Schwimmen im Schmelzwasser

Ende März war es schon richtig schönes Wetter: warm, sonnig, windstill. Das Wasser im Regattabadesee hatte 11 Grad, das hat sich schon richtig gut angefühlt – auch an den eher wolkigen Tagen. Ich bin auch schon etwas länger geschwommen – 8 bis 9 Minuten.

Trotz Wolken war es schon schön warm im Wasser

Ostern war ich im Tegernsee schwimmen. Dass der Tegernsee kälter sein wird, war mir klar. Schließlich ist das ein natürlicher See im Voralpenland mit sieben Zuflüssen aus den Bergen, auf denen noch ziemlich viel Schnee liegt.

Auf den Bergen um den Tegernsee liegt noch Schnee

Das Wetter ist zwar nicht mehr so frühlingshaft wie Ende März, aber mit Sonnenschein erreichen die Temperaturen an Land etwa 10 Grad. Als ich meinen Fuß ins Wasser setze, merke ich schon, dass es kalt ist. Und damit meine ich: richtig kalt. Ich tauche unter und schwimme los. Und da spüre ich, wie meine Zehen kalt werden. Obwohl es im Regattabadesee bisher auch nur ein paar warme Tage gab, habe ich schon fast vergessen, wie das ist. Und auch am restlichen Körper merke ich, wie kalt sich das kalte Wasser anfühlt. Das Wasser fühlt sich auch hart an, fast griffig … Und ich habe den Eindruck, dass ich die Schneeschmelze spüren kann! Das Wasser fühlt sich für mich so an, als würde hier, direkt neben mir, ein Schneehaufen schmelzen, und ich würde in diesem Schmelzwasser schwimmen.

Ich schwimme im Schmelzwasser

Irgendwann schaue ich auf mein Thermometer: Das Wasser ist 6 Grad kalt. Es fühlt sich genauso an! Das Schwimmen ist trotzdem schön und als ich nach 5 Minuten wieder an Land bin, durchläuft mich ein ganz hervorragendes Kribbeln! Ein richtiger Kick – das hatte ich lange nicht. Die Lebensgeister sind am Tanzen, eine Flut von Glückshormonen jagt die nächste. Wahnsinn, so intensiv!

Schleierwolken machen eine fast mystische Stimmung

Inzwischen macht der April, was er will. Es ist ziemlich kalt, die letzten beiden Tage hat es geschneit, der Schnee ist sogar kurz liegengeblieben, dazu ein ziemlich strammer Wind, der die Flocken durcheinander wirbelt. Und ich? Ich habe keine Lust mehr, bei so einem miesen Wetter zu schwimmen. Denn mit dem Wind an Land ist mir nach dem Schwimmen wieder so fies kalt, ich habe das Gefühl, dass ich das momentan nicht mehr aushalten kann. Und weil ich meine eigene „Challenge“ mit den 50 Tagen ja beendet habe, fühle ich mich „frei“. Blöd, oder?

Inzwischen ist auch eine andere Challenge beendet: Ich habe an einer 30-tägigen Yoga-Challenge teilgenommen. Da gab’s eine Liste mit Videos, die wir in einer Facebook-Gruppe gemeinsam gemacht haben. Da waren einfache Einheiten dabei, aber auch anspruchsvolle. Ich bin ziemlich stolz auf mich, dass ich alle Yoga-Einheiten gemacht habe. Und bei den schwierigen nicht sofort an mir gezweifelt habe – sondern so gut es ging mitgemacht habe. Außerdem habe ich mir vorgenommen, einige dieser Sequenzen nochmal auszuprobieren. Denn oft hängt es von der Tagesform ab, wie gut es gelingt, wie stabil ich bei Balanceübungen stehen kann. Was immer gut funktioniert, sind die Dehnungen. Das heißt für mich: Ich bin beweglich, aber an der Stabilität sollte ich noch arbeiten. Das hilft dann auch beim Schwimmen – wenn das mal wieder „normal“ möglich ist.

Das Video hat mich ziemlich gefordert, deshalb werde ich es nochmal versuchen …

Winterbilanz – oder warum der Schäferhund schuld ist

Eigentlich ist ein Schäferhund schuld daran, wie mein Winterschwimmen verlaufen ist. Es war Mitte Dezember, ziemlich schönes Wetter. Am See mutmaßlich viele Menschen, beim Spazierengehen in der Stadt auch. Deshalb schwang ich mich auf mein Stadtradl, um ein paar Kilometer Richtung Fürstenfeldbruck zu rollen. Der erste Teil des Weges ist identisch mit der Strecke zum Langwieder See, meinem eigentlichen Winterschwimmstandort. Und dann passiert leider das, wovor ich immer Angst hatte: Ein Hund – ein Schäferhund! – jagt hinter mir, neben mir her. Keine Chance, das Riesenvieh abzuschütteln, immer wieder kreuzt er knapp vor meinem Rad, um die Seite zu wechseln. Ich habe pure Angst, Panik, versuche schneller in die Pedale zu treten. Schreie das Frauchen an, das immer weiter weg ist, dass sie ihren Hund zurückrufen soll. Aber nichts passiert. Mann! Nach einer gefühlten Ewigkeit ist es dem Hund zum Glück zu blöd, er kehrt um – ich bin total außer Atem. Weniger wegen der körperlichen Anstrengung, eher wegen der Panik. Ich weiß bis heute nicht, ob der Hund „nur spielen“ wollte oder ob er mich tatsächlich gejagt hat. Ich kenne mich mit Hunden nicht aus, ich kann das nicht einschätzen. Jedenfalls hatte ich dann ziemlich große Panik, diesen Weg wieder zu fahren. Unlogisch, ich weiß! Wie oft bin ich da schon geradelt und es war nichts. Aber mei, wir Menschen sind oft nicht rational.

