Wellengang 

Heute ist es bewölkt und leicht windig. Ich will trotzdem im Tegernsee schwimmen. Die Luft hat 20,4. Grad, das Wasser 20,1. Also ganz gut eigentlich. 

Ich schwimme, aber der See mag mich heute nicht. Seine Wellen platschen mich an, zweimal schlucke ich Wasser. Und es ist anstrengend, gegen die Wellen zu schwimmen. Zum ersten Mal bekomme ich ein Gefühl dafür, wie sich die „echten“ Freiwasserschwimmer fühlen müssen. Ich möchte gar nicht wissen, wie anstrengend es sein muss, den Kanal oder andere große Gewässer zu schwimmen. Hut ab!

Zwischendurch geht’s wieder ganz gut voran, dann bringen mich die Wellen wieder aus dem Rhythmus. Ich freue mich auf den Rückweg. 

Doch denkste: Obwohl ich jetzt mit den Wellen schwimme, ist es nicht viel besser. Denn sie haben einen anderen Rhythmus als ich und kommen leicht seitlich. Ich komme nur schwer in meinen Rhythmus und manchmal fällt mir sogar das Atmen schwer. Ich freue mich also, als ich mein Ziel erreicht habe. Das Wasser war zwar angenehm temperiert, aber zum Schwimmen zu wellig. Ich bin halt doch eher ein Chlorhuhn…


Südsee-Schwimmen 

Nur kein Neid! Mit Südsee meine ich „nur“ das südliche Ende des Tegernsees. Denn da war ich heute schwimmend unterwegs. 


Schon vor zwei Wochen habe ich eine neue Route ausprobiert. Ich bin zu Fuß zur Schiffsanlegestelle gegangen, um von dort zu meinem Strand zu schwimmen. T-Shirt und Flipflops habe ich in die Boje gepackt und los ging’s. Aber die Strecke war kürzer als gedacht. Nach 12 Minuten war ich da. Und in der Boje war alles trocken! Voll toll!


Naja. Und weil die Strecke eben nicht so lang ist, bin ich sie heute hin- und zurück geschwommen. Der Tegernsee war total glatt. Keine Wellen! Super Bedingungen zum Schwimmen. Ich bin auch sofort in meinen Rhythmus gekommen und es geht gut voran. Der Himmel war noch bewölkt, aber von Westen her klarte es auf. Ich konnte beim Schwimmen sehen, wie der Himmel immer blauer wurde und die Sonne sich durchkämpfte. Das Wasser war kühl, aber nicht schlimm. 19,5 Grad zeigte das Thermometer an. 

Ich komme an der Anlegestelle an, schau mich kurz um und schwimme zurück. Jetzt ist die Sonne da, auch unter Wasser ist es heller. Ein helles Dunkelgrün. Zauberhaft. Sonnenstrahlen, die sich unter Wasser brechen. Einfach toll. An den Segelbooten vorbei und dann bin ich auch schon da. 


In Ufernähe gibt’s dann auch was zu sehen. Denn das Wasser ist klar und meine neue Schwimmbrille lässt mich viel sehen. Der See fällt hier nämlich schnell steil ab. Das sieht super aus, weil das bewaldet ist und so fühle ich mich beim Drüberschwimmen wie jemand, der mit dem Flugzeug über Berge fliegt. Ich gleite über die bewaldeten Unterwasserhügellandschaft. Von dunkelgrün wird es heller und schließlich sind nur noch die Steine zu sehen und ich bin an Land. 

Am Nachmittag unternehme ich den Ausflug noch mal. Jetzt ist das Wasser wärmer, es hat 20,5 Grad und ist noch immer wellenlos. Aber dann kommt das Ausglugsschiff. Es legt zwar nicht an, ist aber rasant unterwegs und macht Riesenwellen! Erst platscht es nur, aber dann kommt’s! Ich fühle mich kurz wie in der Waschmaschine. Dann halte ich mich an meiner Boje fest und schaukle auf den Wellen auf und ab. 


Und dann geht’s auch wieder. Es ist ebenfalls wieder schön! Der Tegernsee ist einfach der beste See von allen!

Belohnung danach… 😉


Eine andere Welt …

Ich war gestern seit Langem – seit April – zum ersten Mal wieder am Langwieder bzw. Lußsee. Da war ich ja den ganzen Winter beim Eisschwimmen, gestern lockte der Badesee als Sommerziel. Freibad ist bei schönstem Sommersonnenschein eh nix und ich wollte einfach nur relaxen und baden.

