Kaltmamsell

Eisschwimmen kann man es nicht nennen, denn dazu ist es zu warm. Aber „normales“ Schwimmen auch nicht – dazu ist es zu kalt. Das Freibad in Fürstenfeldbruck ist ja noch bis Kirchweih geöffnet (Probleme mit dem Hallenbad). Vergangenen Sonntag war es so schön, dort zu schwimmen. Obwohl das Wasser nur 19.8 Grad hatte. Oder: Weil das Wasser nur knapp 20 Grad hatte. Denn das hält viele vom Freibad-Besuch ab, es waren außer mir nur zwei andere Schwimmer da. Und schon klar: Wenn man richtig trainieren will, ist es zu kalt. Die Muskeln werden hart, eine Pause zwischendrin ist (zumindest für mich) undenkbar. Aber ich bin ja keine Leistungsschwimmerin und kaltes Wasser macht mir nicht so viel aus. Deshalb MUSSTE ich am Freitag nochmal nach Fürstenfeldbruck.

Die ganze Woche war das Wetter mies: grau, regnerisch – Hallenbadwetter. Am Freitag aber war es schön und warm. Fast 19 Grad, dazu Sonne und Schleierwolken. Ein Anruf in der AmperOase: Das Wasser hat 19.5 Grad. Juhu! Ich hätte mit weniger gerechnet, nach den kalten Nächten. Also, ab aufs Radl und los. Auch kaum Gegenwind und wie gesagt: schön warm. Und weil ich die Strecke inzwischen kenne, habe ich sie gedanklich in Abschnitte eingeteilt – dadurch wird sie kürzer. Und schwupps, schon bin ich da! Und sonst keiner. Hehe!

Eine wahre Oase

Nachdem ich den Bademeister gebeten habe, ein Bild von mir und der Temperaturtafel zu machen, kommt tatsächlich noch ein Mann, der auch schwimmen will. Und eine Frau war im Wasser! Ich sag zu ihm: „Jetzt wird’s gleich voll!“ und wir beide müssen lachen.

Das war vorm Schwimmen, aber danach habe ich mindestens genauso gegrinst!

Wie auch beim letzten Mal bin ich mental auf das kalte Freibadwasser vorbereitet. Ich gleite rein, ja, es ist kalt. Obwohl die Sonne scheint. Aber es ist nur 0.3 Grad kälter als letzte Woche und da waren Wolken – also: Das wird schon. Nach 100 Metern hat sich mein Körper an die Temperatur gewöhnt und es geht los. Es fühlt sich gut an. Das Wasser trägt mich, die Sonne scheint, alles ist so schön türkis und hell. Wunderbar! Und ja, ich spüre auch, dass das Wasser kalt ist. Doch ich blende es wie beim letzten Mal aus. Und wie die Woche davor ist es dann viel zu schnell vorbei! Ob ich noch 500 Meter mehr mache? Nein, vernünftig sein! Du musst noch über eine Stunde heimradeln. Und jetzt fühlt es sich gut an. Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist – ok. Ich bin total high, weil es so toll war! Und beim Heimradeln auch noch leichten Rückenwind – was will man mehr? Ich bin noch den ganzen Abend total geflasht, weil es so toll war!

Luft und Wasser waren fast gleich warm.

Gestern hat es dann fast die ganze Zeit geregnet, es ist auch ziemlich kühl geworden. Nur noch 10 statt 19 Grad. Da habe ich dann von meinem Ausflug gezehrt. „Gut, dass ich das gestern noch genutzt habe!“

Heute, Sonntag, ist das Wetter besser. Kaum Wind, kein Regen, manchmal spitzt die Sonne raus. Kühl ist es aber noch immer: morgens grad mal 5 Grad, mittags immerhin 9 Grad. Ich habe Respekt vor der weiten Fahrt (fast 30 km) nach Fürstenfeldbruck – und noch mehr vor der Rückfahrt. Deshalb beschließe ich, dass ich die Eisschwimmsaison im See einläute. In der Corona-Schwimmpause, als ich viel geradelt bin, habe ich den Regattabadesee entdeckt und festgestellt, dass es dorthin genauso weit ist wie zum Langwieder See, in dem ich sonst schwimme. Im Mai dachte ich mir, dass ich das im Herbst/Winter mal teste. Weil es am Regattabadesee auch einen Steg und eine Hütte von der DLRG gibt, auf deren Terrasse ich mich windgeschützt (falls nötig) umziehen kann.

Die Wolken hängen tief, der Boden ist nass, es ist kalt beim Radeln. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich es am See überhaupt schaffe, mich auszuziehen, weil es so unangenehm feuchtkalt ist beim Radeln. Als ich aber am Regattabadesee ankomme, macht sich die Sonne als weiße Scheibe hinter den grauen Wolken bemerkbar. Ich schaue auf die glatte Wasseroberfläche und denke: Ausprobieren will ich es auf jeden Fall. Und dann mal sehen.

Ganz vorsichtig will die Sonne rauskommen…

Auf der Wiese neben der Hütte sind eine Reihe Angler, aber die stören mich nicht weiter. Der Steg wirkt wie eine Begrenzung zu deren „Gebiet“. Ich ziehe mich aus, den Badeanzug habe ich schon drunter. Meine Sachen liegen bei der Hütte, nur Handtuch, Thermometer und Badeschuhe nehme ich mit zum Steg. Ich gehe ins Wasser, es ist nicht kalt. Bis zu den Oberschenkeln ist es kein Problem, dann warte ich kurz ab, um mich zu akklimatisieren. Ich atme tief durch, mache mich bereit – und tauche unter. Ja, schon frisch. Aber es geht. Und so schwimme ich los. Immer am Ufer entlang, weg von den Anglern. Das Wasser ist total klar, ich sehe den Grund unter mir ganz deutlich. Es ist auch überhaupt nicht tief, vielleicht hüfttief.

Nach ein paar Zügen hat sich mein Körper an das Wasser gewöhnt, ich schwimme Oma-Brust und es ist richtig schön! Und jetzt wird mir auch warm. Die „Heizung“ läuft und wärmt den Rücken. Im See ist es immer schwierig, so eine Strecke abzuschätzen. Wie weit will ich schwimmen? Wie weit ist realistisch? Was wäre ein guter Anhaltspunkt? Ich finde es immer schön, ein Ziel zu haben. Das geht im See nicht so leicht wie im Freibad. Ich suche mir für den Moment einen kleinen Busch aus, bis dort hin und dann zurück. Wie weit das ist? Keine Ahnung. Ich drehe um, schwimme Richtung Steg. Und weil es so schön ist im Wasser und es sich gut anfühlt, schwimme ich nochmal dieselbe Strecke. Es ist toll! Und nicht kalt. Ich schau mal kurz auf das Thermometer: Es zeigt 15 Grad an. Also kälter als im Freibad in Fürstenfeldbruck, aber doch ganz schön warm.

