Schwimmen mit Weitblick

Irgendwas fehlt mir. Nur was? Wasser ist es nicht, täglich bin ich im Wasser. Ich bin sozusagen in meinem Element, im Freibad. Oft habe ich Glück und kann ungestört meine Bahnen ziehen. Nicht, dass ich immer allein bin. Ich habe eher das Glück, dass ich angenehme Mitschwimmer habe. Und doch fehlt was. Nur was? Ich schwimme. Ich genieße. Ich treffe Freunde und Bekannte. Mal scheint die Sonne, mal regnet es. Ich gleite, ich fliege, ich sehe meinen eigenen Schatten, spüre Wassertropfen auf mich regnen, sehe, wie sich die Sonne zwischen den Regenwolken ihren Platz erkämpft. Ich bin schwerelos. Was fehlt?

Manchmal habe ich Glück und bin fast alleine im Freibad

Ich habe zwei Tage frei. Von Wochenenden und Feiertagen mal abgesehen das erste Mal seit Ostern. Und das Wetter ist sogar gut, sommerlich, nicht zu heiß. Ich will etwas unternehmen. Nicht nur ins Freibad gehen. Das schaffe ich ja auch an Arbeitstagen. An dem einen freien Tag schnappe ich mir mein Rennrad und starte eine Tour Richtung Norden. Den Badeanzug und ein kleines Handtuch nehme ich mit, denn die Route führt (wie von Zauberhand) am Regattabadesee vorbei. Klar, da muss ich einen Stopp einlegen.

Der Regattabadesee ist größer geworden!

Es ist noch ein bisschen bewölkt und die versprochenen 25 Grad sind am Vormittag noch nicht erreicht. So ist es am See angenehm ruhig, wie es mir am liebsten ist. Der See ist schon wieder anders als Anfang Juli: Er hat noch mehr Wasser. Der Wasserspiegel und der Steg sind fast gleichauf!

Ich gehe rein, das Wasser ist wunderbar warm und fühlt sich weich an. Weicher als im Freibad. Es ist grün und doch glasklar. Ich will heute keine große Runde schwimmen, nur ein bisschen im See sein. Oma-Brust und danach wird geradelt. Das Schwimmen ist sehr schön. So angenehm und leicht, ohne Zwang, dafür mit viel Aussicht. Auf das Schilf, das sehr dicht und grün am Ufer steht. Überhaupt ist die gesamte Uferbepflanzung mehr als üppig! Der See ist richtiggehend eingerahmt. Und ich mittendrin… naja. Ich bleibe in Ufernähe. Außer mir schwimmt keiner, ich habe den ganzen See für mich! Herrlich. Ich bin ganz leicht, das weiche, warme Wasser umschließt mich. Und ich genieße die Aussicht. Ich mache sozusagen „Sightseeing“-Schwimmen.

Und da fällt mir auf, was mir irgendwie gefehlt hat: Die Natur, das Grün, die Weite. Auch, wenn es beim Regattabadesee jetzt keine große „Weite“ wie am Meer gibt. Aber es macht schon was mit mir, dass ich im Grünen bin, in der Natur. Schließlich war ich im Winter auch jeden Tag in der Natur und nicht nur in der Stadt. Denn das bisschen Stadtgrün vor meinem Balkon oder ums Dantebad ist zwar hübsch, aber nicht ganz ausreichend. „Man muss mal rauskommen“, sagt man oft und in Corona-Zeiten haben das viele Menschen noch öfter gesagt. Mir war das nicht so bewusst, weil ich ja im Lockdown jeden Tag „raus“ gekommen bin.

Ein bekanntes Motiv…

Weil die Schwimmrunde im See zwar schön, aber kurz war, habe ich am nächsten Tag beschlossen, mit dem normalen Rad nochmal hinzufahren und zwar direkt und nur zum Schwimmen, ohne anschließende Radtour. Ich bin im Uhrzeigersinn losgeschwommen, weiterhin nur Oma-Brust, und habe die markanten Winterpunkte passiert: das Gebüsch, das mein Wendepunkt war. Die Bank, bei der ich das Eis mit den Händen aufgebrochen habe; die seichte Stelle an der Landzunge, dahinter die andere Bank, bei der ich im Schneetreiben geschwommen bin, und dann die Bucht, die sich hier anschließt. Und von hier zurück. Ganz gemütlich, ohne Druck, ohne Brille, nur ich im Badeanzug und der See.

Der See hat sich so schön warm und weich angefühlt, dass ich fast das Gefühl hatte, er hat mich auch vermisst. „Wo warst du die ganze Zeit?“ scheint er zu fragen. Und ich traue es mich fast nicht zu sagen, dass ich im Freibad war. Dass ich ihn im Winter zwar (fast) täglich gebraucht habe, aber jetzt nicht mehr. Und das, obwohl er mich über den Winter gerettet hat. Mir ein wichtiger Ankerpunkt war, ein Ziel, das ich gern angesteuert habe. Ich nehme mir deshalb vor, öfter mal wieder hinzuradeln. Ein bisschen Freiheit und Weite genießen und gemütlich Oma-Brust zu schwimmen. Auf dem Heimweg kann ich ja trotzdem ins Dantebad gehen, da radle ich ja direkt vorbei. Win-Win, sozusagen!


Wintersee im Sommer

Nachdem ich im Winter fast täglich im Regattabadesee schwimmen war, habe ich mit meinem Mitschwimmer Volker ausgemacht, dass ich den See im Sommer einmal mit ihm umrunde. Punkteverbinden im großen Stil, sozusagen! Chlorhuhn wie ich bin habe ich den See, seit die Freibäder am 21. Mai geöffnet wurden, sträflich vernachlässigt. Aber das Bahnenziehen im 50-Meter-Edelstahlfreibadbecken ist nunmal meine Leidenschaft, was soll ich dazu sagen?

