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Jahresbilanz 2020

Das Jahr 2020 hat relativ normal angefangen, ich war am 2. Januar das erste Mal schwimmen. Den ganzen Februar war ich sehr fleißig, ich bin in den 29 Tagen 70 Kilometer geschwommen. Im März wurden es noch 42 Kilometer und dann war plötzlich Schluss! Corona. Alarm. Lockdown. Hallenbad dicht (und noch viel mehr). Keiner wusste, wie lange es dauern würde. Ich habe die Zeit zum Rennradfahren genutzt, das Wetter war herrlich, dazu fast kein Verkehr. Ideal.

Irgendwann wuchs aber die Sehnsucht nach dem Wasser. Der 1. Mai 2020 war sehr traurig, denn es war kein Freibad geöffnet, es gab noch nicht einmal eine Perspektive. Und normalerweise gehe ich am 1. Mai ins Freibad. Tja, normal war 2020 gar nichts.

Blick ins Schyrenbad am 2. Mai

Dann endlich die frohe Botschaft: Die Freibäder können ab 8. Juni öffnen. Juhu! Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind. Die Freude wurde etwas getrübt, weil die Münchner Bäder „schlechtes Wetter“ vorschoben und erst drei Tage später öffnen wollten. Ohmann. Ja, da kann man jetzt sagen: Was sind drei Tage, wenn man eh schon drei Monate nicht schwimmen konnte. Aber ich wollte nicht länger warten, also auf nach Germering, wo das Bad pünktlich am 8. Juni geöffnet hat! Endlich Freibad! Strahlende Gesichter überall! Und dann im Wasser, so schön! Und: so anstrengend! Mann, eine 50-Meter-Bahn ist tatsächlich ganz schön lang und drei Kilometer eine ziemlich lange Strecke. Das wollte ich nie wahr haben, jetzt wurde es bittere Realität. Also: klein anfangen, erstmal nur zwei Kilometer schwimmen. Sich wieder an die Anstrengung und Bewegung gewöhnen.

Das ging zum Glück recht schnell und als ich endlich wieder im Dantesommerbecken schwimmen konnte, wäre mir ja fast die Schwimmbrille verrutscht, weil ich die ganze Zeit so grinsen musste.

So sehen glückliche Chlorhühner aus!!

Den Freibad-Sommer habe ich täglich genutzt. Ich wollte keinen Tag verpassen, wer weiß, was kommt? Und so wurden es 115 Tage am Stück und 313 Kilometer im Freibad. Ein paar extra Kilometer im Freibad kamen im Oktober in Fürstenfeldbruck noch dazu. Da war nach ein paar kalten Nächten das Wasser etwas „frisch“, ein gutes Training fürs Eisschwimmen.

Kaltes Wasser hält mich nicht vom Schwimmen ab…

Und gerade, als ich mich mit den Doppelbahnen und der Situation im Oly angefreundet hatte, kam die Schreckensmeldung: Ab 2. November gibt’s einen „Lockdown light“, der für uns Schwimmer schwere Konsequenzen hatte: Bäder und andere Sportstätten müssen schließen. Vorerst nur im November. Aber da war eigentlich klar, dass der 1. November unser 31. Dezember ist. Zeit für die Jahresbilanz. Ich wollte nicht ganz so schwarz sehen, deshalb schreibe ich den Blogeintrag erst jetzt. Aber die Zahl ist dieselbe wie am 1. November: 535 Kilometer.

Das ist eine schöne Zahl (ihr wisst ja vielleicht, dass ich eine Schwäche für schöne Zahlen habe). Und es ist angesichts der Einschränkungen und Schließungen auch eine gute Zahl. Über 500 Kilometer, das hätte ich im April nicht gedacht. Ich will gar nicht daran denken oder ausrechnen, wie viele Kilometer es in einem „normalen“ Jahr geworden wären. Vergangenes Jahr waren es 834, also fast 300 mehr. Aber das war auch verrückt.

Kann man ein Fazit in diesem Corona-Jahr ziehen? Mir ist bewusst geworden, wie wichtig mir das Schwimmen ist. Für meinen Körper, für meinen Geist, für mein Wohlbefinden und mein Sozialleben. Es entspannt meinen Rücken, meine Gedanken werden frei, neue Ideen kommen. Ich fühle mich wohl, wenn ich Sport gemacht habe, ich genieße die Schwerelosigkeit, das Gleiten und die Kraft im Wasser. Die Ruhe, die entsteht, wenn ich den Kopf unter Wasser habe und Geräusche nur gedämpft wahrnehme. Die Freude, wenn meine Freunde auch im Wasser sind und an mir vorbei schwimmen. Die Bewunderung, wenn ein Schwimmer (oder Schwimmerin) da ist, die besonders gut und schön schwimmt. Der Ehrgeiz, der mich manchmal packt und ich dann schneller oder länger schwimme. Und besonders natürlich das Gefühl, wenn es „läuft“, wenn ich mich so fühle, als könnte ich ewig schwimmen. Das alles habe ich zwar gewusst, aber so richtig bewusst geworden ist es mir durch den erzwungenen Verzicht. Schwimmen ist etwas, das man durch nichts ersetzen kann – und das ich auch nicht missen möchte. Hoffentlich ist es bald wieder möglich, dass ich meine Bahnen ziehe.

Ein Traum…

Übrigens gab es auch mal ein „normales“ Jahr, in dem ich ganz knapp keine 500 Kilometer geschafft habe:

2017 war das. Da war irgendwie der Wurm drin und am Ende standen „nur“ 498 Kilometer in der Bilanz. Schlimm? Nein.


Auf ein Neues – nach Fürstenfeldbruck

Also, dass meine Schwimmpläne gestern so verweht wurden, hat mir heute keine Ruhe gelassen. Die Wettervorhersage war besser, kein Regen in Sicht, der Wind weniger. Also wollte ich es nochmal wissen und bin aufs Radl gestiegen, um nach Fürstenfeldbruck zu fahren. Die Sonne kam auch raus, kann es schöner sein?

Äh, ja. Es kann. Denn der „windstille“ Tag war leider nicht windstill, sondern ziemlich zugig. Und zwar aus Westen, also Gegenwind. Zwar keine Böen, aber kontinuierlich. Das zehrt an den Nerven. Wind ist ein fieser Gegner beim Radln, man weiß nie, wann er aufhört – anders als ein Berg. Aber weil die Sonne scheint und ich auch sonst keine Pläne für heute hatte, hab ich mich durchgebissen. Und mir vorgestellt, dass ich im Urlaub bin – da hatte ich auch oft mal Gegenwind und musste tatsächlich weiterradeln, weil ich zu meiner Unterkunft musste.