Als ich fertig bin, kommt die Sonne zwar ein bisschen besser durch die Wolkenschicht, aber es kommt auch Wind auf. Deshalb bin ich froh, dass ich mich geschützt an der Holzwand der Wachstation umziehen kann. Eigentlich wollte ich dann ein Foto vom Thermometer machen, aber das steht nach kürzester Zeit nicht mehr bei 15 Grad, sondern bei 10! Die Luft ist so kalt, dass das Thermometer sofort reagiert. Krass – und das Wasser ist wärmer als die Luft. Schön!

Lichtreflexe auf dem sich leicht kräuselndem Wasser im Regattabadesee

Ich bin angezogen und setze mich noch kurz auf die Stufen, versuche, die wenige Sonnenenergie aufzunehmen. Doch sie ist zu schwach. Der Tee wärmt mich, meine Füße in den Schuhen sind aber kalt. Zittern muss ich nicht, ich spüre nur, dass ich Sehnsucht nach Sonnenwärme hätte.

Da kommen auf einmal drei Jungs, etwa 9 Jahre alt, um die Ecke. Stellen ihre Roller ab und sind schon am Ufer. Ich denke: Gottseidank bin ich schon fertig. Denn es ist ein Riesen-Hallo! Die kleinen Hände ins Wasser gesteckt: „Papa, das ist gar nicht kalt!“ – „Ich mag schwimmen!“ – „Ohja, dürfen wir in Unterhosen schwimmen?“ – Der Vater ermahnt die Burschen, dass sie nicht so rumschreien sollen. Immer noch ganz aus dem Häuschen, jetzt nicht mehr ganz so laut, wollen die Burschen trotzdem schwimmen. „Bitte, bitte, bitte!“. Der Vater ist davon nicht überzeugt und sagt, dass jetzt Schluss sei mit dem „Schmarrn“, wir gehen nicht schwimmen und damit basta – und Handtücher haben wir auch nicht dabei.

Ich muss innerlich lachen. Denn wenn ich etwas später und die Familie etwas früher gekommen wäre, hätten mich die Jungs schwimmen sehen – und der Vater natürlich auch. Und dann wäre es dünn geworden mit den Argumenten. Die Burschen hatten ja recht: Das Wasser war nicht kalt. Punkt für den Vater: keine Handtücher. Das ist bei so kühlen Außentemperaturen blöd. Leider war mein Handtuch komplett nass, ich habe den Badeanzug darin eingewickelt. Wie gern hätte ich den Jungs den Spaß erlaubt! Und wie froh war ich – bin ich – dass ich erwachsen bin und machen kann, was ich für richtig halte. Egal, was andere darüber denken.

Beim Heimradln habe ich darüber nachgedacht, ob ich es meinen Kindern (hätte ich welche) erlaubt hätte. Wahrscheinlich ja. Denn ich hätte sie wohl zu meinem Schwimmausflug mitgenommen und dann würden sie sehen, dass es nicht schlimm ist. Eher normal. Und dass man sich danach sofort abtrocknen und umziehen muss. Damit man gesund bleibt – und nächstes Mal wieder schwimmen kann.


Auf ein Neues – nach Fürstenfeldbruck

Also, dass meine Schwimmpläne gestern so verweht wurden, hat mir heute keine Ruhe gelassen. Die Wettervorhersage war besser, kein Regen in Sicht, der Wind weniger. Also wollte ich es nochmal wissen und bin aufs Radl gestiegen, um nach Fürstenfeldbruck zu fahren. Die Sonne kam auch raus, kann es schöner sein?

Äh, ja. Es kann. Denn der „windstille“ Tag war leider nicht windstill, sondern ziemlich zugig. Und zwar aus Westen, also Gegenwind. Zwar keine Böen, aber kontinuierlich. Das zehrt an den Nerven. Wind ist ein fieser Gegner beim Radln, man weiß nie, wann er aufhört – anders als ein Berg. Aber weil die Sonne scheint und ich auch sonst keine Pläne für heute hatte, hab ich mich durchgebissen. Und mir vorgestellt, dass ich im Urlaub bin – da hatte ich auch oft mal Gegenwind und musste tatsächlich weiterradeln, weil ich zu meiner Unterkunft musste.

Irgendwann war ich dann in Fürstenfeldbruck und im Freibad. Und die Sonne scheint von einem blauen Himmel, die Wolkenwand da hinten – „ach, die wird schon nicht jetzt kommen“. Ein Blick ins Bad – alles leer! Juhu. Und wie schön blau das leuchtet dank der Fliesen.

Blau, blau, blau – meine Lieblingsfarbe!

Heute stand auf der Tafel auch die Wassertemperatur: 19.8 Grad. Hui! Und gut, dass ich meine Schwimmfreundin nicht überredet habe mitzukommen. Da hätte ich mir wohl was anhören dürfen … Ich hatte aber eh damit gerechnet, dass es maximal 21 Grad sein werden. Deshalb bin ich innerlich vorbereitet (wie beim Eisschwimmen), friemle die Ohrenstöpsel in die Ohren, setze Kappe und Brille auf und tauche ein. Oh, das ist kalt. Und der Wind macht es nicht besser. Lieber schnell untertauchen und starten.

Fast 20 Grad!

Wie immer ist es am Anfang sehr kalt. Bis sich der Körper an die Temperatur gewöhnt. Aber es ist schön. Acht Bahnen, insgesamt drei Schwimmer. Da bin ich ganz entspannt. Wer soll jetzt schon kommen und mich stören? Und es ist so schön türkis und hell unter Wasser (nach gestern in der Dunkelkammer aka Olympiaschwimmhalle). Ich bin ganz happy und komme gleich in meinen Flow. Das Wasser trägt mich, ich bin schnell (also, gefühlt) und ich schwimmeschwimmeschwimme! Mei, so schön. Kalt? Nö. Das blende ich aus. Darauf habe ich heute keine Lust. Ich will schwimmen. Ich will alleine schwimmen. Ich schwimme. Ich schwimme alleine. Was, schon wieder 50 Meter rum? Krass. Weitersoimmerweiter!

Aber hei, was ist da los? Jetzt schieben sich diese blöden Wolken ausgerechnet vor die Sonne. Da hinten, da ist der ganze Himmel hellblau – aber da ist die Sonne nicht. He, ihr Wolken! Geht da hinter. Da ist ganz viel Platz. He, Sonne! Kämpf ein bisschen! Ja, so ist’s gut, komm raus! Ich spüre jede kleinste Veränderung, jeden Minimalsonnenstrahl kann ich wahrnehmen. Das ist es, was das Schwimmen im Freibad so schön macht.

Daaaaa hinten ist der Himmel blau. Aber da ist die Sonne leider nicht.

