Überwindung

Ich muss ehrlich sein: Wenn der See nicht die einzige Möglichkeit zum Schwimmen ist, kostet es mich viel mehr Überwindung, bei nicht so idealem Wetter dort hinzuradeln. Das war im Corona-Lockdown was ganz Anderes: Da gab’s keine Alternative, also, außer halt nichts zu machen. Aber jetzt kann ich auch „richtig“ schwimmen. Im Hallenbad, Bahnen ziehen, ohne dass ich friere und danach im Warmen umziehen.

Dennoch habe ich mich aufgerafft und bin zum Regattabadesee geradelt. Am Freitag war es richtig „greislig“, wie man in Bayern sagt. Kalt, grau, tiefhängender Nebel, aus dem zu allem Überfluss auch noch Sprühregen kam. Bäh!! Wie viel einfacher wäre es jetzt, in die Olympiaschwimmhalle oder ins Dantewinterwarmfreibad zu fahren und dort zu schwimmen? Aber ich weiß, dass einer meiner Wintermitschwimmer heute auch zum See kommt und so mache ich mich auf den Weg. Als „Belohnung“ habe ich mir ausgedacht, dass ich einfach auf dem Rückweg noch in die Olympiaschwimmhalle fahre, liegt eh auf dem Weg und zeitlich ist das heute sogar drin.

Ich radle also durch den grauen, kalten Nieselregen, der sich auf meine Brille legt und so die Sicht erheblich einschränkt. Meine Nase bildet wieder diesen einen, nervigen Tropfen, der mich dauernd schniefen lässt und das Leben noch schwerer macht. Und der Regen wird eher stärker als schwächer, eigentlich war überhaupt kein Regen angesagt. Wieso weiß der Regen das nicht?

Als ich am Regattabadesee ankomme, ist es herrlich ruhig. Der See schimmert grünblau unter dem grauen Himmel, nur der Neoprenmann, also der Helmut, ist noch nicht zu sehen. Gut, denn ich dachte schon, dass ich zu spät dran bin. Ich beschließe zu warten. Unter dem Dach der DLRG-Hütte bin ich im Trockenen und kalt ist mir auch nicht. Ich habe heute zum ersten Mal Socken und Handschuhe an!

So sah es am Freitag aus. Nicht wirklich einladend …

Und dann höre ich ein Fahrrad ankommen, es ist der Helmut. Wir haben uns seit Mai nicht mehr gesehen und freuen uns, dass es jetzt wieder soweit ist. Inzwischen regnet es richtig, Helmuts Regenklamotten sind richtig nass, während ich nur feucht geworden bin. Wir ratschen ein bisschen und dann beschließt Helmut, dass er jetzt ohne Neo einfach mit mir eine kleine Runde schwimmt. Wenn das für mich ok ist – aber hallo! Natürlich ist das ok!

Wir gehen ins Wasser, es ist kalt, aber nicht schlimm-kalt. Dann schwimmen wir nach links, zum Gebüsch. Helmut meinte noch, dass er vielleicht gar nicht lange aushält, so ohne Neo. Aber er merkt, dass es gut geht und so schwimmen wir weiter zur Bank. Und während wir so ratschen und schwimmen, hört der Regen auf, es wird heller. Kommt die Sonne raus? Es sieht fast so aus! Das Wasser ist sehr angenehm, überhaupt nicht kalt. Wir sind jetzt an der Halbinsel mit dem Baum und der ganz flachen Stelle. Ein guter Punkt, um umzukehren. Sechseinhalb Minuten stehen auf der Uhr. Helmut meint, dass man ja pro Grad Wassertemperatur eine Minute schwimmen kann. Wenn wir also zurückschwimmen, haben wir erst 13 Minuten. Wir treten trotzdem den Rückweg an, weil wir ja vom Steg noch in die andere Richtung schwimmen können. Das Wasser ist so klar wie am Sonntag, unter uns ziehen die Unterwasserwelten entlang, über uns der graue Himmel, der tatsächlich etwas freundlicher wirkt. Es ist auch nicht kalt beim Schwimmen. Ganz seidig umgibt mich das Wasser.

Am Steg angekommen wollen wir tatsächlich noch nicht aufhören und schwimmen noch das Stück zur Birke und dann noch ein bisschen weiter. Dann drehen wir um, der Steg kommt mit jedem Schwimmzug näher. Ein Blick auf die Uhr: fast 18 Minuten. Thermometer: 16 Grad, ungefähr. An Land waren es dann nur 12 Grad, also war es im Wasser wärmer!

Beim Umziehen merke ich aber, dass mir jetzt ein bisschen kalt ist. Ich bin froh, als ich meine Klamotten angezogen habe. Den heißen Tee hätte ich nicht unbedingt gebraucht, aber es tut trotzdem gut. Dann radeln wir das erste Wegstück gemeinsam zurück. Ich bin ja noch fest entschlossen, dass ich noch „richtig“ schwimmen wollte. Aber an der entscheidenden Kreuzung fasse ich spontan den Entschluss, dass das Schwimmen im See für heute ausreicht. Es war nämlich wirklich schön und inzwischen bekommen diese Hochnebelwolken deutliche Risse – vielleicht kommt die Sonne ja tatsächlich noch raus! Da will ich nicht im Hallenbad sein!

Und auch heute hat es mich ein bisschen Überwindung gekostet, zum See zu fahren. Es ist richtig fies kalt, 8 Grad an der Hauswand, Nebel und ein fieser, kalter Ostwind. „Was soll’s!“, denke ich mir. Ich fahre da jetzt hin, schließlich lichtet sich der Nebel schon ein bisschen und dann wird das schon. Unterwegs merke ich aber, dass es echt ganz schön kalt ist (das Gegenteil von letzter Woche!) und dass der Wind über die Felder ziemlich stark bläst. Ob ich da ins Wasser will? „Du musst ja nicht“, sage ich mir und trete weiter in die Pedale. Während ich radle, reißt die Nebeldecke immer weiter auf. Hoffentlich auch am See, denn da ist es oft noch neblig, während in der Stadt schon blauester Himmel herrscht.

Mystisch mit dem Hochnebel, der sich dann beim Schwimmen gelichtet hat

Als ich am See ankomme, ist es zwar noch etwas neblig, aber die blauen Lücken sind schon deutlich zu sehen. Und dann macht der Wind doch tatsächlich eine Pause! Der See liegt ganz glatt vor mir. Ich suche mir eine windgeschützte Stelle (für alle Fälle!), ziehe mich aus und dann geht’s schon los. Noch ist die Sonne hinter der Nebelbank, aber sie wird gewinnen – da bin ich mir sicher! Ich schwimme wie gestern nach links, zum Gebüsch, zur Bank und tadaa!! Die Sonne kommt raus! Voll schön, nur für mich! Das Wasser fühlt sich auch nicht kalt an. Es ist eher so, dass es über dem Wasser kalt ist, als meine Hand mal kurz über die Oberfläche kommt. Und über der Wasseroberfläche ist auch eine ganz feine Dampfnebelschicht. Das ist sehr magisch. Überhaupt ist diese Nebelsonnenstimmung sehr magisch!

Ich bin dann bis fast zu der Halbinsel geschwommen und dann umgekehrt. Als ich am Steg ankomme, kommt ein leichter Wind auf – sehr gemein! Elf Minuten hat mein Ausflug heute gedauert. Mir ist nicht kalt, es war einfach nur schön und im Wasser sehr angenehm. Jetzt aber raus und umziehen. Dann noch ein paar Sonnenstrahlen auffangen – herrlich! Gut, dass ich mich überwunden habe!