Sommerstimmung am Lußsee

Lustigerweise ist mir beim Hinradln aufgefallen, wie grün und üppig alles wächst und blüht. Das ist ja eigentlich der Normalzustand, schließlich radelt man ja eher im Sommer zum Badesee. Mir ist es aber gestern krass aufgefallen. Warum? Weil meine Sinne durch das herbstliche und winterliche Radln geschärft waren, auf die Veränderungen in der Natur. Da habe ich es jede Woche beoabachtet. Und jetzt „fehlen“ mir drei, fast vier Monate. Wow! Was sich da alles getan hat. Außerdem habe ich vor der Winterschwimmsaison auch nicht so drauf geachtet, muss ich zugeben. Umso mehr sind meine Sinne geschärft und ich sehe die üppige Pracht, die Felder mit Mais und Weizen, die Wiesenblumen und das dichte Grün in den Bäumen.

Wenn das Wasser badewannenwarm ist, gehen viele Leute rein … *g


Auch am See selbst ist alles anders. Logo, es ist Sommer und heiß und da sind natürlich viele, viele Badegäste da. Es klingt schon anders: Kinder schreien, Erwachsene lachen, Teenager spielen Musik auf dem Handy ab. Es riecht anders, weil gegrillt wird. Und es sieht anders aus. Grün, ja – aber auch bunt. Gelbe, grüne, blaue und rote Sonnenschirme. Handtücher und Taschen soweit das Auge reicht. Nur der See, der ist ähnlich grün wie immer.

So sonnig und bunt kann es am Lußsee sein ….

Ich suche mir ein schattiges Plätzchen, lege meine Sachen ab und gehe ins Wasser. Mir ist so heiß vom Radln! Das Wasser ist warm und weich, es umschmeichelt mich sanft. Das Thermometer habe ich nicht dabei, aber es sind wohl 25 bis 26 Grad. Schätze ich. Kinder tollen am Ufer, schwimmen auf Einhörnern oder Luftmatratzen. Frauen und Männer baden gemütlich vor sich hin. Und ich auch. Heute ist Ruhetag, ich plansche ein bisschen, schwimme gemütlich Oma-Brust und beobachte die Szenerie. Die so normal und gleichzeitig so unwirklich ist. Der Kiesstrand ist über und über mit Sonnenschirmen und Menschen bedeckt. Dort, wo ich im Herbst einsam meine Kaltschwimmzüge gemacht habe. Ein Stimmengewirr begleitet den ganzen Tag, während ich im Herbst und Winter nur das leise Platschen des Wassers vor mir gehört habe. Ich muss lächeln, weil ich dran denke, wie ich meine Atemwölkchen über dem kalten Seewasser gesehen habe. Wie ich mich gefreut habe, wenn die Sonne doch noch durch die Wolkendecke gescheint hat. Was für eine Wohltat wäre jetzt eine Wolke! Naja. Ich kann ja in den Schatten unter dem Baum gehen, da ist es angenehm.
Ich habe schon seit ein paar Tagen diese seltsame „Eisschwimm“-Sehnsucht – gestern wurde sie verstärkt. Mir fehlt der Kick beim Reingehen ins kalte Wasser.Ein kalter Bergsee im Sommer könnte das nicht ersetzen – wäre aber vielleicht einen Versuch wert? Mir fehlt aber auch die Besonderheit, an kühlen Herbst- oder kalten Wintertagen zu radeln, mich umzuziehen und zu schwimmen. Reingehen, das kalte Wasser zu spüren und mich zu überwinden. Auch, wenn diese Überwindung immer kleiner wurde. Den See für mich zu haben. Diese Ruhe. Das Kribbeln danach. Das Gefühl beim Schwimmen, wenn sich der Körper gegen die Kälte wappnet, erst nur raus aus dem Wasser will – und es dann doch geht. Ein Zug und noch ein Zug und siehe da: Es geht. …

Der Lußsee im Wandel der Jahreszeiten

Ein Blick auf den Kalender zeigt, dass es in zwei Monaten eh so weit ist. Dann ist Mitte September und die neue Eisschwimmsaison beginnt. Und bis dahin kann ich ja den Sommer noch bissl genießen …


Triathleten vs. Schwimmer

Wisst ihr, was der Unterschied zwischen Triathleten und Schwimmern ist? Letztere können schwimmen. Ja, das ist sehr subjektiv und auch nicht empirisch, aber ich möchte diese Erkenntnis gern mit euch teilen.