Jedenfalls bin ich dann zum Regattabadesee gefahren, weil das eine andere Strecke ist. Es ist aber auch weiter entfernt, dafür gibt es aber die DLRG-Hütte, an der man etwas wettergeschützt ist. Und zu ungefähr der Zeit habe ich auch den Plan gefasst, immer fünf Minuten schwimmen zu wollen. Weil es mir leichter fällt, wenn ich einen konkreten Plan habe.

Sehr luxuriös kann man sich hier wettergeschützt umziehen

Wer meinen Blog hier regelmäßig liest, weiß, dass ich das von da an durchgezogen habe. Ausgebremst wurde ich nur durch das Wetter oder die Straßenverhältnisse. Aber irgendwann war mir auch das egal – da konnte mich nur noch eine komplette Eisschicht vom Schwimmen abhalten. Jedes kleine Eisloch wurde genutzt, zum Glück war es fast immer so groß, dass ich zumindest etwas hin- und herschwimmen konnte, denn nur „baden“ ist mir zu fad – das habe ich auch mal ausprobiert.

Hier hat jemand das Eis aufgehackt. Immerhin!

Jetzt ist der 2. April – genau 5 Monate sind die Bäder nun schon geschlossen. Und ich war in diesen 7 Monaten an 119 Tagen schwimmen! Also war ich nur an 31 Tagen nicht. Hehe! Außerdem war ich 61 Tage in Folge schwimmen – den kompletten Februar und auch im März war ich jeden Tag –  nur gestern, am 1. April, nicht. Denn da war das Wetter so schön sommerlich, dass ich tatsächlich lieber eine erste Rennradrunde drehen wollte.

Denn das Wetter ist auch so eine Geschichte in meiner Bilanz. Es war im Februar schon mal fast sommerlich und dann kam der März und mit ihm echt scheußliches Schneeregenwindwinterbähwetter. Sogar meine Thermometerschnur ist nochmal gefroren, so kalt war es an Land!

21. März – die Thermometerschnur ist gefroren

Im Finnischen gibt’s dafür einen Ausdruck: Taka-Talvi – der Winter schlägt zurück. Und das – muss ich zugeben – hat ganz schön an meinen Nerven und meiner Moral gezehrt. Ich wollte meinen Plan mit den 50 mal in Folge nicht aufgeben und ich wollte nicht fad zuhause sitzen und deshalb bin ich bei scheußlichem Wetter zum See gefahren, um beim Heimradln zu frieren, schlimmer als im Winter. Noch nie hatte ich mich so über besseres Wetter gefreut. Und diese Woche war’s dann wirklich schön und warm und sonnig.

Fast schon sommerlich!

Und auch das Wasser im See ist inzwischen recht warm – 9 Grad am Montag, bei leichtem Wind, am Dienstag auch und heute trotz Wolken und wieder etwas kühleren Temperaturen 11 Grad – wie die Luft auch. Da ist das Schwimmen gleich ganz anders! Als es am Dienstag so schön warm war, bin ich gleich eine längere Strecke geschwommen, so herrlich war es. Vom Steg zu der Bank, die bei vereistem See auch schon meine „Basis“ war.

Als am Steg alles zugefroren war, musste ich hier schwimmen. Inzwischen ist das Wasser warm genug, dass ich vom Steg bis hierher schwimmen kann!

Und am Mittwoch dann vom Steg in die andere Richtung, zur Birke und von da weiter immer am Ufer entlang bis zum Ende der Bucht und zurück. Beide Male waren es 8 bis 9 Minuten. Als ich wieder am Steg bin, könnte ich zwar weiterschwimmen, mag aber nicht mehr. Nur Brust ist auf Dauer auch fad, aber ich trau mich noch nicht, den Kopf unterzutauchen.

Und dann komme ich auch wieder ins Zweifeln. Denn in der Facebook-Schwimmgruppe und auch am See sind einige, die jetzt deutlich länger schwimmen als ich – ebenfalls nur in Badebekleidung. Bin ich ein Weichei? Bin ich faul? Zu zaghaft? Zu vorsichtig? Bin ich nicht motiviert genug? Oder ist es pure Eitelkeit? Weil ich ja im Winter, bei schlechtestem Wetter, immer tapfer war und durchgehalten habe? Steht es mir da nicht zu, dass ich auch weiterhin „voran“ gehe? Oder sollte es mir egal sein? Nach dem Motto: Mir reicht, dass ich weiß, dass ich könnte, wenn ich wollte? Und weiß ich das?

Mal ein anderer Blickwinkel

Und noch eine Bilanz gibt es: Radln! Ich bin ja immer zum See geradelt. Das hat mir auch mal wieder gezeigt, dass ein Auto doch zur Trägheit verleitet. Denn zweimal habe ich das Angebot, dass ich mitfahren kann, angenommen. Denn das Wetter sah nicht gut aus, als ich meine Sachen gepackt habe und auch die Wetterapp mit Regenradar verhieß keine Verbesserung. Tatsächlich war’s dann aber besser als vorhergesagt und man hätte durchaus radln können. Und ganz ehrlich: Wenn ich das Angebot nicht gehabt hätte, wäre ich auch geradelt. Deshalb kommt jetzt zu der eher mäßigen Ausbeute an Schwimmmetern eine ansehnliche Summe an Radlkilometern. Im 1. Quartal sind es ungefähr 1.550 Kilometer (manchmal musste ich die letzten 2 Kilometer wegen Eisglätte zu Fuß gehen) – und das sind nur die Wege zum See und zurück. Alle anderen Wege (wobei das echt wenig ist) kommen noch dazu.

Sieht vielleicht nicht so schön aus, aber zum Schwimmen war’s herrlich!

Tja und heute, Karfreitag, 2. April, war es eben wolkig, 11 Grad warm und windstill. Kein Sommerbadewetter, aber das Schwimmen war trotzdem – oder gerade deshalb? – superschön! Das Wasser fühlte sich warm und seidig an. Weder kalte Finger, noch kalte Füße – und das, obwohl keine Sonne auf mich schien. Die Wasseroberfläche war spiegelglatt, nur meine Wellen haben sie gekräuselt. Ich bin wieder zu der Bank geschwommen und musste daran denken, wie ich mir hier vor nicht allzu langer Zeit einen Weg durch die dünne Eisschicht bahnen musste, um zu der eisfreien Stelle zu gelangen, in der ich dann hin- und hergeschwommen bin – zu dem Klang der dünnen Eisstücke, die sanft aneinanderschlugen und dabei so herrlich klirrten!

