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Von Eis- und Wolkenlücken

Mensch, hat mir das Schwimmen gefehlt! Meine Laune war auch nicht besonders gut, der starke Westwind hat mir das Schwimmen an der Regattastrecke verleidet, ich war total ausgefroren, auch ohne im Wasser gewesen zu sein. Und dazu kommen glatte Radwege …

Vielleicht erkennt man es nicht so gut: da sind ziemlich viele Wellen auf der windgeschützten Regattastrecke

Aber heute war ich guter Dinge: Kein (oder kaum) Wind, hoffentlich ist die Lücke im Eis vom Mittwoch nach dem Wind noch da und hoffentlich kann ich gut radeln. Auto habe ich ja keins. Radln ging so lala, ich war sehr froh um meine Spikes-Reifen. Außerhalb der Stadt war die Straße sogar komplett weiß, festgedrückt, so dass ich dort prima radeln konnte und bis zum See gefahren bin. Ich hatte die letzten Male ja das Rad abgestellt und bin zu Fuß gegangen. Aber heute ging’s. Und was sehe ich am See: Da ist Wasser. Zum größten Teil ohne Eis.

Lücken an den falschen Stellen… hier am Steg ist Eis.

Das Eis ist halt leider an der falschen Stelle – nämlich genau an meiner Schwimmstelle. Übrigens ebenso mit dem Hochnebel, der ist auch an der falschen Stelle: Nämlich genau da, wo die Sonne ist.

Nun gut, ich hatte mir am Mittwoch ja schon eine Alternative angesehen und da gehe ich heute schwimmen. Es gibt eine Bank, wo ich mein Lager aufschlagen kann und der See bietet hier auch eine schöne Schwimmstrecke in nicht zu flachem und nicht zu tiefem Wasser.

Nicht nur ich will schwimmen…

Beim Umziehen ist es kalt, es ist frostig. Ich denke mir: Wenn ich mich jetzt ausziehe, gibt’s kein Zurück! Aber ich habe so derart Lust auf Schwimmen, dass ich mich sofort bereit mache. Die Sonne macht sich inzwischen auch bereit, nur bin ich mit „Umziehen“ schneller als sie. Sie ist noch etwas hinter den Nebelschwaden versteckt, vielleicht geniert sie sich auch?

Ich stelle meinen Handy-Timer zum Spaß auf 5’25 Minuten, wenn die Zeit um ist, wird er klingeln. Haha. Es ist nämlich keiner da. Also, keiner, den das stören könnte; und keiner, der auf die Uhr schauen könnte. Ich gehe ans Ufer, ins Wasser, ja, kalt. Schon klar, da hinten, nicht weit entfernt, ist die Eisdecke. Untertauchen, abwarten, losschwimmen. Schön! Mei, so schön. So lange musste ich verzichten (Mo, Di, Mi, Do!), jetzt darf ich wieder. Ich habe eine schöne Strecke am Ufer entlang, erst in die eine Richtung, dann zurück in die andere. Und dann nochmal. Mir wird kalt, aber ich bin entschlossen. Hat schon was geklingelt? Nein. Naja, ich muss ja auch erst zurückschwimmen. Sehe meine Schuhe am Ufer, schwimme noch einen Bogen. Und dann schrillt ein Höllenlärm los! Also, es ist natürlich kein Höllenlärm, aber es ist das einzige Geräusch außer meinem Wasserplatschen. Geschafft! Fünf Minuten, obwohl ein Großteil des Sees zugefroren ist. Yeah! Blick aufs Thermometer: 4-5 Grad ist das Wasser „warm“. Erstaunlich.

Blick von der eisfreien Schwimmstelle zur Hütte

Ich ziehe mich an und sehe, wer sich auszieht: Die Sonne! Lässig wirft sie den Schleier ab und scheint mich seitlich an. Und wo scheint sie direkt hin? Natürlich an meinen Stammplatz an der Hütte. Also packe ich alles in den Rucksack, um mich im Schutz der Hütte, an der warmen Holzwand, ein bisschen aufzuwärmen. Auf dem Weg dorthin kribbelt es in mir, die Kalt-Warm-Wellen durchfluten mich. Ich setze mich auf „meinen“ Platz, schließe die Augen, genieße die Sonnenwärme, trinke einen Schluck heißen Tee.

Da war die Sonne schon fast wieder weg…

Mann, bin ich glücklich! So schön! Aller Ärger rund um Corona und nicht geräumte Radwege und überhaupt: Vergessen! Noch ein, zwei, drei Minuten genieße ich die Stille, Wärme und Sonne. Und dann ist es vorbei. Weil die Sonne beschlossen hat, dass es jetzt reicht und sie ihren Schleier wieder überwirft. Hast ja recht, ich muss auch zurück. Dass mir so ein schöner Moment geschenkt wird, hätte ich nicht zu träumen gewagt!


Eis über Nacht

Ich liebe kalte Nächte! Wenn es so richtig frostig ist, ist die Luft richtig schön. Allerdings schwingt in diesen Zeiten auch die bange Sorge mit: Wird der See zufrieren? Da draußen, zwischen den Feldern, ungeschützt, allein in der Kälte? Am Wochenende hatte ich schon Bedenken, aber zum Glück war alles gut und das Wasser flüssig.

Deshalb war ich heute eigentlich guter Dinge, als ich mich zum See aufgemacht habe. Wird schon nicht so schnell komplett zufrieren, das Wasser hatte immerhin noch 4 bis 5 Grad. Es ist auch kaum kälter geworden seit den Tagen vor Weihnachten. Also radle ich frohen Mutes durch die Kälte und den Nebel. Bis auf meine Hände ist mir echt warm, obwohl ich nicht besonders dick eingepackt bin. Da freue ich mich schon fast auf das kühle Bad. Das letzte Stück zum See ist für mich jetzt Fußweg, die Straße ist voller Schnee, Spurrillen und Eis. Aber so komme ich an dem kleinen putzigen Schneemann vorbei: Er ist noch da! (Man weiß ja nie, ob nicht jemand aus Spaß den kleinen Kerl von der Brücke stürzt.)

Ihm macht die Kälte nichts aus…

Als ich den See sehe, sehe ich: Eis! Ohje. Und zwar genau in der Hälfte, an der die Hütte steht, also meine Schwimmstelle ist.

Die Eiskante kann man schon sehen…

Aber ok… erstmal näher hingehen und hoffen. Vielleicht ist ja genau da noch kein Eis. Allerdings schwindet die Hoffnung mit jedem Schritt: Hier ist alles vereist, weiter in der Seemitte gibt’s ein großes Loch, die Enten haben kleinere Löcher für ihr Bad gefunden.

Still und starr ruht der See

Ich hacke mit meiner Ferse am Ufer ein kleines Loch ins Eis, gar nicht so einfach. Es dauert, bis es bricht. Das Eis ist etwa einen oder zwei Zentimeter dick und glasklar. Sehr schön, aber halt auch: blöd. Somit hat leider auch das letzte Bad geschlossen! Ich denke, dass es den kleineren Seen rund um München ähnlich geht.