Und dann ist schon die Hälfte rum. Ich habe mir 2.000 Meter, also 40 Bahnen, vorgenommen. Nach 1.000 Metern spüre ich natürlich schon, dass es kalt ist. Aber mich packt dann auch der Ehrgeiz. Ich habe mir 40 Bahnen vorgenommen, da schwimme ich auch 40 Bahnen. Weil: So kalt ist es nicht. Außerdem habe ich heute wieder einen heißen Tee dabei, das ist schon ein beruhigender Gedanke. Und weiter geht’s. Noch 16 Bahnen. Das ist nicht viel. Noch 10. Ja, die paar schaffe ich auch noch. Was, nur noch 4 Bahnen? Noch zweimal in den schattigen, kühlen Bereich am Ende des Beckens? Was? Letzte Bahn? Nur noch 50 Meter? Echt? Schon vorbei? Ich bin doch gerade erst gekomm… naja. Ok. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass ich nicht gerade erst gekommen bin. Und ja, mir ist jetzt auch ein bisschen kalt, meine Füße sind etwas taub, als ich mich hinstelle.

Es war wunderschön. So im Tunnel, in Trance, nur ich und das Wasser und das Wasser und ich und überhaupt: Sowas von schön! Das war’s total wert, so weit geradelt zu sein. Gegen den Wind gekämpft zu haben. Nur noch zwei Wochen! Dann ist auch in Fürstenfeldbruck Schluss. Das Wasser wird jedenfalls nicht mehr wärmer, „eher kälter“ meint der Bademeister, als ich die Temperaturtafel fotografiere.


Vom Winde verweht …

Der Plan wäre sooo gut gewesen: Laut Wetterbericht am Vormittag Ostwind, am Nachmittag Westwind – perfekt für einen Radausflug nach Fürstenfeldbruck, das westlich von München liegt. Rückenwind auf beiden Strecken, so fein!

Gestern bin ich auch schon nach Fürstenfeldbruck geradelt. Da war anfangs kaum Wind, die Licht- und Luftstimmung war aber sehr seltsam: Der Föhn hat schon gedrückt, es war seltsam warm, das Licht indirekt, die Wolken in München dick und dunkelgrau, Richtung Süden war es hell. Fast apokalyptisch.

Apokalyptische Stimmung

Die Fahrt dauert gut anderthalb Stunden mit dem normalen Stadtfahrrad, es geht am Ende auch noch bergauf und bergab. Und dann ist das Freibad endlich da. Wie voll wird es an einem wolkigen Freitagnachmittag sein? Freitage sind immer wie eine Wundertüte – alles ist möglich. Es ist: leer! Also, ok, zwei Leute schwimmen. Welche der leeren Bahnen nehme ich? Schwierige Entscheidungen schon vor dem Start … 😉

Alles meins in Fürstenfeldbruck

Einen Fuß ins Wasser gehalten und dann war mir klar, warum hier keiner schwimmt: Es ist kalt. Nicht eiskalt, aber für ein Freibad schon, sagen wir: erfrischend. Vielleicht 21 Grad? Egal. Ich bin jetzt so weit geradelt, habe den Eintritt bezahlt, zwei Kilometer werde ich wohl hinkriegen. Also, rein, untertauchen, langsam anfangen. Es ist kalt, aber es geht. Besser als am Montag im Schyrenbad. Aber ok, die Luft ist wärmer, es regnet nicht, es weht kein Wind. Ich schwimme stur vor mich hin, hin und her, komme in einen schönen Flow. Nur eins darf ich nicht machen: Versuchen, schneller zu schwimmen als die Dame oder der Herr neben mir. Weil das zu viel Kraft kosten würde. Energie, die ich nicht verschwenden will. Ich halte durch, schaffe die zwei Kilometer. Verlasse das Becken, ziehe mich um. Im Haus, die Umkleide ist gut beheizt. Immerhin.

„Mein“ Schrank ist frei!

Auf dem Heimweg hat der Wind dann leider zugelegt und kommt aus der falschen Richtung. Es ist ziemlich anstrengend zu radeln. Deshalb habe ich mich dann so über die Aussicht für heute gefreut. Doch der Wetterbericht hatte leider nicht recht, der Wind kommt mir entgegen. Und zwar ziemlich kräftig und manchmal sogar in Böen. Obwohl es 20 Grad warm ist, macht mir das keinen Spaß. Ich überlege, ob ich das Vorhaben beenden soll. Es würde noch eine Stunde so weitergehen. Wahrscheinlich eher länger, mit dem Gegenwind. Als fast am Langwieder See bin, drehe ich um. Und dann ist es gar nicht mehr schlimm … aber klar: Jetzt habe ich Rückenwind.

Auf dem Heimweg fahre ich am Nymphenburger Schloss vorbei und den Schlosskanal entlang. Und sinniere so, was ich mit dem angebrochenen Tag machen könnte. Ha! Ich bin ja fast am Dantebad. Ok, das ist am Feiertag sicher voll und außerdem ist da das Wasser zu warm – trotz Wind. Aber vom Dante ist es nicht weit zum Oly, also beschließe ich, dort hinzufahren. Im Oly kann man von oben aufs Becken schauen und sieht, wie viel los ist.

Nicht alles meins …

Und so habe ich es gemacht. Es waren schon einige Schwimmer da, aber nicht hoffnungslos überfüllt. Die Doppelbahnen muss ich eh früher oder später testen, schließlich sind sie im Dantewinterbecken und im Oly im Becken.

Am Beckenrand sind an je zwei Startblöcken Zettel mit dem Hinweis auf „Einbahnsystem“. Aber ohne weitere Erklärung. Und auch nur auf einem der zwei Startblöcke, die jetzt in einer Bahn zusammengefasst sind.

Geheimbotschaften für Insider

Ich schaue den anderen ein bisschen zu und sehe, dass sie immer an der Leine schwimmen (wie gesagt, gibt’s da ja verschiedene Interpretationen). Ich wage mich rein. Ui, das Wasser ist warm, viel zu warm! Naja, hilft jetzt nichts.

Das Schwimmen und Überholen klappt gut in den Doppelbahnen. Endlich sind breit ausschlagende Brustschwimmer kein großes Problem mehr. Und auch die schnelleren Schwimmer, die mich beim Rückenschwimmen überholen, können etwas mehr Abstand halten. Nur die Wende, die ist gewöhnungsbedürftig. Ich brauche sicher 500 Meter, um den weiten Weg irgendwann richtig einschätzen zu können. Dazu kommt, dass es in der Olympiaschwimmhalle ziemlich dunkel ist und ich meine Draußenbrille, also mit Tönung, dabei habe. Wollte ja eigentlich draußen schwimmen. Nächstes Mal: die Innenbrille einpacken!

Immerhin ist genügend Platz zum Überholen

Dass ich dann noch zwei bekannte Gesichter entdeckt habe, hat mich mit dem komischen Tag und den verwehten Plänen versöhnt. Als ich später daheim war und es zu regnen anfing, dachte ich mir: gut, dass ich umgekehrt bin – denn sonst wäre ich genau jetzt auf dem Heimweg und im kalten, windigen Regen.