Mein Fazit: Es war ein sehr abwechslungsreicher und auch abenteuerlicher Winter. Ich bin bei jedem Wetter geschwommen. Wind mag ich immer noch nicht, Schneeflocken sind schön, wenn sie weich und dick sind. Am schönsten war es aber an diesem eisigkalten, sonnigen Samstag, als der Himmel blau war und der Schnee geglitzert hat! Das war ein Tag wie im Winterbilderbuch und ein ganz eindrückliches Erlebnis, das ich nicht missen möchte.

Schnee mit Eiskristallen
Kalt, aber super!

Und wer weiß, wie es gekommen wäre, hätte mich der Schäferhund an dem Tag Mitte Dezember nicht gejagt? Wäre ich dann vielleicht weiterhin zum Langwieder See gefahren? Keine Ahnung. Mir gefällt es ganz gut, wie es dann gekommen ist. Mit netter Gesellschaft am Regattabadesee, bekannte Gesichter zu sehen, einen kurzen Ratsch zu halten, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Das ist gerade in diesen seltsamen, kontaktarmen Zeiten sehr wertvoll.

Und: Nicht zu vergessen! Meine Freundin Diana, die sehr oft mit zum See geradelt ist, auch ohne zu schwimmen. Aber es war schön, dass wir diese Tage so oft gemeinsam genießen konnten! Und manchmal war sie auch eine wichtige moralische Stütze, wenn das Wetter eigentlich zu mies zum Schwimmen gewesen wäre.


Herabschauender Hund statt Chlorhuhn

Dass Schwimmen gut für den Rücken ist, wissen wir ja. Und ohne Hallenbäder erfahren es die meisten wohl am eigenen Leib – so wie ich auch. Weil ich im unteren Rücken eine ziemlich hartnäckige Verspannung hatte, habe ich mit Rücken-Yoga-Übungen angefangen, das war ein Tipp meiner Freundin Diana. Die tägliche Routine tut mir und meinem Rücken gut und siehe da: Yoga ist auch für Schwimmer gut! Denn es fördert gleichzeitig Beweglichkeit und sorgt für Stabilität – perfekt! Ich habe darüber im Fitnessmagazin auf B5 aktuell berichtet. Meine Interviewpartner waren Vera Gloger und Stefan Drexl. Beide sind aktive Triathleten, sie kennen also die Anforderungen an den Sportler. Vera bietet Yoga spezielle für Ausdauersportler an, Stefan Drexl ist Triathlontrainer und auch er empfiehlt Yoga fürs Training an Land.

Wie ich ja in einem früheren Eintrag geschrieben habe, habe ich anfangs nur die Rücken-Übungen gemacht. Bis es mir langweilig wurde und ich mir neue Videos gesucht habe – und grandios gescheitert bin. Krieger, Taube, Schmetterling – hä? Werwowie? Und vor dem „Flow“ hatte ich ziemlich Respekt. Aber wie es so ist: Jetzt freue ich mich immer, wenn ein Flow kommt. Denn wenn die einzelnen Positionen – Asanas – miteinander verbunden werden, fühlt es sich für mich gut an. Stefan Drexl findet das Vinyasa-Flow-Yoga vor allem deshalb für Schwimmer gut, weil es ähnlich dynamisch ist wie das Schwimmen selbst auch.

Das hier war mein „Einstiegsvideo“:

Seit einem Vierteljahr mache ich die Yoga-Übungen täglich. Und seit ich nicht nur die Anfänger-Rücken-Videos mache, sondern mein Spektrum erweitert habe, bemerke ich auch, wie gut mir das tut. Es gibt am Ende der meisten Videos eine Entspannungssequenz, Shavasana. Das fand ich zum Beispiel doof, so nach dem Motto: Ok, Pflichtprogramm erfüllt, Rücken gedehnt und bewegt – auf zum nächsten Punkt des Tages. Aber je öfter ich die verschiedenen Sequenzen mache, desto mehr weiß ich diese Schlussentspannung zu schätzen. Es variiert zwischen einer und drei Minuten, manchmal sind mir die drei Minuten dann auch zu lang. Aber so eine oder zwei Minuten da liegen, ruhig atmen, die Einheit nochmal passieren lassen, nachspüren und vor allem: nichts tun oder denken – das finde ich jetzt richtig schön. Denn wenn man ehrlich ist: Wann nimmt man sich diese Zeit mal, diese Aus-Zeit? Irgendwie ist ja immer was: arbeiten, radln, schwimmen, lesen, telefonieren, Nachrichten beantworten … aber mal ein, zwei Minuten nur Ruhe und gar nichts machen? Das gibt’s nicht mal bei mir und ich habe kein stressiges Leben. Umso mehr hat es mich überrascht, dass ich diese kleine Mini-Ruhe anfangs nicht genießen konnte. Jetzt möchte ich es nicht mehr missen!

Dass Yoga anstrengend sein kann, habe ich zwar gehört, konnte ich mir aber auch nicht vorstellen. Aber ja, das gibt’s auch! Und zwar nicht unbedingt, weil es um viel Ausdauer oder Kraft geht. Für mich sind die Einheiten, in denen man viel Gleichgewicht halten muss, oft anstrengender! Da bin ich mal richtig ins Schwitzen gekommen. Probiert’s gern selbst aus …

Außerdem sagt die Länge einer Einheit nichts über die Intensität aus. Ich nehme gerade an einer 30-Tage-Challenge teil, da gibt’s jeden Tag ein Video. Eines hieß ganz harmlos: 15 Minuten Morgen-Routine, kraftvoll in den Tag. 15 Minuten, denke ich, das ist ja nix. Vielleicht mache ich danach noch ein zweites Video. Haha! Da ging’s ziemlich knackig zur Sache, das war fordernd, aber auch schön.