Montag Mittag, es ist bewölkt. Im Schwimmbecken ist mäßig viel los, auf der Bahn sind außer mir zwei Männer. Die zwei können gut und schnell schwimmen. Hin und wieder kommt es vor, dass sie mich überholen müssen. Vorher waren wir mehrere Schwimmer in der Bahn, da gab’s auch keine Engpässe oder Probleme. Als wir nur noch zu dritt waren, nähern sich zwei schwarze Gestalten dem Becken, wie ich aus dem Augenwinkel wahrnehme. Neopren im Juli im Freibad? Naja… ungewöhnlich.

Ich habe mich aber nicht vertan, es sind tatsächlich zwei Triathleten im Ganzkörpergummianzug. Und der eine springt ins Becken, als ich gerade auf die Wende zuschwimme und die anderen beiden Schwimmer in der anderen Hälfte der Bahn sind. Also weit genug weg, es ist eigentlich keine Eile geboten. Und ich mag es einfach nicht, wenn man fast auf mich draufspringt. Schwarzgummimann Nummer zwei lässt sich dann direkt neben mir, als ich anschlage, ins Wasser gleiten. Außer mir und ihm ist zu dem Zeitpunkt niemand am Beckenrand. Da hatte ich mir meine Meinung schon gebildet: Neo-Deppen. Und leider bewahrheitet sich diese Annahme im Laufe der nächsten zehn Minuten. Denn Neo-Depp 1 mit der dunkelblauen Kappe pflügt durchs Wasser, dass nicht einmal die Wellenbrecherleine eine Chance hat. Dabei macht er nicht nur eine Riesenwelle, sein Armzug ist für alle in der Nähe (Gegenverkehr und Überholter) gefährlich nah. Er zieht, wie es sich für Triathleten gehört, kräftig über die Seite. Ok – schnell ist er in seiner Gummipelle. Nummer zwei mit der hellblauen Kappe ist zwar nicht ganz so schnell, dafür ist sein Armzug raumgreifender. Nummer eins schwimmt, weil er ja so schnell ist, auch gleich in der Mitte der Bahn, quasi auf der Überholspur. Schwimmt? Pflügt wohl eher … Der eine von meinen zwei ursprünglichen Mitschwimmern hat inzwischen aufgegeben – oder der Glückliche ist mit seinem Pensum für heute durch. Der andere ist noch da. Macht grad zwei Bahnen Kraul-Beine und das in einer ziemlich beeindruckenden Geschwindigkeit. Für Neo-Eins ist das natürlich eine Herausforderung zum Überholen. Schließlich ist er ja der Schnellste hier! Naja. Wenn der andere nur halbe Kraft voraus schwimmt, ist das auch keine große Herausforderung. Später, als beide ganze Lage schwimmen, kommt es zum Duell. Das geht dann für den Schwimmer aus, der ohne große Mühe schneller ist.

Und ich? Ich bin auf die andere Seite der Leine gegangen, wo zum Glück Platz war. Denn mir war es zu gefährlich. Ich weiß schon, warum ich keinen Triathlon mache – dieses Gehaue ist mir einfach zu viel. Ich will meine Bahnen ziehen, in den Flow kommen und das Wasser genießen. Ich will nicht umgepflügt werden, nur weil ich langsamer bin. Und schon gar nicht an einem wolkigen Sommertag mit nur drei Leuten auf der Bahn.

Inzwischen waren die beiden Neo-Affen allein auf der Bahn. Und hatten zu zweit kaum Platz auf 50 Metern. Sie haben erreicht, was sie wollten: Die Bahn für sich. Unglaublich. Ich ärgere mich, dass ich das Feld geräumt habe, denn so haben sie mit ihrer Rücksichtlosigkeit genau das erreicht: Die Bahn gehört ihnen allein!

