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Das Glück ist flüssig und türkis

Endlich heimkommen. Kennt ihr das Gefühl? Oder frisch verliebt zu sein? Oder sich wieder in jemanden zu verlieben? Ja, so ungefähr fühlt es sich an, wieder zu schwimmen. Zu dick aufgetragen? Ich glaube nicht. Zumindest nicht für uns Chlorhühner, Wasserratten, Schwimmjunkies, Wasserfrösche oder wie immer ihr euch auch nennt… Ich habe euch genau gesehen. Dieses fast schon debile Grinsen im Gesicht. Und auch diese Ehrfurcht vor dem Wasser: Kann ich es überhaupt noch? Denn wer von uns Wasserjunkies war schon mal ein Vierteljahr, drei Monate, 13 Wochen, nicht im Wasser? Keiner. Und warum nicht? Ja, blöde Frage.

Die Wolken konnten die Schwimmer nicht abhalten, endlich ins Bad zu kommen.

Und jetzt dürfen wir wieder. Als ich gestern noch kurz in der Sonne im Dantebad saß, hat es ein kleines Mädchen auf den Punkt gebracht: „Ich hab fast vergessen, wie schön schwimmen ist.“ Ich musste grinsen und dachte: Wie recht du hast!

Auf den Stufen im Stadionbereich setzt man auf Eigenverantwortung.

Oder der Typ, der mit uns auf der Bahn geschwommen ist. Schnell war der. Und gut. Der hat doch keine so lange Pause gemacht, der war doch heimlich im See! Oder im Ausland. Oder… naja. Es ergibt sich ein kurzer Schwatz am Beckenrand (mit Abstand, natürlich). Dabei grinst der Typ sosehr, dass sich seine Mundwinkel gefühlt dreimal um die Ohren wickeln. Und sagt, dass er paar Mal im See war (ich WUSSTE es!), Krafttraining an Land gemacht hat und dass auch viel Willen dahinter steckt. Und dass es gut läuft (das haben wir anderen neidisch zur Kenntnis genommen.). Ich muss auch grinsen, weil ich ihn so gut verstehen kann und mich für mich und für ihn und für uns alle einfach nur freue.

Ich war von Montag bis Mittwoch in Germering schwimmen. Das Freibad ist toll, aber nicht voll. Ok, lag am Wetter. Denn am Dienstag und Mittwoch war es tatsächlich kühl und regnerisch. Aber wer ein Junkie auf Entzug ist, der radelt auch im Nieselregen eine Stunde zum Bad. Die Schwindelgefühle vom ersten Schwimmtag waren dann am Dienstag schon besser. Ich habe Ohrenstöpsel benutzt, bin mit dem Pullbuoye geschwommen, habe mich auf eine möglichst ruhige Lage konzentriert. Es war schön. Und anfangs, also am Montag, kam mir die 50-Meter-Bahn ziemlich lang vor. Krass. Wenn man das immer macht, ist es nicht weit. Aber so war es ungewohnt. Und nach den ersten 500 Metern dachte ich auch: Jetzt weiß ich, warum so viele Leute immer so beeindruckt sind, wenn man sagt, dass man 3 Kilometer schwimmt. Ist doch nix! Jaahaa… wenn man es gewöhnt ist. Aber da komme ich schon wieder hin.

Ins Sommerbecken dürfen bis zu 75 Personen. Zum Glück waren so viele nicht da …

Gestern war dann der erste Tag im Dantebad. Mein Heimatbad. Mein geliebtes Sommerbecken, in dem die eine Schwimmerbahn im Schatten ist. Trotz eher mäßigem Wetter waren einige Leute da. Ich hatte mich mit zwei Schwimmfreunden verabredet. Es lief gut. Als mich meine Freunde dann mal überholt haben, war ich echt gerührt! Das war so schön. So normal. So wie früher. Und man ist gemeinsam. Man teilt diese Leidenschaft fürs Wasser, die Freude am Schwimmen. Am Schweben. Am Dahingleiten. Es war echt sehr emotional.

Das Chlorhuhn in seiner natürlichen Umgebung.

Und vor und nach dem Schwimmen haben wir bekannte Gesichter getroffen. Wie das oft so ist, weiß man den Namen nicht, hat keine Möglichkeiten der Kontaktaufnahme. Aber hier im Dantebad (oder jedem anderen Bad) gab’s nur ein Thema: Wie man die Zeit verbracht hat, dass man sich freut, wieder hier zu sein. Wie das Schwimmen war. Dass der See zu kalt und einfach nicht dasselbe ist. Dass Joggen als Alternative langweilig ist. Kurz: Dass man das Schwimmen mit nichts vergleichen oder gar ersetzen kann.

Heute war ich nochmal schwimmen. Mit meiner anderen Schwimmfreundin. An einem Brückentag mit blauem Himmel, Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Und dann Corona und alles – ohje. Aber dann: Überraschung. Es ist relativ wenig los, das Schwimmen klappt sogar ganz prima, wir sind zu dritt in der Bahn. Und bei mir stellt sich der Flow ein. Ich kann es gar nicht glauben, was da im Bauch kribbelt und im Hirn wirbelt, während ich da so vor mich hinschwimme. Die Sonne scheint durch die Blätter, ich spüre deutlich den Unterschied zwischen den schattigen und sonnigen Stellen im Wasser. Ich fliege, ich schwebe – ich will gar nicht aufhören. Der Schwindel ist besiegt und dass die Arme etwas schwer sind: egal. Ich bin in meinem Element. Daheim. Umschlossen vom Wasser, durchflutet vom Glück. Ich kann es gar nicht fassen, wie toll es ist!

Wasser!!

Seit Montag habe ich auch zuhause festgestellt, dass meine Laune deutlich besser ist. Gelöster. So ganz tief drinnen. Als ob ein Knoten geplatzt wäre. Erleichtert. Weil ich wieder schwimmen kann. Weil ein großes Stück Normalität in mein Leben zurückgekommen ist. Und weil schlechtes Wetter wieder Sinn macht!

Ich sag ja: Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen!

Endlich Freibad!

Ich konnte es kaum glauben, als ich am Freitag, 22. Mai, auf Facebook einen Link sah, der besagte, dass Markus Söder sagte, dass die Freibäder in Bayern am 8. Juni öffnen dürfen. Mein Herz hat einen Hüpfer gemacht, ohne Scheiß! Ich hatte Tränen in den Augen, weil ich mich so gefreut hab. Dann hieß es natürlich: Warten. Weiter warten. Fast wie als Kind in der Adventszeit … und dann kamen Meldungen von Bädern, die es nicht schaffen, am 8. Juni zu öffnen. (Übrigens haben die Bad-Betreiber auch aus den Medien erfahren, dass sie öffnen dürfen. Vielleicht habe ich es sogar früher gesehen als manch Bad-Betreiber… eigentlich unglaublich). Naja.