Der Vorteil dieser Challenge ist: Jemand hat sich die Mühe gemacht und eine Sammlung angelegt mit sehr unterschiedlichen Einheiten. Ich freue mich jeden Tag darauf und lasse mich auf viel Neues ein: Eine 10-minütige Meditation – warum nicht? Sechs Mal Sonnengruß? Bestimmt langweilig, aber naja, steht halt auf dem Plan. Und was soll ich sagen? Es war beides schön. Bei der Challenge war schon Halbzeit, das ging echt schnell vorbei.

Das ist die Challenge, die Play-List gibt’s auf YouTube.

Falls ihr schon länger Yoga macht, wundert ihr euch vielleicht über diesen Eintrag. Falls ihr gar keinen Bezug zu Yoga habt, kann ich euch nur sagen: Hatte ich auch nicht. Ich hatte nicht mal eine Meinung dazu. Aus der Not heraus (Rückenbeschwerden) bin ich dazu gekommen und ich habe festgestellt, dass es mir gut tut und Freude bereitet. Und hey: Ihr habt nichts zu verlieren, außer ein paar Minuten, um es einfach mal auszuprobieren. Mein Tipp: Lasst euch drauf ein, probiert es einfach aus. Es gibt so viele Varianten, Positionen und Intensitäten! Da ist für jeden was dabei.

Ich fand das Video hier für Schwimmer ganz gut, es kräftigt Arme und Schultern:

Für alle, die erst mit Yoga anfangen, kann ich dieses Video empfehlen. Das hat mir den Einstieg erleichtert:


50 Tage in Folge Winterschwimmen

Heute ist – zumindest im Kalender – der letzte Tag des Winters. Morgen, am 21. März, ist Tag-und-Nacht-Gleiche und damit Frühlingsanfang. Dass ausgerechnet heute der 50. Tag Winterschwimmen in Folge ist, ist aber Zufall. Oder Glück, heute ist auch Weltglückstag.

Heute war es mit den Wolken und der Sonne ein Wechselspiel

Glück hatte ich heute auch, zumindest ein bisschen, mit dem Wetter. Aber es war kalt. Saukalt, um genau zu sein. Denn der Winter gibt noch nicht auf, die Nacht war frostig, und auch am Vormittag zeigt das Thermometer an der Hauswand in der Stadt knapp zwei Grad plus. Am See ist es kälter, außerdem schieben sich immer wieder Wolken vor die Sonne, ein ziemliches Hin-und-Her. Unterwegs sind sogar ein paar Flocken gefallen. Winter halt. Und nach dem Schwimmen war auch die Schnur meines Thermometers wieder ziemlich steif, wenn auch nicht tiefgefroren.

Das Schwimmen war ganz schön, immerhin besser als gestern. Gestern hatte ich totales Pech mit dem Wetter: Denn eigentlich hatte es sich in den vergangenen Tagen ungefähr alle fünf Minuten geändert. Nur gestern nicht – da fing es unterwegs an zu schneien und zwar harte, nasse Tropfen, und es hörte auch nicht mehr auf.

Es sieht romantischer aus als es war…

Die Tropfen-Flocken haben im Gesicht richtig wehgetan, auch beim Schwimmen (ich habe den Kopf ja über Wasser). Meine fünf Minuten will ich trotzdem schaffen, es war nämlich Tag 49 in Folge und irgendwie wollte ich die 50 erreichen. Die 50 war ja seit November (also seit die Winterschwimmsaison begonnen hat und immer wieder verlängert wurde) die Zahl, die wir alle erreichen sollten. (Als sie für die Politik in Sichtweite war, wurde sie kurzerhand durch die 35 ersetzt, aber da mache ich nicht mit, ich will die 50 – wenn auch in einem anderen Kontext.) Maßgeblich zu dem langen Schwimmen in Folge hat natürlich der Februar beigetragen, da war ich an allen 28 Tagen schwimmen!

Gestern ist es mir tatsächlich schwer gefallen, positiv zu bleiben. Mir war kalt, das Wetter hat mich genervt, meine Finger waren taub, die Brille voller Tropfen und die Nase hat auch immerzu so einen kleinen Trieftropfen gehabt. Kurzum: Es war anstrengend und nervig. Und da habe ich mir seit November das erste Mal gewünscht, dass doch bittebittebitte endlich etwas mehr Normalität einkehren soll. Oder zumindest (wieder) Frühling werden soll. Es muss ja nicht gleich 20 Grad warm sein, aber vielleicht so 10 bis 15 Grad?

Heute habe ich eben die für mich magische Zahl und mein Ziel erreicht. Bleibt die Frage: Wie geht’s weiter? Mal sehen. Morgen ist erstmal Frühlingsanfang – zumindest auf dem Kalender!


Der Winter schlägt zurück

Es war schon fast Frühling in München. Mann, war das schön! Richtig warm in der Sonne! Und auch beim Schwimmen, obwohl sich das Wasser natürlich nicht so schnell erwärmt. Es verharrt bei etwa 7 Grad, unbeeindruckt von den Lufttemperaturen, die schon die 20-Grad-Marke gerissen hatten.

Es war schon so schön!

Und jetzt? Ist wieder Winter! Vergangene Woche war’s die ganze Zeit ziemlich windig, beim Schwimmen sind mir die Wellen ins Gesicht geplatscht. Mannomann. Nicht so schön. Aber weil man grad sonst nicht so viel machen kann, bin ich trotzdem schwimmen gegangen. Bzw. geradelt, meine einzige Möglichkeit, zum See zu kommen.

Und heute lag dann auch noch Schnee. Auf den Dächern und auf den Autos, auf der Straße wurde geräumt. Und dann scheint doch tatsächlich die Sonne. Und es ist quasi windstill. Juhu! Rucksack gepackt, Tee gekocht, aufs Radl geschwungen und LOS!! Yeah! Aber was passiert während der Fahrt? Die Wolken ziehen sich zusammen, umkreisen die Sonne, sie muss aufgeben. Ok… keine Sonne, auch gut. Als ich am See ankomme, fängt es an zu schneien. Ohmann!

