Bilanz von 2022 – ein besonderes Jahr

2022 war, wie schon die zwei Jahre zuvor, ein Jahr im Ausnahmezustand, was das Schwimmen anging. Anfangs galten noch strenge Corona-Regeln (2G+), später sorgte die Energiekrise für Diskussionen und kälteres Wasser in den Freibädern. Für mich war es zwar ein besonderes Jahr, aber aus anderen Gründen: Ich bin an 364 Tagen geschwommen – nur ein Tag fiel aus (und nicht ins Wasser… haha), da war ich dann in der Badewanne im Hotel, aber das gilt ja nicht. Schwimmen in dem Sinn (von mir selbst so bestimmt) gilt, wenn ich geschwommen bin. Theoretisch hätte auch ein Schwimmzug gereicht, aber tatsächlich war ich meist länger schwimmen, es zählt aber eben auch ein Winterschwimmen mit nur zwei Minuten.

Das war noch von meiner Challenge, die sich im Laufe des Jahres 2021 entwickelt hat: Wie viele aufeinanderfolgende Tage schaffe ich es, schwimmen zu gehen. Es waren 521 und es war nicht immer ganz einfach, das zu realisieren: früh aufstehen, bei scheußlichem Wetter im kalten See schwimmen … das Ganze kann man hier nachlesen.

2022 war aber auch aus anderen Gründen besonders: Ich war in vielen verschiedenen Schwimmbädern und ich war fünf Wochen in Finnland und war dort natürlich auch schwimmen, viele Bahnen in Turku.

Das Freibad in Tampere

In München war die Olympiaschwimmhalle wegen Revision gut drei Wochen geschlossen. Zum Glück war das Wetter im März prima, so dass ich meistens im See geschwommen bin. Einmal war ich aber auch im Müllerschen Volksbad – sehr hübsch, aber kein Vergleich zur Olympiaschwimmhalle. Einmal war ich im Nordbad (auch hübsch, aber furchtbar zum Schwimmen) und nachdem die Freibadsaison im Schyrenbad eröffnet wurde, war ich auch da einige Male. Am Ende des Sommers war’s so, dass es im Schyrenbad noch weiterging, allerdings haben sie Mitte September, als die anderen Freibäder geschlossen haben, die Heizung im Becken abgestellt und das war mir dann bald zu kalt – und dafür aber erstaunlich gut besucht. Dann lieber zum See und in Ruhe im kühlen Wasser schwimmen.

Im Herbst ist es im See besonders schön: Die Sonne scheint, das Wasser ist noch relativ warm und die Bäume werden bunt.

Kaltes Wasser, das war auch so ein Thema! Als ich aus Finnland zurückgekommen bin, war im Dantesommerbecken das Wasser merklich kälter, an meinem Geburtstag dachte ich, ich erfriere! Dafür war ich allein im Becken, obwohl es ein sonniger Sommertag war. Auf einmal springt jemand rein, ich erschrecke und wer ist es? Mein Schwimmfreund Jakob, der mir zum Geburtstag gratuliert und mich zurück daheim willkommen heißt. Wir umarmen uns und er ist vom Sommerwetter und Radln warm – gefühlt habe ich mich fünf Minuten an den „Wärmeakku“ gedrückt. Wir haben noch lange über die Geschichte gelacht. Aber das kühle Wasser war oft eine Herausforderung, zumal mit Fortschreiten des Augusts das Sommerbecken immer mehr im Schatten lag: Erst gegen 14 Uhr war die Bahn in der Sonne, allerdings nur bis ca. 17 Uhr, spätestens dann kam der Schatten von der anderen Seite. Also nur drei Stunden, damit die Sonne die Wasseroberfläche erwärmt.

Ironischerweise war das Wasser im Dachauer Freibad, das für sein kaltes Becken bekannt ist, wärmer. Deshalb bin ich recht oft dorthin geradelt und da geschwommen. Und auch nach Germering, oft gefürchtet, weil das Wasser so warm ist, bin ich einige Male geradelt. Sie nutzen Abwärme, deshalb mussten sie aus Energiespargründen die Temperatur nicht senken.

An einem Wochenende war ich auch in Rottach-Egern beim Schwimmen. Und als ich da so schwimme, in die eine Richtung ist es fast ein „Infinity“-Pool zum See, in der anderen Richtung baut sich der Wallberg auf, denke ich, dass das eigentlich genauso beeindruckend ist wie das „Skisprungschanzenbad“ in Lahti! Ja, manchmal muss man in die Ferne fahren, um zu realisieren, welche Perlen und Schätze es auch in der Heimat gibt!

Das Warmbad Rottach-Egern ist auch sehr beeindruckend!
Schwimmen unter der Skisprungschanze – das geht in Lahti. Jetzt im Winter ist das Becken abgedeckt und die Springer sausen drüber.

Und noch etwas machte das Schwimmjahr 2022 besonders: Ich war in vielen unterschiedlichen Gewässern schwimmen: Im Baggersee, im Natursee, aber auch in der Ostsee, also im Meer, im Fluss und in einem See nördlich des Polarkreises, in Finnland! Der See und Fluss in Lappland hatte im September nur noch 8 Grad, wir waren dort nach der Sauna kurz schwimmen. Es war kalt, aber megaschön!

In Lappland gab’s einen goldenen Herbst und nach der Sauna bin ich kurz im Fluss geschwommen.

Tja, und alles in allem sind dann 789 Kilometer zusammengekommen (ohne See). Da war ich erst enttäuscht, dass ich so knapp die 800 nicht vollgemacht habe, aber dann habe ich die Zahl angeschaut und gesehen, dass es eine Reihung ist: 7-8-9! Perfekt!

Und dann gibt’s natürlich die Mitschwimmer und Beckenrandfreunde, die das Schwimmen so schön machen. Menschen, die ich im Becken treffe und mich freue, dass sie da sind. Bei einigen kommt’s vor, dass man sich „abmeldet“, wenn man an einem bestimmten Tag nicht da ist. Denn tatsächlich würde ich mich wundern (und habe mich gewundert), wenn ich jemanden aus der Stammtruppe länger nicht gesehen habe. Ein kurzer Ratsch, manchmal nur ein Winken, das macht aus dem „Einzel“-Sport schwimmen doch ein soziales Treffen – und das macht’s auch aus. Freilich neben dem schönen Gefühl, das man nur im Wasser hat, dass mich das Wasser trägt, ich mich leicht und frei fühle und die Schwerelosigkeit genieße.


Lesetipps für Winterschwimmer und Wasserratten

Ich habe mal wieder einige Bücher gelesen, die sich mit dem Schwimmen beschäftigen und die ich euch vorstellen möchte. Das erste ist nicht wirklich ein Sachbuch, aber auch kein Roman. Es ist „Gebrauchsanweisung zum Schwimmen“ von John von Düffel. Es gibt ja im Piper-Verlag diese Reihe der „Gebrauchsanweisungen“, vor allem für Länder, Regionen und Städte, aber auch für Hobbys, hier also fürs Schwimmen. Und wer ist da besser geeignet, darüber zu schreiben als John von Düffel? Ich fand seine „Wassererzählungen“ schon so gut. Aber die „Gebrauchsanweisung“ ist fast noch besser. Ich konnte hinter jeden Satz ein Ausrufezeichen oder einen Haken machen, weil es stimmt. Von Düffel schwimmt am liebsten im Freiwasser, aber nicht im Winter („Wenn’s einstellig wird, stell’s ein“, lautet sein Motto). Und dann muss er ins Hallenbad, oh Graus. Er schildert die Horrorszenarien, die wir Schwimmer alle kennen, karikiert die Mitschwimmer treffend, aber respektvoll. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, einziger Nachteil: Es hat nur 200 Seiten, ist also recht schnell ausgelesen.

