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Start in die Wintersaison

Als ich am Langwieder See ankomme und ein Foto machen will, denke ich mir: Das hast du doch schon 100mal fotografiert. Den See. Den Himmel mit und ohne Wolken. Die Bäume mit grünen Blättern, dann mit gelben und irgendwann ohne Laub. Aber das ist ja das Schöne: Es ist inzwischen vertraut. Das Schwimmen im See im Herbst, Winter und Frühling mache ich inzwischen auch schon ein paar Jahre und deshalb kenne ich auch diese Stelle am See schon recht gut. Und auch, wenn es immer dasselbe ist, ist es immer wieder anders.

Heute ist es recht windig, von Westen her weht es über den See. Der macht leichte Wellen, die Autobahn dröhnt übers Wasser. Ich lasse mich davon nicht stören, freue mich lieber, dass die Sonne trotz Wolkenschicht noch wärmt und gehe ins Wasser. Das ist frisch, aber nicht kalt. Untertauchen und schwimmen ist kein Problem. Mein Thermometer zeigt zwar stur 20 Grad an, aber das glaube ich nicht. Eher 16 Grad. Es bitzelt ein kleines bisschen, aber kein Kribbeln. Dazu ist es zu warm. Ich drehe eine kleine Runde, dann gehe ich wieder raus. Ich fühle mich erfrischt. Total toll!

Dann bleibe ich noch ein bisschen am Ufer. Und siehe da! Eine zweite Frau kommt! Wir ratschen ein bisschen, dann schwimmt sie los. Auch sie meint, dass das Wasser etwa 16 Grad hat und dass sie öfter hier ist.

Ich sehe ihr noch nach, dann radl ich zurück. Ich habe nämlich Hunger!


Nordsee-Baden

Das Chlorhuhn und das Meer, das ist so eine Sache … Ich glaube, das wird auch nix mehr mit uns. Ich war kürzlich an der Nordsee. Nicht in Deutschland, denn da ist immer Ebbe, wenn ich mal da bin. Sondern in Schweden. Am Kattegat. Ich bin den Kattegattleden geradelt. Der führt von Helsingborg im Süden bis nach Göteborg, immer an der Westküste entlang. Und natürlich fast immer am Meer, also der Nordsee entlang. Am zweiten Radltag war die Nordsee wütend oder zumindest hat sie gewütet. Es war ein heftiger Wind und dadurch gab’s heftige Wellen. Fürs Radln kein großer Spaß (kann man hier im neuen Radl-Blog lesen), fürs Schwimmen noch weniger.

Sieht schön aus, ist aber krass laut!

Nach 65 Kilometern Tagestour, zum Teil mit krassem Gegenwind, bin ich in Båstad angekommen. Ein Örtchen direkt am Meer, auch mein Hotel liegt direkt am Meer. Ich kann von meinem Zimmer im Bademantel losmarschieren und bin gleich am Sandstrand. Sand, das ist auch so eine Sache bei mir. Ich verstehe gar nicht, was alle immer mit ihren Sand-Stränden haben. Da hast den Sand überall (wirklich überall) und der geht auch nicht mehr weg. Ich bin also froh, dass ich nur Badelatschen und einen Bademantel anhabe, da hält sich das mit dem Sand-Souvenir in Grenzen.

Muscheln am Strand und die Pier geht ganz schön weit raus. Und da draußen ist es immer noch flach …

Der Wind bläst, ist zum Glück aber nicht kalt. Nur: wohin mit dem Bademantel (in dem auch meine Schlüsselkarte ist)? Ich sehe kleine Holzhüttchen mit Veranda. Keiner da, deshalb erlaube ich mir, meine Schuhe und den Bademantel hier in ein windgeschützes Eckchen zu legen. Und dann mache ich mich auf zum Strand, eine Minidüne hinunter und dann über den warmen Sand zum Wasser. Tausende und tausende Muscheln liegen hier. Und die Wellen rauschen ans Ufer. Das Wasser scheint flach zu sein, aber ich sehe nicht, was unter mir ist. Ich will ungern in scharfe Muschelkanten treten, deshalb entscheide ich mich für den Weg über die Pier. Sie führt relativ weit raus, am Ende ist eine Leiter. Über die gehe ich ins Wasser. Also, erstmal mit den Füßen. Es ist warm, trotz des Windes. Aber was ist unter mir? Wie tief? Wasserpflanzen? Ungeheuer? Es dauert ewig, bis ich mich entscheide einzutauchen. (Beim Eisschwimmen bin ich da viel zielstrebiger).

Und naja. Was soll ich sagen? Wasser halt. Zum Glück nicht tief. Je nach Wellental oder -berg geht mir das Wasser bis zu den Oberschenkeln oder zum Bauch. Schwimmen? Keine Chance. Es gibt auch keine Wellenpause. Es ist entweder hoch oder tief, aber nie ruhig. Und kräftig sind die Wellen! Ich tauche ein paar Mal ein, lasse mich hin- und herschwappen. Spaß sieht anders aus. Das ist nicht meine Welt. Ich stelle mich wieder hin und da wirft mich so eine Welle von hinten fast um! Zaxndi! Do legst di nieda!

Ich kraxle die Leiter wieder rauf, gehe über die Pier zurück zum Strand, von da zurück zum Holzhüttchen – und bin trocken. Der Wind hat mich trocken geweht!

Jetzt gehe ich erstmal in die Sauna des Hotels. Die hat eine riesige Glasfront mit Blick auf den Strand und das Wasser und ich bin der einzige Gast. Herrlich.

Sauna mit Tageslicht und Aussicht

Einen weiteren Nordsee-Versuch gab’s im Verlauf der Reise noch. In Steninge. Da übernachte ich in einem Hostel – und das war so schön da, das muss ich jetzt erst loswerden. Kennt ihr das, wenn ihr an einen Ort kommt und euch sofort wohl fühlt? Und willkommen? So war das im Vandrarhem Steninge! Catarina und Per betreiben dieses Hostel direkt an der Küste und am Kattegattleden. Und Catarina hat mich sofort herzlichst begrüßt, fast wie eine Freundin. Sie strahlt einfach sowas Herzliches, Gastfreundliches aus, das kann man nur schwer beschreiben, das muss man erleben. Es gibt einfach Leute, die zum Gastgeber geboren sind. Und eigentlich ursprünglich einen ganz anderen Beruf ausgeübt hatten. Das ist bei Catarina so und das war auch bei Marianne in Boxholm so. Die ist auch so eine Frau, bei der man sich sofort „dahoam“ fühlt und umsorgt, aber nicht so übermuttermäßig. Sondern einfach willkommen. Als Gast.

Per ist Weltmeister im Haferbreimachen. Er und Catarina betreiben das Vandrarhem Steninge.

Ich habe beim Weiterradln dann lange drüber nachgedacht, warum das bei Catarina und Marianne so anders ist als in einem (großen) Hotel. Da sind die Leute ja auch zuvorkommend und nett (schließlich ist man ja zahlender Gast). Aber das ist so ein „professionelles“ Nett, so, so … ich weiß nicht … nicht von Herzen. Sondern weil es halt dazu gehört, der Job es erfordert und man ja Dienstleister ist. Während das Nett-Sein im Vandrarhem Steninge und im Hotell Sommarhagen tatsächlich von Herzen kam. Weil die Betreiberinnen (zumindest habe ich das so empfunden) mit Herzblut bei der Sache sind. Und vielleicht auch, weil es ihr Hotel/Hostel ist. Sie haben es aufgebaut, die Gäste kommen zu ihnen – und wohl auch wegen ihnen – genau hierher. Sie sind nicht nur Angestellte, die ihren Job machen (bitte nicht falsch verstehen, ich habe hohen Respekt vor Jobs in der Hotellerie/Gastronomie; und die meisten machen den Job gut!). Es ist aber deren Projekt, deren „Baby“ und das merkt man.

So, jetzt aber zum Strand. Denn dahin hat mich Catarina dann auch gleich geschickt, der ist nämlich einfach auf der anderen Straßenseite.

 

Das ist ein Naturstrand, das heißt, die Algen werden nicht entfernt. Das Wasser ist trüb und wellig. Es gibt auch hier eine Leiter zum Reingehen. Ich spreche mit einer Frau, die gerade ihre Schwimmrunde beendet hat. Sie macht mir Mut: Das Wasser ist sauber, das Aufgewühlte ist nicht schlimm. Ich könne stehen, Wasserpflanzen gibt’s auch keine und wenn ich zwischen der Leiter und der Pier (die zu einer Insel führt) schwimme, ist es „safe“.

Ich wage mich also ins Wasser und schwimme ein bisschen hin und her. Weil der Strand in einer Bucht ist, sind die Wellen hier nicht so heftig wie in Båstad. Aber so richtig Schwimmen ist das auch nicht. Eher baden und sich treiben lassen. Für den Abschluss einer Radltour ganz schön. Als ich dann in der Dusche den Bikini ausziehe, sehe ich, dass in ein „Mitbringsel“ abbekommen habe. Der Schlamm hat sich in den Nähten gesammelt. Das sieht nicht schön aus, lässt sich aber zum Glück ganz leicht ausspülen.

Und später gibt’s hier einen wirklich schönen Sonnenuntergang zu sehen. Ich kann meinen Blick kaum abwenden, so schön ist es, der Sonne beim Untergang zuzusehen. Wie sie langsam aber sicher ins Meer fällt, ein Sonnenbad sozusagen.

Schon schön, so ein Sonnenuntergang über dem Meer!

Jetzt nimmt die Sonne ein Bad – ein Sonnenbad!

Als ich bei meinem vorigen Schwedentrip in Göteborg war (das ich übrigens sehr empfehlen kann), bin ich mit dem Schiff auf die Schären gefahren. Das ist eine feine Sache, einfach so mit dem öffentlichen Nahverkehr in eine Inselwelt zu fahren. Schon die Fahrt war Urlaub. Und es ist wirklich schön da im Schärengarten vor Göteborg.

Mit der Tram zur Endhaltestelle und dann aufs Schiff.

Hinaus in den Schärengarten von Göteborg. Für nur 9 Euro (Tagesticket)!

Ich bin bis zur Endstation gefahren und da ein bissl rumspaziert.

Dann habe ich mich in einem sehr gemütlichen Fleckerl Strand niedergelassen, dem Meer gelauscht und mein Buch gelesen.

Mein idyllisches Platzerl – ganz für mich allein!

Später bin ich dann weitermarschiert und habe eine schöne Badestelle gefunden. Mit großen, runden Felsen, auf denen ich mir ein Platzerl gesucht habe. Und einem Steg samt Leiter, um ins Wasser zu kommen.

Auf den Felsen war’s schön warm!

Auch hier war die Nordsee Anfang Juli schön warm, etwa 22 Grad. Und es war wellenarm, weil es in einer Bucht war. Ach, hätte man hier schön schwimmen können. Glasklares Wasser, kaum Wellen – aber irgendwas hat immer an meinen Füßen gekitzelt. Komische Wasserpflanzen, ohje! Chlorhuhnalarm. Ich bin dann nur vom Steg zu meinen Steinen und zurückgeschwommen.

Wasserpflanzen ohne Ende …

… die beim Schwimmen kitzeln.

Genug (Nerven)Kitzel fürs Chlorhuhn. Ich hab mich dann an Land wie ein Seehund auf die warmen Steine zum Trocknen gelegt. Mit vom Salzwasser pappiger Haut. Da waren mir die Seen in Schweden schon um einiges lieber!


Aufm Wasser in Stockholm

Stockholm ist nicht nur am, sondern im Wasser. Die Stadt besteht aus 14 Inseln. Und was ist um die Inseln herum? Wasser. Eine Stadtrundfahrt darauf bietet sich also geradezu an. Und genau das habe ich gemacht. Mit dem Pendelboot, das im U-Bahn-Ticket-Preis inbegriffen ist. Ganz nett und entspannend. Aber viel interessanter war die andere Variante: im Kajak!

Blick vom Rathausturm auf den Riddarfjärden mit Riddarholmen.

Los ging’s am Anlegesteg von Stockholm Adventures in einem ruhigen, kanalartigen Seitenarm des Mälarensee auf Kungsholmen. Wir saßen zu zweit im Kajak: Malin, unser Guide und Stadtführerin (wenn man so will), und ich. Im anderen Zweierkajak waren weitere Touristen aus Taiwan. Ich bin ja schon zweimal Kajak gefahren: In dem stillgelegten Bergwerk in Slowenien und auf dem Vesijärvi (Wassersee) in Lahti in Finnland. Beide Male war das Wasser sehr ruhig, spiegelglatt. Unter der Erde kann es auch gar nicht wellig sein und auf dem finnischen See war einfach traumhaftes Herbstwetter.

Unsere Zweierkajaks für die Stadtrundfahrt.

Jetzt war es anders. In Stockholm wehte an diesem Juni-Tag ein ziemlich entschlossener Nordwind. Auf dem Kanalarm (Klarasjö) haben wir davon noch nichts mitbekommen. Doch Malin warnt uns vor, dass das nach der Brücke ganz anders sein wird. Wir nähern uns also der Brücke beim Rathaus (Cityhall) und fahren unter ihr durch. Es gibt einen großen Bogen, unter dem auch die größeren Boote fahren, und zwei kleine, sehr niedrige. Es sieht fast so aus, als wäre das zu niedrig für uns. Aber es klappt, ich muss nicht mal den Kopf einziehen. Und dann ist es ziemlich dunkel und bissl gespenstisch. Aber auch schön!

Von der Brücke aufgenommen. Das Rathaus von Stockholm, an dem sind wir mit dem Kajak vorbeigefahren.

Und dann geht’s raus. Zwar nicht aufs offene Meer, aber es fühlt sich fast so an. Es ist wellig und windig. Wir sind noch immer auf dem Mälarensee. Von hier ginge es theoretisch in die Ostsee, aber die Hauptschleuse (Slussen) ist schon seit einiger Zeit eine riesige Baustelle und alle Boote müssen einen ziemlichen Umweg fahren. Als wir am Rathaus, das hier direkt am Eck der Insel Kungsholmen steht, vorbei sind, wird’s erst richtig wellig! Der Wind kommt von rechts, außerdem herrscht hier, zwischen Kungsholmen, Riddarholmen und Södermalm ziemlich viel Schiffverkehr. Die Pendelboote (mit denen ich auch schon gefahren bin), private Motorboote, Ausflugsboote, Segelboote … alles ist hier unterwegs. Und wir: mittendrin. Oder eher: unten drunter. Im Kajak sitze ich quasi auf der Wasseroberfläche, alles über mir ist riesig. Es ist fast wie beim Schwimmen, nur eine halbe Etage höher.

Jetzt überqueren wir die Bucht, rüber nach Södermalm. Es sind etwa 800 bis 900 Meter, wenn man schnurgerade fährt, erklärt Malin. Wir haben keinen Kilometerzähler dabei, also wissen wir auch nicht, wie weit es tatsächlich ist. Es schaukelt ganz schön und ich bin heilfroh, dass ich mit Malin eine erfahrene Kajakfahrerin im Boot habe. Sonst hätte ich ganz schön Angst. Dass mich die Wellen umwerfen. Dass mich ein anderes Boot rammt. Dass ich es nicht schaffe oder im Wasser lande. Und dann nicht mehr ins Boot komme. Aber dank Malin, die hinten sitzt, bin ich recht ruhig und konzentriere mich aufs Paddeln. Links. Rechts. Links. Rechts. Und Kurs halten. Wir steuern auf das langgezogene Backsteingebäude zu. Es sieht aus wie eine Brauerei und das war es bis 1971 auch: Münchens Bryggeri.

Die Münchens Bryggeri in Södermalm. Das langgezogene Backsteingebäude sieht man auch von Kungsholmen und natürlich auch aus dem Kajak.

Die Querung des Riddarfjärden ist geschafft. Jetzt lotst uns Malin an der Küste Södermalms entlang und erzählt uns ein bisschen was. Dass die Insel mal das Arbeiterviertel von Stockholm war und jetzt ein „In“-Viertel mit vielen Cafés und Kneipen ist. Ich war am Vormittag dort spazieren. Es hat mir sehr gut gefallen.

Langsam aber sicher gelangen wir in ruhigeres Gewässer. Eine Art Kanal ist das jetzt. Eine Wasserstraße zwischen zwei Inseln. Herrlich ruhig, es gibt nicht mal Wellen! So schön entspannt paddelt es sich gleich besser. Wir kommen an unzähligen Booten vorbei, die hier liegen. Es sind schicke, zum Teil alte, Holzboote. Eine Art Wahrzeichen von Stockholm. Langsam gleiten wir an allen Booten vorbei. Eine wirklich bezaubernde Atmosphäre. Der Lohn für die Wellenmühen. Und so nur vom Boot aus zu sehen. Die Strapazen und Wellen von vorhin: vergessen. Ich bin begeistert!

Idylle pur! Die alten Boote zwischen Södermalm und Langholmen sind eine Sehenswürdigkeit in Stockholm. Am schönsten natürlich, wenn man selbst im Wasser ist.

Die Insel zu unserer rechten ist Langholmen, hier war früher das Gefängnis. Heute sehe ich eher Leute, die die Freiheit beim Grillen und Baden genießen. Wir gleiten weiter über das Wasser. Hin und wieder erzählt Malin etwas oder beantwortet Fragen. Es ist aber keine „klassische“ Stadtführung mit vielen Zahlen, Daten, Fakten oder Geschichten. Es geht mehr ums Erleben. Sich selbst ein Bild machen. Den besonderen Aspekt vom Wasser aus zu genießen. Die Stadt auf sich wirken lassen. Das gefällt mir gut.

Blick vom Kajak auf Boote und Wasser.

„Normalerweise fahren wir um die Insel Langholmen herum, aber weil es heute so windig und wellig ist, würde ich vorschlagen, wir fahren auf diesem Weg zurück. Wellen bekommt ihr nachher ohnehin genügend“, empfiehlt Malin. Es ist zwar ein bisschen schade, aber ich erinnere mich nur ungern an die Überquerung des Riddarfjärden, die uns gleich nochmal bevorsteht. Und so genieße ich noch das ruhige Wasser, lasse die alten Boote nochmal an mir vorbeiziehen und bereite mich auf die Wellen vor.

Kaum sind wir aus dem Schutz der Insel, wird es ungemütlich. Wir werden ganz schön durchgeschaukelt. Auch der Bootsverkehr nimmt jetzt wieder merklich zu. Malin versucht eine „Ideallinie“ für die Querung auszumachen. „Wir peilen die Kirche da hinter der Häuserfront an“, gibt sie die Richtung vor. Und: „Einfach so ruhig wie möglich paddeln. Ein Schlag nach dem anderen. Eins. Zwei. Eins. Zwei.“ Es ist ziemlich anstrengend, weil wir jetzt auch gegen den Wind paddeln. Die bunte Häuserfront von Kungsholmen, sie will einfach nicht näher kommen. Dafür ein ziemlich großes Schiff. Gottseidank täuscht die Optik und es kreuzt hinter uns. „Solange die Wellen nicht seitlich kommen, ist es ok“, beruhigt uns Malin. Und irgendwann sind die hübschen bunten Häuser nah.

Fast geschafft! Die Häuserzeile auf Kungsholmen kommt näher!

Es geht jetzt in Ufernähe zurück zum Rathaus. Schaukel, schaukel, spritz, spritz. Ein Schlag nach dem anderen nähert sich wieder ein Etappenziel. Das Rathaus.

Gar nicht so leicht, ein waagrechtes Bild im Schaukelkajak hinzukriegen. Der Rathausturm links ist das nächste Ziel.

Dann um die Ecke, zur Brücke. Unter dem niedrigen Bogen hindurch. In den kanalartigen Arm, in dem wir gestartet sind. Auf der einen Uferseite die grünen Bäume. Die Weide, die tief ins Wasser hängt. Auf der anderen Uferseite: ein Netz aus Straßen, die hier über- und untereinander verlaufen. Ein Knotenpunkt in der Großstadt. Was für ein Gegensatz! Und wir mittendrin. Im bzw. auf dem Wasser. Und dann sehen wir auch schon unseren Anlegesteg von Stockholm Adventures. Die zwei Stunden im Kajak sind rum. Schön war es. Abwechslungsreich. Abenteuerlich. Neue Perspektiven auf diese zauberhafte Stadt aus 14 Inseln.


Eiszauber

Der Dauerfrost hat ganz zauberhafte Welten gemacht. Der Tegernsee hat eine Eisschicht! Und das musste ich dann natürlich anschauen.

Der Tegernsee ist zugefroren, das Eis ist durchsichtig

In Abwinkl nahe der Ringseeinsel ist der See zugefroren. Das sieht nicht nur wahnsinnig toll aus. Es entsteht eine ganz andere Klangkulisse. Es ist sehr still. Der See liegt starr und macht keinen Mucks. Das fällt ja sonst nicht auf, aber bissl Geräusche macht so ein Gewässer immer. Jetzt nicht.

Eine ganz besondere Stimmung herrscht dank der Eisschicht auf dem Tegernsee

Außerdem ist das Eis spiegelglatt und durchsichtig. Der Tegernsee hatte wohl wenig Wasser, als er zugefroren ist, denn die Uferlinie ist weit innen. Durch die Eisschicht kann man die Steine sehen und die Tiefe erahnen. Ich traue mich aber nicht auf die Eisfläche. Wer weiß, wie stabil die ist? Also nur vom Ufer beobachten.

Das Eis ist glasklar und durchsichtig. Und die Welle hat den Stein eingeeist.

Ich spaziere weiter. An der Bootsanlegestelle ist der See nur noch teilweise gefroren. Und hier klingt es anders. Ein Gluckern durchbricht die Eisesstille. Die Enten haben Spaß an der Eiskante.

Blick von der Anlegestelle Abwinkl Richtung Ringsee

An den Pfosten der Schiffsanlegestelle hört die Eisfläche auf.

Weil es ja nicht nur kalt, sondern auch windig war, sieht man an den Stegen noch, wie das Wasser hochgeschlagen hat und dann festgefroren ist.

Die Stegpfosten haben „Söckchen“, der Ostwind hat Wellen gemacht, die dann Schicht für Schicht festgefroren sind.

Noch ein Stückchen weiter klingt es wieder anders. Ein Klirren und Klackern, wie bei Eiswürfeln im Cocktailglas. Hier schwimmen nämlich kleine Eisstücke umher.

Und noch eine Ecke weiter gibt’s einen anderen Sound: Die Wellen sind ganz klein und schlüpfen unter den Eisrand am Ufer. Ein Gluckern und Klirren. Wunderschön!

Unter der Eisschicht am Ufer gluckert das Wasser, das in leichten Wellen ans Ufer schlägt.

Eisschwimmen war ich noch nicht. Dieses Mal habe ich nur die Eisstimmung genossen. Ein seltenes kurzes Vergnügen!

(Leider sind die Videos kopfüber, sorry!)


Hochwasser und kaltes Wasser 

Schön langsam fängt die neue Eisschwimmsaison an. Ja, genau jetzt! Wo das Wetter oft noch gut und das Wasser in vielen Seen noch nicht kalt ist. Stichwort: Gewöhnung!

Ich habe heute einen beruflichen Termin mit der Möglichkeit zum Schwimmen im Tegernsee verbunden. Es hat am Wochenende viel geregnet und deshalb ist der See ziemlich voll, Hochwasser sozusagen. Nicht schlimm, aber deutlich sichtbar. Und das Wasser ist abgekühlt. 16,5 Grad hat der Tegernsee noch! Ich denke mal, dass der Lußsee noch wärmer ist. 


Egal. Ich bin am besten See von allen. Es ist ein herbstlicher September-Tag nach einer kalten Nacht. Im Schatten ist es kühl, 14-16 Grad  vielleicht. In der Sonne ist es aber sehr angenehm. 

Ich gehe zur Point. Da biegt der Tegernsee quasi in die Egerner Bucht ein. Vor der Bucht ist der See arg wellig und unruhig. Es ist übrigens genau gegenüber meiner normalen Schwimmstelle. 

Blick auf meine eigentliche Schwimmstelle


Ich gehe also um die Ecke und da wird der See ruhiger. Der „Überführer“ kann gar nicht fahren, sein Steg ist überflutet. Gut für mich, weil es abgelegen und ruhig ist. 

Der Steg ist zum Teil unter Wasser


Ich ziehe den Bikini an und gehe auf den Steg. So kalt fühlt sich das Wasser nicht an. Dann beim Eintauchen kurzer Schreck. Am nackten Bauch ist es doch kalt. Aber es geht! Ich schwimme. Etwas hinaus, dann in die Bucht hinein. Kitschig ist gar kein Ausdruck! Hier werden Postkartenmotive aufgenommen. Ich kenne es ja eigentlich, ist ja meine Heimat. Aber irgendwie sehe ich es immer öfter mit anderen Augen. 


Ich schwimme noch ein Stück weiter Richtung „offenem“ See, aber die Wellen sind doof und das Ausflugsschiff kommt auch noch. Ich schwimme zurück und gehe an Land. 

Ein gaaaanz leichtes Kribbeln setzt ein, während mir die Sonne auf den Pelz scheint. Herrlich! Vorfreude ist toll! Nachglühen auch!


Schwimmen im Lago Maggiore 

Ich war mal wieder unterwegs. Und zum ersten Mal in meinem Leben so wirklich in Italien. Eine meiner Schwimmfreundinnen hat geheiratet und mich zur Hochzeit eingeladen. Und diese Hochzeit war am Lago Maggiore. Ich bin einen Tag früher angereist und mir einen schönen Tag am See gemacht.

panorama

Lago Maggiore

Der Lago Maggiore ist groß und von Bergen umrahmt. Also ein kleines bisschen so wie der Tegernsee. Halt in groß. Es sieht sehr schön aus und ich habe einen kostenlosen Strand gefunden.

Ein Sandstrand am See, das finde ich verwirrend. Weil ich dadurch und weil es in Italien ist, fast denke, dass ich am Meer bin. Ich suche ein schattiges Plätzchen und schlage mein Lager auf.

fuesse-strand

Fühlt sich gleich nach Urlaub an, wenn man die Füße in den Sand legt …

Dann messe ich die Wassertemperatur. Mein Hautthermometer sagt: genau richtig zum Schwimmen. Das Thermometer mit den Zahlen zeigt 24,5 Grad. Perfekt!

thermometer

Ideale Wassertemperatur

Ich bin also voll motiviert und setze Kappe und Brille auf, damit das Abenteuer starten kann. Meine Boje habe ich nicht mitgenommen (warum? Warum? Warum?), aber am Ufer entlang wird es schon gehen. Ich sehe auch andere Krauler.

Beim Reingehen muss ich feststellen, dass die Steine recht groß und vor allem glitschig sind. Ich tauche fix unter, wenn ich schwimme, kümmert mich der Boden nicht. Im Wasser schwimmen leider seltsame Dreckpartikel. Nicht so schön… ich vermute, dass es der Algenglitsch von den Steinen ist. Ich schwimme Brust, da ist die Gefahr geringer, dass ich so ein Algen-Zeugs einatme. Und ich stelle leider fest, dass der See sehr wellig ist. Obwohl es windstill ist.

Liegt wohl an den Motorbooten, die hier rumcruisen… hm. Was nun? Wenn die Wellen schon beim Brustschwimmen so blöd sind, will ich erst gar nicht kraulen.

Aber dann denke ich: probiert’s einfach. Wenn es blöd ist, kannst ja immer noch Brust schwimmen. Und siehe da: Das Kraulen klappt besser als gedacht! Und hier, etwas weiter vom Ufer entfernt, sind auch diese Partikel weg. Yeah!

Ich genieße meinen Ausflug. Das Wasser ist angenehm warm und schön grün. Etwas dunkler als im Tegernsee. Ich schwimme zu dem Strand vom Hotel. Der ist an Land nur für Hotelgäste, aber im Wasser darf jeder schwimmen und schauen. Hihi…

vom-boot

Vom Boot aus habe ich dann ein Foto gemacht – so weit draußen bin ich aber nicht geschwommen – wegen der vielen Motorboote.

Auf dem Rückweg schau ich mir noch den anderen Strand an, den ich auf dem Hinweg an Land aus der Ferne gesehen habe. Mit Liegen und Schirmen und Schnickschnack – nix für mich.

Ich beende meinen Ausflug, der doch schöner war als anfangs gedacht.

süsses-strand

Urlaub! Stärkung! Yeah!

Ich beschließe, nach dem Abendessen wieder ans Wasser zu gehen und einen Sundowner-Swim zu machen.

pizza

Pizza ist in Italien natürlich Pflicht!

Jetzt ist das Wasser ruhig, die Sonne grüßt von hinter den Bergen und taucht alles in ein weiches Licht. Ich schwimme Oma-Brust und sehe vom Wasser aus noch ein paar letzte Sonnenstrahlen.  Herrlich!

panorama-abend

Abendstimmung am See

wolken

So schön und noch viel schöner war es am Abend beim Schwimmen!

Am Tag der Hochzeit war ich am Vormittag noch mal schwimmen. Das ist einfach so ein schöner Start in den Tag, wenn man gemütlich im See schwimmt.  Ganz ohne Ziel oder Bahnen zählen. Einfach nur schwimmen, das Wasser genießen. Sich leicht und schwerelos fühlen. Schweben. Vom Wasser aufs Land schauen. Perfekt!

samstag-vormittag

Wolkig und trüb, aber das Wasser war herrrrlliiiichchch!

Die Hochzeit war natürlich auch sehr schön. Zur Trauung sind wir mit dem Boot gefahren. Hätten wir alle mal eine Boje eingepackt… 😉

 

baveno

Baveno vom Boot aus – die Hochzeitsgesellschaft setzte per Schiff über ans andere Ufer.

Das Abendessen der Hochzeitsfeier war dann an einem kleinen Nachbarsee des Lago Maggiore – am Lago di Mergozzo. Ebenfalls sehr hübsch, trotz Wolken!

Anders als der Lago Maggiore wäre der Lago di Mergozzo wohl perfekt zum Schwimmen: Er ist laut Wikipedia 2,6 Kilometer lang und etwa einen Kilometer breit. Außerdem gilt er als einer der saubersten Seen Europas, Motorboote sind nicht erlaubt. Zwischen den beiden Seen ist Schwemmland, weil sie ursprünglich miteinander verbunden waren (was ich aufgrund der Lage schon vermutet hatte). Ein Dammbau im 9. Jahrhundert trennte die Bucht ab und schuf so den „piccolo lago“.

 

Übersichtskarte von Lago Maggiore und Lago di Mergozzo

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Wellengang 

Heute ist es bewölkt und leicht windig. Ich will trotzdem im Tegernsee schwimmen. Die Luft hat 20,4. Grad, das Wasser 20,1. Also ganz gut eigentlich. 

Ich schwimme, aber der See mag mich heute nicht. Seine Wellen platschen mich an, zweimal schlucke ich Wasser. Und es ist anstrengend, gegen die Wellen zu schwimmen. Zum ersten Mal bekomme ich ein Gefühl dafür, wie sich die „echten“ Freiwasserschwimmer fühlen müssen. Ich möchte gar nicht wissen, wie anstrengend es sein muss, den Kanal oder andere große Gewässer zu schwimmen. Hut ab!

Zwischendurch geht’s wieder ganz gut voran, dann bringen mich die Wellen wieder aus dem Rhythmus. Ich freue mich auf den Rückweg. 

Doch denkste: Obwohl ich jetzt mit den Wellen schwimme, ist es nicht viel besser. Denn sie haben einen anderen Rhythmus als ich und kommen leicht seitlich. Ich komme nur schwer in meinen Rhythmus und manchmal fällt mir sogar das Atmen schwer. Ich freue mich also, als ich mein Ziel erreicht habe. Das Wasser war zwar angenehm temperiert, aber zum Schwimmen zu wellig. Ich bin halt doch eher ein Chlorhuhn…