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Fremdschwimmen in der eigenen Stadt: Südbad

Die nächsten beiden Wochen werden schwer für mich. Die Olympiaschwimmhalle, mein Winterquartier sozusagen, ist wegen Revision geschlossen. Normalerweise findet das zur Freibadsaison statt, da krieg ich das nicht mit. Aber wegen des großen Umbaus musste das jetzt stattfinden. Ohmann. Was tun? Eigentlich ist das Dantebad eine gute Ausweichmöglichkeit, aber bei den frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein ist mir da das Wasser einfach zu warm. Und mutmaßlich ist es dort auch gut besucht. Ich habe auch schon überlegt, gar nicht schwimmen zu gehen. Aber irgendwie fühlt sich das auch nicht gut an. Ich weiß, ich bin ein verrückter Junkie! Aber als ich letzte Woche im Olympiabad mit anderen Schwimmern geredet habe, ging es ihnen genauso. Und übrigens nicht nur denen, die richtig gut schwimmen, sondern auch diejenigen, die eher so vor sich hinschwimmen. Zwei Wochen ohne, das ist ganz schön hart.

Also habe ich mir einen Plan überlegt. Ich fahre ins Südbad. Fahrtstrecke ist vertretbar und ja, es hat nur eine 25-Meter-Bahn. Aber immerhin sind zwei Bahnen abgetrennt. Und durch die große Glasfront soll die Sonne auch schön ins Becken scheinen. Das verspricht die Webseite und als ich dort ankomme, ist es genau so. (Fotos darf man ja nicht machen, ihr müsst also auf die Homepage der Stadtwerke gehen)

Allerdings wirkt das Becken auf mich wie im Miniaturwunderland. So klein. So kurz. Fast niedlich. Ich weiß, das klingt voll arrogant, aber ich habe echt das große Glück, sommers wie winters im 50-Meter-Becken zu schwimmen. Das letzte Mal auf 25-Meter, das war in Helsinki, im Allas Seapool. Naja. Jetzt war die Wahl eben zwischen zu warm und zu kurz. Ich habe zu kurz gewählt und stelle schnell fest, dass es zum einen wirklich eine kurze Bahn ist. Zweimal ramme ich auch fast die Wand. Könnte auch an der Sonne liegen, die die Sicht etwas verblendet hat. Und ich stelle fest, dass vier Leute auf der Kurzbahn ganz schön viel sein können. Überholen ist eine Herausforderung, weil die Bahn einfach schnell zu Ende ist. Ich habe Glück, zwei der drei Mitschwimmer sind recht rücksichtsvoll, machen eine kurze Pause an der Wende und lassen mich vor. Der dritte konnte wohl seine und meine Geschwindigkeit nicht gut einschätzen oder hat nicht aufgepasst, wasweißich, jedenfalls war der bissl unangenehmer. Aber auch nur kurz.

Im Großen und Ganzen hat es ganz gut geklappt. Und ich habe mal wieder festgestellt, wie anders es sich anfühlt, woanders zu schwimmen. Gar nicht so: „mein Bad, meine Bahn, weg da!“. Eher so: Wir schwimmen hier jetzt gemeinsam. Oder fast so bissl: Ich bin hier Gast. Irgendwie war’s entspannter. Kennt ihr das auch? Dass man so innerlich zu „meine Bahn“ neigt, wenn man immer „daheim“ schwimmt?

Die Sonne hat jedenfalls tatsächlich schön durch die große Glasfront geschienen, das war schön. Denn im Olympiabad bin ich zur Zeit ja nur „unter Tage“, da kriegt man von der Welt nichts mit. Und als ich fertig war mit schwimmen, sehe ich tatsächlich einen der Olympiabad-Dantesommerbad-Schwimmer hier. Wir grinsen uns an. Geredet haben wir in all den Jahren noch nie. Aber heute. Weil wir ja Leidensgenossen sind. Und deshalb ratschen wir jetzt kurz – übers Schwimmen und dass es schon blöd ist, dass das Oly grad zu ist.

Zum Abschluss meines Fremdschwimmausflugs gönne ich mir noch ein bisschen Relaxen im Außenbecken. Die Sonne scheint durch die Schleierwolken, das Wasser ist warm und sprudelt und ich döse ein bisschen vor mich hin. Sehr fein! Eigentlich waren die zwei Stunden heute fast wie ein kleiner Urlaub.

Immerhin ein Bild von außen: Das Südbad in München Sendling.

Samt An- und Abreise, weil ich eigentlich auch nie durch Untersendling radle. Schade eigentlich. Ist schön da. Und das Bad ist mitten in der Stadt, zwischen den Wohnhäusern und Wirtschaften. Nicht so ab vom Schuss wie das Dante und Oly. Vielleicht mache ich da nächste Woche nochmal einen Ausflug. Mit anschließendem Essen in einer der Wirtschaften, an denen ich heute nur vorbei geradelt bin. Denn wie heißt es so schön auf meiner Bäderkarte: „Ihre Auszeit vom Alltag!“. Genau so habe ich mich heute gefühlt.

Ihre Auszeit vom Alltag – aber wenn Schwimmen Alltag ist?!