Schneeflöckchen…

Ich suche mir ein geschütztes Plätzchen an der DLRG-Hütte, der Schneefall wird intensiver, die Flocken dicker. Ein Blesshuhn – Duggantal – schwimmt vorbei, die Flocken bleiben auf seinem schwarzen Federkleid liegen. Jetzt schwimmen? Ernsthaft? Andererseits bin ich schon mal da, meine Sachen sind im Trockenen, es weht kein Wind (Wind ist das Schlimmste!) – also warum eigentlich nicht? Ich ziehe mich aus, es ist kalt. Ich gehe zum Ufer, der Schnee wird dichter und dichter. Der 24. Dezember hat ganz neidisch geschaut: „Sowas hätte ich auch gern mal hinbekommen!“.

Ich gehe ins Wasser, das klar und glatt vor mir liegt, die Flocken fallen schnell und schmelzen sofort. Ich starte im dichten Schneeflockentanz. Es ist eigentlich ganz schön. Fast wie im Dante im Winter … ok… da hat das Wasser 30 Grad, ist also gut viermal so warm wie im Moment. Dafür schwimme ich ja nur kurz, fünf Minuten. Die Flocken fallen schnell, der Schnee ist nass, es hat Plusgrade. Es werden immer mehr, mir wird fast schwindlig, so viele sind es. Immer neue purzeln aus dem grauen Himmel, das andere Ufer ist fast nicht mehr zu sehen, und vor mir sterben sie den Wassertod, während ich tapfer durch die Oberfläche des Sees streife und eine kleine Bugwelle hinterlasse. Es ist so tatsächlich angenehmer als mit den Wellen, die mir frech ins Gesicht geplatscht sind.

Immerhin keine Wellen…

Meine Strecke ist geschafft, die fünf Minuten sind um, das muss reichen, die Hände sind kalt und fast schon steif. Raus, an Land, Handtuch, abtrocknen, umziehen. Und was sehe ich am nordwestlichen Himmel? Im Grau erscheint kaum wahrnehmbar: blau! Wunsch oder Wirklichkeit? Als ich angezogen bin, ist das blaue Stück am Himmel so groß, dass man es nicht mehr leugnen kann. Kann die Sonne ihr Comeback feiern?

Eine andere Welt nur eine Viertelstunde später!

Tatsächlich! Eine letzte Wolke verharrt vor der Sonne – aber keine Chance, sie muss sich auflösen. Jetzt ist Sonnenzeit. Und die Märzsonne ist warm. Schön! Sie wärmt mich auf, damit ich meine Finger wieder spüre und heimradln kann.

Aus den Ackern steigen Nebelschwaden, es ist eine verwunschene Welt. Und so ein Glück! Beim Radln Sonne, beim Schwimmen Schnee und dann wieder Sonne!


28 Tage – 28 Fotos

Ich war im Februar jeden Tag am See und bin geschwommen (am 15. Februar war ich da, bin aber im Tegernsee geschwommen, weil der Regattabadesee wieder zugefroren war). Und ich habe immer ein Foto gemacht. So ist ein schöner Überblick entstanden, der auch das Wetter zeigt. Ich bin fast immer zur selben Zeit dort, was eine ähnliche Sonnenstellung (falls sie da ist) zeigt.

Wir sehen auch den Saharastaub in der Luft, die Bilder wirken sehr mystisch. Manchmal war es fast dramatisch mit den Wolken, dann wieder mystisch mit dem Nebel, der sich lichtet. Aber seht selbst …

1. Februar
2. Februar
3. Februar
4. Februar
5. Februar
6. Februar
7. Februar
8. Februar
9. Februar
10. Februar
11. Februar
12. Februar
13. Februar
14. Februar
15. Februar
16. Februar
17. Februar
18. Februar
19. Februar
20. Februar
21. Februar
22. Februar
23. Februar
24. Februar
25. Februar
26. Februar
27. Februar
28. Februar

Rücken und Schwimmen

Schwimmen, vor allem Kraulen, ist gut für den Rücken. Eine Binsenweisheit. Die jetzt, im langen Lockdown, wohl die meisten schmerzlich erleben dürfen. Kein Schwimmen, oft noch arbeiten im Homeoffice mit schlechterer Ausstattung als im Büro. Ich gehöre zu den Leidtragenden. Schon im Dezember hat sich mein Rücken, besonders der untere, gemeldet. Mein Physiotherapeut meinte, dass ich da in guter Gesellschaft bin. Leider. Was hilft? Bewegung!

Der Nebel lichtet sich dramatisch…

Ich schwimme zwar fast täglich, aber nur fünf Minuten Oma-Brust. Das ist kein Ersatz für eine Stunde kraulen. Und anscheinend hilft auch das Radfahren nicht so gut oder die Arbeit daheim am Laptop fordert mehr Tribut? Naja. Jammern hat noch nie geholfen, deshalb habe ich noch vor Weihnachten angefangen, täglich 20 Minuten Rückenübungen zu machen. Als Inspiration dient mir Mady Morrison auf YouTube. Meine Freundin Diana turnt auch mit ihr, ebenso meine Nachbarin und eine Kollegin. Das Internet ist ja voll mit Katzen- und Sportvideos, da hilft ein Tipp, um sich nicht zu verfranzen.

Mady also. Ich habe mir ein Video für Anfänger rausgesucht und jeden Tag (ja!) mitgemacht. Irgendwann konnte ich die Texte schon auswendig, aber langweilig war mir nicht. Es hat mir eher gefallen, ich bin ja so ein Gewohnheitstier.