Eiskalte Eindrücke

Die Regattastrecke ist gleich nebenan, ich beschließe, einen Blick zu riskieren und gehe rüber. Allerdings lässt sich von oben nicht so genau lokalisieren, ob es gefroren ist oder nicht. Ich war im Mai mal dort beim Schwimmen, so richtig gefallen hat es mir nicht. Zumal ich da über den Steg ins Wasser musste, also nicht langsam reingehen konnte. Keine Ahnung, ob es da jetzt eine andere Möglichkeit gäbe. Weil mir vorhin beim Radln so warm war, merke ich jetzt, dass mir vom Rumstehen und Fotografieren kühl ist.

Spiegelglatt oder Eisfläche?

Ich begutachte beim Zurückgehen am See noch eine halbwegs eisfreie Stelle, aber es sieht so aus, als wäre das Wasser hier anfangs total flach, vielleicht knöcheltief, dann wirkt es aber so, dass es steil in die Tiefe geht. Und ich bin allein, deshalb würde ich lieber nur da schwimmen, wo ich stehen kann. Also hüfttiefes Wasser. Deshalb lasse ich es für heute gut sein, auch, weil mir nicht mehr wirklich warm ist und die Aussicht, dass ich mich ausziehen muss, keine Freude macht. Normalerweise stört mich das nicht.

Am Ufer müsste ich erstmal die Eisschicht überwinden, um ins Wasser zu kommen.

Ich bin dann etwas traurig. Denn das Winterschwimmen hat mich gut durch den November und Dezember gebracht. Und einfach nur reingehen ins kalte Wasser, damit ich „drin“ war, darauf habe ich eigentlich keine Lust. Denn, wenn mir danach schon kalt ist, will ich wenigstens geschwommen sein.

Das würde vielleicht zum Reinstellen ausreichen…

Ausgebremst und angefroren

Nach meinem Kälteausflug am Dienstag war ich total motiviert. Eigentlich möchte man ja meinen, dass ich nicht mehr mag, weil es ja wirklich grausam kalt war. Aber ich hatte ja einen Plan und deshalb wollte ich wieder zum See. Doch dann wurde ich ausgebremst: Es hat geschneit! Leider so viel, dass die Radwege und Nebenstraßen unbefahrbar waren. Winterdienst ist in München leider immer ein Problem, außer man ist Autofahrer auf dem Mittleren Ring. Also musste ich „aussetzen“.

Fahrradstraßen in München werden anscheinend nicht geräumt…

Am Donnerstag war zwar immer noch Schnee, aber es schneite nicht mehr und so machte ich mich mit meinem Winter-Spikesrad auf zu einer „Erkundungstour“. Meine übliche Route war nur schwer befahrbar und wenn der schöne, platte Schnee demnächst mit Matsch und Spurrillen versehen ist, wird es nicht besser. Ich bin nicht ganz bis zum See gefahren, weil mir schon klar war, dass das letzte Stück voller Schnee ist. Es ist nur eine Forststraße, das habe ich im Dezember schon gesehen, wie es da ist. Zurück in die Stadt bin ich dann eine andere Route gefahren, die meiner Freundin Diana. Sie wohnt zwar im Osten der Stadt, aber ihr Weg führt am Olympiapark vorbei und der ist von mir auch nicht so weit weg. Und siehe da: Hier ist geräumt! Fein, der Plan für die nächsten Tage steht!

Schön mit Schnee. Blöd wegen Wind.

Am Freitag war es am See ziemlich windig. Schwimmen war schön, die Wellen waren nicht schlimm. Das Wasser ist konstant 4-5 Grad „warm“. Beim Umziehen danach habe ich allerdings geflucht. War das kalt. Ich habe kaum eine windstille Ecke gefunden, meine Finger waren taub, ich war froh, als ich zurückfahren konnte. Was heißt fahren? Ich habe mein Rad geschoben, der Untergrund war mir nicht geheuer. Vor allem nicht, wenn ich so ausgefroren bin und zittere.

Der See spiegelt den Himmel.

Am Samstag war’s dafür umso schöner! Sonne! Kein Wind! Diana dabei! Am See ist der Dantebad-Bekannte und seine Frau. Es ist ganz schön was los, weil noch ein Schwimmer kommt. Er hat, wie ich später erfahre, mich schon mal gesehen („Da war eine mit einer weißen Badekappe, voll professionell!“, hat er dem Dantebad-Mann erzählt, der es mir erzählte). Er will es auch ausprobieren, schließlich sind die Bäder ja noch immer (und noch werweißwielange) geschlossen. Er schafft es auf Anhieb, nur in Badehose eine Minute zu schwimmen. Ich bin beeindruckt. Weil die Sonne scheint und die Wasseroberfläche so schön glatt ist wie länger nicht, schaffe ich meine fünf Minuten „locker“, sogar etwas mehr: 5’20 sagt Diana, als ich aus dem Wasser komme. In der Sonne, ohne Wind, ist umziehen gleich viel einfacher. Es ist herrlich, dass ich mein Gesicht in die Sonne halten kann, während ich meinen Tee trinke und mich warmzittere.

Sogar noch etwas mehr Sonne, als ich fertig bin mit dem Schwimmen.

Und dann erfahre ich, dass ich am Mittwoch (da war Feiertag) schon vermisst wurde. Ob es mir wohl zu kalt war? Nein, natürlich nicht! Ich wäre gern bei Schneefall geschwommen, aber radln war nicht möglich. Flugs werden Mitfahrgelegenheit angeboten und Telefonnummern ausgetauscht. So schön ist eine Schwimmgemeinschaft!

Etwas später trudelt auch der Neoprenmann ein, ein großes Hallo, jetzt sind alle da! Und dann stellt sich heraus, dass jeder auch am Freitag da war, aber zu unterschiedlichen Zeiten. Ja, der Wind war grausam. Beim Umziehen, beim Schwimmen war es schön!

Heute Nacht war es kalt. In der Stadt, an der Hauswand spätabends – 3 bis – 4 Grad, klarer Himmel. Ich mag sowas ja. Wobei da natürlich die Sorge mitschwingt, dass der See, so ganz allein da draußen vor der Stadt, zufrieren könnte. Als ich durch den Olympiapark radle, am Oly-See entlang, sehe ich, dass der zu drei Vierteln eine Eisschicht hat. Gestern beim Heimfahren war da noch nichts. Ohje! So schnell kann’s gehen!

Der Regattabadesee liegt so ruhig vor uns, dass ich erst denke, dass auch er eine Eisschicht hat. Aber zum Glück nicht, nur am gegenüberliegenden Ufer. Ich schwimme da ja nicht hin, aber die beiden Männer mit ihren Neoprenanzügen. Naja, neue Route, würde ich sagen.

