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Sauna-Päivä in Helsinki

Die Sauna ist in Finnland allgegenwärtig und ihr wisst ja sicher, dass es dort so viele Saunen gibt, dass sich statistisch gesehen zwei Finnen eine Sauna teilen können. Und da könnte man ja meinen, dass in Finnland jeder Tag „Sauna-Tag“ wäre. Aber es gibt einen Tag, der tatsächlich so heißt „Sauna-Päivä„. Hauptsächlich in Helsinki. An diesem Tag im März sind Saunen geöffnet, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit sind: Private Saunen, Saunen im Studentenwohnheim oder im Hotel. Und weil ich ein großer Fan der finnischen Sauna bin, bin ich letztes Jahr extra zum Sauna-Päivä nach Helsinki geflogen. Der nächste Termin ist jetzt am Samstag, 9. März.

Planung

Aller Anfang ist Planung! Um den Sauna-Tag entspannt genießen zu können, ist es sinnvoll, sich bei den verschiedenen Saunen anzumelden. Die meisten Angebote kann man nämlich nur nutzen, wenn man sich angemeldet bzw. eingetragen hat. Den Plan gibt’s hier: https://www.helsinkisaunaday.fi/search und der wird auch ständig erweitert. Reinschauen und dranbleiben lohnt sich also!

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Tervetuloa! Herzlich willkommen beim Sauna-Tag!

Bei den einzelnen Saunen steht auch, was geboten ist und was man mitbringen muss. In aller Regel ein Handtuch. Sinnvoll sind auch Badeschlappen und manchmal auch ein Badeanzug bzw. Badehose. In Finnland wird oft geschlechtergetrennt sauniert, manchmal aber gemeinsam. Und da wird dann Badebekleidung getragen. Und wer es richtig „finnisch“ will, setzt sich einen Sauna-Hut auf. Der soll den Kopf vor zu großer Hitze schützen. Ebenfalls wichtig: Trinken! Wer schwitzt, verliert Flüssigkeit und Mineralien, deshalb viel trinken. Wasser ist immer gut, aber auch Saftschorlen oder ein Bier sind möglich. Und wer den ganzen Tag von Sauna zu Sauna zieht, sollte auch eine Mahlzeit einplanen.

Huopalahden Sauna

Meine erste Sauna am Sauna-Tag war eine ganz besondere: Huopalahden Sauna. Mit dem Zug geht’s nach Huopalahti. Das Wetter an diesem März-Tag ist grau: Die Wolken hängen tief und obwohl es Mittag ist, ist das Licht diffus. Der Schnee auf den Straßen und Gehwegen ist auch grau und leicht matschig. Es ist nicht wirklich kalt, um den Gefrierpunkt. Aber diese graue Feuchtigkeit ist ungemütlich. Genau das richtige Wetter, um in die Sauna zu gehen. Ich verlasse den Bahnsteig, denn die Sauna ist genau am Bahnhof. Kein Wunder, das alte Bahnhofsgebäude aus weißem Holz wird von der Finnischen Bahn nicht mehr gebraucht und so hat es Liisa Akimof 2013 gekauft. Und wie sich das in Finnland so gehört, gehört zum Bahnhof auch eine Sauna. Liisa sägt gerade Holzlatten in kleinere Stücke, als ich auf das kleine rote Ziegelhäuschen zusteuere. Darin ist die Sauna.

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Das alte Bahnhofsgebäude in Huopalahti.

Rund um das Ziegelhäuschen stehen ein paar Häuser aus Holz. Das größte ist weiß und steht am nächsten an den Gleisen. Das war früher der Bahnhof. Doch heute ist aus dem Vorort-Bahnhof eine gesichtslose S-Bahn-Station geworden. Liisa wohnt hier und bietet in dem großen Haus Lesungen und andere Kultur-Events an. Die Sauna ist eigentlich nur für die Bewohner des Areals.

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Da ist die Sauna drin.

Heute, am Sauna-Tag, können auch Besucher kommen. Vorausgesetzt, sie haben sich angemeldet und Glück gehabt. Zweimal 8 Plätze gibt’s. Eine Runde für Frauen, eine Runde für Männer. Wie das in Finnland traditionell so ist. Seit 1910 gibt’s die Sauna, erzählt Liisa. Sie war für die Bahnarbeiter gedacht.