„Mach doch mal ein anderes Video“, empfiehlt meine Freundin. Ich finde eins, das ähnlich ist, auch für Anfänger. Ich tu mich schwer, blöd, gell? Und kehre am nächsten Tag wieder zum gewohnten Programm zurück. Irgendwann hat mich dann aber der Ehrgeiz gepackt. Andere Übungen, das muss doch möglich sein! Abwechslung tut auch dem Rücken gut. Ich habe mich also mit dem zweiten Anfänger-Video angefreundet. Was ich an Mady so mag: Sie beschreibt die Übungen so gut, dass ich eigentlich gar nicht zum Bildschirm schauen muss. Ich kann zuhören, wie Radio, und sie erzählt, was wir machen. Anfangs kamen mir die 20 Minuten auch lang vor. Inzwischen bin ich fast überrascht, wenn es schon in die „Schlussentspannung“ geht.

Ja – und dann hat mich der Ehrgeiz gepackt. Da gibt’s doch auch noch andere Videos. Eins fand ich dann ganz ansprechend: Hüften und unterer Rücken, genau mein Ding. Voll motiviert rolle ich meine Matte aus, starte das Video – und bin gleich überfordert. „Wir beginnen in der Haltung des Kindes“. Häh? Waswiewo? Ich muss tatsächlich auf den Bildschirm schauen. Aber bis ich geschaut hab, ist die Übung schon rum. Weiter geht’s. Ah, ok, das schaffe ich (fragt nicht, warum ich nicht auf Pause gedrückt hab!). Und dann geht’s wieder Schlag-auf-Schlag. HerabschauenderHundschiefe Ebenevorsichtig ablegenkleine Kobra… Hilfe!! Bevor noch Krieger einszweidreiundzurückindenherabschauendenhund kommen, schalte ich ab. Ich bin total frustriert und kehre zurück ins Nichtschwimmerbecken für Yoga-Idioten. Mann!

So ganz losgelassen hat mich das dann aber nicht. Es muss doch auch ein Video geben, das diese Hunde und Krieger erklärt! Und tatsächlich, das gibt’s! Ich probiere es. Und es fordert mich ganz schön! Aber ich bleibe dran, trainiere mit diesem Video jeden zweiten Tag – im Wechsel mit den Rückenübungen für Anfänger. Und ich merke, wie ich besser werde. Wie ich es schaffe, den Anweisungen zu folgen, zu atmen und in der richtigen Position anzukommen.

Heute war dann das Hüftöffnerrücken-Video von vor ein paar Wochen nochmal dran. Und was soll ich sagen? „Was war jetzt da so schwer?“ – Ok, das wäre jetzt etwas überheblich. Aber ich bin total stolz auf mich, dass ich es ohne Probleme schaffe, den Anweisungen zu folgen, zu atmen und in der richtigen Position zu landen. Mann! Das ist ein echt tolles Gefühl!

Es gibt ja den Spruch: Wann hast du das letzte Mal was zum ersten Mal gemacht? Darauf hatte ich lange keine Antwort. Aber jetzt – und es fühlt sich gut an! Und die Wahrheit, so bitter sie ist: Ohne Corona, ohne Schwimmbadlockdown, hätte ich das nie gemacht!

Mal sehen, welches Video ich mir als nächstes vornehme. Meinem Rücken geht’s gut!


Auf-zu-auf-zu …

Wenn das Wetter so ein Hin und Her zwischen Sibirien und Spanien veranstaltet, macht der See natürlich mit. Er hat ja sonst nichts zu tun. Soll heißen: Kaum ist es nachts kalt und windstill, bildet er eine Eisdecke. Kommt dann aber ein warmer Wind, öffnet er sich wieder für uns Schwimmer.

Am Montag war die kleine eisfreie Stelle vom Sonntag zugefroren. Das hatte ich schon befürchtet, bin aber trotzdem hingeradelt. Als Alternative stünde ja die Regattastrecke nebenan zur Verfügung.

Alles dicht…

Am Montag hatte ich aber sogar eine viel attraktivere Möglichkeit: Schwimmen im Tegernsee. Wegen eines Termins war ich in der Heimat, da wollte ich die Gelegenheit gern nutzen und schwimmen. Die schöne Sonne vom Vormittag war weg, zudem kam etwas Wind auf.

Die Wellen sind am Ufer festgefroren

In Kaltenbrunn ist es sehr flach, deshalb bin ich um den Steg froh, der mich trockenen Fußes ins hüfttiefe Wasser bringt. Am Ufer wäre es auch gar nicht so leicht gewesen mit dem Reingehen, denn die Wellen haben hier eine breite Eisschicht wachsen lassen. Großer Schritt drüber, das ginge schon. Aber so ist es ganz gut. Allerdings bin ich nicht aufgewärmt, die Anreise erfolgte mit dem Auto, es gab auch keinen langen Spaziergang. Die Zeit ist knapp, die Muskeln kalt. Und das Wasser auch. Unter dem Steg hängen dickste Eiszapfen, die Zeugen der Frostperiode.

Schönste Frostkunst im Tegernsee

Ich tauche unter, schwimme los rüber zu dem zweiten Steg. Das sind etwa 25 Meter. Es ist wellig und kalt, nach einer Minute bin ich zurück. Meine Freundin Diana wacht über die Uhr und das Handtuch. Ich merke, wie der Termin im Hinterkopf drückt. Ich habe eigentlich nicht wirklich Zeit zum Schwimmen. Ohmann. Das macht es schwer. Einmal noch hin und her, dann ist gut. Das sind dann knapp zweieinhalb Minuten. Jetzt zurück zum „Lager“, umziehen, die Uhr tickt. So macht das leider nicht viel Spaß, aber ich bin ja selbst schuld.

Meine Schuhe warten…
Und da bin ich!

Am Dienstag ist dann wieder der gewohnte Gang und ich radle bei wärmstem Wetter zum Regattabadesee. Die Ecke vom Sonntag ist wieder offen. Aber nur dort, am Steg ist noch alles dicht. Ich schwimme bei dem Gebüsch los, das sonst mein Ziel ist. Auf dem restlichen See ist Eis, das an der Kante ganz dünn und fein ist. Ich schwimme sozusagen mit Musik. Denn die kleinen feinen Eisstücke singen und klingen und klirren – es ist mystisch, magisch und wenn es dunkle Nacht wäre, wäre es vielleicht sogar gruselig!

