Fisch mit Fahrrad

Drei Wochen ohne Wasser. Drei Wochen ohne Schwimmen. Drei Wochen ohne Chlor. Drei Wochen duschen zuhause. Klingt dramatisch – ist es aber gar nicht! Ich muss zugeben, ich bin selbst erstaunt. Zum einen, weil die Dusche daheim funktioniert (ok… daran habe ich auch nicht gezweifelt), zum anderen, weil es mir eigentlich ganz gut geht damit.

Natürlich vermisse ich das Schwimmen, meine Routine, den Flow und das Treffen von Freunden und Bekannten. Aber ich habe mich erstaunlich schnell an die neue Situation gewöhnt. Das frühlingshafte Wetter hat daran sicher einen großen Anteil. Und zum Glück dürfen wir in Bayern ja (anders als in Italien zum Beispiel) raus an die frische Luft und Sport machen. Und das bietet sich ja an, wenn die Sonne scheint und kaum Wind weht. Schon in der ersten Woche habe ich das Rennrad aus dem Keller geholt und die ein oder andere Runde gedreht. Da hat es sich aber noch nach „Trotz“ angefühlt, ich wollte es mir schön reden, dass ich mal nicht in die Halle „muss“, sondern tatsächlich das Frühlingswetter nutze. Zwischendrin war’s dann wieder ziemlich kalt, mit Nachtfrost und eisigem Ostwind tagsüber. Aber jetzt ist der Frühling da und ich muss sagen, dass ich ganz zwang- und trotzlos das Rennradfahren genieße.

Ich lasse mir den Fahrtwind um die Nase wehen, ich freue mich über die wärmenden Sonnenstrahlen, ich rieche die Frühlingsluft (und kaum Abgase, weil tatsächlich weniger Verkehr ist) und freue mich an der bunten Blütenpracht. Ich rolle dahin und fühle mich fast ein bisschen wie im Urlaub. Denn die alte „Zeitrechnung“ ist größtenteils aufgehoben: Es gibt keinen heftigen Feierabendverkehr, den ich meiden will. Und wie auch im Urlaub dauert es zwei, drei Tage, bis ich mich an den anderen Tagesablauf gewöhne und es genießen kann. Einziger Unterschied: Im Urlaub will ich aus meinem Trott gerissen werden, jetzt wurde ich sozusagen staatlich verordnet aus dem Trott gerissen. Es tut mir gut. Ich kann es genießen – eine neue Form von Freiheit. Ironischerweise. Denn gerade das ist ja eingeschränkt: unsere Freiheit.

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Im Hallenbad hätte ich das nicht gesehen!

Aber wenn ich ehrlich bin, war es manchmal schon zwanghaft, das mit dem Schwimmen. Und einfach Routine, wie zur Arbeit gehen. Das macht man ja auch, ohne es zu hinterfragen. Vielleicht habe ich das auch mal gebraucht, um zu sehen, dass ich nichts verpasse, wenn ich mal nicht schwimmen gehe. Dass auch andere Sachen Spaß machen, dass Schwimmen nicht per se das „bessere Angebot“ ist.

Ok, jetzt ist es natürlich auch „unnatürlich“, denn ich kann ja gar nicht schwimmen gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es SICHER ganz leer ist, wenn ich grad mal nicht im Bad bin. (Ich weiß, dass es ganz leer ist.. hihi). Es ist schwer in Worte zu fassen. Aber ich bin froh, dass ich für mich einen Weg gefunden habe, mit der neuen und seltsamen Situation umzugehen. Sorgen mache ich mir natürlich schon, vor allem darum, wie es „nach Corona“ weitergeht. Wird es viele Arbeitslose geben? Werden liebe Menschen schwer krank werden? Was ist mit unserer Demokratie? Freiheit? Sicherheit? Reisen? Wann wird es wieder „normal“ werden? Und natürlich auch: Werden die Bäder wieder öffnen? Denn ganz ehrlich: Die Freibadsaison steht vor der Tür, ein Sommer ganz ohne Schwimmen, das ist schwer vorstellbar!

Aber wie heißt es so schön: Von allen Sorgen, die ich mir machte, sind die meisten nicht eingetroffen.“ Das ist von Sven Hedin, einem schwedischen Entdeckungsreisenden. Stand mal auf meinem Kalender. Und das ist doch ein gutes Motto – gerade jetzt.


Das Chlorhuhn an Land …

Das Corona-Virus hat uns weiterhin im Griff. Inzwischen sind nicht nur die Schwimmbäder geschlossen, fast das komplette öffentliche Leben ist lahmgelegt. Keine Cafés, Kneipen, Restaurants, keine Freunde treffen und natürlich kein Schwimmen. Das ist schon hart. Hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Aber mir fehlt das Schwimmen, die Routine, das Wasser, der Flow. Ja, der Flow fehlt mir am meisten!