(Sobald das Video läuft, steht das Bild auch nicht mehr auf dem Kopf)

Es ist eine alte, einfache Sauna. Etwa 10 Quadratmeter groß. Die Wände sind betongrau, eine steile Holzleiter führt zu der Sauna-Bank, auf der wir später zu acht Platz haben. Durch das Fenster dringt das diffuse Nebelwintergrau in den Raum. In der Ecke stehen zwei Öfen: Einer mit großen Steinen oben drauf, der Kiuas, also der Sauna-Ofen. Der andere ist eine Wassertonne, hier wird das Wasser erwärmt. Wer sich waschen will, muss das mit einer Schüssel machen, auf die ganz altmodische Art. Duschen gibt’s nämlich keine. Es atmet den Charme der Vergangenheit.

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Alles ganz schlicht: Holzbank, der Saunaofen mit den Steinen und die Tonne mit dem heißen Wasser.

Die Sauna wird mit Holz beheizt, was eine sehr schöne Wärme ergibt. Es ist keine so trockene Luft wie ich es aus Deutschland kenne. Was auch daran liegen könnte, dass wir viele Aufgüsse machen. Auch das macht in Finnland kein Sauna-Meister, der zur vollen Stunde kommt, sondern die Sauna-Gäste selbst. In unserem Fall ist das Johanna, die mit Sauna-Hut und Sauna-Tattoo – ein Holzeimer und ein Birkenbündel – ein echter Fan des Schwitzens ist.

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Gleich sind alle Plätze belegt!

Und was kann ich sagen? Es ist einfach nur schön. Wir sitzen wie die Hühner auf der Stange, genießen die Wärme und ratschen. Sehr entspannt. So gefällt mir das. Und zum Abkühlen geht’s in den Schnee! Ich gehe erst ein bisschen auf und ab, atme die frische Luft. Dann wage ich es und lege mich kurz in den weißen Schnee. Schön! Auch Elisa schnappt frische Luft und ist begeistert von der alten Sauna und der Umgebung: „Es ist schon lustig, da warten die Fahrgäste am Bahnsteig auf den Zug, während wir hier im Schnee liegen. Wir haben quasi Publikum!“

Der Zug fährt ein und nimmt die Wartenden mit. Und auch wir warten nicht länger, sondern steigen in die Sauna – für die zweite Runde.

Liisa hat nicht nur die Sauna angeheizt, sie hat auch die Kaffeemaschine angemacht und gegen eine kleine Spende gibt’s sogar einen Kuchen mit Äpfeln aus dem Bahnhofsgarten. In der Waschküche stehen neben zwei großen Waschmaschinen zwei 50er-Jahre-Sessel und ein Nierentisch.

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Liisa killt mit ihrem Messer gleich den Apfelkuchen.

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So charmant kann eine Waschküche sein.

Und während ich mir zum Abschluss Kaffee und Kuchen schmecken lasse, ist die Frauen-Zeit in der Sauna auch schon rum und die Männer kommen. Peter hat sich gleich mal die Säge geschnappt: „Wenn jemand schon so nett ist und kostenlos eine Sauna anbietet, will ich meinen Teil dazu beitragen, dachte ich mir. Und ich hatte Recht: Es ist noch kein anderer da… ja, warum nicht? Im Stadtleben machst du das nicht so oft, aber im Sommer ist es ganz normal – nur nicht im Winter.“ Liisa hatte in ihrer Sauna-Beschreibung erwähnt, dass sie sich freut, wenn jemand beim Holzsägen hilft. Wir Mädels haben das nicht gemacht, aber die Jungs sind ganz fleißig. Nach und nach trudeln die Männer ein, jeder greift zur Säge und sägt ein bisschen. Alle haben gute Laune und ich finde es schade, dass ich weiterziehen muss.

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Wer mag, darf sägen.

