Archiv der Kategorie: Schwimmen in der Fremde

Abschied in Raten

Der wahrscheinlich längste Freibad-Sommer aller Zeiten verabschiedet sich in Raten. Nachdem ich mich schon von meinem Daheim-Bad, also dem Sommerbecken im Dante, verabschiedet habe und auch die Freibad-Saison in Dachau trotz Verlängerung vorbei ist, heißt es heute Abschied nehmen in Germering. Auch hier endet jetzt die Zeit im Freibad und das Schwimmen unter freiem Himmel. Auch hier wurde noch verlängert. Probleme mit dem Hallenbad. Haha. Die habe ich immer!

Toller Service! Damit die Leute schwimmen können, bleibt einfach das Freibad geöffnet.

Germering hat eigentlich ein recht attraktives Bad. Es gibt drei bis vier abgetrennte Schwimmerbahnen und meistens kann man in Ruhe schwimmen. Übrigens ist das Bad eine Entdeckung meiner ältesten Schwimmfreundin Diana. Mit ihr war ich zum ersten Mal vor einigen Jahren hier und auch heuer hat sie mich mit dem Auto mitgenommen. Voll der Luxus: mit dem Auto ins Freibad!

Diana wusste lustigerweise auch, dass die Sportfreunde Stiller hier ein Video gedreht haben!

Der Sprungturm ist in „Wellenreiten“ von den Sportfreunden Stiller zu sehen.

Heute und die letzten Male war ich aber mit dem Radl hier. Meine anderen Schwimmfreunde Cissi und Jakob haben nämlich wie ich kein Auto und so bleibt nur das Radl. Aber wenn man die Strecke mal kennt, ist es überhaupt kein Problem hierher zu radln. Genauso wie nach Dachau.

Irgendwie waren Cissi und ich die letzten beiden Wochenenden aber nicht so begeistert von Germering. Wir hatten zwar eine Bahn komplett für uns zwei, aber so richtig wollte sich die Freude darüber und die Freude am Schwimmen nicht einstellen. Woran liegt es? Daran, dass das Becken gefliest ist (und kein Edelstahl)? Daran, dass das Wasser doch ganz schön warm ist? 26 Grad und die Sonne scheint drauf – das ist schon was anderes als 23/24 Grad bei Wolken. Zumal wir kaltes Wasser ja mögen… hm. Ratlos ziehen wir unsere Bahnen und ich habe immer das Gefühl, dass ich kaum voran komme… irgendwie unbefriedigend.

Abendstimmung in Germering

Das war gestern und heute anders! Gestern war’s ziemlich windig, ich war vom Radln etwas ausgekühlt. Und wegen Wolken und Wind war auch das Wasser kühler. Ich schwimme Rücken, Kraul und Brust im Wechsel. Es fühlt sich gut an! Dann, weil ich ganz allein auf der Bahn bin, 1000 Meter Rücken. Herrlich! Den Himmel und die Wolken beobachten, die in einem Affenzahn über mich hinwegziehen. Dann die Sonne auf dem Bauch spüren. Toll!! Weil das Wasser relativ warm ist, schwimme ich im Bikini. Und heute auch. Mit dem Unterschied, dass der Himmel langweilig einfach nur blau ist.

Meine Aussicht beim Rückenschwimmen!

Aber das ist natürlich auch voll schön! Und dann wird mir bewusst, dass es das letzte Mal ist, dass ich im Freibad Rücken schwimmen werde. Ich genieße es. Obwohl andere Leute auf der Bahn sind (und überholen beim Rückenschwimmen blöd ist). Ich denke darüber nach, warum es heute „besser“ geht als letzte und vorletzte Woche. Zeitlich bin ich wohl so schnell wie immer. Aber es fühlt sich besser an. Meine Theorie: ich muss mich an das Becken gewöhnen. Beim ersten Mal in Dachau habe ich mich auch nicht so wohl gefühlt. Ich hatte das schon öfter, dass ich mich fremd fühle und dann nicht so gut schwimme. Also innerlich. Äußerlich sieht es wohl ähnlich aus.

Bissl was war schon los heute. Aber es war Platz für alle!

Und jetzt, wo ich mich an Germering gewöhnt habe, ist hier der letzte Tag. Die Freibad-Saison verabschiedet sich hier mit einem sehr sommerlichen Tag. Blauer Himmel, Sonne und richtig warm! Wenn die Bäume am Rand nicht schon das ein oder andere gelbe Blatt hätten, könnte man glatt meinen, es wäre Sommer! Doch auch die Sonne steht viel tiefer und macht ein sanftes Licht. Ein würdiger Abschied!

Übrigens bin ich nicht die Einzige, die traurig ist, dass der Freibadsommer vorbei ist. Schwimmkollege Lutz hat heute in Taufkirchen/Vils bei freiem Eintritt Abschied genommen.

Abschied von Sommer, Sonne, Bikini und Germering!

Fun-Fact: Neben dem Freibad in Germering ist die Eishalle. Da hat heute die Saison angefangen. So kann Eis-Schwimmen auch sein.

Und weil wir in Germering noch keine Eisdiele gefunden haben bzw. keine auf dem Weg liegt, gibt’s das After-swim-Eis daheim! Sogar aus Finnland! Jäätelö!


Sauna-Päivä in Helsinki

Die Sauna ist in Finnland allgegenwärtig und ihr wisst ja sicher, dass es dort so viele Saunen gibt, dass sich statistisch gesehen zwei Finnen eine Sauna teilen können. Und da könnte man ja meinen, dass in Finnland jeder Tag „Sauna-Tag“ wäre. Aber es gibt einen Tag, der tatsächlich so heißt „Sauna-Päivä„. Hauptsächlich in Helsinki. An diesem Tag im März sind Saunen geöffnet, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit sind: Private Saunen, Saunen im Studentenwohnheim oder im Hotel. Und weil ich ein großer Fan der finnischen Sauna bin, bin ich letztes Jahr extra zum Sauna-Päivä nach Helsinki geflogen. Der nächste Termin ist jetzt am Samstag, 9. März.

Planung

Aller Anfang ist Planung! Um den Sauna-Tag entspannt genießen zu können, ist es sinnvoll, sich bei den verschiedenen Saunen anzumelden. Die meisten Angebote kann man nämlich nur nutzen, wenn man sich angemeldet bzw. eingetragen hat. Den Plan gibt’s hier: https://www.helsinkisaunaday.fi/search und der wird auch ständig erweitert. Reinschauen und dranbleiben lohnt sich also!

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Tervetuloa! Herzlich willkommen beim Sauna-Tag!

Bei den einzelnen Saunen steht auch, was geboten ist und was man mitbringen muss. In aller Regel ein Handtuch. Sinnvoll sind auch Badeschlappen und manchmal auch ein Badeanzug bzw. Badehose. In Finnland wird oft geschlechtergetrennt sauniert, manchmal aber gemeinsam. Und da wird dann Badebekleidung getragen. Und wer es richtig „finnisch“ will, setzt sich einen Sauna-Hut auf. Der soll den Kopf vor zu großer Hitze schützen. Ebenfalls wichtig: Trinken! Wer schwitzt, verliert Flüssigkeit und Mineralien, deshalb viel trinken. Wasser ist immer gut, aber auch Saftschorlen oder ein Bier sind möglich. Und wer den ganzen Tag von Sauna zu Sauna zieht, sollte auch eine Mahlzeit einplanen.

Huopalahden Sauna

Meine erste Sauna am Sauna-Tag war eine ganz besondere: Huopalahden Sauna. Mit dem Zug geht’s nach Huopalahti. Das Wetter an diesem März-Tag ist grau: Die Wolken hängen tief und obwohl es Mittag ist, ist das Licht diffus. Der Schnee auf den Straßen und Gehwegen ist auch grau und leicht matschig. Es ist nicht wirklich kalt, um den Gefrierpunkt. Aber diese graue Feuchtigkeit ist ungemütlich. Genau das richtige Wetter, um in die Sauna zu gehen. Ich verlasse den Bahnsteig, denn die Sauna ist genau am Bahnhof. Kein Wunder, das alte Bahnhofsgebäude aus weißem Holz wird von der Finnischen Bahn nicht mehr gebraucht und so hat es Liisa Akimof 2013 gekauft. Und wie sich das in Finnland so gehört, gehört zum Bahnhof auch eine Sauna. Liisa sägt gerade Holzlatten in kleinere Stücke, als ich auf das kleine rote Ziegelhäuschen zusteuere. Darin ist die Sauna.

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Das alte Bahnhofsgebäude in Huopalahti.