John von Düffel: Gebrauchsanweisung zum Schwimmen, Piper

Das zweite Buch ist ein Sachbuch und befasst sich mit dem Winterschwimmen: Susanna Søberg: Winterschwimmen: Wieso uns kaltes Wasser gesünder und glücklicher macht (Piper). Für mich als langjährige Winterschwimmerin waren da auch interessante Aspekte zu lesen, wie Kälte auf den Körper wirkt, was im Körper passiert, wenn wir im kalten Wasser schwimmen und dass Kälte nicht gleich Kälte ist. Warum zum Beispiel ein Spaziergang im Winter uns oft mehr auskühlt als das Winterschwimmen. Zum Teil fand ich das Buch etwas dröge und schwer verständlich, weil die Autorin, die Stoffwechselforscherin ist, arg wissenschaftlich und medizinisch schreibt. Weil sie Dänin ist, geht’s bei ihr auch viel ums Schwimmen im Meer und die Winterbadeclubs, die es (zumindest in Bayern) nicht so gibt. Aber das Prinzip ist ja ähnlich: das Wasser ist kalt, man schwimmt und muss einiges beachten. Und fühlt sich gut danach! Insgesamt kann ich es allen empfehlen, die entweder selbst Winterschwimmen oder es mal ausprobieren wollen.

Buch Nummer drei ist ebenfalls ein Sachbuch, das sich mit dem kalten Wasser beschäftigt: Julia Wittig: Eisschwimmen. Wie du dich körperlich und mental richtig vorbereitest und deine Grenzen überwindest (riva). Julia Wittig schreibt sehr anschaulich, was es bedeutet, im Eiswasser zu schwimmen und was im Körper passiert. Sie geht auch stark auf die Gefahren ein und zeigt, welch wichtiger Bestandteil das Aufwärmen nach dem Eisschwimmen ist. Das Buch dürfte für all diejenigen interessant sein, die wirklich Eisschwimmen wollen, also mit Kopf unter Wasser, kraulen und vielleicht sogar an Wettkämpfen teilnehmen wollen. Für Winterschwimmer und Winterschwimminteressierte ist es auch empfehlenswert, weil es besser verständlich ist als das „Winterschwimmen“ von Susanna Søberg. Allerdings treffen einige Punkte bezüglich Aufwärmen für Winterschwimmer nicht so ganz zu, weil sie ja nicht so auskühlen wie Eisschwimmer, die oft deutlich länger im kalten Wasser sind.

Und zum Schluss hätte ich noch einen Roman für euch. Wenn ihr auch auf der Couch nicht vom Schwimmen lassen wollt, ist John von Düffel (s.o.) eine gute Wahl. In seinem Buch „Der brennende See“ geht’s nicht nur ums Schwimmen, aber es spielt eine Rolle und viele von uns Wasserratten werden sich darin wieder erkennen.  (John von Düffel: Der brennende See, Dumont)

Als Vorfreude auf die Freibad-Saison möchte ich euch noch „Schwimmen mit Rosemary“ von Libby Page empfehlen. Die Autorin Libby Page schwimmt selbst gern und viel und das merkt man im Buch. Denn immer wieder gibt’s so kleine Beobachtungen, die jeder Schwimmer und jede Schwimmerin kennt. Das Buch habe ich hier schon ausführlich vorgestellt.

Weitere Lesetipps gibt’s hier.

Und denkt dran: Bücher haben feste Preise, kosten also beim Buchhändler um die Ecke genauso viel wie bei großen Online-Versandhändlern. Unterstützt also lieber Läden in euer Nachbarschaft!


Ausgekühlt

Ich will das „Winterschwimmen“ beibehalten, deshalb versuche ich zumindest am Wochenende, wenn im Hallenbad mehr los ist, zum See zu fahren. Und da genieße ich dann auch die Ruhe. Den „Schwimmratsch“ habe ich unter der Woche wieder (anders als im Lockdown). Der Oktober und Anfang November waren ungewöhnlich warm, es hatte nachmittags oft fast 20 Grad, die Nächte waren auch nicht kalt und so war der See konstant 15 Grad warm. Ein „Sommerspeicher“. Aber jetzt wurde es doch kälter, nachts sogar fast schon Frost. Also knapp über Null Grad. Und die Luft fühlt sich auch echt kalt an.

Gestern war es morgens „komisch“ dunkel, als ich aufgewacht bin. Uhrzeit und Dunkelheit passten nicht zusammen. Ich mache den Vorhang auf und sehe eine dicke Nebelwand, mitten in München. Ohje! Wie wird das am See sein, wenn es schon in der Stadt so dicht ist? Die Webcam zeigt kein Bild bzw. das, was sie zeigt, sieht aus wie kein Bild. So viel Nebel. Ich warte noch etwas ab, fahre eine Stunde später als sonst. Aber dann will ich los, es sieht nicht so aus, als würde es besser. Und immerhin regnet es nicht. Ich ziehe mich warm an (gefühlt das erste Mal!) und starte. Beim Radln werden meine Finger trotz Handschuhen kalt. Wir sind das einfach nicht gewöhnt und es kam so von jetzt auf gleich.

Am See war dann dichtester Dicht-Nebel. So krass habe ich das noch nie gesehen. Man sieht kein Ufer und die Hütte, die nach der ersten Biegung eigentlich ins Blickfeld rückt, ist weg. Verrückt! Nicht mal von der ersten Bank kann ich sie sehen. Ich stehe fast davor, als ich das braune Holz im weißen Nebel sehe. Beim Blick aufs Wasser sehe ich nur den Steg – sonst nichts. So krass war es nicht mal im Dezember 2020, als ich im „Nebelmeer“ geschwommen bin.

So dichten Nebel gibt’s echt selten. Man sieht: nichts!

Ich habe ziemlichen Respekt vorm Schwimmen heute. Zum einen, weil es an Land mit 5 bis 7 Grad nicht nur kalt, sondern auch feucht ist. Eigentlich „greislig“. Zum anderen, weil ich ja wirklich nichts sehe. Da kann ich heute keine „Ausflüge“ machen, lieber wie im tiefsten Winter nur am Ufer, rechts und links vom Steg bleiben.

Beim Reingehen finde ich es kalt, aber eher an der Luft. Das Wasser ist natürlich auch nicht warm, aber es ist keine schneidende Kälte. So schnell kühlt der See auch nicht ab. Und der Nebel steigt auch seltsamerweise nicht aus dem See auf. Er ist einfach da. Ich tauche unter, spüre die Kälte, aber sie nimmt mir nicht den Atem. Ich kann losschwimmen und nach ein paar Zügen ist es gut. Die Bewegungen sind weich. Es ist nicht warm, aber auch nicht kalt. Ich schwimme zum Schilf, aber nicht ganz ran, und drehe um. So richtig wohl fühle ich mich nicht in dieser Nebelsuppe. Und deshalb höre ich auf, als ich zurück am Steg bin. Es waren nur 5 Minuten, aber mir ist nicht nach mehr, ich will rausgehen. Ein Blick auf das Thermometer zeigt, dass das Wasser noch 13 Grad hat. Also nicht viel kälter als letzte Woche (da waren es 14 Grad nach dem Regen).

Umziehen ist wie immer etwas nervig, vor allem, weil ich kalte Finger habe. Auch das gefühlt zum ersten Mal. Ich freue mich auf meinen heißen Tee, mache ein paar Kniebeugen, um den Kreislauf und vor allem die Durchblutung wieder in Schwung zu bringen. Es gibt keine Sonne, die mich von außen wärmen kann und beim Radeln werden die Füße und Finger auch nicht wärmer. Aber ich friere zum Glück auch nicht übermäßig.

Heute, am Sonntag, war es morgens in München sonnig. Dann zog der Nebel über den Himmel, ließ der Sonne aber eine Chance. Am See war der Nebel noch dichter, aber nicht so massiv wie am Samstag. Es gibt sogar die ein oder andere blaue Stelle am Himmel zu sehen. Das Wasser ist wärmer als die Luft, der See dampft und verliert seine Sommerwärme. Oder sind es die Wassergeister, die hier tanzen? Die Stimmung ist jedenfalls magisch!