Denn ich kenne das durchaus anders: An einem bewölkten Feiertag im Mai war relativ viel los – auf der Schwimmerbahn und im Becken insgesamt. Wir waren schon zu sechst oder siebt, als sich drei Mittzwanziger dem Becken nähern. Der Figur nach Schwimmer. Und ich denke nur so: Ohje! Jetzt wird’s eng und ungemütlich. Aber: Weit gefehlt. Die drei Jungs waren schnell und gut – und haben Rücksicht genommen. Haben sich eine Lücke gesucht und sind geschwommen. Und beim Überholen habe ich den einen Schwimmer gar nicht bemerkt. So schnell und lautlos ist der an mir vorbeigeschwommen. Wie ein Fisch! Da war auch diese Aggressivität, die die Neo-Triathlten kürzlich ins Becken brachten, nicht vorhanden. Die Jungs haben sich mit der Situation arrangiert, dass jetzt eben wenig Platz ist und sind dementsprechend geschwommen. Als dann – an dem Feiertag im Mai – noch zwei schwarze Gummigestalten kamen, wurde es allerdings eng. Und ungemütlich. Ich habe dann meine Einheit beendet.

Mit neoprentragenden Triathleten ist einfach nicht zu schwimmen. Der Testosterongehalt im Schwimmbecken steigt auf ungeahnte Höhen. Wenn mir demnächst ein Bart wächst, weiß ich warum!

Und ja – das ist sehr pauschal und subjektiv und ich kenne auch den ein oder anderen Triathleten, auf den das nicht zutrifft – und den ein oder anderen Schwimmer, der nicht so charmant und rücksichtsvoll ist. Aber das musste jetzt mal raus, weil es mich ärgert und erstaunt, wie rücksichtslos manche Menschen und Sportler sind.


Schwimmfreu(n)de im Tegernsee

Heute war es soweit: Lutz und ich schwimmen im Tegernsee. Lutz hatte vor zwei Jahren sein Projekt, in 25 (willkürlich) ausgewählten Seen zu schwimmen. (Willkürlich sag ich jetzt, weil der Tegernsee damals nicht dabei war… *g)

Wie schon 2015 ziehen wir gemeinsam los. Nur, dass ich dieses Mal die Ortskundige bin und Lutz zum Parkplatz und See lotse. Außerdem habe ich uns eine Route ausgedacht. In Teilen bin ich das schon geschwommen. Letzte Woche von Kaltenbrunn nach Seeglas, vor zwei Jahren von der Bayersäge bis (fast) nach Kaltenbrunn. Der Plan ist, zuerst zur Bayersäge zu schwimmen, also nach Westen, und dann über den See rüber nach Seeglas und dann zum Ausgangspunkt in Kaltenbrunn zurück.

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Als wir ankommen, bin ich ein bisschen aufgeregt. Schließlich ist das MEIN See und es ist der beste See von allen. Da soll er sich natürlich von seiner besten Seite zeigen. Doch: Wolken. Naja. Ist halt bissl schüchtern, der Tegernsee. Und er weiß auch, dass er trotz bewölktem Himmel wunderschön ist. Mir geht’s jetzt ein bisschen wie Lutz damals, als er mir den Langbürgener See gezeigt hat. Den fand er auf seiner Liste am besten, deshalb wollte er da nochmal schwimmen und ich durfte mit.

So, jetzt also der Tegernsee! Im Uferbereich ist sein Wasser ganz schön warm, dort ist es flach und mein Thermometer zeigt 22,4 Grad. Schon klar, dass es draußen nicht so sein wird. Lutz hat seinen Neoprenanzug dabei und zieht ihn an. Chlorhuhn und Eisschwimmerin Petra hat sowas nicht, deshalb nur im Badeanzug. Wird schon gehen. Zur Not kann ich die Runde abkürzen.

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Im Selfie-Machen sind wir nicht unbedingt besser geworden …

Also rein ins Wasser und los. Moment. Das Schiff. Es ist da, legt gerade in Seeglas an und will nach Kaltenbrunn. Genau zu unserem ersten Orientierungspunkt. Hm. Blöd. Weil es noch dauert, bis es startet, schwimmen wir schon mal los. Das Wasser ist sehr klar, dank meiner neuen Aquasphere-Brille sehe ich sehr gut (Sie war im Starterset vom Eiskönig-Eisschwimmen am Chiemsee. Nochmal danke dafür!). Sie ist nämlich nicht getönt und beschlägt noch nicht. Hier ist der See sehr flach, ich sehe also die ganze Zeit den Grund unter mir. Zum Glück wächst hier nur etwas Gestrüpp am Boden, sonst wäre das eine Herausforderung für mich.