München ist gleich mal vorgeprescht und hat gesagt, dass einige Bäder am Montag, 8. Juni, öffnen. Man bereite alles vor (weil es vom März inzwischen wieder schmutzig war, Laub im Becken usw.). Aus Germering wusste ich, dass sie startklar sind, weil im Fliesenbecken Wasser sein muss und das war beheizt und wurde umgewälzt, weil sonst Algen wachsen. Alle Bäder haben sich was wegen der Hygiene- und Abstandsregeln überlegt, jetzt wurde da fleißig gewerkelt (vielen Dank!!). Und dann, ja dann kam, was kommen musste. Eine Wettervorhersage, die den Stadtwerken München nicht „schön“ genug war. Und so gab’s am Freitag dann die Information, dass die Bäder erst am Donnerstag (in Bayern ein Feiertag), 11. Juni, öffnen. Ohmann! Ich war sauer. Wütend. Enttäuscht.

Schlechtes Wetter…

Aber: Auf Germering ist Verlass. „Wir öffnen und sind eigentlich froh über das eher untypische Freibad-Wetter.“ Wir Sportschwimmer wissen ja eh, dass das die besten Tage sind. Und unter den neuen Voraussetzungen lässt sich da doch gleich ein Testlauf veranstalten.

Also, ich heute Morgen aufs Radl (radln bin ich ja jetzt gewöhnt) und ab nach Germering. Das sind 20 Kilometer, nicht gerade um die Ecke, aber machbar. Ich war so aufgeregt, ob ich alles eingepackt habe, dass ich gleich mehrmals meinen Rucksack überprüft habe. Und dann radle ich los, bin voller Vorfreude (fast wie beim Eisschwimmen) und male mir aus, wie es sein wird. Werden viele Leute da sein? In Germering kann man nichts online buchen, es geht das Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Bissl „zocken“, dafür fair (weil wenn jemand geht, kann wieder jemand rein – sollte es zu voll sein). Naja. Das Wetter ist nicht schlecht, morgens ist es kühl und bewölkt – also: ideal. Während ich also so vor mich hinradle, schwanke ich zwischen: Alle, alle, alle werden gleich am Vormittag zum Schwimmen gehen, weil sie es nicht erwarten können – und: ach, bei dem Wetter, da sind die üblichen Verdächtigen, das Bad ist groß, wird schon werden. Und natürlich male mich mir aus, wie es sein wird, wieder im Wasser zu sein. Bis auf ein paar Oma-Schwimmausflüge im See war ich ja an Land. Wie wird es sich anfühlen? Wie anstrengend wird es sein? Kann ich noch schwimmen? Kommt der Flow?

Dann bin ich endlich da. Puh – auf dem Auto- und Radlparkplatz nur wenige Fahrzeuge. Immerhin. Eine Menschenschlange ist auch nicht zu sehen. Dafür ein Bauzaun, der Ein- und Ausgang trennt.

Ein- und Ausgang getrennt

Ein paar Schwimmer kommen raus – mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Ohmann! Endlich! Ich auch will! Am Eingang stehen zwei Security-Männer. Der eine sagt: Jetzt gehen grad vier raus, der andere nickt. Und ruft mir zu: „Hier bitte Hände desinfizieren und dann hier Kontaktdaten eintragen.“ Ich befolge die Anweisungen, die Gesichtsmaske habe ich schon über Mund und Nase gezogen. An der Kasse bezahle ich meinen Eintritt, dann geht’s durchs Drehkreuz.

Innen und im Kassenbereich muss man Masken tragen. Das kennen wir ja schon…

Kein Mensch weit und breit. Dafür Hinweiszettel zum Abstandhalten. Die Innenumkleide ist geschlossen, aber draußen ist offen. Es gibt auch Spinde für Wert- und Badesachen. Also eigentlich alles wie immer.

Die Duschen sind gesperrt, von den drei Waschbecken ist das mittlere blockiert und bei den Toiletten ist nur jede zweite benutzbar, die anderen sind abgesperrt und mit Schildern versehen.

Nur jede zweite Toilette darf benutzt werden

Als ich zum Becken gehe, schiebt sich die Sonne zwischen den Wolken durch, um mich zu begrüßen. Es klingt nach Freibad, zwei Jugendliche springen vom Zehner und landen mit einem saftigen Platscher im Wasser. Oh, wie ist das schön! Der Sound des Sommers. Dann geht’s die letzten Meter zum 50-Meter-Sport-Becken. Türkis-leuchtend liegt es vor mir. Einige Menschen schwimmen, maximal zwei auf einer Bahn. Neu ist, dass auch der „Planscher“-Bereich Leinen bekommen hat. Da sind zwei Zweibahnen abgetrennt, auch die „Normalschwimmer“ müssen jetzt im Kreisverkehr schwimmen.

Ordnung gilt jetzt auch im „freien“ Bereich

„Bei den Sportschwimmern hat sich nichts geändert, die kennen das ja eh“, sagt mir der Schwimmmeister Holger. Ich frage ihn auch, ob er Tipps hat: nicht zu viel wollen beim ersten Mal nach so langer Pause. Ich versuche, es mir zu Herzen zu nehmen.

Abstand halten auch im Wasser am Beckenrand

Die Vorfreude ist einfach zu groß! Jetzt bin ich wirklich kribbelig und hibbelig. Ich setze Kappe und Brille auf, suche mir eine Bahn aus. Sie sind zu zweit, doch der Mann am Rand ist soeben fertig. Kurzer Ratsch: „Ich hätte nach 200 Metern nicht gedacht, dass ich 2.000 schaffe“, sagt er. Ui, denke ich mir. Er wünscht mir viel Spaß und ich lasse mich ins Wasser gleiten. ENDLICH! Oh, wie schön. Es ist mit 25 Grad genau richtig bei dem kühlen Sonnewolkenmix. Ich starte, wie immer, mit Brust. Es ist gut. Es ist schön. Es ist: wackelig. Ich schwanke zwischen Grinsen und Tränenverdrücken. So schön, wieder im Wasser zu sein! Und: 50 Meter sind ganz schön weit. Ich hab innerlich noch gelacht, als der Schwimmmeister gesagt hat, wie es ihm geht, wenn er von Winter und 25-Meter-Bahn auf die lange Bahn im Sommer umsteigt. Ich kenne das ja nicht, habe ja auch im Winter dank Olympiaschwimmhalle 50 Meter. Und jetzt: Puh… naja. So schlimm ist es nicht, aber es dauert. Dann komme ich an, atme durch und es geht zurück. Die ersten vier Bahnen sind immer Brust. Ich spüre meinen Körper, ich versuche die Bewegungen trotz aller freudiger Aufregung ordentlich und kraftvoll zu machen. Es fühlt sich gut an. Doch mir wird ein bisschen schwindlig. Naja, das wird sich schon geben mit der Zeit.