Unterwasserwelten

Am Sonntag war Erntedank, der erste Sonntag im Oktober. Und was macht das Wetter? Es macht einen auf Sommer! Schon morgens ist es warm und im Laufe des Tages erreichen wir im Schatten locker 25 Grad, in der Sonne ist es fast nicht auszuhalten. Haha – das war diesen Sommer eher selten der Fall. Und so packe ich zu meinen Seeschwimmsachen auch meine Schwimmbrille und Ohrstöpsel ein. Es ist die letzte Chance auf eine See-Umrundung, die kommenden Tage soll es kälter werden und unter der Woche bin ich allein, da ist es mir nicht so geheuer. Aber heute ist Volker dabei und er findet die Idee gut, dass ich die Runde mitschwimmen will.

Der Föhn kündigt sich an und bringt warme Luft

Wir gehen ins Wasser, stehen noch ein bisschen rum und beratschlagen uns, bevor es losgeht. Ich tauche unter, schwimme Oma-Brust. Es geht im Uhrzeigersinn, also zu den Winterbänken. Das Wasser ist frisch, nicht wirklich kalt aber eben auch nicht warm. Und so kostet es mich einiges an Überwindung, das Gesicht unterzutauchen. Ui! Kalt! Und ja, das sage ich, die im Winter bei einstelligen Wassertemperaturen geschwommen ist. Ich habe Eisschollen vor mir hergeschoben und Schneeflocken auf meinen Kopf schneien lassen. Aber das Gesicht ins etwa 17 Grad kalte Wasser eintauchen, das kostet mich Überwindung! Ganz vorsichtig schwimme ich weiter Brust, das Gesicht tauche ich hin und wieder ein. Nur das Gesicht, nicht den ganzen Kopf. Dann geht’s besser. Kraulen will aber nicht klappen. Ich habe – trotz der Ohrenstöpsel – zu viel Respekt vor dem kalten Wasser, das dann in meine Ohren läuft. Also weiter brustschwimmend. Durch ein Missverständnis schwimmt Volker dann mit kräftigen Kraulzügen davon und hält auch an der Bucht, vor der Querung, nicht mehr an.

Egal, denke ich. Ich schwimme Brust, ein Zug nach dem anderen, den Kopf unter Wasser, an der Uferlinie entlang. Und ich wage jetzt auch einen Blick nach unten. Die Sonne scheint und so ist es unter mir hellgrün. Ich sehe den Boden, er wirkt näher als er ist. Und wie auch bei unserem Sommerschwimmen sehe ich rechts von mir tiefes Dunkelgrün. Allerdings kann ich jetzt bei dem klaren Wasser auch die Bruchkante erkennen. Auf einmal ist der Boden weg, er bricht im Wortsinne ab! Wie im Gebirge! An der Halbinsel mit dem Baum ist das Wasser sehr flach, ich muss etwas weiter vom Ufer wegschwimmen, sonst schrabbt mein Bauch über die Steine. Danach kommt eine Bucht, in der ich im Winter auch schwimmen war. Und dann erschrecke ich ein bisschen, denn auch hier wird es sehr schnell sehr tief! Und nicht erst da, wo man es wegen des dunkelgrünen Wassers sieht, sondern schon vorher. Ich sehe den Boden; ich sehe, dass er doch sehr weit unten ist. Das heißt, dass ich hier im Winter sehr vorsichtig sein muss. Denn ich schwimme ja immer da, wo ich stehen kann. Oder sagen wir so: Wo ich meine, dass ich stehen kann! Es war noch nie nötig, dass ich mich hinstelle, aber es kann ja immer was sein …

Inzwischen bin ich an der Stelle angekommen, wo es über den See geht, wenn man die hintere Bucht nicht ausschwimmen will. Und weil mir gestern bei der Umrundung doch ganz schön kalt geworden ist, beschließe ich, dass es auch schön ist, wenn ich denselben Weg zurückschwimme. So kann ich die Unterwasserwelt hier nochmal genauer anschauen und genießen. Denn es ist wirklich faszinierend!

Am Steg angekommen will ich noch ein bisschen weiterschwimmen, weil es gerade so schön ist. Und so schwimme ich zur Birke und ein Stückchen weiter. Aber dann merke ich, dass mir kalt wird. Ich schaue auf die Uhr: 20 Minuten. Ok, das ist auch ausreichend und so drehe ich um, schwimme zurück zum Steg und war dann 22 Minuten im Wasser. Mir ist ein bisschen flau, ich bin froh, dass ich mich jetzt abtrocknen und anziehen kann. Die Sonne an der DLRG-Hütte wärmt mich auf, während auch Volker zurückkommt. Er ist sogar zweimal um den See geschwommen.

Der warme Sonnensonntag zieht jetzt immer mehr Menschen ans Wasser. Sogar die Kinder dürfen nochmal schwimmen, es ist fast wie im Sommer. Und ein gemeinsamer Schwimmfreund von Volker und mir kommt auch. Er war im Mai, kurz vor der Freibad-Saison, auch mal dabei. Da war es aber bewölkt und das Wasser hatte nur 14 Grad. Jetzt will er es auch wagen und weil mir inzwischen fast zu heiß ist, gebe ich Geleitschutz und gehe mit. Er zögert und braucht eine Weile, bis er untertaucht. Schwimmt los und sagt: „Lange halte ich das nicht aus.“ Um dann doch ein bisschen länger und noch ein bisschen zu schwimmen. An Land lautet sein Resümee: „Wenn man sich mal an das Wasser gewöhnt hat, ist es richtig schön.“ – „Sag. Ich. Doch!!“


Wieder-See-N

Nachdem es gestern am See so schön war und die Freibäder ja jetzt geschlossen sind, wollte ich auch heute wieder zum See. Das Wetter ist viel zu gut fürs Hallenbad, außerdem ist das Seewasser mit etwa 17 Grad noch warm genug. Die Sonne scheint, also auf geht’s!

Heute ist es auch um einiges wärmer als gestern, die Nacht war nicht so kalt. Anscheinend strömt wärmere Luft nach Bayern. Und ich habe heute, weil Samstag ist, etwas mehr Zeit zum Schwimmen. Das will ich nutzen. Ich parke meine Sachen an der DLRG-Hütte, messe die Wassertemperatur am Steg im Schatten. 17, vielleicht 18 Grad. Ich will das Thermometer nicht mit nehmen, weil ich unterwegs eh nicht schaue, wie warm das Wasser ist.

Spiegelglatt und glasklar

Dann schwimme ich los, zur Birke und zu der ersten Bucht auf der rechten Seite. Anfangs ist es schon kühl, aber das war’s bei den ersten Metern im Freibad auch. Mein Körper gewöhnt sich an das Wasser, die Sonne hinter Schleierwolken scheint auf meinen Rücken. Das Wasser fühlt sich irgendwie weich, samtig an, während ich mich Zug um Zug voran arbeite. Es ist einfach nur schön! Keine Welle kräuselt die Oberfläche, das Wasser ist total klar, ich könnte alles sehen, was unter mir ist. Aber ganz ehrlich: Das will ich lieber nicht … hihi … Und dann bin ich auch schon am Ende der Bucht, hier geht’s um die Ecke Richtung Biotop. Ob ich die ganze Runde schaffe? Ein verrückter Gedanke macht sich in meinem Kopf breit, während das Ufer an mir vorbeizieht. Bis hierher habe ich es im Frühling auch geschafft, da war das Wasser noch etwas kälter. Bis zum ersten der Biotophinweisschilder will ich es schaffen. Gesagt, getan.

