht: Ja, macht sie. Sie wohnt direkt am Meer (Neid!!) und geht jeden Morgen vor der Arbeit. Nur im Winter, wenn es morgens stockfinster ist, geht sie nur am Wochenende. Auf meine Frage, ob nur die Dunkelheit und nicht das kalte Wasser das Problem seien, wird ihr Lächeln nur noch größer: „Das kalte Wasser ist überhaupt kein Problem. Es gibt mir einen Kick für den ganzen Tag. Dann bin ich voller Energie!“. Ich muss auch lächeln und kann meine Vorfreude auf die kommende Winterschwimm-Saison nicht verbergen. Ich erzähle Anne, dass ich seit letztem Winter auch das Eisschwimmen für mich entdeckt habe und dass ich dafür 45 Minuten radeln muss. Sie ist sehr beeindruckt und wir versprechen uns, gedanklich miteinander zu schwimmen, wenn es wieder kalt wird. Ich sag nur: Eisschwimmerinnen unter sich! Das war echt unbeschreiblich, dass da so eine Verbindung da war, auf einmal!

 
Meine Radltour geht weiter und als ich in Svendborg ankomme, werde ich an der Rezeption des Hotels Christiansminde gleich mit Namen begrüßt: „You must be Petra!“, sagt Charlotte von der Rezeption. Ich bin etwas verwirrt und frage, woher sie das weiß. Ich sei die einzige, die noch „fehlt“ heute, war ihre Antwort. Wow! Ich bin beeindruckt. Das ist mal herzlich. Sie reicht mir auch gleich einen weißen kuschligen Bademantel und erklärt mir, wo ich am besten schwimmen kann.

Da war ich noch guter Dinge – auf meiner Terrasse im Hotel


Denn direkt vor dem Hotel seien zu starke Strömungen, aber ein paar Meter weiter wäre ein Strand mit Steg und da wäre es prima.

Die Abendstimmung habe ich noch im Hotel fotografiert. Der Strand ist nicht weit entfernt.


Ich stelle also meine Radltaschen ab, krame den Badeanzug raus und gehe zum Strand. Es ist jetzt etwa halb 8 Uhr abends, die Sonne steht tief hinter der Stadt. Ich habe mein Handy nicht mitgenommen, weil ich nicht wusste, wie die Lage am Steg sein wird. Jetzt müsst ihr euch diesen Sonnenuntergang und die Lichtstimmung halt vorstellen – oder selbst mal hinfahren. Es war beeindruckend schön. Und gegenüber des Stegs war auch schon die Nachbarinsel. Vor Svendborg im Süden von Fünen gibt’s ganz viele Inseln – größere und kleinere. Ein wahres Inselparadies.

Soooo traumhaft – aber leider sind im Wasser viele Quallen unterwegs …


Naja – zurück zum Schwimmausflug. Auf dem Steg ist eine Gruppe Jugendlicher und drei Herren, zwei sind etwa Mitte 50, einer ist älter. Ich ziehe den Bademantel aus und lege ihn auf meine Flip-Flops auf dem Steg. Dann gehe ich zur Treppe und will ins Wasser. Auf einmal reden die drei Herren auf mich ein. Also, das checke ich erst gar nicht, weil sie dänisch reden. Und dänisch kann ich nicht. Irgendwann dämmert es mir, dass die vielleicht mit mir reden. Ich sage, dass ich leider kein dänisch kann. Dann erklärt der eine, dass ich aufpassen muss, weil da Quallen unterwegs sind. Der andere (beide übrigens in Badehosen) grinst die ganze Zeit. Ich gehe also wieder auf den Steg und frage dann, ob sie sich über mich lustig machen. Nein, nein! Gar nicht. Sie zeigen mir jetzt im Wasser die Quallen. Ich habe, da ich ja quasi nie am Meer bin, solche Tiere noch nie in echt gesehen. Es sieht aus, als würde ein Taschentuch im Wasser treiben. Und es gibt einige von ihnen. Es sind sogar ziemlich große da – so groß wie meine Hand! Mit langen Tentakeln und einem roten Fleck auf dem „Rücken“. Ohmann! Ich mag jetzt eigentlich gar nicht mehr schwimmen. Ich habe Bedenken wegen der Tiere. Ich muss an den Bericht von Conny Prasser denken, als sie von einer Qualle gestochen wurde und schlimmste Schmerzen hatte. Ok. So gefährlich sind die hier wohl nicht, aber nachdem schon Mückenstiche bei mir ganz schön anschwellen, will ich nix riskieren. Und ich bin ja im Urlaub, also weg von daheim, und soll morgen noch radeln. Ohje! So hab ich mir das nicht vorgestellt.

Die drei Männer bieten an zu schauen, ob ich auf der einen Stegseite freie Bahn habe. Im flachen Wasser sind die Quallen eher nicht. Ich überwinde mich und schwimme am Steg entlang von der Treppe am Ende bis zur Leiter in der Mitte. Genießen konnte ich das nicht. Ich muss sagen, dass ich im Eiswasser schon längere Strecken geschwommen bin – mit mehr Genuss. Quallen – das sind Qualen für mich. Es ist dann auch alles gut gegangen und die Abendstimmung am Steg war echt gigantisch. Da fand ich es dann äußerst schade, dass ich keinen größeren Schwimmausflug machen konnte. Das Wasser war nämlich auch ruhig, also ohne Wellen. Aber so ist das manchmal – da spielen einfach andere Dinge rein, auf die man keinen Einfluss hat. Oder sich einschüchtern lässt. Selbst schuld, könnte man auch sagen.