115 Tage Freibad

Jetzt ist sie schon wieder vorbei – die Freibadsaison 2020. Die Corona-Freibad-Saison. Sie hat 115 Tage gedauert: vom 8. Juni bis zum 30. September. Warum ich das so genau weiß? Weil ich JEDEN Tag im Freibad war. Weil ich jeden Tag nutzen wollte. Weil ich nach dem Lockdown im März wusste, wie schnell was Schönes, das man als selbstverständlich erachtet, auf einmal weg sein kann. Auf unbestimmte Zeit. Also hat sich mein Motto bewahrheitet: Lieber gleich genießen, wer weiß, was kommt!

Abschied im Dante

Ok… man hätte vielleicht nicht JEDEN Tag ins Freibad gehen müssen. Aber hey: warum nicht? Wenn die Situation eh schon so seltsam ist? Anfangs waren die Duschen und Umkleiden geschlossen, in manchen Freibädern waren nicht alle Toiletten zugänglich (z.B. jede zweite Tür verschlossen).

In Germering war nur jede zweite Toilette geöffnet

In München musste man online reservieren. Leider wurden die Badegäste, die das Bad verlassen hatten, nicht gezählt. Oder für mich: Gottseidank. Denn oft war es erstaunlich ruhig im „ausgebuchten“ Bad.

Alles ausgebucht!
Auch auf der Liegewiese alles voll …

Die Stadtwerke haben nachgerüstet, die Badegäste, die gegangen sind, wurden gezählt, so dass neue Kapazitäten geschaffen wurden. In Germering war das von Anfang an so vorgesehen. Aber das hat jedes Bad anders geregelt. Wie auch die Hygieneauflagen: Manche Bäder (Schyrenbad) waren so wie immer, auch das Sommerbecken im Dante. Einfache Bahnen, keine doppelt breiten. Ebenso in Germering, Freising oder Fürstenfeldbruck.

In Dachau oder im Stadionbecken im Dante gibt’s andere Coronaviren, da muss man auf extra breiten Bahnen schwimmen. Im Dante sind alle Toiletten und auch die Duschen geöffnet, während in Fürstenfeldbruck nach wie vor die Duschen außer Betrieb sind und nur eine von zwei Toiletten benutzt werden darf. In diesem Bereich ist in Dachau alles wie gehabt. (Diese Liste ließe sich ewig fortsetzen).

Breite Bahnen im Stadionbecken

Ich war ja hauptsächlich im Dantebad schwimmen. Und lustigerweise war es „dank“ Corona so, dass ich an heißen Sommersonnesonntagen fast allein geschwommen bin (normalerweise sind das die absoluten Horrortage!), während es bei Regen oder grauem Himmel schon mal voll wurde auf der Sportschwimmerbahn. Meine Erklärung: an Sommersonnentagen sind viele Leute aus der Stadt rausgefahren und die wenigen, die im Freibad waren, lagen auf der Wiese oder waren Kinder, die sich auf der Rutschbahn vergnügt haben. Sport- und Spontanschwimmer haben dann die Chance an den Tagen mit eher schlechtem Wetter genutzt. Ich natürlich auch. Das mache ich ja seit Jahren.

Wer schwimmt mit mir? 😉

Das Dantesommerbecken ist ja schon seit 8. September geschlossen. Da war ich schon traurig. Weil es im Sommer tatsächlich mein Zuhause war. Ich habe im Laufe der Saison die Bademeister kennengelernt, wir haben uns immer unterhalten und ich habe mich auch gefreut, sie zu sehen. Ebenso der Mann an der Kasse. Der war neu da diesen Sommer und anfangs ein bisschen unsicher, ob er alles richtig macht. Ich habe zu ihm gesagt, dass wir, wenn er den ganzen Sommer dableibt, schon noch ein gutes Team werden. Und genau so war es dann. Ein kurzer Ratsch beim Bezahlen, das war der Anfang meines Schwimmtages. Und am Ende der Saison fragt er mich: „Und was machen Sie nebenberuflich?“ – ein sehr netter freudscher Versprecher …

Das Schyrenbad hatte dann eben noch bis 30. September geöffnet. Leider war das Wetter dann sehr gut, mit Sonne und ziemlich sommerlichen Temperaturen. Da war oft ganz schön viel Betrieb auf den drei Sportbahnen. Und wenn viele Leute schwimmen, fallen diese Omabrust oder Altdeutsch-Rücken-Herren nicht nur auf, sie stören halt auch. Weil man sie nicht gut überholen kann.

Wenn bei schönstem Wetter nur noch drei Freibäder geöffnet sind, wird’s voll.

Aber ich hatte auch schöne Erlebnisse an solchen Tagen: Da war ein schönes Miteinander. Langsamere Schwimmer haben Schnellere vorbei gelassen (das mache ich eh immer, aber da war ich auch mal die Schnellere und bin in den Genuss gekommen). Oder Schwimmer, die in etwa die gleiche Geschwindigkeit schwimmen, haben genügend Abstand gehalten (oder es verstanden, wenn ich das gemacht habe). Sportschwimmer, die 100er-Einheiten gemacht haben, haben auch mal fünf Meter vorher aufgehört, weil es sonst an der Wende eng geworden wäre. Das fand ich gut, dass es so auch gehen kann!

Und noch etwas hat mich an diesen Spätsommertagen gefreut: Wenn ich bekannte Gesichter getroffen habe. Denn im Schyrenbad bin ich fremd, da kenne ich kaum jemanden. Aber wenn es so war, dann hat es sich für mich so bisschen nach „Unterstützung“ angefühlt, dass man mit dem Chaos auf der Bahn nicht allein ist. Das war schön.

Die Heizung hat sich einen guten Termin für ihren Ausfall ausgesucht…

Kurz vor Ende der Saison war es dann auf einmal Herbst mit Regen, Wind und kalten Temperaturen. Da war ich dann fast allein im Becken, was schön war. Ok, am Montag war es nur kalt. Aber am Dienstag war es wieder etwas wärmer – da konnte ich ganz schön schwimmen. Die Luft war drei Grad wärmer, das Wasser ein Grad – perfekt!

Der Schneemann braucht Tee aus dem Thermosbecher

Zum Abschluss der Freibad-Saison, an Tag 115, hat die Sonne dann wieder rausgeschaut, um sich von allen zu verabschieden. Und da sind dann gefühlt „alle“ wieder da gewesen. Es lief zum Glück ziemlich gut und es war schön, dass der Abschluss nicht in Eiseskälte war. Ich bin jetzt schon ein bisschen traurig, dass es vorbei ist. Es ist nicht so, dass ich eine „Pause“ herbeisehne.