Aber Versprechen ist Versprechen und so trafen wir uns vergangenen Freitag Nachmittag am Regattabadesee. Die Sonne scheint, aber es ist keiner dieser megaheißen Sommertage. Trotzdem liegen einige Badegäste im Gras, vom Steg springen drei Buben. Es platscht und spritzt, dass es eine Freude ist. Überhaupt klingt es im Juli am See komplett anders als im Winter. Da war ja sozusagen „Totenstille“, kaum andere Menschen, kein Vogelgezwitscher, keine Bienen, die summen und: kein Froschgequake. Die Frösche sind (für mich zum Glück) nicht zu sehen, aber ihr Konzert ist kaum zu überhören! So klingt Sommer! Und natürlich sind die Bäume und Büsche am Ufer jetzt voll ergrünt, anders als noch im April und Mai (die heuer ja oft kühl und regnerisch waren).

Mehr Pflanzen und mehr Wasser sind im See

Das Wasser im See hat 24 Grad, zeigt mein Thermometer später an. Also so warm wie das Wasser im Freibad; die Luft dürfte ebenso 24 Grad warm sein, die Sonne scheint von einem bayerisch-weiß-blauen Himmel. Das Wasser ist grün und klar.

Ich habe meine Boje mitgenommen, auch wenn der Regattabadesee ein kleines Gewässer ist. Sicher ist sicher und es ist ja kein Aufwand, das Ding mitzunehmen. Außerdem hat es den Vorteil, dass ich im Trockensack meinen GPS-Tracker mitnehmen kann!

Spoiler! Das ist unsere Schwimmstrecke

Und dann starten wir drei. Wir schwimmen im Uhrzeigersinn, also ist das erste Ziel eine der beiden „Winterausweichbänke“, als der See am Steg gefroren war. Obwohl ich hierhin schon im Frühling geschwommen bin, erinnere ich mich auch jetzt daran, wie es im Eissee war. Total surreale Vorstellung, dass ich im Schnee zum Ufer gegangen bin und mir den Weg ins Wasser erstmal freihacken (mit den Händen) musste! Haha!

Von jedem ist ein bisschen was zu sehen …

Weiter geht’s zu der kleinen Landzunge. Hier wird es unglaublich flach, ich warne Diana, damit sie sich nicht die Knie unter Wasser aufschürft. Solange wir in Ufernähe bleiben, haben wir unter Wasser auch gute Sicht auf den Grund. Hier wächst ein Busch, dort ist es sandig, dann wieder steiniger. Rechts von mir ist es dunkelstgrün: Hier wird’s tief! Und das spüren wir auch, denn dort ist das Wasser merklich kälter. Hinter der Landzunge ist die zweite „Winterausweichbank“, hier war ich bei Schneegestöber schwimmen! Und bis in die Bucht nach der Bank bin ich im Mai schon geschwommen. Ab jetzt also Neuland – oder eher: Neu-Wasser!

Hier sieht man, wie flach die Stelle ist.

Diese Bucht ist für Volker auch ein wichtiger Meilenstein: Er ist ja schon viel früher als ich immer weitergeschwommen (ich bin sicherheitshalber öfter am Ufer beim Steg hin- und hergeschwommen). Doch diese Bucht war sein Ziel, dem er jedes Mal näher kam. Und jetzt ist das nur eine Stelle, die wir bei der Umrundung passieren.

Es geht an einer Entenfamilie vorbei, die kleinen üben mit der Mama fleißig schwimmen; die Kinder und ihre Familien am Ufer beobachten sie aufmerksam. Und wir sind an einer der Naturschutzbuchten, die man nur vom Wasser aus erreichen kann. Vorbeischwimmen ginge, ans Ufer darf man nicht. Wir entschließen uns aber für die Abkürzung und kreuzen zum anderen Ufer. Hui! Jetzt ist es unter mir dunkelsmaragdgrün, es fühlt sich etwas kühler an. Auf der anderen Seite steht Volker im Wasser. Ich wundere mich, denn ich habe hier keine Chance, meine Füße auf den Grund zu bekommen – und Volker ist kein Riese! Ich schwimme näher ans Ufer und bringe einen Fuß auf den Boden – ich stehe an einem Steilhang! Das ist interessant! Es ist richtig steil und der steinige Untergrund ist instabil, er rutscht unter meinem vorsichtigen Tritt weg. Zum Glück kann man hier vom Land nicht ins Wasser, denn das ist eine dieser Gefahrenstellen für Nichtschwimmer. Ein Schritt zu viel und man geht unter! Wir genießen noch kurz den Blick auf die DLRG-Hütte, die jetzt genau gegenüber von uns ist. Sie wirkt klein in dem vielen Grün der Bäume und Büsche – und auch ganz schön weit weg. Unsere See-Umrundung ist eher ein gemütlicher Ausflug als eine sportliche Schwimmeinheit. Aber das ist auch schön, denn so sehen wir mehr vom See und der Blick vom Wasser aufs Land ist einfach was Besonderes!

Als nächstes passieren wir eines der Schilder, die das zweite Naturschutzgebiet kennzeichnen. Hier ist ungefähr die Hälfte der Runde, lässt uns Volker wissen. Ein markanter Punkt hilft, wenn man im Freiwasser schwimmt! Volker wird die Bucht ausschwimmen, Diana und ich kürzen ab. Ein großer Baum am gegenüberliegenden Ufer dient als Zielpunkt und wird angesteuert. Ich schwimme übrigens viel Brust, mit Kopf unter Wasser. Auf Kraulen habe ich heute im See keine große Lust, außerdem habe ich so mehr Überblick. Das Wasser fühlt sich gut an, es ist zwar etwas kühl, aber das liegt eher an der Sonne, die sich manchmal hinter den einzelnen Wolken verschanzt.

Auf dem Bild von Mitte Mai sieht man die Strecke, die wir am Freitag über den See geschwommen sind

Dann kommt das Ufer näher und ich erkenne die Stelle. Hierhin bin ich auch schon mal geschwommen! Als ich vom Steg aus nach rechts, Richtung Birke, gestartet bin und bis fast zur Naturschutzbucht geschwommen bin. Yeah! Das ist ein echt schönes Gefühl, von der anderen Seite hier anzukommen. So erhaben! Wie ein großer Entdeckungsreisender… hihi!