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Ein Schiff wird kommen …


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Unter Wasser: 20,8 Grad. Außerdem sieht man auf dem Foto, das Lutz gemacht hat, welch schönes Grün der Tegernsee hat!

Dann müssen wir das Schiff passieren lassen und warten, bis es an- und abgelegt hat.

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Wettschwimmen mit dem Schiff. Noch liege ich vorne … (nur Spaß!)

Das dauert! In Wirklichkeit hat es wohl nicht lange gedauert, aber es kam mir lange vor. Und dann können wir endlich richtig loslegen. Ich komme in meinen Rhythmus, dank des klaren Wassers sehe ich Lutz auch in einigen Metern Entfernung. Es läuft gut, wir schwimmen in etwa gleich schnell. Das Wasser ist jetzt tiefer und damit kälter. Ich spüre jeden Temperaturunterschied sofort. Die Wolken haben sich verdichtet, das macht’s nicht wärmer.

Und dann, ja dann, kommt der Kopf. Das Ufer will nicht näherrücken. Oder scheint es nur so? Ich kann das grad nicht beurteilen. Außerdem wird mir kalt. Nicht eisig-gefährlich kalt, aber kalt. Ich bekomme Respekt. Denn der Weg zurück ist relativ weit. Außerdem fühlt es sich an, als ob ich auf der Stelle schwimme. Der leichte Nordwind, der zwischenzeitlich aufkommt, macht es nicht leichter.

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Der kleine Punkt da vorne bin ich!

Ich beschließe, dass ich nicht weiter Richtung Bayersäge schwimme. Obwohl es nicht mehr wirklich weit ist.  Doch das Ufer dort ist nicht sehr attraktiv, zudem im Schatten – selbst, wenn die Sonne schiene. Also nichts zum Aufwärmen. Ich bin durch die Warterei mit dem Schiff echt ausgekühlt. Blöd! Mist! Schade!

Kurze Rücksprache mit Lutz: Ich schwimme zurück, er schwimmt die Strecke wie geplant. Auch sowas gehört dazu.

Beim Zurückschwimmen will ich mich nicht umdrehen. Ich habe eh das Gefühl, dass ich nicht recht vom Fleck komme, da muss ich den dunklen Schattenwald hinter mir nicht auch noch sehen. Aber weiter, immer weiter. Es hilft nichts. Ich versuche, in meinen Rhythmus zu kommen. Beobachte Finger, Hände, Zehen. Ich hab nämlich bissl Angst, dass sie steif werden. Denn ich bin jetzt schon über eine halbe Stunde im 20,9 Grad kalten Wasser, auf das keine Sonne scheint. Warm ist anders. Und mir scheint der Weg weit. Ist er wohl nicht, ich muss das irgendwie mit meinem Kopf ausmachen. Dann erkenne ich immerhin die Schiffsanlegestelle. Auf die schwimme ich jetzt zu. Allerdings Brust, mit langen Zügen. Das beruhigt mich innerlich, außerdem kommt es mir wärmer vor. Schlussendlich erreiche ich die Anlegestelle, von hier ist es nicht mehr weit. Ich kann die Menschen am Ufer erkennen – also, dass da Menschen sind. Und jetzt geht’s einfach weiter. Noch immer Brust, aber ich schwimme gerne Brust. Da komme ich auch in meinen Rhythmus, mache lange, ruhige Züge. Versuche zu gleiten und komme meinem Ziel näher. Und irgendwann bin ich da. Ein Blick auf die Uhr zeigt eine Stunde, eine Minute. Ganz schön lang in dem doch recht frischen Wasser.

An Land erstmal Handtuch, einwickeln, abtrocknen und umziehen. Das tut gut. Ich habe auch was Langärmeliges dabei, aus Fehlern wird man klug. Und dann sitze ich da, trinke was und esse meine Banane und das Käsebrot. Halte Ausschau nach Lutz. Sehe ihn trotz Boje nicht. Hm. Dafür kommt die Sonne raus und wärmt mich. Das tut gut!

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Zwischenzeitlich kam auch die Sonne wieder bissl raus…

Irgendwann sehe ich auch Lutz. Er ist tatsächlich nach Seeglas geschwommen und kommt jetzt zurück nach Kaltenbrunn. Es hat ihm gefallen!