Dann ist Kraulen angesagt. Das habe ich jetzt tatsächlich seit 16. März nicht mehr gemacht. Die gute Nachricht: Ich kann es noch. Die schlechte: Es ist nicht besser geworden. Ich liege unruhig im Wasser, das spüre ich deutlich. Und durch das Geschaukel von mir und dem Wasser wird das Schwindelgefühl stärker. Hoffentlich geht das wieder weg! Ich versuche mich auf die Schwimmbewegung zu konzentrieren. Das geht und ich versuche, auch etwas Abdruck auf die Hand zu bekommen. Auch das klappt. Und so zähle ich Bahn für Bahn und schwimme so vor mich hin. Nach zehn Bahnen denke ich, dass Abwechslung gut wäre und will Rücken schwimmen. Der Sonne-Wolken-Himmel ist schön, das Rückenschwimmen klappt gut – aber an der Wende ist mir so schwindelig wie im kalten Wasser, ich muss auf die Bauchlage wechseln. Und hoffen, dass es besser wird. Es wird zwar im Laufe der nächsten Bahnen besser, aber es geht nicht weg. Das ist schade und vermiest mir meinen schönen ersten Freibadtag ein bisschen. Zeitweise bin ich sogar allein auf der Bahn, aber ich kann es gar nicht richtig genießen. Und weil ich auch nicht übertreiben will und soll, beschließe ich, dass es für heute mit 2.000 Metern (statt 3.000) gut sein soll.

Zum Abschluss und auslockern schwimme ich dann noch Rückenbeine. Das tut gut, ich merke aber, dass meine Körperspannung nachgelassen hat. Das werde ich also beim nächsten Mal auch zwischendurch machen. Und vielleicht auch ein Brett mitnehmen, um an der Wasserlage zu arbeiten. Als ich mein Pensum dann geschafft habe, bin ich zwar irgendwie glücklich, aber das Schwindelgefühl übertüncht das Ganze. Ich bin ohne Witz seekrank geworden!

Trotzdem war es ein sehr schönes Gefühl und ich werde die nächsten Tage auch wieder schwimmen gehen. Mit Ohrenstöpseln, vielleicht hilft das gegen den Schwindel? Und mit ein bisschen Technik im Programm. Wenn so wenig los ist im Becken, kann ich die Zeit dazu gut nutzen.

Das Wichtigste ist aber: Das Chlorhuhn war endlich wieder im Chlorwasser!

Daheim angekommen, zeigt das Thermometer an der Hauswand (Nordseite!) fast 20 Grad und die Sonne schaut regelmäßig zwischen den Wolken raus. So sieht „schlechtes Wetter“ aus.

Olympiaschwimmhalle wieder offen

Gestern war die offizielle Wiedereröffnung der Olympiaschwimmhalle in München. Drei Jahre wurde renoviert, drei Jahre war je ein Teil der Halle gesperrt. Es gab neue Wege, neue Perspektiven und andere Schwimmbecken. Im ersten Teil der Bauarbeiten war das Trainingsbecken unter der Tribüne gesperrt. Das hatte zur Folge, dass die Studenten und andere, die eigentlich dort schwammen, im großen Wettkampfbecken ihre Bahnen zogen. Dann kam Teil zwei des Umbaus – das Wettkampfbecken war gesperrt, alle Schwimmer mussten in das kleine Trainingsbecken unter der Tribüne. Das Becken hat nur fünf Bahnen, da wurde es oft eng, vor allem, weil alle Bahnen geleint waren. Aber auch, weil oft Bahnen gesperrt waren, weil die Uni ja weiterhin ihr Schwimmtraining abhalten musste.

Beengte Verhältnisse im Trainingsbecken während der Umbau-Phase im Oly

In der ganzen Zeit des Umbaus hatte ich ganz vergessen, wie schön und großräumig die Olympiaschwimmhalle ist. Denn das Trainingsbecken ist unter der Tribüne, es fühlt sich an wie in einem Keller. Es ist auf derselben Ebene wie die anderen Becken, aber die Decke ist eben sehr niedrig. Man hat überhaupt nichts von der Außenwelt mitbekommen: Sonne? Regen? Schnee? Weltuntergang? Hätte alles passieren können, während ich meine Bahnen ziehe. Das fand ich schon schade, hier so unter Tage zu sein.

Deshalb bin ich letztes Jahr im Herbst auch recht oft im Dantewinterwarmfreibad gewesen. Ich möchte hier auch mal meine Hochachtung für die Bademeister aussprechen, die ja nicht nur eine Stunde hier unten im Dunklen saßen, sondern ihren kompletten Dienst über knapp zwei Jahre im Keller abgeleistet haben.

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Zwei meiner Schwimmfreunde hätte ich ohne den Umbau im Oly wohl nie kennengelernt: Jakob und Cissi, die schnell und schön schwimmen, sind mir irgendwann im Wettkampfbecken aufgefallen und wir sind ins Gespräch gekommen. Im Laufe der Zeit haben wir und oft gesehen, oft geredet und irgendwann sogar Telefonnummern ausgetauscht. So wurde aus der Bekanntschaft im Umbau-Oly über die Zeit eine Freundschaft, die im Sommer zu Schwimmausflügen in die Freibäder im Umland geführt hat und nun schon über viele gemeinsame Schwimmkilometer besteht. Ohne den Umbau hätten die beiden wohl immer im Hochschulbecken ihre Bahnen gezogen, während ich im Wettkampfbecken (so heißen die beiden Becken nun mal) geschwommen wäre. Ein sehr schöner Nebeneffekt des Umbaus.