Verliert der See seine Sommerwärme? Oder steigen die Wassergeister auf und tanzen auf der Oberfläche?

Das Schwimmen fällt mir heute etwas leichter als gestern. Das Wasser ist mit 12 bis 13 Grad in etwa gleich „warm“, aber ich kann hinter dem aufsteigenden Nebel eine Scheibe ausmachen: die Sonne. „Komm raus“, versuche ich sie zu motivieren. Doch noch ziehen zu viele Nebelschwaden an ihr vorbei. Ich schwimme heute in die andere Richtung, zur Halbinsel mit Birke und bis zum „Ende“ der Uferlinie, in der Ecke drehe ich um und schwimme zurück. Es ist gut, fühlt sich angenehm an und deshalb schwimme ich noch am Steg vorbei und drehe erst beim ersten Gebüsch um. Insgesamt etwa 10 Minuten und das ist auch genug heute. Es war sehr schön! An Land ist mir nicht übermäßig kalt, kein Zittern. Aber den heißen Tee genieße ich wie immer sehr. Und auf der Heimfahrt ist die Sonne dann rausgekommen.   


Sommerspeicher

Der Oktober war ungewöhnlich warm, teils war es sogar sommerlich und weil auch die Nächte recht warm waren, hat der Regattabadesee noch immer 15 Grad. Schon seit Anfang Oktober! Einer meiner Schwimmfreunde meinte sogar schon, dass das Thermometer nichts anderes anzeigen kann. Der See hat sozusagen den Sommer (der ja auch recht heiß war) gespeichert.

Allerdings fühlt sich das Wasser immer anders an. Als ich zum Beispiel mittags bei Sonnenschein zum See radle, fühlt sich das Wasser kalt an. Ich musste mich tatsächlich überwinden, um unterzutauchen. Und ich hätte geschätzt, dass es nur noch 12 bis 13 Grad hat. Aber nach etwa einer Minute schwimmen fühlt es sich gut an und am Ende zeigt das Thermometer wieder 15 Grad. Wahrscheinlich war der Unterschied zwischen Luft und Land zu Wasser zu groß. Der Tag hatte sich schon angewärmt, mir war vom Radln ziemlich warm und dann fühlt es sich halt anders an.

Fast schon sommerlich-warm war es an manchen Oktobertagen!

Heute war es etwas kühler, aber für 1. November immer noch zu warm: vormittags 13 Grad, dazu war es bedeckt. Zum Radln reicht mir ein T-Shirt unter einer dünnen Jacke. Ich bin heute voller Vorfreude, weil ich ja den Herbst gern mag und weil das Wasser jetzt eben noch richtig warm ist. Also ja, ok, „warm“ ist ja immer relativ. Aber meistens ist es Anfang Oktober dann nur noch knapp einstellig, 10, 11 Grad. Da sind 15 Grad halt warm. Und weil ich ja nicht weiß, wie lange das so bleibt, will ich es jetzt nutzen.

Als ich ins Wasser gehe, kommt es mir nicht kalt vor. Es ist genau richtig und deshalb muss ich mich nicht überwinden, es ist fast wie im Freibad – haha! Ich tauche unter, ich fühle keinen Kälteschimmer oder so und kann gleich losschwimmen. Die Angler haben inzwischen fast alle Fische aus dem See gefischt und so kann ich meine Route frei wählen. Ich schwimme nach links, zur Bank und dann weiter. Und weil es so schön ist und die Sonne durch die Schleierwolken leicht scheint, schwimme und schwimme ich, bis ich an der Bucht bin, schwimme noch etwas um diese seichte Stelle herum und drehe dann um für den Rückweg. Von hier sieht es immer wahnsinnig weit aus, aber das ist es freilich nicht. Ganz gemütlich, ohne Hektik, ohne Kälte, schiebe ich mich mit meinen Oma-Brustzügen durchs Wasser. Ich mag das im See, es hat was von Sight-Seeing und Gemütlichkeit. Ich fühle mich gut, als ob ich ewig schwimmen könnte. Keine kalten Hände, keine kalten Füße, kein Heiß-Kribbeln am Rücken. Einfach angenehm. Und deshalb schwimme ich beim Steg noch ein Stückchen weiter. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass ich noch keine 15 Minuten schwimme (man sagt: pro Grad kann man eine Minute schwimmen, so als Faustregel). Also schwimme ich weiter zur Birke und zu der Ecke des Sees. Hier drehe ich um, ich befürchte, dass es zu weit wird, wenn ich auch noch die zweite Bucht ausschwimme. Zurück am Steg sind es dann 18 Minuten. Vielleicht wäre noch mehr gegangen? Aber irgendwie geht’s auch gar nicht drum, wie lange ich schwimme. Sondern, dass das Schwimmen schön ist und Spaß macht und mir nicht kalt wird. Die Uhr dient ein bisschen zur Orientierung, obwohl ich ja die Strecken im See inzwischen so einigermaßen kenne.

Schleierwolken, die von „richtigen“ Wolken überrannt werden – aber zum Schwimmen war’s herrlich!

Als ich an Land wieder umgezogen bin, merke ich allerdings, dass mir „von innen“ ein bisschen kalt ist. Ich nehme einen Schluck heißen Tee, das finde ich immer angenehm. Und dann mache ich ein paar Kniebeugen und hebe die Arme nach oben, strecke mich und dehne mich. Das fühlt sich gut an und wärmt den Blutkreislauf wieder auf.

Wie schon vor zwei Wochen, als ich in der „Farbpalette“ geschwommen bin, bin ich auch heute wieder sehr zufrieden und innerlich ruhig. Das Schwimmen im Herbst-See ist für mich gerade richtig schön und befriedigend.


Schwimmen in der Farbpalette

Heute war es am und im See besonders schön! Der Herbst hält Einzug, die Sonne hat die Wolken beiseite geschoben und das Wasser ist noch angenehm warm. Es hat 15 Grad. Außerdem ist es glasklar und weil es windstill war, war es zudem spiegelglatt.

Schon beim Radeln sehe ich, wie tief grün, flaschengrün, der Regattabadesee ist. Und dass sich die Bäume am Ufer langsam verfärben. Sie spiegeln sich in der Wasseroberfläche. Der Himmel ist tiefblau und die Sonne schiebt die letzten Wolken der Regennacht beiseite. Ich bin also voller Vorfreude und werde tatsächlich nicht enttäuscht. Ich war im Oktober schon ein paar Mal wieder im See schwimmen, deshalb wusste ich auch, dass das Wasser noch eine sehr angenehme Temperatur hat. Sogar bei Wolken konnte ich gut schwimmen. Aber heute mit Sonne – das wird sicher toll.

Die Wolken gehen, die Sonne kommt und der See ist spiegelglatt. Wenn das keine Einladung zum Schwimmen ist …

Ich gehe rein, tauche unter und schwimme erstmal mit Gegenlicht. Das Ufer ist also schwarz und dunkel, die tiefstehende Vormittagsoktobersonne lässt lange Schatten entstehen und außerdem blendet sie mich. Aber das ist jetzt Jammern auf höchstem Niveau, denn es ist sehr schön. Und auch ziemlich warm, denn in der Nacht war es bewölkt und hat wohl auch geregnet, die Straßen waren nass.

Die wahre Herbstfarbpalette entfaltet sich erst auf dem Rückweg. Da habe ich die Sonne im Rücken, sie wärmt ein bisschen. Über mir der blaue Himmel, unter mir das Flaschengrün des Seewassers und auf der spiegelglatten Oberfläche sehe ich die Bäume in all ihren Farben: grün, gelb, orange, rot und manche wirken sogar lila! Es ist unglaublich schön. Deshalb will ich auch noch gar nicht raus, als ich nach etwa 12 Minuten zurück am Steg bin. Ich schwimme einfach in die andere Richtung weiter, immer am Ufer entlang. Mir ist nicht kalt, ich habe das Gefühl, dass ich ewig schwimmen könnte. Aber ich weiß auch, dass ich alles zurückschwimmen muss. Deshalb drehe ich am Ende der Bucht, sozusagen in der Ecke des Sees, um und schwimme zurück zum Steg. Da merke ich dann doch, dass mir ein bisschen kühl wird. Aber vielleicht ist das auch ein Trick, damit ich nicht traurig bin, dass das schönste Herbstfarbpalettenschwimmen jetzt nach 18 Minuten vorbei ist.