Sauna-Dorf im Museumsinnenhof

Mit dem Zug fahre ich zurück ins Zentrum von Helsinki. Unweit des Bahnhofs ist das Nationalmuseum und dort ist im Innenhof ein ganzes Sauna-Dorf aufgebaut. Ein Zelt dient als Umkleide, rund um stehen Imbisswägen, die aber keine Würstl braten, sondern mobile Saunen sind. In die kleine Tubi-Sauna passen gerade mal 6 Besucher, in die Rauchsauna etwa 10. Viel Platz ist nicht und so wuseln die Besucher auf dem Platz zwischen den Sauna-Anhängern umher. Nur mit einem Handtuch bekleidet, manche sogar barfuß. In einem der Anhänger ist sogar ein Whirlpool angekarrt worden.

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Im Imbisswagen werden keine Würschtl gegrillt, sondern Saunagäste …

Hierher können alle ohne Anmeldung kommen, aber Badebekleidung ist Pflicht. Mir persönlich war das Gewusel aber zu viel. Aber hier wird auch mal wieder bestätigt, was ich schon öfter in der finnischen Sauna erlebt habe. Es stimmt nicht, dass die Finnen pauschal so schweigsam sind. Sie sind sehr gesprächig – besonders, wenn es um die Sauna geht. Wer das also erleben will, ist beim Sauna-Tag goldrichtig! Die Saunen sind kostenlos und eigentlich hat man nichts zu verlieren.

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Kostenloses Sauna-Angebot im Innenhof des Nationalmuseums

Torni-Sauna im GLO Hotel Art

Meine nächste Sauna ist die im GLO Hotel Art. Das Jugendstil-Haus wirkt von außen fast wie eine Burg. Die Mauern bestehen aus großen Granitsteinen, die Holztür ist schwer und mit Eisen beschlagen. Über dem Eingang thront ein Turm. Und im obersten Stockwerk, unterhalb des Turms, ist die Sauna ”Torni”. Die Sauna steht in ihrer Einfachheit in starkem Kontrast zu den dicken Mauern, den schweren Türen und massiven Möbeln, die im Hotel stehen. Es ist eine recht schlichte, elektrisch beheizte Hotelsauna für etwa 10 Leute. Es ist Frauenrunde und kaum sitzen wir auf den Bänken, wirft eine Frau auch einen Aufguss. Dreimal. Warum eigentlich? Reicht nicht eine Schöpfkelle Wasser? Sie ist von der finnischen Sauna-Society und erklärt: ”Einige sagen, dass der Sauna-Geist es mag, wenn du dreimal wirfst. Dann ist er zufrieden und macht den schönsten Dampf. Vielleicht muss man auch einfach zuhören, als ob du mit einem Menschen sprichst: Wie reagiert der Ofen? Beim ersten Mal weißt du es, beim zweiten Mal bist du besser und beim dritten Mal seid ihr befreundet – das wäre eine rationale Erklärung.”

Manche sagen auch, dass man beim dritten Mal im Dunklen einfach die beste Chance hat, den Ofen auch zu treffen.

 

Im GLO Hotel gibt’s kostenlose Getränke und sogar Bier!

Die Umkleide im GLO Hotel. Hat was von Ostseebad …

Ich treffe hier auf Laura und Marjo. Die beiden Freundinnen sind schon den ganzen Tag von Sauna zu Sauna unterwegs. Der Sauna-Tag ist für die beiden der wichtigste Tag im Jahr. Seit Anfang Januar haben sie akribisch geplant, damit sie möglichst viele Saunen besuchen können. Sie waren schon auf einem Boot, einer Sauna mit Dachterrasse und im Hostel. Jetzt sind sie hier.

Der Sauna-Tag ist irgendwie ein Event, ein Festival. In jeder Sauna treffe ich auf neue Leute. Die alte und einfache Sauna der Eisenbahner ist so ziemlich das Gegenteil von der Hotelsauna und vor allem ist der Aufenthaltsbereich hier sehr viel mondäner, mit Ledersesseln und einem schweren Holztisch. Dazu gibt’s kostenlose Getränke – und sogar Bier. Spontan beschließen Laura und Marjo, mich zu ihrer nächsten Sauna mitzunehmen. Zu einem neugebauten Studentenwohnheim.