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Ohmann… das fehlt mir!

Beim Schwimmen geht’s ja nicht nur ums Wasser. Ich liebe es einfach, wenn ich so dahin schwebe, mich gleichzeitig leicht und kraftvoll fühle. Wenn ich meinen Rhythmus gefunden habe und Bahn um Bahn durchs Becken ziehe. Um mich herum nur Wasser, das alle Geräusche dämpft und so schön gurgelt. Das ist beruhigend. Vor allem, wenn ich allein schwimmen kann. Das Glück habe ich hin und wieder. Und gerade jetzt merke ich, dass es das ist, was mir fehlt. Dieses Gefühl von „Sicherheit“. Wenn ich einen blöden Tag hatte und ins Wasser gehe, fällt vieles von mir ab. Mein Kopf wird frei, die Gedanken drehen sich nicht mehr, sie ordnen sich. Ich kann abschalten oder auf neue Ideen kommen. Oder Dinge von einer anderen Seite sehen. Das wäre gerade jetzt, in dieser schwierigen und unsicheren Zeit so wichtig. Aber: Es geht nicht. Und ja, das ist mir auch klar.

Was macht das Chlorhuhn stattdessen? Es versucht sich im Leben an Land. Als es vergangene Woche so schön frühlingshaft und warm war, bin ich mit dem Rennrad gefahren. Und es war schön! Ich habe mich sogar bei dem Gedanken ertappt, dass es gar nicht so schlecht ist, dass das Bad geschlossen hat, so mache ich wenigstens was anderes. Es hat gut getan, an der Sonne zu sein, den Fahrtwind zu spüren. Es war bissl wie im Urlaub. Da geht mir das Schwimmen auch nicht ab. Da mache ich andere Sachen und natürlich ist die Gesamtsituation eine andere. Und ich kann mich aufs Schwimmen freuen, denn wenn ich wieder daheim bin, kann ich ja wieder ins Bad. Aber jetzt? Weiß es keiner.

Frühling am Feldmochinger See – beim Radeln gesehen

Hübsch und blau, aber kein Schwimmbecken … 

Am Samstag war dann Nieselregen, da wollte ich nicht radfahren. Aber da ich samstags oft mit Freunden schwimmen gehe, war es doppelt hart. Weil wir weder schwimmen gehen können, noch ein Alternativprogramm starten können.

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Die Olympiaschwimmhalle vermisst uns Stammschwimmer sicher auch!

Wäre Eisschwimmen eine Option? Hm, ja, vielleicht. Das Wetter hat mir da auch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es wehte ein starker und eisiger Ostwind. Ich bin mit meinem normalen Stadtfahrrad geradelt, es war ja sonnig. Aber es war wirklich kalt und unangenehm, da hatte ich überhaupt keine Lust zum Eisschwimmen. Dazu kommt, dass ich heuer nicht besonders oft im kalten Wasser war. Und für „richtiges“ Schwimmen ist das Eisschwimmen kein Ersatz. Es ist etwas ganz anderes. Es ist ein Kick, eine Herausforderung, aber einen Flow gibt’s da nicht. Mal sehen, wie sich das Wetter entwickelt.

Ich denke mal, dass es euch anderen, die auch gern und oft schwimmen, ähnlich geht. Vielleicht helfen ja die Schwimmbuch-Tipps über die Trockenzeit? Viele lokale Buchläden, die zur Zeit geschlossen sind, bieten trotzdem einen Online-Versand an. Ihr könnt also doppelt Gutes tun: für euch und für den Buchladen.

Weiteres „Opfer“ von Corona: Der Sauna-Tag in Helsinki. Ich war eh schon unentschlossen, ob ich in diesen Zeiten überhaupt wegfahren soll (war da noch erlaubt), aber es hat sich irgendwie nicht richtig angefühlt. Und dann haben sich die Ereignisse überschlagen, der Sauna-Tag wurde abgesagt. Glück im Unglück. Da habe ich natürlich auch keine Zimtschnecken bekommen, dafür hat mir meine Freundin Diana eine gebacken und mit ins Dantebad gebracht.

Zimtschnecke fürs Chlorhuhn

Und heute gab’s bei meinem Bäcker auch wieder eine Zimtschnecke., eine Spezialanfertigung. Im Sortiment gibt’s die nämlich nicht. Aber der Junior fand Zimtschnecken bei einem Urlaub in Schweden auch toll, darüber haben wir mal geredet und er hatte im Januar schon mal eine „Test-Schnecke“ gebacken. Das Ganze ist dann wegen der Krapfen etwas eingeschlafen, aber heute bekam ich eine neue Version zum Probieren! Es gibt also auch Lichtblicke in dieser echt blöden Zeit!