Ich habe versucht, den Blick vom Wasser an Land einzufangen. Naja … in echt war’s noch viel schöner!

An Land genieße ich die Sonne und meinen heißen Tee. Denn auch, wenn es noch sehr angenehm zum Schwimmen ist, finde ich es schön, etwas Warmes zu trinken. Nach dem Schwimmen und dem Sonnenbad bin ich sehr zufrieden und ausgeglichen, es war also definitiv genau das Richtige heute!


Freibad-Bilanz 2022

Arg verspätet kommt noch mein persönlicher Rückblick auf den Freibad-Sommer 2022. Und es war schon wieder kein „normaler“ Freibad-Sommer. Nach zwei Jahren mit Corona-Einschränkungen war das jetzt kein Thema mehr. Außerdem war es ein sehr heißer, sonniger Sommer. Und dann kam die Frage der Energieversorgung und -einsparung auf. Schon im Frühjahr hatte Amsterdam angekündigt, die Wassertemperatur in den Bädern zu senken. Doch in München: Das ist nicht nötig und bringt nicht viel. Dann zogen auch Bäder in Bayern nach, zum Beispiel Regensburg. München: weiterhin alles warm. Zum 1. August wurde es dann aber anscheinend doch nötig, und so wurden die Temperaturen in den Freibädern und Hallenbädern abgesenkt bzw. wurde nur noch bis 22 Grad Wassertemperatur aufgeheizt, den Rest sollte die Sonne besorgen.

Die Bahn im Dantesommerbecken ist oft im Schatten

Ich habe das nur am Rande mitbekommen, weil ich den ganzen Juli in Finnland war und da geschwommen bin. Und nachdem ich ja nicht ungern in kühlerem Wasser schwimme, habe ich die Maßnahmen begrüßt. Als ich aber am 8. August zum ersten Mal wieder in München ins Dante gegangen bin, dachte ich, dass ich gleich erfriere. Puh, war das kalt! Unsere Schwimmerbahn liegt zudem bis ca. 13 Uhr im Schatten, so dass es mittags noch kühler ist. Und ich war das warme Wasser in den finnischen Freibädern gewohnt. In Turku war es aber wegen des oft böigen Windes nicht zu warm und in Lahti kam schnell der Schatten auf das Becken im Tal der Sprungschanze. Also war auch da das Wasser nicht wirklich zu warm. Trotzdem war ich es fünf Wochen lang gewohnt, in 27 statt 22 Grad zu schwimmen.

Gigantisch! Schwimmen in Lahti unterhalb der Skisprungschanze

Und so kam es, dass ich im Dante fror – trotz Sonnenscheins an Land. Als ich ungefähr 40 Minuten geschwommen bin, ganz allein, erschrecke ich furchtbar, denn jemand ist neben mir ins Becken gesprungen, es schäumt. Und wer taucht da auf? Einer meiner Schwimmfreunde! Um mir zum Geburtstag zu gratulieren und um mich willkommen in der Heimat zu heißen. Er umarmt mich dafür unter Wasser und ich möchte ihn gar nicht mehr loslassen. „Du bist mein Wärmeakku!“, sage ich. Dann kann ich weiterschwimmen.

Ich habe mich im Laufe des August dann schon wieder an das kühlere Wasser gewöhnt. Und weil es oft supersonnig war, bin ich am Wochenende wieder häufiger ins Freibad nach Dachau gefahren. Das ist ja witzigerweise für sein kaltes Wasser bekannt, aber hier war’s wärmer. Wenn auch nicht die 27 Grad auf der Anzeigetafel, so war es doch angenehmer. Und das Becken liegt bis zum frühen Abend komplett in der Sonne, das macht auch einen Unterschied. Ein paar Mal habe ich es auch noch geschafft, nach Germering zu radeln. Da ist das Wasser bei Sonnenschein oft zu warm, doch diesen Spätsommer war das für mich genau richtig. Ich habe es genossen, hier meine Bahnen zu ziehen.

Im Dantebad war es oft „verkehrte Welt“, denn normalerweise, wenn ich im kühlen Freibadwasser schwimme, will ich nicht an Land, weil es draußen noch kälter ist. Aber heuer war das genau andersrum. Ich hab mich fast gefreut, an Land zu kommen und mich in der Sonne aufzuwärmen. Verrückt!

Nach den Sommerferien schließen traditionell die Münchner Freibäder, egal, was der Wetterbericht sagt. Und der sagt meistens in der ersten Schulwoche sommerliches Wetter mit Sonnenschein und über 25 Grad. In Dachau wusste man das und so war hier das Bad noch bis Sonntag geöffnet. Ich habe mir die Zeit genommen, um auch unter der Woche dort zu schwimmen. In München war nur noch das Schyrenbad geöffnet, allerdings ohne Beckenheizung. Und das Dantebad hatte ganz geschlossen, kein Winterbetrieb im Stadionbecken. Irgendwie auch klar, dass man da nicht die Energie in die Luft heizt. Andererseits hätte man es mit verminderter Temperatur (es hatte auch im Sommer statt 27 nur noch 25 Grad) geöffnet lassen können. Im Stadionbereich ist es relativ windgeschützt und so ist die Luft um die Becken oft wärmer als im Sommerbecken oder im Schyrenbad. Aber mei, es ist, wie es ist.

In Germering gibt’s sogar noch Kacheln.

Im Schyrenbad war ich dann noch einmal, nachdem die Heizung abgestellt war. Das Wasser hatte noch etwa 22 Grad, aber irgendwie hat sich das sehr kalt angefühlt. Richtig kalt angefühlt hatte es sich dann am Wochenende in Dachau. Die Anzeigetafel versprach zwar 24 Grad, aber angefühlt hatte es sich wie maximal 21 Grad. Das war am Samstag und ich bin einen Kilometer geschwommen. Zackzack-hin-und-her, raus und duschen. Am Sonntag, dem letzten Tag, waren dann nicht mal mehr die Leinen im Becken und das Wasser hatte vielleicht noch 18 Grad. Ich habe aber ganz tapfer durchgehalten und bin abermals einen Kilometer geschwommen. Freilich kann man da jetzt sagen, da hättest du nicht so weit radeln müssen, das wäre im Schyrenbad auch gegangen. Andererseits radle ich zum See auch eine knappe Stunde und schwimme relativ kurz. Und mei, wenn es mir Spaß macht, muss es ja nicht unbedingt rationell sein.

Ich finde schwimmen im kalten Freibadbecken viel unangenehmer als im See. Vielleicht, weil ich hier nicht „Oma“-Brust schwimmen kann oder will. Vielleicht, weil es sich wegen des Edelstahlbeckens kälter anfühlt? Jedenfalls habe ich dann die Freibad-Saison für mich beendet, obwohl noch ein Freibad geöffnet war (mit warmen Duschen) und bin zurück zu meiner Winter-Routine: Olympiaschwimmhalle und See. Der See hat noch 15 Grad und ist damit sogar wärmer als das Schyrenbad: Das hatte an seinem letzten Tag (30. September) noch 13 Grad, stand in der Zeitung.