Kalasatama-Studentenwohnheim

Das Studentenwohnheim ist ein modernes und deshalb ist hier die Sauna nicht im Keller untergebracht, sondern im obersten Stockwerk. Mit Schnee auf der Dachterrasse zum Abkühlen. Die Sauna ist winzig klein, nur 6 Leute haben Platz. Trotzdem ist Jan-Erik, der Vorsitzende im Wohnheim, stolz, dass seine Sauna jedes Jahr beim Sauna-Tag dabei ist. Inzwischen ist es schon spät, 20 Uhr. Unsere Bikinis sind feucht, wir wollen sie nicht mehr anziehen. Die Mädels beratschlagen sich und auch die Studentenwohnheimjungs meinen, dass wir alle gemeinsam nackt in die Sauna gehen können. Ich kenne das ja aus Deutschland eh, deshalb ist mir die Entscheidung ganz recht. Bissl komisch ist es dann schon, als wir so ganz nah beieinander sitzen und ratschen – wie in einer Bar. Nur, dass wir eben nackt sind. Vesa macht einen Aufguss, dass uns ganz schnell heiß wird! Nix wie raus – auf die Dachterrasse und in den Schnee. Einmal tief durchatmen und dann rein ins kühle Weiß. Herrlich!

Sompa-Sauna

Inzwischen ist es 22 Uhr. Die Studentensauna schließt, alle ziehen sich wieder ihre warmen Hosen, Schuhe und Jacken an. Zeit zum Aufbruch und auch wir Mädels machen uns auf den Heimweg. Naja. Nicht so ganz. Ein „Muss“ ist „Sompa Sauna“. Eigentlich gehört sie nicht wirklich zum Sauna-Tag, denn diese Sauna in Helsinki ist jeden Tag rund um die Uhr geöffnet und kostenlos. Aber irgendwie gehört sie doch dazu und deshalb gehen wir hier noch hin. Es ist sehr schön. So „ungeplant“ und doch gut organisiert. Es ist immer jemand da, der sich um Feuerholz und Wasser kümmert. Die Sauna ist sehr heiß, die Aufgüsse zischen und natürlich sind wir sofort in ein Gespräch vertieft. Und dann geht’s für mich noch ins Eisloch. Mitten in der Nacht, im dunklen! Der Weg dorthin ist auch abenteuerlich, ich muss aufpassen, dass ich auf dem Schnee nicht ausrutsche. Eine kleine Treppe führt ins „Avanto“, das Eisloch. Ich gehe rein, tauche unter – herrlich! Mitten in Helsinki, in der Ostsee, im Eis. Finnischer geht’s nicht! Nochmal kurz aufwärmen, dann ist wirklich Schluss für heute.

Anarchisch: Sompa-Sauna

Das Eisloch – Avanto – bei der Sompa-Sauna mit Blick auf die Stadt

Ein ereignisreicher Tag mit viel Entspannung und schönen Eindrücken. ”Ich fühle mich erschöpft, weil ich 12 Stunden lang in der Sauna war. Es gefällt mir, aber jetzt bin ich fertig. Es ist Zeit fürs Bett und zum Wassertrinken. Ich befürchte, dass ich mich morgen verkatert fühle wegen der Dehydrierung. Jetzt heißt’s warten bis nächstes Jahr. Aber ich bin sicher, dass wir unseren Rekord nochmal verbessern: wir waren in 7 oder 8 Saunen – also nächstes Jahr dann 9 – mindestens!”, sagt Marjo auf dem Nachhauseweg. Die Mädels sind so nett, dass sie mich noch begleiten, bis ich mich wieder zurecht finde.

Mein Fazit zum Sauna-Tag: Es ist eine ganz besondere Stimmung. Wie auf einem Festival. Wer ein bisschen offen ist, wird interessante Gespräche führen und nette Leute kennenlernen. Ich bin allein zum Sauna-Tag gefahren, aber natürlich kann man auch mit einer Freundin oder einem Freund fahren. Wer als Pärchen unterwegs ist, sollte aber bedenken, dass in manchen Saunen eben geschlechtergetrennt sauniert wird und das bedeutet oft, dass zuerst eine Stunde die Frauen an der Reihe sind und danach die Männer. Das könnte die Planung etwas erschweren. Aber die Informationen sind alle übersichtlich auf der Homepage zusammengefasst.