Mystisch mit Nebel

Direkt am Ufer ist auch ein bisschen Eis. Man sieht es kaum, auf den Fotos noch weniger. Mit dem Nebel ist es zwar grau, aber ich finde, das ist eine ganz tolle Stimmung!

Eis, Eis, Baby!
Zum Glück ist das Eis ganz dünn und deshalb noch kein Hindernis!

Nachdem ich die letzten beiden Male so kalte, schmerzhafte Finger hatte, wollte ich heute die Neoprenhandschuhe noch mal ausprobieren. Es fühlt sich immer etwas komisch an, damit zu schwimmen. Aber während des Schwimmens ist es dann ganz ok, die Finger schmerzen nicht. Ich schwimme meine übliche Route, merke aber, dass ein ganz feiner, fieser Ostwind weht. Wobei „weht“ jetzt übertrieben ist. Er ist halt „da“. Als ich dann aus dem Wasser gehe (noch immer 4-5 Grad), muss ich die Handschuhe ausziehen, um mein Handtuch nehmen zu können. Leider sind die Finger doch etwas ohne Gefühl, so dass es sehr schwer ist, den Saum zu greifen und den Handschuh abzuziehen. Irgendwann schaffe ich es, doch das Gefühl: Was, wenn nicht? macht mich unzufrieden. Deshalb werde ich wohl wieder ohne Handschuhe schwimmen.

Mir bringen die Neoprenhandschuhe nicht so viel…

Ich ziehe mich an, es ist unfassbar kalt. Keine Ahnung, wie tief die Temperatur war, in der Stadt waren es – 1, -2 Grad an der Hauswand. Mein Handtuch, Badeanzug und die Thermometerschnur sind jedenfalls ziemlich angefroren, als ich sie einpacken will. Die Schnur ist steif wie ein Stock! Zum Glück sitze ich windgeschützt, denn es ist echt kalt hier.

Auf dem Heimweg habe ich dann diesen kleinen Kerl entdeckt. Sehr nett, deshalb wollte ich ihn unbedingt fotografieren.

Hoffentlich bleibt es kalt, so dass er hier noch ein bisschen bleiben kann…
Ist der nicht herzallerliebst?

Und noch eine witzige Anekdote: Eigentlich wäre ja morgen, 11. Januar, der Lockdown beendet gewesen (so war es mal angedacht). Mein „Lockdown“-Duschgel ist jetzt jedenfalls aufgebraucht! Ich hatte es zum ersten Mal benutzt, als die Hallenbäder am 2. November geschlossen waren.

Schluss mit „Winterträume“…

Die lokalen Medien sind jetzt übrigens auch auf die Eis- und Winterschwimmer und Eisbader aufmerksam geworden. Ein neuer Trend im Lockdown? Kälte-Kick statt Pandemiefrust? Hier könnt ihr die Artikel lesen und euch selbst ein Bild machen. Und wer’s ausprobieren will: Langsam anfangen, sich nicht überfordern und weitere Tipps von mir.


Schwimmen im Nebelmeer

Nebel ist ja eigentlich etwas Unangenehmes. Es ist kalt, feucht, grau. Aber Nebel ist eigentlich auch etwas sehr Faszinierendes! Auch, wenn er kalt, feucht und grau ist. Er ist unberechenbar, schwer vorherzusagen, ob er kommt oder ob er sich auflöst. Manchmal hat es den Anschein, dass sich die Sonne durchsetzen kann – um dann doch aufgeben zu müssen.

Wer gewinnt? Sonne oder Nebel?

Diese Woche hat der Meister alle Register gezogen. Ok. Am Montag nicht, da herrschte die Sonne und es war total warm beim Schwimmen. Am Dienstag dann das komplette Gegenteil! So viel Nebel, dass man selbst an dem kleinen Regattabadesee das Gefühl von Endlosigkeit bekam – es war nichts zu sehen! Ein Infinity-Pool.

Es führt ein Steg ins Nirgendwo…

Bei dem Wetter hätte ich eigentlich gedacht, dass ich alleine am See bin (und bin deshalb am Vormittag gefahren). Prompt treffe ich einen Mitschwimmer, den ich sogar schon einmal gesehen hatte. Er radelt auch, schwimmt im Neo und krault einmal um den See. Auch jetzt. Hut ab! Da kann ich mit meinen fünf Minuten am Ufer nicht „mithalten“. Aber weit gefehlt! Der Mitschwimmer ist beeindruckt, dass ich das nur im Badeanzug schaffe. Ich merke auch, wie sehr mir so ein Schwimmratsch fehlt. Den ich normalerweise fast täglich im Schwimmbad habe, und jetzt gar nicht. Auch, wenn ich die Ruhe beim Winterschwimmen sehr genieße, schätze ich den Austausch mit Gleichgesinnten oder freundlichen Spaziergängern.

Am Mittwoch und Donnerstag war es in der Stadt schon etwas sonnig, aber über dem Regattabadesee hing dichter Nebel. Immerhin konnte man die Bäume am anderen Ufer sehen. Reingehen ist für mich inzwischen so normal wie im Freibad. Ja, es ist kalt. Aber das weiß ich ja. Ich schwimme hier immer sechs Mal am Ufer entlang, das sind so fünf bis sechs Minuten. Die ersten beiden „Bahnen“ sind zur Eingewöhnung, die mittleren kann man fast als Schwimmen bezeichnen, die letzten beiden muss ich mir hart abringen. Ich habe mir nämlich vorgenommen, sechs Mal hin- und herzuschwimmen. Ein Ziel hilft enorm! Wenn ich bei der letzten „Wende“ bin, heißt es Zähne zusammenbeißen, denn jetzt ist mir wirklich kalt. Aber der Steg kommt mit jedem Brustzug näher, ich konzentriere mich auf meine Atmung, meine Schwimmtechnik und auf das Ziel vor Augen. Geschafft! Kurzer Thermometercheck: Das Wasser hat 6 Grad. Gut!

An Land ist mir dann echt kalt, umziehen klappt so mehr oder weniger, die Finger sind einfach taub. Die Neoprenhandschuhe habe ich ausprobiert und festgestellt, dass sie mir keinen Vorteil bringen. Da das Wassergefühl mit Handschuhen nicht so schön ist, verzichte ich darauf. Also, anziehen! Auf Sonne besteht keine Hoffnung, oder doch? Ohmann. Bitte. Ein bisschen. Mir ist kalt! Für den Nebelzauber habe ich jetzt überhaupt keinen Nerv. Ich stecke die Füße in die Wolldecke, trinke heißen Tee und zittere. Ich muss ein bisschen „auszittern“, damit ich dann nicht vom Rad falle. Keine Ahnung, ob das möglich ist, aber man kann ja nie wissen. Und naja. Irgendwann muss ich los. Also alles einpacken und ab. Durch den Nebel. Aber da! Unterwegs ist eine runde Scheibe am Himmel erkennbar. Sonne!! Gib Gas! Du schaffst es! Streng dich an! Ich brauche dich! Sie hört mich, kämpft und – siegt! Yeah! So eine Wohltat! Ich komme an einer Plakatwand vorbei, halte kurz an und lass die Sonne auf mich scheinen, mit der Wand im Rücken. Herrlich, ich taue auf!