Allerdings wird es hier ziemlich eklig. Das Wasser riecht komisch und es schwimmen so seltsame, bröselige Brocken rum. Ich weiß gar nicht, was das ist – und will es auch nicht wissen! Es ist sicher nichts Schlimmes, irgendwas aus der Natur halt. Aber angenehm ist anders. Ich schwimme Brust, vermeide es, den Kopf unterzutauchen, weil ich das Wasser nicht in den Mund bekommen möchte (etwas Wasser landet immer im Mund). Und zum Glück ist die Stelle bald passiert. Volker ruft uns zu, dass er unter Wasser eine Schildkröte gesehen hat!

Und dann brechen auch schon die letzten Meter an. Wir nähern uns der letzten „Ecke“ des Sees, dann kommt die längliche Halbinsel mit der Birke. Das war DER Punkt im Winter. Bis hierher bin ich vom Steg geschwommen, das hat im kalten Wasser eine Minute gedauert. Ich muss fast grinsen, als ich daran denke. Denn auch jetzt ist mir kalt, ich freue mich, dass der Steg nur noch ein paar Schwimmzüge entfernt ist und ich mich bald aufwärmen kann. Bei 24 Grad Wassertemperatur! Haha! Aber wir waren jetzt auch eine halbe Stunde unterwegs, auf unserem Ausflug.

Das Bild ist vom Frühling, aber man sieht die Birke und die Halbinsel ganz gut.

Am Steg warten die drei Buben, die vorhin so eifrig ins Wasser gesprungen sind. Dank meiner Boje konnten sie sehen, wo wir geschwommen sind. Volker ist die Runde schon im Frühling mehrmals geschwommen, für Diana und mich war es Premiere. Alle drei sind wir ein bisschen stolz, dass wir die See-Umrundung gemacht haben. Diana ist auch im Frühling einige Male mitgeschwommen, als das Wasser ca. 10 Grad hatte. Und während die Frösche quaken, bringt sie es auf den Punkt: „Jetzt fühle ich mich freier beim Schwimmen, ich kann das Wasser und auch die Landschaft mehr genießen. Als es so kalt war, war ich nur auf mich konzentriert.“

Und das ist tatsächlich auch für mich der größte Unterschied: Dass ich nicht mehr so auf mich und meine Körperreaktionen fokussiert bin, sondern das Schwimmen, das Wasser und die Ausblicke genießen kann. Und auch, dass ich mich an Land nicht sofort mit klammen Fingern umziehen muss, sondern ganz in Ruhe den nassen Badeanzug aus- und trockene Kleidung anziehen kann. Das Schwimmen ist leichter – und auch der Rucksack. Denn anders als im Winter reicht ein Handtuch zum Abtrocknen, warme Extraklamotten brauche ich jetzt nicht mehr.


Schwimmtherapie

Vier Wochen dürfen wir jetzt wieder im Freibad unsere Bahnen ziehen. Zeit für eine kleine Bilanz. Denn eines macht sich bemerkbar: Das Schwimmen ist die beste Therapie für den Rücken. Wie ich ja geschrieben habe, hat mir das Nicht-Schwimmen vor allem im unteren Rücken zugesetzt. Um das abzufedern, habe ich mit Yoga angefangen.

Nach den ersten Schwimmtagen im Freibad gab’s natürlich keine Verbesserung. Und ich habe auch überlegt, ob ich das mit dem Yoga jetzt seinlasse, weil ich ja wieder im „Normalbetrieb“ bin. Aber dann habe ich festgestellt, dass mir das Yoga gutgetan hat und dachte, dass ich ja ein paar spezielle Videos zum Dehnen machen kann.

Gesagt – getan! Und was muss ich feststellen? Das Dehnen nach dem Schwimmen ist bitter nötig. Und nicht nur so bisschen, wie ich das bisher (eher leidenschaftslos) gemacht habe. Mady Morrison hat jetzt keine speziellen Stretching-Videos für Schwimmer, es sind einfach Einheiten, die den gesamten Körper dehnen. Während ich die unterschiedlichen Einheiten mache, stelle ich fest, dass ich die Dehnungen jetzt viel deutlicher spüre als im Winter, als ich nicht so viel geschwommen bin. Erstaunlicherweise auch im Nacken! Und deshalb behalte ich das Yoga jetzt bei.

Hier eine kleine Aufstellung meiner Lieblingseinheiten nach dem Schwimmen:


Kraftquelle Schwimmen

Seit einer Woche ist das Freibad geöffnet und das Schwimmen ist jeden Tag ein bisschen schöner. Die Kraft kommt zurück und damit der Flow. Heute war ich seit Langem wieder total im Flow. Im Tunnel. Ganz bei mir. Um mich herum nur Wasser, vereinzelt ein paar andere Schwimmer im Becken. Ideale Bedingungen also.

Und da habe ich es gespürt. Das Leben. Und auf einmal ist alles viel leichter. Nicht nur ich im Wasser, sondern ALLES. Ich habe wieder Kraft und Energie. Mein Kopf ist frei und wird noch freier. Das macht Platz für neue Gedanken. Neue Ideen. Ich kann gar nicht zählen, wie viele gute Ideen ich beim Schwimmen schon hatte. Probleme, die mich beschäftigt haben, lösen sich im Wasser auf. Ich sehe die Lösung ganz klar vor mir. Und ich habe die Energie, mich daran zu machen.

Außerdem ergibt vieles wieder Sinn. Ich war im langen November-Lockdown, der ja sieben Monate gedauert hat, oft antriebslos. Dagegen hat auch radln und eisschwimmen nicht geholfen. Ich hatte fast keine Lust mehr, meinen Estnischkurs fortzusetzen. Wozu? Es ist eigentlich ein Hirngespinst, eine fremde, komplizierte Sprache, die ich hier in Deutschland kaum üben kann. Mühevolles immer wieder neu-reindenken. Das Gefühl, dass ich fast jedes Mal von vorne anfange. Also kann ich es gleich lassen. Doch plötzlich, mitten im schönsten Schwimmflow, ziehen estnische (und auch finnische) Vokabeln an mir vorbei. Ich fange sie auf, sie verbinden sich zu Sätzen. Ich fühle mich leicht, schwerelos und auf einmal sogar allmächtig. Als könnte ich alles schaffen! Im Wasser hat sich ein Babbel-Fisch in mein Ohr gemogelt… oder setzt das Schwimmen, die körperliche Anstrengung und das Gefühl zu fliegen, Kräfte frei?

