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Schwimmfreu(n)de

Seit die Freibäder wieder geöffnet haben, bin ich wieder besser gelaunt. Nicht jeden Tag, aber meine Grundfröhlichkeit ist zurück. Ich genieße es, in Ruhe meine Bahnen zu ziehen, in den Flow zu kommen. Am liebsten ganz allein, eine Bahn nur für mich. Aber es gibt etwas, das fast noch besser ist: mit Freunden zu schwimmen. Über die Jahre habe ich viele Mit-Schwimmer kennengelernt, manche nur mit Vornamen im Wasser (manchmal nicht mal das), andere mit Nachnamen und Telefonnummer. Sie sind zu richtigen Freunden geworden, die ich auch außerhalb des Schwimmbads treffe. Das ist sehr wertvoll.

Viel Platz für meine Schwimmfreunde und mich!
Viel Platz für meine Schwimmfreunde und mich!

Wenn es sich ergibt, dass wir dann miteinander schwimmen, ist es umso schöner. Dazu muss ich sagen, dass alle meine Schwimmfreunde besser schwimmen als ich. Bessere Technik, höheres Tempo. Aber das scheint keine Rolle zu spielen. Wir genießen es, unserem Hobby nachzugehen. Das Wasser zu spüren, zu gleiten, uns anzustrengen und uns dabei gut zu fühlen.

„Dank“ Corona sind einige meiner Freunde im Homeoffice und so schaffen wir es ziemlich regelmäßig, dass wir gleichzeitig im Bad sind. Mit meinen „Telefonnummer-Freunden“ kann ich mich natürlich dazu verabreden, aber es gibt eben auch den ein oder anderen, den man dann nur im Becken trifft. Gleiche Zeit, gleicher Ort. Und das ist richtig schön! Manchmal schwimmen wir fast die ganze Einheit gemeinsam, manchmal sehen wir uns nur zur „Übergabe“, je nach Zeitplan. Aber es ist immer schön! Ich freue mich direkt darauf. Auch, wenn ich die Bahn dann nicht für mich habe. Aber mit Freunden ist es ja fast dasselbe. Und wenn dann bei Sonne noch bisschen Zeit für einen Ratsch in der Sonne ist, ist es fast wie Urlaub. Oder wie als Kind, als man sich einfach so, ohne groß was abzumachen, im Freibad (oder in meinem Fall im Strandbad am See) getroffen hat. Man wusste einfach, dass die anderen da sind. Dass es sowas noch gibt, macht mich fröhlich. Da teile ich „meine“ Bahn doch gern!


Das Glück ist flüssig und türkis

Endlich heimkommen. Kennt ihr das Gefühl? Oder frisch verliebt zu sein? Oder sich wieder in jemanden zu verlieben? Ja, so ungefähr fühlt es sich an, wieder zu schwimmen. Zu dick aufgetragen? Ich glaube nicht. Zumindest nicht für uns Chlorhühner, Wasserratten, Schwimmjunkies, Wasserfrösche oder wie immer ihr euch auch nennt… Ich habe euch genau gesehen. Dieses fast schon debile Grinsen im Gesicht. Und auch diese Ehrfurcht vor dem Wasser: Kann ich es überhaupt noch? Denn wer von uns Wasserjunkies war schon mal ein Vierteljahr, drei Monate, 13 Wochen, nicht im Wasser? Keiner. Und warum nicht? Ja, blöde Frage.

Die Wolken konnten die Schwimmer nicht abhalten, endlich ins Bad zu kommen.

Und jetzt dürfen wir wieder. Als ich gestern noch kurz in der Sonne im Dantebad saß, hat es ein kleines Mädchen auf den Punkt gebracht: „Ich hab fast vergessen, wie schön schwimmen ist.“ Ich musste grinsen und dachte: Wie recht du hast!

Auf den Stufen im Stadionbereich setzt man auf Eigenverantwortung.