Ich bin sogar so weit aufgetaut, dass ich unterwegs einen kurzen Foto-Stopp einlege. In Feldmoching dampft die Erde. Es sieht total magisch aus, als würden die Erdgeister emporsteigen. Ich mache ein Foto, aber in echt ist es natürlich viel beeindruckender.

Wie kleine Erdgeister steigen die Nebelschwaden aus dem Boden

Der Freitag startet mit stahlblauem Himmel, schon vor Sonnenaufgang ist es klar, kein Nebel. Kurzer Check der Webcam: Im Norden von München ist noch Nebel, aber auch der lichtet sich. Der ideale Zeitpunkt zum Schwimmen. Ich packe meine Sachen und radle los. Ich sehe, dass es im Norden neblig ist. Aber ab wo? Schon in Feldmoching? Werde ich den Kirchturm sehen? Oder liegt der Nebel über der Autobahn? Ich komme an den Punkten vorbei: alles sonnig! Als ich auf der Zielgeraden bin, dampfen hier die Felder. Aus der schwarzen Erde steigen kleine Nebelgeister empor. Und es werden immer mehr. Kurz vor dem See sehe ich die Nebelbank. Es ist total faszinierend!

Da vorne kommt der See und da ist auch der Nebel…
… aus dem Boden steigt der Nebel auf und lässt eine mystische Stimmung entstehen.

Als ich vom nicht-nebligen Schatten in die Nebelwand fahre, sinkt die Temperatur rapide ab! Als wäre ich in einen Kühlschrank gefahren oder so. Und der ganze See liegt unter Nebelschwaden. Die sind aber in Bewegung, keine „Suppe“ wie an den vergangenen Tagen. Es ist ein unglaubliches Schauspiel der Natur. Und in einer halben Stunde vielleicht vorbei. Der ideale Zeitpunkt!

Ein kleiner Eindruck vom Nebel am See

Diese schöne Nebelschwadenstimmung kann ich mit dem Neoprenmitschwimmer teilen. Wir sind uns auf dem Weg schon kurz begegnet und haben uns zugerufen, dass wir uns gleich am See sehen werden. Wir sind beide sehr begeistert von dem Schauspiel, wie die Nebelschwaden und die Sonne umeinander tanzen.

Ich schwimme meine übliche Strecke, bin ziemlich glücklich, weil die Natur heute so viel zu bieten hat. Und weil ich weiß, dass ich an Land ein, zwei Sonnenstrahlen zum Aufwärmen abbekomme. Die sind dann auch bitter nötig, denn trotz aller Euphorie ist mir nach den fünf, sechs Minuten im Wasser natürlich kalt. Aber die Sonne tut gut, der Tee wärmt von innen und ich bin froh, dass ich es die ganze Woche geschafft habe, schwimmen zu gehen.


Und täglich grüßt das Murmeltier …

Ich bin ja ein totales Gewohnheitstier. Deshalb fällt es mir ja anfangs immer etwas schwer, wenn sich meine Routine ändert. Also, wenn wie aktuell, die Bäder geschlossen sind. Dann muss ich mir eine neue Routine suchen, sie erproben und dann für gut befinden. Dazu hatte ich seit 2. November reichlich Gelegenheit (Galgenhumor, sonst wäre es noch schwerer zu ertragen). Anfangs hat das „schöne Wetter“ noch für etwas Verwirrung gesorgt, denn dann musste ich entscheiden, ob ich Rennrad fahre oder schwimmen gehe, also im See. Doch das ist inzwischen auch „erledigt“, das Rennrad ist im Winterschlaf und ich im Winterschwimmmodus. Wenn es nicht gerade schneit/schneeregnet/regnet, radle ich zum See.

1000 Mal fotografiert…

So viele Tage am Stück mache ich das in „normalen“ Zeiten ja nicht. Da bin ich in einem anderen Rhythmus und der heißt: Olympiaschwimmhalle oder Dantewinterwarmfreibad. Abwechslung kommt hier im Training auf – mal mehr Rücken und Brust, mal nur Kraul, mal mit und mal ohne Trainingstools. Aber ich schweife ab.

Zurück zum See. Da bin ich inzwischen Stammgast und meistens ist außer mir keiner da. Das finde ich gut, denn dann kann ich mein Ding in Ruhe durchziehen und mich danach in Ruhe umziehen. Das ist trotz viel Übung und Routine immer eine Herausforderung. Longsleeves sind schwieriger anzuziehen als kurzärmelige T-Shirts. Socken mit kurzem Schaft sind ebenso besser geeignet als welche mit längerem Schaft und dass Schuhbänder blöd sind, das weiß ich schon seit fünf Jahren.

Kürzlich hat mir eine Freundin ihre Neoprenhandschuhe geliehen. Sie ist Schwimmerin, aber nicht im kalten See, deshalb kann ich ihre Handschuhe gern ausprobieren.

Die schwarze Hand im See…

Das habe ich jetzt zweimal gemacht. Und hm. Ich weiß nicht. Es fühlt sich komisch an, mit Handschuhen zu schwimmen. Die Finger sind auch nur etwa 30 Sekunden länger warm als ohne. An das Schwimmgefühl konnte ich mich schon etwas herantasten, doch was ich ziemlich grausig fand: Als ich mit dem Schwimmen nach 4 bis 5 Minuten fertig war und aus dem Wasser (6 Grad) gehe, werden meine Finger in den nassen Handschuhen EISIG kalt. Boah! Das war hart. Also musste ich so schnell wie möglich aus den Dingern raus. Beim ersten Mal ging das recht gut, heute war’s schwierig. Ich hatte zu wenig Fingerspitzengefühl, um den Rand des Handschuhs zu greifen. Kurze Panik! Aber dann konnte ich die Dinger zum Glück abstreifen, das Handtuch um mich legen und mit dem Umziehen anfangen. Ich hab übrigens noch nie darauf geachtet, ob ich eine Gänsehaut habe. Warum mir das jetzt einfällt? Ich lerne ja zum Spaß Estnisch und da hatten wir im Kurs kürzlich das estnische Wort dafür: kananahk – wörtlich übersetzt: Hähnchenleder (im Estnischen gibt’s nur einWort für Haut und Leder).

Das Schwimmen selbst ist übrigens sehr schön. Egal, ob mit oder ohne Handschuhe. Ich bin konzentriert und versuche, nicht an die Kälte zu denken. Ich habe einen Plan: Mindestens sechs Mal hin und zurück am Ufer. Ich habe das mal „gestoppt“: eine Runde sind 1’10 Minuten. Bei sechs Mal hin und her also dreieinhalb Minuten. Nicht die Welt, aber hey: Besser als nix!