Das Fazit des Freibad-Sommers 2022: Ich war in unterschiedlichen Bädern und habe es sehr genossen, auch mal woanders zu schwimmen. Ganz besonders war das Skisprungschanzenbad in Lahti, aber am schönsten zum Schwimmen war das Freibad in Tampere. Und als ich an einem Wochenende im August bei meinen Eltern war, bin ich im Warmbad Rottach-Egern geschwommen. Und da ist mir aufgefallen, dass das auch ein wunderschönes Bad ist. Denn zur einen Seite ist das Becken wie ein Infinity-Pool, man hat den Eindruck, in den See zu schwimmen. Und in die andere Richtung erhebt sich der Wallberg majestätisch über die Schwimmer. Das Becken ist zwar nicht direkt unterhalb des Berges (wie die Schanze in Lahti), aber es ist mindestens genauso beeindruckend. Man muss also gar nicht immer in die Ferne fahren, um etwas Schönes zu sehen. Aber manchmal hilft es, um daheim die Schönheiten wieder zu schätzen zu wissen.

Nicht weniger beeindruckend als das Bad in Lahti: In Rottach-Egern schwimmt man unter dem Wallberg.

521 Tage in Folge schwimmen

Nach 521 Tagen ist sie unterbrochen – meine wirklich lange Reihe von aufeinanderfolgenden Schwimmtagen. Über ein Jahr hat sie gehalten, sogar eine Reise hat sie überstanden. Aber dann war Schluss. Und das ist auch gut so. Denn: Wo hätte das geendet? Ich habe ja weder nach 365, noch nach 444 oder 500 Tagen aufgehört. Und dass es jetzt so eine „krumme“ Zahl ist, passt auch. (Wobei ich ja ehrlich gesagt fast geneigt bin, den Abend in der Badewanne im Hotel als „Schwimmen“ zu zählen …).

Warum wurde es unterbrochen? Weil ich Teil einer Gruppenreise war, der Mittwoch komplett mit der Anreise draufging und wir nach dem Flug mit Umstieg zuerst gegessen haben und dann ins Hotel gingen. Um 21.58 Uhr waren wir da, der Spa-Bereich mit Pool (wer hätte das in Lappland gedacht?) macht um 22 Uhr zu – mit Alarmsystem, so dass die freundliche Frau vom Empfang leider keine Chance hatte, uns doch noch ins Wasser zu lassen. Aber ich hatte eh damit gerechnet, dass der Anreisetag die Unterbrechung sein wird. Klar, ich hätte ultrafrüh aufstehen können, in die Olympiaschwimmhalle fahren, eine oder zwei Bahnen schwimmen und zurückfahren können. Aber ganz ehrlich: Das war es mir nicht wert. Und ich wusste auch nicht, ob ich auf der Reise jeden Tag die Möglichkeit zum Schwimmen haben würde (hatte ich dann überraschenderweise!).

So bleibt ein Fazit zu ziehen: Es war ja nie geplant, dass ich so eine lange Reihe mache. Es ist mir irgendwann vergangenes Jahr am Ende der Freibad-Saison aufgefallen, dass es schon eine Weile her ist, dass ich eben NICHT schwimmen war: Mitte April war das. Und dann, ja dann dachte ich, dass ich das ja ausreizen kann. Tag 200, Tag 300, ein Jahr, Tag 400 usw. Es war nicht immer schön, das muss ich auch sagen. Denn in den Weihnachtsferien war das Wetter zum See-Schwimmen oft zu scheußlich (nasskalt und windig) und im Hallenbad war viel los, weil man eben draußen wenig machen konnte. Hinzu kamen die Corona-Einschränkungen; es war nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern im Bad erlaubt. Ich glaube, deshalb kamen auch schon viele Familien am Vormittag, weil ab mittags oft gewartet werden musste, bis wieder Leute gegangen sind (verrückte Zeiten!).

Aber es gab natürlich auch die schönen Tage. Als zum Beispiel die Revision in der Olympiaschwimmhalle anstand und der Frühling hier in München schon mal einen Vorgeschmack gab; da war ich dann jeden Tag am See und einmal sogar in einem ganz besonderen Schwimmbad, dem Müllerschen Volksbad.

Oder in Lahti, als ich am Tag der Rückreise am Vormittag noch genügend Zeit hatte, um in dem kleinen See zu schwimmen. Das war nicht hektisch, sondern die Zeit sinnvoll genutzt statt vertrödelt. Manchmal war es ein bisschen eine Frage der Organisation und des guten Willens. Zum Beispiel, als ich in Turku mit dem Rad an der Ostsee unterwegs war und das Wetter nicht so wirklich zum Schwimmen eingeladen hat. Ob ich mich da ohne diese „Challenge“ auch ins Wasser gewagt hätte? Keine Ahnung. Aber ich hätte was verpasst, denn die Ostsee war schön, auch wenn das Wetter an Land nicht vermuten hätte lassen. Insofern war es zwar eine Überwindung, eine Art „Zwang“, aber am Ende war’s richtig schön.

Tja – und jetzt ist die Reihe eben unterbrochen, die Badewanne im Hotel zählt nicht, da konnte ich zwar mit dem ganzen Körper im Wasser sein, aber nicht schwimmen. Und das war eigentlich die einzige Regel: Dass ich geschwommen bin. Egal, wie lang oder wo. Hauptsache geschwommen.

Die neue Reihe – wenn man das so nennen will – hat dann gleich am Folgetag gestartet. Da waren wir nämlich mit der Reisegruppe in der Sauna und wie das in Finnland auf dem Land oft so ist, ist da Wasser in der Nähe. In diesem Fall ein Fluss, der kaum Strömung hat und das Wasser kaum Temperatur: 8 Grad. Die holzbeheizte Sauna war sehr angenehm, das Bad im Fluss danach unglaublich kalt – aber sehr schön und belebend!

Petra am Fluss Ounasjoki in Lappland nach der Sauna und dem Bad beim Relaxen

Es gab dann noch einen Saunabesuch, da war es dann schon dunkel, an einem See in Lappland. Über diesen See bin ich schon oft mit den Langlaufskiern gefahren oder zu Fuß gegangen, als ich im Winter dort im Urlaub war. Jetzt habe ich den See zum ersten Mal ohne Eis gesehen und bin geschwommen. Nach der Sauna, wieder echt kalt, wieder nur 8 Grad. Aber auch wunderschön!

Nachtbaden lässt sich schwer fotografieren, das muss man erleben!
Ein bisschen sieht das aus wie am Tegernsee – ein See und Berge. Nur dass es hier keine Berge sind, sondern Tunturi, Fjell. Schön ist es allemal!

Die anderen Tage auf der Reise hatte ich einen Hotelpool; erst einen mit 20 Metern Länge, dann einen mit 10 Metern Länge. Gut, dass die Reise dann zuende war, sonst wären die Pools wohl noch kürzer geworden und irgendwann zur Badewanne geworden.

Meine Hotelpools: oben der etwas längere mit 20 Metern, unten der wirklich kurz vor der Badewanne mit 10 Metern Länge.

Ja, und dann waren wir auch noch in einem ganz besonderen Museum. Das ist wirklich im Niemandsland in der Nähe von Kittilä, wo auch der Flughafen ist. Eine Schotterpiste führt vom Niemandsland neun Kilometer ins Nirgendwo und da ist dann das Museum und die Galerie von Reidar Särestöniemi. Der Maler ist hier aufgewachsen und hat dann auch hier sein Atelier und die Galerie errichtet. Er ist 1981 verstorben, aber man kann sein Zuhause besuchen. Und was hatte Reidar in seinem Haus? Eine Sauna, eh klar, wir sind in Finnland – und einen Pool! Wir Besucher durften da leider nicht schwimmen – aber immerhin ein Foto machen.

Privatpool des Malers Reidar Särestöniemi.

Ostsee-Schwimmen in Finnland

Finnland ist nicht nur das Land der 1.000 Seen (in echt sind es natürlich viel mehr), sondern auch das Land an der Ostsee. Und weil ich ja vier Wochen mehr oder weniger an der Ostseeküste war, in Turku, bin ich hier natürlich auch geschwommen. Mehrmals!

Wir waren mit dem Finnischkurs in der Sauna, die war an einem Ostseestrand. Die Sauna war riesig! Da haben 70 Leute oder mehr Platz gefunden und der Aufguss wurde per Knopfdruck gemacht! Verrückt. Geschwommen bin ich auch, das war sehr schön und hätte ich nicht ein paar Tropfen Salzwasser abbekommen, hätte ich gedacht, ich schwimme in einem See.