Und dann war es irgendwann im Sommer 2019 soweit: Man munkelte, dass das Wettkampfbecken und auch das Trainingsbecken geöffnet sind. Für mich war das im Sommer noch gänzlich uninteressant – ich war bis 30. September im Freibad. Am 1. Oktober war ich „nur“ kurz Herbstschwimmen im See, das Wetter war einfach zu gut für die Halle. Und so kam es, dass ich am 2. Oktober das erste Mal wieder im „Oly“ war. Der Eingang ist noch der Baustelleneingang und so bin ich auch erstmal in die Sammelumkleide gegangen, die während des Umbaus mein Refugium war. Logo hatte ich auch hier „meinen“ Schrank! Doch der Weg von der Sammelumkleide zum großen Becken ist weit. Ich hab mich dann noch gewundert, warum das so ist und warum das früher anders war. Bis mir dann eingefallen ist, dass der Eingang noch an anderer Stelle ist. So gibt’s bzw. gab’s neue Wege – und auch eine neuen Schrank. Dazu später mehr.

Jetzt erstmal das Becken und die Halle. Die Fensterfront aus Glas muss noch gemacht werden, deshalb ziert hier ein schönes buntes Bild die Baustellenfassade.

Die Glasfassade muss noch erneuert werden. Währenddessen ziert dieses Bild die Holzwand.

Aber wie groß das Schwimmbecken ist! Acht Bahnen (statt fünf im Trainingsbecken). Und die Höhe erst! Wie viel Platz gibt es rund um das Becken. Und wie schön ist es unter dem geschwungenen Zeltdach. So luftig! Und ein Teil der Glasfassade ist frei, so dass man zumindest ein bisschen was von der Außenwelt mitbekommt. Manchmal scheint sogar die Sonne aufs Becken.

So leer ist es nur bei Betriebsschluss. Aber wie schön es ist, sieht man hier natürlich am besten. Und träumen wird man ja dürfen …

Ich sauge die neue alte Atmosphäre auf und freue mich. Es ist einfach schön, wieder im Oly zu sein. Dass das Becken jetzt aus Edelstahl ist und nicht mehr gefliest, ist schade. Aber ich habe mich beim Schwimmen im Trainingsbecken schon an das Edelstahl gewöhnt, so dass es mir gar nicht so neu vorkommt. Und ein paar Fliesenstücke vom alten Oly habe ich ja daheim!

Fliesen aus dem alten Oly-Schwimmbecken von 1972

Es schwimmt sich auch echt gut. Vor allem am Anfang kam mir das Becken groß und unübersichtlich vor. Im Trainingsbecken mit seinen fünf Bahnen hat man viel schneller gesehen, wer sonst noch da ist. Oder im Freibad, wenn eh nur eine Bahn für die Schwimmer abgetrennt ist. Da sieht man gleich, wer heute auch schwimmt. Aber bei acht Bahnen, von denen sechs geleint sind – da kann man schon mal den Überblick verlieren. Nachteil der vielen Bahnen: Es gibt nur einen eher kleinen Teil für die „Nichtschwimmer“ und nach wie vor ist es nicht gewollt, dass die Bahnen irgendwie „eingeteilt“ werden. Es kann jeder da schwimmen, wo er/sie es für richtig hält. Wenn man Pech hat, verirrt sich auf jede der sechs Bahnen ein langsamer Brustschwimmer, der schwer zu überholen ist. Oder man hat Glück und kann seine Bahn einmal auch mit einem richtigen Profi teilen – als ich mit Alexandra Wenk auf der Bahn geschwommen bin.

Und dann ist da ja noch die Frage nach dem Schränkchen. Von der Sammelumkleide war mir der Weg zum Becken und den Duschen zu weit. Außerdem sind in der Sammelumkleide jetzt auch wieder vermehrt Schulklassen, die zum Schwimmunterricht da sind. Da war es an der Zeit, dass ich mir eine neue Umkleide und einen Schrank suche. Nehme ich die alte „824“ wieder? Irgendwie scheinen die Schränkchen neu nummeriert zu sein, denn die Lage von „824“ ist nicht ideal.

Welches Schrankerl darf’s denn sein?

Hm… was nehme ich dann? Ich teste verschiedene Schränkchen auf ihre Lage und auf die damit verbundenen Wege. Und lande am Ende bei „700“. Ja – ein Schränkchen ohne eine „8“! Sowas!

Tadaa! Die 700 macht das Rennen – quasi 007 von hinten!

Aber die 700 ist ein guter Schrank. Kaum andere Leute da, nah an der Dusche und nah am Becken. Und: der einzige Kleiderbügel weit und breit im Oly ist auch fast immer da, wo ich ihn lasse. Nur ein paar Mal musste ich suchen, bis ich ihn wieder gefunden habe. Angeblich gibt’s 500 Kleiderbügel, aber wo die sich verstecken, habe ich noch nicht herausgefunden…

 

Der einzige Kleiderbügel im Oly – entweder im Schrankerl oder in der Umkleide!


Ende der 19er-Freibad-Saison

Kinder, wo ist die Zeit geblieben? Die Freibad-Saison hat doch gerade erst angefangen – und schon ist sie wieder vorbei! Ok… wenn man ehrlich ist, hat sie am 1. Mai angefangen und das ist auch schon wieder vier Monate (sogar noch etwas länger) her. Aber es fühlt sich am Ende für mich immer so an, als wäre es gerade erst losgegangen.

Die Freibad-Saison startet traditionell im Schyrenbad. Flucht nach vorne, wenn man so will …

Letztes Jahr war ich dann irgendwie auch „froh“, dass es vorbei ist. Als es da im September so schön war und die Saison verlängert wurde, dachte ich nur: ohje. Einen dieser „Extra“-Tage habe ich noch genutzt, dann bin ich eh nach Estland geflogen.

Heuer war das ganz anders. Ich hatte ja im Mai diesen verrückten Plan, jeden Tag schwimmen zu gehen. Das habe ich auch gemacht. Es war schön, schrecklich, toll, kalt, voll, warm – irgendwie alles. Und weil es dann doch so gut war, bin ich auch am 32. Mai (im Kalender steht da bei den meisten 1. Juni) nochmal gegangen. Also schlägt der Mai mit 31 Freibad-Tagen zu Buche.

Der Juni war dann etwas „vernünftiger“, mit 23 Freibad-Tagen. Ich hatte nämlich ursprünglich den Vorsatz, auch mal etwas anderes zu machen. Nicht nur immer schwimmen. Also, wenn jemand eine Alternative geboten hätte, die besser ist als Freibad (meist ist es so, dass Freibad besser ist als nix zu machen), hätte ich das auch gemacht. Und bei sieben „Fehltagen“ war es also tatsächlich so, dass ich beispielsweise mal radln war. Oder am See mit meiner Freundin. Nur planschen – ehrlich!