Zum Radln kann ich übrigens als Unterwäsche bzw. T-Shirt Kleidung aus Merinowolle empfehlen. Zum einen wird das nicht nassgeschwitzt, zum anderen ist es wärmer als Baumwolle. Ich empfinde den Unterschied als sehr deutlich. Heute war es sogar so, dass mir auf dem Hinweg fast zu warm war. Ich hatte den Eindruck, dass sich das Shirt durch meine Körperwärme aufgeheizt hat und diese Wärme an mich abgibt. Denselben Effekt konnte ich bei meiner Trachtenjacke aus Schafwolle feststellen. Oder wenn man auf einem Schaffell sitzt. Das wird so warm, dass man es fast nicht aushalten kann. Klar – die Wolle hatte am Schaf ja eine Aufgabe (anders als Baumwolle, die ja eine Pflanze ist). Weitere Tipps rund ums Eisschwimmen gibt’s hier.

Ich bin jetzt jedenfalls so in meiner Routine mit dem See-Schwimmen angekommen, dass es für mich momentan nicht soooo tragisch ist, dass das Hallenbad geschlossen ist. Zumindest versuche ich so, meine Laune in diesen zehrenden Zeiten hochzuhalten.

Ich habe mir ein Covidchen gegönnt…

Jeder Tag ist anders …

Gestern war ich noch total genervt und traurig, wollte eigentlich schwimmen, wurde aber von Eis und Schnee auf dem Hinweg (ich muss radln) ausgebremst und hatte dann keine Lust mehr. Da dachte ich schon, dass es da war mit dem Winterschwimmen.

Und heute? Ist alles anders! Die Sonne scheint, der Weg zu meinem anderen See ist schnee- und eisfrei und ich bin guter Dinge. Packe alles in meinen Rucksack und los geht’s. Es hat ca. 2 Grad plus, mir wird es beim Radln fast schon zu warm.

Jetzt sieht es immerhin nach Winter aus

Am See angekommen, bietet sich ein schönes Bild: Schnee auf der Wiese, am Uferrand aber keiner (so dass ich meine Sachen ausbreiten kann) und der See ist spiegelglatt. Perfekt. Also Lager aufschlagen, umziehen und ich freu mich, dass es mit der Sonne „richtig warm“ ist. Kein Witz. Es war fast warm. Badekappe auf, Thermometer geschnappt und ab ins Wasser. Ja, es ist kühl. Klar, das wusste ich. Bis zum Bauch reingehen, kein Problem. Tief durchatmen, Konzentration. Los geht’s. Hui, frisch. Aber: schön! Ich nehme mir vor, viermal auf- und abzuschwimmen. Es ist zwar kalt, aber gut auszuhalten. Und dann schaffe ich sogar zwei mehr. Jetzt treibt mich die Vernunft zurück an Land. Handtuch um den Körper, abtupfen, Badeanzug runter, Merionolongsleeve an, dann ist der untere Teil des Körpers dran und kurz danach bin ich wieder vollständig eingepackt. Setze mich hin, genieße meinen Tee und schaue aufs Wasser.

Still und zum Glück nicht starr ruht der See…

Meine Wellen sind schon wieder Vergangenheit, die Oberfläche ist spiegelglatt. Und dann durchströmt mich dieses Kribbeln: diese heißen und kalten Wellen, die durch den ganzen Körper schwappen. Ist das schön! Und meine Hände und Füße sind zwar kalt, aber nicht komplett steif. Es macht schon einen deutlichen Unterschied, ob es + oder – 2 Grad Lufttemperatur sind. Und die Sonne, die macht natürlich auch einen Unterschied. Das Wasser war heute sogar etwas kälter: 7 Grad.

Wo die Sonne hinscheint, ist es für den Schnee zu warm…

Alles in allem war es wunderschön und ich bin jetzt wieder besser gelaunt. Obwohl die Hallenbäder (und vieles andere) noch bis einschließlich 10. Januar geschlossen bleiben. Galgenhumor: Immerhin bleiben uns so hoffentlich die „Gute-Vorsätze-Schwimmer“ und „in den Weihnachtsferien-endlich-mal-ins-Hallenbad-Schwimmer“ erspart … 😉


Chlorhuhn ohne Chlor

Ist ein Chlorhuhn ohne Chlor ein Huhn? Oder bin ich ein Fisch mit Fahrrad? Oder ein verrücktes Huhn, das im Nebel im See schwimmt? Keine Ahnung. Ich bin jedenfalls nicht ich. Nicht ganz.

Ein Monat „Lockdown light„, von wegen „leicht“, es ist ziemlich schwer. Und natürlich wurden zum 1. Dezember viele Türchen geöffnet, aber nur im Adventskalender und nicht im Hallenbad. Dabei wäre das die einzige Tür, die sich öffnen soll. Wobei es ja klar war, dass die angekündigten vier Wochen nur der Anfang waren – kennen wir ja schon. Und auch am 20. Dezember, wenn die jetzigen Maßnahmen enden, wird wohl kein Schwimmbad öffnen. Dass die Zahlen nach Weihnachten und Silvester steil nach unten gehen, wage ich zu bezweifeln, eher schießen sie in die Höhe und wir können froh sein, wenn unsere Politiker uns immerhin zum Beginn der Freibad-Saison wieder schwimmen lassen.

Ja, ich bin frustriert. Maßnahmen, die nicht die gewünschte Wirkung haben, werden verlängert.

Bissl bunt im Nebelnovembergrau

Ich war vergangene Woche jeden Tag im See schwimmen. Fünf bis sechs Minuten. Im Nebel, bei ungefähr 10 und 9 Grad Wassertemperatur. An Land war es frostig. Auf dem Radl bin ich fast festgefroren. Aber im Wasser war es schön. Der See hat so gedampft wie das Dantewinterwarmfreibad, nur dass das Wasser viel kälter war. Aber trotzdem wärmer als die Luft. Zum Glück bin ich ja erprobte Eisschwimmerin und keine Coronakaltwasserschwimmerin. Mein anfänglicher Trotz ist etwas gewichen. Im kalten See schwimmen ist besser als gar nicht schwimmen und besser als daheim sitzen.

Am Montag war es sogar richtig zauberhaft: Nach einer frostigen Nacht waren die Bäume weiß eingefrostet, der See dampft wie verrückt und die Sonne schaut zwischendurch raus. In der Stadt war dichter Nebel, aber am See hatte sie eine kleine Chance.

Was für eine schöne Sonnenebelfroststimmung!