Ab ins Wasser! (Im Hintergrund kann man die Leine erkennen, die den Nichtschwimmerbereich begrenzt)

Das Wasser war angenehm warm, etwa 23 Grad. Weil das ein offizieller Strand ist, gab’s eine Leine im Wasser, die den Nichtschwimmerbereich begrenzt. Orsi und ich sind einmal die ganze Leine entlang und zurückgeschwommen. Ratschend und Oma-Brust, aber das macht ja nichts. Es war sehr schön. Und freilich sind wir alle nach unseren Saunagängen immer und immer wieder ins Wasser gegangen und gesprungen, es war das reinste Vergnügen! Und abends gab’s auch einen Sonnenuntergang zwischen den Felsen, mit einer kitschigen Stimmung.

Bissl Kitsch gehört auch dazu, wenn man abends am Meer ist!

Es gab aber auch andere Ostsee-Schwimmausflüge, mit grauen Wolken. Denn im Rahmen meiner Neverending-Schwimm-Challenge wollte ich ja jeden Tag schwimmen, um die Reihe nicht zu unterbrechen. Außerdem bekam ich Besuch! Meine Freundin Diana hat mich für ein Wochenende in Turku besucht, und weil sie früher oft in der Ostsee (in Deutschland) geschwommen ist, war das der einzige Wunsch, den sie hatte: in der Ostsee schwimmen, den Rest können wir spontan machen. Also habe ich schon einen Radlausflug mit Strand ausgesucht. Es ging zu einer der Inseln vor Turku, hierher sind es ca. 10 oder 12 Kilometer, über eine Brücke ist Ruissalo mit dem Festland verbunden. Das Wetter meinte es nicht so gut mit uns. Es war nicht wirklich kalt, aber grau. Bleischwer hingen die Wolken über uns, außerdem wehte ein leichter Wind. Kein typisches Badewetter. Aber Plan ist Plan und schlechtes Wetter gibt’s ja bekanntlich nicht.

Typisches Badewetter sieht anders aus. Dafür ist es schön ruhig am Strand!

Wir finden den Strand und dort ein geschütztes Plätzchen für unsere Sachen. Es gibt einen großen Steg, der ein bisschen wie ein Bad wirkt und den Wind und die Wellen etwas abhält. Also, hier oder nie! Wir ziehen uns um und gleiten über die Leiter ins Wasser. Das ist auch an diesem grauen Tag angenehm warm und als wir so schwimmen, stellen wir fest, dass es im Wasser schöner ist als an Land! Wie oft habe ich das schon festgestellt? Und bin doch jedes Mal wieder überrascht. Wir schwimmen ein bisschen hin und her, und als wir aus dem Wellenschatten des Stegs kommen, lassen wir uns auf und ab wogen. Diana ist ganz begeistert. Ostsee! Wellen! Toll. Ich finde es auch sehr schön und genieße unseren Schwimmausflug. Es ist mehr als nur ein weiterer Tag auf der Liste. Aber ohne die Liste, wer weiß, hätten wir (oder ich) vielleicht gekniffen und wären nicht geschwommen. Das wäre äußerst schade gewesen!

Salz- statt Chlorhuhn!

Als mein Kurs zu Ende war, blieb ich noch ein paar Tage in Turku. Nun hatte ich den ganzen Tag zur Verfügung und deshalb konnte ich einen größeren Ausflug machen. Ich bin nach Naantali geradelt. Das ist ein alter Küsten-Ort 15 Kilometer von Turku entfernt und vor allem wegen zwei Dingen bekannt: der alten Holzhäuser und dem Mumin-Erlebnispark. Die Mumins sind Trolle und die Erfindung der finnlandschwedischen Schriftstellerin Tove Jansson. Ich bin mit diesen Phantasiewesen nicht aufgewachsen, deshalb habe ich da keine tiefere Bindung. Nach Naantali bin ich trotzdem geradelt, es bot sich an und war auch eine schöne Strecke. Und auf der Mumin-Insel gab’s auch einen Strand – also ideal für mich! Doch dann, ich bin schon auf dem Weg zum Wasser, kommt ein ziemlich heftiger Wind auf. Zwischen den Bäumen kann ich auch dunkle, schwarze, Wolken ausmachen. Ohoh! Das sieht nicht nach Schwimmwetter aus, denke ich noch und spüre schon den ersten dicken Tropfen. Ich sause zurück zum Mumin-Welt-Eingang und stelle mich unters Dach, als ein Platzregen runtergeht, bei dem man nichts mehr sieht. Ich stehe auf der windabgewandten Seite und bleibe trocken. Nein, das wäre definitiv zu gefährlich gewesen zum Schwimmen im Meer. Aber – wie das oft so ist – es dauert nur kurz und dann ist alles vorbei als ob nie was gewesen wäre. Jetzt aber auf zum Strand und ins Wasser. Es ist auch hier wieder so, dass es angenehm warm und weich ist und ich meinen Schwimmausflug genieße. Fast genauso ging’s mir an einem anderen Tag bei einem anderen Radlausflug zu einer Insel namens Parainen. Da bin ich auch nur deshalb geschwommen, weil ich am Meer war und die Reihe nicht unterbrechen wollte. Und wieder war’s im Wasser sehr schön!

Stege zum Reingehen gibt’s fast immer und ich war froh drum, weil im Uferbereich viele Pflanzen sind.

Der Höhepunkt aber war das Schwimmen auf der Insel Nagu, Nauvo. Die Inseln vor Turku sind viel schwedischer geprägt als das Festland und das zeigt sich auch an der Namensgebung: Nagu ist der schwedische, Nauvo der finnische Name. Und auch die Wegweiser sind zuerst auf schwedisch, dann auf finnisch. Da war ich ganz schön verwirrt!

Aber Ostsee ist Ostsee und nach Nauvo bin ich mit dem Schiff gefahren. Die Fahrt ging in Turku im Fluss los, wir kamen an Ruissalo vorbei (wo ich ja hingeradelt bin) und dann immer weiter raus auf die Ostsee, immer flankiert von kleineren oder größeren Inseln – ich bin im Schärengarten. Zwei Stunden dauert die Fahrt. Und da wird mir bewusst, wie groß so ein Meer ist und wie klein wir Menschen sind. Unser Schiff ist auch eher klein, kein Riesendampfer. Und dann muss ich an André Wiersig denken. Der Mann, der die sieben Meerengen durchschwommen ist. Was für eine Leistung! Das wird mir hier, im geschützten Schärengarten der Ostsee, nochmal so richtig bewusst. Nicht nur die Länge der Strecke, auch dass er als Mensch so klein im großen Meer ist. Eigentlich nicht zu sehen (er hat Bootsbegleitung) und immer zwischen den Wellen. Mein Respekt für ihn ist jetzt noch größer. Und wir schippern immer noch!

Ein Haus auf einer Insel – da fuhren wir auf dem Weg nach Nagu/Nauvo vorbei. Wer da wohl wohnt?

In Nagu/Nauvo habe ich dann einen wunderschönen Strand bzw. Badeplatz gefunden. Es ist hinter einem großen Felsen, im Wasser ist ein Steg-System und es gibt eine Insel vor der Insel! Hier war ich am Nachmittag schon schwimmen, aber ich denke mir, dass ich abends nochmal herkommen will, weil das sicher schön ist. Außerdem ist bestes warmes Sommerwetter und ich bin im Urlaub. Und genauso fühlt es sich auch an. Die Ostsee ist hier draußen etwas kälter als in Turku, aber mit ca 20 bis 21 Grad auch nicht kalt. Die finnischen Sommer sind hell und so ist es auch im 21 Uhr noch lang nicht dunkel. Die Sonne sendet ihre langen, goldenen Strahlen über die Ostsee. Das Wasser ist ganz ruhig, fast wie ein See wirkt es. Ich war vorhin noch schwimmen. Das Wasser ist angenehm kühl, ich fühle mich wohl. Hier in den Schären vor Turku gibt’s kleine Inseln vor den größeren. Es ist fast kitschig schön und ich fühle mich wie in diesen vielen Ostsee-Berichten, die ich im Laufe der Jahre gesehen habe. Zu schön um wahr zu sein. Das späte Abendlicht ist weich und golden, mild und so wirkt alles etwas unwirklich. Ich bin total selig und glücklich! Und das Beste: Ich habe noch einen Tag hier auf der Insel.