Ein schnöder Zettel weist auf das Ende hin. Eigentlich müsste da so ein Smiley sein: 😢😰😭

Wechselbad im Freibad

Es ist Herbst in Bayern – auf dem Kalender und auch draußen. Nachdem der Sommer gegen Ende fast nicht gehen wollte, wurde es am Freitag schlagartig kalt. Am Samstag dann Regen, stürmischer Wind und neun Grad. Höchsttemperatur, tagsüber. Aber: Das Freibad hat noch offen, also das „richtige“ Freibad, nicht das „Warmwinterfreibad“, das hat ja immer offen. Und naja, was soll ich sagen – da musste ich natürlich hin. Bissl verrückt, ich weiß. Also in die Regenklamotten, trockene Klamotten in den Rucksack zu den Schwimmsachen, und los, auf ins Schyrenbad. Und schon beim Radln durch die Stadt merke ich, dass 9 Grad ziemlich kalt sind. (Hatten wir lange nicht!). Und dass der Wind das Ganze nicht besser macht. Zum Glück habe ich aus der Erfahrung vom Freitag gelernt und meine Ohrenstöpsel eingepackt.

Im Bad ist es erstaunlicherweise nicht leer, ein paar Tapfere und zwei mit Neoprenanzug ziehen ihre Bahnen. Das Wasser dampft – ein gutes Zeichen, es scheint warm zu sein. Oder zumindest nicht kalt. Ich steige ins Becken, es ist frisch. Tauche unter, schwimme Brust. Kalt. Aber ich weiß auch, dass es gleich besser wird. Wenn ich mich dran gewöhnt habe. Und so ist es dann auch. Aus Erfahrung weiß ich, dass Kraulen bei diesen Bedingungen am besten funktioniert. Mein Mitschwimmer und ich sind uns nicht im Weg, so kann jeder sein Tempo schwimmen ohne überholen zu müssen.

Es klappt erstaunlich gut mit der Kälte, es fühlt sich gar nicht so kalt an. Ich schaffe am Ende zwei Kilometer, das muss reichen. Denn irgendwann merke ich schon, wie mein Körper auskühlt. Wie der kalte Wind den Arm in der Überwasserphase streift und wie mir die Kälte zu schaffen macht. Ich befürchte zudem, dass mir schwindlig wird. Auch das ist im kalten Wasser schon vorgekommen. Also lasse ich es gut sein – und will gar nicht aus dem Becken. Denn draußen ist es noch viel scheußlicher. Der Wind hat schon die Flip-Flops von jemandem quer über die Steine geweht (ich dachte anfangs, wer hier seine Schuhe so verteilt abstellt…). Es hilft nix: 1-2-3 – los! Ohmann! Der Weg über die Wiese zur Dusche ist weit. Und wird nicht kürzer. Ohje! Irgendwann ist es bewältigt, ich kann einen Schluck heißen Tee trinken und mich unter die warme Dusche (nicht zu warm, der Kreislauf!) stellen. Schön!

Das Heimradln ist dann nochmal eine Herausforderung, Handschuhe wären gut gewesen, habe ich aber nicht.

Der Sonntag meint es gut mit uns: Die Sonne strahlt von einem blauen Himmel, dass es eine Freude ist. Die Luft ist nach wie vor kalt, so dass ich guten Mutes ins Schyrenbad fahre. Tatsächlich ist weniger los als gedacht. Das Schwimmen ist toll! Die Sonne scheint, das Wasser ist frisch – so macht es Spaß. Ich komme ziemlich schnell in einen guten Flow und die Meter ziehen nur so an mir vorbei. Eigentlich dachte ich, dass ich mich mit zwei Kilometern zufriedengeben muss. Wegen der Kälte und wegen vielleicht mehreren Mitschwimmern. Aber wir waren konstant zu viert auf der Bahn, es lief reibungslos und auch die Kälte war nicht so schlimm. Also habe ich noch 500 Meter draufgesetzt und dann war Schluss. Wegen der Vernunft, denn ich habe die Kälte dann im Körper gespürt und auch, dass meine Kraft stark nachgelassen hat. Und so bin ich beschwingt-befriedigt mit mir und der Welt, der Weg zur Dusche ist gar nicht so weit und der heiße Tee nicht so dringend. Als ich mich dann kurz auf eine Bank setze, um meine Banane zu essen, setzt ein kleines Kältezittern ein. Ach, Eisschwimmsaison, du bist schon viel näher als wir alle wahrhaben wollen!

Ungefähr so war das Wetter am Sonntag. (das Bild ist vom September 2019)

Und heute – am Montag – ist Endspurt. Nur noch drei Tage ist das Schyrenbad geöffnet. Am Mittwoch, 30. September, ist der letzte Tag. Noch drei Mal Freibad, dann mal sehen. Über Nacht sind Wolken aufgezogen, es nieselt manchmal. Und es ist wieder kalt, 7 Grad, an der Hauswand. Naja. Wird schon gehen, ging am Samstag ja auch, da war es auch noch windig. Also alles eingepackt und los. Ich habe Glück, komme ohne Regen im Bad an. Es sind einige wenige Schwimmer da, interessanterweise alle nur in Badebekleidung, ohne Neoprenanzug (das hatten die Stadtwerke auf Facebook empfohlen…). Dass das Becken nicht gedampft hat, hätte mich schon stutzig machen sollen … Ich gleite ins Wasser, das ist kalt. Klar, war es ja die letzten Male auch. Ich starte, ermahne mich noch, nicht zu schnell zu schwimmen. Erstmal ans Wasser und die Temperatur gewöhnen. Zwei Bahnen Brust, dann wird gekrault. Irgendwie ist es echt kalt. Kälter als am Samstag. Ich bin noch nicht mal bei Bahn 10, da spüre ich schon, wie meine Muskeln hart werden. Wie soll ich es da bis Bahn 40 aushalten? Und mein kleiner Zeh links, der fühlt sich auch irgendwie komisch an. Das hatte ich noch nie. Bahn 16 – vielleicht mache ich nur 1,5 Kilometer? Dann wäre das jetzt die Hälfte. Ohje! Nochmal so lang schwimmen? Ich glaub, das schaffe ich nicht. Ich bin schon fast komplett steif, der Zeh fühlt sich komisch an, ich meine, Schwindel zu spüren und kann das Schwimmen leider gar nicht mehr genießen. Obwohl ich inzwischen allein auf meiner Bahn bin, links und rechts neben mir ziehen Männer in Badehosen ihre Runden. Und dann treffe ich ganz spontan eine Entscheidung: 20 Bahnen, das muss heute reichen. Das ist nur ein Kilometer, normalerweise würde ich für so eine kurze Strecke überhaupt nicht ins Freibad fahren oder die Sachen einpacken. Aber es hilft nichts, mir ist so dermaßen kalt, dass ich nur noch aufhören will. Aufhören muss. Ohmann! Das ist echt schade. Aber ich kann ja nicht mal mehr denken. Und so stemme ich mich aus dem Wasser, laufe über die kalte Wiese den weiten Weg zur Dusche. Habe Glück, dass sie frei ist und ich mich ein bisschen normalisieren kann. Eine Frau erzählt mir dann noch, dass das Wasser heute nur 21 Grad (statt 23-24) hatte. Kein Wunder nach der kalten Nacht! Und dann war mir auch klar, warum es mir so schnell kalt wurde.