Oder der Typ, der mit uns auf der Bahn geschwommen ist. Schnell war der. Und gut. Der hat doch keine so lange Pause gemacht, der war doch heimlich im See! Oder im Ausland. Oder… naja. Es ergibt sich ein kurzer Schwatz am Beckenrand (mit Abstand, natürlich). Dabei grinst der Typ sosehr, dass sich seine Mundwinkel gefühlt dreimal um die Ohren wickeln. Und sagt, dass er paar Mal im See war (ich WUSSTE es!), Krafttraining an Land gemacht hat und dass auch viel Willen dahinter steckt. Und dass es gut läuft (das haben wir anderen neidisch zur Kenntnis genommen.). Ich muss auch grinsen, weil ich ihn so gut verstehen kann und mich für mich und für ihn und für uns alle einfach nur freue.

Ich war von Montag bis Mittwoch in Germering schwimmen. Das Freibad ist toll, aber nicht voll. Ok, lag am Wetter. Denn am Dienstag und Mittwoch war es tatsächlich kühl und regnerisch. Aber wer ein Junkie auf Entzug ist, der radelt auch im Nieselregen eine Stunde zum Bad. Die Schwindelgefühle vom ersten Schwimmtag waren dann am Dienstag schon besser. Ich habe Ohrenstöpsel benutzt, bin mit dem Pullbuoye geschwommen, habe mich auf eine möglichst ruhige Lage konzentriert. Es war schön. Und anfangs, also am Montag, kam mir die 50-Meter-Bahn ziemlich lang vor. Krass. Wenn man das immer macht, ist es nicht weit. Aber so war es ungewohnt. Und nach den ersten 500 Metern dachte ich auch: Jetzt weiß ich, warum so viele Leute immer so beeindruckt sind, wenn man sagt, dass man 3 Kilometer schwimmt. Ist doch nix! Jaahaa… wenn man es gewöhnt ist. Aber da komme ich schon wieder hin.

Ins Sommerbecken dürfen bis zu 75 Personen. Zum Glück waren so viele nicht da …

Gestern war dann der erste Tag im Dantebad. Mein Heimatbad. Mein geliebtes Sommerbecken, in dem die eine Schwimmerbahn im Schatten ist. Trotz eher mäßigem Wetter waren einige Leute da. Ich hatte mich mit zwei Schwimmfreunden verabredet. Es lief gut. Als mich meine Freunde dann mal überholt haben, war ich echt gerührt! Das war so schön. So normal. So wie früher. Und man ist gemeinsam. Man teilt diese Leidenschaft fürs Wasser, die Freude am Schwimmen. Am Schweben. Am Dahingleiten. Es war echt sehr emotional.

Das Chlorhuhn in seiner natürlichen Umgebung.

Und vor und nach dem Schwimmen haben wir bekannte Gesichter getroffen. Wie das oft so ist, weiß man den Namen nicht, hat keine Möglichkeiten der Kontaktaufnahme. Aber hier im Dantebad (oder jedem anderen Bad) gab’s nur ein Thema: Wie man die Zeit verbracht hat, dass man sich freut, wieder hier zu sein. Wie das Schwimmen war. Dass der See zu kalt und einfach nicht dasselbe ist. Dass Joggen als Alternative langweilig ist. Kurz: Dass man das Schwimmen mit nichts vergleichen oder gar ersetzen kann.

Heute war ich nochmal schwimmen. Mit meiner anderen Schwimmfreundin. An einem Brückentag mit blauem Himmel, Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Und dann Corona und alles – ohje. Aber dann: Überraschung. Es ist relativ wenig los, das Schwimmen klappt sogar ganz prima, wir sind zu dritt in der Bahn. Und bei mir stellt sich der Flow ein. Ich kann es gar nicht glauben, was da im Bauch kribbelt und im Hirn wirbelt, während ich da so vor mich hinschwimme. Die Sonne scheint durch die Blätter, ich spüre deutlich den Unterschied zwischen den schattigen und sonnigen Stellen im Wasser. Ich fliege, ich schwebe – ich will gar nicht aufhören. Der Schwindel ist besiegt und dass die Arme etwas schwer sind: egal. Ich bin in meinem Element. Daheim. Umschlossen vom Wasser, durchflutet vom Glück. Ich kann es gar nicht fassen, wie toll es ist!