Zimtschnecke von meinem Bäcker!


Corona-Schwimmpause

Mensch, was sind das für komische Zeiten gerade? Vor zwei, drei Wochen war noch alles normal – und auf einmal überschlägt sich alles und auch die Schwimmbäder sind davon betroffen. Ab morgen, Dienstag, 17. März, werden sie auch in München geschlossen. Sinnvoll – aber traurig!

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So leer wird es vorerst in der Olympiaschwimmhalle sein … 😦

Das werden jetzt harte Zeiten für uns Dauer-Schwimmer. Mindestens zwei Wochen sind alle Bäder in München (und gefühlt im Rest der Welt) geschlossen. Fürs richtige Schwimmen im Freiwasser ist es noch zu kalt. Und ausgerechnet heuer war ich keine so fleißige Eisschwimmerin. Naja. Es ist sowieso kein „Ersatz“, eher eine „Ergänzung“.

Gleich mal vorweg: Ich finde es richtig, dass die Bäder auch geschlossen werden. Zwar ist die Übertragung im Chlorwasser nicht nachgewiesen und ziemlich unwahrscheinlich, die Ansteckung an der Türklinke nicht wahrscheinlicher als im Supermarkt. Es gibt aber zwei weitere Aspekte zu beachten: Das eine ist, dass inzwischen viel mehr Menschen infiziert sind (und es oft nicht wissen, weil sie (noch) keine Symptome haben). Das andere ist, dass sich das Virus über die Luft verbreitet, man soll einen Abstand von zwei Metern zueinander einhalten. Und da sind wir am Knackpunkt: Selbst wenn man zu „Randzeiten“ schwimmen geht, trifft man auf andere Menschen. Und manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man zu zweit am Beckenrand steht. Und schnauft (atmet). Und weil immer mehr Menschen infiziert sind, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass da einer im Bad infiziert ist. Das war vor zwei Wochen noch anders, da waren weniger Infizierte gemeldet. Und wenn ich dann sehe, dass sich Gruppen von fünf oder mehr Schwimmern zusammentun und gemeinsam trainieren, ratschen, pausieren, außer Puste sind – dann wird mir da jetzt eben ganz anders. Es geht jetzt eben darum, die Ausbreitung einzudämmen, zu verlangsamen.

 

Aber natürlich ist es traurig, dass die Bäder schließen. Zum einen natürlich, weil mein liebster Lieblingssport wegfällt. Ich schwimme ja gern, dieses monotone Bahnenziehen brauche ich für mein Wohlbefinden. Es ist mein Ausgleich, meine Meditation. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sich anfühlen wird, nicht zu schwimmen. Ob Radfahren das ersetzen kann?

 

Zum anderen, weil das Schwimmen und der Besuch im Bad auch eine soziale Komponente hat. Hier treffe ich Bekannte, die ich nur hier treffe. Deren Namen ich oft nicht weiß, die ich an der Badehose bzw. am Badeanzug erkenne und auf der Straße wohl nicht kennen würde. Die Gleichgesinnte sind, mit denen man zwei, drei Worte wechselt. Manchmal auch mehrere Sätze. Das wird mir, die alleine lebt, fehlen! Denn auch in der Arbeit sind weniger Menschen vor Ort, auch ich werde zum Teil Homeoffice machen – auch hier fehlen die sozialen Kontakte. Auch das ist richtig, aber es ist halt auch traurig.

 

Wir werden sehen, wie sich das alles weiterentwickelt – und ob ich danach noch schwimmen kann. Jetzt muss ich erstmal schauen, ob die Dusche daheim noch funktioniert … 😉


Bilanz 2019: 834 Kilometer

Wow! 834 Kilometer bin ich heuer, 2019, geschwommen. Nur im Becken! Die paar Meterchen im See kann ich dieses Jahr getrost unter den Tisch fallen lassen.

So leer ist das Becken natürlich nur nach Betriebsschluss

Das „Wow“ ist so zu verstehen, dass ich „normalerweise“ etwa 500 Kilometer schwimme. Das wurde letztes Jahr schon getoppt: Da waren es dann 666 Kilometer. Und dieses Jahr hatte ich die 500 schon am Geburtstag, also im August, voll. Da waren dann auch die 666 nicht mehr als nur eine schöne Zahl. Wohin sollte die Reise also gehen? 700? Realistisch, aber nicht wirklich eine Herausforderung. Aber solange diese Marke das Ziel war, war die „700“ in der Olympiaschwimmhalle auch mein Schrank.

 

Unfassbar! Kaum Schwimmer da, aber mein Schrank ist besetzt!