Beim Heimradln fängt es jetzt doch noch zu regnen an. Naja. Auf dem Heimweg ist es nicht so schlimm. Nur Handschuhe, die hätte ich tatsächlich gut gebrauchen können! Morgen dann!


Auf zu neuen Bädern

In diesem verrückten Corona-Sommer bin ich viel daheim geblieben, was in meinem Falle bedeutet: Ich war fast nur im Dantebad schwimmen. Erstaunlicherweise war es dort oft sonntags bei bestem Sommerwetter besonders ruhig in der Schwimmerbahn, in „normalen“ Zeiten war der Sonntag hingegen tabu – deshalb habe ich da oft Ausflüge in die Freibäder im Umland gemacht. Doch das war heuer nicht nötig.

Schwimmen unter Coronabedingungen

Bis, ja bis das Sommerbecken leider in die Winterpause ging. Trotz schönstem Spätsommerwetter musste das Bad schließen. Weil es einfach Tradition ist, dass die Sommerbäder mit dem Ende der Schulferien schließen. Weil das schon immer so war und immer so sein wird und wokämenwirdahinwennwirdasmaländernwürden?

Naja. Nicht lange Trübsal blasen, sondern endlich nach Dachau ins Freibad radeln. Das hatte noch eine Woche länger geöffnet. Allerdings musste ich den Ausflug allein unternehmen, denn dort waren im Sportbecken Doppelbahnen abgetrennt. Und das ist gelinde gesagt Mist. Ich konnte zwar gut schwimmen, aber nur, weil außer mir gerade keiner da war. Ich weiß nämlich selbst nicht sooo genau, wie das System gedacht ist. Und wenn man fragt, gibt’s unterschiedliche Auslegungen: immer an der Leine schwimmen, als ob es eine normale Bahn wäre. Oder so tun, als wäre die Leine in der Mitte da. Aha. Oder nur auf- und abschwimmen, nicht im Kreisverkehr. Soso… Wie gesagt, ich hatte Glück, ich war allein. Und weil das Wasser traditionell ziemlich kühl ist in Dachau, bin ich auch weniger geschwommen.

Doppelbahnen als Coronamaßnahme in Dachau

Ich habe dann den Spätsommer auf einer dieser Liegen genossen, das war herrlich. Denn das Bad ist tatsächlich sehr schön. Auf der Heimfahrt habe ich mir dann noch das traditionelle Eis gegönnt, das sehr gut geschmeckt hat, aber allein ist es halt nicht dasselbe wie sonst.

Kniebeobachtung in der Sonne
Einsames Eis

Das Wochenende danach war dann auch das Freibad in Dachau geschlossen, die Sonne spielte aber weiterhin Sommer und so dachte ich, dass es wohl viele Schwimmer ins Schyrenbad zieht. Das war ja unter der Woche schon gut besucht. Also auf nach Fürstenfeldbruck. Da hat das Freibad noch offen (Probleme mit dem Hallenbad) und alle acht Bahnen sind einfach geleint, keine Doppelbahnen.

Einfache Bahnen sind offenbar auch ok…

Am Samstag hat mich meine Schwimmfreundin Diana im Auto mitgenommen. Doch am Sonntag habe ich mich mit dem Rad auf den Weg gemacht. Es ist nämlich weiter als nach Dachau oder Germering, davor hatte ich eigentlich Respekt. Aber bei der Autofahrt habe ich gesehen, dass es nur fünf Kilometer mehr sind, also nicht so tragisch. Dank Routenplanung meiner anderen Schwimmfreunde hatte ich auch eine gute Streckenführung, die so einfach geradeaus ist, dass ich das Navi gar nicht gebraucht hätte. Nur kurz vor Schluss war ich unsicher. Und habe am Kloster Fürstenfeld eine Radlerin gefragt, ob sie sich auskennt und wüsste, wo ich entlangfahren muss. Sie meinte, dass ich entweder da auf der Straße fahren kann oder mit ihr mitradeln kann – an der Amper entlang. Es war sehr idyllisch dort und das Freibad kam nach kürzester Zeit. (Auf der Heimfahrt bin ich die Straße gefahren, das war noch kürzer!)

So, im Freibad angekommen. Das Bad ist nicht besonders groß, deshalb war im Becken auch nicht viel los. Der einzige Nachteil: Die Bahnen sind zwar abgetrennt, aber nicht beschriftet. Da kann es schon mal vorkommen, dass auf jeder Bahn ein Trockenhaarbrustschwimmer vor sich hindümpelt und man die Qual der Wahl hat. Ich hatte Glück und bin zu einer Frau auf die Bahn gegangen, die so ungefähr mein Tempo schwamm. Wir haben genügend Abstand gehalten, so dass es fast war, als wäre jede allein. Herrlich! Und dazu die Spätsommersonne schräg von oben. Und unten türkis, denn das Becken ist noch gefliest. Irgendwann war die Frau fertig und ich war allein, bis kurz vor Schluss ein anderer Mitschwimmer kam. Aber das ist in Ordnung – so viel Luxus hatte ich lange nicht.

AmperOase… der Name passt.

Nach dem Schwimmen habe ich die Sonne noch ein bisschen genossen. Allerdings finde ich das Bad nicht so schön wie in Dachau. Die Liegewiese ist viel kleiner, es gibt viel Beton (ähnlich wie in Germering). Dass die Amper sehr idyllisch am Bad vorbeifließt, bemerkt man kaum. Früher durfte man hier vom Freibad aus auch im Fluss schwimmen, das ist aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt. Ursprünglich konnte man übrigens nur in der Amper schwimmen, doch das ist lange her. Mich hat das an das ehemalige Floriansmühlbad erinnert, das schon seit 30 Jahren geschlossen ist.

In der Amper darf man (zumindest hinter dem Freibad) nicht baden …

Wasser auf Wasser

Was ist das Tollste am Schwimmen? Also, von „außen“ betrachtet? Dass man es bei jedem Wetter machen kann – im Freibad wohlgemerkt. Sonne, Wolken, Sturm, Regen – egal. Nur Gewitter schränken das Schwimmvergnügen ein. Vorteil im Freibad: Man kann es trotz dicker Wolken und latenter Gewittergefahr versuchen. Zum einen ist man immer schnell aus dem Becken, zum anderen hat die Badeaufsicht das Wetter im Blick und wir Schwimmer können uns auf unseren Sport konzentrieren – anders als im See, wo ein solches Unterfangen leichtsinnig und lebensgefährlich wäre.