Wasser!!

Seit Montag habe ich auch zuhause festgestellt, dass meine Laune deutlich besser ist. Gelöster. So ganz tief drinnen. Als ob ein Knoten geplatzt wäre. Erleichtert. Weil ich wieder schwimmen kann. Weil ein großes Stück Normalität in mein Leben zurückgekommen ist. Und weil schlechtes Wetter wieder Sinn macht!

Ich sag ja: Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen!

Abschied in Raten

Der wahrscheinlich längste Freibad-Sommer aller Zeiten verabschiedet sich in Raten. Nachdem ich mich schon von meinem Daheim-Bad, also dem Sommerbecken im Dante, verabschiedet habe und auch die Freibad-Saison in Dachau trotz Verlängerung vorbei ist, heißt es heute Abschied nehmen in Germering. Auch hier endet jetzt die Zeit im Freibad und das Schwimmen unter freiem Himmel. Auch hier wurde noch verlängert. Probleme mit dem Hallenbad. Haha. Die habe ich immer!

Toller Service! Damit die Leute schwimmen können, bleibt einfach das Freibad geöffnet.

Germering hat eigentlich ein recht attraktives Bad. Es gibt drei bis vier abgetrennte Schwimmerbahnen und meistens kann man in Ruhe schwimmen. Übrigens ist das Bad eine Entdeckung meiner ältesten Schwimmfreundin Diana. Mit ihr war ich zum ersten Mal vor einigen Jahren hier und auch heuer hat sie mich mit dem Auto mitgenommen. Voll der Luxus: mit dem Auto ins Freibad!

Diana wusste lustigerweise auch, dass die Sportfreunde Stiller hier ein Video gedreht haben!

Der Sprungturm ist in „Wellenreiten“ von den Sportfreunden Stiller zu sehen.

Heute und die letzten Male war ich aber mit dem Radl hier. Meine anderen Schwimmfreunde Cissi und Jakob haben nämlich wie ich kein Auto und so bleibt nur das Radl. Aber wenn man die Strecke mal kennt, ist es überhaupt kein Problem hierher zu radln. Genauso wie nach Dachau.

Irgendwie waren Cissi und ich die letzten beiden Wochenenden aber nicht so begeistert von Germering. Wir hatten zwar eine Bahn komplett für uns zwei, aber so richtig wollte sich die Freude darüber und die Freude am Schwimmen nicht einstellen. Woran liegt es? Daran, dass das Becken gefliest ist (und kein Edelstahl)? Daran, dass das Wasser doch ganz schön warm ist? 26 Grad und die Sonne scheint drauf – das ist schon was anderes als 23/24 Grad bei Wolken. Zumal wir kaltes Wasser ja mögen… hm. Ratlos ziehen wir unsere Bahnen und ich habe immer das Gefühl, dass ich kaum voran komme… irgendwie unbefriedigend.

Abendstimmung in Germering

Das war gestern und heute anders! Gestern war’s ziemlich windig, ich war vom Radln etwas ausgekühlt. Und wegen Wolken und Wind war auch das Wasser kühler. Ich schwimme Rücken, Kraul und Brust im Wechsel. Es fühlt sich gut an! Dann, weil ich ganz allein auf der Bahn bin, 1000 Meter Rücken. Herrlich! Den Himmel und die Wolken beobachten, die in einem Affenzahn über mich hinwegziehen. Dann die Sonne auf dem Bauch spüren. Toll!! Weil das Wasser relativ warm ist, schwimme ich im Bikini. Und heute auch. Mit dem Unterschied, dass der Himmel langweilig einfach nur blau ist.