Zum Glück nicht immer …

Doch das war dann auch geknackt und die Kilometerjagd ging weiter. „Jagd“ deshalb, weil es mir heuer – ironischerweise genau in dem Jahr, in dem ich weniger schwimmen wollte – ziemlich wichtig war, Kilometer zu sammeln. Keine Ahnung, warum das so war. Ich habe auch immer fleißig mitgerechnet, normalerweise schaue ich am Ende der Freibadsaison mal, wie viele Kilometer schon zusammengekommen sind, oder im November. Aber heuer war alles anders.

Das hat mit einem verrücken Plan im Mai zu tun: Da wollte ich tatsächlich jeden Tag schwimmen gehen. Also vom 1. bis 31. Mai – 31 Mal hintereinander. Das war mal schön, und mal weniger schön. Weil entweder viele Leute da waren oder ich nicht in meinen Flow gekommen bin. Und manchmal hat es sich angefühlt wie Arbeit – und ich war ja auch tatsächlich öfter schwimmen als arbeiten (Feiertage, Wochenenden – keine Ausnahmen, zumindest nicht im Mai). Und dann war es doch so gut, dass ich am 1. Juni gleich nochmal schwimmen gegangen bin. Hihi!

Ach, Freibad … bis wir uns wiedersehen, dauert es noch …

Die verlängerte Freibad-Saison bis 30. September hat ihr übriges getan, dass zahlreiche Kilometer hinzugekommen sind. Und als dann die Olympiaschwimmhalle wieder geöffnet hat, war es da bis zur offiziellen Eröffnung sehr ruhig. Und das musste ich natürlich nutzen. Schönes Schwimmen unter dem Zeltdach, wieder mit viel Platz. Tja und so ging das Jahr zur Neige und das Chlorhuhn ist geschwommen, geschwommen, geschwommen. Und anders als zum Beispiel im letzten Jahr hatte ich nie „Unlust“ verspürt. Klar, manchmal fiel es mir im Wasser schwer, der Flow hat sich nicht eingestellt oder so, aber ich hatte immer Lust hinzugehen. Kein „Zuviel“ vom vielen Schwimmen – eher im Gegenteil!

Ich habe einen neuen Schrank – weil er eine „8“ enthält und so schön zweideutig ist.

Allerdings muss ich auch eingestehen: Ich habe wirklich kaum etwas anderes gemacht. Ich war nicht im Urlaub (im April in Dresden und im Oktober in Antwerpen), aber im Sommer war ich hier. Beziehungsweise im Freibad. Und auch das See-Schwimmen habe ich vernachlässigt. Sowohl im Sommer als auch im Herbst und Winter. Irgendwie war mir das „Kacheln zählen“ im Edelstahlbecken lieber. Und so habe ich auch kaum etwas erlebt, in diesem Jahr 2019. Kein Radln in Dänemark oder Schweden, keine neuen Abenteuer in Estlandoder sonstwo. Das kann man schon mal machen, ist sicher gut für die Klimabilanz, aber so das Gelbe vom Ei war’s nicht im Rückblick.

Auf der anderen Seite der Bilanz steht aber auch, dass ich viele „Gemeinsame Kilometer“ geschwommen bin. Im Winter, als wir in der Olympiaschwimmhalle noch im Trainingsbecken geschwommen sind, waren meine Schimmfreunde Jakob und Cissi oft da. Auch, wenn die beiden viel besser und schneller schwimmen als ich, sind wir irgendwie gemeinsam geschwommen. Auch mit meiner Freundin Diana hat es 2019 wieder öfter geklappt, das wir uns zum Schwimmen getroffen haben. Im Sommer gab’s zahlreiche Freibad-Besuche mit Cissi, die mir ihr Lieblingsfreibad in Dachau gezeigt hat, aber auch Ausflüge nach Germering oder „daheim“ im Dante- oder Schyrenbad. Und auch, wenn immer behauptet wird, dass Schwimmen ein einsamer und wenig kommunikativer Sport ist, finde ich es schön, wenn ich nette Gesellschaft habe. Klar: Während des Schwimmens redet man nicht miteinander, aber der/die andere ist auch da und jeder kann seinen Plan schwimmen – und ist nie weit weg. Ganz anders als beim Radlfahren …

Als Fazit lässt sich sagen, dass ich das mit den vielen, vielen Kilometern mal ausprobiert habe – und mal sehen, was ich 2020 mache. Das ist ein Schaltjahr, also ein Tag mehr zum Schwimmen – oder für was anderes… mal sehen …