Rund um das Ziegelhäuschen stehen ein paar Häuser aus Holz. Das größte ist weiß und steht am nächsten an den Gleisen. Das war früher der Bahnhof. Doch heute ist aus dem Vorort-Bahnhof eine gesichtslose S-Bahn-Station geworden. Liisa wohnt hier und bietet in dem großen Haus Lesungen und andere Kultur-Events an. Die Sauna ist eigentlich nur für die Bewohner des Areals.

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Da ist die Sauna drin.

Heute, am Sauna-Tag, können auch Besucher kommen. Vorausgesetzt, sie haben sich angemeldet und Glück gehabt. Zweimal 8 Plätze gibt’s. Eine Runde für Frauen, eine Runde für Männer. Wie das in Finnland traditionell so ist. Seit 1910 gibt’s die Sauna, erzählt Liisa. Sie war für die Bahnarbeiter gedacht.

(Sobald das Video läuft, steht das Bild auch nicht mehr auf dem Kopf)

Es ist eine alte, einfache Sauna. Etwa 10 Quadratmeter groß. Die Wände sind betongrau, eine steile Holzleiter führt zu der Sauna-Bank, auf der wir später zu acht Platz haben. Durch das Fenster dringt das diffuse Nebelwintergrau in den Raum. In der Ecke stehen zwei Öfen: Einer mit großen Steinen oben drauf, der Kiuas, also der Sauna-Ofen. Der andere ist eine Wassertonne, hier wird das Wasser erwärmt. Wer sich waschen will, muss das mit einer Schüssel machen, auf die ganz altmodische Art. Duschen gibt’s nämlich keine. Es atmet den Charme der Vergangenheit.

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Alles ganz schlicht: Holzbank, der Saunaofen mit den Steinen und die Tonne mit dem heißen Wasser.

Die Sauna wird mit Holz beheizt, was eine sehr schöne Wärme ergibt. Es ist keine so trockene Luft wie ich es aus Deutschland kenne. Was auch daran liegen könnte, dass wir viele Aufgüsse machen. Auch das macht in Finnland kein Sauna-Meister, der zur vollen Stunde kommt, sondern die Sauna-Gäste selbst. In unserem Fall ist das Johanna, die mit Sauna-Hut und Sauna-Tattoo – ein Holzeimer und ein Birkenbündel – ein echter Fan des Schwitzens ist.

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Gleich sind alle Plätze belegt!

Und was kann ich sagen? Es ist einfach nur schön. Wir sitzen wie die Hühner auf der Stange, genießen die Wärme und ratschen. Sehr entspannt. So gefällt mir das. Und zum Abkühlen geht’s in den Schnee! Ich gehe erst ein bisschen auf und ab, atme die frische Luft. Dann wage ich es und lege mich kurz in den weißen Schnee. Schön! Auch Elisa schnappt frische Luft und ist begeistert von der alten Sauna und der Umgebung: „Es ist schon lustig, da warten die Fahrgäste am Bahnsteig auf den Zug, während wir hier im Schnee liegen. Wir haben quasi Publikum!“

Der Zug fährt ein und nimmt die Wartenden mit. Und auch wir warten nicht länger, sondern steigen in die Sauna – für die zweite Runde.

Liisa hat nicht nur die Sauna angeheizt, sie hat auch die Kaffeemaschine angemacht und gegen eine kleine Spende gibt’s sogar einen Kuchen mit Äpfeln aus dem Bahnhofsgarten. In der Waschküche stehen neben zwei großen Waschmaschinen zwei 50er-Jahre-Sessel und ein Nierentisch.

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Liisa killt mit ihrem Messer gleich den Apfelkuchen.

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So charmant kann eine Waschküche sein.

Und während ich mir zum Abschluss Kaffee und Kuchen schmecken lasse, ist die Frauen-Zeit in der Sauna auch schon rum und die Männer kommen. Peter hat sich gleich mal die Säge geschnappt: „Wenn jemand schon so nett ist und kostenlos eine Sauna anbietet, will ich meinen Teil dazu beitragen, dachte ich mir. Und ich hatte Recht: Es ist noch kein anderer da… ja, warum nicht? Im Stadtleben machst du das nicht so oft, aber im Sommer ist es ganz normal – nur nicht im Winter.“ Liisa hatte in ihrer Sauna-Beschreibung erwähnt, dass sie sich freut, wenn jemand beim Holzsägen hilft. Wir Mädels haben das nicht gemacht, aber die Jungs sind ganz fleißig. Nach und nach trudeln die Männer ein, jeder greift zur Säge und sägt ein bisschen. Alle haben gute Laune und ich finde es schade, dass ich weiterziehen muss.

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Wer mag, darf sägen.

Sauna-Dorf im Museumsinnenhof

Mit dem Zug fahre ich zurück ins Zentrum von Helsinki. Unweit des Bahnhofs ist das Nationalmuseum und dort ist im Innenhof ein ganzes Sauna-Dorf aufgebaut. Ein Zelt dient als Umkleide, rund um stehen Imbisswägen, die aber keine Würstl braten, sondern mobile Saunen sind. In die kleine Tubi-Sauna passen gerade mal 6 Besucher, in die Rauchsauna etwa 10. Viel Platz ist nicht und so wuseln die Besucher auf dem Platz zwischen den Sauna-Anhängern umher. Nur mit einem Handtuch bekleidet, manche sogar barfuß. In einem der Anhänger ist sogar ein Whirlpool angekarrt worden.

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Im Imbisswagen werden keine Würschtl gegrillt, sondern Saunagäste …

Hierher können alle ohne Anmeldung kommen, aber Badebekleidung ist Pflicht. Mir persönlich war das Gewusel aber zu viel. Aber hier wird auch mal wieder bestätigt, was ich schon öfter in der finnischen Sauna erlebt habe. Es stimmt nicht, dass die Finnen pauschal so schweigsam sind. Sie sind sehr gesprächig – besonders, wenn es um die Sauna geht. Wer das also erleben will, ist beim Sauna-Tag goldrichtig! Die Saunen sind kostenlos und eigentlich hat man nichts zu verlieren.

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Kostenloses Sauna-Angebot im Innenhof des Nationalmuseums

Torni-Sauna im GLO Hotel Art

Meine nächste Sauna ist die im GLO Hotel Art. Das Jugendstil-Haus wirkt von außen fast wie eine Burg. Die Mauern bestehen aus großen Granitsteinen, die Holztür ist schwer und mit Eisen beschlagen. Über dem Eingang thront ein Turm. Und im obersten Stockwerk, unterhalb des Turms, ist die Sauna ”Torni”. Die Sauna steht in ihrer Einfachheit in starkem Kontrast zu den dicken Mauern, den schweren Türen und massiven Möbeln, die im Hotel stehen. Es ist eine recht schlichte, elektrisch beheizte Hotelsauna für etwa 10 Leute. Es ist Frauenrunde und kaum sitzen wir auf den Bänken, wirft eine Frau auch einen Aufguss. Dreimal. Warum eigentlich? Reicht nicht eine Schöpfkelle Wasser? Sie ist von der finnischen Sauna-Society und erklärt: ”Einige sagen, dass der Sauna-Geist es mag, wenn du dreimal wirfst. Dann ist er zufrieden und macht den schönsten Dampf. Vielleicht muss man auch einfach zuhören, als ob du mit einem Menschen sprichst: Wie reagiert der Ofen? Beim ersten Mal weißt du es, beim zweiten Mal bist du besser und beim dritten Mal seid ihr befreundet – das wäre eine rationale Erklärung.”

Manche sagen auch, dass man beim dritten Mal im Dunklen einfach die beste Chance hat, den Ofen auch zu treffen.

 

Im GLO Hotel gibt’s kostenlose Getränke und sogar Bier!

Die Umkleide im GLO Hotel. Hat was von Ostseebad …

Ich treffe hier auf Laura und Marjo. Die beiden Freundinnen sind schon den ganzen Tag von Sauna zu Sauna unterwegs. Der Sauna-Tag ist für die beiden der wichtigste Tag im Jahr. Seit Anfang Januar haben sie akribisch geplant, damit sie möglichst viele Saunen besuchen können. Sie waren schon auf einem Boot, einer Sauna mit Dachterrasse und im Hostel. Jetzt sind sie hier.

Der Sauna-Tag ist irgendwie ein Event, ein Festival. In jeder Sauna treffe ich auf neue Leute. Die alte und einfache Sauna der Eisenbahner ist so ziemlich das Gegenteil von der Hotelsauna und vor allem ist der Aufenthaltsbereich hier sehr viel mondäner, mit Ledersesseln und einem schweren Holztisch. Dazu gibt’s kostenlose Getränke – und sogar Bier. Spontan beschließen Laura und Marjo, mich zu ihrer nächsten Sauna mitzunehmen. Zu einem neugebauten Studentenwohnheim.