Da hinten kann ich schwimmen!

Danach umziehen und aufwärmen im Schutz der Hütte, von der Sonne bestrahlt – sehr schön! Und der Neoprenmann ist auch da. Weil es für seine Langstreckenschwimmroutine heute nicht ausreichend eisfreies Wasser gibt, schwimmt auch er nur in der Bucht und nur in Badehose. Wir sind uns einig, dass es heute ein ganz traumhafter Tag ist, mit Nebelbänken über dem Acker am Radweg und sogar aus dem Eis steigen kleine Schwaden feengleich auf. Da bin ich fast schon wehmütig, dass das Eis bald geschmolzen sein wird (es ist frühlingshaftes Wetter angesagt).

Aus dem Schnee steigt Nebel

Am Mittwoch war es nach einer relativ warmen Nacht mit Regen am See noch toller: Am Steg ist kein Eis mehr, ich kann hier zum Busch schwimmen. Auf der anderen Seite zur Birke kann ich es ohne Brille nicht so gut beurteilen, außerdem planschen hier die Enten und da lasse ich sie mal in Ruhe. Ich schwimme also zweimal zum Gebüsch und noch einmal die halbe Strecke. Das sollten fünf Minuten sein. Das Wasser hat 5 Grad, sagt mein Thermometer.

Mystisch am See und im Hintergrund kündigt sich der Frühling an…

Nachdem ich mich umgezogen habe, merke ich, dass ich ziemlich friere. Ich bin warm eingepackt, es weht kein Wind. Es scheint aber auch keine Sonne, aber es ist warm, etwa 5 oder 7 Grad plus. Komisch! Als es so frostig war, dass die Schnur von meinem Thermometer beim Trocknen gefroren ist, und ein kalter Ostwind wehte, war mir nicht so kalt. Oder habe ich es nicht so empfunden? Jetzt zittere ich ganz arg, trinke meinen heißen Tee, wärme Hände und Füße mit der Wärmflasche. Als es dann einigermaßen geht, mache ich Kniebeugen, um den Kreislauf wieder in Gang zu bringen und die Körperheizung anzuwerfen. Nicht, dass ich auf dem Radl wieder total zittere. Das passiert heute zum Glück nicht.

Tja – nachdem es gestern also richtig schön eisfrei war und nicht nur ein kleines Fizzelchen, war ich heute doch sehr böse überrascht, dass fast der komplette See wieder zugefroren ist! Nachts war’s windstill und es gab leichten Frost, vielleicht – 3 Grad am See. In der Stadt war’s frostfrei. Aber man darf diesen See nicht unbeaufsichtigt lassen, da macht er dicht! Es sieht schön aus, die Sonne scheint aufs Eis und an die Hütte. Aber da geht nichts. Die Eisschicht ist zwar nur hauchdünn, aber zum Schwimmen ist es zu viel. Auch am Gebüsch und an der Eis-Ausweichbank ist alles zu. Was tun? Regattastrecke? Hm. Nicht so schön, also mal schauen, wie es weiter südlich aussieht.

Nix Frühling. Eine glasklare dünne Eisschicht bedeckt den See…

Ich habe beim Hinradeln nämlich gar nicht aufgepasst, sehe nur vom Steg aus, dass die Enten dort schwimmen. Also radle ich zurück und siehe da: An der Bank an der kleinen Landzunge kann ich schwimmen. Die Sonne scheint seitlich durch die Äste, es ist hier nicht so schön warm wie an der Hütte. Dafür Wasser zum Schwimmen. Yeah!

Tadaa!! Wasser!

Ich stelle meinen Handy-Timer auf 5’30 Minuten und lege los. Auf den See scheint die Sonne, es ist herrlich. Nur meine Wellen kräuseln die Wasseroberfläche. Das Eis ist von hier leider zu weit entfernt, als dass ich die Schollen klirren hören könnte. Ich bleibe in Ufernähe und genieße das Schwimmen. Und als ich so mittendrin bin, erklingt vom Ufer schon meine Melodie. Die Zeit ist um. Krass, das ging schnell. Ich schwimme noch zum Baum der Landzunge, dann die paar Meter zurück zu meinen Badeschuhen und gehe zur Bank. Die Sonne ist in den paar Minuten schon merklich höher gestiegen, nur noch wenige Äste stören ihre Wärme. Als ich angezogen bin, durchflutet mich zwar eine Kalt-Warm-Welle, aber kein Zittern. Vielleicht macht die Sonne den Unterschied?

Ich radle zurück. Ich bin dankbar, dass ich – obwohl es anfangs nicht so ausgesehen hat – so schön schwimmen konnte. Und ich bin gespannt, was morgen ist!


Eis zum Jubiläum

Exakt sechs Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal mit dem Eisschwimmen in Berührung gekommen bin. Am Valentinstag 2015 fuhr ich nach Mittelfranken, um für eine Radioreportage Sabine Croci zu interviewen. Und damals war es ein kalter, nebliger Wintertag, der halbe See war zugefroren und Sabine ist an der Eiskante geschwommen. Ich wollte es auch ausprobieren: Keine Chance!

Heute war fast der ganze Regattabadesee zugefroren. Wieder über Nacht! Gestern war nur am Ufer ein klein bisschen Eis, der kalte Ostwind hatte den See in Bewegung gehalten. Heute kein Wind – und dafür Eis. Mist!

So schnell kann’s gehen…
Die Menschen haben Eisstücke auf die Eisfläche geworfen.

Naja. Bei genauerem Hinsehen habe ich eine eisfreie Stelle entdeckt, die groß genug war, um zu schwimmen. Also bin ich da hingegangen. Gewatet. Denn leider war es ziemlich flach. Normalerweise schwimme ich hierher, aber anscheinend einen Meter weiter vom Ufer entfernt. Aber da war: Eis. Ich gehe weiter, am Ufer entlang und habe die Hoffnung auf Schwimmen schon fast aufgegeben.