Zweimal kalt zum Winteranfang

Ich muss gestehen: Ich bin nicht mehr so eifrig beim Eisschwimmen wie die letzten Jahre. Ich habe mich auch ein bisschen zur „Schönwettereisschwimmerin“ entwickelt. Wenn Ostwind ist: keine Lust, viel zu kalt beim Heimfahren. Bei Nebel: ebenso. Regen: geht gar nicht, Schnee ebenso. Und Westwind – da bin ich kürzlich umgedreht, weil ich auf dem Radl kaum vorangekommen bin und mir dachte, dass mir dann am See die Wellen ins Gesicht platschen und an Land mein Zeug wegweht. Ihr seht schon: Wenn man keine rechte Lust hat, ist jede Ausrede recht. Und als ich das letzte Mal schwimmen war, habe ich ganz seltsames Kälte-Kopfweh bekommen …

Aber dann gibt’s die Tage, an denen ich doch wieder Lust verspüre. Ich an den See radeln will, um im kalten Wasser zu schwimmen. Hätte ich gestern schon gern gemacht, aber das Wetter hat sich nicht an die Vorhersage gehalten – es hat bis Nachmittag geregnet. Als es dann endlich aufgehört hat, war die Zeit zu knapp, um zum See zu fahren. Es sind ja grad die kürzesten Tage und es wird früh dunkel. Also nur ein kleiner Spaziergang, am Nymphenburger Schlosskanal. In herrlichster Abendlichtstimmung und mit spiegelglattem Wasser. Da habe ich die Lust aufs Eisschwimmen ganz deutlich gespürt! Oh, wie schön wäre es, jetzt da reinzugehen, unterzutauchen und zu schwimmen!

Abendstimmung am Nymphenburger Schlosskanal

Und weil es heute Vormittag tatsächlich nur bewölkt war, kein Regen, kein Wind, habe ich meine Siebensachen eingepackt und bin zum Langwieder See geradelt. Eine andere Strecke als gewöhnlich, irgendwie war mir nach Abwechslung. Als ich am See ankomme, liegt er spiegelglatt und einsam vor mir. Yeah! Die Freude wird kurz getrübt, denn als ich meine Decke ausgebreitet habe, kommt ein Paar mit einem riesigen Schäferhund. Natürlich ohne Leine (ich glaube, man kann in München keine Hundeleinen kaufen) und dann muss der Hund natürlich erstmal ins Wasser. Ich beobachte die Szene kritisch, denn ich kenne das schon: Der nasse Riesenhund läuft zu mir – obwohl sonst genügend Platz ist. Ich habe Glück, der Hund weiß was sich gehört und bleibt bei seinen Haltern. Und die gehen dann auch wieder.

Jetzt wird’s ernst! Ich ziehe mich aus, es ist kühl (etwa 5-7 Grad) und mir ist vom Radln warm. Dann gehe ich ins Wasser. Oh! Kalt! Brrr! Aber klar, was habe ich erwartet. Ich schaffe es recht schnell, unterzutauchen und loszuschwimmen. Im flachen Wasser nur, zur Sicherheit. Und es ist kalt. Es ist richtig kalt. Auf der glatten Wasseroberfläche sehe ich meinen Atem. Ich merke, wie ich sehr schnell atme, unruhig bin. Weil es echt kalt ist. Ich drehe um, schwimme zurück. Es geht nicht. Ich muss hier raus. Dann stehe ich am Ufer, das Handtuch um mich gewickelt. Und warte ab. Höre in mich rein. Merke, wie der Puls und der Atem ruhiger werden. Ah, das ist gut.

Vielleicht gehe ich jetzt doch nochmal rein? Weil ich mir ja schon öfter gedacht habe, dass es vielleicht doch länger gegangen wäre. Wenn der erste Schock überwunden ist. Bisher habe ich das nie gemacht. Aber heute schon. Ich lege also das Handtuch auf meinen Platz und gehe erneut ins Wasser. Es ist immer noch kalt. Saukalt! Aber ich bin ruhiger und kann noch einmal im flachen Wasser am Ufer hin- und herschwimmen. Dann muss ich doch raus. Es ist zu kalt. Ich bin es einfach nicht mehr gewöhnt. Meine Muskeln vibrieren vor Kälte. Ich bin knallrot! Und meine Zehen sind so steif, dass ich kaum in meine Flip-Flops komme. Ich bin auch ein Depp! Genau deshalb habe ich eigentlich Schlappen ohne Zehentrenner, für die eisigen Tage. Die hätte ich mal einpacken sollen. Jetzt ist es zu spät, irgendwie geht’s, dass ich die zwei Schritte in zur Decke gehen kann. Die Schuhe will ich vor allem deshalb anziehen, damit meine Füße nicht schmutzig werden. Weil kalte, nasse Füße sich nicht gut von Schmutz befreien lassen. (Weitere Tipps zum Eisschwimmen gibt’s hier.)

Passende Badekappe zum Eisschwimmen, nur die Flipflops sind ungeeignet.