Kalasatama-Studentenwohnheim

Das Studentenwohnheim ist ein modernes und deshalb ist hier die Sauna nicht im Keller untergebracht, sondern im obersten Stockwerk. Mit Schnee auf der Dachterrasse zum Abkühlen. Die Sauna ist winzig klein, nur 6 Leute haben Platz. Trotzdem ist Jan-Erik, der Vorsitzende im Wohnheim, stolz, dass seine Sauna jedes Jahr beim Sauna-Tag dabei ist. Inzwischen ist es schon spät, 20 Uhr. Unsere Bikinis sind feucht, wir wollen sie nicht mehr anziehen. Die Mädels beratschlagen sich und auch die Studentenwohnheimjungs meinen, dass wir alle gemeinsam nackt in die Sauna gehen können. Ich kenne das ja aus Deutschland eh, deshalb ist mir die Entscheidung ganz recht. Bissl komisch ist es dann schon, als wir so ganz nah beieinander sitzen und ratschen – wie in einer Bar. Nur, dass wir eben nackt sind. Vesa macht einen Aufguss, dass uns ganz schnell heiß wird! Nix wie raus – auf die Dachterrasse und in den Schnee. Einmal tief durchatmen und dann rein ins kühle Weiß. Herrlich!

Sompa-Sauna

Inzwischen ist es 22 Uhr. Die Studentensauna schließt, alle ziehen sich wieder ihre warmen Hosen, Schuhe und Jacken an. Zeit zum Aufbruch und auch wir Mädels machen uns auf den Heimweg. Naja. Nicht so ganz. Ein „Muss“ ist „Sompa Sauna“. Eigentlich gehört sie nicht wirklich zum Sauna-Tag, denn diese Sauna in Helsinki ist jeden Tag rund um die Uhr geöffnet und kostenlos. Aber irgendwie gehört sie doch dazu und deshalb gehen wir hier noch hin. Es ist sehr schön. So „ungeplant“ und doch gut organisiert. Es ist immer jemand da, der sich um Feuerholz und Wasser kümmert. Die Sauna ist sehr heiß, die Aufgüsse zischen und natürlich sind wir sofort in ein Gespräch vertieft. Und dann geht’s für mich noch ins Eisloch. Mitten in der Nacht, im dunklen! Der Weg dorthin ist auch abenteuerlich, ich muss aufpassen, dass ich auf dem Schnee nicht ausrutsche. Eine kleine Treppe führt ins „Avanto“, das Eisloch. Ich gehe rein, tauche unter – herrlich! Mitten in Helsinki, in der Ostsee, im Eis. Finnischer geht’s nicht! Nochmal kurz aufwärmen, dann ist wirklich Schluss für heute.

Anarchisch: Sompa-Sauna

Das Eisloch – Avanto – bei der Sompa-Sauna mit Blick auf die Stadt

Ein ereignisreicher Tag mit viel Entspannung und schönen Eindrücken. ”Ich fühle mich erschöpft, weil ich 12 Stunden lang in der Sauna war. Es gefällt mir, aber jetzt bin ich fertig. Es ist Zeit fürs Bett und zum Wassertrinken. Ich befürchte, dass ich mich morgen verkatert fühle wegen der Dehydrierung. Jetzt heißt’s warten bis nächstes Jahr. Aber ich bin sicher, dass wir unseren Rekord nochmal verbessern: wir waren in 7 oder 8 Saunen – also nächstes Jahr dann 9 – mindestens!”, sagt Marjo auf dem Nachhauseweg. Die Mädels sind so nett, dass sie mich noch begleiten, bis ich mich wieder zurecht finde.

Mein Fazit zum Sauna-Tag: Es ist eine ganz besondere Stimmung. Wie auf einem Festival. Wer ein bisschen offen ist, wird interessante Gespräche führen und nette Leute kennenlernen. Ich bin allein zum Sauna-Tag gefahren, aber natürlich kann man auch mit einer Freundin oder einem Freund fahren. Wer als Pärchen unterwegs ist, sollte aber bedenken, dass in manchen Saunen eben geschlechtergetrennt sauniert wird und das bedeutet oft, dass zuerst eine Stunde die Frauen an der Reihe sind und danach die Männer. Das könnte die Planung etwas erschweren. Aber die Informationen sind alle übersichtlich auf der Homepage zusammengefasst.


Nordsee-Baden

Das Chlorhuhn und das Meer, das ist so eine Sache … Ich glaube, das wird auch nix mehr mit uns. Ich war kürzlich an der Nordsee. Nicht in Deutschland, denn da ist immer Ebbe, wenn ich mal da bin. Sondern in Schweden. Am Kattegat. Ich bin den Kattegattleden geradelt. Der führt von Helsingborg im Süden bis nach Göteborg, immer an der Westküste entlang. Und natürlich fast immer am Meer, also der Nordsee entlang. Am zweiten Radltag war die Nordsee wütend oder zumindest hat sie gewütet. Es war ein heftiger Wind und dadurch gab’s heftige Wellen. Fürs Radln kein großer Spaß (kann man hier im neuen Radl-Blog lesen), fürs Schwimmen noch weniger.

Sieht schön aus, ist aber krass laut!

Nach 65 Kilometern Tagestour, zum Teil mit krassem Gegenwind, bin ich in Båstad angekommen. Ein Örtchen direkt am Meer, auch mein Hotel liegt direkt am Meer. Ich kann von meinem Zimmer im Bademantel losmarschieren und bin gleich am Sandstrand. Sand, das ist auch so eine Sache bei mir. Ich verstehe gar nicht, was alle immer mit ihren Sand-Stränden haben. Da hast den Sand überall (wirklich überall) und der geht auch nicht mehr weg. Ich bin also froh, dass ich nur Badelatschen und einen Bademantel anhabe, da hält sich das mit dem Sand-Souvenir in Grenzen.

Muscheln am Strand und die Pier geht ganz schön weit raus. Und da draußen ist es immer noch flach …

Der Wind bläst, ist zum Glück aber nicht kalt. Nur: wohin mit dem Bademantel (in dem auch meine Schlüsselkarte ist)? Ich sehe kleine Holzhüttchen mit Veranda. Keiner da, deshalb erlaube ich mir, meine Schuhe und den Bademantel hier in ein windgeschützes Eckchen zu legen. Und dann mache ich mich auf zum Strand, eine Minidüne hinunter und dann über den warmen Sand zum Wasser. Tausende und tausende Muscheln liegen hier. Und die Wellen rauschen ans Ufer. Das Wasser scheint flach zu sein, aber ich sehe nicht, was unter mir ist. Ich will ungern in scharfe Muschelkanten treten, deshalb entscheide ich mich für den Weg über die Pier. Sie führt relativ weit raus, am Ende ist eine Leiter. Über die gehe ich ins Wasser. Also, erstmal mit den Füßen. Es ist warm, trotz des Windes. Aber was ist unter mir? Wie tief? Wasserpflanzen? Ungeheuer? Es dauert ewig, bis ich mich entscheide einzutauchen. (Beim Eisschwimmen bin ich da viel zielstrebiger).

Und naja. Was soll ich sagen? Wasser halt. Zum Glück nicht tief. Je nach Wellental oder -berg geht mir das Wasser bis zu den Oberschenkeln oder zum Bauch. Schwimmen? Keine Chance. Es gibt auch keine Wellenpause. Es ist entweder hoch oder tief, aber nie ruhig. Und kräftig sind die Wellen! Ich tauche ein paar Mal ein, lasse mich hin- und herschwappen. Spaß sieht anders aus. Das ist nicht meine Welt. Ich stelle mich wieder hin und da wirft mich so eine Welle von hinten fast um! Zaxndi! Do legst di nieda!

Ich kraxle die Leiter wieder rauf, gehe über die Pier zurück zum Strand, von da zurück zum Holzhüttchen – und bin trocken. Der Wind hat mich trocken geweht!

Jetzt gehe ich erstmal in die Sauna des Hotels. Die hat eine riesige Glasfront mit Blick auf den Strand und das Wasser und ich bin der einzige Gast. Herrlich.