So leer wie das Becken wird mein Kopf beim Schwimmen – das setzt Energie frei!

Es geht nicht nur mir so, auch meine Schwimmfreunde sagen, dass es ihnen so viel besser geht, wenn sie wieder schwimmen können. Ich fühle mich leichter, befreiter und eben auch: kraftvoller, voller Energie und Ideen, voller Tatendrang – auch außerhalb des Beckens.

Schwimmen ist mehr als Kachelnzählen, es ist meine Kraft- und Inspirationsquelle – hier finde ich Ruhe und meine Lebensenergie. Das ist mir heute mal wieder sehr bewusst geworden!


Zurück im Freibad

„War schön heute mit dir im Freibad“, schreibt mir meine Freundin Diana, „du warst so fröhlich.“

Ja, in der Tat, ich bin wieder fröhlich. So fühle ich mich auch, innerlich leichter, ein Lächeln fällt mir leicht, ich bin fast aufgedreht. Warum? Weil das Freibad wieder geöffnet ist. Ich wollte es fast nicht glauben, als verkündet wurde, dass die Bäder ab 21. Mai öffnen dürfen und dass es die Münchner Bäder tatsächlich am ersten Tag schaffen würden. Schließlich ist noch immer Corona und es gibt eine Menge Auflagen und Unwägbarkeiten. Und gestern war es dann tatsächlich so weit: Das Dantebad (und die anderen Bäder in München) öffneten die Türen und viele glückliche Gesichter sind zu sehen. Ich bin nur eines davon.

Wieder daheim!

Das Wetter war gestern alles andere als „Freibad“-Wetter, immer wieder regnet es leicht, die Temperaturen erreichen vielleicht 12 bis 15 Grad. Deshalb war ich doch sehr erstaunt, dass so viele Leute das Bad aufsuchten. Aber nach fast 7 Monaten Zwangspause (es war ja auch kein Hallenbad geöffnet) war den meisten wohl das Wetter genauso egal wie die Anmeldung und der negative Corona-Test.

Schwimmen konnten wir trotzdem sehr gut. Und das Schönste: Ich habe einige Dante-Bekannte getroffen. Menschen, die ich nur hier treffe. Mit denen ich einen kurzen Ratsch halte und mich freue, dass ich sie wieder sehe. Und auch die Schwimmmeister und anderen Angestellten im Bad machten den Eindruck, als freuten sie sich über die Besucher.

Vergangenes Jahr war die Zwangspause ja wesentlich kürzer, trotzdem war das erste Mal schwimmen für mich total emotional. Ich hab fast geweint, so glücklich war ich, wieder im Wasser zu sein. Das war heuer anders. Es war irgendwie „normal“, nicht emotional. Zumindest am Anfang nicht. Aber während des Schwimmens überkam es mich dann doch. Ein breites Grinsen überzieht mein Gesicht, meine Schwimmbrille verrutscht fast! Und am Beckenrand kann ich zu meinen Schwimmfreunden nur sagen: „Es ist so geil!“. Denn das war es dann auch! Ich bin zwar den ganzen Winter geschwommen, aber im See und vor allem im kalten Wasser ist das einfach was anderes. Dieses Gleiten, das Dahinschweben unter Wasser, umgeben von dem schönsten Türkis – das gibt’s nur im Freibad! Diese Freiheit, Leichtigkeit und Schwerelosigkeit. Es ist einfach unbeschreiblich!

Anstrengend ist das Schwimmen natürlich schon. Aber ich habe mir ein erstaunlich gutes Wassergefühl erhalten und mir wurde auch nicht schwindelig. Es war fast wie in meinem Traum. Die Kraft reicht noch nicht ganz für längere Strecken, ich mache Pausen und schwimme insgesamt nur zwei statt drei Kilometern. Meine Arme fühlen sich nicht kraftlos an, aber interessanterweise meine Beine!

In der Zwangspause habe ich ja mit Yoga angefangen, das ich seit 21. Dezember täglich mache. Also genau fünf Monate jetzt. Da war ich ehrlichgesagt am Überlegen, ob ich das jetzt aufgebe. Aufgeben kann. Aufgeben will. Weil ich ja wieder meinen normalen Sport machen kann. Aber dann dachte ich gestern so: Es gibt da ja auch schöne Dehneinheiten, ich mache einfach mal eine. Und das war richtig gut! Abends zum Runterkommen und nochmal alles dehnen und strecken.

Und heute habe ich mir auch wieder ein Video rausgesucht. Obwohl ich mich schon ein bisschen gedehnt hatte. Aber in diesen 15 Minuten werden sämtliche Partien gedehnt und es hat sich so wunderbar angefühlt, dass ich das mit dem Yoga noch eine Weile beibehalten werde…


Abschied vom See?

Morgen öffnen die Freibäder! Ich kann es noch gar nicht glauben! Und deshalb habe ich vom See heute auch nur so „ein bisschen“ Abschied genommen. Werde ich den See vermissen? Werde ich ihn ab und zu besuchen? Ich weiß es nicht. Aber ich kenne mich und ich bekenne: Ich bin ein Freibad-Junkie und Gelegenheitsschwimmerin – bei jeder Gelegenheit gehe ich schwimmen!

Da will ich hin!

Aber ja, ich werde auch ein bisschen wehmütig sein oder sagen wir es so: Ich erinnere mich gerne an die Zeit im See. Denn ich habe dort in den vergangenen fünf Monaten viel Zeit verbracht und gesehen, wie sich die Natur gewandelt hat: vom Grün des Herbstes im Oktober ins Nebelgrau des November bis zu Eis und Schnee im Januar und Februar. Und dann natürlich der Frühling, der alles aufblühen und ergrünen ließ, samt Regen, Wind und ja, manchmal auch Sonne.

Manchmal gab’s auch Sonne!