Dann packt mich der Ehrgeiz, ich schwimme weiter. Und damit überschreite ich auch einen „Point of no return“: Hier im Biotop-Bereich kann ich nicht an Land gehen und da ich die Hälfte der Runde erreicht habe, ist der Rückweg so lang wie das Weiterschwimmen. Und dann habe ich auf einmal doch Respekt. Vor der Strecke, der Kälte und dem Wasser. Mir wird mulmig. Ich bin allein, habe keine Boje dabei und so warm ist das Wasser nun auch wieder nicht …

Allerdings bin ich nicht ganz allein, hinter mir, mit viel Abstand, schwimmen die drei Mädels, die im Winter auch immer am See waren. Irgendwie gibt mir das etwas Vertrauen. Ich schaue auf die Uhr, ich bin schon fast 20 Minuten unterwegs. Von den Neoprenmännern weiß ich, dass sie für die ganze Umrundung etwa 30 Minuten brauchen. Das nehme ich als Orientierung, weil ich die zweite Bucht auslasse, auch, wenn ich dann quer über den See muss. Zehn Minuten noch, das sind im Freibad etwa 500 Meter, also zehn Bahnen, das schaffe ich. Ich suche mir als Anhaltspunkt am Ufer den Rettungsring und halte darauf zu, weiterhin in Oma-Brust. Ich bleibe ruhig, schwimme Zug um Zug und vertraue auf mich. Ich weiß auch nicht, woher immer diese Bedenken kommen. Der Regattabadesee ist nicht der Pazifik und ich bin keine Anfängerin.

Als ich auf der Höhe des roten Holzgestells mit dem Rettungsring bin, halte ich auf die flache Halbinsel mit dem Baum zu. Bis hierher ist es von der Hütte nicht weit, das gibt mir jetzt Sicherheit. Außerdem bin ich wieder in Ufernähe, könnte zur Not an Land gehen. Aber das ist nur für den Kopf und keine wirkliche Option. Jetzt bin ich auf dem Rückweg, mit jedem Schwimmzug kommt die DLRG-Hütte näher. Die Sonne ist zwischenzeitlich mal hinter einer etwas dickeren Schleierwolke gewesen, jetzt scheint sie wieder mit voller Kraft auf meinen Rücken und wärmt mich. Das Wasser ist auch hier glasklar und spiegelglatt. Es ist fast surreal, wie sich die Bäume in der Wasseroberfläche spiegeln. Das habe ich so noch nie gesehen! Es ist wirklich wie ein Spiegel, nicht wie eine Wasseroberfläche.

Und dann bin ich auch schon bei dem Gebüsch, das im Winter das Ende meiner Schwimmstrecke auf dieser Seite vom Steg markiert hat. Nur noch wenige Schwimmzüge und ich bin am Steg, am Ziel. Mir ist jetzt tatsächlich ein bisschen kalt, ich freue mich auf die wärmenden Sonnenstrahlen an Land.

Nachdem ich mich angezogen habe und die Sonne genieße, höre ich die Mädels übers Wasser schon ratschen, während sie immer näher kommen. Wir sitzen noch ein bisschen beisammen, unterhalten uns und lassen uns die wärmende Oktobersonne auf den Pelz scheinen. Erinnerungen an den verrückten Corona-Schwimm-Winter werden ausgetauscht. Es war schon schön!


See-N-Sucht

Heute Früh war ich fast so aufgeregt wie als kleines Mädchen an Heilig Abend. Warum? Weil es eine kalte, klare Herbstnacht in Bayern war und weil ich zum See radeln wollte. Wer mich ein bisschen kennt oder den Blog hier öfter liest, weiß vielleicht, dass ich diese kalten, klaren Herbstmorgen total liebe. Die Luft ist so klar, alles ist noch unberührt und die Kälte ist angenehm, weil ich weiß, dass die Sonne sie sanft mit jeder Minute erwärmen wird.

Also packe ich meinen Rucksack fürs herbstliche See-Schwimmen und schwinge mich in den Sattel. Es geht an dampfenden Haufen mit gemähtem Gras vorbei, der Himmel ist blau, einzelne Blätter leuchten schon rot und gelb zwischen dem Grün heraus. Die Luft ist wie erwartet frisch und schön.

Dann komme ich am Regattabadesee an, rolle über die Brücke und sehe den See: Er ist spiegelglatt, auch hier herrscht noch das Grün des Sommers, in das sich einzelne Farbtupfer gemogelt haben. Und es ist menschenleer, so früh an einem Werktag. Es ist noch nicht mal 10 Uhr.

Eine herbstliche Idylle nur für mich…

An der DLRG-Hütte ist es schon angenehm warm, denn die Sonne scheint hier direkt auf das Holz. Ich muss natürlich mein obligatorisches See-Foto machen und da sehe ich, dass in der Bucht links sogar ganz leichter Nebel aufsteigt. Das Wasser ist wärmer als die Luft!

Kann man den leichten Dunst über der Wasseroberfläche erkennen?

Ganz schnell bin ich umgezogen, nehme mein Thermometer und die Uhr und bin schon am Ufer und im Wasser. Es fühlt sich kühl an an den Zehen, aber nicht kalt. Ich gehe zügig bis zum Bauch, atme tief ein, sauge diese ruhige Herbststimmung in mich auf. Dann drücke ich auf die Uhr und tauche unter.

Schön wie immer!

Oma-Brust in Richtung Birke. Es kribbelt kurz, denn so richtig warm ist das Wasser natürlich nicht mehr. Aber eben auch nicht kalt, außerdem scheint mir die Sonne auf den Rücken. Mann! Ist das schön!! Ich genieße jeden Schwimmzug, lasse das Ufer an mir vorbeigleiten und bin sehr beglückt. Es ist fast, als wäre ich ewig nicht geschwommen. Das ist freilich ein Schmarrn, schließlich war ich fast jeden Tag im Freibad und sogar ab und zu im See. Der letzte Tag, an dem ich überhaupt nicht im Wasser war, dürfte im April gewesen sein. Haha.

Während ich so vor mich hinschwimme, sehe ich, dass mein Atem über dem Wasser kleine Wölkchen macht. Wahnsinn, dass das jetzt schon passiert. Aber ja, es ist ja noch kalt. Zuhause an der Hauswand hatte es 9 Grad, als ich gestartet bin. Recht viel wärmer wird es hier auch nicht sein. Ich komme an der Bucht an, drehe um und schwimme zurück. Leider ist die Zeit heute etwas knapp, so dass ich am Ende nur sechs Minuten geschwommen bin. Aber ich wollte es trotzdem nutzen und auch schauen, wie es so ist. Das Wasser hat 17, fast 18 Grad und je länger ich schwimme, desto angenehmer fühlt es sich an!

Rausgehen und umziehen ist in der Sonne auch sehr schön, zwei Minuten gönne ich mir noch, bevor ich zurückfahren muss. Aber das war’s wert, es war einfach nur traumhaft. Und als ob das nicht schon genug der guten Nachrichten wäre: Fische und Schwimmer haben jetzt wieder Schonzeit: Angeln ist seit Mitte September nicht mehr erlaubt.

Schonzeit

Ende der 21er-Freibad-Saison

Da wurde ich dann doch noch emotional, als heute im Schyrenbad auf einmal die letzten 500 Meter vor mir lagen. Denn das sind jetzt die letzten Meter im Freibad. Als die Saison vor gut zwei Wochen im Dantebad endete, war ich überhaupt nicht emotional. Es war mir natürlich nicht egal, ich fand es schon schade, dass das Sommerbecken schließt. Aber weil ich ja wusste, dass im Schyrenbad und in Fürstenfeldbruck noch geöffnet ist, war es nur ein Teil-Abschied. Aber heute musste ich, ganz ehrlich, fast schon eine Träne in der Schwimmbrille verdrücken.