Vergangene Woche war es genau andersrum: Da bin ich bei Sonnenschein losgefahren und hatte die dichte Nebelwand vor mir und irgendwann war ich mittendrin. Aber ich wollte das durchziehen. Und das habe ich auch gemacht. Hauptproblem sind meine Hände. Die sind vom Radln eh schon kalt und sobald ich ins Wasser gehe und untertauche, sind sie auch hier eisig. Egal, ob ich 20 Sekunden oder ein paar Minuten schwimme. Und dann dachte ich mir eben auch: „Kalt ist es eh, also kannst du zumindest das Schwimmen etwas genießen.“ Das habe ich auch gemacht. Es war nämlich tatsächlich sehr schön. Ich bin dann hochkonzentriert und das ist dann schon fast meditativ. Sechsmal bin ich am Ufer entlang geschwommen. Immer zu dem Busch und der Parkbank hin und zurück zum Steg. Ich brauche immer eine Art „Ziel“. Auf den letzten Metern war’s dann oft kalt, die Bewegungen wurden eckiger. Aber dann wusste ich auch, dass es genug ist.

So viel Sonne gab’s vergangene Woche nicht

Ich habe auch überlegt, ob ich mir Mit-Schwimmer suchen soll. Allerdings weiß ich aus der Vergangenheit, dass ich in Begleitung dazu neige, kürzer zu schwimmen. Keine Ahnung, warum das so ist. Ich muss das alleine machen, ganz für mich. Deshalb schwimme ich nur am Ufer, wo ich stehen kann. Zur Not stelle ich mich hin und gehe zu Fuß an Land, sind ja nur ein paar Schritte.

Nach dem Schwimmen muss es schnell gehen. Ich bleibe solange wie möglich unter Wasser, denn das ist wärmer als die Luft. Besonders bei Ostwind! Dann das Handtuch um den Körper, die Schuhe anziehen und zu meinem „Lager“ gehen. So schnell wie möglich den Badeanzug ausziehen und die trockenen, warmen Sachen anziehen. Ich habe jetzt auch wieder eine Wärmflasche dabei. Und weil die während der Fahrt abkühlt, habe ich – haha – in einer Thermoskanne heißes Wasser dabei, das ich vor dem Schwimmen in die Wärmflasche fülle. So ist die schön warm und ich kann sie mir auf die Zehen legen. Die sind nämlich auch immer kalt. Außerdem ziehe ich so schnell wie möglich meine Handschuhe an. Die Finger sind das Hauptproblem und sobald filigrane Tätigkeiten erledigt sind, schlüpfe ich in die Handschuhe. (Weitere Tipps gibt’s hier.)

In einem Thermosbecher ist heißer Tee. Den Becher habe ich von meiner Schwester zu Weihnachten bekommen. Er ist inzwischen unverzichtbar.

Thermometer und Thermosbecher

Wenn es dann so ist wie am Montag, dass zwischen den Nebelschwaden die Sonne hervorspitzt, dann ist es perfekt. Denn dann spüre ich in mir das Kältekribbeln und den kalten Bauch und auf mir die Wärme der Sonne.

Frostkunst

Gestern hat es in München dann geschneit. Nicht wirklich viel, aber genug, um auf der Straße liegen zu bleiben. Klar, es ist ja seit Tagen ziemlich kalt. In der Stadt war der Schnee am Nachmittag wieder weg. Und so war ich einigermaßen guter Dinge, dass ich zum See radeln kann. Aber naja… in den nördlichen Stadtteilen lag noch Schnee und natürlich auf den schönen Radlstrecken. Zudem war es echt glatt. Dann habe ich mein Fahrrad geschoben. Sicher ist sicher. Zwischendrin konnte ich auch wieder radln. Aber auf den letzten zwei Kilometern zum Regattabadesee war es unmöglich. Eis und Schnee, es war zu Fuß schon schwierig. Dazu der kalte Ostwind, der über die Felder wehte. Irgendwann dachte ich: Das hat keinen Sinn. Ich bin noch nicht mal da, der Rückweg zu Fuß wird noch länger. Also lieber mal zum Feldmochinger See schauen. An dem war ich schon vorbei, er lag also mehr oder weniger auf dem Heimweg. Ich mag den See aber nicht besonders, obwohl er eigentlich am schnellsten zu erreichen wäre.

Also schiebe ich mein Rad zurück, steige auf und radle, als es die Straßenverhältnisse erlauben. Meine Laune ist im Keller. Entweder Winterdienst oder Hallenbad öffnen – so geht es nicht! Und auf den Feldmochinger See hab ich keine Lust, aber 500 Meter Umweg sind jetzt auch egal. Also schaue ich hin. Auch hier wieder eisige Wege. Am See selbst starre ich etwa 10 Minuten aufs Wasser. Beobachte die Enten. Wäge ab. Hab ich Lust? Schwimmen wäre schon schön. Jetzt, wo ich bei diesen widrigen Umständen schon mal hier bin. Aber der See ist so komisch. Warum? Ach, keine Ahnung. Und jetzt hier im Schnee auf der Wiese alles hinlegen und ausziehen? Wo mir eh schon so kalt ist? Und dann wieder anziehen? Abtrocknen? – Ihr seht schon: Ich hatte keine Lust. Und dann bin ich umgedreht und hab mich auf den Heimweg gemacht.

Bereut habe ich es nicht, dass ich nicht geschwommen bin. Aber ich frage mich, ob es das jetzt war mit Schwimmen. Wenn ich mit dem Radl nicht zum See komme, bin ich aufgeschmissen. Auto habe ich keines und mit den Öffentlichen sind die Seen zum einen nicht gut zu erreichen, zum anderen meide ich die Busse und Bahnen auch ohne Corona schon.

Ich hoffe nicht, dass es das mit dem Schwimmen und Radln war. Sonst muss ich am Ende noch zum Joggen anfangen … und darauf habe ich noch weniger Lust …


Gestrandet …

Neulich war ich bei meinem Optiker und der hat ein kleines Aquarium in seinem Laden. Darin schwimmen zwei „Nemos“, ein lila-gelber und ein Fisch mit Punkten. Die Garnele hängt nur ab, soweit ich das beobachten konnte. Warum erzähle ich euch das? Weil ich neidisch auf die Fische war! Sie dürfen weiterhin rumschwimmen. Für sie ist alles in Ordnung (ok, so ein Aquarium ist jetzt nicht der Ozean, aber immerhin). Und ich? Bin wieder gestrandet, sitze auf dem Trockenen und fühle mich nicht gut.

Neidisch auf die Fische…

Wenn ich jetzt sage, dass es mir schlecht geht, mag das nach „Jammern auf hohem Niveau“ klingen. Aber es ist halt mal so. Ich fühle mich, als würde ich für etwas bestraft, was andere „angestellt“ haben. Nachsitzen für die ganze Klasse, weil der Klassenclown rumgealbert hat. Oder weil zwei gerauft haben und keiner zugibt, wer beteiligt war. Kurzum: Ich finde es ungerecht, dass die Schwimmbäder schließen müssen, weil die „Corona-Zahlen“ stark gestiegen sind.