Der Moorsee im Ostallgäu wirkt mit den Kiefern fast, als wäre man in Finnland!

Kiefern rahmen den Elbsee im Ostallgäu

Der Juli hat gleich mit einem Gewitter-Tag angefangen. Also, es sah so aus, als würde hier in München gleich mittags die Welt untergehen – aber es ist wie bei Hunden, die bellen. Die beißen nämlich auch nicht und so war es zwar dunkelst grau und windig – sonst aber nix. Also habe ich dem Gewitter gleich am 1. Juli mal 3.000 Meter im Freibad abgetrotzt, bevor es dann wirklich losging (da war ich aber schon daheim). Und dann war im Juli irgendwie fast jeden Tag Freibad-Wetter. Also, kühl und grau – genau mein Ding. Oder es war so mega-heiß, dass man etwas anderes gar nicht in Betracht ziehen konnte – also: Freibad! Fazit des Juli: ein „Fehltag“. Im August waren dann zu meinem Geburtstag die 500 Kilometer voll und trotz zweier „Fehltage“ (ich muss das ja fast so nennen) gab’s 90 Kilometer, weil ich den einen Fehltag ja quasi „vorgeschwommen“ bin.

So sieht es doch gut aus, im Dante!

Gut, und jetzt also September. Morgen geht in Bayern die Schule los, deshalb ist der Montag traditionell der letzte Freibad-Tag. Es war kalt und grau. Übrigens schon seit Donnerstag. Zu meiner Überraschung war ich nicht die einzige im Freibad. Es schien, als würden mehrere Menschen diese letzten Freibad-Tage nutzen wollen. Und heute im Dante also der allerallerletzte Freibad-Tag. Und was passiert da am Himmel? Warum ist es unter Wasser auf einmal so hell? Tja .. die Wolken haben sich gelichtet. Und ich denk mir nur so: yeah! Sonne, du schaffst das! Komm, ich hab noch die Hälfte vor mir, da kannst du mir nochmal zuschauen und den Rücken wärmen. Aber … naja. Sie hat es nicht geschafft. Und statt wärmer wurde es kälter: ein fieser kalter Wind saust über die Wasseroberfläche, da kühlt das Chlorhuhn schnell aus. Und ist dann am Ende leider eher froh, dass die 3.000 Meter voll sind.

Etwas wehmütig verabschiede ich mich von meinem Becken, das unter der bleigrauen Wolkendecke liegt.

Bye-bye, Dante-Sommerbecken. Die Wolken waren noch zu stark für die Sonne; der gelb-orange Schneefangzaun liegt schon bereit, um das Becken vor den Winterbadegästen abzutrennen.

Und während ich diese Zeilen tippe, hat das Bad noch offen – bis 19 Uhr. Und jetzt ist die Sonne da. Sie scheint von einem blauen Himmel, der mit ein paar weißen Wattebauschwolken verziert ist. Ob die Sonne auch noch auf das Becken scheint, kann ich von hier nicht sehen. Es könnte gut sein, dass der große Baum seinen Schatten auf die Wasseroberfläche wirft. Noch eine knappe Stunde ist geöffnet – dann ist wieder „Winterbetrieb“ und man kann im Dante in sehr warmem Wasser im anderen Becken (Stadionbecken) seine Bahnen ziehen. Doch das ist nicht dasselbe. Und mir außerdem noch viel zu warm.

Und ja – auch im Umland hat noch das ein oder andere Bad geöffnet und in München sogar das Schyrenbad noch. Da werde ich wohl doch noch draußen schwimmen können. Aber es ist einfach nicht dasselbe …

Erstaunlicherweise dachten ja viele, dass dieser Sommer „nicht gut“ war. Aber anhand der „Schlecht-Wetter-Regel“, bei der die Freibäder in München zum Teil geschlossen sind, lässt sich sehen, dass es gar nicht so schlecht war. Denn diese Regelung kam nur im Mai zum Tragen. Und meine vorläufige Freibad-Kilometer-Bilanz ist: 369 Kilometer. Was für eine Zahl!


Jahresbilanz 2018 – 666 Kilometer

31. Dezember – Zeit für die Jahresbilanz. Rückblick auf ein verrücktes Schwimmjahr mit einem sehr ansehlichen Kilometerstand: 666 Kilometer. Und ja, das ist kein Zufall! Nachdem ich ja schon während der Freibad-Saison die 500 Kilometer (mein durchschnittliches Jahresendergebnis) erreicht hatte, war die Frage, was noch möglich ist und wohin die Reise geht. Also, wohin war ja eigentlich klar: 50 Meter hin und 50 Meter zurück. Von Beckenrand zu Beckenrand. Aber wie oft noch? Gönn ich mir eine Pause? Welches Ziel ist realistisch, ambitioniert und doch machbar? 600 Kilometer – das wäre doch zu schaffen. Also war das angedacht.

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Die Fische müssen ins Wasser!

Im Herbst, als es noch so schön und warm war, aber die Freibäder geschlossen hatten, hat mich ein paar Mal der „Rappel“ gepackt und ich wollte nicht schwimmen. Im Dante-Winterfreibad war mir das Wasser zu warm (und mutmaßlich zu viel los, bei bestem Spätsommer/Frühherbstwetter) und in der Olympiaschwimmhalle bei eingeschränktem Platzangebot und dank Umbauphase  (laut Stadtwerken noch bis Ende Februar, ab Mitte März 2019 wieder Normalbetrieb) im Keller ohne Tageslicht – nein. Ich bin frei, dachte ich, und nutze die Sonne. Einmal war ich schon auf halbem Weg ins Oly, doch dann bin ich umgekehrt, heimgeradelt und habe die Schwimmsachen gegen Radlsachen getauscht. Freiheit! Ich „muss“ nicht schwimmen! Ich kann machen, was ich will! Hehe… und schon am nächsten Tag hatte ich doch wieder Lust auf schwimmen, in der kellerartigen Olympiaschwimmhalle. So bin ich halt. Ohne schwimmen geht’s nicht. Das Schwimmen ist ein großer Bestandteil in meinem Leben geworden, seit ich vor einigen Jahren einen Kraulkurs besucht habe. Zwei gute Freundinnen habe ich in den beiden Kursen kennengelernt. Und vom vielen Schwimmen kenne ich auch viele Leute, manche besser andere nur flüchtig. Und so ist es immer auch ein bisschen wie „heimkommen„, wenn ich ins Dante gehe. Man kennt sich, man ratscht. Sei es in der Umkleide oder am Beckenrand. Und natürlich kenne ich auch die Kassenkräfte, Bademeister und die Putzfrau.