Dann abtrocknen, Badeanzug runter, T-Shirt an. Unterhose an. Socken, Hose, Pulli, Schal, Jacke, Mütze statt Badekappe. Mann, ist mir kalt. Es kommt nicht mal ein Kribbeln oder so, es ist einfach nur kalt. Ich trinke von meinem heißen Tee aus der Thermosflasche, das tut gut. Dann packe ich zusammen und radle heim. Beim Radeln sind natürlich meine Finger kalt und fast steif, meine Füße sind Eisklumpen. Hm… irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Aber irgendwie war’s trotzdem schön!


Bahn frei – Buchtipps für Wasserratten

Zweiter Advent, die Zeit rennt, denn Weihnachten naht. Geschenke wollen gekauft werden, doch was schenkt man Wasserratten, Chlorhühnern und anderen Schwimmverrückten? Schwimmbrille? Besser selbst aussuchen? Badeanzug? Ob der passt und gefällt? Pullboye, Flossen, Paddels – ist natürlich alles vorhanden. Wie wäre es mit „Lesestoff“? Bücher über das Schwimmen, die schönste Nebensache der Welt, gibt’s viele. Einige habe ich selbst schon gelesen und deshalb habe ich hier mal eine Zusammenstellung für euch – als Inspiration!

Bahn frei von Lutz Prauser

Lutz Prauser dürften einige von euch kennen. Er ist auch Schwimmer und Blogger, wir zwei waren auch schon auf einigen gemeinsamen Schwimmausflügen. Lutz hat aus der Vielzahl seiner Blogeinträge einige ausgewählt und ein Buch gedruckt. Das Buch hat stattliche 331 Seiten und kostet 19.90 Euro (entweder bei hier bei Lutz oder über die ISBN 978-3-9782-0746-0-3 kann es jeder Buchhändler ordern, es ist im Verzeichnis lieferbarer Bücher gelistet.). Das Beste an dem Buch: ich komme darin auch vor! Spaß beiseite! Es sind Geschichten rund ums Schwimmen. Wie Lutz überhaupt zum „Wassermann“ wurde, wie er seinen inneren Schweinehund ein ums andere Mal überlisten muss. Viele dürften sich in den Geschichten wiedererkennen, manches lässt sich auch auf andere Sportarten übertragen. Das „technische Aufrüsten“ dürften nicht nur Schwimmer kennen. Lutz erzählt anschaulich, wen er im Hallenbad trifft, wie er auch bei Regen im Weiher schwimmt und welche Rechenaufgaben er beim „Kachelzählen“ meistert. Das Buch ist also für Anfänger, Geübte, Motivierte oder Couchpotatoes geeignet. Ob Chlorhuhn oder Freiwasserliebhaber, für jeden ist was dabei. Außer für die Kaltwasserschwimmer, denn das macht Lutz (noch?) nicht. Einziges Manko an dem Buch: Der Tegernsee ist nicht dabei!

Mein Jahr im Wasser von Jessica J. Lee

Berlin ist von Seen umgeben. Die Autorin ist in Kanada geboren und aufgewachsen, sie kommt als Wissenschaftlerin nach Berlin. Aus Liebeskummer heraus schafft sie sich selbst ein Projekt: 52 Seen in 52 Wochen erkunden. Also sommers wie winters schwimmen. Alle Seen will sie ohne Auto, also nur mit dem Rad und ggf. öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Manchmal schwimmt sie alleine, manchmal hat sie Gesellschaft. Sie schildert, wie es ihr beim Schwimmen geht, wie sie die Natur und die Seen, das Wasser und die Luft wahrnimmt. Gerade für Eisschwimmer ist das Buch interessant, weil sich viele darin wiedererkennen können. Außerdem gibt’s ausführliche Infos zu den Seen samt Anfahrtswegen, falls man also mal in Berlin ist. (336 Seiten, 18 Euro, ISBN-13: 978-3827013347)

Schwimmen von Nicola Keegan

Ein Roman, kein Erlebnisbericht wie die anderen beiden Bücher. Ich habe das Buch damals vor allem wegen des Titels gekauft. Es geht um Philomena, die in Kansas in einer exzentrischen Familie aufwächst. Um dem zu entkommen, geht sie leidenschaftlich gern schwimmen. Wenn sie im 50-Meter-Becken abtaucht, kann sie alles um sich herum vergessen und findet in eine neue Welt. Der Schreibstil ist interessant, das Ende fand ich etwas „plätschernd“. (ISBN-13: 978-3498035419)