Ich habe miterlebt, wie das Wasser immer kälter wurde – und wie es jetzt immer wärmer wurde. Wie meine Schwimmstrecken entspannter und dann auch länger wurden. Wie ich die Wärme der Sonne unter der Wasseroberfläche gespürt habe. Und auch, wenn ich bisher weiterhin nur Oma-Brust geschwommen bin, habe ich es genossen. Den See für mich erkunden, immer ein Stückchen weiter am Ufer entlang. Neue Perspektiven genießen. Oder die markanten Winterpunkte schwimmend zu einer Linie zu verbinden.

Hier bin ich im Schneegestöber geschwommen.
Blick zur Hütte im Schnee

Außerdem habe ich am See viele Menschen getroffen, es hat sich eine nette, lockere Gemeinschaft gebildet. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich eine oder einen Mitschwimmer getroffen habe. Oder auch einige Spaziergänger, die eine Zeitlang sehr regelmäßig am See waren. Das war immer ein netter kleiner Ratsch, gerade in den kontaktarmen Corona-Zeiten sehr willkommen.

Jetzt im Frühling hatte ich oft auch tierische Gesellschaft: An der DLRG-Hütte war ein Kaninchen. Karl war fast immer da, wenn ich auch da war. Allerdings ist er schüchtern, wenn zu viele Leute am See waren, hat er sich ins Gebüsch verzogen. Aber wenn wir zwei alleine waren, hat er mitten in der Wiese an einem Grashalm gemümmelt und sich nicht stören lassen.

Kaninchen Karl

Aber der Freibad-Junkie in mir freut sich jetzt aufs Freibad, auf Schwimmen in einer Bahn. Auf den Flow beim Kraulen und darauf, dass ich keiner Anglerschnur ausweichen muss. Wie gut ich nach über einem halben Jahr Zwangspause noch schwimmen kann, wird sich zeigen. Ich bin gespannt!


Nur geträumt

Kürzlich war ich beruflich im Dantebad. Für einen Radiobeitrag über die Vorbereitungen im Freibad, das sogenannte „Auswintern“. Beim Vorbeiradeln ist mir nämlich aufgefallen, dass sich im Bad was tut! Da lagen orange Schläuche, da waren Menschen am Arbeiten. Die Klappen seitlich des Beckens waren geöffnet… jemand hat mit dem Hochdruckreiniger gespritzt. Was ist da los? Dürfen wir bald ins Becken? Zum Glück darf ich in meinem Beruf neugierig sein und so habe ich einen Termin ausgemacht, mein Mikrofon eingepackt und meine neugierigen Fragen ausgepackt. Vorneweg: Was Gwieß woaß ma ned … Also die Badbetreiber wissen auch nicht, ob und wann und wie sie öffnen dürfen. Aber sie wollen bereit sein.

Das Stadionbecken ist schon einsatzbereit!

Im Dantebad gibt’s ja zwei 50-Meter-Becken. Das Stadionbecken, das auch im Winter als Warmfreibad dient (in normalen Zeiten) und dann „mein“ Becken, also das Sommer- oder Freibadbecken. Das Stadionbecken sieht schon sehr gut aus, glasklares Wasser, außenrum alles piccobello – „Ja, das ist schon fertig. Wasser hat ca. 22 Grad“, erfahre ich. Und da könnt ihr euch ja vorstellen, dass ich da am liebsten alles hingeworfen hätte und reingesprungen wäre… aber naja. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps …

Im Sommerbecken fangen die Arbeiten erst an. Da ist auch Wasser drin, aber das ist: dunkelgrün! Da ist das Wasser im See klarer! Tiefstes Grün und zwei Enten schwimmen hier, fühlen sich wohl wie daheim. Und ich: wieder neidisch!

Das Sommerbecken mit tiefgrünem Wasser …
Hier sieht man, wie grün das Wasser über den Winter geworden ist. Und auf der Schwimmerbahn landet gerade eine Ente. Die hat’s gut …

Naja. Irgendwann war das Interview vorbei und ich musste mich von dieser Traumlandschaft verabschieden. Traurig. Und das war echt hart!

In den folgenden Nächten habe ich dann geträumt. Ich habe geträumt, wie ich ganz allein in das Stadionbecken darf, um zu schwimmen. „Man sieht, dass du es dringend nötig hast“, meinten die Schwimmmeister noch. „Außerdem muss ja jemand testen, ob das Bad noch funktioniert, nach so einer langen Pause.“ Und naja. Was sollte ich da sagen? „Klar, mach ich doch gern!“. Im Traum hatte ich den Badeanzug schon an, die Kappe auf und rücke noch die Brille zurecht. Ich komme mir im Traum sogar vor, als wäre ich in einem Traum – ein ganzes Becken für mich allein? Das kann doch gar nicht sein! Und es wird garantiert keiner kommen. Zu schön, sogar im Traum surreal.

Ich drehe mich im Schlaf genüsslich um, atme tief ein und dann bin ich unter Wasser. In diesem schönen Türkis – und alles meins! Keiner da! Ich schwebe über dem Beckenboden, das Wasser ist weich und angenehm warm. Ich stoße mich vom Beckenrand ab – herrlich, dieser Abstoß, die Kraft, das Schweben im Wasser. Dann tauche ich auf und kraule los. Und ich kann es natürlich supergut, weil ich ja träume. Ich gleite durchs Wasser, da wäre sogar Michael Phelps neidisch geworden. Und schon sind die ersten 50 Meter geschafft, ich mache eine perfekte Rollwende, stoße mich kraftvoll ab und schwimme kraftvoll zurück. Mir wird nicht schwindlig, meine Arme werden nicht müde, ich komme nicht außer Atem – ich fliege durchs Becken und bin ganz selig. Endlich wieder „daheim“ – nach über einem halben Jahr Zwangspause.