Irgendwann war ich dann in Fürstenfeldbruck und im Freibad. Und die Sonne scheint von einem blauen Himmel, die Wolkenwand da hinten – „ach, die wird schon nicht jetzt kommen“. Ein Blick ins Bad – alles leer! Juhu. Und wie schön blau das leuchtet dank der Fliesen.

Blau, blau, blau – meine Lieblingsfarbe!

Heute stand auf der Tafel auch die Wassertemperatur: 19.8 Grad. Hui! Und gut, dass ich meine Schwimmfreundin nicht überredet habe mitzukommen. Da hätte ich mir wohl was anhören dürfen … Ich hatte aber eh damit gerechnet, dass es maximal 21 Grad sein werden. Deshalb bin ich innerlich vorbereitet (wie beim Eisschwimmen), friemle die Ohrenstöpsel in die Ohren, setze Kappe und Brille auf und tauche ein. Oh, das ist kalt. Und der Wind macht es nicht besser. Lieber schnell untertauchen und starten.

Fast 20 Grad!

Wie immer ist es am Anfang sehr kalt. Bis sich der Körper an die Temperatur gewöhnt. Aber es ist schön. Acht Bahnen, insgesamt drei Schwimmer. Da bin ich ganz entspannt. Wer soll jetzt schon kommen und mich stören? Und es ist so schön türkis und hell unter Wasser (nach gestern in der Dunkelkammer aka Olympiaschwimmhalle). Ich bin ganz happy und komme gleich in meinen Flow. Das Wasser trägt mich, ich bin schnell (also, gefühlt) und ich schwimmeschwimmeschwimme! Mei, so schön. Kalt? Nö. Das blende ich aus. Darauf habe ich heute keine Lust. Ich will schwimmen. Ich will alleine schwimmen. Ich schwimme. Ich schwimme alleine. Was, schon wieder 50 Meter rum? Krass. Weitersoimmerweiter!

Aber hei, was ist da los? Jetzt schieben sich diese blöden Wolken ausgerechnet vor die Sonne. Da hinten, da ist der ganze Himmel hellblau – aber da ist die Sonne nicht. He, ihr Wolken! Geht da hinter. Da ist ganz viel Platz. He, Sonne! Kämpf ein bisschen! Ja, so ist’s gut, komm raus! Ich spüre jede kleinste Veränderung, jeden Minimalsonnenstrahl kann ich wahrnehmen. Das ist es, was das Schwimmen im Freibad so schön macht.

Daaaaa hinten ist der Himmel blau. Aber da ist die Sonne leider nicht.

Und dann ist schon die Hälfte rum. Ich habe mir 2.000 Meter, also 40 Bahnen, vorgenommen. Nach 1.000 Metern spüre ich natürlich schon, dass es kalt ist. Aber mich packt dann auch der Ehrgeiz. Ich habe mir 40 Bahnen vorgenommen, da schwimme ich auch 40 Bahnen. Weil: So kalt ist es nicht. Außerdem habe ich heute wieder einen heißen Tee dabei, das ist schon ein beruhigender Gedanke. Und weiter geht’s. Noch 16 Bahnen. Das ist nicht viel. Noch 10. Ja, die paar schaffe ich auch noch. Was, nur noch 4 Bahnen? Noch zweimal in den schattigen, kühlen Bereich am Ende des Beckens? Was? Letzte Bahn? Nur noch 50 Meter? Echt? Schon vorbei? Ich bin doch gerade erst gekomm… naja. Ok. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass ich nicht gerade erst gekommen bin. Und ja, mir ist jetzt auch ein bisschen kalt, meine Füße sind etwas taub, als ich mich hinstelle.

Es war wunderschön. So im Tunnel, in Trance, nur ich und das Wasser und das Wasser und ich und überhaupt: Sowas von schön! Das war’s total wert, so weit geradelt zu sein. Gegen den Wind gekämpft zu haben. Nur noch zwei Wochen! Dann ist auch in Fürstenfeldbruck Schluss. Das Wasser wird jedenfalls nicht mehr wärmer, „eher kälter“ meint der Bademeister, als ich die Temperaturtafel fotografiere.


Vom Winde verweht …

Der Plan wäre sooo gut gewesen: Laut Wetterbericht am Vormittag Ostwind, am Nachmittag Westwind – perfekt für einen Radausflug nach Fürstenfeldbruck, das westlich von München liegt. Rückenwind auf beiden Strecken, so fein!

Gestern bin ich auch schon nach Fürstenfeldbruck geradelt. Da war anfangs kaum Wind, die Licht- und Luftstimmung war aber sehr seltsam: Der Föhn hat schon gedrückt, es war seltsam warm, das Licht indirekt, die Wolken in München dick und dunkelgrau, Richtung Süden war es hell. Fast apokalyptisch.

Apokalyptische Stimmung

Die Fahrt dauert gut anderthalb Stunden mit dem normalen Stadtfahrrad, es geht am Ende auch noch bergauf und bergab. Und dann ist das Freibad endlich da. Wie voll wird es an einem wolkigen Freitagnachmittag sein? Freitage sind immer wie eine Wundertüte – alles ist möglich. Es ist: leer! Also, ok, zwei Leute schwimmen. Welche der leeren Bahnen nehme ich? Schwierige Entscheidungen schon vor dem Start … 😉

Alles meins in Fürstenfeldbruck

Einen Fuß ins Wasser gehalten und dann war mir klar, warum hier keiner schwimmt: Es ist kalt. Nicht eiskalt, aber für ein Freibad schon, sagen wir: erfrischend. Vielleicht 21 Grad? Egal. Ich bin jetzt so weit geradelt, habe den Eintritt bezahlt, zwei Kilometer werde ich wohl hinkriegen. Also, rein, untertauchen, langsam anfangen. Es ist kalt, aber es geht. Besser als am Montag im Schyrenbad. Aber ok, die Luft ist wärmer, es regnet nicht, es weht kein Wind. Ich schwimme stur vor mich hin, hin und her, komme in einen schönen Flow. Nur eins darf ich nicht machen: Versuchen, schneller zu schwimmen als die Dame oder der Herr neben mir. Weil das zu viel Kraft kosten würde. Energie, die ich nicht verschwenden will. Ich halte durch, schaffe die zwei Kilometer. Verlasse das Becken, ziehe mich um. Im Haus, die Umkleide ist gut beheizt. Immerhin.

„Mein“ Schrank ist frei!

Auf dem Heimweg hat der Wind dann leider zugelegt und kommt aus der falschen Richtung. Es ist ziemlich anstrengend zu radeln. Deshalb habe ich mich dann so über die Aussicht für heute gefreut. Doch der Wetterbericht hatte leider nicht recht, der Wind kommt mir entgegen. Und zwar ziemlich kräftig und manchmal sogar in Böen. Obwohl es 20 Grad warm ist, macht mir das keinen Spaß. Ich überlege, ob ich das Vorhaben beenden soll. Es würde noch eine Stunde so weitergehen. Wahrscheinlich eher länger, mit dem Gegenwind. Als fast am Langwieder See bin, drehe ich um. Und dann ist es gar nicht mehr schlimm … aber klar: Jetzt habe ich Rückenwind.