Wetterbericht für Schwimmer

Gestern hingen dicke, graue, schwere Wolken über München. Es hat schon hin und wieder mal getröpfelt, starker Regen und auch Gewitter waren vorsorglich angekündigt – ab Nachmittag. Deshalb die Mittagsstunden schnell genutzt, trockenen Fußes ins Freibad gekommen und dann gestartet. Das Licht ist unbeschreiblich, mystisch. Vor allem, als die Sonne durch eine klitzekleine Lücke geblinzelt hat und nur den einen Baum am Beckenrand wie mit einem Spotlight angestrahlt hat. Kaum war die Lücke geschlossen, setzte ein heftiger Prasselregen ein. Das war herrlich! Der Regen war so stark und dicht, dass ich ihn unter Wasser auf meinem Rücken spüren konnte. Und beim seitlichen Atmen die Tropfen das Luftholen etwas erschwert haben. Als ich Brust geschwommen bin, habe ich gesehen, wie die großen, schweren Tropfen von der Wasseroberfläche zurückgesprungen sind!

Beim Rückenschwimmen ließ ich mir den Prasselregen ins Gesicht tropfen. Eine Art Massage! Und dank Schwimmbrille waren die Augen ja geschützt. Beim Radfahren ist so ein Regen immer ziemlich störend, die Sicht ist behindert, die Brille fast undurchsichtig und das Vorankommen schwierig. Aber im Wasser – herrlich!

Begleitet wurde das Schwimmen natürlich von der bangen Befürchtung, dass das Vergnügen gleich vorbei ist, weil der Regen mit einem Gewitter im Verbund steht. Doch ich hatte Glück, ich konnte meine Einheit beenden, ohne aus dem Becken beordert zu werden. Und nass war ich ohnehin!


Schwimmfreu(n)de

Seit die Freibäder wieder geöffnet haben, bin ich wieder besser gelaunt. Nicht jeden Tag, aber meine Grundfröhlichkeit ist zurück. Ich genieße es, in Ruhe meine Bahnen zu ziehen, in den Flow zu kommen. Am liebsten ganz allein, eine Bahn nur für mich. Aber es gibt etwas, das fast noch besser ist: mit Freunden zu schwimmen. Über die Jahre habe ich viele Mit-Schwimmer kennengelernt, manche nur mit Vornamen im Wasser (manchmal nicht mal das), andere mit Nachnamen und Telefonnummer. Sie sind zu richtigen Freunden geworden, die ich auch außerhalb des Schwimmbads treffe. Das ist sehr wertvoll.

Viel Platz für meine Schwimmfreunde und mich!
Viel Platz für meine Schwimmfreunde und mich!

Wenn es sich ergibt, dass wir dann miteinander schwimmen, ist es umso schöner. Dazu muss ich sagen, dass alle meine Schwimmfreunde besser schwimmen als ich. Bessere Technik, höheres Tempo. Aber das scheint keine Rolle zu spielen. Wir genießen es, unserem Hobby nachzugehen. Das Wasser zu spüren, zu gleiten, uns anzustrengen und uns dabei gut zu fühlen.

„Dank“ Corona sind einige meiner Freunde im Homeoffice und so schaffen wir es ziemlich regelmäßig, dass wir gleichzeitig im Bad sind. Mit meinen „Telefonnummer-Freunden“ kann ich mich natürlich dazu verabreden, aber es gibt eben auch den ein oder anderen, den man dann nur im Becken trifft. Gleiche Zeit, gleicher Ort. Und das ist richtig schön! Manchmal schwimmen wir fast die ganze Einheit gemeinsam, manchmal sehen wir uns nur zur „Übergabe“, je nach Zeitplan. Aber es ist immer schön! Ich freue mich direkt darauf. Auch, wenn ich die Bahn dann nicht für mich habe. Aber mit Freunden ist es ja fast dasselbe. Und wenn dann bei Sonne noch bisschen Zeit für einen Ratsch in der Sonne ist, ist es fast wie Urlaub. Oder wie als Kind, als man sich einfach so, ohne groß was abzumachen, im Freibad (oder in meinem Fall im Strandbad am See) getroffen hat. Man wusste einfach, dass die anderen da sind. Dass es sowas noch gibt, macht mich fröhlich. Da teile ich „meine“ Bahn doch gern!


Frei schwimmen

Was macht das Schwimmen so schön? So besonders? Für mich zählen dazu: die Leichtigkeit im Wasser, das Schweben, das Gleiten, die Ruhe. Denn dank Wasser im Ohr nehme ich Geräusche nur gedämpft war. Das ist schön in unserer doch sehr lauten und oft hektischen Welt. Aber es gibt noch etwas, das das Schwimmen für mich ausmacht: Ich kriege den Kopf frei. Es zählt nur noch das Wasser und ich. Hin und her und hin und her und hin und her. Dabei zähle ich meine Bahnen, muss mich also in gewisser Weise konzentrieren. Doch diese stupide Zählerei schafft es meistens, dass ich den Kopf frei kriege. Und dann kommen neue, gute Gedanken und Ideen.

Allerdings klappt das nicht immer. Und dann schwimme ich auch nicht mehr schön, ich fühle das Wasser nicht, ich haue einfach nur rein – und es macht eigentlich auch keinen Spaß.

Kürzlich habe ich ein Interview mit André Wiersig gelesen. Der Extremschwimmer hat in einem Jahr alle sieben Meerengen bezwungen. Also zum Beispiel den Ärmelkanal oder die Straße von Gibraltar. In der Cook-Strait, die die beiden neuseeländischen Hauptinseln trennt, gibt’s wohl die krassesten Wellen überhaupt. Das Begleitboot war dem Kentern nahe, aber Schwimmer Wiersig hat den Wellen getrotzt. Seine „Geheimwaffe“: „Ich gebe alles ab, auch Erwartungen , und bin dann ganz leicht.“ Er meint das auch im übertragenen Sinne. Und ich kann das gut verstehen.

Es ist mir auch schon ein paar Mal gelungen, dass ich so einen negativen Gedankenstrom stoppen konnte. Und dann lief das mit dem Schwimmen – wohlgemerkt im Becken – gleich viel besser. An einmal kann ich mich ganz konkret erinnern: Es war der letzte Freibad-Tag, ich hatte trotz Sonnenscheins die ganze Bahn für mich allein. Aber es flutschte nicht. Weil ich die ganze Zeit grübelte, wie ich das mit der Radreparatur am nächsten Tag machen soll. Vor der Arbeit oder danach oder in der Mittagspause. Für alle Varianten gab’s pro und contra. Und dann hab ich mich quasi wachgerüttelt: „Petra!! Es ist der allerletzte Freibad-Tag. Dein Tag. Ab morgen ist wieder Halle oder warmes Wasser angesagt. Du solltest das hier genießen! Über das Rad kannst du in einer Stunde immer noch nachdenken!“. Und was soll ich euch sagen? Es hat funktioniert! Ich habe die Radgedanken in eine Schublade gesteckt und dann hat das Schwimmen ganz prima geklappt. Ich war, wie ich es im Nachhinein bei André Wiersig gelesen habe, ganz leicht. Und frei. Und dann kam der Flow und so wurden es vier Kilometer (statt meiner üblichen drei). Und anfangs dachte ich noch, dass ich nicht mal die Hälfte schaffen werde.