Ein ganzes Becken für mich allein — träumen wird man ja noch dürfen …

Irgendwann verschlucke ich mich. Oder so. Jedenfalls wache ich auch und muss husten. Ich bin ganz verwirrt. Wo bin ich. Wo ist meine Schwimmbrille. Warum ist es im Bad auf einmal dunkel. Und überhaupt! Ich bin trocken! So langsam dämmert es mir: Ich habe geträumt. Vom Fliegen. Vom Schwimmen. Vom Gleiten. Vom Hin- und Herschwimmen. Vom kraftvollen Abstoßen am Beckenrand. Von dem unbeschreiblichen Gefühl, wenn ich zum ersten Mal ins Wasser gleite, untertauche und mich vom Boden wieder abstoße, um an die Oberfläche zu kommen …

Und dann bin ich ein bisschen traurig. Weil mir bewusst wird, dass es nur ein Traum war und die harte Wirklichkeit so aussieht, dass keiner weiß, wann die Freibäder öffnen dürfen. Und leider wird es auch so sein wie letztes Jahr, dass ich kaum mehr Kondition habe, dass mir vielleicht wieder schwindlig wird beim Schwimmen und dass mein Schwimmstil noch viel schlechter geworden ist in der langen, viel zu langen Zwangspause. Denn das Schwimmen im See, das war kein Ersatz!

Aber hey: Träumen wird man doch noch dürfen …


Fisch mit Fahrrad

Es ist Regen angesagt, schon morgens weckt mich das Trommeln der Tropfen am Fensterbrett sanft auf. Doch dann, am Frühstückstisch, blendet mich auf einmal die Sonne! Ja, sowas! Ein Blick aufs Regenradar lässt hoffen: Erst in knapp drei Stunden soll es wieder nass von oben werden. Das will ich nutzen, organisiere meinen Tag um, packe meinen Rucksack und nehme dann doch lieber die Regenjacke und –hose mit. Sicher ist sicher.

Und dann fängt es zu tröpfeln an, kaum dass ich zehn Minuten unterwegs bin. Ich bleibe stehen, ziehe die Regenklamotten an und ziehe den Regenschutz über den Rucksack. „Bissl tröpfeln, das macht ja nix“, denke ich mir und radle weiter. Und obwohl Mai ist, ist es kalt. Zehn oder zwölf Grad, deshalb habe ich auch die Handschuhe an. Irgendwie ist es noch immer wie im Winter und die Bäder sind auch noch immer geschlossen. Aber ich will mich nicht unterkriegen lassen und radle weiter. Doch der Regen wird immer stärker, jetzt läuft Wasser in meine Turnschuhe, das bald hin- und herschwappt. Soll ich umkehren? Nein, jetzt bin ich eh schon nass, da ist es auch egal. Und vielleicht wird’s ja besser? Und dann war ich immerhin an der Luft, schwimmen muss ich ja nicht.

Und so radle ich weiter, den größten Teil der Strecke habe ich ja noch vor mir. Der Regen lässt nicht nach und dann denke ich mir, dass ich trotzdem schwimmen will. Weil ich mich sonst ärgere, dass ich für „nichts“ nass geworden bin.

Sogar auf dem Bild sieht man, wie die Regentropfen ins Wasser fallen

Das Gute am Regattabadesee ist ja, dass ich meine Sachen an der DLRG-Hütte im Trockenen abstellen kann. Meine Schuhe sind allerdings so nass, als wäre ich damit im See gewesen. Das wird ja nachher ein Spaß, denke ich mir …

Und dann gehe ich tatsächlich schwimmen. Es ist nicht mal so kalt wie ich befürchtet hatte. Die Regentropfen fallen mit solcher Wucht vom Himmel, dass sie kleine Krater auf der Wasseroberfläche hinterlassen. Kurz werde ich wehmütig und denke daran, dass ich gern bei Regen schwimme – im Freibad, wenn das Wasser nicht 13, sondern 23 oder 24 Grad hat. Naja. Hier im See ist es aber erstaunlich warm. Ich schwimme Oma-Brust, es fühlt sich gut an. Und weil es ja regnet, sind keine Angler am See, so dass ich frei wählen kann, wohin ich schwimmen will. Wellen gibt’s auch keine und so entscheide ich mich für die linke Seite des Stegs. Da bin ich länger nicht geschwommen, was schade ist, weil ich die Strecke ganz gern mag. Denn sie führt mich an meinen Winterstellen vorbei. Erst kommt die Winterstrecke bis zum ersten Gebüsch, bis dahin bin ich im Winter bei niedrigen Wassertemperaturen geschwommen, umgedreht, zurück und nochmal. Dann kommt die Stelle zwischen dem Gebüsch und dem Schilf. Einmal war das Eis am Steg zurückgekommen, doch hier war frei. Weiter geht’s zur Bank, die einige Male meine „Anlegestelle“ war, als der See am Steg zugefroren war. Hier war’s auch, dass ich mir durch die hauchdünne Eisschicht meinen Weg zu Wasser bahnen musste (und die Eisschollen so schön geklirrt haben). Die Stelle von der Bank bis zu dieser kleinen Landzunge mit Baum kenne ich dann, weil ich hier eben im Eis geschwommen bin. Und die Bucht an der Landzunge kenne ich. Als nämlich auch an der Bank der See zugefroren war, war es hier noch eisfrei. An der Landzunge drehe ich um, ich will es nicht übertreiben, denn so richtig warm ist das Wasser nicht und ich habe wegen des Regens und der Kälte an Land doch Respekt.

Als ich mich umdrehe, erscheint mir die Hütte sehr weit entfernt. Aber tatsächlich bin ich nur fünf Minuten geschwommen. Der Regen ist inzwischen leichter geworden, die Tropfen tauchen fast unbemerkt unter die Wasseroberfläche. Ich überlege, wie es wäre, an Land zurückgehen zu müssen. „Furchtbar“ wäre das, schießt es mir durch den Kopf. Der Weg würde mir weiter vorkommen, außerdem würde ich wohl frieren, nass an Land. Im Wasser fühle ich mich irgendwie beschützt. Daheim. Gut aufgehoben. Und dann denke ich, dass ich im nächsten Leben wohl ein Fisch werden will. In gewisser Weise bin ich ja eine Art „Teilzeitfisch“, mit Fahrrad! Während ich noch so über das Dasein als Teilzeitfisch sinniere und auch an den „Kleinen Wassermann“ von Otfried Preußler denke, merke ich gar nicht, dass ich schon am Schilf vorbeigeschwommen bin und ich mich auf der Zielgeraden befinde. Am Gebüsch vorbei und schwupps: bin ich auch schon wieder am Steg. Hinter den dicken grauen Wolken lässt sich eine Sonnenscheibe erahnen, doch die Tropfen tröpfeln noch leise weiter. Ob es wohl auf der Heimfahrt sonnig wird?