Irgendwann ist immer der letzte Tag…

Zeit für ein kleines Fazit. Denn auch dieser Sommer war noch nicht „normal“, sondern von Corona geprägt. Das fing damit an, dass die Freibäder zum 1. Mai nicht wie gewohnt öffnen konnten. Sie wussten noch nicht mal, ob und wann und wie sie überhaupt aufmachen können. In München war man mit den Vorbereitungen beschäftigt, ich durfte für einen Radiobericht kurz zuschauen. Und dann kam aus heiterem Himmel am 12. Mai die Nachricht, dass die Bäder zum 21. Mai öffnen dürfen. Juhu! Das ist ja absehbar und die Stadtwerke München hatten es tatsächlich geschafft, dass ein Teil der Freibäder, darunter mein geliebtes Dantebad, pünktlichst öffnen konnten. Das war natürlich der Hammer und alle, die ich getroffen habe, waren froh, dass sie wieder schwimmen konnten. Ich freilich auch, denn das Winterschwimmen im See ist halt doch was anderes …

Und dann war ich, bis auf einen Tag, jeden Tag im Freibad. Bei Hitze und Sonne im Juni, bei Wolken im Juli, bei Kälte und Regen im August und jetzt im September, als es richtig sommerlich wurde. Da wurden dann auch die Corona-Beschränkungen aufgehoben, so dass manchmal mehr los war als mir lieb war. Aber mei, irgendwann ist auch das Gute im Schlechten vorbei.

Und heute, ja, da war ich im Schyrenbad, wie auch die vergangenen Tage. Da ist es oft chaotisch, vor allem am Sonntag war’s schon vormittags gut besucht und jeder wollte der erste sein. Da habe ich dann nach zwei Kilometern aufgehört. Doch unter der Woche ging’s jetzt ganz gut; das Wetter war nicht immer prächtig und irgendwie waren da immer dieselben Leute – sozusagen ein Vormittagsteam, in das ich mich schnell eingegliedert habe.

Heute Nacht war es ziemlich kalt, unter 10 Grad, und auch am Vormittag war die Luft noch herbstlich-frisch. Ich bin trotzdem im Bikini geschwommen. Denn das Wasser im Schyrenbad war warm. Also, nicht zu warm, aber wärmer, als ich es in Erinnerung hatte. Als ich dann einige Bahnen Rücken geschwommen bin, wurde meine Nase richtig kalt, das war lustig! Der restliche Körper ist aber nicht ausgekühlt, so dass ich ganz gelassen meine Bahnen ziehen konnte. Kurzzeitig war mal etwas mehr los, da dachte ich schon das Schlimmste. Aber die Neuankömmlinge, die alles durcheinandergebracht haben, sind dann zum Glück so schnell wieder weg gewesen wie sie gekommen sind. Und mit den Stammgästen klappt es meistens reibungslos.

Waschtag

Ich habe auch den Eindruck, dass ich in den vergangenen Tagen schneller geschwommen bin oder eher: mich mehr angestrengt habe. Denn im Schyrenbad gibt’s im Gegensatz zum Dantesommerbecken drei abgetrennte Bahnen; ich war meistens auf der mittleren. Und einer der Stammgäste auf der Bahn rechts schwimmt ungefähr so schnell wie ich. Da habe ich versucht mit- und gegenzuhalten. Das ist ein schöner Ansporn und ich habe mich gefreut, als ich den Abstand zu ihm immer weiter vergrößern konnte. Und ich habe mich körperlich gut gefühlt. Die Anstrengung, der Anreiz – das war gut!

Andere Bäder

Ähnlich wie vergangenen Sommer war ich auch dieses Mal fast nur im Dantebad. Ein paar „Ausflüge“ gab’s aber. Zweimal Germering, das war sehr schön und an deren ersten Wochenende war das Wasser noch recht frisch. Aber für mich ist das prima! Und dann an deren letzten Wochenende, da war das Wasser wieder normal warm, es war leicht bewölkt und so konnte ich ganz einsam meine Bahnen ziehen.

Kacheln zählen in Germering

Das Freibad in Freising wurde für meine Schwimmfreunde Jakob und Cissi zu ihrem „Wochenendbad“. Entdeckt hatte ich das Bad im Sommer 2019 und dann Jakob den Tipp gegeben. Tja – und dann hat er sein Herz hier verloren. Es ist auch wirklich schön und vor allem kann man eigentlich immer ungestört schwimmen.

Diana und ich in Freising

Acht Bahnen, alle mit Leine. Ich war da heuer auch drei Mal dort. Und die An- und Abreise war immer unterschiedlich. Nach Freising sind es von mir 38 Kilometer, die erste halbe Stunde muss ich durch München radln, dann geht’s die restliche Strecke einfach nur auf dem Isarradweg weiter. Ich muss sagen, dass mir die Entfernung und die Schotterstrecke schon Respekt eingeflößt haben. Denn die 25 bis 30 Kilometer nach Fürstenfeldbruck waren schon immer ein Ritt, aber das war auf Asphalt. Nun ja … es gibt ja immer mal wieder Zufälle im Leben und so einer kam dann im Juli. Meine Schwimmfreundin Diana war zu Kaffee und Kuchen in Freising eingeladen und hatte die Idee, dass sie mich und mein Rad im Auto mitnimmt (sie hat einen Fahrradständer!), wir schwimmen gemeinsam, sie geht zu Kaffee und Kuchen (ohne mich, ja, ich weiß, gemein!) und ich radle zurück. So habe ich nur die Heimfahrt und sehe die Strecke. Gesagt – getan!

Das Schwimmen in Freising war herrlich! Wir zwei haben uns eine Bahn geteilt, keiner kam und wollte uns stören. Es war einfach nur prima!

Und dann ging’s an die Heimfahrt. Sehr idyllisch, immer flussaufwärts an der Isar entlang. Weil das Wetter nicht so schön war, waren auch kaum andere Leute unterwegs. Die Idylle wurde allerdings jäh vom Lärm der Flugzeuge durchschnitten – ich glaube fast, dass es in der Innenstadt-Isar in München ruhiger ist …

Fotostopp an der Isar

Allerdings zieht sich die Strecke ganz schön, weil es keine markanten Wegpunkte gibt, die die Strecke etwas aufteilen.

Der zweite Besuch in Freising war sozusagen mein Geburtstagsgeschenk. Diana und ich sind mit dem Auto hin und zurückgefahren. Das ist ein Luxus (und auch eine Art von Verschwendung), den ich mir nur ganz selten gönne. Gelohnt hat es sich aber, weil wir wieder in herrlichster Ruhe unsere Bahnen ziehen konnten.

Anfang September wurde nicht nur das Wetter besser, es wurden eben auch die Corona-Beschränkungen aufgehoben, das heißt: Es gab keine Besucher-Obergrenze mehr im Freibad, sozusagen alles wie früher. Und da dachte ich mir, dass ich es noch einmal wage und ins Freisinger Freibad fahre – beide Strecken mit dem Fahrrad! Ich bin mental darauf vorbereitet und auf dem Hinweg geht’s auch recht schnell. Allerdings sind schon am Vormittag bei bestem Sonnensonntagswetter viele andere Radler, Fußgänger und Hunde unterwegs. Jakob hat dann eine Alternativroute für mich, die ich auf dem Heimweg ausprobieren möchte.

Am Eingang gab’s dann aber erst eine Überraschung! Nein, keine Schlange von Menschen, sondern ein Schild. Darauf steht die Wassertemperatur: 21 Grad. Hui! Das ist frisch, fast wie in Dachau. Naja. Wird schon gehen, denke ich mir. Denn das Becken ist in der Sonne, so dass ich von oben Wärme bekomme.

Frisch im fresch

Im Dantebad ist die Schwimmerbahn im Spätsommer schon total im Schatten. Als ich ins Wasser eintauche, merke ich, dass es kalt ist. Klar! Ich starte, es ist kalt, es kribbelt, aber das Wasser trägt gut. Und je mehr ich schwimme, desto besser fühlt es sich an. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich die Bahn für mich alleine hatte … und irgendwie erinnert es mich an das Freibad in Dachau. Da ist das Wasser auch oft kalt. Und so ziehe ich Bahn um Bahn und komme in einen totalen Rausch! Und weil ich so im Flow bin, schaffe ich tatsächlich meine geplanten 3.000 Meter und bin am Ende total glücklich.