Abstand halten in den Doppelbahnen

Es gibt, soweit ich weiß, keinen Fall, der auf einen Besuch im Schwimmbad zurückzuverfolgen ist. (Dasselbe gilt wohl für Fitnessstudios.). Meine Beobachtung war vielmehr, dass die Besucher in den Bädern auf Abstand und Hygienemaßnahmen geachtet haben. Weil sie sich selbst nicht anstecken wollten (denn das bedeutet zwei Wochen Verzicht). Im Gegensatz zum Supermarkt, wo es mir in den vergangenen Wochen wieder verstärkt aufgefallen ist, dass die Menschen kaum Abstand halten. Die Bodenmarkierungen werden entweder nicht wahrgenommen oder gelten für andere. Wenn ich dann böse schaue oder tatsächlich um mehr Abstand bitte, werde ich mit bösen Blicken gestraft: Hab dich nicht so. Doch, ich hab mich so! Ich will nämlich nicht, dass die Zahlen weiter steigen und die Politiker nur den einen Ausweg kennen: Lockdown. Ironischerweise jetzt mit einem „light“ versehen. Wobei: Das wissen wir doch aus der Ernährung, dass wo „light“ draufsteht, keine Erleichterung zu erwarten ist.

Zurück zum Gefühl der Ungerechtigkeit. Wie viele andere Sportler habe ich mich an die Regeln gehalten. Die ungeliebte Maske aufgesetzt, auch da, wo es wenig Sinn ergibt (im Freien, mit Abstand). Abstand gehalten, Daten (die echten!) hinterlassen und so weiter. Und jetzt: alles umsonst, alle in Hausarrest und das Hallenbad wird mit dem Puff gleichgesetzt. Stichwort: Freizeitvergnüngen.

Dass ein Hallenbad (und auch ein Fitnessstudio) nicht nur „Freizeitvergnüngen“ ist, sondern Sportstätte, um sich fit zu halten, etwas für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden zu tun, wird – wie schon im Frühling – einfach nicht gesehen. Ein Hallenbad ist anscheinend etwas, das man alle heiligen Zeiten aufsucht, um dann etwas Spaß zu haben. Dass Schwimmen ein Sport ist, wird eh selten genug anerkannt (Stichwort: Bahnen für Sportschwimmer). Für manche Menschen ist schwimmen der einzige Sport, den sie ausüben können, da er schwerelos und somit ohne Belastung ist. Besonders gut für Menschen mit Gelenkproblemen, um nur ein Beispiel zu nennen.

Für mich ist Schwimmen einfach Freiheit. Mein liebster Lieblingssport, bei dem ich gleichzeitig Kraft und Leichtigkeit empfinde. Wo ich den Kopf freikriege, neue Gedanken entstehen und ich dem Alltag etwas entfliehen kann. Tja – und das ist jetzt wieder gestrichen. Für vier Wochen … doch das wird wohl wieder länger dauern.

Das ist zermürbend. Das war im Frühjahr aus verschiedenen Gründen anders. Erstens war es eine Art „Experiment“, ein Ausbrechen aus der Gewohnheit. Und weil wegen der Ausgangsbeschränkung zum Teil sehr wenig Straßenverkehr herrschte, war das Rennradln sehr angenehm. Zweitens war das Wetter schön, die Tage wurden jeden Tag länger. Mehr Tageslicht, längere Touren. Und schließlich auch wärmeres Wasser in den Seen.

Und jetzt? Kürzere Tage jeden Tag, Nebel bis Mittag und der Autoverkehr ist dicht und nervig und gefährlich wie eh und je. Rennradln auf nassem Laub ist nicht so spaßig und im Nebel bei unter zehn Grad echt kalt. Hab ich zwar auch gemacht, aber eher, um rauszukommen als aus Spaß.

Bei Sonne kann man zumindest die prächtigen Herbstfarben genießen

Schwimmen im See. Ja, hab ich auch gemacht. Das Wasser ist mit 12 bis 13 Grad erstaunlich warm. Und ich bin ja schon länger eine Kaltwasserschwimmerin, so dass das jetzt DIE Gelegenheit ist, es umzusetzen. Weil eben keine Halle lockt. Aber es ist nicht dasselbe und erst Recht kein Ersatz. Fünf Minuten Oma-Brust im kalten See sind halt was anderes als 60 bis 75 Minuten Kraulen in der Olympiaschwimmhalle.

Schwimmen im Nebel. Das Wasser war doppelt so warm wie die Luft

Und deshalb ist es leider so, dass ich mich gar nicht wirklich auf meine „Eisschwimm„-Ausflüge freue, sondern es eher aus Trotz mache. Es fühlt sich nach wie vor gut an, sich an das kalte Wasser zu gewöhnen. Zu merken, dass es geht, wenn man etwas länger schwimmt. Die ruhige Stimmung am See zu genießen. Das Kribbeln danach. Aber wenn ich dann beim Heimradln so kalte Finger bekomme, dass ich sie kaum mehr bewegen kann, dann muss ich einfach daran denken, wie viel schöner es wäre, eine Wahl zu haben: zwischen „richtig schwimmen“ im Hallenbad und „Eisschwimmen“ im See. Und diese Wahl habe ich gerade nicht. Obwohl ich mich an alle Regeln gehalten habe. Das ist ungerecht und macht mir schlechte Laune …


Zweimal kalt zum Winteranfang

Ich muss gestehen: Ich bin nicht mehr so eifrig beim Eisschwimmen wie die letzten Jahre. Ich habe mich auch ein bisschen zur „Schönwettereisschwimmerin“ entwickelt. Wenn Ostwind ist: keine Lust, viel zu kalt beim Heimfahren. Bei Nebel: ebenso. Regen: geht gar nicht, Schnee ebenso. Und Westwind – da bin ich kürzlich umgedreht, weil ich auf dem Radl kaum vorangekommen bin und mir dachte, dass mir dann am See die Wellen ins Gesicht platschen und an Land mein Zeug wegweht. Ihr seht schon: Wenn man keine rechte Lust hat, ist jede Ausrede recht. Und als ich das letzte Mal schwimmen war, habe ich ganz seltsames Kälte-Kopfweh bekommen …

Aber dann gibt’s die Tage, an denen ich doch wieder Lust verspüre. Ich an den See radeln will, um im kalten Wasser zu schwimmen. Hätte ich gestern schon gern gemacht, aber das Wetter hat sich nicht an die Vorhersage gehalten – es hat bis Nachmittag geregnet. Als es dann endlich aufgehört hat, war die Zeit zu knapp, um zum See zu fahren. Es sind ja grad die kürzesten Tage und es wird früh dunkel. Also nur ein kleiner Spaziergang, am Nymphenburger Schlosskanal. In herrlichster Abendlichtstimmung und mit spiegelglattem Wasser. Da habe ich die Lust aufs Eisschwimmen ganz deutlich gespürt! Oh, wie schön wäre es, jetzt da reinzugehen, unterzutauchen und zu schwimmen!