Wassererzählungen von John von Düffel

Das Buch habe ich mal zum Geburtstag geschenkt bekommen, von einer Schwimmfreundin. Es sind Kurzgeschichten rund ums Schwimmen. Es fängt gleich mit einer Eisschwimmgeschichte in der Ostsee an, die so eindrücklich erzählt ist, dass ich mich gleich gefühlt habe, als wäre ich dabei. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, nicht alle drehen sich ums Schwimmen. Alle sind aber sehr schön geschrieben, so dass hier eigentlich für jeden was dabei sein sollte. (ISBN-13: 978-3423145541). (von John von Düffel stammt u.a. auch das Buch „Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen“, das ich aber nicht gelesen habe, deshalb ist es in dieser Liste nicht enthalten; ISBN-13: 978-3492276740)

Swim – über unsere Liebe zum Wasser von Lynn Sherr

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Darin geht’s rund ums Schwimmen. Und zwar von den Ursprüngen in der Bibel über die Römer bis heute. Die Autorin zeigt die Kulturgeschichte des Schwimmens, wie es sich vom Baden zu einem Sport entwickelt hat. Außerdem erzählt sie von ihren Vorbereitungen für das Bosporus-Schwimmen von Europa nach Asien. Da trifft sie auf die unterschiedlichsten Leute. Für sie als 70-Jährige ist es das erste „große“ Schwimmen, doch hier sind auch Schwimmer, die schon andere Meerengen wie den Kanal durchquert haben. Wer schwimmen liebt, wird dieses Buch mögen! (ISBN-13: 978-3942989527)

Nach Hause schwimmen von Rolf Lappert

Das Buch habe ich auch wegen des Titels gelesen. Aber: Es geht gar nicht ums Schwimmen. Im Gegenteil: Hauptfigur Wilbur hasst Wasser, hat sogar in der Badewanne Angst. Erzählt wird seine Lebensgeschichte. Immer abwechselnd Gegenwart und Vergangenheit – bis es zwangsläufig eine Geschichte wird. Ich fand es nur mäßig spannend, aber schön geschrieben. (ISBN-13: 978-3423138307)

Der kleine Wassermann von Otfried Preußler

Ein Kinderbuch. Was sage ich? Ein Kinderbuchklassiker! Der kleine Wassermann lebt auf dem Grund des Mühlenweihers, er tummelt sich mit dem Karpfen Cyprinus im Wasser und hat Spaß. Aber er will auch wissen, wie das Leben an Land so ist. Bei einem Ausflug ans Ufer holt er sich trockene Füße – und wird prompt krank! Wenn das mal keine Lektüre für uns Wasserratten ist! (ISBN-13: 978-3522183635)

Und wer weitere Inspirationen braucht – bei Amazon einfach mal das Stichwort „schwimmen“ eingeben, da erscheinen unzählige Bücher. Romane, Erlebnisberichte und sogar Reiseführer. Ich kaufe meine Bücher allerdings beim Buchhändler in der Stadt, denn dank Buchpreisbindung kosten sie überall dasselbe und die Lieferung über Nacht funktioniert prima, falls das Buch nicht vorrätig ist.

 


Kollision

Seit ich regelmäßig schwimmen gehe, ist mir klar, dass es irgendwann passieren wird: eine Kollision. Damit meine ich nicht das leichte Berühren durch andere Schwimmer beim Überholen, sondern so richtig. Dass es an einem ruhigen Abend mit nur einem weiteren Schwimmer auf meiner Bahn (und ebenso ruhig auf den Nachbarbahnen) passiert, damit habe ich nicht gerechnet.

Die Ironie an der Sache ist gleich doppelt: Denn zum einen wollte ich den Nachmittag meiden, weil es die letzten Male einfach sehr gut besucht war. Viel Trubel, in dem man zwar relativ gut schwimmen konnte, aber ich kann mich da einfach nicht entspannen oder auf mein Schwimmen konzentrieren. Ständig habe ich Angst, dass mir jemand reinschwimmt, ein Überholvorgang meinerseits einen anderen Schwimmer behindert oder weitere Schwimmer dazu kommen und das „System“ durcheinanderbringen.

So leer ist es selten – gekracht hat’s trotzdem …

Also wählte ich den Samstag Abend. Da kann man oft Glück haben und in Ruhe schwimmen, während die anderen Menschen Essenseinladungen folgen, tanzen gehen oder im Kino sitzen. So auch kürzlich. Herrlichste Ruhe, pro 50-Meter-Bahn nur ein bis drei Schwimmer. Wir waren zu zweit. Ich musste an der Leine kurz pausieren, weil ich dachte, dass sich mein Schlüssel löst und ins über zwei Meter tiefe Wasser sinkt. Und weil ja niemand da war (außer einem Mitschwimmer), habe ich es riskiert und mich an der Leine festgehalten, um nach dem Schlüssel zu sehen (der am Fuß befestigt ist). Ich sehe auch, wie der andere näher kommt – und ich sehe, dass außer mir weit und breit niemand ist. Platz zum Ausweichen war also da und zwar reichlich. Und dann tut’s einen Schlag auf meinen Kopf. Aua! Aber sowas von! Das war richtig hart. Und der Schwimmer? Schwimmt einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre! Geht’s noch? Die junge Frau auf der Nachbarbahn ist inzwischen bei mir angekommen, bleibt stehen und fragt, ob alles ok ist. Ich muss verneinen, denn der Schlag war ziemlich hart. Er hat mich an der Schläfe getroffen.