Gestärkt mit Vollkornbrot und Banane trete ich die Heimfahrt an. Ich bin guter Dinge, dass ich die von Jakob beschriebene Route finde. Doch irgendwie war ich zu optimistisch, verpasse anscheinend die entscheidende Abzweigung und muss nach dem Weg fragen. Dann klappt es ganz gut, ich komme an dem Weiher vorbei, den er erwähnt hat. Jetzt kurz zurück auf den Isarradweg, ah, da ist der Wegweiser, in 500 Metern soll’s losgehen. Aber: Hier ist nichts! Eine große Straße, kein Wegweiser, kein gar nichts … was nun? Ich entscheide mich, anscheinend falsch, und bin im Nirgendwo. Zum Glück treffe ich bald auf andere Radlerinnen, ich kann sie ein Stück begleiten, dann muss ich mich selbst wieder zurechtfinden. Und irgendwann kommt ein Wegweiser: Feldmochinger See: 25 Kilometer. Yeah! Da will ich hin! Und „oh nein!“ – vom Feldmochinger See zu mir sind’s auch noch 10 Kilometer. Ich bin also noch lange nicht daheim … und so trete ich weiter fleißig in die Pedale. Hunger macht sich bemerkbar, meine Trinkflasche könnte auch voller sein … und irgendwann bin ich an der Ruderregattastrecke! Hier kenne ich mich aus – und muss noch 45 Minuten radln. Und tatsächlich bin ich irgendwann daheim. Ein Blick auf die aufgezeichnete Strecke zeigt: 49 Kilometer. Das war ein wahrlich sportlicher Tag, das Essen war da besonders fein!

Weniger abenteuerlich waren meine Ausflüge nach Fürstenfeldbruck. Da hatte das Freibad eine Woche länger auf als in München (leider nicht bis Mitte Oktober wie vergangenes Jahr) und so war ich da am Dienstag, Freitag und das Wochenende. Und ich konnte immer ganz ungestört schwimmen. Auch hier sind alle acht Bahnen geleint und meine Sorge, dass sich dann auch die Brustschwimmer-Opas und Omas unter die Sportler mischen, stellt sich als unbegründet heraus. Unglaublich aber wahr: Ich fange in einer Bahn zu schwimmen an und sehe erst unter Wasser, dass hier auch jemand schwimmt (die Sonne hat zu sehr geblendet). Und bevor ich es überhaupt so richtig registriere, verlässt der ältere Herr die Bahn und gesellt sich zu den zwei älteren, gemächlichen Brustschwimmerinnen neben mir. Ich habe die Bahn für mich! Sowas! Und als wenige Minuten später ein anderer älterer Herr kommt, passiert das: Er wendet immer unterwegs, so dass ich ihn nie überholen muss. Irgendwie ist’s wie beim Hase und Igel – nur dass er immer hinter mir ist. Ich bin total begeistert! Auch meine Schwimmfreunde haben ähnliche Erfahrungen gemacht, dass man im Umland irgendwie mehr aufeinander achtet und das Schwimmen dann für alle entspannter ist. Und ich selbst bin auch entspannter, gelassener. Mit zwei älteren Damen komme ich dann noch ins Gespräch, es ist sehr angenehm und am nächsten Tag winken sie mir zur Begrüßung schon zu.

Da waren irgendwie gerade alle weg…

Fazit

Und naja. Jetzt ist der Freibad-Sommer 2021 vorbei. Ich habe jeden Tag genutzt und war an 132 Tagen im Becken. An meinem „Fehltag“ war ich lange mit dem Rennrad unterwegs und dann kurz im Waldschwaigsee – also auch im Wasser. In der ganzen Zeit sind 380 Kilometer zusammengekommen, eine stattliche Zahl, denn man muss ja bedenken, dass ich anfangs erstmal nur zwei Kilometer geschwommen bin nach der langen Pause seit 1. November.

Und jetzt? Warmes Wasser im Dante-Stadionbecken oder in die Olympiaschwimmhalle. Und natürlich in den See. Das Training fürs Winterschwimmen fängt jetzt an. Ich bin gespannt, wie warm das Wasser noch ist und wer von den Corona-Winterschwimmern auch heuer am See sein wird.


Zehn Jahre schwimmen

Für die meisten von euch wird es kein bestimmtes Datum geben, keinen Jahrestag und kein Jubiläum, seit ihr schwimmen, also kraulen könnt. Denn ich denke mal, dass es die meisten von euch einfach als Kind gelernt haben. Naja. Bei mir nicht. Warum, das weiß ich gar nicht so genau. Ich weiß nur, dass ich als kleines Kind sehr wasserscheu war. Kam mir ein Tropfen ins Gesicht, bin ich aus dem Becken gestürmt, um mit dem Handtuch das Gesicht zu trocknen – so unangenehm war mir das. Der Schwimmlehrer hat meiner Mutter sogar gesagt: „Die brauchst du mir nicht mehr bringen!“.

Naja – irgendwann habe ich diese Abneigung abgelegt und schwimmen gelernt. Also das, was mich über Wasser hält. Keine besondere Technik oder so. Und dann hat es mir gefallen, besonders im See! Ich bin ja in Tegernsee aufgewachsen. Da gab’s damals auch noch ein Hallenbad, da war Schul- und DLRG-Schwimmen, aber vor allem gab’s (und gibt’s!) den Tegernsee.

Der Tegernsee, hier mit Blick von Kaltenbrunn nach Süden zum Wallberg und den anderen Bergen.

Die Jahre sind ins Land gezogen, aber ich habe meine Bahnen weiterhin in brustschwimmend gezogen. Das mit dem Ausatmen unter Wasser habe ich mir dann selbst beigebracht. Doch das Kraulen hat mir niemand beigebracht und im Alleingang war das nicht sehr vielversprechend. Als ich in München dann auch wieder regelmäßiger zum Schwimmen gegangen bin, fand ich es unbefriedigend, dass ich einfach nicht kraulen kann. Und so habe ich mich zum Kraulanfängerkurs für Erwachsene angemeldet. Oder naja … fast. Der Kurs war ausgebucht, der Folgekurs auch und eine Bekannte meinte: Geh doch einfach hin, frag, ob du mal schauen kannst – was hast du zu verlieren? Und so habe ich das auch gemacht. Und ich hatte Glück, der Kurs war zwar voll, aber ein Herr hat beim ersten Mal gleich festgestellt, dass das nichts für ihn ist. Ganz anders bei mir, ich fand das gut und so habe ich an dem Kurs teilgenommen.

In dem Kurs habe ich nicht nur kraulen gelernt, sondern es hat, sozusagen, mein Leben verändert. Denn das Schwimmen bzw. Kraulen hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich das schwebende, kraftvolle Gefühl immer wieder haben wollte. Sport hatte mir bis dahin nie wirklich Spaß gemacht. Es war immer dieses „eigentlich sollte man“ und nicht „ich will jetzt nur das hier machen“. Kurzum: Ich hatte bisher einfach nicht meinen Sport gefunden. Und das Schwimmen sollte es sein. Heute ist es meine Kraft- und Inspirationsquelle, meine „Zeit nur für mich“.

Das Chlorhuhn in ihrem Element!

Natürlich war ich in dem Kraulkurs nicht allein. Ich weiß nicht mehr, wie viele wir waren, aber mit einer Kursteilnehmerin habe ich mich so langsam angefreundet. Wer meinen Blog regelmäßig liest, kann es sich vielleicht denken: Es ist Diana. Wir haben uns freitags im Kurs gesehen, manchmal auch mittwochs in der Olympiaschwimmhalle, zum Üben. Und manchmal sind wir nach dem Kurs noch ins „Café am Nordbad“ gegangen, haben was getrunken und geratscht. Und so über die Zeit hat sich daraus eine Bekanntschaft und schließlich eine Freundschaft entwickelt. Natürlich ist das Schwimmen immer noch ein wichtiger Verknüpfungspunkt, aber nach zehn Jahren nicht mehr der einzige. Ich finde es jedenfalls großartig, dass ich nicht nur ein neues Hobby, sondern auch eine neue Freundin gefunden habe.