Abendstimmung am Nymphenburger Schlosskanal

Und weil es heute Vormittag tatsächlich nur bewölkt war, kein Regen, kein Wind, habe ich meine Siebensachen eingepackt und bin zum Langwieder See geradelt. Eine andere Strecke als gewöhnlich, irgendwie war mir nach Abwechslung. Als ich am See ankomme, liegt er spiegelglatt und einsam vor mir. Yeah! Die Freude wird kurz getrübt, denn als ich meine Decke ausgebreitet habe, kommt ein Paar mit einem riesigen Schäferhund. Natürlich ohne Leine (ich glaube, man kann in München keine Hundeleinen kaufen) und dann muss der Hund natürlich erstmal ins Wasser. Ich beobachte die Szene kritisch, denn ich kenne das schon: Der nasse Riesenhund läuft zu mir – obwohl sonst genügend Platz ist. Ich habe Glück, der Hund weiß was sich gehört und bleibt bei seinen Haltern. Und die gehen dann auch wieder.

Jetzt wird’s ernst! Ich ziehe mich aus, es ist kühl (etwa 5-7 Grad) und mir ist vom Radln warm. Dann gehe ich ins Wasser. Oh! Kalt! Brrr! Aber klar, was habe ich erwartet. Ich schaffe es recht schnell, unterzutauchen und loszuschwimmen. Im flachen Wasser nur, zur Sicherheit. Und es ist kalt. Es ist richtig kalt. Auf der glatten Wasseroberfläche sehe ich meinen Atem. Ich merke, wie ich sehr schnell atme, unruhig bin. Weil es echt kalt ist. Ich drehe um, schwimme zurück. Es geht nicht. Ich muss hier raus. Dann stehe ich am Ufer, das Handtuch um mich gewickelt. Und warte ab. Höre in mich rein. Merke, wie der Puls und der Atem ruhiger werden. Ah, das ist gut.

Vielleicht gehe ich jetzt doch nochmal rein? Weil ich mir ja schon öfter gedacht habe, dass es vielleicht doch länger gegangen wäre. Wenn der erste Schock überwunden ist. Bisher habe ich das nie gemacht. Aber heute schon. Ich lege also das Handtuch auf meinen Platz und gehe erneut ins Wasser. Es ist immer noch kalt. Saukalt! Aber ich bin ruhiger und kann noch einmal im flachen Wasser am Ufer hin- und herschwimmen. Dann muss ich doch raus. Es ist zu kalt. Ich bin es einfach nicht mehr gewöhnt. Meine Muskeln vibrieren vor Kälte. Ich bin knallrot! Und meine Zehen sind so steif, dass ich kaum in meine Flip-Flops komme. Ich bin auch ein Depp! Genau deshalb habe ich eigentlich Schlappen ohne Zehentrenner, für die eisigen Tage. Die hätte ich mal einpacken sollen. Jetzt ist es zu spät, irgendwie geht’s, dass ich die zwei Schritte in zur Decke gehen kann. Die Schuhe will ich vor allem deshalb anziehen, damit meine Füße nicht schmutzig werden. Weil kalte, nasse Füße sich nicht gut von Schmutz befreien lassen. (Weitere Tipps zum Eisschwimmen gibt’s hier.)

Passende Badekappe zum Eisschwimmen, nur die Flipflops sind ungeeignet.

Dann abtrocknen, Badeanzug runter, T-Shirt an. Unterhose an. Socken, Hose, Pulli, Schal, Jacke, Mütze statt Badekappe. Mann, ist mir kalt. Es kommt nicht mal ein Kribbeln oder so, es ist einfach nur kalt. Ich trinke von meinem heißen Tee aus der Thermosflasche, das tut gut. Dann packe ich zusammen und radle heim. Beim Radeln sind natürlich meine Finger kalt und fast steif, meine Füße sind Eisklumpen. Hm… irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Aber irgendwie war’s trotzdem schön!


Ins kalte Wasser

Zum Glück! Ich war heute wieder im See. Nachdem ich letzte Woche so eine Art „Krise“ hatte und am Ufer des Langwieder Sees alles in Frage gestellt habe, ging’s heute wieder. Es ist zum einen etwas wärmer in München, zum anderen ist endlich kein fieser Ostwind mehr. Und so habe ich beschlossen, wieder zum See zu fahren und zu schauen, wie es läuft.

Es waren Wolken, die Sonne hatte sich dahinter versteckt. Es gab auch Wolkenlücken, aber die waren an anderer Stelle. Am See war’s ruhig. Ich habe meine Sachen ausgepackt und hergerichtet, mich mental darauf vorbereitet, zu schwimmen. Oder damit klarzukommen, dass es nicht klappt. Aber ich habe nichts in Frage gestellt.

Mit Wolken ist es weniger trist als bei Nebel. Selbst, wenn die Sonne hinter den Wolken bleiben mag …

Die Luft hatte so etwa 8 Grad. Ich gehe ins Wasser, das sich kalt an den Füßen anfühlt. Kälter als beim letzten Schwimmen. Ich tauche unter und schwimme los. Ist.Das.Kalt! Atemwölkchen bilden sich über der Wasseroberfläche. Am Hals schneidet das Wasser wie ein Messer, so kalt kommt es mir vor. Ich versuche ruhig zu atmen und zu schwimmen. Mich an die Kälte gewöhnen. Der Puls wird ruhiger, aber meine Hände und Füße werden kälter. Und dann auch die Arme. Es ist immer noch kalt, das Wasser am Hals schneidet weiterhin wie ein scharfes Messer aus Stahl. Inzwischen bin ich einmal hin- und hergeschwommen. Einmal schaffe ich noch, nehme ich mir vor. Ich merke, wie ich langsamer werde beim Schwimmen. Aber ich schwimme, langsam aber stet. Zurück schaffe ich auch. Naja. Fast. Ich kürze ab und gehe an Land. Ein Blick aufs Thermometer: 7 Grad ist das Wasser kalt. Beim letzten Mal waren es noch 10 Grad. Das ist schon ein Unterschied. Ich finde, man merkt, ob das Wasser über oder unter 10 Grad hat. Und die 5-Grad-Grenze merkt man dann auch nochmal.

Ich bin beim Abtrocknen und Umziehen so „beschäftigt“, dass ich überhaupt kein Kribbeln spüre. Keine Kalt-Warm-Wellen. Nix. Aber trotzdem geht’s mir gut. Ich friere nicht übermäßig, zittern eh nicht. Dazu war ich zu kurz im Wasser. Aber es war mir zu kalt, um länger zu schwimmen.

Auch ohne Kribbeln glücklich!

Vor allem aber freue ich mich, dass die „Krise“ von letzter Woche nur vorübergehend war und ich es geschafft habe, mich aufzuraffen, wieder zum See zu fahren und zu schwimmen. Wie ich es allerdings vor zwei Jahren geschafft habe, ganze sieben Minuten bei 7 Grad auszuhalten, ist mir schleierhaft. Bin ich am Ende doch ein Weichei? Eine Schön-Wetter-Eisschwimmerin? Oder ist das am Ende einfach egal?