Sauna mit Tageslicht und Aussicht

Einen weiteren Nordsee-Versuch gab’s im Verlauf der Reise noch. In Steninge. Da übernachte ich in einem Hostel – und das war so schön da, das muss ich jetzt erst loswerden. Kennt ihr das, wenn ihr an einen Ort kommt und euch sofort wohl fühlt? Und willkommen? So war das im Vandrarhem Steninge! Catarina und Per betreiben dieses Hostel direkt an der Küste und am Kattegattleden. Und Catarina hat mich sofort herzlichst begrüßt, fast wie eine Freundin. Sie strahlt einfach sowas Herzliches, Gastfreundliches aus, das kann man nur schwer beschreiben, das muss man erleben. Es gibt einfach Leute, die zum Gastgeber geboren sind. Und eigentlich ursprünglich einen ganz anderen Beruf ausgeübt hatten. Das ist bei Catarina so und das war auch bei Marianne in Boxholm so. Die ist auch so eine Frau, bei der man sich sofort „dahoam“ fühlt und umsorgt, aber nicht so übermuttermäßig. Sondern einfach willkommen. Als Gast.

Per ist Weltmeister im Haferbreimachen. Er und Catarina betreiben das Vandrarhem Steninge.

Ich habe beim Weiterradln dann lange drüber nachgedacht, warum das bei Catarina und Marianne so anders ist als in einem (großen) Hotel. Da sind die Leute ja auch zuvorkommend und nett (schließlich ist man ja zahlender Gast). Aber das ist so ein „professionelles“ Nett, so, so … ich weiß nicht … nicht von Herzen. Sondern weil es halt dazu gehört, der Job es erfordert und man ja Dienstleister ist. Während das Nett-Sein im Vandrarhem Steninge und im Hotell Sommarhagen tatsächlich von Herzen kam. Weil die Betreiberinnen (zumindest habe ich das so empfunden) mit Herzblut bei der Sache sind. Und vielleicht auch, weil es ihr Hotel/Hostel ist. Sie haben es aufgebaut, die Gäste kommen zu ihnen – und wohl auch wegen ihnen – genau hierher. Sie sind nicht nur Angestellte, die ihren Job machen (bitte nicht falsch verstehen, ich habe hohen Respekt vor Jobs in der Hotellerie/Gastronomie; und die meisten machen den Job gut!). Es ist aber deren Projekt, deren „Baby“ und das merkt man.

So, jetzt aber zum Strand. Denn dahin hat mich Catarina dann auch gleich geschickt, der ist nämlich einfach auf der anderen Straßenseite.

 

Das ist ein Naturstrand, das heißt, die Algen werden nicht entfernt. Das Wasser ist trüb und wellig. Es gibt auch hier eine Leiter zum Reingehen. Ich spreche mit einer Frau, die gerade ihre Schwimmrunde beendet hat. Sie macht mir Mut: Das Wasser ist sauber, das Aufgewühlte ist nicht schlimm. Ich könne stehen, Wasserpflanzen gibt’s auch keine und wenn ich zwischen der Leiter und der Pier (die zu einer Insel führt) schwimme, ist es „safe“.

Ich wage mich also ins Wasser und schwimme ein bisschen hin und her. Weil der Strand in einer Bucht ist, sind die Wellen hier nicht so heftig wie in Båstad. Aber so richtig Schwimmen ist das auch nicht. Eher baden und sich treiben lassen. Für den Abschluss einer Radltour ganz schön. Als ich dann in der Dusche den Bikini ausziehe, sehe ich, dass in ein „Mitbringsel“ abbekommen habe. Der Schlamm hat sich in den Nähten gesammelt. Das sieht nicht schön aus, lässt sich aber zum Glück ganz leicht ausspülen.

Und später gibt’s hier einen wirklich schönen Sonnenuntergang zu sehen. Ich kann meinen Blick kaum abwenden, so schön ist es, der Sonne beim Untergang zuzusehen. Wie sie langsam aber sicher ins Meer fällt, ein Sonnenbad sozusagen.

Schon schön, so ein Sonnenuntergang über dem Meer!

Jetzt nimmt die Sonne ein Bad – ein Sonnenbad!

Als ich bei meinem vorigen Schwedentrip in Göteborg war (das ich übrigens sehr empfehlen kann), bin ich mit dem Schiff auf die Schären gefahren. Das ist eine feine Sache, einfach so mit dem öffentlichen Nahverkehr in eine Inselwelt zu fahren. Schon die Fahrt war Urlaub. Und es ist wirklich schön da im Schärengarten vor Göteborg.

Mit der Tram zur Endhaltestelle und dann aufs Schiff.

Hinaus in den Schärengarten von Göteborg. Für nur 9 Euro (Tagesticket)!

Ich bin bis zur Endstation gefahren und da ein bissl rumspaziert.

Dann habe ich mich in einem sehr gemütlichen Fleckerl Strand niedergelassen, dem Meer gelauscht und mein Buch gelesen.

Mein idyllisches Platzerl – ganz für mich allein!

Später bin ich dann weitermarschiert und habe eine schöne Badestelle gefunden. Mit großen, runden Felsen, auf denen ich mir ein Platzerl gesucht habe. Und einem Steg samt Leiter, um ins Wasser zu kommen.

Auf den Felsen war’s schön warm!

Auch hier war die Nordsee Anfang Juli schön warm, etwa 22 Grad. Und es war wellenarm, weil es in einer Bucht war. Ach, hätte man hier schön schwimmen können. Glasklares Wasser, kaum Wellen – aber irgendwas hat immer an meinen Füßen gekitzelt. Komische Wasserpflanzen, ohje! Chlorhuhnalarm. Ich bin dann nur vom Steg zu meinen Steinen und zurückgeschwommen.

Wasserpflanzen ohne Ende …

… die beim Schwimmen kitzeln.

Genug (Nerven)Kitzel fürs Chlorhuhn. Ich hab mich dann an Land wie ein Seehund auf die warmen Steine zum Trocknen gelegt. Mit vom Salzwasser pappiger Haut. Da waren mir die Seen in Schweden schon um einiges lieber!


Schwimmen und das schwedische Jedermannsrecht

Die meisten haben schon davon gehört: In Schweden gibt’s das „Jedermannsrecht“, auf schwedisch: allemansrätt. Das besagt, dass jeder die Natur nutzen darf, also auch Seen. Allerdings darf man (kurz gesagt) Privatgrund nicht betreten bzw. muss Abstand zum Haus halten. Und es gehen Pflichten mit diesem Recht einher: Müll muss wieder mitgenommen werden, darf nicht in die Landschaft geworfen werden. Eigentlich selbstverständlich und so weit ich das von meinen Eltern in Oberbayern gelernt habe, gilt das mit dem Müll auch hier: nicht liegenlassen, sondern wieder mitnehmen. Gerade an der Isar und im Englischen Garten in München scheint das nicht mehr zu gelten. Aber das ist ein anderes Thema …  (und mehr zum Jedermannsrecht gibt’s zum Beispiel hier, bei Elchkuss).

Ich habe mit dem Jedermannsrecht in Schweden natürlich auch Bekanntschaft gemacht. Bei meinen ersten Schwimmausflügen war es zum Beispiel so, dass kein Mensch und kein Haus weit und breit waren. Also Bahn frei und ab ins Wasser.

Am nächsten Tag bin ich in die andere Richtung geradelt, natürlich war da auch ein See das Ziel, der Ören bei Svalsjö. Ich fahre dort also am Ufer entlang, aber irgendwie sehen die Stege dort sehr „privat“ aus. Einmal ist sogar ein Zaun um die Wiese und den Steg. Das ist zwar eine traumhaft schöne Schwimmstelle, aber wohl privat und ich will hier keinen Ärger riskieren.

Also radle ich zurück zur Kreuzung, um es am anderen Seeufer zu probieren. An der Kreuzung ist auch ein Café mit Shop, ich beschließe, hier kurz nachzufragen. Per, der Inhaber und Schreiner, ist äußerst freundlich und meint, dass die Schwimmstellen nur privat aussehen und ich dort ohne Weiteres baden kann. Oder ich kann seine Schwimmstelle nutzen, er müsse jetzt ohnehin arbeiten. Ich bin gerührt und nehme das Angebot an. Per beschreibt, wie ich zu seiner Stelle komme: „Den Weg entlang, den Hügel hinauf und dann musst du rechts schauen, dass du es nicht verpasst. Da ist ein großer Stein im Wasser und eine Art Holzsessel an Land. Den habe ich gebaut. Da kannst du dich auch hinsetzen oder deine Sachen ablegen.“ Ohmann, wie toll!

Bevor ich zu der Stelle radln kann, verratschen wir zwei uns noch. Er begutachtet mein Radl (Mariannes altes Mountainbike) und wir fachsimpeln ein bisschen. Dann zeigt er mir sein Radl. Dazu müssen wir über die Wiese hinter dem Café gehen und zu seinem Privathaus. Dort auf der Veranda steht sein „Liebling“. Es ist ein Gravelbike! Lustigerweise habe ich darüber erst kürzlich fürs Fitnessmagazin berichtet.