Und was sage ich: eine! Es sind ja über die Jahre weitere Freundschaften entstanden. Es gibt die reinen Beckenrandbekanntschaften, bei denen ich den Vornamen weiß und vielleicht noch den Beruf, und dann gibt’s aber auch Menschen, mit denen ich richtig befreundet bin. Deren Telefonnummer und Nachnamen ich habe und deren Lebensgeschichten ich kenne. Und sie natürlich auch meine. Auch hier ist das Schwimmen ein zentraler Punkt, aber nicht der mehr der einzige. Das wurde zum Beispiel in den Corona-Lockdowns klar: Da haben wir uns einfach so getroffen, was gegessen und geratscht – ganz ohne Schwimmbecken. Das fand ich sehr schön und es hat auch über die chlorlose Zeit hinweggeholfen.

Ende der Freibad-Saison im Dantesommerbecken …

Der Schwimmkurs damals, 2011, fing im September an. Und auch jetzt ist September, die Freibad-Saison ist (größtenteils) vorbei, und ich bin auch ein bisschen traurig. Denn im Sommer, also von Mai bis jetzt, habe ich meine Freunde mehrmals pro Woche im Dantebad getroffen. Manchmal nur für ein kurzes „Hallo“, manchmal auch für längere Gespräche in der Sonne oder im Schatten. Das mag ich am Freibad, dass ich da eigentlich immer jemanden treffe, den ich kenne. Und auch das Schwimmen ist dort anders als im Hallenbad, im Schyrenbad oder im Dantewinterwarmfreibad. Ich wusste lange nicht, woran es genau liegt. Aber jetzt habe ich einen Verdacht: Es sind die Leute, die Mitschwimmer, die auch immer im Sommerbecken schwimmen.

Noch Fragen?! – Das war nach dem Lockdown im Juni 2020, als die Freibäder ENDLICH öffnen durften!

AmperOase und Amper

Irgendwie ist es jedes Jahr dasselbe: Der Sommer geht in die Verlängerung, nachdem er sich im August recht zaghaft gezeigt hat. Und die Freibäder in München schließen trotzdem. Weildasjaschonimmersowar. Im Umland sind wegen Personalproblemen (Corona sei dank) leider auch keine Bäder mehr geöffnet, nur noch das Bad in Fürstenfeldbruck, die AmperOase, ist noch eine Woche offen. Und da musste ich heute natürlich hin. Bei bestem Sommerwetter habe ich mich auf mein Radl gesetzt und bin anderthalb Stunden geradelt. Es war ganz schön warm!

Ganz allein bin ich bei bestem Sommerwetter natürlich nicht…

Im Freibad war mehr los als ich es in Erinnerung hatte, aber ich konnte gut schwimmen. Anfangs hatte ich einen Mitschwimmer, der überhaupt nicht gestört hat. Etwas schwieriger waren die Kinder, die auf der Nachbarbahn gespielt haben und doch immer mal wieder zu mir kamen. Das hatte ich zum Glück lange nicht. Und etwas anderes hatte ich lange nicht: Pralle Sonne auf dem Becken und warmes Wasser! Das war jetzt natürlich etwas verrückt, weil ich das Bad in Fürstenfeldbruck vor allem unter „kalt“ abgespeichert hatte. Wegen Problemen mit dem Hallenbad hatte das Freibad vergangenes Jahr bis Mitte Oktober offen und da wurde das Wasser jeden Tag kälter. Und heute? Scheint die Sonne, es hat im Schatten 25 Grad, in der Sonne wohl viel mehr, und das Wasser hat laut Tafel am Beckenrand 25 Grad. Im vorderen Bereich ist das Becken sehr flach, wenn ich stehe, reicht mir das Wasser zum Bauchnabel. Vergangenes Jahr im kalten Wasser war das hier sehr angenehm, während ich den hinteren Teil (der dann auch im Schatten lag) als noch kälter in Erinnerung hatte. Und heute habe ich mich gefreut, denn im hinteren, tieferen Bereich war es kühler. Haha! So unterschiedlich kann’s sein.

Aber der eigentliche Höhepunkt von meinem Ausflug kam nach dem Freibad! Ich verlasse das Bad, bin natürlich angezogen, und gehe zu meinem Fahrrad. Da kommen eine Frau und ein Mann über diese kleine Amperbrücke und sie tragen nur Badeanzug bzw. Badehose. Häh? Ich kann nicht anders, ich muss fragen: „Können Sie in Badebekleidung ins Freibad gehen?“ Die Antwort ist: „Nein.“ Aber der Mann fügt hinzu, dass sie in der Amper schwimmen und deshalb nur die Badesachen anhaben. Auf meine Frage, wie warm/kalt die Amper wohl ist, meint er: 18 Grad. Und ich erwidere, dass das ja ganz angenehm ist, denn die 25 Grad im Freibad waren fast zu warm. Ich wünsche ich viel Spaß und sie gehen weiter. Ich sperre mein Fahrrad auf und rolle an ihnen vorbei. Und dann denke ich mir: Das wäre doch cool, da jetzt mitzuschwimmen!

Hier kommt die Amper zum Freibad…

Und dann frage ich einfach, ob ich mich ihnen anschließen kann. Sie sagen ja und dass ich mein Rad ja vorne an der Brücke abstellen kann. Das mache ich, muss mich noch schnell umziehen, also den Bikini wieder anziehen, und dann geht’s los. Voll cool!! Der Mann macht einen richtig tollen Hechtsprung von der Brücke, die Frau und ich lassen uns an dem Steg ins Flusswasser gleiten. Es ist kühl, aber nicht kalt.

Da schwimmen wir dann mit. Links ist das Freibad erkennbar.

Die Amper fließt gemächlich dahin, es ist sehr angenehm, da mitzuschwimmen. Wir drei schwimmen ganz easy, ratschen ein bisschen. Der Mann erzählt, dass das Freibad früher ein Flussbad war und in der Amper verschiedene Becken eingelassen waren. Es gab sogar einen Sprungturm. Es ist also so, wie ich es mir vergangenes Jahr gedacht habe! Ich freue mich über die nette Gesellschaft und über die Infos zum Freibad. Denn so Geschichten von früher, wie die Bäder mal waren, die finde ich eh gut.

An den Brückenpfeilern kann man sich an Stahlringen festhalten und die Strömung spüren.

Um einen der Brückenpfeiler sind Stahlringe, an denen man sich festhalten kann. Hier merke ich die Strömung doch ganz deutlich. Es ist irgendwie witzig, hier zu hängen, sich festzuhalten und das Wasser fließen zu spüren. Dann geht’s noch ein paar Meter weiter und unser Ausstieg naht. Die beiden haben hier ihre Decke, ich gehe jetzt zu Fuß den Weg zurück, auf dem ich die beiden vorhin getroffen habe. Natürlich bedanke ich mich fürs „Mitnehmen“ und grinse vor mich hin, weil das so ein unerwarteter Ausflug war! Wie Ferien!


Schwimmen mit Weitblick

Irgendwas fehlt mir. Nur was? Wasser ist es nicht, täglich bin ich im Wasser. Ich bin sozusagen in meinem Element, im Freibad. Oft habe ich Glück und kann ungestört meine Bahnen ziehen. Nicht, dass ich immer allein bin. Ich habe eher das Glück, dass ich angenehme Mitschwimmer habe. Und doch fehlt was. Nur was? Ich schwimme. Ich genieße. Ich treffe Freunde und Bekannte. Mal scheint die Sonne, mal regnet es. Ich gleite, ich fliege, ich sehe meinen eigenen Schatten, spüre Wassertropfen auf mich regnen, sehe, wie sich die Sonne zwischen den Regenwolken ihren Platz erkämpft. Ich bin schwerelos. Was fehlt?