Wir machen noch eine Brotzeit am Kiosk, Obatzn und Radler für Lutz, Weißbier und Pommes für mich. Beim Heimfahren habe ich die Fast-Panik wieder vergessen und merke, wie so oft nach dem Tegernsee-Schwimmen, dass ich noch den Geschmack vom Tegernsee schmecke. Da, wo Nase und Mund im Kopf zusammenkommen. Da ist noch ein bisschen was vom Tegernsee drin. Und in meinem Herzen natürlich, ist schließlich mein See. Auch, wenn er manchmal etwas angsteinflößend ist.

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Pommes und Bier – das habe ich mir verdient! Hehe …


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Am Freitag war der See wohl kälter? Sagt das Schild am Kiosk …


Teuflische Insel

Am Freitag war der See erneut spiegelglatt und warm. Am Ufer 21, draußen 20 Grad. Perfekt. Ich habe mir also meine Boje geschnappt und bin Richtung Insel geschwommen. Es lief so gut, dass ich in einem weiten Bogen um die östliche Inselspitze geschwommen bin, um dann Kurs auf Rottach-Egern, Popperwiese, zu nehmen. Da bin ich vor zwei Jahren mit Bootsbegleitung schonmal hingeschwommen, es ist nicht zu weit. Ich bin in meinem Rhythmus, in meinem Element, die Sonne scheint. Das Wasser ist grün und unter mir nur noch mehr Grün. Kurz vor dem Schwimmfloß der Popperwiese drehe ich um. Ich habe heute keine Lust, an Land zu gehen, ich will einfach nur schwimmen.

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Meine ungefähre Schwimmroute ….

Also geht’s jetzt wieder Richtung Insel, dieses Mal von der anderen Seite. Als ich dort in die Nähe komme, bin ich etwas verwirrt. Um die Insel sind gelbe Bojen. Sie markieren die Schutzzone, denn die Insel ist Vogelschutzgebiet. Ich verwechsle durch meine etwas beschlagene Brille die Bojen. Denke, dass ich schon viel weiter bin. Dann muss ich aber einen Bogen schwimmen, um aus der Schutzzone und aus dem Flachwasserbereich zu kommen. Weil es in letzter Zeit so warm war, befürchte ich, dass die Algen – auch als Schlingpflanzen bekannt – zu hoch gewachsen sind. Und das kann ich jetzt nicht gebrauchen, dass mich da eine am Fuß kitzelt. Also muss ich einen Bogen schwimmen. Und dann zurück zur Friedlwiese, meinem Ausgangspunkt. Gut zu erkennen dank der Bootshütte, auf deren Dach sich die Sonne spiegelt.

Vom Schiff aus fotografiert: Im Hintergrund der Ringberg. Leider kaum zu erkennen: die Ringseeinsel

 


Aber: Ich komme nicht voran. Leichter Nordwind ist aufgekommen, ein paar Wellen auf dem See. An sich nicht schlimm. Das hatte ich schon heftiger erlebt. Trotzdem macht sich ein mulmiges Gefühl bereit. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich beim Kraulen vom Weg abkomme. Ich muss zur Orientierung sehr oft nach vorne schauen. Dann beschließe ich 1.: Ruhe bewahren und 2.: Brust schwimmen, also normal, nicht Oma-Brust. Der Vorteil ist, dass ich mit jedem Zug sehe, wohin ich schwimme. Außerdem macht Brustschwimmen auch Spaß. Das etwas mulmige Gefühl bleibt. Es fühlt sich an, als ob ich von der Insel nicht wegkomme. Weit ist es nicht zum Ufer bzw. Ausgangspunkt, etwa 300 Meter. Aber mei – was soll man mit Fakten, wenn die alternativen Fakten halt dagegen sprechen…

Natürlich ist alles gut gegangen und ich konnte die Insel hinter mir lassen. Dann bin ich auch wieder gekrault und außer Puste war ich auch nicht. Also alles gut. Als ich meiner Schwester davon erzählt habe, hat sie gesagt, dass sie das Gefühl auch schon hatte, dass man von der Insel nicht mehr wegkommt. Vielleicht eine Strömung? Oder der Teufel hat doch seine Finger im Spiel? Schließlich hat er der Sage nach die Insel geschaffen. Als Gott mit der Erschaffung der Welt fertig war und ihm das Tegernseer Tal so gut gelungen ist, wollte der Teufel es zerstören.