Jetzt aber auf Pers Schwimmstelle. Die Wolken werden leider immer mehr, so dass es kein so richtig schöner Badetag ist. Aber ich finde den großen Stein und den Holzsessel. Zwischen den Birken hängt Pers gestreiftes Handtuch und wedelt im Wind. Aber ich habe ja mein eigenes dabei.

Flugs bin ich nackt und gehe ins Wasser. Trotz des Windes und der Wolken ist es nicht kalt. Wegen der Wellen ist das Schwimmen wieder in eine Richtung schön und in die andere nicht so. „Genug“, denke ich und gehe an Land. Und dann merke ich, dass es doch zu kurz war und es gar nicht kalt ist und überhaupt: Ich habe ja keine Eile. Also nochmal rein und bissl schwimmen. Es ist eher Planschi-Schwimmen, aber egal. Es ist schön.

Auf dem Rückweg kehre ich dann bei Anna und Per ein. Denn im Café gibt’s Zimtschnecken und Kaffee, eine kleine Pause schadet nie. Und Zimtschnecken sind natürlich immer Pflicht, weil es die hier in Bayern nicht gibt (oder ich noch keine gefunden habe).

Per stellt übrigens „mekaniska kabinett“ her. Das sind Figuren aus Holz, die sich bewegen oder mit den Augen rollen, wenn man an der Kurbel dreht. Die setzt Zahnräder aus Holz in Bewegung. Total verrückt. Könnt ihr hier im Internet mal anschauen und wenn ihr mal in der Gegend seid, vorbeifahren.

Ich war dann an dem Tag trotz Wolken noch in verschiedenen Seen beim Schwimmen. Denn rund um das Hotell Sommarhagen gibt’s acht verschiedene Seen, im Umkreis von 1500 Metern. Wenn das mal nix ist, dann weiß ich auch nicht.

Hier gab’s sogar eine Art Rundkurs mit Bojen:

Und hier war ich tagsüber schwimmen und abends gleich nochmal, weil es so schön war, in der Abendstimmung.


Schwedisches Seen-Schwimm-Paradies

Meine schwedischen Schwimmausflüge gehen noch weiter. Von Stockholm bin ich mit dem Zug nach Boxholm gefahren und von dort mit dem Taxi zum Hotell Sommarhagen. Ein kleines Hotel in der schwedischen Pampa, pro Quadratkilometer gibt’s hier nur 2 Einwohner (in München sind es gefühlt 2 Einwohner pro QuadratMETER…).

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Das Hotel ist in einem alten Pfarrhaus untergebracht und wird von Marianne und Bengt-Göran, kurz BG, geleitet. Äußerst herzliche Menschen, die im wahrsten Wortsinne Gastgeber sind. Der Gast, also ich, ist hier wirklich König. Das fängt schon mit so banalen Dingen an, wie: Ich kann mein Frühstück natürlich auch auf der Terrasse vorm Haus einnehmen. BG bringt die Polster. (Auf Mallorca hatte ich auch mal vor, auf der sonnigen Terrasse zu frühstücken – aber nein, im Frühstücksraum wird gegessen. Auch, wenn es Büffet ist und ich eh alles selbst an den Tisch bringen muss.)

Hier, im schwedischen Niemandsland, ist es wunderschön. Es gibt Wald und Seen. Marianne und BG haben sämtliche Wege, die vom Haus starten, erwandert und erradelt und verschiedene Touren markiert.

Es ist für jeden was dabei: eine kurze 4-Kilometer-Runde, eine längere Radlrunde – und: „Es gibt keine Tour, die nicht an einem See vorbeiführt“, verspricht Marianne. Sie erklärt die Touren ausführlich und individuell. Weil ich gern schwimmen möchte, verrät sie mir gute Schwimmplätze. „Badeanzug brauchst du keinen. Da kommt keiner vorbei, höchstens ein Elch, aber der hat ja auch keine Badehose!“

Und so packe ich Handtuch (zur Vorsicht den Badeanzug), Thermometer und was zu trinken ein und mache mich auf zu meiner ersten Erkundung. Es geht den Hügel hinauf, in den Wald hinein. Und dann kommt auch schon der erste See: Svarten, der schwarze See. Spiegelglatt liegt er da, von Kiefern umgeben. An einer Grillstelle kann ich meine Sachen abstellen und in den See gehen. Weil weit und breit tatsächlich niemand da ist, gehe ich nackt.

Das Wasser ist warm und weich. Seidig. Trinkwasser, sagte Marianne. Ich schwimme und mache den Mund auf. Wie ein Fisch lasse ich das Wasser in den Mund laufen und nehme einen Schluck. Ich schwimme etwas aus der kleinen Bucht raus und lasse die schwedische Landschaft auf mich wirken. Vor allem die Ruhe hier! Und das klare Wasser, das mit 23 Grad wärmer ist als der Tegernsee. Sooooo schön! Schon jetzt ist klar: Das ist mein Lieblingssee!

Am nächsten Tag mache ich eine Radtour. Auf Schotterstraßen geht’s am alten Schulhaus vorbei, das jetzt ein Sommerhäuschen ist.

Dann kommt lange, lange, lange gar nix. Außer Wald und Waldesrand. Vögel singen, Hummeln summen. Und das Radl rollt über die Schotterstraße. Ich komme zu einem alten Bauernhaus. Genauer gesagt ist es ein alter Bauernhof, der aus drei Teilen besteht. Einer Scheune mit einem Torbogen, unter dem ich durchgehen kann. Ich muss mich ducken, es ist niedrig. Und dahinter stehen dann links und rechts zwei kleine, rote Schwedenhäuschen. Wie im Spiegelbild. Durch die Fenster kann (und darf!) man nach innen schauen. Der Hof ist ein Freilichtmuseum. Manchmal sind Leute da, die die Tür öffnen. Heute leider nicht. Durch die Fenster sehe ich in eine andere Zeit.

Ich schwinge mich wieder in den Sattel und radle weiter. Ich komme an einem kleinen Dorf vorbei, das an Bullerbü erinnert mit seinen roten Häusern, die Fenster sind weiß gerahmt. Ich erreiche eine Kuppe und sehe: einen See. Da unten ist er! Mein See für heute, bei Danskebo. Er leuchtet dunkelblau zwischen den grünen Bäumen. Ich bin voller Vorfreude.

Jetzt komme ich auch auf eine Teerstraße, das Radln ist gleich viel leichter und angenehmer. Und die Straße führt am See entlang. Ich halte nach einer geeigneten Badestelle Ausschau. Gar nicht so einfach, das ganze Ufer ist bewachsen und ich will die Natur nicht stören. Schließlich finde ich eine Stelle – mit einer Holzleiter und einem Steg samt Bank.

Alles nur für mich! Und das neben einer geteerten Straße. Aber: keiner da außer mir! Ich lege das Radl ins Gras und gehe zum Steg. Es ist von der Straße her etwas geschützt, deshalb kann ich auch hier nackt baden. Das gefällt mir sehr gut. Vor allem, weil ich danach keinen nassen Badeanzug ausziehen muss. Auch hier ist das Wasser angenehm warm. Wegen des Windes ist es etwas wellig und so macht das Schwimmen in die eine Richtung etwas mehr Spaß als in die andere. Geschenkt. Die Idylle hier macht’s wett. Und nach meiner Schwimmrunde lege ich mich auf das warme Holz des Steges und lasse mich trocknen. Herrlich!

Auf dem Heimweg bin ich dann trotzdem nochmal in den Svarten-See gegangen. Weil das einfach eine schöne Stelle ist. Zu schön, um nur einmal hinzugehen!

Außerdem gibt’s hier im Wald, in der Nähe des Hotels, noch ein paar Walderdbeeren. Die waren sowas von gut, ich bin gleich erschrocken, als ich auf die erste gebissen hatte. So eine Geschmacksexplosion! Als wäre die kleine Erdbeere das Konzentrat der großen.

Und es gab auch schon Blaubeeren. Erst habe ich nur eine oder zwei dieser kleinen Waldheidelbeeren gesehen, aber als ich genauer hingeschaut habe, habe ich bemerkt, dass der ganze Wald voll davon ist. Vor allem abseits des Weges. Herrlich! Waldblaubeeren, schwimmen und Ruhe!


Stockholm – Stadt im Wasser

Einige von euch haben es sicher schon bemerkt: Das Chlorhuhn hat einen Drang zum Norden. Nicht nur Finnland ist ein begehrtes Ziel, auch Schweden oder Dänemark habe ich schon besucht. Und weil mein Besuch in Stockholm letzten Sommer arg kurz war, bin ich dieses Jahr nochmal hin. Für etwas länger. Denn Stockholm ist eine Stadt im Wasser. Richtig! Nicht AM, sondern IM Wasser. Die Stadt ist auf 14 Inseln errichtet, hier treffen der Mälarensee und die Ostsee aufeinander. Wasser, Wasser, Wasser! Logo, dass das Chlorhuhn das nicht verpassen darf.