Auf dem Heimweg fahre ich am Nymphenburger Schloss vorbei und den Schlosskanal entlang. Und sinniere so, was ich mit dem angebrochenen Tag machen könnte. Ha! Ich bin ja fast am Dantebad. Ok, das ist am Feiertag sicher voll und außerdem ist da das Wasser zu warm – trotz Wind. Aber vom Dante ist es nicht weit zum Oly, also beschließe ich, dort hinzufahren. Im Oly kann man von oben aufs Becken schauen und sieht, wie viel los ist.

Nicht alles meins …

Und so habe ich es gemacht. Es waren schon einige Schwimmer da, aber nicht hoffnungslos überfüllt. Die Doppelbahnen muss ich eh früher oder später testen, schließlich sind sie im Dantewinterbecken und im Oly im Becken.

Am Beckenrand sind an je zwei Startblöcken Zettel mit dem Hinweis auf „Einbahnsystem“. Aber ohne weitere Erklärung. Und auch nur auf einem der zwei Startblöcke, die jetzt in einer Bahn zusammengefasst sind.

Geheimbotschaften für Insider

Ich schaue den anderen ein bisschen zu und sehe, dass sie immer an der Leine schwimmen (wie gesagt, gibt’s da ja verschiedene Interpretationen). Ich wage mich rein. Ui, das Wasser ist warm, viel zu warm! Naja, hilft jetzt nichts.

Das Schwimmen und Überholen klappt gut in den Doppelbahnen. Endlich sind breit ausschlagende Brustschwimmer kein großes Problem mehr. Und auch die schnelleren Schwimmer, die mich beim Rückenschwimmen überholen, können etwas mehr Abstand halten. Nur die Wende, die ist gewöhnungsbedürftig. Ich brauche sicher 500 Meter, um den weiten Weg irgendwann richtig einschätzen zu können. Dazu kommt, dass es in der Olympiaschwimmhalle ziemlich dunkel ist und ich meine Draußenbrille, also mit Tönung, dabei habe. Wollte ja eigentlich draußen schwimmen. Nächstes Mal: die Innenbrille einpacken!

Immerhin ist genügend Platz zum Überholen

Dass ich dann noch zwei bekannte Gesichter entdeckt habe, hat mich mit dem komischen Tag und den verwehten Plänen versöhnt. Als ich später daheim war und es zu regnen anfing, dachte ich mir: gut, dass ich umgekehrt bin – denn sonst wäre ich genau jetzt auf dem Heimweg und im kalten, windigen Regen.


Wechselbad im Freibad

Es ist Herbst in Bayern – auf dem Kalender und auch draußen. Nachdem der Sommer gegen Ende fast nicht gehen wollte, wurde es am Freitag schlagartig kalt. Am Samstag dann Regen, stürmischer Wind und neun Grad. Höchsttemperatur, tagsüber. Aber: Das Freibad hat noch offen, also das „richtige“ Freibad, nicht das „Warmwinterfreibad“, das hat ja immer offen. Und naja, was soll ich sagen – da musste ich natürlich hin. Bissl verrückt, ich weiß. Also in die Regenklamotten, trockene Klamotten in den Rucksack zu den Schwimmsachen, und los, auf ins Schyrenbad. Und schon beim Radln durch die Stadt merke ich, dass 9 Grad ziemlich kalt sind. (Hatten wir lange nicht!). Und dass der Wind das Ganze nicht besser macht. Zum Glück habe ich aus der Erfahrung vom Freitag gelernt und meine Ohrenstöpsel eingepackt.

Im Bad ist es erstaunlicherweise nicht leer, ein paar Tapfere und zwei mit Neoprenanzug ziehen ihre Bahnen. Das Wasser dampft – ein gutes Zeichen, es scheint warm zu sein. Oder zumindest nicht kalt. Ich steige ins Becken, es ist frisch. Tauche unter, schwimme Brust. Kalt. Aber ich weiß auch, dass es gleich besser wird. Wenn ich mich dran gewöhnt habe. Und so ist es dann auch. Aus Erfahrung weiß ich, dass Kraulen bei diesen Bedingungen am besten funktioniert. Mein Mitschwimmer und ich sind uns nicht im Weg, so kann jeder sein Tempo schwimmen ohne überholen zu müssen.

Es klappt erstaunlich gut mit der Kälte, es fühlt sich gar nicht so kalt an. Ich schaffe am Ende zwei Kilometer, das muss reichen. Denn irgendwann merke ich schon, wie mein Körper auskühlt. Wie der kalte Wind den Arm in der Überwasserphase streift und wie mir die Kälte zu schaffen macht. Ich befürchte zudem, dass mir schwindlig wird. Auch das ist im kalten Wasser schon vorgekommen. Also lasse ich es gut sein – und will gar nicht aus dem Becken. Denn draußen ist es noch viel scheußlicher. Der Wind hat schon die Flip-Flops von jemandem quer über die Steine geweht (ich dachte anfangs, wer hier seine Schuhe so verteilt abstellt…). Es hilft nix: 1-2-3 – los! Ohmann! Der Weg über die Wiese zur Dusche ist weit. Und wird nicht kürzer. Ohje! Irgendwann ist es bewältigt, ich kann einen Schluck heißen Tee trinken und mich unter die warme Dusche (nicht zu warm, der Kreislauf!) stellen. Schön!

Das Heimradln ist dann nochmal eine Herausforderung, Handschuhe wären gut gewesen, habe ich aber nicht.

Der Sonntag meint es gut mit uns: Die Sonne strahlt von einem blauen Himmel, dass es eine Freude ist. Die Luft ist nach wie vor kalt, so dass ich guten Mutes ins Schyrenbad fahre. Tatsächlich ist weniger los als gedacht. Das Schwimmen ist toll! Die Sonne scheint, das Wasser ist frisch – so macht es Spaß. Ich komme ziemlich schnell in einen guten Flow und die Meter ziehen nur so an mir vorbei. Eigentlich dachte ich, dass ich mich mit zwei Kilometern zufriedengeben muss. Wegen der Kälte und wegen vielleicht mehreren Mitschwimmern. Aber wir waren konstant zu viert auf der Bahn, es lief reibungslos und auch die Kälte war nicht so schlimm. Also habe ich noch 500 Meter draufgesetzt und dann war Schluss. Wegen der Vernunft, denn ich habe die Kälte dann im Körper gespürt und auch, dass meine Kraft stark nachgelassen hat. Und so bin ich beschwingt-befriedigt mit mir und der Welt, der Weg zur Dusche ist gar nicht so weit und der heiße Tee nicht so dringend. Als ich mich dann kurz auf eine Bank setze, um meine Banane zu essen, setzt ein kleines Kältezittern ein. Ach, Eisschwimmsaison, du bist schon viel näher als wir alle wahrhaben wollen!

Ungefähr so war das Wetter am Sonntag. (das Bild ist vom September 2019)

Und heute – am Montag – ist Endspurt. Nur noch drei Tage ist das Schyrenbad geöffnet. Am Mittwoch, 30. September, ist der letzte Tag. Noch drei Mal Freibad, dann mal sehen. Über Nacht sind Wolken aufgezogen, es nieselt manchmal. Und es ist wieder kalt, 7 Grad, an der Hauswand. Naja. Wird schon gehen, ging am Samstag ja auch, da war es auch noch windig. Also alles eingepackt und los. Ich habe Glück, komme ohne Regen im Bad an. Es sind einige wenige Schwimmer da, interessanterweise alle nur in Badebekleidung, ohne Neoprenanzug (das hatten die Stadtwerke auf Facebook empfohlen…). Dass das Becken nicht gedampft hat, hätte mich schon stutzig machen sollen … Ich gleite ins Wasser, das ist kalt. Klar, war es ja die letzten Male auch. Ich starte, ermahne mich noch, nicht zu schnell zu schwimmen. Erstmal ans Wasser und die Temperatur gewöhnen. Zwei Bahnen Brust, dann wird gekrault. Irgendwie ist es echt kalt. Kälter als am Samstag. Ich bin noch nicht mal bei Bahn 10, da spüre ich schon, wie meine Muskeln hart werden. Wie soll ich es da bis Bahn 40 aushalten? Und mein kleiner Zeh links, der fühlt sich auch irgendwie komisch an. Das hatte ich noch nie. Bahn 16 – vielleicht mache ich nur 1,5 Kilometer? Dann wäre das jetzt die Hälfte. Ohje! Nochmal so lang schwimmen? Ich glaub, das schaffe ich nicht. Ich bin schon fast komplett steif, der Zeh fühlt sich komisch an, ich meine, Schwindel zu spüren und kann das Schwimmen leider gar nicht mehr genießen. Obwohl ich inzwischen allein auf meiner Bahn bin, links und rechts neben mir ziehen Männer in Badehosen ihre Runden. Und dann treffe ich ganz spontan eine Entscheidung: 20 Bahnen, das muss heute reichen. Das ist nur ein Kilometer, normalerweise würde ich für so eine kurze Strecke überhaupt nicht ins Freibad fahren oder die Sachen einpacken. Aber es hilft nichts, mir ist so dermaßen kalt, dass ich nur noch aufhören will. Aufhören muss. Ohmann! Das ist echt schade. Aber ich kann ja nicht mal mehr denken. Und so stemme ich mich aus dem Wasser, laufe über die kalte Wiese den weiten Weg zur Dusche. Habe Glück, dass sie frei ist und ich mich ein bisschen normalisieren kann. Eine Frau erzählt mir dann noch, dass das Wasser heute nur 21 Grad (statt 23-24) hatte. Kein Wunder nach der kalten Nacht! Und dann war mir auch klar, warum es mir so schnell kalt wurde.

Beim Heimradln fängt es jetzt doch noch zu regnen an. Naja. Auf dem Heimweg ist es nicht so schlimm. Nur Handschuhe, die hätte ich tatsächlich gut gebrauchen können! Morgen dann!


Wasser auf Wasser

Was ist das Tollste am Schwimmen? Also, von „außen“ betrachtet? Dass man es bei jedem Wetter machen kann – im Freibad wohlgemerkt. Sonne, Wolken, Sturm, Regen – egal. Nur Gewitter schränken das Schwimmvergnügen ein. Vorteil im Freibad: Man kann es trotz dicker Wolken und latenter Gewittergefahr versuchen. Zum einen ist man immer schnell aus dem Becken, zum anderen hat die Badeaufsicht das Wetter im Blick und wir Schwimmer können uns auf unseren Sport konzentrieren – anders als im See, wo ein solches Unterfangen leichtsinnig und lebensgefährlich wäre.

Wetterbericht für Schwimmer

Gestern hingen dicke, graue, schwere Wolken über München. Es hat schon hin und wieder mal getröpfelt, starker Regen und auch Gewitter waren vorsorglich angekündigt – ab Nachmittag. Deshalb die Mittagsstunden schnell genutzt, trockenen Fußes ins Freibad gekommen und dann gestartet. Das Licht ist unbeschreiblich, mystisch. Vor allem, als die Sonne durch eine klitzekleine Lücke geblinzelt hat und nur den einen Baum am Beckenrand wie mit einem Spotlight angestrahlt hat. Kaum war die Lücke geschlossen, setzte ein heftiger Prasselregen ein. Das war herrlich! Der Regen war so stark und dicht, dass ich ihn unter Wasser auf meinem Rücken spüren konnte. Und beim seitlichen Atmen die Tropfen das Luftholen etwas erschwert haben. Als ich Brust geschwommen bin, habe ich gesehen, wie die großen, schweren Tropfen von der Wasseroberfläche zurückgesprungen sind!

Beim Rückenschwimmen ließ ich mir den Prasselregen ins Gesicht tropfen. Eine Art Massage! Und dank Schwimmbrille waren die Augen ja geschützt. Beim Radfahren ist so ein Regen immer ziemlich störend, die Sicht ist behindert, die Brille fast undurchsichtig und das Vorankommen schwierig. Aber im Wasser – herrlich!

Begleitet wurde das Schwimmen natürlich von der bangen Befürchtung, dass das Vergnügen gleich vorbei ist, weil der Regen mit einem Gewitter im Verbund steht. Doch ich hatte Glück, ich konnte meine Einheit beenden, ohne aus dem Becken beordert zu werden. Und nass war ich ohnehin!


Frei schwimmen

Was macht das Schwimmen so schön? So besonders? Für mich zählen dazu: die Leichtigkeit im Wasser, das Schweben, das Gleiten, die Ruhe. Denn dank Wasser im Ohr nehme ich Geräusche nur gedämpft war. Das ist schön in unserer doch sehr lauten und oft hektischen Welt. Aber es gibt noch etwas, das das Schwimmen für mich ausmacht: Ich kriege den Kopf frei. Es zählt nur noch das Wasser und ich. Hin und her und hin und her und hin und her. Dabei zähle ich meine Bahnen, muss mich also in gewisser Weise konzentrieren. Doch diese stupide Zählerei schafft es meistens, dass ich den Kopf frei kriege. Und dann kommen neue, gute Gedanken und Ideen.

Allerdings klappt das nicht immer. Und dann schwimme ich auch nicht mehr schön, ich fühle das Wasser nicht, ich haue einfach nur rein – und es macht eigentlich auch keinen Spaß.

Kürzlich habe ich ein Interview mit André Wiersig gelesen. Der Extremschwimmer hat in einem Jahr alle sieben Meerengen bezwungen. Also zum Beispiel den Ärmelkanal oder die Straße von Gibraltar. In der Cook-Strait, die die beiden neuseeländischen Hauptinseln trennt, gibt’s wohl die krassesten Wellen überhaupt. Das Begleitboot war dem Kentern nahe, aber Schwimmer Wiersig hat den Wellen getrotzt. Seine „Geheimwaffe“: „Ich gebe alles ab, auch Erwartungen , und bin dann ganz leicht.“ Er meint das auch im übertragenen Sinne. Und ich kann das gut verstehen.

Es ist mir auch schon ein paar Mal gelungen, dass ich so einen negativen Gedankenstrom stoppen konnte. Und dann lief das mit dem Schwimmen – wohlgemerkt im Becken – gleich viel besser. An einmal kann ich mich ganz konkret erinnern: Es war der letzte Freibad-Tag, ich hatte trotz Sonnenscheins die ganze Bahn für mich allein. Aber es flutschte nicht. Weil ich die ganze Zeit grübelte, wie ich das mit der Radreparatur am nächsten Tag machen soll. Vor der Arbeit oder danach oder in der Mittagspause. Für alle Varianten gab’s pro und contra. Und dann hab ich mich quasi wachgerüttelt: „Petra!! Es ist der allerletzte Freibad-Tag. Dein Tag. Ab morgen ist wieder Halle oder warmes Wasser angesagt. Du solltest das hier genießen! Über das Rad kannst du in einer Stunde immer noch nachdenken!“. Und was soll ich euch sagen? Es hat funktioniert! Ich habe die Radgedanken in eine Schublade gesteckt und dann hat das Schwimmen ganz prima geklappt. Ich war, wie ich es im Nachhinein bei André Wiersig gelesen habe, ganz leicht. Und frei. Und dann kam der Flow und so wurden es vier Kilometer (statt meiner üblichen drei). Und anfangs dachte ich noch, dass ich nicht mal die Hälfte schaffen werde.

Leider klappt es nicht immer, dass ich meinen Kopf frei machen kann. Manchmal beschäftigen mich andere Dinge zu sehr, dass ich den Aus-Knopf nicht finden kann. Ich glaube, das ist auch ganz normal. Aber ich arbeite daran, denn das ist doch das Schönste am Schwimmen – dass man ganz leicht und schwerelos wird und auch der Kopf frei wird. Vor allem, wenn man ganz allein auf der Bahn schwimmt, muss man schließlich auf nichts achten – und vor allem hat man keinen Straßenverkehr, wie beim Rennradln oder Laufen.


Endlich Freibad!

Ich konnte es kaum glauben, als ich am Freitag, 22. Mai, auf Facebook einen Link sah, der besagte, dass Markus Söder sagte, dass die Freibäder in Bayern am 8. Juni öffnen dürfen. Mein Herz hat einen Hüpfer gemacht, ohne Scheiß! Ich hatte Tränen in den Augen, weil ich mich so gefreut hab. Dann hieß es natürlich: Warten. Weiter warten. Fast wie als Kind in der Adventszeit … und dann kamen Meldungen von Bädern, die es nicht schaffen, am 8. Juni zu öffnen. (Übrigens haben die Bad-Betreiber auch aus den Medien erfahren, dass sie öffnen dürfen. Vielleicht habe ich es sogar früher gesehen als manch Bad-Betreiber… eigentlich unglaublich). Naja.

München ist gleich mal vorgeprescht und hat gesagt, dass einige Bäder am Montag, 8. Juni, öffnen. Man bereite alles vor (weil es vom März inzwischen wieder schmutzig war, Laub im Becken usw.). Aus Germering wusste ich, dass sie startklar sind, weil im Fliesenbecken Wasser sein muss und das war beheizt und wurde umgewälzt, weil sonst Algen wachsen. Alle Bäder haben sich was wegen der Hygiene- und Abstandsregeln überlegt, jetzt wurde da fleißig gewerkelt (vielen Dank!!). Und dann, ja dann kam, was kommen musste. Eine Wettervorhersage, die den Stadtwerken München nicht „schön“ genug war. Und so gab’s am Freitag dann die Information, dass die Bäder erst am Donnerstag (in Bayern ein Feiertag), 11. Juni, öffnen. Ohmann! Ich war sauer. Wütend. Enttäuscht.

Schlechtes Wetter…

Aber: Auf Germering ist Verlass. „Wir öffnen und sind eigentlich froh über das eher untypische Freibad-Wetter.“ Wir Sportschwimmer wissen ja eh, dass das die besten Tage sind. Und unter den neuen Voraussetzungen lässt sich da doch gleich ein Testlauf veranstalten.

Also, ich heute Morgen aufs Radl (radln bin ich ja jetzt gewöhnt) und ab nach Germering. Das sind 20 Kilometer, nicht gerade um die Ecke, aber machbar. Ich war so aufgeregt, ob ich alles eingepackt habe, dass ich gleich mehrmals meinen Rucksack überprüft habe. Und dann radle ich los, bin voller Vorfreude (fast wie beim Eisschwimmen) und male mir aus, wie es sein wird. Werden viele Leute da sein? In Germering kann man nichts online buchen, es geht das Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Bissl „zocken“, dafür fair (weil wenn jemand geht, kann wieder jemand rein – sollte es zu voll sein). Naja. Das Wetter ist nicht schlecht, morgens ist es kühl und bewölkt – also: ideal. Während ich also so vor mich hinradle, schwanke ich zwischen: Alle, alle, alle werden gleich am Vormittag zum Schwimmen gehen, weil sie es nicht erwarten können – und: ach, bei dem Wetter, da sind die üblichen Verdächtigen, das Bad ist groß, wird schon werden. Und natürlich male mich mir aus, wie es sein wird, wieder im Wasser zu sein. Bis auf ein paar Oma-Schwimmausflüge im See war ich ja an Land. Wie wird es sich anfühlen? Wie anstrengend wird es sein? Kann ich noch schwimmen? Kommt der Flow?

Dann bin ich endlich da. Puh – auf dem Auto- und Radlparkplatz nur wenige Fahrzeuge. Immerhin. Eine Menschenschlange ist auch nicht zu sehen. Dafür ein Bauzaun, der Ein- und Ausgang trennt.

Ein- und Ausgang getrennt

Ein paar Schwimmer kommen raus – mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Ohmann! Endlich! Ich auch will! Am Eingang stehen zwei Security-Männer. Der eine sagt: Jetzt gehen grad vier raus, der andere nickt. Und ruft mir zu: „Hier bitte Hände desinfizieren und dann hier Kontaktdaten eintragen.“ Ich befolge die Anweisungen, die Gesichtsmaske habe ich schon über Mund und Nase gezogen. An der Kasse bezahle ich meinen Eintritt, dann geht’s durchs Drehkreuz.

Innen und im Kassenbereich muss man Masken tragen. Das kennen wir ja schon…

Kein Mensch weit und breit. Dafür Hinweiszettel zum Abstandhalten. Die Innenumkleide ist geschlossen, aber draußen ist offen. Es gibt auch Spinde für Wert- und Badesachen. Also eigentlich alles wie immer.

Die Duschen sind gesperrt, von den drei Waschbecken ist das mittlere blockiert und bei den Toiletten ist nur jede zweite benutzbar, die anderen sind abgesperrt und mit Schildern versehen.

Nur jede zweite Toilette darf benutzt werden

Als ich zum Becken gehe, schiebt sich die Sonne zwischen den Wolken durch, um mich zu begrüßen. Es klingt nach Freibad, zwei Jugendliche springen vom Zehner und landen mit einem saftigen Platscher im Wasser. Oh, wie ist das schön! Der Sound des Sommers. Dann geht’s die letzten Meter zum 50-Meter-Sport-Becken. Türkis-leuchtend liegt es vor mir. Einige Menschen schwimmen, maximal zwei auf einer Bahn. Neu ist, dass auch der „Planscher“-Bereich Leinen bekommen hat. Da sind zwei Zweibahnen abgetrennt, auch die „Normalschwimmer“ müssen jetzt im Kreisverkehr schwimmen.

Ordnung gilt jetzt auch im „freien“ Bereich

„Bei den Sportschwimmern hat sich nichts geändert, die kennen das ja eh“, sagt mir der Schwimmmeister Holger. Ich frage ihn auch, ob er Tipps hat: nicht zu viel wollen beim ersten Mal nach so langer Pause. Ich versuche, es mir zu Herzen zu nehmen.

Abstand halten auch im Wasser am Beckenrand

Die Vorfreude ist einfach zu groß! Jetzt bin ich wirklich kribbelig und hibbelig. Ich setze Kappe und Brille auf, suche mir eine Bahn aus. Sie sind zu zweit, doch der Mann am Rand ist soeben fertig. Kurzer Ratsch: „Ich hätte nach 200 Metern nicht gedacht, dass ich 2.000 schaffe“, sagt er. Ui, denke ich mir. Er wünscht mir viel Spaß und ich lasse mich ins Wasser gleiten. ENDLICH! Oh, wie schön. Es ist mit 25 Grad genau richtig bei dem kühlen Sonnewolkenmix. Ich starte, wie immer, mit Brust. Es ist gut. Es ist schön. Es ist: wackelig. Ich schwanke zwischen Grinsen und Tränenverdrücken. So schön, wieder im Wasser zu sein! Und: 50 Meter sind ganz schön weit. Ich hab innerlich noch gelacht, als der Schwimmmeister gesagt hat, wie es ihm geht, wenn er von Winter und 25-Meter-Bahn auf die lange Bahn im Sommer umsteigt. Ich kenne das ja nicht, habe ja auch im Winter dank Olympiaschwimmhalle 50 Meter. Und jetzt: Puh… naja. So schlimm ist es nicht, aber es dauert. Dann komme ich an, atme durch und es geht zurück. Die ersten vier Bahnen sind immer Brust. Ich spüre meinen Körper, ich versuche die Bewegungen trotz aller freudiger Aufregung ordentlich und kraftvoll zu machen. Es fühlt sich gut an. Doch mir wird ein bisschen schwindlig. Naja, das wird sich schon geben mit der Zeit.

Dann ist Kraulen angesagt. Das habe ich jetzt tatsächlich seit 16. März nicht mehr gemacht. Die gute Nachricht: Ich kann es noch. Die schlechte: Es ist nicht besser geworden. Ich liege unruhig im Wasser, das spüre ich deutlich. Und durch das Geschaukel von mir und dem Wasser wird das Schwindelgefühl stärker. Hoffentlich geht das wieder weg! Ich versuche mich auf die Schwimmbewegung zu konzentrieren. Das geht und ich versuche, auch etwas Abdruck auf die Hand zu bekommen. Auch das klappt. Und so zähle ich Bahn für Bahn und schwimme so vor mich hin. Nach zehn Bahnen denke ich, dass Abwechslung gut wäre und will Rücken schwimmen. Der Sonne-Wolken-Himmel ist schön, das Rückenschwimmen klappt gut – aber an der Wende ist mir so schwindelig wie im kalten Wasser, ich muss auf die Bauchlage wechseln. Und hoffen, dass es besser wird. Es wird zwar im Laufe der nächsten Bahnen besser, aber es geht nicht weg. Das ist schade und vermiest mir meinen schönen ersten Freibadtag ein bisschen. Zeitweise bin ich sogar allein auf der Bahn, aber ich kann es gar nicht richtig genießen. Und weil ich auch nicht übertreiben will und soll, beschließe ich, dass es für heute mit 2.000 Metern (statt 3.000) gut sein soll.

Zum Abschluss und auslockern schwimme ich dann noch Rückenbeine. Das tut gut, ich merke aber, dass meine Körperspannung nachgelassen hat. Das werde ich also beim nächsten Mal auch zwischendurch machen. Und vielleicht auch ein Brett mitnehmen, um an der Wasserlage zu arbeiten. Als ich mein Pensum dann geschafft habe, bin ich zwar irgendwie glücklich, aber das Schwindelgefühl übertüncht das Ganze. Ich bin ohne Witz seekrank geworden!

Trotzdem war es ein sehr schönes Gefühl und ich werde die nächsten Tage auch wieder schwimmen gehen. Mit Ohrenstöpseln, vielleicht hilft das gegen den Schwindel? Und mit ein bisschen Technik im Programm. Wenn so wenig los ist im Becken, kann ich die Zeit dazu gut nutzen.

Das Wichtigste ist aber: Das Chlorhuhn war endlich wieder im Chlorwasser!

Daheim angekommen, zeigt das Thermometer an der Hauswand (Nordseite!) fast 20 Grad und die Sonne schaut regelmäßig zwischen den Wolken raus. So sieht „schlechtes Wetter“ aus.

Ein Leben ohne Schwimmen ist möglich, aber sinnlos

Jetzt dauert diese Corona-Sache schon über 2 Monate. Eigentlich länger, aber die Bäder sind seit über zwei Monaten geschlossen. Und wie das bei einem Junkie so ist, fällt der Entzug dank „Ersatzdrogen“ erst später auf. Also jetzt.

Radln als Ersatzdroge

Ich habe gestern einen Fernsehbericht über die Freibäder in NRW gesehen, die wieder geöffnet sind. Glückliche Menschen, die im Becken ihre Bahnen ziehen. Da war ich neidisch (bin ich normalerweise nicht) und traurig. Denn bei uns in Bayern gibt’s in Sachen Freibad noch nicht mal eine Perspektive!

Ich gehe doch am liebsten schwimmen, wenn keiner da ist.

Als der Mann im Interview am Beckenrand dann auch noch geschwärmt hat, wie schön es ist, wieder im Wasser zu sein, Bahnen zu ziehen und den Flow zu spüren, war ich ehrlich den Tränen nahe. Denn da wurde mir schmerzlich bewusst, wie SEHR ich das Schwimmen vermisse! Das Eintauchen ins Wasser, die ersten Züge. Dann meine Kraft und gleichzeitig die Schwerelosigkeit. Und dann der Flow! Wenn ich funktioniere wie ein Uhrwerk. Ein Zug nach dem anderen. Immer weiter. Schwebend und kraftvoll. Das gibt’s nur im Schwimmbecken! Ich will auch wieder!

Ja, geh doch ins Freiwasser, werden jetzt einige sagen. Aber: Für mich ist das einfach nicht dasselbe! Der See ist schön, aber im Hochsommer „Notlösung“, jetzt zu kalt für richtiges Schwimmen und zu warm für Eisschwimmkicks. Und einen Neo habe ich nicht und will ich auch nicht.

Auch schön, aber kein Ersatz: Regattabadesee

Deshalb bin ich seit der Schließung hauptsächlich mit dem Rennrad unterwegs. Das ist schön. Keine Frage! Ich merke, wie ich besser werde. Wie ich mich besser auskenne und Neues entdecke. Holzofenbrot in Kollbach…

Oder auf einer neuen Route dieses kleine Verkaufshäusl. Sehr nett gemacht und ich habe auch mal Eier da gekauft.

Oder der Natur zuzuschauen, wie sie aufblüht und dann auch wieder verblüht. Der Raps ist inzwischen nicht mehr so gelb wie vor ein paar Wochen noch. Oder der eine Baum, der so toll ganz in weiß geblüht hat: jetzt ein normaler Baum (und ich habe es verpasst, ein Foto zu machen!).

Der Raps blüht inzwischen fast nicht mehr…

Ich war zwischendurch auch im Wasser. Im Regattabadesee, zum Beispiel kurz vor dem Regen. Das war schön. Aber kein Ersatz!

Tolle Stimmung kurz vor dem Regen

Also auch keine Option…

Oder in der Regattastrecke. Da kann man unterhalb der Tribüne schwimmen. Das war auch schön. Das Wasser ist so klar, dass man den Grund sieht. Geknickte Optik, wenn man nur mit Kopf über Wasser schwimmt. Aber dann kamen unglaublich viele Wasserpflanzen, das ist nicht meins. Dann bin ich umgedreht. Und als ich mich umgezogen habe, hatte ich lauter Dreck unter dem Badeanzug… also auch keine Option für mich…

An der Regattastrecke
Klares Wasser und viele Pflanzen

Heute beim Radln war es auch schön, aber ich bin trotzdem traurig. Denn es war ideales Freibad-Wetter: warm und zum Teil dicke, fette Wolken, die aber harmlos sind. Doch sie halten die Mehrheit der Menschen vom Freibad-Besuch ab und so habe ich da oft meine Ruhe (Stichwort: Abstand!). Und wenn man dann nach dem Schwimmen etwas ausgekühlt ist und am Beckenrand auf den warmen Steinen sitzt, freut man sich über jeden Sonnenstrahl, der einen wieder aufwärmt. Und hofft, dass die dicke Wolke schnell weiterzieht.

Ich hoffe jetzt, dass die dicke Wolke namens „Corona-Vorsichtsmaßnahme“ auch weiterzieht und sich die Politik und Badbetreiber für eine Öffnung der Freibäder durchringen kann. Natürlich unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln. Das haben wir ja alle verstanden! Nur, warum das Freibad im Sommer geschlossen ist, während Fußball gespielt wird, der Biergarten und die Geschäfte offen haben, das verstehe ich nicht!


Erster 1. Mai ohne Freibad

Heute bin ich traurig. Richtig traurig. Denn der 1. Mai ist „mein“ Feiertag. Ja, klar, das ist in ganz Deutschland und vielen Ländern Europas ein Feiertag. Aber heuer – dank Corona – eben nicht „meiner“. Denn normalerweise öffnen am 1. Mai die Freibäder. Aber was ist schon normal in diesen Tagen, Wochen, Monaten? Seit Mitte März sind die Bäder geschlossen, Schutz vor Ansteckung. Sollte mal zwei Wochen dauern, jetzt sind es sechs Wochen.

Dicke Wolken und Wasser – das wäre das ideale Freibadwetter für mich.

So lange nicht schwimmen – das gab’s nicht, seit ich regelmäßig meine Bahnen ziehe. Nicht mal 2014 nach meinem Radlunfall. Da lag ich im Krankenhaus und musste mich auch danach auskurieren, aber nach drei Wochen durfte ich wieder schwimmen. Das hatte zwar wenig mit „Schwimmen“ zu tun, war aber unglaublich wichtig für meine seelische Gesundheit.

Und genau die ist heute überhaupt nicht gut. Weil ich inzwischen einen Lichtblick brauche. Eine Perspektive. Und ja, mir geht’s neutral betrachtet, nicht schlecht. Ich habe Arbeit, kann Rennrad fahren, meine Familie und Freunde sind gesund. Ich habe weder pflegebedürftige Eltern noch Kinder, die daheim lernen müssen und auch ihre Freunde nicht sehen können.

Über 100 Kilometer mit dem Rennrad – das geht nur dank guten Trainings …

Und dennoch schlägt mir die Corona-Situation heute ganz besonders aufs Gemüt. Weil keiner weiß, wie es weitergeht. Und ob die Bäder überhaupt öffnen dürfen. Dabei hat sich der Bäderverband schon Gedanken gemacht, wie man ein Hygienekonzept umsetzen kann. Es ist die Rede davon, dass man die Duschen sperrt und dass Eintrittskarten vorab gekauft werden müssen, wie bei einem Konzert, zum Beispiel. Das wäre doch ok. Duschen kann man auch daheim (hab ich die letzten sechs Wochen getestet, geht prima) und wenn weniger Leute im Becken sind, ist es eh entspannter. Das kenne ich ja nur zu gut. Und selbst wenn das bedeutet, dass man nur zweimal pro Woche seine Bahnen ziehen kann (statt sieben Tage die Woche), dann ist das noch immer besser als jetzt.

Normalerweise wäre ich heute freudig aufgewacht. Es ist nämlich das perfekte Freibadwetter: Wolken, ab und zu Regen, mit etwa 16 Grad nicht zu kalt und definitiv kein Wetter, das die Massen ins Bad lockt. Aber nein – nix ist. Als ich mir dann dachte, dass ich doch mit dem Rennrad eine Runde drehe und vielleicht auf dem Rückweg kurz in einen See springe, fängt es just zu regnen an, als ich aus der Haustür trete. Dazu dunkle Wolken, keine Ahnung, ob es bei den paar Tropfen (der Himmel weint!) bleibt, oder ob es wie vorhergesagt, stärker zu regnen anfängt.