So tolle Farben habe ich länger nicht gesehen!

Elf Minuten bin ich geschwommen. Und ich bin ein bisschen stolz auf mich, dass ich das heute geschafft habe. Obwohl ich vom Radln total nass geworden bin und weiß, dass es jetzt ziemlich unangenehm ist, die nassen Klamotten anzuziehen. Die Schuhe sind am schlimmsten. Sie sind so nass als ob ich damit im See gewesen wäre. Kurz überlege ich, in den Flip-Flops zu radeln. Aber für die lange Strecke sind mir die zu rutschig. Meine Handschuhe kann ich gar nicht anziehen, auch sie sind pitschepatschenass. Auf dem Heimweg tröpfelt es nur noch ganz leicht, aber meine Finger werden steif und die Füße in den klatschnassen Schuhen werden eiskalt. Und da weiß ich: Die elf Minuten im Wasser waren heute das Schönste!


April, April

Ende März war ich guter Dinge: Jetzt, ja jetzt, wird das Wetter besser. Dann kann ich entweder länger schwimmen oder auch mal wieder mit dem Rennrad fahren. Tja – und wie das so ist: Der Mensch plant und Gott lacht. Und Petrus weint oder findet es lustig, dem April sein April-Wetter zurückzugeben. Mehr Schnee als im Dezember, kälter war’s auch und zum Teil so mieses Wetter, dass ich nicht mal Lust zum Schwimmen hatte. Da war meine Laune am Boden, um nicht zu sagen: im Keller!

Regen und kalt

Der April war eine harte Prüfung. Meine eigene Challenge mit „jeden Tag schwimmen“ war im Februar und März oft genug Antrieb, dass ich mich aufraffe und zum See radle. Aber so ohne „Druck“ wollte ich manchmal nicht. Hinzu kam, dass ab 10. April die Angler zurück waren. An diesem Tag war ich mit dem Rennrad unterwegs, hab aber eine Stippvisite am See gemacht und da saßen sie.

Mal ein anderer Blickwinkel

Ringsum, immer mit Abstand, alle paar Meter eine Angelschnur im Wasser. Am nächsten Tag habe ich dann gefragt, warum es jetzt wieder erlaubt ist (seit Ende Februar stand da ein Schild, dass Angeln verboten ist). Einer der Herren sagte mir, dass die Fische im See eingesetzt sind, also aus einer Fischzucht stammen. Und die dürfen sich erst mal „eingrooven“, bevor sie rausgefischt werden. Als ich dann am Montag schwimmen wollte, war es fast nicht möglich. Denn links und rechts vom Steg waren Angler, die Schnur sieht man ja kaum und sie reicht auch weit in den See hinaus. Und naja – in einer Angelschnur wollte ich mich nicht verheddern. Ich bin dann so ein bisschen doof hin- und hergeschwommen und hab mir gedacht, dass ich im Winter mit den Eisschollen mehr Bewegungsfreiheit hatte.

Dann habe ich einen anderen See ausprobiert. Da waren zwar keine Angler, aber irgendwie war es dort nicht so angenehm zum Umziehen und Sachen ablegen. Und überhaupt: Ich bin den ganzen Winter da geschwommen, warum soll ich mich jetzt vertreiben lassen? Bisschen Trotz macht sich breit…

Schön, aber halt anders…

Am nächsten Tag war ich wieder am Regattabadesee. Und siehe da: kaum noch Angler, ich konnte auf der einen Seite vom Steg prima am Ufer entlang schwimmen. Denn inzwischen ist das Wasser merklich wärmer geworden: 10 Grad.

Und nicht nur das Wasser ist wärmer geworden, auch die Natur verändert sich. Erst nur ganz zögerlich, aber ein paar schönere Tage mit Sonnenschein reichten den Bäumen aus. Jetzt haben sich die Blätter aus ihren Knospen gewagt und rund um den See ist jeden Tag mehr Grün zu sehen. Das freut mich, vor allem nach diesem sehr intensiven Winter am See und dem kalten April (übrigens der kälteste April seit 40 Jahren!).

Es ist merklich grüner am See geworden

Allerdings habe ich auch daheim etwas von dieser „Natur“ festgestellt: Die Innenseite von meinem Badeanzug ist ganz fleckig, schwarze Flecken. Mit bloßem Ausspülen ging das gar nicht weg, der Badeanzug musste in die Waschmaschine!

Kennt ihr das auch? Lauter Schmutz im Badeanzug… 😕

Nachts war es weiterhin kalt, zum Teil sogar mit leichtem Frost. Doch es war klar und darum schien schon vormittags die Sonne. Sie steht auch schon hoch am Horizont, ich bemerke es beim Fotografieren und natürlich an der Hütte. Da sind die Sonnen- und Schattenstellen inzwischen ganz anders als im Dezember oder Januar. Auch, wenn die Luft noch frisch war, hat die Sonne mich schon gut gewärmt. Es ist herrlich, wenn sie mir beim Schwimmen auf den Rücken scheint und ich im spiegelglatten Wasser meine Runde schwimme. Und das Wasser wurde trotz der kalten Nächte wärmer, es sind schon 14 Grad. Und da kann ich endlich länger schwimmen. Und auch entspannter, weil nicht sofort alles einzufrieren droht. Und ja, 14 Grad sind nicht warm. Aber wenn man bedenkt, dass ich den ganzen Winter bei mehr oder weniger 5 Grad Wassertemperatur geschwommen bin, ist das ja 3mal so warm! Plus die wärmende Sonne! Zuerst bin ich mal 8 Minuten geschwommen, irgendwann habe ich mir eine kleine Strecke vorgenommen – am Ufer entlang und weiterhin Oma-Brust – da war ich 12 Minuten unterwegs. Das längste, das ich bisher geschwommen bin, waren knapp 17 Minuten an einem schönen sonnigen Tag. Die Sonne hat mich wirklich während des Schwimmens gewärmt, das war sehr angenehm!