Stockholm ist eine Stadt auf 14 Inseln

Bei der Ankunft war es in Schweden fast doppelt so warm wie in Bayern. Während es daheim Nieselregen bei etwa 15 Grad gab, war in der schwedischen Hauptstadt Sommer mit Sonne und sagenhaften 28 Grad. Also war eine Erfrischung dringend nötig!

Ich war mit einer Freundin in Stockholm und sobald wir unseren Koffer in der AirBnB-Wohnung abgestellt hatten, ging’s ans Wasser. Praktischerweise war das gleich ums Hauseck, einmal über die Straße. Und dann sind wir am Ufer entlanggegangen, bis eine Badestelle kam.

Auf dem Bild sieht es trüber aus, als es war. Großstadtfeeling beim Schwimmen!

Das war jetzt kein Strand, eher so eine Art Promenade mit Leitern ins Wasser. Und da waren einige, die den Abend im kühlen Nass ausklingen ließen. Trotzdem war genügend Platz und Kathrin und ich haben unsere Rucksäcke abgestellt, uns flux umgezogen und sind dann ins Wasser. Ui… so schön warm! Und doch erfrischend. Wow! Schwimmen in Stockholm. Mehr oder weniger mitten in der Stadt!

Glückliche Wasserratten!

Bojen haben die Schwimmzone vom Schiffverkehr abgegrenzt. Hier wäre auch ein schönes Revier für Freiwasserschwimmer! Ein solcher taucht auch bald auf: Mit Neo und Boje, er will hier gleich trainieren. Aber vorher frage ich ihn ganz nett, ob er ein Foto von uns macht. Macht er, logo. Kein Problem.

Das Chlorhuhn ist auch im See in ihrem Element und happy!

Wir zwei Wasserratten sind selig. Soooo schön! Nach der ganzen Reiserei und Warterei ist der Abendschwumm die perfekte Belohnung. Wir können unser Glück gar nicht fassen. Es ist auch kein Salzwasser, in dem wir baden. Es ist Süßwasser. Wir waren in einem der „Arme“ vom Mälarensee.: am „Hornsberg Strand“.

Vor allem am nächsten Tag gibt’s nur ein Thema: Gut, dass wir gestern geschwommen sind!

23 Grad hatte das Wasser

Denn über Nacht kam ein ziemlich kalter und starker Nordwind auf, der die Temperaturen auf 17-18 Grad fallen ließ. Und weil’s so windig war, war’s auch recht ungemütlich, da stand uns nicht mehr die Laune nach schwimmen. Aber: Gut, dass wir gestern schwimmen waren!


Saunen in Helsinki

In Helsinki gibt’s ja viele schöne Saunen, nicht nur Allas Seapool. Darüber habe ich ja schon einige Male geschrieben, weil man da ja auch schön schwimmen kann.

In den anderen Saunen kann man nicht schwimmen. Es gibt nicht mal ein Eisbecken! Denn die Saunen in Helsinki sind ganz anders als hier bei uns in Deutschland. Es gibt alte Saunen aus den 1920er-Jahren, die sehr urig sind – und eine Art Zeitreise. Ich finde, da kann man die typisch finnische Saunakultur am besten kennenlernen. In Finnland gibt’s keine Sanduhr für die optimale Dauer des Saunagangs. Es gibt keinen Bademeister, der einmal stündlich vorbeikommt, um einen Aufguss zu machen. Den Aufguss machen die Saunagäste selbst! Und zwar so oft, wie man will. Hui, da hab ich in Allas einmal ganz schön eingeheizt … Danach bin ich erstmal in den Eispool gegangen.

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Das Chlorhuhn im Meerwasserpool mit Eis.

Mir gefällt die Sauna in Finnland jedenfalls viel besser als hier. Und weil ich in Helsinki schon einige Saunen getestet habe, habe ich hier eine kleine Zusammenstellung für euch gemacht.

Sauna und Finnland – das gehört natürlich zusammen. Ich habe sogar mal gehört, dass man ohne Saunabesuch gar nicht wirklich in Finnland war. Aber zum Glück gibt’s in Helsinki viele öffentliche Saunen, in denen man diese typisch finnische Kultur kennenlernen kann. Keine Angst, wenn Du noch nie in der Sauna warst. In Finnland gibt’s da – anders als in Deutschland – eigentlich keine Regeln zu beachten. Und ich als Frau finde es zum Beispiel sehr angenehm, dass die Saunen in der Regel geschlechtergetrennt sind. Männlein und Weiblein schwitzen getrennt, ratschen aber zusammen. Aber da hat man dann ja schon das Handtuch rumgewickelt oder ist in den Bademantel geschlüpft.

Große Auswahl an unterschiedlichen Saunen

Die Auswahl an Saunen in Helsinki sollte auch für jeden was zu bieten haben: Es gibt die alten Saunen aus den 1920er-Jahren, die alles andere als „Wellness-Tempel“ sind. Sie stammen aus der Zeit, als die Wohnungen der Arbeiter in Helsinki keine eigene Sauna hatten – weder in der Wohnung noch im Haus. Das ist heute anders, da haben viele Wohnungen im Bad eine Sauna. Oder es gibt im Wohnhaus eine Gemeinschaftssauna, in der die Bewohner abwechselnd schwitzen. Davon hat man jetzt als Otto-Normal-Tourist nicht wirklich viel – außer man würde sich via AirBnB eine entsprechende Unterkunft suchen. Und die Hotels in Helsinki haben natürlich auch eine Sauna. Ich finde aber, dass man bei den öffentlichen Saunen Finnland und vor allem die Finnen nochmal von einer ganz anderen Seite kennenlernt. Denn die Finnen gehen gern und oft in die Sauna und sind auch in den erst kürzlich eröffneten, neuen Saunen zu Gast. Ich gehe gern in die Sauna, vor allem in Finnland und deshalb habe ich hier mal ein Saunen in Helsinki beschrieben, in denen ich selbst schon war.

 

Kotiharjun Sauna – die älteste

Im ehemaligen Arbeiterviertel Kallio, jetzt auf dem Sprung zum Szeneviertel, gibt’s mehrere öffentliche Saunen. Das ist ein Relikt aus der Zeit, als es in den Häusern der Arbeiter kein Bad und schon gar keine Sauna. Aus den 1920er-Jahren stammt Kotiharjun Sauna noch (Harjutorinkatu 1, 00500 Helsinki). Die Sauna wird mit Holz beheizt, was ich sehr angenehm finde. Von der Helsingin Katu liegt sie etwas versteckt auf einem Hügelchen, doch die Leuchtbuchstaben kündigen dann doch gut sichtbar an, wo die SAUNA ist. An einem schönen Sommertag sitzen auf dem Mäuerchen vor der Sauna schon mal 20 oder mehr Männer – lediglich mit einem Handtuch um die Hüften, Badeschlappen und einer Dose Bier. Aber keine Angst – die tun nichts und wie gesagt: Da, wo man nackt ist, ist man unter sich. In Kotiharjun Sauna ist die Damensauna im ersten Stock, die Herren sind im Erdgeschoss. An der Kasse kann man Handtücher leihen. Außerdem gibt’s einen Kühlschrank, in dem man sein eigenes Bier aufbewahren kann. Zu kaufen gibt’s nämlich nur „Dünnbier“, also Bier mit etwa 2-3 Prozent Alkohol. Und ein „Sauna-Olut“ schmeckt gleich noch besser als ein normales Bier. Aber zuerst wird natürlich sauniert!

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Dank der vielen Besucher kaum zu verfehlen: Kotiharjun Sauna

Wer in Deutschland schon mal in der Sauna war, wird von Kotiharjun Sauna wohl genauso überrascht sein wie ich. Es hat nämlich überhaupt nichts mit einer Sauna gemein, wie wir sie kennen. Die Umkleide erinnert eher an ein Wirtshaus. Es gibt ein paar Tische, hinter den Holzbänken sind die Schränkchen für die Klamotten. Hier sitzen die Damen nach dem Saunagang zusammen und ratschen, trinken Bier oder lesen. Als ich dort war, lagen da auch Zeitschriften – allerdings auf Finnisch und naja …. Da muss man schon bissl länger Finnisch lernen als nur zwei bis drei Jahre. Aber egal, darum geht’s ja auch nicht. Der Umkleideraum ist jedenfalls sehr urig und gemütlich und ich habe mich ein bisschen wie bei einer Zeitreise gefühlt.