Das könnte klappen…

Doch hier, wo ich normalerweise umdrehe und zum Steg zurückschwimme, kann es gehen. Es ist tief genug, das Wasser geht mir bis zum Bauch, also los. Fein. Kalt. Sonne von oben! Meine Wellen bringen die Eisschollen zum Singen und Klingen. Und ich muss aufpassen, wo ich hinschwimme, denn mein Bewegungsradius ist eingeengt. Aber macht nix, ich drehe um, um Runde zwei einzuläuten. Ich weiß nicht, wie lange ich geschwommen bin, aber irgendwann merke ich die Kälte und das ist ein Zeichen, dass es jetzt gleich gut ist. Ich habe wenig Lust, so weit zu Fuß zu gehen, deshalb schwimme ich so lange wie möglich. Eine gute Wasserlage ist im flachen Wasser Gold wert … haha!

Gestern war es auch sonnig, es war aber viel kälter. Zum einen tatsächlich, zum anderen gefühlt, wegen des Ostwinds. Da war die Schnur von meinem Thermometer wieder gefroren – steif wie ein Stock! Das Schwimmen war trotzdem schön, wie immer eigentlich.

Stocksteif ist die Schnur vom Thermometer gefroren

Geöffnet oder geschlossen?

Die Frage, ob etwas geöffnet oder geschlossen ist, prägt ja zur Zeit unser Leben. Gestern (10. Februar) haben unsere Politiker die Winterschwimmsaison – wie erwartet – verlängert. Also, eigentlich haben sie den Lockdown und damit die geschlossenen Hallenbäder beschlossen.

Das war gestern. Wie wird es heute nach der kalten Nacht sein??

Mich trieb heute aber eine andere Frage um: Ist der See noch offen? Ja, nachdem hier letzte Woche Frühling war, ist über Nacht der Winter zurückgekommen. Gestern Abend konnte man direkt zusehen, wie die Zahlen hinter dem Minus auf meinem Thermometer höher wurden – es wurde wirklich stündlich kälter. Und ich bin im Zwiespalt. Ich LIEBE es, wenn es so richtig kalt ist. Die schöne Luft, das tolle Licht! Ein bisschen Lappland hier in Bayern, wenn ich schon nicht nach Finnland fahren kann … Heute morgen war in München auch genau die Stimmung, die ich nördlich des Polarkreises so liebe: Pastellfarbener Morgenhimmel, die Sonne geht sanft auf, die Luft ist klirrend kalt. Ich bilde mir ein, dass ich das durch das geschlossene Fenster sehe. Und dann war ich die ganze Zeit total hibbelig. Ich.will.zum.See! Ich.will.schwimmen! Los. Jetzt!

Die Radlfahrt war dank Schneefalls gestern (hätte es jetzt wegen mir nicht gebraucht) eine ziemliche Geduldsprobe. Ich hab mich nämlich schon wieder voll gut an freie Straßen und zügige Fahrt gewöhnt. Aber, hilft ja nix. Spikesradl gepackt und los. (Gestern war ich damit auch am See, da war das Radln echt ätzend, weil ich vor lauter Tropfen auf der Brille kaum was gesehen habe.)

Die Fahrt dauert also länger als normal, klar, vorsichtig und so. Und dauernd denke ich: See, bist du offen oder hast du eine Eisschicht? Ich weiß ja, dass das über Nacht gehen kann. Und im Januar war’s nicht so kalt wie heute Nacht.

Dann, endlich, die Erlösung: Ich fahre den Buckel rauf, biege vorsichtig um die Ecke, sehe den See… und: gaaanz leichte Wellen. Juhu! Ich hab mich noch nie so über Wellen (also, eher Kräuselungen) gefreut wie heute. Ich kann zumindest schwimmen! Vielleicht auch am Steg? Das wäre fein!

Nur das kleine Fizzelchen am Ufer ist Eis. Der Rest ist eisfrei. Juhu!

Die Hütte steht in der Sonne, der Schnee glitzert und die Enten schwimmen. Sie schwimmen. Sie watscheln nicht. Juhu! Das habe ich mir nach dieser anstrengenden Fahrt auch verdient. Ich bin sowas von entschlossen, obwohl es echt kalt ist. Minus fünf Grad oder so. Und gleichzeitig spüre ich, dass die Sonne etwas wärmt. Fein! Mei, so schee scho! Über dem Wasser wabert eine kaum wahrnehmbare Dampfschicht. Also, echt! Sowas Schönes! Und da werde ich jetzt schwimmen. Jawollja!

Am Rand ist ein kleines Fizzelchen Eis, das zertrete ich mit dem Fuß und sage: Du brauchst hier gar nicht wachsen… haha. Ich bin gut drauf. Ich gehe rein, das Wasser ist irgendwie „hart“, aber nicht so kalt. Als mir vergangene Woche vom Radln so warm war, war’s fast unangenehmer. Untertauchen, losschwimmen. Ach, schön! Und ja, auch kalt. Klar. Ist ja Winter. Die Sonne scheint auf meinen Kopf, ich bin hochkonzentriert und schwimme zur Birke. Und zurück zum Steg. Und nochmal dasselbe. Dann ist es für heute gut, das waren dann 4 Minuten.

Sonne und Glitzerschnee am See

An der Hütte in der Sonne kann ich mich gut aufwärmen. Ich genieße es, trinke meinen heißen Tee. Die Wärmflasche wärmt die Füße, ich reibe meine Hände, damit die Finger nicht steif werden. Und dann mache ich noch 10 Kniebeugen. Weil mir vorgestern beim Heimradln auf einmal so kalt war, dass ich total gezittert habe. Ich hatte echt Angst, dass ich vom Rad falle, weil es so krass war. Ich habe dann auch angehalten und Kniebeugen gemacht. Jetzt mache ich die vorher, habe ich gestern auch so gemacht. Ist prima. So. Leider muss ich den schönen Wintersonnenplatz mit dem Glitzersee verlassen. So ein schöner Ausflug!