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Der Teufel samt Felsbrocken auf dem Ringberg (c) Sepp Mohr, Tegernseer Sagen

Er schleppte einen schweren Gesteinsbrocken auf den Ringberg, um ihn von dort in den See zu schleudern. So sollte das Wasser überschwappen und alles überfluten und zerstören. Doch der Plan misslang. Der Felsbrocken rollte den Berg hinab und in den See. Allerdings blieb er dort als Insel liegen – und das Tegernseer Tal wurde noch schöner durch diesen Akzent …


Erstes wirkliches Freiwasser-Schwimmen 2017

Der Sommer ist da. Tadaa, tadaa … Und der Tegernsee ist ziemlich warm. Ungewöhnlich, denn eigentlich ist es ja ein kalter See, wie ich hier schon mal geschrieben habe. Gestern war das Wetter gut, es war warm und ich hatte den Nachmittag frei. Freibad – ohje. Bei dem Wetter eher Chaos als Schwimmen. Also setze ich mich in den Zug und fahre zum besten See von allen. In Gmund habe ich die Möglichkeit, zwei Strandbäder zu Fuß zu erreichen: Seeglas oder Kaltenbrunn. Ich entscheide mich für Kaltenbrunn. Denn mit etwas Glück kommen abends die Tegernsee-Schwimmer, mit denen ich vor zwei Jahren mal unterwegs war.

In Kaltenbrunn liegt einem der Tegernsee der Länge nach zu Füßen …


Als erstes genieße ich den Ausblick. Der Tegernsee liegt der Länge nach gestreckt vor mir, die Berge sind eine fast kitschige Kulisse. Zum Schwimmen war ich hier noch nie oder nur einmal, im Winter. Ich mache einen kleinen „Erkundungssschwimm“, Oma-Brust, um mir die Lage und das Wasser anzuschauen. Urteil: ideal! Ok, es geht ziemlich lang flach ins Wasser, die Steine sind relativ groß und das Gehen ist deshalb nicht sehr angenehm. Aber ich will ja schwimmen, da ist das nicht so tragisch. Das Wasser ist herrlich. Im Uferbereich 21 Grad, draußen 20,4 Grad. Kaum Wellen, dafür Sonne. Ich plane meinen „Ausflug“. Denn zwischenzeitlich habe ich erfahren, dass die Schwimmgruppe nicht nach Kaltenbrunn kommt.

Rechts am Schilf vorbei wäre es nach Holz gegangen …


Die Strecke nach Holz traue ich mir allein nicht zu. Ich habe zwar meine Boje, aber es ist doch ein Stückerl und beim ersten Mal und überhaupt. Es gibt ja eine zweite Möglichkeit: Ich schwimme nach Seeglas, zu dem anderen Strandbad. Da war ich ja am Neujahrstag zum Anschwimmen. Also Boje Paul umgeschnallt, Uhr ans Handgelenk, Thermometer anbinden, Brille auf und los. Ich muss mich erst bissl ans Kraulen im See gewöhnen. Irgendwie ist es doch immer anders als im Freibad. Das Thermometer habe ich blöd befestigt, es schlägt gegen meinen Fuß. Naja. Außerdem habe ich den Ausflug im See genutzt, um die Schwimmtauglichkeit von meinem Arena-Bikini zu testen. Was soll ich sagen: Gut, dass ich nicht im Schwimmbecken bin. Das Oberteil verrutscht. Erst nervt mich auch das, dann denke ich: Egal. Sieht keiner, schwimm einfach. Und das mache ich. Ich ignoriere Bikini und Thermometer so gut es geht und konzentriere mich aufs Schwimmen. Und auf den See. Der mal wieder perfekt ist. Dieses Grün gibt’s nur hier. Außerdem ist das Wasser griffig und kaum wellig. Ich komme in meinen Trott, meinen Rhythmus und fühle mich wie ein Wanderer, der einen Schritt vor den anderen setzt.

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Ich habe versucht, die Schwimmstrecke in Google Maps nachzuzeichnen.