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Sieht eher wie eine Gaststube aus: die Umkleide in Kotiharjun Sauna

Der nächste Raum ist die Dusche. Auch hier wähne ich mich in die 1920er zurückversetzt. Es ist alles sauber, dennoch sieht und spürt man, dass es aus einer anderen Zeit stammt. Und dann, nachdem ich mich geduscht habe, geht’s in die Sauna. Ich bin gespannt! Und wieder überrascht: Ich hätte alles erwartet – von einer großflächigen Sauna mit hellen Holzbänken bis zu einer kleinen Sauna, die einer Hütte nachempfunden ist. Stattdessen: Ein dunkler Raum mit einem riesigen Ofen, der aussieht wie ein „nackter“ Kachelofen. Statt Fliesen gibt’s Steinwände und die Bänke sind ebenfalls aus Stein – und ziemlich steile Stufen.

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Nix Wellness – eher funktional: Der Saunaofen in Kotiharjun Sauna

Unten ist viel Platz, manchmal lagert hier auch Holz. Ebenfalls ein großer Unterschied zu deutschen Saunen: Es wird geredet. Und zwar nicht leise oder verhalten – nein, ganz normal. Schon mit Rücksicht auf die anderen Gäste. Aber nix von wegen „Ruhezone“. Das finde ich anfangs seltsam, weil ich es so nicht kenne. Dann freue ich mich aber, weil es irgendwie viel lockerer ist und ich zudem finnisch höre. Einen Aufgussmeister gibt’s in Finnland auch nicht. Für den „Löyly“ sorgen die Gäste selbst. Und dann wird geschwitzt – nicht zu knapp. Es ist heiß. Aber angenehm. Durch das Holz ist die Luft viel feuchter als in den elektrischen Saunen. Und weil manche Frauen auch eine Schüssel mit Wasser mit in die Sauna bringen, um sich zu waschen, ist immer eine Grundfeuchtigkeit vorhanden. Ich muss sagen, dass ich das inzwischen viel besser finde als die Saunen in Deutschland. Und noch etwas unterscheidet sich: Es gibt kein Eisbecken zum Abkühlen. Nach dem Saunagang dusche ich mich kühl ab, schlüpfe in meinen Bademantel (ich habe einen Reisebademantel aus dünnem Frotteestoff) und gehe hinunter. Es ist ein schöner Sommerabend und so setze ich mich auch auf das Mäuerchen vor der Sauna und trinke mein Bier. Ich mache noch ein paar Saunagänge und genieße den „finnischen way of life“.

Arlan Sauna – die gastfreundliche

Nicht weit von Kotiharjun Sauna entfernt ist Arlan Sauna (Kaarlenkatu 15, 00510 Helsinki). Sie ist ebenfalls im ehemaligen Arbeiterviertel Kallio und existiert seit 1929. Ich glaube, es ist die zweitälteste Sauna in Helsinki. Statt mit Holz wird sie mit Gas beheizt. Ich habe keinen großen Unterschied feststellen können.

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Seit 1929 gibt’s Arlan Sauna schon.

Hier geht’s in einen Innenhof, in dem die Saunagäste zwischen den Gängen sitzen. Am Eingang empfängt mich Kimmo. Kimmo ist der Betreiber der Sauna, doch er ist viel mehr ein Gastgeber. Mit mir kommen zwei Asiatinnen an, Kimmo erklärt ihnen, wo die Sauna, die Umkleide und das Klo sind. Außerdem fragt er, ob sie schon mal in einer Sauna waren und weil die zwei verneinen, rät er ihnen, sich nicht allzu weit nach oben zu setzen. Keine Belehrung, wie lange sie in der Sauna bleiben sollen. Einfach nur: nicht übertreiben. Schön! Auch mir zeigt Kimmo, wo die Damensauna ist. Hier ist sie im Erdgeschoss, gleich links neben der Kasse.

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Auch hier ist die Umkleide sehr wohnlich. Es gibt sogar einen Bücherkoffer.

Die Herren müssen in den ersten Stock. Und auch hier ist die Umkleide wohnlich, mit Holzschränkchen und einem Tisch. Es ist das Gegenteil zu den Umkleiden, wie ich sie hier in Deutschland kenne: steriler als jeder OP. Der Duschraum ist ebenfalls aus den späten 20ern und außer den Duschen gibt’s hier, wie auch in Kotiharjun Sauna, Bänke. Zum Ausruhen, Sachen ablegen oder wenn man sich die Füße waschen will? Egal. Ich dusche mich und gehe in die Sauna. Es ist ähnlich wie in Kotiharju. Ein „nackter“ Kachelofen, steile Treppen, die auch die Bänke sind.

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Der Duschraum in Arlan Sauna

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… und die Sauna selbst. Steile Treppen, ein riesiger Ofen und große Hitze.

Wenn ich die Wahl hätte zwischen Kotiharjun und Arlan Sauna, ich würde Arlan bevorzugen. Kimmo ist wie oben erwähnt, ein richtiger Gastgeber. Er redet mit seinen Gästen, die natürlich auch untereinander reden. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass es hier etwas „typischer“ ist. Kotiharjun Sauna steht in diversen Reiseführern, weil es die älteste Sauna ist. Und deshalb sind da vielleicht auch mehr Touristen. Mir persönlich hat es jedenfalls in Arlan Sauna besser gefallen. Aber das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Kaurilan Sauna – die bezaubernde

Kaurilan Sauna ist eine ganz spezielle Sauna. Hier kann man nicht einfach so vorbeimarschieren, hier muss man reservieren. Am besten schon rechtzeitig von daheim, bevor die Reise losgeht. Man kann entweder die ganze Sauna mieten oder einfach einen Platz für sich und seine Begleitung (falls vorhanden) reservieren.

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Mitten in der Stadt kann man sich wie auf dem Land fühlen: Kaurilan Sauna

Es gibt gemischte Tage und getrennte Tage. Für Pärchen ist dieses getrennte Saunieren vielleicht etwas ungewohnt, weil jeder für sich ist. In Kaurilan Sauna kann man gemeinsam Saunieren. Und was mich überrascht hat: gemischt und nackt! Also nicht erschrecken, wenn man zur gemischten Sauna geht. Die Sauna selbst liegt etwas „außerhalb“, wobei „außerhalb“ in Helsinki ja noch immer relativ ist. (Heikinniementie 9, 00250 Helsinki). Ich bin damals mit der Tram 4 hingefahren, von der Haltestelle sind’s etwa 800 Meter zu Fuß in den Wald. Ich habe mich dann sofort wie auf dem Land gefühlt. Ein typisches rotes Finnen-Häuschen, das ist die Sauna. Davor gibt’s eine kleine Veranda.

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Typischer geht’s kaum – Kaurilan Sauna

Saara betreibt die Sauna. Als ich angekommen bin, war sie noch mit Vorbereitungen beschäftigt. Die Sauna wird ebenfalls mit Holz beheizt. Außerdem gibt’s in dem Häuschen keinen Strom und nur kaltes Wasser aus der Leitung. Zuerst betrete ich die „Tupa“, das ist so eine Art Wohnzimmer, aber gleichzeitig die Umkleide. Es gibt einen offenen Kamin, ein Kanapee und einen Tisch. Ein herrlicher Duft liegt in er Luft: Auf dem Tisch hat Saara selbst gebackenes Brot bereitgestellt.

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Die „Tupa“ ist Umkleide, Ruheraum und Wohnzimmer in einem.

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Sehr einladend sieht das aus. Gleich kommt auch das Brot noch …

Dann geht’s einen kleinen Gang entlang, hier liegen die Leinentücher für die Saunagäste. Und dann ist da die Sauna. Ein dunkler Raum, in der einen Ecke ist ein großes Wasserbassin, das von unten mit Holz befeuert wird. In der anderen Ecke ist der Saunaofen. Das einzige Licht in der Sauna kommt von den brennenden Holzfeuern und ein paar Kerzen. Gegenüber von den Öfen ist eine freie Fläche und dann sind da die Holzstufen zu den Bänken. Auf der freien Fläche wasche ich mich. Dazu mische ich kaltes Wasser vom Hahn mit dem heißen Wasser aus dem Bassin. Es ist sehr urtümlich, sich so zu waschen, mit einer kleinen Schüssel.