Fast schon sommerlich…

Tja und dann wollte ich natürlich auch mal schauen, wie es meiner Schwimmtechnik geht. Ich war zwar (fast) jeden Tag im Wasser, aber vor allem im kalten Wasser war es mehr „Überleben“ als schwimmen. Und deshalb habe ich mir jetzt vorgenommen, auf die korrekte Ausführung des Brustarmzugs und Beinschlags zu achten. Das geht trotz Kopf über Wasser ganz gut. Aber hallo – war ich außer Atem, als ich mal ein bisschen mehr Kraft aufgewendet habe! Sehr frustrierend, andererseits kein Wunder nach einem halben Jahr Zwangspause. Und am nächsten Tag habe ich sogar in den Armen die Anstrengung noch gespürt: Ein leichtes Ziehen machte sich bemerkbar. Ohje!

Und jetzt fragt ihr euch vielleicht, wie das mit den Anglern weiterging … die wurden dann zum Glück weniger. Wahrscheinlich haben die Fische nicht mehr so gut „gebissen“. Und da ist natürlich in meinem Kopf sofort das Kino angesprungen und ich war mittendrin im See in der Fisch-Community. Da hatte es sich nämlich rumgesprochen, dass es zwar irgendwelche Leckereien gibt, aber irgendwas war daran faul … Fisch-Sepp zu Fisch-Schorsch: „Du, was ist eigentlich mitm Heinzi? Der wollte doch da mal schauen, was es mit diesen Leckerbissen auf sich hat?“ Fisch-Sepp runzelt die Stirn und antwortet: „Ja, stimmt! Seitdem hab ich den nicht mehr gesehen. Und jetzt wo du’s sagst: Die Bärbel ist auch nicht mehr zurückgekommen und der Kurt auch nicht …“. Fisch-Schorsch schiebt die Unterlippe vor, denkt nach und sagt: „Dann bleiben wir lieber hier im tiefen Wasser … irgendwie macht mir das schon Angst, dass die alle nimmer da sind …“

Ich bin aber noch da, am und im See und im April waren es dann doch 21 Tage im Wasser.

Es sieht nicht nur anders aus, es klingt auch anders…

Schwimmen im Schmelzwasser

Ende März war es schon richtig schönes Wetter: warm, sonnig, windstill. Das Wasser im Regattabadesee hatte 11 Grad, das hat sich schon richtig gut angefühlt – auch an den eher wolkigen Tagen. Ich bin auch schon etwas länger geschwommen – 8 bis 9 Minuten.

Trotz Wolken war es schon schön warm im Wasser

Ostern war ich im Tegernsee schwimmen. Dass der Tegernsee kälter sein wird, war mir klar. Schließlich ist das ein natürlicher See im Voralpenland mit sieben Zuflüssen aus den Bergen, auf denen noch ziemlich viel Schnee liegt.

Auf den Bergen um den Tegernsee liegt noch Schnee

Das Wetter ist zwar nicht mehr so frühlingshaft wie Ende März, aber mit Sonnenschein erreichen die Temperaturen an Land etwa 10 Grad. Als ich meinen Fuß ins Wasser setze, merke ich schon, dass es kalt ist. Und damit meine ich: richtig kalt. Ich tauche unter und schwimme los. Und da spüre ich, wie meine Zehen kalt werden. Obwohl es im Regattabadesee bisher auch nur ein paar warme Tage gab, habe ich schon fast vergessen, wie das ist. Und auch am restlichen Körper merke ich, wie kalt sich das kalte Wasser anfühlt. Das Wasser fühlt sich auch hart an, fast griffig … Und ich habe den Eindruck, dass ich die Schneeschmelze spüren kann! Das Wasser fühlt sich für mich so an, als würde hier, direkt neben mir, ein Schneehaufen schmelzen, und ich würde in diesem Schmelzwasser schwimmen.

Ich schwimme im Schmelzwasser

Irgendwann schaue ich auf mein Thermometer: Das Wasser ist 6 Grad kalt. Es fühlt sich genauso an! Das Schwimmen ist trotzdem schön und als ich nach 5 Minuten wieder an Land bin, durchläuft mich ein ganz hervorragendes Kribbeln! Ein richtiger Kick – das hatte ich lange nicht. Die Lebensgeister sind am Tanzen, eine Flut von Glückshormonen jagt die nächste. Wahnsinn, so intensiv!

Schleierwolken machen eine fast mystische Stimmung

Inzwischen macht der April, was er will. Es ist ziemlich kalt, die letzten beiden Tage hat es geschneit, der Schnee ist sogar kurz liegengeblieben, dazu ein ziemlich strammer Wind, der die Flocken durcheinander wirbelt. Und ich? Ich habe keine Lust mehr, bei so einem miesen Wetter zu schwimmen. Denn mit dem Wind an Land ist mir nach dem Schwimmen wieder so fies kalt, ich habe das Gefühl, dass ich das momentan nicht mehr aushalten kann. Und weil ich meine eigene „Challenge“ mit den 50 Tagen ja beendet habe, fühle ich mich „frei“. Blöd, oder?

Inzwischen ist auch eine andere Challenge beendet: Ich habe an einer 30-tägigen Yoga-Challenge teilgenommen. Da gab’s eine Liste mit Videos, die wir in einer Facebook-Gruppe gemeinsam gemacht haben. Da waren einfache Einheiten dabei, aber auch anspruchsvolle. Ich bin ziemlich stolz auf mich, dass ich alle Yoga-Einheiten gemacht habe. Und bei den schwierigen nicht sofort an mir gezweifelt habe – sondern so gut es ging mitgemacht habe. Außerdem habe ich mir vorgenommen, einige dieser Sequenzen nochmal auszuprobieren. Denn oft hängt es von der Tagesform ab, wie gut es gelingt, wie stabil ich bei Balanceübungen stehen kann. Was immer gut funktioniert, sind die Dehnungen. Das heißt für mich: Ich bin beweglich, aber an der Stabilität sollte ich noch arbeiten. Das hilft dann auch beim Schwimmen – wenn das mal wieder „normal“ möglich ist.

Das Video hat mich ziemlich gefordert, deshalb werde ich es nochmal versuchen …