Das war ein Abend wie im Bilderbuch – Sonnenuntergang über einer der Ostseeinseln – mit Blick auf andere Inseln!

Am nächsten Tag führt mich mein Weg an dem Strand vorbei, aber ich habe eine Radtour geplant und will erst danach schwimmen. Ich muss mir ganz fest vornehmen, nicht abzubiegen und auch vorher zu schwimmen. Der Zeitplan ist ein bisschen eng, weil ich nach der Radtour noch was essen will und dann den Bus zurück nach Turku nehme. Dann überkommt es mich jedoch. Es ist ein so schöner Morgen und ich beschließe, jetzt schon zu schwimmen. Man kann einen Tag doch kaum besser starten als mit einem Schwumm! Und ok, viel Zeit ist nicht, aber es ist auch nicht so, dass jede Sekunde zählt. Schwimm-Junkie wie ich bin, stelle ich mein Rad ab, zieh mich um und schon bin ich im Wasser. Die Sonne ist jetzt auf der anderen Seite, das Licht ganz anders als gestern Nachmittag oder Abend. Aber trotzdem sehr schön. Das Wasser erfrischt und belebt mich. Ich bin sehr froh, dass ich angehalten habe. Auf dem großen Stein lasse ich mich ein bisschen trocknen, dann packe ich meine Sachen und starte die Radtour. Und am Nachmittag habe ich tatsächlich nochmal kurz Zeit für einen Abschiedsschwumm in der Ostsee. Denn mit der Reise zurück nach Turku verlasse ich auch die Küste und besuche noch Tampere und Lahti im Landesinneren. Mit Seen und tollen Freibädern. Finnland ist also nicht nur das Land an der Ostsee mit den 1000 Seen, sondern auch das Land mit tollen Freibädern.

Morgens sieht es so aus – viel blauer. Das Schwimmen war sehr schön hier in Nagu/Nauvo.

Sauna, See und Wohlbefinden

Was braucht man im Leben? Eigentlich nicht viel, wenn man ehrlich ist. Ich habe bei meinem Aufenthalt in Finnland festgestellt, dass ich neben dem Schwimmen (das wusste ich ja schon) auch ein Fahrrad brauche. Ohne Radl bin ich nichts, aber mit Radl ist alles prima! Ich bin mobil, mein Bewegungsradius vergrößert sich enorm und ich bin unabhängig von Fahrplänen und Tarifen.

So, warum schreibe ich das in einem Blog, in dem es ums Schwimmen geht? Weil ich ja immer mit dem Radl zum Schwimmen fahre. So natürlich auch in Finnland, als ich dann endlich wieder mobil bin. Und weil mein Bewegungsradius größer ist als zu Fuß und eben unabhängig von Fahrplänen und Strecken, konnte ich diesen kleinen Ausflug in Turku machen. Ich habe nämlich von einer Sauna am See gehört. Turku liegt ja fast an der Ostsee, aber weil wir in Finnland sind, ist ein See auch nicht weit. Die Sauna heißt „Järvelän“-Sauna, da steckt der See (järvi) schon im Namen. Also, nichts wie hin!

Es gibt einen Steg und ein Floß, zu dem man schwimmen kann.

An einem schönen Sommertag schwinge ich mich in den Sattel und komme am See an. Es duftet nach Kiefern, für mich DER Geruch Finnlands! Ich komme an einem großen Holzhaufen vorbei, daneben sehe ich auch gleich eines dieser typischen roten Holzhäuser. Hier bin ich richtig! In den See führt ein Steg, es gibt ein Holzfloß, zu dem man schwimmen kann. Der Eintritt kostet 9 Euro, da bin ich schon etwas erschrocken und überlege, ob ich es machen soll. Aber nachdem es zwei holzbeheizte Saunen sowie drei Pools gibt (einer davon mit nur 3 Grad!, die anderen beiden haben 37 Grad), beschließe ich, dass es mir das wert ist.

Jede Menge Holz vor der Hütte!

Als erstes gehe ich in die kleine „Mummola“-Sauna. Die ist nicht nur urgemütlich, sie ist auch alt. Von 1908 und damit tatsächlich die älteste Sauna, in der ich bisher war. In der Ecke steht der Sauna-Ofen, auf dem oben die großen Steine liegen und unten ein Feuer brennt. Davor steht eine Kiste mit Holzscheiten zum Nachheizen. Und der Eimer für den Aufguss ist auch nicht weit. Ich bin allein, am Nachmittag ist es noch ruhig. Ich genieße die Wärme und den Blick durchs Fenster auf den See. Und ich freue mich schon aufs Schwimmen.

Die kleine, alte „Mummola“-Sauna

Nach meinem Saunagang gehe ich direkt von der Sauna in den See. Mit 19 Grad ist er jetzt genau richtig. Ich schwimme zu dem Floß, umrunde es und denke, dass ich ja noch ein bisschen weiterschwimmen kann. Die Wasseroberfläche ist glatt, die Sonne scheint und ich bin nicht weit weg vom Ufer. Aber dann muss ich feststellen, dass hier ziemlich viele Wasserpflanzen unter meinem Bauch wachsen und das mag ich ja gar nicht. Also wird das mit dem größeren Ausflug nichts, ich gehe über den Steg zurück an Land.

Der Steg hat vier Leitern und zwei Treppen, außerdem gibt’s Lampen. Das sieht mir verdächtig nach „Avantouiminen“, also Schwimmen im Eisloch, aus! Weil aber grad Sommer ist, ist das einzige Eis, das es gibt, das in der Kühltruhe. Und eben der kleine Pool mit drei Grad Wassertemperatur. Den muss ich jetzt ausprobieren.

Drei Grad Wassertemperatur! (rechts kann man den warmen Pool mit 37 Grad erkennen)

Ich steige über den Rand, mein Fuß berührt das Wasser. Ja, das ist kalt. Aber ich kenne das ja auch vom Winterschwimmen (bei unseren deutschen Saunen hat das kalte Becken meist 9 Grad) und deshalb bin ich guter Dinge, dass ich hier untertauchen kann. Es kostet mich einige Überwindung, doch dann schaffe ich es. Mein Puls steigt, der Atem wird schneller. Ruhig bleiben, ruhig weiteratmen – mein Mantra vom Winterschwimmen. Tatsächlich geht’s dann ganz gut. Ich will eine Minute aushalten, aber ich bin nicht sicher, ob ich das geschafft habe. Dann raus aus dem Pool, daneben hinstellen, die Aussicht auf den See genießen, die Sonnenstrahlen auf der Haut fühlen. Und dann kickt es mir die Glückshormone durch den Körper. Die kleinen Biester fahren Achterbahn in meinen Blutbahnen, es ist unbeschreiblich! Ich fühle mich wach, lebendig und zu allem fähig. Unglaublich!

Nach diesem Kick kehrt eine wohlige Ruhe ein und ich suche mir ein Plätzchen am Strand im Halbschatten und genieße Finnland um mich herum. Ich schwimme wieder eine Runde im See und dann gehe ich in die größere Sauna. Auch sie ist mit Holz beheizt. Es ist eine schmale, längliche Sauna, der Ofen ist in der Mitte der Bank, Fenster geben den Blick auf den See frei. Über dem Ofen hängt ein Eimer und ich wundere mich noch, was das ist. Dann macht der Mann einen Aufguss: und zwar gibt er das Wasser in den Eimer, der hat unten Löcher und schwingt über den Steinen. So tropft das Wasser gemütlich auf die Steine, der Aufguss ist weich und angenehm, aber nicht langweilig.