Ich tauche jedoch auf ihre Seite der Leine und schwimme dort zurück. Sicher ist sicher. Inzwischen ist der Mann wieder auf meiner Höhe, ich versuche ihn anzuhalten. Keine Chance! Also schwimme ich erstmal zurück zum Beckenrand. Und irgendwie ist mir komisch. Dann beschließe ich, dass ich doch raus muss aus dem Wasser und den Bademeister um Hilfe bitte. Normalerweise mache ich das nicht, entweder ist mir eine Sache nicht so wichtig oder ich halte den „Übeltäter“ selbst an und bitte um etwas mehr Rücksicht.

Der Bademeister hat alles gesehen (bleibt aber trotzdem auf seiner Bank sitzen) und fragt, wie es mir geht. Ich muss mich tatsächlich setzen, irgendwie ist mir jetzt flau. Ob es der Ärger ist oder tatsächlich der Schlag, kann ich nicht einschätzen. Er bietet aber an, den Mann aufzuhalten. Und ein weiterer Schwimmer ist am Beckenrand und fragt, ob er helfen kann. Ich sage, dass er ja versuchen könnte, den Schwimmer aufzuhalten, mir ist es nicht gelungen. Und tatsächlich hält er ihn an, als er wendet (oder eher unter Wasser umdreht). Verdutzt, weil er in seinem Ablauf gestört wird, blickt er den Mann im Wasser an, dann zum Bademeister, weil der ihn jetzt anspricht. Ob er nicht gemerkt hätte, dass er mich am Kopf getroffen hat und dass so eine Schwimmbrille nicht nur die Augen schützt, sondern auch dafür da ist, dass man sieht, was auf der Bahn ist. Nein, er habe mich nicht gesehen. Die Brille sei angelaufen und er sieht nur, wenn jemand schwimmt, weil es dann Blasen gibt. Dann meint er noch, dass er meine Hand berührt hat, als ich auf der anderen Bahn geschwommen bin. Jetzt bin ich komplett verwirrt, weil er mich ein paar Bahnen vorher so knapp überholt hat, dass sein Arm in meinen Arm eingefädelt ist (auch da gab’s keinen Anlass, so nah neben mir zu schwimmen). Aber daran kann er sich gar nicht erinnern. Statt sich zu entschuldigen, beteuert er weitere dreimal, dass er mich nicht gesehen hat (Standardausrede von Autofahrern gegenüber Radlern). Irgendwann ringt er sich zu einer Art Entschuldigung durch, die ich „annehme“, damit sich diese blöde Situation auflöst.

Ich muss mich noch ein bisschen ausruhen und schwimme dann lieber auf der Bahn mit der Frau. Sie erkundigt sich nochmal, wie es mir geht und sagt, dass der Mann sie auch schon erwischt hat, über die Leine. Ah, da klärt sich was für mich!

Ich will weiterschwimmen, es sind noch immer kaum Leute im Becken und ich denke, dass es wieder geht. Aber leider ist es nicht so. Mir wird schwummrig, als ich kraule. Ich versuche es langsamer, aber es wird nicht besser. Also nochmal kurz Pause. Ein sehnsüchtiger Blick auf das türkise, glatte Wasser und meine einzige Mitschwimmerin. Ich probiere es mit Rückenschwimmen. Das geht. Langsam zwar, aber immerhin. Ich versuche, den Vorfall zu vergessen. Will mich an dem eigentlich ruhigen Schwimmabend erfreuen, aber so ganz will es mir nicht gelingen. Zum einen, weil ich mich noch immer etwas unwohl fühle, zum anderen, weil mich diese Dreistigkeit ärgert. Ja, man kann mal jemanden übersehen. Ja, es kann mal zu einem Zusammenstoß oder so kommen. Aber dann einfach weiterzuschwimmen, als wäre nichts gewesen? Das geht nicht! Im Straßenverkehr wäre das Fahrerflucht. Und ich glaube dem Mann auch nicht, dass er es nicht gemerkt hat. Der wollte einfach weiterschwimmen, sein Ding durchziehen. Das fand ich dreist.

Auch einen Tag später spüre ich an der Schläfe noch etwas, wenn ich die Stelle berühre.