Es ist richtig schön. Und kurz! Nach 14 Minuten bin ich schon an dem Floß, auf dem die Kinder tollen. Also im Badebereich des Strandbads. Wow! Ich hätte gedacht, dass es länger dauert. Weil hier doch einige Badegäste unterwegs sind, schwimme ich lieber Brust. Da habe ich einen besseren Überblick. Ich komme an, richte das Bikinioberteil und – versinke im Schlamm. Ui! Was ist das? Total schlammiger Boden. Das Gehen fällt etwas schwer. Ich sehe nämlich auch nichts, weil es aufgewühlt ist. Es ist aber immer wieder ein erhebendes Gefühl, an einer anderen Stelle im See an Land zu gehen. Auch, wenn es nur ein paar Meter waren, fühle ich mich wie ein Ozeanbezwinger. Ich gehe woanders an Land. Und das mache ich auch. Ich gehe an Land, setze mich in die Sonne und genieße den Ausblick. Komme mit zwei älteren Damen ins Gespräch, es ist einfach herrlich.

Blick von Kaltenbrunn nach Seeglas. Einmal um die Segelboote rum und dann ist man schon fast da …


Dann warte ich ab, weil es 17 Uhr ist und ich vorher im Fahrplan geschaut habe, wann die Schifffahrt hier mit dem großen Schiff vorbeikommt. Dem will ich im Wasser lieber nicht begegnen. Schiff Nummer 1 hält in Kaltenbrunn und fährt zu uns nach Seeglas. Es legt auch hier wieder ab. Doch dann: Ein zweites Schiff aus Richtung Süden hält auf Seeglas zu. Aha. Das habe ich im Plan übersehen. Also warte ich ab, bis es angelegt hat, kurz darauf wird es wohl ablegen. Eigentlich. Es tut sich: nix. Hm. Ich warte noch, aber nachdem sehr lange nichts passiert, schwimme ich doch los. Ich bin ja schon ziemlich lange von meinem „Lager“ weg. Während ich schwimme, beobachte ich das Schiff immer. Und irgendwann legt es ab. Ich verharre an Ort und Stelle, bis es vorbei ist – in gehörigem Abstand, versteht sich. Dann schwimme ich weiter und bin überrascht: Das neue Riesenschiff macht kaum Wellen. Ich atme zwar vorbeugend nur auf die linke Seite, aber das wäre gar nicht nötig, so angenehm sind diese Wellen.

Und dann passiert noch was Lustiges: Von Seeglas aus haben die Damen und ich schon gesehen, dass da noch jemand schwimmt. Also krault. Weil wir den Arm ab und zu gesehen haben. Und ich meinte auch, dass ich in Seeglas jemanden gesehen hätte, der am Ufer einen Neoprenanzug anzieht. Tja und dann mitten im See treffen wir uns. Ein herzliches „Servus“ von uns beiden lässt uns kurz zweifeln, ob wir uns vielleicht kennen. Wir kennen uns nicht. Aber es ist irgendwie witzig, hier im Wasser, ziemlich auf halber Strecke, jemandem zu begegnen. Sie fragt mich, ob mir ohne Neo nicht zu kalt sei. Ich verneine, schaue aufs Thermometer, das 20,4 Grad anzeigt. Sie meint, dass sie noch überlegt habe, ob sie den Neo braucht. Dann tauschen wir uns noch über die Schwimmstrecke und das Schiff aus und loben den See, der heute mal wieder perfekt ist. Wir verabschieden uns und jede schwimmt weiter.

Ich habe noch überlegt, einen Schwenker zur Schiffsanlegestelle zu machen, doch ich merke, dass mir ein bisschen kühl wird. 20,4 Grad sind zwar wunderbar, aber auf Dauer halt doch frisch. Deshalb schwimme ich zwar noch einen Bogen, dann aber zurück ans Ufer. Am Strandbad Kaltenbrunn sind alle meine Sachen noch da. Im Schatten. Mir ist kalt, deshalb ziehe ich in die Sonne um.

Tegernsee-Wasser im Uferbereich


Es war mein erstes wirkliches Freiwasserschwimmen heuer und es war super! Der Tegernsee mit seinem grünen Wasser, die Kulisse. Das Gefühl von Urlaub und Heimat – ich kann es nicht wirklich beschreiben. Nur kalt ist mir noch immer. Ich zittere richtig. Was Langärmeliges wäre jetzt schön. Habe ich aber nicht. Nur ein weißes T-Shirt, das ich jetzt anziehe. Ich war wohl doch zu lang im Wasser. Außerdem habe ich Hunger. Meine Brotzeit ist noch da – aber nicht lange…. 😉