Manchmal habe ich Glück und bin fast alleine im Freibad

Ich habe zwei Tage frei. Von Wochenenden und Feiertagen mal abgesehen das erste Mal seit Ostern. Und das Wetter ist sogar gut, sommerlich, nicht zu heiß. Ich will etwas unternehmen. Nicht nur ins Freibad gehen. Das schaffe ich ja auch an Arbeitstagen. An dem einen freien Tag schnappe ich mir mein Rennrad und starte eine Tour Richtung Norden. Den Badeanzug und ein kleines Handtuch nehme ich mit, denn die Route führt (wie von Zauberhand) am Regattabadesee vorbei. Klar, da muss ich einen Stopp einlegen.

Der Regattabadesee ist größer geworden!

Es ist noch ein bisschen bewölkt und die versprochenen 25 Grad sind am Vormittag noch nicht erreicht. So ist es am See angenehm ruhig, wie es mir am liebsten ist. Der See ist schon wieder anders als Anfang Juli: Er hat noch mehr Wasser. Der Wasserspiegel und der Steg sind fast gleichauf!

Ich gehe rein, das Wasser ist wunderbar warm und fühlt sich weich an. Weicher als im Freibad. Es ist grün und doch glasklar. Ich will heute keine große Runde schwimmen, nur ein bisschen im See sein. Oma-Brust und danach wird geradelt. Das Schwimmen ist sehr schön. So angenehm und leicht, ohne Zwang, dafür mit viel Aussicht. Auf das Schilf, das sehr dicht und grün am Ufer steht. Überhaupt ist die gesamte Uferbepflanzung mehr als üppig! Der See ist richtiggehend eingerahmt. Und ich mittendrin… naja. Ich bleibe in Ufernähe. Außer mir schwimmt keiner, ich habe den ganzen See für mich! Herrlich. Ich bin ganz leicht, das weiche, warme Wasser umschließt mich. Und ich genieße die Aussicht. Ich mache sozusagen „Sightseeing“-Schwimmen.

Und da fällt mir auf, was mir irgendwie gefehlt hat: Die Natur, das Grün, die Weite. Auch, wenn es beim Regattabadesee jetzt keine große „Weite“ wie am Meer gibt. Aber es macht schon was mit mir, dass ich im Grünen bin, in der Natur. Schließlich war ich im Winter auch jeden Tag in der Natur und nicht nur in der Stadt. Denn das bisschen Stadtgrün vor meinem Balkon oder ums Dantebad ist zwar hübsch, aber nicht ganz ausreichend. „Man muss mal rauskommen“, sagt man oft und in Corona-Zeiten haben das viele Menschen noch öfter gesagt. Mir war das nicht so bewusst, weil ich ja im Lockdown jeden Tag „raus“ gekommen bin.

Ein bekanntes Motiv…

Weil die Schwimmrunde im See zwar schön, aber kurz war, habe ich am nächsten Tag beschlossen, mit dem normalen Rad nochmal hinzufahren und zwar direkt und nur zum Schwimmen, ohne anschließende Radtour. Ich bin im Uhrzeigersinn losgeschwommen, weiterhin nur Oma-Brust, und habe die markanten Winterpunkte passiert: das Gebüsch, das mein Wendepunkt war. Die Bank, bei der ich das Eis mit den Händen aufgebrochen habe; die seichte Stelle an der Landzunge, dahinter die andere Bank, bei der ich im Schneetreiben geschwommen bin, und dann die Bucht, die sich hier anschließt. Und von hier zurück. Ganz gemütlich, ohne Druck, ohne Brille, nur ich im Badeanzug und der See.

Der See hat sich so schön warm und weich angefühlt, dass ich fast das Gefühl hatte, er hat mich auch vermisst. „Wo warst du die ganze Zeit?“ scheint er zu fragen. Und ich traue es mich fast nicht zu sagen, dass ich im Freibad war. Dass ich ihn im Winter zwar (fast) täglich gebraucht habe, aber jetzt nicht mehr. Und das, obwohl er mich über den Winter gerettet hat. Mir ein wichtiger Ankerpunkt war, ein Ziel, das ich gern angesteuert habe. Ich nehme mir deshalb vor, öfter mal wieder hinzuradeln. Ein bisschen Freiheit und Weite genießen und gemütlich Oma-Brust zu schwimmen. Auf dem Heimweg kann ich ja trotzdem ins Dantebad gehen, da radle ich ja direkt vorbei. Win-Win, sozusagen!


Wintersee im Sommer

Nachdem ich im Winter fast täglich im Regattabadesee schwimmen war, habe ich mit meinem Mitschwimmer Volker ausgemacht, dass ich den See im Sommer einmal mit ihm umrunde. Punkteverbinden im großen Stil, sozusagen! Chlorhuhn wie ich bin habe ich den See, seit die Freibäder am 21. Mai geöffnet wurden, sträflich vernachlässigt. Aber das Bahnenziehen im 50-Meter-Edelstahlfreibadbecken ist nunmal meine Leidenschaft, was soll ich dazu sagen?

Aber Versprechen ist Versprechen und so trafen wir uns vergangenen Freitag Nachmittag am Regattabadesee. Die Sonne scheint, aber es ist keiner dieser megaheißen Sommertage. Trotzdem liegen einige Badegäste im Gras, vom Steg springen drei Buben. Es platscht und spritzt, dass es eine Freude ist. Überhaupt klingt es im Juli am See komplett anders als im Winter. Da war ja sozusagen „Totenstille“, kaum andere Menschen, kein Vogelgezwitscher, keine Bienen, die summen und: kein Froschgequake. Die Frösche sind (für mich zum Glück) nicht zu sehen, aber ihr Konzert ist kaum zu überhören! So klingt Sommer! Und natürlich sind die Bäume und Büsche am Ufer jetzt voll ergrünt, anders als noch im April und Mai (die heuer ja oft kühl und regnerisch waren).

Mehr Pflanzen und mehr Wasser sind im See

Das Wasser im See hat 24 Grad, zeigt mein Thermometer später an. Also so warm wie das Wasser im Freibad; die Luft dürfte ebenso 24 Grad warm sein, die Sonne scheint von einem bayerisch-weiß-blauen Himmel. Das Wasser ist grün und klar.

Ich habe meine Boje mitgenommen, auch wenn der Regattabadesee ein kleines Gewässer ist. Sicher ist sicher und es ist ja kein Aufwand, das Ding mitzunehmen. Außerdem hat es den Vorteil, dass ich im Trockensack meinen GPS-Tracker mitnehmen kann!

Spoiler! Das ist unsere Schwimmstrecke

Und dann starten wir drei. Wir schwimmen im Uhrzeigersinn, also ist das erste Ziel eine der beiden „Winterausweichbänke“, als der See am Steg gefroren war. Obwohl ich hierhin schon im Frühling geschwommen bin, erinnere ich mich auch jetzt daran, wie es im Eissee war. Total surreale Vorstellung, dass ich im Schnee zum Ufer gegangen bin und mir den Weg ins Wasser erstmal freihacken (mit den Händen) musste! Haha!

Von jedem ist ein bisschen was zu sehen …

Weiter geht’s zu der kleinen Landzunge. Hier wird es unglaublich flach, ich warne Diana, damit sie sich nicht die Knie unter Wasser aufschürft. Solange wir in Ufernähe bleiben, haben wir unter Wasser auch gute Sicht auf den Grund. Hier wächst ein Busch, dort ist es sandig, dann wieder steiniger. Rechts von mir ist es dunkelstgrün: Hier wird’s tief! Und das spüren wir auch, denn dort ist das Wasser merklich kälter. Hinter der Landzunge ist die zweite „Winterausweichbank“, hier war ich bei Schneegestöber schwimmen! Und bis in die Bucht nach der Bank bin ich im Mai schon geschwommen. Ab jetzt also Neuland – oder eher: Neu-Wasser!