Im November, als es grau und neblig war, hatte ich dann noch weniger Lust auf die dunkle Olympiaschwimmhalle und bin ins Dante-Winterfreibad gegangen. Jetzt, wo es draußen kälter war, war das Wasser auch nicht zu warm. Ich hatte oft Glück und konnte meine Bahnen weitgehend ungestört ziehen. Als ich dann kürzlich in der Olympiaschwimmhalle war, wurde ich vom Bademeister gleich gefragt, wo ich war. „Da trainierst du immer so fleißig und dann bist du auf einmal nicht mehr da“, sagt er und grinst. Ich entgegne, ob mich meine Freundin (die er auch kennt) nicht „abgemeldet“ habe und dass ich „fremdgegangen“ bin, im Dante. Aha, alles klar. So ist das …

Naja. Und dann waren die 600 Kilometer doch auch schon vor Ablauf des November voll. Was nun? 700 – das ist Wahnsinn. 100 Kilometer in einem Monat mit Weihnachten (also Nicht-Schwimm-Zeiten)? Das schaffe ich nicht. 650? Hm… das wäre machbar, aber dann müsste ich mich ranhalten. Und ich mag’s eigentlich nicht, wenn ich zu viel Druck habe. Weil ich ja vor allem zum Schwimmen gehe, weil ich es gerne mache. Dann erwies sich der Dezember als gnädig, ich hatte oft Glück, dass viele Schwimmer auf Weihnachtsfeiern mussten oder Geschenke einkaufen oder was-weiß-ich zu erledigen hatten. Ich hatte nur ein Ziel: schwimmen … Und dann waren die 650 Kilometer auch schon vor Heiligabend geschafft, genauer: 651. Dann kam der 2. Weihnachtsfeiertag mit diesen unglaublichen und schönen fünf Kilometern am Stück. Und im Hinterkopf wusste ich auch schon, dass der 29. Dezember kommt, an dem 50×100 geschwommen werden sollten. Also auch die noch drauf, macht 10 Kilometer. Dann fehlten nur noch läppische fünf Kilometer für die magischen, teuflischen 666 Kilometer. Die habe ich dann aufgeteilt abgefertigt. Am Ende, gestern, fehlten noch 2 Kilometer. Ich schwimme ja normalerweise immer 3 Kilometer. Da hat es sich fast so angefühlt, als würde ich mich gar nicht richtig nass machen für diese „kurze“ Strecke. Die „paar“ Bahnen … soll ich extra deshalb hingehen? Den vollen Eintritt zahlen, wenn ich doch gar nicht die volle Strecke schwimme? Hm… Spätschwimmen mit vergünstigtem Eintritt? Danach in die Sauna? Oder einfach „kurz“ ins Oly (günstiger als Dante)? Oder ist’s mir egal? (wer von euch denkt jetzt: „die spinnt“?) Dann habe ich mich kurzentschlossen auf ins Oly gemacht und bin diese 40 Bahnen geschwommen. Ich war relativ entspannt, weil es ja nur „ein bisschen“ war. Und dann habe ich die letzten 50 Meter ein kleines bisschen zelebriert. Weil ich wusste, dass es jetzt vollbracht ist. Ein gutes Gefühl!

Vergangenes Jahr war ich nicht so motiviert. Da standen am Ende 498 Kilometer auf der Uhr. Hätten auch „nur“ zwei gefehlt. Aber da war es mir egal.

Und nun noch ein Rückblick auf das Schwimmjahr: Angefangen hat es im Januar eher gemäßigt. Eine Mischung aus der 2017er Unlust und den „Gute-Vorsätze“-Bahn-Blockierern. Der Februar, obwohl kürzer, hatte eine höhere Kilometerzahl. Besonders krass war der Mai mit 84 Kilometern. Der Freibaderöffnungsmonat ruft bei mir immer eine ganz besondere Euphorie hervor. Ich war fast jeden Tag schwimmen. Entweder, weil gutes Wetter war (will man nutzen) oder weil schlechtes Wetter war (muss man nutzen). Nur drei „Fehltage“ gab’s im Wonnemonat. Und so ging’s im Juni weiter. Auch der Juli, urlaubsbedingt mit Abwesenheiten, war glanzvoll. Und auch im August. Denn trotz Supersommerwetter war es im Freibad oft überraschend ruhig. Vielleicht, weil die Seen auch schon schön warm waren. Im See war ich aber erstaunlich selten. Der „schwächste“ Schwimmmonat war der Oktober mit gerade mal 36 Kilometern. Da war wohl eine gewisse Sättigung durch die Freibadsaison und das gute Radlwetter schuld.

Und jetzt ist das Jahr eben rum. Das Schwimmen aber nicht. Es geht schon morgen weiter – getreu dem Motto: Neues Jahr, alte Bahnen!


Nichts ist, wie es scheint …

Ich muss mich nochmal zum Thema „schlechtes Wetter“ äußern. Denn da gibt’s noch ein paar Aspekte, die in dem anderen Artikel noch nicht behandelt wurden.

Am Mittwoch war ja bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel „schlechtes Wetter“, also bis auf ein Freibad alle geschlossen. Besonders ärgerlich ist aus Sicht der Schwimmer, dass auch das Freibad-Becken im Dante-Bad geschlossen ist. Das Bad an sich hat ja geöffnet. Aber im Stadion-Becken ist uns Schwimmern das Wasser zu warm. Es hat 27 Grad. Das ist bei Regen schon warm, wenn dann – wie am Mittwoch – die Sonne draufscheint, ist es wirklich unerträglich. Vor allem, wenn man etwas schneller schwimmt. Und das sage schon ich, die nicht die schnellste Schwimmerin ist. Obwohl wir die Stadtwerke in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen haben, dass das warme Wasser keine Option für sportliche Schwimmer ist, wird uns diese „Ausweichmöglichkeit“ gebetsmühlenartig angeboten. Dass es im Stadion-Becken aber ohnehin schon viele Schwimmer gibt, zu denen wir uns – bei Sonnenschein! – gesellen sollen, grenzt an Ignoranz.