Als alle Gäste da sind und Platz genommen haben, ist es ganz schön voll. Aber schön. Jeder redet mit jedem und Saara macht großartige „Löyly“. Während des Aufgusses wird nicht geredet. Da wird dem „Löyly“ zugehört, wie er klingt und zischt. Dem „Löyly“, dem Saunageist, der im Aufguss lebt, wird Respekt gezollt. Und wenn er verklungen ist (meist drei Schöpfer auf die heißen Steine), wird darüber gesprochen, wie er war. Sanft oder heftig? Nachdem mir heiß genug ist, wasche ich mich wieder mit dem Wasser aus den Schüsseln und gehe hinaus. Auf der Veranda genieße ich die finnische Septemberabendluft, trinke mein Bier und bin auf einmal ganz, ganz glücklich. So muss Sauna sein! So reduziert und doch so viel schöner! Und dann natürlich noch Saara, die eine warmherzige Gastgeberin ist und ihr Brot, das ganz phantastisch schmeckt. Der Saunabesuch ist hier auf zwei Stunden begrenzt, aber das macht nichts. Man soll ja eh aufhören, wenn’s am schönsten ist!

 

Allas Seapool – die neueste

Im Hafen von Helsinki, direkt am Kauppatori, schwimmen seit Kurzem Holzstege im Wasser. Darin sind Schwimmbecken eingelassen. Das Ganze gehört zum „Allas Seapool“, einer der neuesten Saunen in Helsinki.

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Allas Sea Pool – hier entlang!

Hier kann man nicht nur Saunieren, sondern auch schwimmen. Und zwar mit Aussicht! Mit Aussicht auf den Dom von Helsinki, die alte Markthalle und die Uspenski Kathedrale. Es sind insgesamt drei Schwimmbecken: eines für Kinder, ein 25-Meter-Becken zum Schwimmen (beide beheizt) und für Wassergymnastik und ein 25-Meter-Becken mit Ostseewasser. Das ist gereinigt, aber nicht erwärmt. Es hat also immer die Temperatur der Ostsee. Ich war schon zwei Mal in Allas Seapool. Beim ersten Mal war ich im September da, da hatte das Wasser 13 Grad.

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Im Pool mit 13 Grad warmem (kaltem) Ostseewasser bin ich allein.

Manch einer wird jetzt vielleicht sagen: kalt. Aber Moment – ich war noch mal dort und zwar im März. Und da war das Becken fast zugefroren, lediglich eine Eck war eisfrei, damit wir Saunagäste ins Eiswasser gehen können. Und das war richtig toll! Ein Rettungsschwimmer ist vor Ort, es kann also gar nichts passieren. Ich bin nicht nur kurz untergetaucht, ich bin ein paar Züge geschwommen, bis zur Eiskante und zurück. Danach bin ich raus und habe es genossen – mir war richtig warm, obwohl es geschneit hat. Und dann haben mich die Glücksgefühle durchströmt. Herrlich – unbedingt ausprobieren!

 

Ich muss sagen, dass ich die Schwimmbecken in Allas fast besser finde als die Sauna. Es gibt eine für Männer, eine für Frauen und eine gemischte. In die gemischte geht man mit Badebekleidung, was ich persönlich nicht mag. Die Umkleiden in Allas sind in etwa so, wie ich sie aus Deutschland kenne. Zweckgebundener Raum mit Schränkchen. Und leider ziemlich eng, da Allas meist gut besucht ist. Die Sauna selbst ist schön. Die Bänke sind aus hellem Holz und um den Saunaofen (elekrtisch) gruppiert. Den Aufguss machen die Saunagäste selbst, dafür stehen zwei Eimer mit Schöpfkelle bereit.  Durchs Fenster dringt Tageslicht in die Sauna und gibt den Blick auf die Ostsee frei. Das ist schon sehr, sehr schön! Allerdings hatte ich den Eindruck, dass in Allas viele Touristen Gäste sind und deshalb eine gewisse „Unruhe“ geherrscht hat. Teilweise war es ein aufgeregtes Kommen und Gehen, weil es anscheinend für die Gäste so neu und ungewohnt war. Und man ja schließlich mal in die Sauna gehen muss, wenn man in Helsinki ist. Ich kann mich aber auch getäuscht haben.

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Relaxen mit Aussicht – Allas Seapool in der Abendstimmung

Auch wenn Allas bei weitem kein „Wellness“-Tempel ist wie viele Saunen in Deutschland, es ist bei schönem Wetter wirklich einen Besuch wert. Denn wenn es warm genug ist und die Sonne scheint, kann man auf der Terrasse sitzen und den Blick auf den Hafen, den Marktplatz sowie Dom, Rathaus und Präsidentenpalast schweifen lassen. Wenn die Sonne dann untergeht und alles in ein warmes Licht taucht – dann ist das derart kitschig, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Bei schlechtem Wetter sieht es allerdings schlecht aus mit Ruheplätzen. In der Umkleide ist kein Platz und draußen ist es zu kalt. Zumindest war es mir im März bei Schneegriesel und Wind zu kalt im Freien.

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Der Dom von Helsinki im Abendlicht – schöner geht’s kaum.

Außerdem ist es nicht teuer. Für etwa 12 Euro kann man den ganzen Tag in Allas verbringen. Und wer nur mal den Blick genießen will, kann auch von der Straße auf eine der Terrassen gehen und sich einen Eindruck verschaffen. Außerdem gibt’s ein Restaurant/Café, das für alle geöffnet hat und werktags ein Mittagsbuffet anbietet.

Löyly – vom Erfolg überrascht

Auf der anderen Seite von Helsinki, in Hernesaari (Hernesaarenranta 4, 00150 Helsinki) ist eine weiter, neue Sauna in Helsinki. „Löyly“, Aufguss, heißt die Sauna. Es ist ein ziemlich großes und futuristisch wirkendes Gebäude direkt am Strand. Die Sauna ist jedoch ziemlich klein. Der Rest ist Restaurant und Café. Hier kann man auch einfach einen Kaffee trinken und den Blick über die Ostsee schweifen lassen, während unten die Saunagäste zum Abkühlen in die Ostsee steigen.

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Blick von der Löyly-Terrasse auf Helsinki

Und zwar direkt in die Ostsee, über eine Treppe. Ursprünglich war die Sauna nur als „Add-On“ zum Restaurant gedacht, deshalb ist sie so klein dimensioniert. Allerdings wurden die Macher vom Erfolg überrascht, so dass man hier seinen Platz im Voraus buchen muss. Das ist leider einer der Gründe, warum ich die Sauna nur im „kalten“ angeschaut habe, aber nicht selbst dort sauniert habe.

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Zum Abkühlen geht’s direkt in die Ostsee.

Es gibt aber eine Rauchsauna und weil das ziemlich toll ist (habe ich an anderer Stelle mal ausprobiert), kann ich einen Besuch in Löyly nur empfehlen. Außerdem kann man hier direkt in die Ostsee tauchen, um sich abzukühlen. Wenn es wellig ist, ist es wellig, wenn das Meer ruhig ist, ist es ruhig. Es ist halt kein Schwimmbecken wie in Allas.

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Der Saunaofen in der Rauchsauna wird gerade angeheizt.

Sompasauna – die Guerilla-Sauna

Sompasauna ist kostenlos und rund um die Uhr, jeden Tag, geöffnet. Eine Gruppe Freiwilliger kümmert sich um die Sauna und sorgt dafür, dass Holz da ist. Es ist alles etwas ungewöhnlich – und gerade deshalb einen Besuch wert. Die Sauna besteht aus zwei Saunen, einer großen und einer kleinen. Die Umkleide ist eine Hütte, in der jeder sein Zeug einfach abstellt. Es gibt keine Schränkchen oder so. Die Saunen sind mit Holz beheizt und recht eng (auch die große). Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute sehr rücksichtsvoll sind. Zum Abkühlen geht’s auch hier direkt in die Ostsee!

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Eisloch mit Aussicht – Sompasauna

Duschen gibt’s keine, soweit ich das gesehen habe. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es hier an einem schönen Sommerabend sehr nett ist, mit Blick auf die Ostsee und die Stadt. Einfach mal ausprobieren – kostet ja nix! Ich war am Sauna-Tag dort.

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Sompasauna

Übrigens habe ich in den Saunen das Gefühl gehabt, dass die als so schweigsam geltenden Finnen hier durchaus reden. Und zwar nicht nur unter sich, sondern auch mit Fremden wie mir. Wenn ich auf Finnisch angesprochen werde, ist schnell klar, dass ich die Sprache leider kaum beherrsche. Deshalb antworte ich dann auf Englisch. Und schon ist man im Gespräch. Woher kommst Du? Bist Du öfter in Finnland? Wie gefällt es Dir hier? Wenn ich dann noch von der deutschen Saunakultur erzähle mit Sanduhr für die richtige Länge des Saunagangs und einem handtuchschwingenden Bademeister, der einmal in der Stunde den Aufguss macht, ist das für die Finnen oft lustig – und irgendwie lehrreich. Sauna ist nicht gleich Sauna. Und mir gefällt die finnische Sauna immer besser.