Hier sieht man, wie flach die Stelle ist.

Diese Bucht ist für Volker auch ein wichtiger Meilenstein: Er ist ja schon viel früher als ich immer weitergeschwommen (ich bin sicherheitshalber öfter am Ufer beim Steg hin- und hergeschwommen). Doch diese Bucht war sein Ziel, dem er jedes Mal näher kam. Und jetzt ist das nur eine Stelle, die wir bei der Umrundung passieren.

Es geht an einer Entenfamilie vorbei, die kleinen üben mit der Mama fleißig schwimmen; die Kinder und ihre Familien am Ufer beobachten sie aufmerksam. Und wir sind an einer der Naturschutzbuchten, die man nur vom Wasser aus erreichen kann. Vorbeischwimmen ginge, ans Ufer darf man nicht. Wir entschließen uns aber für die Abkürzung und kreuzen zum anderen Ufer. Hui! Jetzt ist es unter mir dunkelsmaragdgrün, es fühlt sich etwas kühler an. Auf der anderen Seite steht Volker im Wasser. Ich wundere mich, denn ich habe hier keine Chance, meine Füße auf den Grund zu bekommen – und Volker ist kein Riese! Ich schwimme näher ans Ufer und bringe einen Fuß auf den Boden – ich stehe an einem Steilhang! Das ist interessant! Es ist richtig steil und der steinige Untergrund ist instabil, er rutscht unter meinem vorsichtigen Tritt weg. Zum Glück kann man hier vom Land nicht ins Wasser, denn das ist eine dieser Gefahrenstellen für Nichtschwimmer. Ein Schritt zu viel und man geht unter! Wir genießen noch kurz den Blick auf die DLRG-Hütte, die jetzt genau gegenüber von uns ist. Sie wirkt klein in dem vielen Grün der Bäume und Büsche – und auch ganz schön weit weg. Unsere See-Umrundung ist eher ein gemütlicher Ausflug als eine sportliche Schwimmeinheit. Aber das ist auch schön, denn so sehen wir mehr vom See und der Blick vom Wasser aufs Land ist einfach was Besonderes!

Als nächstes passieren wir eines der Schilder, die das zweite Naturschutzgebiet kennzeichnen. Hier ist ungefähr die Hälfte der Runde, lässt uns Volker wissen. Ein markanter Punkt hilft, wenn man im Freiwasser schwimmt! Volker wird die Bucht ausschwimmen, Diana und ich kürzen ab. Ein großer Baum am gegenüberliegenden Ufer dient als Zielpunkt und wird angesteuert. Ich schwimme übrigens viel Brust, mit Kopf unter Wasser. Auf Kraulen habe ich heute im See keine große Lust, außerdem habe ich so mehr Überblick. Das Wasser fühlt sich gut an, es ist zwar etwas kühl, aber das liegt eher an der Sonne, die sich manchmal hinter den einzelnen Wolken verschanzt.

Auf dem Bild von Mitte Mai sieht man die Strecke, die wir am Freitag über den See geschwommen sind

Dann kommt das Ufer näher und ich erkenne die Stelle. Hierhin bin ich auch schon mal geschwommen! Als ich vom Steg aus nach rechts, Richtung Birke, gestartet bin und bis fast zur Naturschutzbucht geschwommen bin. Yeah! Das ist ein echt schönes Gefühl, von der anderen Seite hier anzukommen. So erhaben! Wie ein großer Entdeckungsreisender… hihi!

Allerdings wird es hier ziemlich eklig. Das Wasser riecht komisch und es schwimmen so seltsame, bröselige Brocken rum. Ich weiß gar nicht, was das ist – und will es auch nicht wissen! Es ist sicher nichts Schlimmes, irgendwas aus der Natur halt. Aber angenehm ist anders. Ich schwimme Brust, vermeide es, den Kopf unterzutauchen, weil ich das Wasser nicht in den Mund bekommen möchte (etwas Wasser landet immer im Mund). Und zum Glück ist die Stelle bald passiert. Volker ruft uns zu, dass er unter Wasser eine Schildkröte gesehen hat!

Und dann brechen auch schon die letzten Meter an. Wir nähern uns der letzten „Ecke“ des Sees, dann kommt die längliche Halbinsel mit der Birke. Das war DER Punkt im Winter. Bis hierher bin ich vom Steg geschwommen, das hat im kalten Wasser eine Minute gedauert. Ich muss fast grinsen, als ich daran denke. Denn auch jetzt ist mir kalt, ich freue mich, dass der Steg nur noch ein paar Schwimmzüge entfernt ist und ich mich bald aufwärmen kann. Bei 24 Grad Wassertemperatur! Haha! Aber wir waren jetzt auch eine halbe Stunde unterwegs, auf unserem Ausflug.

Das Bild ist vom Frühling, aber man sieht die Birke und die Halbinsel ganz gut.

Am Steg warten die drei Buben, die vorhin so eifrig ins Wasser gesprungen sind. Dank meiner Boje konnten sie sehen, wo wir geschwommen sind. Volker ist die Runde schon im Frühling mehrmals geschwommen, für Diana und mich war es Premiere. Alle drei sind wir ein bisschen stolz, dass wir die See-Umrundung gemacht haben. Diana ist auch im Frühling einige Male mitgeschwommen, als das Wasser ca. 10 Grad hatte. Und während die Frösche quaken, bringt sie es auf den Punkt: „Jetzt fühle ich mich freier beim Schwimmen, ich kann das Wasser und auch die Landschaft mehr genießen. Als es so kalt war, war ich nur auf mich konzentriert.“

Und das ist tatsächlich auch für mich der größte Unterschied: Dass ich nicht mehr so auf mich und meine Körperreaktionen fokussiert bin, sondern das Schwimmen, das Wasser und die Ausblicke genießen kann. Und auch, dass ich mich an Land nicht sofort mit klammen Fingern umziehen muss, sondern ganz in Ruhe den nassen Badeanzug aus- und trockene Kleidung anziehen kann. Das Schwimmen ist leichter – und auch der Rucksack. Denn anders als im Winter reicht ein Handtuch zum Abtrocknen, warme Extraklamotten brauche ich jetzt nicht mehr.


Schwimmtherapie

Vier Wochen dürfen wir jetzt wieder im Freibad unsere Bahnen ziehen. Zeit für eine kleine Bilanz. Denn eines macht sich bemerkbar: Das Schwimmen ist die beste Therapie für den Rücken. Wie ich ja geschrieben habe, hat mir das Nicht-Schwimmen vor allem im unteren Rücken zugesetzt. Um das abzufedern, habe ich mit Yoga angefangen.

Nach den ersten Schwimmtagen im Freibad gab’s natürlich keine Verbesserung. Und ich habe auch überlegt, ob ich das mit dem Yoga jetzt seinlasse, weil ich ja wieder im „Normalbetrieb“ bin. Aber dann habe ich festgestellt, dass mir das Yoga gutgetan hat und dachte, dass ich ja ein paar spezielle Videos zum Dehnen machen kann.

Gesagt – getan! Und was muss ich feststellen? Das Dehnen nach dem Schwimmen ist bitter nötig. Und nicht nur so bisschen, wie ich das bisher (eher leidenschaftslos) gemacht habe. Mady Morrison hat jetzt keine speziellen Stretching-Videos für Schwimmer, es sind einfach Einheiten, die den gesamten Körper dehnen. Während ich die unterschiedlichen Einheiten mache, stelle ich fest, dass ich die Dehnungen jetzt viel deutlicher spüre als im Winter, als ich nicht so viel geschwommen bin. Erstaunlicherweise auch im Nacken! Und deshalb behalte ich das Yoga jetzt bei.

Hier eine kleine Aufstellung meiner Lieblingseinheiten nach dem Schwimmen: