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Zweimal kalt zum Winteranfang

Ich muss gestehen: Ich bin nicht mehr so eifrig beim Eisschwimmen wie die letzten Jahre. Ich habe mich auch ein bisschen zur „Schönwettereisschwimmerin“ entwickelt. Wenn Ostwind ist: keine Lust, viel zu kalt beim Heimfahren. Bei Nebel: ebenso. Regen: geht gar nicht, Schnee ebenso. Und Westwind – da bin ich kürzlich umgedreht, weil ich auf dem Radl kaum vorangekommen bin und mir dachte, dass mir dann am See die Wellen ins Gesicht platschen und an Land mein Zeug wegweht. Ihr seht schon: Wenn man keine rechte Lust hat, ist jede Ausrede recht. Und als ich das letzte Mal schwimmen war, habe ich ganz seltsames Kälte-Kopfweh bekommen …

Aber dann gibt’s die Tage, an denen ich doch wieder Lust verspüre. Ich an den See radeln will, um im kalten Wasser zu schwimmen. Hätte ich gestern schon gern gemacht, aber das Wetter hat sich nicht an die Vorhersage gehalten – es hat bis Nachmittag geregnet. Als es dann endlich aufgehört hat, war die Zeit zu knapp, um zum See zu fahren. Es sind ja grad die kürzesten Tage und es wird früh dunkel. Also nur ein kleiner Spaziergang, am Nymphenburger Schlosskanal. In herrlichster Abendlichtstimmung und mit spiegelglattem Wasser. Da habe ich die Lust aufs Eisschwimmen ganz deutlich gespürt! Oh, wie schön wäre es, jetzt da reinzugehen, unterzutauchen und zu schwimmen!

Abendstimmung am Nymphenburger Schlosskanal

Und weil es heute Vormittag tatsächlich nur bewölkt war, kein Regen, kein Wind, habe ich meine Siebensachen eingepackt und bin zum Langwieder See geradelt. Eine andere Strecke als gewöhnlich, irgendwie war mir nach Abwechslung. Als ich am See ankomme, liegt er spiegelglatt und einsam vor mir. Yeah! Die Freude wird kurz getrübt, denn als ich meine Decke ausgebreitet habe, kommt ein Paar mit einem riesigen Schäferhund. Natürlich ohne Leine (ich glaube, man kann in München keine Hundeleinen kaufen) und dann muss der Hund natürlich erstmal ins Wasser. Ich beobachte die Szene kritisch, denn ich kenne das schon: Der nasse Riesenhund läuft zu mir – obwohl sonst genügend Platz ist. Ich habe Glück, der Hund weiß was sich gehört und bleibt bei seinen Haltern. Und die gehen dann auch wieder.

Jetzt wird’s ernst! Ich ziehe mich aus, es ist kühl (etwa 5-7 Grad) und mir ist vom Radln warm. Dann gehe ich ins Wasser. Oh! Kalt! Brrr! Aber klar, was habe ich erwartet. Ich schaffe es recht schnell, unterzutauchen und loszuschwimmen. Im flachen Wasser nur, zur Sicherheit. Und es ist kalt. Es ist richtig kalt. Auf der glatten Wasseroberfläche sehe ich meinen Atem. Ich merke, wie ich sehr schnell atme, unruhig bin. Weil es echt kalt ist. Ich drehe um, schwimme zurück. Es geht nicht. Ich muss hier raus. Dann stehe ich am Ufer, das Handtuch um mich gewickelt. Und warte ab. Höre in mich rein. Merke, wie der Puls und der Atem ruhiger werden. Ah, das ist gut.

Vielleicht gehe ich jetzt doch nochmal rein? Weil ich mir ja schon öfter gedacht habe, dass es vielleicht doch länger gegangen wäre. Wenn der erste Schock überwunden ist. Bisher habe ich das nie gemacht. Aber heute schon. Ich lege also das Handtuch auf meinen Platz und gehe erneut ins Wasser. Es ist immer noch kalt. Saukalt! Aber ich bin ruhiger und kann noch einmal im flachen Wasser am Ufer hin- und herschwimmen. Dann muss ich doch raus. Es ist zu kalt. Ich bin es einfach nicht mehr gewöhnt. Meine Muskeln vibrieren vor Kälte. Ich bin knallrot! Und meine Zehen sind so steif, dass ich kaum in meine Flip-Flops komme. Ich bin auch ein Depp! Genau deshalb habe ich eigentlich Schlappen ohne Zehentrenner, für die eisigen Tage. Die hätte ich mal einpacken sollen. Jetzt ist es zu spät, irgendwie geht’s, dass ich die zwei Schritte in zur Decke gehen kann. Die Schuhe will ich vor allem deshalb anziehen, damit meine Füße nicht schmutzig werden. Weil kalte, nasse Füße sich nicht gut von Schmutz befreien lassen. (Weitere Tipps zum Eisschwimmen gibt’s hier.)

Passende Badekappe zum Eisschwimmen, nur die Flipflops sind ungeeignet.

Dann abtrocknen, Badeanzug runter, T-Shirt an. Unterhose an. Socken, Hose, Pulli, Schal, Jacke, Mütze statt Badekappe. Mann, ist mir kalt. Es kommt nicht mal ein Kribbeln oder so, es ist einfach nur kalt. Ich trinke von meinem heißen Tee aus der Thermosflasche, das tut gut. Dann packe ich zusammen und radle heim. Beim Radeln sind natürlich meine Finger kalt und fast steif, meine Füße sind Eisklumpen. Hm… irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Aber irgendwie war’s trotzdem schön!


Ins kalte Wasser

Zum Glück! Ich war heute wieder im See. Nachdem ich letzte Woche so eine Art „Krise“ hatte und am Ufer des Langwieder Sees alles in Frage gestellt habe, ging’s heute wieder. Es ist zum einen etwas wärmer in München, zum anderen ist endlich kein fieser Ostwind mehr. Und so habe ich beschlossen, wieder zum See zu fahren und zu schauen, wie es läuft.

Es waren Wolken, die Sonne hatte sich dahinter versteckt. Es gab auch Wolkenlücken, aber die waren an anderer Stelle. Am See war’s ruhig. Ich habe meine Sachen ausgepackt und hergerichtet, mich mental darauf vorbereitet, zu schwimmen. Oder damit klarzukommen, dass es nicht klappt. Aber ich habe nichts in Frage gestellt.

Mit Wolken ist es weniger trist als bei Nebel. Selbst, wenn die Sonne hinter den Wolken bleiben mag …

Die Luft hatte so etwa 8 Grad. Ich gehe ins Wasser, das sich kalt an den Füßen anfühlt. Kälter als beim letzten Schwimmen. Ich tauche unter und schwimme los. Ist.Das.Kalt! Atemwölkchen bilden sich über der Wasseroberfläche. Am Hals schneidet das Wasser wie ein Messer, so kalt kommt es mir vor. Ich versuche ruhig zu atmen und zu schwimmen. Mich an die Kälte gewöhnen. Der Puls wird ruhiger, aber meine Hände und Füße werden kälter. Und dann auch die Arme. Es ist immer noch kalt, das Wasser am Hals schneidet weiterhin wie ein scharfes Messer aus Stahl. Inzwischen bin ich einmal hin- und hergeschwommen. Einmal schaffe ich noch, nehme ich mir vor. Ich merke, wie ich langsamer werde beim Schwimmen. Aber ich schwimme, langsam aber stet. Zurück schaffe ich auch. Naja. Fast. Ich kürze ab und gehe an Land. Ein Blick aufs Thermometer: 7 Grad ist das Wasser kalt. Beim letzten Mal waren es noch 10 Grad. Das ist schon ein Unterschied. Ich finde, man merkt, ob das Wasser über oder unter 10 Grad hat. Und die 5-Grad-Grenze merkt man dann auch nochmal.

Ich bin beim Abtrocknen und Umziehen so „beschäftigt“, dass ich überhaupt kein Kribbeln spüre. Keine Kalt-Warm-Wellen. Nix. Aber trotzdem geht’s mir gut. Ich friere nicht übermäßig, zittern eh nicht. Dazu war ich zu kurz im Wasser. Aber es war mir zu kalt, um länger zu schwimmen.

Auch ohne Kribbeln glücklich!

Vor allem aber freue ich mich, dass die „Krise“ von letzter Woche nur vorübergehend war und ich es geschafft habe, mich aufzuraffen, wieder zum See zu fahren und zu schwimmen. Wie ich es allerdings vor zwei Jahren geschafft habe, ganze sieben Minuten bei 7 Grad auszuhalten, ist mir schleierhaft. Bin ich am Ende doch ein Weichei? Eine Schön-Wetter-Eisschwimmerin? Oder ist das am Ende einfach egal?


Atemwölkchen und Messungen

Eigentlich muss ich ja nicht jedesmal was schreiben, wenn ich schwimmen war. Irgendwie ist es ja doch immer dasselbe – und dann doch wieder anders. Heute zum Beispiel gab’s wieder Ostwind, was immer kalt ist und vor allem beim Heimradln ätzend ist. Dafür war’s sonnig. Und es gab die ersten Atemwölkchen über dem Wasser. Das habe ich ja vor zwei Jahren zum ersten Mal gesehen und konnte es anfangs gar nicht glauben. Es ist einfach schön zu sehen, weil dann das Wasser endlich kälter wird.

Reingehen ist inzwischen so normal wie im Sommer. Freilich ist es kühl, aber irgendwie habe ich das jetzt so verinnerlicht, dass ich einfach gehe, bis das Wasser an den Oberschenkeln ist, dann tief durchatme und untertauche. Heute zum Beispiel war es anfangs gar nicht kalt. Erst mit der Zeit kam die Kälte. Vor einer Woche, als es so neblig war, war das ganz anders. Da musste ich die Backen aufblasen, um die Kälte aushalten zu können. Ein Bekannter von mir war so nett und hat mich mit seiner Spiegelreflexkamera fotografiert. Da sieht man das ganz gut. Auf den Handy-Fotos sieht man ja immer aus wie ein kleiner Punkt in einem riesigen Ozean!

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Wenn es sich anfangs recht kalt anfühlt, muss ich die Backen aufblasen, um die Kälte aushalten zu können. 

Außerdem habe ich ein neues „Spielzeug“: Ein GPS-Stick, der Routen aufzeichnen kann. Den habe ich spaßeshalber wasserdicht eingepackt und samt Thermometer hinter mir hergezogen. Damit ich endlich weiß, wie weit ich schwimme! Mittels Google Maps habe ich das zwar mal versucht auszumessen, aber naja. Ich bin halt neugierig. Deshalb habe ich auch das Thermometer dabei. Das hat heute 10 Grad angezeigt. Die Luft war deutlich kälter. Die Aufzeichnung der Schwimmstrecke kann ich immer erst daheim am PC anschauen. Es sieht lustigerweise so aus, als wäre ich an Land auf- und abgegangen, aber ich war definitiv im Wasser!

Schwimmstrecke-Langwieder See

Nein, ich bin nicht an Land geschwommen!

Nach vier mal hin und her war Schluss. Ich hätte wohl noch zwei mal mehr geschafft, aber nachdem ich am Freitag beim Heimradeln so dermaßen gefroren habe, wollte ich nichts riskieren. Ostwind. Kalte Finger und Füße. Das muss nicht noch mehr herausgefordert werden.

Zum Umziehen habe ich jetzt meinen Poncho wieder dabei. Den hat mir ja meine Freundin Diana genäht (weil ich ja nicht nähen kann) und der ist superpraktisch. Erstens weil er dunkelblau ist und damit Wärme absorbiert. Und zweitens weil er Wind- und Sichtschutz ist. Da kann ich mich in Ruhe umziehen. Meinen wohligen Kribbelschauer verpasse ich dadurch auch nicht, ich kann ihn vielmehr genießen!

Beim Heimradln sind die Finger und Zehen dann doch wirklich richtig kalt geworden. Der Ostwind ist einfach kein Freund des Eisschwimmers.


Ich bin wieder in meinem Element

Nachdem ich die wirklich warmen und schönen Herbsttage vor allem zum Rennradln genutzt habe, habe ich jetzt das Rennrad genutzt, um zum Herbstschwimmen zu kommen. Das ist eine prima Sache, weil’s nämlich schneller geht und mehr Spaß macht.

Am Freitag bin ich sogar eine Variante der Strecke gefahren. Da war’s auch recht warm und als ich am Langwieder See angekommen bin, habe ich mich total aufs Wasser gefreut. Nicht etwa, weil ich verschwitzt war. Sondern einfach auf das Gefühl. Reingehen, schwimmen, genießen. Schauen, wie lange ich durchhalte.

Sonne, leichte Wellen und recht warmes Wasser: der Freitag am Langwieder See

Das Wasser kam mir auch nicht kalt vor. Ich bin zügig reingegangen, hatte aber kein Thermometer dabei. Geschätzt hätte ich es auf 15-16 Grad. Ich schwimme los, es ist kühl, aber nicht schlimm. Es hätte mich schon gereizt, rauszuschwimmen. Oder zu dem schräg gegenüberliegenden Ufer. Aber allein. Eher nicht. Nicht, dass es doch kälter ist als gedacht und dass was passiert. Lieber auf Nummer Sicher und bissl „doof“ am Ufer hin- und herschwimmen. „Viermal, das schaffst du“, denke ich. Und als ich die vier „Bahnen“ hinter mich gebracht habe, merke ich, dass das Wasser gar nicht kalt ist. Es ist eher so, dass es wärmer wurde beim Schwimmen. Auf meinem Rücken fühlt es sich warm an. Also schwimme ich weiter. Brav am Ufer, nach Bahn acht denke ich: „Die zehn machst jetzt voll!“ Gedacht – getan. Dann aber raus, schließlich will ich nicht übertreiben und muss auch noch heimradln.

Am Ufer überkommt mich dann dieses wohlige Kribbeln. Obwohl es ja noch gar nicht kalt ist, durchfluten mich diese Kalt-Warm-Wellen. Es ist herrlich. Wie habe ich es vermisst! Weniger vermisst habe ich allerdings, was unter meinem Badeanzug zum Vorschein kommt: Sand und sogar eine Minischnecke. Ich war wohl zu lange im Wasser, da hat sie es sich gleich bequem gemacht. Naja. Schnell weggeschnippt, abgetrocknet, angezogen.

Schee war’s!

Und während ich noch dasitze und die Sonne genieße, kommen zwei Bekannte: Ruth und Robert, die ich letztes Jahr hier kennengelernt habe. Die auch im Herbst schwimmen und einfach schauen wollten, wie lange es klappt. Leider habe ich sie dann letztes Jahr nicht mehr gesehen. Aber just am Freitag, als ich zum See geradelt bin, habe ich an die beiden gedacht. Und schon sind sie da! Bis November haben sie durchgehalten, dann war’s Wasser zu kalt. Ich finde auch, dass es einen Unterschied macht, ob das Wasser über oder unter 10 Grad hat. Das ist so eine Grenze. Genau wie die 5-Grad-Marke. Das ist auch nochmal eine andere Nummer – und unter 5 Grad zählt es dann tatsächlich als Eisschwimmen.

Die beiden schwimmen also auch ihre Runde und wir ratschen noch ein bisschen. Sehr schön, das hat mich echt gefreut, die beiden doch wieder zu treffen.

Heute war ich auch nochmal schwimmen. Bei ganz besonderem Licht. Über München ist eine graue Wolkendecke, es gibt diffuses Dämmerlicht. Nicht dieses fade Licht, wenn es wolkig ist, sondern eher wie morgens oder abends in der Dämmerung. Das kommt wohl daher, dass der Himmel im Süden blau ist. Was sag ich: blau? Hellblau. Türkishellblau. Unfassbar schön. Und dieses Blau schiebt sich langsam nördlich. Oder besser, die warme, trockene Föhnluft schickt die Wolken weg. Sie schiebt sie nach Norden. Heute konnte ich das beim Radln schon prima beoabachten.

Da hinten schiebt der Föhn den blauen Himmel an – oder die Wolken weg. Ansichtssache!

Warm war’s aber nicht. Etwa 11 Grad. Leichter Ostwind, den man aber nur als Gegenwind-Verstärker gemerkt hat. Der See lag spiegelglatt vor mir. Dieses Prä-Föhn-Dämmerlicht hat eine ganz besondere Stimmung gezaubert. Die Birken haben golden geleuchtet. Und auch die anderen gelben Blätter sahen eher aus wie kleine Lampen an den Bäumen. Es war surreal. Ihr müsst euch das jetzt vorstellen, weil es auf den Fotos nicht so rüberkommt. Da ist es einfach duster und grau.

Das Handy kann die tolle Lichtstimmung nicht einfangen. Immerhin sieht man, wie spiegelglatt das Wasser ist.

Das Wasser kam mir dann aber deutlich kälter vor als am Freitag. Schon beim Reingehen an den Füßen habe ich es gespürt. Wieder ohne Thermometer. Ich dachte ja, dass es mir egal ist, wie warm das Wasser ist. Aber ehrlich gesagt bin ich zu neugierig und werde es nächstes Mal wieder mitnehmen. Ich tauche unter, es ist kalt. Kälter als beim letzten Mal. Ich schwimme einmal hin und her. Puh! Aber ich will auch kein Jammerlappen sein und sage mir, dass vier „Bahnen“ schon gehen. Also nochmal hin und her. Und dann raus. Es ist kalt. Ganz anders als am Freitag. An Land bin ich auch froh, mich in mein dunkelblaues Handtuch zu wickeln und den nassen Badeanzug ausziehen zu können. Dieses Mal auch ohne Mitbringsel aus dem See. Gekribbelt hat’s natürlich schon. Und das war wieder toll. Die Lebensgeister tanzen unter der Haut Samba, ich fühle mich erfrischt und belebt. Und freue mich schon aufs nächste Mal.

Der Busch rechts im Bild hat in Wirklichkeit gelb geleuchtet. Also nix grau-in-grau wie auf dem Bild.

Für alle, die es auch reizt, habe ich hier nochmal meine persönlichen Tipps zum Herbst-, Winter- oder Eisschwimmen zusammengefasst.


Drei Jahre Eisschwimmen

Am Valentinstag 2015 war es soweit: mein erstes Date mit dem Eisschwimmen. Was soll ich sagen? Liebe auf den ersten Blick war es nicht gerade … Es war ein kalter, neblig-windiger Tag in Mittelfranken, der Große Rothsee war halb mit Eis bedeckt. Wir waren am Großen Rothsee, weil der kleine komplett zugefroren war. Eisschwimmer-Probleme halt. Warum war ich da? Weil ich neugierig war und weil ich das große Glück habe, mit meiner Neugier Geld verdienen zu dürfen. Deshalb habe ich Sabine und Norbert besucht, weil ich einen Radiobeitrag übers Eisschwimmen machen wollte. Sabine und ihre eiskalte Leidenschaft kannte ich aus Facebook (bekanntlich die Seite im Netz für Verrückte aller Art).

 

Während sich Sabine aus- und umzieht, nehme ich alles mit meinem Mikrofon auf. Meine Finger sind schon ganz kalt, aber als Sabine schwimmt, will ich es selbst probieren. Schließlich hat es mich ja interessiert, wie das so ist mit dem kalten Wasser und überhaupt. Also ziehe auch ich mich um und stehe dann nur noch mit Badeanzug und Badekappe da. Norbert hat das Mikrofon übernommen und hat Sabine, die an der Eiskante mit ihrer Boje ihre Bahnen zieht, und mich am Ufer im Blick. Und was kann ich sagen? Weit bin ich nicht gekommen. Das Wasser hatte keine zwei Grad, der fiese kleine Nebelwind war kalt auf der Haut und ich war total verkrampft. Wie man auch auf dem Bild sieht.

Typische Haltung unerfahrener Eisschwimmer: Mir ist kalt!

Bis zu den Knien habe ich es geschafft – dann war Schluss! Eigentlich eine ganz ordentliche Leistung, so ganz ohne Vorbereitung. Aber eigentlich auch nicht befriedigend.

Deshalb habe ich dann beschlossen, das Ganze im Herbst langsam angehen zu lassen. Bei 13 Grad im November, an einem sonnigen Tag. Da kam ich mir schon vor wie eine Heldin! Der erste Eisschwimmwinter war etwas unkoordiniert und unregelmäßig. Aber letztes Jahr, der Winter 2016/17, der war mein Eisschwimmwinter. Jede Woche seit Ende September 2016 war ich im immer kälter werdenden Wasser. Fiel mir anfangs das Reingehen noch schwer, war ich zögerlich und habe es manchmal nicht geschafft unterzutauchen, so lief es in diesem Winter prima. Hinradeln, umziehen, reingehen, schwimmen, rausgehen, fertig. Und natürlich das Kribbeln, die Heiß-Kalt-Wellen und die Glückshormone. Tipps für Nachahmer habe ich auch gleich zusammengefasst.

Kürzlich habe ich das Bild vom ersten Eisschwimmversuch zufällig wieder gesehen. Und da kam mir in den Sinn: Es ist alles eine Frage der Haltung! Schon rein äußerlich. Wie verkrampft ich da stehe. Als ob es wärmer würde, nur weil ich die Schultern zu den Ohren ziehe … und natürlich und vor allem ist es eine Frage der inneren Haltung. Ja, das Wasser ist kalt. Und ja, ich MUSS da nicht reingehen. Ich mache das freiwillig. Ich bereite mich mental darauf vor. Ich freue mich darauf. Wirklich! Vor allem die mentale Vorbereitung ist wichtig. Das macht den Moment des Reingehens entspannter. Ich weiß, was mich erwartet. Es wird kalt, dann schlägt mein Herz schneller. Dann beruhigt es sich, dann schwimme ich ruhiger. Und dann wird es irgendwann wirklich kalt und ich gehe wieder raus.

Auch noch locker beim Rausgehen: Eisschwimmerin mit Erfahrung. Weil’s schön ist!

Natürlich ist mir danach kalt. Und ich hab auch schon geflucht beim Heimradeln, weil Finger und Füße fast taub waren vor Kälte. Aber irgendwann ist mir wieder warm. Bisher ist mir immer wieder warm geworden! Vielleicht ist es ein bisschen wie mit dem Alkohol. Manch‘ einer schwört nach einem schlimmen Kater, niiieeee wieder zu trinken. Um es dann doch zu tun. Weniger vielleicht. Oder mehr essen. Oder keinen Durcheinander trinken. So ist’s auch beim Eisschwimmen. Kürzer schwimmen. Oder nicht bei Ostwind, der mich auf der Heimfahrt zusätzlich auskühlt. Einen heißen Tee mitnehmen. Solche Sachen …

Eine Beobachtung in Sachen „Kopfsache“ möchte ich noch erzählen: Einmal, als ich in der Sauna war, habe ich am Kaltwasserbecken im Außenbereich ein Pärchen beobachtet. Er ist recht lässig die kleine Leiter hinuntergegangen und kurz hin- und hergeschwommen. Sie hatte schon auf dem Weg zum Becken gesagt, dass das Wasser kalt ist und sie es sicher nicht schafft, da reinzugehen. Er hatte ihr gut zugeredet, deshalb versucht sie ihr Glück. (Dazu muss man sagen, dass die Luft abends auch kühl war). Jedenfalls steht sie gekrümmt vor Kälte an der Leiter, geht die Stufen vorsichtigst hinab, um dann all ihren Mut zusammenzunehmen und kurz bis zu den Schultern unterzutauchen. Und schwupps, war sie schon wieder draußen und ins Handtuch gewickelt. Das war eine Sache von Sekunden! Und ich, alte Eisschwimmerin, höhö, dachte mir: Wenn sie ganz ehrlich zu sich gewesen wäre: Sie hat die Kälte am Körper nicht gespürt. Das war alles nur vom Kopf. Weil so kurz, wie sie untergetaucht war, konnte das Gehirn noch gar nicht auf die neue Information reagieren. Die Info, dass es kalt war, war vorher schon da.

Es ist wie ganz oft im Leben eine Frage der Einstellung und Haltung. Es muss nicht jeder zum Eisschwimmer werden. Aber wenn ich gefragt werde, wie ich das mache, sage ich: mentale Vorbereitung. Und Vorfreude! Und dann einfach machen … weil’s so schön ist. Immer wieder.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht, finde ich!