Leider klappt es nicht immer, dass ich meinen Kopf frei machen kann. Manchmal beschäftigen mich andere Dinge zu sehr, dass ich den Aus-Knopf nicht finden kann. Ich glaube, das ist auch ganz normal. Aber ich arbeite daran, denn das ist doch das Schönste am Schwimmen – dass man ganz leicht und schwerelos wird und auch der Kopf frei wird. Vor allem, wenn man ganz allein auf der Bahn schwimmt, muss man schließlich auf nichts achten – und vor allem hat man keinen Straßenverkehr, wie beim Rennradln oder Laufen.


Das Glück ist flüssig und türkis

Endlich heimkommen. Kennt ihr das Gefühl? Oder frisch verliebt zu sein? Oder sich wieder in jemanden zu verlieben? Ja, so ungefähr fühlt es sich an, wieder zu schwimmen. Zu dick aufgetragen? Ich glaube nicht. Zumindest nicht für uns Chlorhühner, Wasserratten, Schwimmjunkies, Wasserfrösche oder wie immer ihr euch auch nennt… Ich habe euch genau gesehen. Dieses fast schon debile Grinsen im Gesicht. Und auch diese Ehrfurcht vor dem Wasser: Kann ich es überhaupt noch? Denn wer von uns Wasserjunkies war schon mal ein Vierteljahr, drei Monate, 13 Wochen, nicht im Wasser? Keiner. Und warum nicht? Ja, blöde Frage.

Die Wolken konnten die Schwimmer nicht abhalten, endlich ins Bad zu kommen.

Und jetzt dürfen wir wieder. Als ich gestern noch kurz in der Sonne im Dantebad saß, hat es ein kleines Mädchen auf den Punkt gebracht: „Ich hab fast vergessen, wie schön schwimmen ist.“ Ich musste grinsen und dachte: Wie recht du hast!

Auf den Stufen im Stadionbereich setzt man auf Eigenverantwortung.

Oder der Typ, der mit uns auf der Bahn geschwommen ist. Schnell war der. Und gut. Der hat doch keine so lange Pause gemacht, der war doch heimlich im See! Oder im Ausland. Oder… naja. Es ergibt sich ein kurzer Schwatz am Beckenrand (mit Abstand, natürlich). Dabei grinst der Typ sosehr, dass sich seine Mundwinkel gefühlt dreimal um die Ohren wickeln. Und sagt, dass er paar Mal im See war (ich WUSSTE es!), Krafttraining an Land gemacht hat und dass auch viel Willen dahinter steckt. Und dass es gut läuft (das haben wir anderen neidisch zur Kenntnis genommen.). Ich muss auch grinsen, weil ich ihn so gut verstehen kann und mich für mich und für ihn und für uns alle einfach nur freue.

Ich war von Montag bis Mittwoch in Germering schwimmen. Das Freibad ist toll, aber nicht voll. Ok, lag am Wetter. Denn am Dienstag und Mittwoch war es tatsächlich kühl und regnerisch. Aber wer ein Junkie auf Entzug ist, der radelt auch im Nieselregen eine Stunde zum Bad. Die Schwindelgefühle vom ersten Schwimmtag waren dann am Dienstag schon besser. Ich habe Ohrenstöpsel benutzt, bin mit dem Pullbuoye geschwommen, habe mich auf eine möglichst ruhige Lage konzentriert. Es war schön. Und anfangs, also am Montag, kam mir die 50-Meter-Bahn ziemlich lang vor. Krass. Wenn man das immer macht, ist es nicht weit. Aber so war es ungewohnt. Und nach den ersten 500 Metern dachte ich auch: Jetzt weiß ich, warum so viele Leute immer so beeindruckt sind, wenn man sagt, dass man 3 Kilometer schwimmt. Ist doch nix! Jaahaa… wenn man es gewöhnt ist. Aber da komme ich schon wieder hin.

Ins Sommerbecken dürfen bis zu 75 Personen. Zum Glück waren so viele nicht da …

Gestern war dann der erste Tag im Dantebad. Mein Heimatbad. Mein geliebtes Sommerbecken, in dem die eine Schwimmerbahn im Schatten ist. Trotz eher mäßigem Wetter waren einige Leute da. Ich hatte mich mit zwei Schwimmfreunden verabredet. Es lief gut. Als mich meine Freunde dann mal überholt haben, war ich echt gerührt! Das war so schön. So normal. So wie früher. Und man ist gemeinsam. Man teilt diese Leidenschaft fürs Wasser, die Freude am Schwimmen. Am Schweben. Am Dahingleiten. Es war echt sehr emotional.

Das Chlorhuhn in seiner natürlichen Umgebung.

Und vor und nach dem Schwimmen haben wir bekannte Gesichter getroffen. Wie das oft so ist, weiß man den Namen nicht, hat keine Möglichkeiten der Kontaktaufnahme. Aber hier im Dantebad (oder jedem anderen Bad) gab’s nur ein Thema: Wie man die Zeit verbracht hat, dass man sich freut, wieder hier zu sein. Wie das Schwimmen war. Dass der See zu kalt und einfach nicht dasselbe ist. Dass Joggen als Alternative langweilig ist. Kurz: Dass man das Schwimmen mit nichts vergleichen oder gar ersetzen kann.

Heute war ich nochmal schwimmen. Mit meiner anderen Schwimmfreundin. An einem Brückentag mit blauem Himmel, Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Und dann Corona und alles – ohje. Aber dann: Überraschung. Es ist relativ wenig los, das Schwimmen klappt sogar ganz prima, wir sind zu dritt in der Bahn. Und bei mir stellt sich der Flow ein. Ich kann es gar nicht glauben, was da im Bauch kribbelt und im Hirn wirbelt, während ich da so vor mich hinschwimme. Die Sonne scheint durch die Blätter, ich spüre deutlich den Unterschied zwischen den schattigen und sonnigen Stellen im Wasser. Ich fliege, ich schwebe – ich will gar nicht aufhören. Der Schwindel ist besiegt und dass die Arme etwas schwer sind: egal. Ich bin in meinem Element. Daheim. Umschlossen vom Wasser, durchflutet vom Glück. Ich kann es gar nicht fassen, wie toll es ist!

Wasser!!

Seit Montag habe ich auch zuhause festgestellt, dass meine Laune deutlich besser ist. Gelöster. So ganz tief drinnen. Als ob ein Knoten geplatzt wäre. Erleichtert. Weil ich wieder schwimmen kann. Weil ein großes Stück Normalität in mein Leben zurückgekommen ist. Und weil schlechtes Wetter wieder Sinn macht!

Ich sag ja: Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen!