Monatsarchiv: Dezember 2017

498 – knapp daneben ist auch verpasst

Der 31. Dezember ist ja in unserer Kultur immer DER Stichtag. Für Jahresbilanzen. Für gute Vorsätze, für große Feiern und: für einen neuen Kalender. In den trage ich dann wieder meine Schwimmergebnisse ein, um nach weiteren 365 Tagen sagen zu können: Ich bin geschwommen. Und nicht nur das, sondern auch: Ich bin soundsoviele Kilometer geschwommen. Heuer waren es 498 Kilometer. Der niedrigste Wert seit den Aufzeichnungen. Sogar im Unfall-Jahr 2014 mit Zwangspause waren es mehr Kilometer (528). Habe ich deshalb mein Ziel verpasst? Äh… nein. Ich hatte nämlich keines. Bissl ärgerlich ist es trotzdem, dass die schöne, runde 500 um nur 2 Kilometer verfehlt wurde. Gezählt werden nur die Kilometer im Becken. Also sind es tatsächlich mehr als 500, weil ich – wenn heuer auch selten – auch im See geschwommen bin.

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279 Freibad-Kilometer waren es 2017 – die meisten wohl hier auf dieser Bahn

Ich habe die Bilanz noch etwas aufgeschlüsselt: Im Freibad-Becken wurden 279 Kilometer absolviert, das heißt, dass „nur“ 219 Kilometer auf die Wintersaison entfallen. Da der „Freibad-Winter“ aber viel länger ist als der Sommer, ergibt sich im Kalender ein Ungleichgewicht. Ich habe noch immer nicht herausgefunden, warum ich im Sommer lieber schwimme. Die naheliegendsten Begründungen: draußen und 50-Meter-Bahn müssen entfallen, denn in München kann man ja das ganze Jahr über draußen und sowohl draußen als drinnen auf einer 50-Meter-Bahn schwimmen. Vielleicht liegt’s am Licht? Also so allgemein? Keine Ahnung. Ich schwimme halt lieber im Freibad. Das ist nicht mit dem Winterwarmfreibad im Dante gleichzusetzen. Ich habe darüber auch schon „Fachgespräche“ mit anderen „Betroffenen“ geführt – denen geht’s ähnlich. Aber eine Erklärung haben auch die nicht. Eher so eine Art „Bauchgefühl“.

Dann habe ich mir meine Statistik nochmal angeschaut. Während ich im Winter zwei bis viermal pro Woche schwimmen gehe, kommt es im Sommer schon vor, dass ich jeden Tag gehe. Da mache ich dann auch mal einen Tag Pause (weil es zum Beispiel zu heiß ist und ergo kein Schwimmwetter), oder weil ich tatsächlich mal Pause mache. Die längste Reihe ohne Unterbrechung gab’s dann von Ende August bis Mitte September (=Ende der Freibadsaison): Da war ich an 15 (fünfzehn!) Tagen hintereinander schwimmen. Je drei Kilometer. Aber am letzten Tag, an Tag Nummer 15, konnte ich wohl nicht genug bekommen: Da waren es vier Kilometer. Dann war aber mal gut – und ich war ganze drei (!!) Tage am Stück nicht im Wasser! Und dann hat die „ruhige“ Zeit angefangen, mit nur zwei Schwimmtagen pro Woche. Zu mehr hatte ich einfach keine Lust.

Erschwerend kam dann ab Ende November die Bauphase II in der Olympiaschwimmhalle dazu: Das große Wettkampfbecken wird saniert, man schwimmt jetzt im Hochschulbecken, das kleiner ist (nur fünf statt acht Bahnen) und ohne Tageslicht. Weil alle fünf Bahnen geleint sind, kommt es da leider immer mal wieder zu  unschönen Begegnungen (ratschende Oma-Brustschwimmerinnen nebeneinander treffen auf hart trainierende Schwimmer), wobei keiner für den anderen Verständnis zu haben scheint („ich will hier ja auch nur schwimmen“ – denken sich beide Parteien und haben Recht – und doch wieder nicht).

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Das umgebaute Schwimmbecken vom Hochschulsport in der Olympiaschwimmhalle

Naja. So ist jedenfalls das Schwimmjahr 2017 zu Ende. Mit zwei Kilometern, die fehlen. Mit wenigen See-Kilometern heuer. Dafür mir vielen „Fremdgewässern“. Ich war im Atlantik, in der Adria, unter der Erde in einem alten Bergwerk, im Bled-See in Slowenien, in Italien im Lago Maggiore, in der Ostsee in Dänemark, Schweden und Finnland. In finnischen Seen. Im eisigkalten Chiemsee, im wärmer werdenden Langwieder See, der dann auch wieder kälter wurde. Und an Land bin ich quasi auch geschwommen: Ich habe eine Reportage übers Eisschwimmen gemacht und einen kurzen Beitrag zum Thema „Immer mehr Nichtschwimmer„. Da folgt im Frühsomer dann auch eine längere Reportage. Das Thema ist einfach zu wichtig. Schwimmen ist nicht nur schön, es ist wichtig. Lebensrettend. Und einfach eine Kulturtechnik wie lesen, rechnen, schreiben.

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Mein Privatpier in Stockholm – herrlich!

Perfektioniert haben es natürlich wir verrückten Hobby-Schwimmer, wie ich. Wir schwimmen, schreiben darüber, lesen davon und rechnen fleißig unsere Kilometer zusammen. Bis am Ende 498 rauskommt. Auch, wenn 500 schöner gewesen wäre …


Endlich Eisschwimmen

Zuletzt waren ja meine „Eisschwimm“-Ausflüge nicht so erfolgreich oder heldenhaft, wie ich das gerne hätte. Darüber habe ich letztes Mal geschrieben – und prompt einen aufmunternden und bestärkenden Kommentar bekommen. Sehr schön.

Das hat mich heute bestärkt, doch weiter zu machen. Und so bin ich zum Langwieder See geradelt. Während in München noch schönster Sonnenschein war, zogen ab der Autobahn Schleierwolken von Nordwesten rein. Deshalb war die Sonne am Langwieder See schon etwas eingetrübt. Dafür lag der See spiegelglatt da – es war eine ganz tolle Stimmung.

Ich habe mich umgezogen und bin reingegangen. Huihuihui! War das Wasser kalt! Echt kalt, nicht nur so kalt-kalt. Ich schaue aufs Thermometer: Es zeigt 6 Grad an. Es ist noch nicht lange genug im Wasser, ich kann direkt sehen, wie die Zahlen kleiner werden. Ich tauche unter, warte kurz ab, und schwimme los. Oma-Brust und im bauchtiefen Wasser, zur Sicherheit. Es ist kalt. Aber es geht. Keine Faust im Bauch, noch spüre ich Hände und Füße. Das bleibt aber nicht lange so, bald werden meine Hände eisig. Aber ich bin tapfer, schaue aufs Thermometer: 4,1 Grad – und schwimme weiter bzw. wieder zurück. Am Ufer entlang, an dieser Mini-Uferstelle. Und dann noch einmal hin und her. Und dann muss es reichen. Die Füße und Beine sind kalt, die Hände sind kalt. Die Kälte schmerzt im Körper. Und ich muss mich ja noch umziehen und heimradln. Also ist es jetzt gut.

Ich gehe an Land, sehe, wie oben am Weg vier Nordic-Walker ungläubig schauen. Sie bleiben dort, ich kann mich ungestört umziehen. Wieder leistet mir meine „mobile Umkleide“ wertvollste Dienste. Meine Zehen sind blau (übrigens auch daheim noch lange), ich spüre sie kaum. Aber ich fühle mich heute nicht wie ein „Mätämuna„, nicht wie jemand, der vorzeitig aufgegeben hat. So hatte ich mich am Samstag im Tegernsee gefühlt. Heute war das Wasser unter 5 Grad und damit „echtes“ Eisschwimmen. Und ich bin viermal hin- und hergeschwommen (etwa 4×18 Meter).

Ich genieße die ruhige Winterstimmung noch kurz mit meinem heißen Tee, dann packe ich meine Siebensachen zusammen und radl heim. Mit eiskalten Fingern und Füßen, die leider auf dem Radl noch kälter werden. Aber das kenne ich schon und daheim tauen sie dann alle irgendwann wieder auf. Ich bin stolz auf mich heute.


Eiskaltes Händchen

Die letzten Male war’s beim Eisschwimmen ziemlich kalt. Das Wasser hatte zwischen 5 und 6 Grad (je nach See und Tag). Das Reingehen klappt ja inzwischen prima.

Doch dann fangen die „Probleme“ an: Einmal fühlte es sich wie ein Schlag in die Magengrube an. Das hat angehalten, als ob mir jemand in den Magen drückt. Sehr unangenehm! Beim Rausgehen war mir dann auch bissl übel. Ich war aber nur kurz im Wasser, weil es so unangenehm war.

Das andere Mal habe ich nach kürzester Zeit eisige Hände. Der restliche Körper war ok. Aber da ich die Hände fast nicht mehr gespürt habe, bin ich gleich wieder aus dem Wasser. Ich war vielleicht eine Minute drin.

Das habe ich mir gegen die kalten Hände besorgt.

Das habe ich mir für bzw. gegen die kalten Finger besorgt: ein Taschenwärmer. Knicken und dann wird’s warm. Kam aber doch noch nicht zum Einsatz.

Ein anderes Mal war es relativ gut. Die Sonne schien, das Wasser hatte 5,4 Grad und ich bin etwa 80 Meter geschwommen. Dann habe ich gemerkt, wie meine Beine immer langsamer wurden. Ich schwimme ja grundsätzlich nur im flachen Wasser am Ufer, wo ich stehen kann. Deshalb ist es kein großes Thema und ich kann gleich rausgehen.

Etwas wellig am Langwieder See – und deshalb auch leichter Wind – oder andersrum!

Heute war ich endlich im besten See von allen, dem Tegernsee!

Herrlichste Winterstimmung am Tegernsee!

Hier ist richtig Winter mit Schnee und kühler Winterluft. Sehr schön! Das Wasser hat 5,1 Grad. Aber irgendwie bin ich zur Zeit ein Weichei (Mätämuna).

Ich habe es nur 20-30 Sekunden (!) ausgehalten, dann bin ich raus. Nix mit „magische zwei Minuten. Nix mit Durchhalten. Was ist da los?

Die Sonne kam erst am Spätnachmittag raus – um mir beim Schwimmen zuzusehen.

Einerseits ist es ja egal, wie lange ich schwimme. Andererseits muss ich daran denken, dass ich da letztes Jahr so viel tapferer war. Und jetzt geht da nix mehr. Hm. Was tun?