Das wäre Plan B gewesen, aber bei Regen radlen und nasse Klamotten am See – naja. Muss nicht sein.

Ich packe also das Rad zurück in den Keller und beschließe, stattdessen spazieren zu gehen. Da kommt doch glatt die Sonne wieder raus! Ich bin etwa eine Stunde unterwegs: Die Sonne kommt raus, wärmt. Dicke Wolken schieben sich drüber, es wird kühl und dunkler. Irgendwann fallen ein paar Tropfen. Ich werde traurig. Denn genau das hätte ich jetzt gern im Wasser erlebt. Wie schön ist es, wenn man schon etwas ausgekühlt ist und dann die warmen Sonnenstrahlen auf dem Rücken spürt! Wie schön ist es, wenn es auf einmal unter Wasser leuchtend hell wird, das Edelstahlbecken die Sonnenstrahlen reflektiert! Und wie interessant ist der Wechsel hin zum Dunkel! Und dann sieht man auf bzw. unter der Wasseroberfläche, wie es leicht regnet, wie die Tropfen eine Delle in die Oberfläche machen und sich dann im Wasser aufzulösen scheinen. Nie habe ich intensiver als beim Schwimmen wahrgenommen, dass sich die Lichtintensität während des Regens verändert. Es wird heller, doch trotzdem regnet es noch. Wie schön ist es zu wissen, dass man schon zwei Kilometer geschafft hat und das Wasser warm genug ist, dass auch der letzte Kilometer noch geht! Wie schön ist der Gedanke an die warme Dusche nach dem Schwimmen! Das nasse Gras unter den Füßen zu spüren, auf dem Weg zurück zur Umkleide. Wie egal ist das Wetter im Freibad, denn die Klamotten sind im Trockenen! Wie sehr vermisse ich das gerade!

Meine Sehnsucht nach dem Schwimmen – und damit nach einem Stück Normalität – ist unermesslich. Das Rennradfahren ist schön, keine Frage. Ich war und bin froh um die Abwechslung. Doch so ohne Freibad ist es keine Abwechslung mehr. Da können die Touren noch so schön sein …

Auf einer meiner Touren hat der Raps trotz Wolken sehr gelb geleuchtet.

Mäh!


Fisch mit Fahrrad

Drei Wochen ohne Wasser. Drei Wochen ohne Schwimmen. Drei Wochen ohne Chlor. Drei Wochen duschen zuhause. Klingt dramatisch – ist es aber gar nicht! Ich muss zugeben, ich bin selbst erstaunt. Zum einen, weil die Dusche daheim funktioniert (ok… daran habe ich auch nicht gezweifelt), zum anderen, weil es mir eigentlich ganz gut geht damit.

Natürlich vermisse ich das Schwimmen, meine Routine, den Flow und das Treffen von Freunden und Bekannten. Aber ich habe mich erstaunlich schnell an die neue Situation gewöhnt. Das frühlingshafte Wetter hat daran sicher einen großen Anteil. Und zum Glück dürfen wir in Bayern ja (anders als in Italien zum Beispiel) raus an die frische Luft und Sport machen. Und das bietet sich ja an, wenn die Sonne scheint und kaum Wind weht. Schon in der ersten Woche habe ich das Rennrad aus dem Keller geholt und die ein oder andere Runde gedreht. Da hat es sich aber noch nach „Trotz“ angefühlt, ich wollte es mir schön reden, dass ich mal nicht in die Halle „muss“, sondern tatsächlich das Frühlingswetter nutze. Zwischendrin war’s dann wieder ziemlich kalt, mit Nachtfrost und eisigem Ostwind tagsüber. Aber jetzt ist der Frühling da und ich muss sagen, dass ich ganz zwang- und trotzlos das Rennradfahren genieße.

Ich lasse mir den Fahrtwind um die Nase wehen, ich freue mich über die wärmenden Sonnenstrahlen, ich rieche die Frühlingsluft (und kaum Abgase, weil tatsächlich weniger Verkehr ist) und freue mich an der bunten Blütenpracht. Ich rolle dahin und fühle mich fast ein bisschen wie im Urlaub. Denn die alte „Zeitrechnung“ ist größtenteils aufgehoben: Es gibt keinen heftigen Feierabendverkehr, den ich meiden will. Und wie auch im Urlaub dauert es zwei, drei Tage, bis ich mich an den anderen Tagesablauf gewöhne und es genießen kann. Einziger Unterschied: Im Urlaub will ich aus meinem Trott gerissen werden, jetzt wurde ich sozusagen staatlich verordnet aus dem Trott gerissen. Es tut mir gut. Ich kann es genießen – eine neue Form von Freiheit. Ironischerweise. Denn gerade das ist ja eingeschränkt: unsere Freiheit.

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Im Hallenbad hätte ich das nicht gesehen!

Aber wenn ich ehrlich bin, war es manchmal schon zwanghaft, das mit dem Schwimmen. Und einfach Routine, wie zur Arbeit gehen. Das macht man ja auch, ohne es zu hinterfragen. Vielleicht habe ich das auch mal gebraucht, um zu sehen, dass ich nichts verpasse, wenn ich mal nicht schwimmen gehe. Dass auch andere Sachen Spaß machen, dass Schwimmen nicht per se das „bessere Angebot“ ist.

Ok, jetzt ist es natürlich auch „unnatürlich“, denn ich kann ja gar nicht schwimmen gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es SICHER ganz leer ist, wenn ich grad mal nicht im Bad bin. (Ich weiß, dass es ganz leer ist.. hihi). Es ist schwer in Worte zu fassen. Aber ich bin froh, dass ich für mich einen Weg gefunden habe, mit der neuen und seltsamen Situation umzugehen. Sorgen mache ich mir natürlich schon, vor allem darum, wie es „nach Corona“ weitergeht. Wird es viele Arbeitslose geben? Werden liebe Menschen schwer krank werden? Was ist mit unserer Demokratie? Freiheit? Sicherheit? Reisen? Wann wird es wieder „normal“ werden? Und natürlich auch: Werden die Bäder wieder öffnen? Denn ganz ehrlich: Die Freibadsaison steht vor der Tür, ein Sommer ganz ohne Schwimmen, das ist schwer vorstellbar!

Aber wie heißt es so schön: Von allen Sorgen, die ich mir machte, sind die meisten nicht eingetroffen.“ Das ist von Sven Hedin, einem schwedischen Entdeckungsreisenden. Stand mal auf meinem Kalender. Und das ist doch ein gutes Motto – gerade jetzt.