Jetzt könnte man denken, dass das der Gipfel der Frechheit ist. Weit gefehlt! In einer Facebook-Kommentardiskussion wurde uns doch glatt vorgeschlagen, in die Außenbecken der Hallenbäder zu gehen! Zum Schwimmen!

außenbecken

Hallenbadaußenbecken als Alternative

Die Außenbecken der Hallenbäder haben Sprudelliegen, Massagedüsen und einen Strömungskanal. Beste Voraussetzungen für ein Schwimmtraining. Aber diese Aussage zeigt auch ganz deutlich, welchen Rang die sportlichen Schwimmer bei den Bäder-Betreibern haben: keinen! Vielleicht sollte man sich zusammentun und tatsächlich im Spaßbecken mehrere Einheiten Delfin absolvieren. Oder mit Paddels und Flossen schwimmen. Und alles ummähen, was da rumplanscht …

 

Auch auf die „extra eingerichteten Schwimmerbahnen“ wird gerne verwiesen. Zum Glück mit dem Zusatz, dass es nicht in den Händen der Betreiber liegt, „wer da schwimmt“. Dabei wäre es ein Leichtes, hier für eine gewisse Ordnung zu sorgen. Gerade, wenn es mehrere Bahnen gibt, könnte man nach Geschwindigkeit sortieren. Denn dann läuft es auch bei zehn Schwimmern noch rund und gleichmäßig. Mir ist es schon oft passiert, dass in der Olympiahalle bei vier Schwimmerbahnen auf jeder ein „Störer“ war. Der viel zu langsam war (noch langsamer als ich) oder – meist viel ärgerlicher – keine Ahnung vom Schwimmen auf der Bahn hatte.

Doch zurück zum Sommer und zum schlechten Wetter. Denn in einer Pressemitteilung zur Neugestaltung der Freibädöffnungszeiten wurde zum einen freudig mitgeteilt, dass die Bäder jetzt länger offen haben: von 10 bis 19 Uhr (statt von 9 bis 18 Uhr). Rechnen Sie ruhig nach – das ist nicht länger, sondern verschoben (bissl wie bei der Sommerzeit-Uhrumstellung). Und es soll planbarer sein, wann die Freibäder offen sind. So stand zum Beispiel am Sonntag fest, dass am Mittwoch schlechtes Wetter ist. Allerdings hat sich die Prognose geändert und es war am Montag schon abzusehen, dass es am Mittwoch sonnig sein wird und auch wärmer als 17 Grad (auch so eine SWM-Grenze). Spontan könne man aber nicht mehr auf die Wetteränderung reagieren, teilen die Facebook-Beauftragten der SWM mit. So: Von Montag bis Mittwoch kann man nicht spontan reagieren.

spontan

Wer heute (Freitag) auf die SWM-Seite schaut, sieht noch immer (Stand 11 Uhr) die Öffnungszeiten von Mittwoch bis heute. Irgendwann im Laufe des Vormittags wird wohl entschieden, wie die Bäder ab morgen offen haben.

freibad

„Vorschau“ der Öffnungszeiten: Freitag, 11 Uhr ist nur noch der heutige Tag eine Art Vorschau …

Aha. Das geht dann spontan? Weil von heute auf morgen ja mehr Zeit ist als von Montag bis Mittwoch? Ich habe im Kalender geschaut: Zwischen Montag und Mittwoch liegt ein ganzer Tag, er hat sogar einen Namen: Dienstag. Zwischen Freitag und Samstag liegt kein einziger Tag, in meinem Kalender folgt auf den Freitag direkt der Samstag. Vielleicht brauche ich einen neuen Kalender?

wochentage

Abfolge der Wochentage aus einem Lehrwerk für Kinder …

Naja. Jedenfalls ist das sehr vorausschauend, denn wer jetzt sein Schwimmtraining planen möchte, kann das irgendwann ab Mittag tun. Denn es macht schon einen Unterschied, ob man zum Schyrenbad an der Isar fährt oder zum Dante-Bad am Westfriedhof. Gerade für Schwimmer aus dem Norden der Stadt ist das mit dem Verkehr (ein weiteres spannendes Thema in München) eine ziemlich lange Anreise. Ob sich da der Badbesuch zeitlich noch lohnt?

weg

Google Maps zeigt, wie weit es von einem Bad zum anderen ist. Bei flüßigem Verkehr …

Die Stadtwerke begründen diese Politik übrigens mit Personalmangel und dass es schwierig sei, einen Zweischichtbetrieb zu ermöglichen, weil ihnen der „Münchner Arbeitsmarkt“ nicht genügend Saisonarbeitskräfte zur Verfügung stellt. Die Olympiaschwimmhalle ist derzeit (bis Ende Mai) wegen Revision geschlossen. Was ist mit den Mitarbeitern, die hier normalerweise am Beckenrand stehen? Und was ist mit den Mitarbeitern aus dem Cosimabad, das seit geraumer Zeit geschlossen ist? Und was ist mit den Mitarbeitern der Freibäder, die noch gar nicht geöffnet haben (Ungerer, Prinzregenten, Maria Einsiedel, Bad Georgenschwaige)? Können die nicht im Dante-Bad aushelfen, wenn „schlechtes Wetter“ ist? Und so eine zusätzliche Wasserfläche schaffen, nachdem das 50-Meter-Becken in der Olympiaschwimmhalle (acht Bahnen!) geschlossen hat?

Und wie sieht es bei anderen Betrieben aus, die vom Wetter abhängig sind? Biergärten? Gaststätten mit größeren Außenbereichen? Die müssen doch auch kurzfristig reagieren und Leute einteilen. Das weiß man als Saisonkraft doch, dass es hier wetterabhängig auch mal kurzfristig mehr – oder weniger – Arbeit gibt. Derart unflexibel wie die SWM hier reagieren, erinnert an schlimmste Behördenmentalität.

Aha. Außerdem erlaube die Gewerkschaft die 12-Stunden-Schichten nicht mehr. Aha. Da kann sich jetzt jeder selbst seine Gedanken machen, ob es gut oder schlecht ist, dass Rettungsschwimmer nicht mehr 12 Stunden (bei Hitze!) am Beckenrand stehen müssen und aufmerksam sein müssen. Ganz davon abgesehen, dass sie dann auch keine Zeit mehr haben, ihr Leben außerhalb der Arbeit zu organisieren (einkaufen ect.).