Später waren dann mehr Leute da, es wurde Abend. In der kleinen Mummola-Sauna wurde es sogar richtig voll. Es gibt nur eine Bank zum Sitzen, nicht mehrere Reihen wie in Deutschland. Die Menschen kamen rein und blieben erstmal stehen. Doch nach einer Weile sagten die Sitzenden: „Mahtuu“, das heißt, dass noch Platz ist, also dass noch jemand reinpasst. Und so sind wir zusammengerückt und die zwei Nachrücker konnten sich setzen. Dann wurde wieder ein Aufguss gemacht, weil es so Sitte ist. In einer finnischen Sauna wird auch geredet und so hielten die Leute untereinander ein Schwätzchen. Ich habe interessiert zugehört, aber leider nicht viel verstanden. Aber es ist trotzdem schön, Finnisch zu hören und es so in meinem Unterbewusstsein zu haben.

Nach meinem letzten Schwumm habe ich mich dann noch auf die Bank an der Wand der großen Sauna gesetzt. Die Abendsonne schickte ihre goldenen Strahlen über den See und hat alles in ein zauberhaftes Licht getaucht. Ich war einfach nur glückselig, habe die Aussicht genossen und mich gefreut, dass ich diesen Ort entdeckt habe.

Typisch finnisch!

Ein paar Tage später hat mich meine Freundin Diana besucht und ich wollte ihr diesen Ort unbedingt zeigen. Also sind wir gemeinsam hierher geradelt. Ihr hat es auch sehr gut gefallen und endlich war sie auch mal in einer richtigen finnischen Sauna. Bisher kannte sie das nur aus meinen Erzählungen. Wir sind geschwommen, haben Brotzeit gemacht, waren im eiskalten Pool und hatten einen richtig schönen Tag am See. Was braucht man mehr? Ein Rad, einen See und eine Sauna – ja, vielleicht noch ein Bier!

Auf dem Rückweg erinnert ein Schild daran, ob man nichts vergessen hat und wünscht einen guten Heimweg!

Freibad in Tampere

In meiner Zeit in Finnland war ich auch einen Tag in Tampere. Ich wollte eigentlich länger bleiben, aber dann war die Zeit zu knapp und Lahti mit seinem Skisprungschanzenbad rief. In Tampere war ich auch im Freibad. Es war zum Glück nur einen guten Kilometer von meiner Unterkunft entfernt (ohne Radl bin ich nur ein halber Mensch) und ich habe es auch gleich gefunden. Das Wetter war schön, ein paar harmlose Wolken am Himmel, etwa 24 Grad und für ca. 13 Uhr waren Gewitter angesagt. Naja. Ob das so kommen würde? Außerdem ist es bis dahin noch Zeit.

Das Freibad ist jetzt nicht irgendwie spektakulär. Meine Bekannte, die ich besucht habe, sagte mir, dass es vor ein paar Jahren renoviert wurde und so ist es ein modernes Edelstahlbecken. Irgendwie hat es mich auch gleich an das Freibad in Freising erinnert; könnte am Sprungturm, dem modernen Becken und am Hallenbad liegen, das direkt ans Freibad angrenzt. Ich fühle mich gleich sehr wohl und tauche ein ins kühle Nass. Im Becken tummeln sich ein paar Leute, wie auch in Turku und Lahti sind die Bereiche für Schwimmer nach Geschwindigkeit aufgeteilt und es gibt Bereiche für „Wasserläufer“ und „Fitnessschwimmer“. Ich schwimme auf der mittelschnellen Bahn und komme sofort in einen Flow. Mir gefällt’s richtig gut! Ich bin schon wehmütig, dass das mein einziger Besuch hier ist (und dass mein Finnischkurs in Turku war und nicht hier). Vielleicht genieße ich das Schwimmen deshalb so sehr! Die Leinen sind profimäßig festgezurrt, es gibt farbliche Markierungen wie in der Olympiaschwimmhalle in München und Rückenfähnchen an beiden Enden des Beckens (lustigerweise einmal von Arena und einmal von Speedo). In Turku gab’s keine eindeutige Farbmarkierung an der Leine und Rückenfähnchen sowieso nicht, das fällt mir hier wieder auf. Ein toller Luxus, auch für Hobbyfreizeitschwimmer und Chlorhühner wie mich.

„nopeat“ sind die Schnellen!

Am anderen Ende der Bahn ist das Hallenbad und in seiner Glasfassade spiegelt sich das Becken und der Himmel. Beim Rückenschwimmen kann ich beobachten, dass sich die Wolken jetzt doch „zusammentun“ und dunkler werden. Aber noch ist ein Großteil des Himmels strahlend blau und es ist noch nicht 13 Uhr. Außerdem bin ich fast fertig, ich bin also guter Dinge, dass ich meine Einheit beenden kann (Gewitter ist ja immer blöd, aber ganz blöd, wenn man nur noch 200 Meter oder so hat). Dann bin ich tatsächlich fertig, schau mir das Becken noch ein bisschen an, weil es so schlicht und schön ist und außerdem ist das Wasser angenehm warm, ich schätze 25 Grad.

Da braut sich was zusammen …

Dann gehe ich duschen. Die Schränkchen sind nicht in der Umkleide/Dusche, sondern in einem gemeinsamen Bereich für Damen und Herren. Um zur Umkleide/Dusche zu kommen, muss man nochmal ins Freie. Das ist bei schönem bzw. trockenem Wetter keine Erwähnung wert, aber vielleicht ahnt ihr schon, was kommt: der Regen! Nach dem Duschen schaffe ich es gerade noch, meine restlichen Sachen aus dem Schränkchen zu holen, dann fallen schon dicke Tropfen vom Himmel. Ich rette mich in die Umkleide und dann hören wir, wie der Regen aufs Dach prasselt, Blitze zucken über den Himmel. Es ist Weltuntergang! Und wir sitzen recht gemütlich in der holzgekleideten Umkleide, die recht großzügig ist, aber natürlich nicht dafür gemacht ist, dass alle Freibadfrauen gleichzeitig da sind (zum Glück war es ein weniger gut besuchter Tag). Ich packe meine Brotzeit aus und esse, denn auch die anderen machen das. Und immer wieder geht eine zur Tür, um sich das Spektakel anzuschauen. Durch die kleinen Fensterluken unterhalb des Dachs kann man nur erahnen, was draußen abgeht.

Auch ich muss einen Blick nach draußen werfen – es ist unbeschreiblich! Ein Wolkenbruch sondergleichen. Man sieht den Sprungturm nur durch einen dichten Regenvorhang. Etwa eine halbe Stunde geht das so und weil die Gewittergefahr noch nicht gebannt ist, darf auch niemand ins Wasser. Schade! Bei so starkem Regen ist schwimmen voll toll!

Pünktlich um 13 Uhr kam das Gewitter mit Wolkenbruch

Irgendwann hat’s dann aufgehört und ich suche mir ein Plätzchen am Beckenrand, nehme mir eine der Liegen und mache mir einen gemütlichen Freibadnachmittag in Tampere. Noch ziehen ein paar Wolken vor die Sonne, doch am Spätnachmittag ist der Himmel strahlend blau, als wäre nie was gewesen!

Noch schnell ein Bild vom leeren Becken, bevor wieder geschwommen werden darf.

Ich habe dann noch meine Bekannte getroffen, wir waren auf dem Aussichtsturm und ich habe über die große Weite und den noch größeren See gestaunt. Tampere liegt an zwei großen Seen, die über eine Staustufe miteinander verbunden sind.

Ich muss hier unbedingt nochmal herkommen: im See schwimmen, in die älteste öffentliche Sauna gehen und natürlich nochmal im Freibad schwimmen. Das zwar unspektakulär ist, aber trotzdem wunderschön!