Schlechtes Wetter macht schlechte Stimmung

Heute ist in München schlechtes Wetter! Lassen Sie sich nicht täuschen, wenn Sie aus dem Fenster schauen und blauen Himmel sehen. Und vielleicht beim Blick nach oben von der Sonne geblendet werden. Es ist: schlechtes Wetter!

Nicht verwirren lassen: sieht zwar aus wie schönes Wetter – ist aber schlechtes Wetter!


 Und das liegt nicht an den dekorativen Wölkchen, die den blauen Himmel zieren. Und es liegt auch nicht an meiner falschen Wahrnehmung. Schlechtes Wetter ist, was die Stadtwerke München als Betreiber der Bäder bestimmen. Und zwar zum einen mehrere Tage im Voraus, doch aktuell zeigt die „Vorschau“ nur noch einen „Rückblick“.

freibad

Schlechtes Wetter (Regen) war nur am Montag. Am Dienstag war es bewölkt und kühl, heute scheint die Sonne von einem blauen Himmel!

Ich wollte diesen Text eigentlich nicht schreiben. Weil ich die Menschen nicht dazu animieren möchte, bei schlechtem Wetter ins Freibad zu gehen. Aber ich muss abwägen, denn das, was sich die Stadtwerke München als Betreiber der Bäder leisten, ist zum Kotzen.

Finde den Fehler…

Es gibt acht Freibäder in der Landeshauptstadt. Die ja bekanntlich wächst und wächst und wächst. Weitere Bäder gibt’s nicht, es ziehen wohl nur Nichtschwimmer in die bayerische Landeshauptstadt. Und anscheinend wohnen hier auch nur Nichtschwimmer. Aber ich schweife ab …

Es gibt hier eine sogenannte „Schlechtwetterregelung“. Die besagt, dass dann nur der Stadionbereich im Dante (Wassertemperatur 27 Grad) und das Schyrenbad geöffnet haben. Letztes Jahr hatte auch noch das Bad Georgenschwaige geöffnet, aber das hat momentan noch geschlossen und wenn es öffnet, hat es an „Schlechtwettertagen“ alibimäßig von 9 bis 12 Uhr offen.

Geschlossen hat bei dieser Regelung zum Beispiel das Freibadbecken im Dantebad. Das verstehe, wer will – meine Mitschwimmer und ich verstehen es nicht. Denn das Bad hat geöffnet, an der Kasse ist jemand. Es ist eine Putzkraft für die Duschen da, es ist jemand da, der die Aufsicht am Stadionbecken hat. Wer nicht da ist: Ein (ein!!!) Bademeister, der auf das Sommerbecken achtet. Die Kinderbecken können ja gern geschlossen werden, der Schneefangzaun als Barriere sorgt dafür, dass kein Strolch hinrennt. Wenn er oder sie sich bei „schlechtem Wetter“ überhaupt ins Freibad verirrt.

Wer aber gern kommen würde, wären wir Schwimmer. Weil wir in einer überfüllten Stadt wie München gern antizyklisch schwimmen und die Ruhe bei schlechtem Wetter im Bad genießen. Die wenigen Schwimmer im Becken sind meist rücksichtsvoll, man ist eine Art eingeschworene Gemeinde. Aber für die Badbetreiber zählt das nicht. Man verweist uns auf das warme Wasser im Stadionbecken oder lässt uns durch die halbe Stadt fahren, um im Schyrenbad zu schwimmen. (Übrigens ist genau vor drei Jahren aus genau dem Grund mein schwerer Radlunfall passiert – mit gebrochenem Kiefer und ausgeschlagenen Zähnen – weil ich auf dem Heimweg vom Schyrenbad gestürzt bin. Aber das nur am Rande…)

Im Schyrenbad ist es schön, da sind die Angestellten bei Regen auch nett. Aber im Duschraum ist es dampfig-kühl, die Umkleiden sind überdacht, aber im Freien. Das ist schon kühl. Wir beschweren uns gar nicht, wir nehmen das in Kauf. Im Dante hätten wir aber eine Dusche im Haus, eine Umkleide ebenfalls drinnen. Aber ein Bademeister, der eingespart wird, das macht eine gute Bilanz am Ende des Jahres.

Was ebenfalls verrück ist: die Schlechtwetterregel an sich. Denn was „gutes“ und was „schlechtes“ Wetter ist, ist ja Definitionssache. 18 Grad und Sonnenschein: schlechtes Wetter. Außerdem gilt die Prognose drei bis vier Tage im Voraus – sollte sich die Sonne spontan entscheiden, doch über München zu lachen: Pech gehabt. Freibad geschlossen.

In den Umlandgemeinden wird das übrigens anders gehandhabt: Da haben die Bäder geöffnet – egal, welches Wetter ist. Nur bei Gewitter muss man aus dem Wasser. Das ist ja auch selbstverständlich.

Freibad Unterhaching


Ich frage mich, ob die Museen im Gegenzug bei „gutem“ Wetter geschlossen werden? Geht ja eh keiner hin, sind ja alle im Freibad. Oder dürfen die Kunstliebhaber antizyklisch die Ruhe (und Kühle!) im Museum genießen? Dürfen sie sich an Bildern und Statuen, an der Geschichte Münchens oder des Biers erfreuen, während draußen die Sonne scheint und das Thermometer über 25 Grad anzeigt? Käme jemand auf die Idee, ein Museum bei Hitze zu schließen? Nein – da wird sogar geworben: Kommen Sie rein, hier ist es kühl und nicht überlaufen.

Nur uns Schwimmern, die auch mal in Ruhe ihre Bahnen ziehen wollen, ist das nicht vergönnt. Oder nur sehr eingeschränkt. Weil es halt auch bei Regen oder kühlen Temperaturen voll wird im Bad, wenn nur eins oder zwei für alle Münchner geöffnet hat. So wie am Sonntag im Schyrenbad. Da war nämlich auch schlechtes Wetter (Dauerregen, deshalb keine Anführungszeichen), aber es waren ziemlich viele Leute da.

Aber was will man erwarten, von Leuten, die nicht schwimmen und nur im Büro sitzen? Wie sollen sie wissen, was sie draußen verpassen? Außerdem scheint ein Freibad vor allem wegen der Liegewiese da zu sein. Denn in der Vergangenheit wurde diese Politik mit dem Argument „Liegewiesen sind zu nass“ oder „Liegewiese gut besucht“ verteidigt. Liegewiesen gibt’s in München wahrlich genügend und auch überall. Aber ein Schwimmbecken, das gibt’s nur im Freibad.