Meine Aussicht beim Rückenschwimmen!

Aber das ist natürlich auch voll schön! Und dann wird mir bewusst, dass es das letzte Mal ist, dass ich im Freibad Rücken schwimmen werde. Ich genieße es. Obwohl andere Leute auf der Bahn sind (und überholen beim Rückenschwimmen blöd ist). Ich denke darüber nach, warum es heute „besser“ geht als letzte und vorletzte Woche. Zeitlich bin ich wohl so schnell wie immer. Aber es fühlt sich besser an. Meine Theorie: ich muss mich an das Becken gewöhnen. Beim ersten Mal in Dachau habe ich mich auch nicht so wohl gefühlt. Ich hatte das schon öfter, dass ich mich fremd fühle und dann nicht so gut schwimme. Also innerlich. Äußerlich sieht es wohl ähnlich aus.

Bissl was war schon los heute. Aber es war Platz für alle!

Und jetzt, wo ich mich an Germering gewöhnt habe, ist hier der letzte Tag. Die Freibad-Saison verabschiedet sich hier mit einem sehr sommerlichen Tag. Blauer Himmel, Sonne und richtig warm! Wenn die Bäume am Rand nicht schon das ein oder andere gelbe Blatt hätten, könnte man glatt meinen, es wäre Sommer! Doch auch die Sonne steht viel tiefer und macht ein sanftes Licht. Ein würdiger Abschied!

Übrigens bin ich nicht die Einzige, die traurig ist, dass der Freibadsommer vorbei ist. Schwimmkollege Lutz hat heute in Taufkirchen/Vils bei freiem Eintritt Abschied genommen.

Abschied von Sommer, Sonne, Bikini und Germering!

Fun-Fact: Neben dem Freibad in Germering ist die Eishalle. Da hat heute die Saison angefangen. So kann Eis-Schwimmen auch sein.

Und weil wir in Germering noch keine Eisdiele gefunden haben bzw. keine auf dem Weg liegt, gibt’s das After-swim-Eis daheim! Sogar aus Finnland! Jäätelö!


Eis-Schwimmen in Dachau

Der Freibad-Sommer verabschiedet sich heuer in Etappen. Das Dante-Sommerbad ist schon geschlossen, da war am Montag der letzte Tag. Ein paar Freibäder haben noch offen und in Dachau war heute der letzte Tag. Eigentlich wäre der schon am Freitag gewesen, aber weil die Dachauer nicht nur einen Wetterbericht haben, sondern offensichtlich auch ein Herz für Schwimmer, wurde die Saison bis einschließlich Sonntag verlängert. Voll toll!

Denn: Das Freibad in Dachau ist meine Entdeckung des Sommers. Wobei es ja nicht meine Entdeckung war, sondern die einer meiner Schwimmfreundinnen. Cissi liebt dieses Freibad und so kam es, dass wir im Juni endlich mal dort hingeradelt sind.

Cissi und ich in Dachau.

Am Tag vorher im Dante hat sie schon voller Vorfreude in den höchsten Tönen von dem Freibad geschwärmt – welche Becken es gibt, wie die Schwimmerbahnen sind, was der Kiosk bietet, dass es Sonnenliegen gibt undundund … ich war also gespannt!

Und dann sind wir hingeradelt. Etwa 20 Kilometer sind das. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Es war im Juni ein ganz toller Sonntagsausflug! Denn das Bad ist wirklich schön. Klar, es gibt ein 50-Meter-Schwimmbecken mit Wasser, Leinen und zwei Schwimmerbahnen. Aber auch die Liegewiese und die Bereiche zwischen den Becken (es gibt auch ein Kinderbecken und ein Becken mit Fünfmetersprungturm) ist schön: Hier stehen Blumentröge. So sind zwischen dem schönsten Türkis des Wassers farbige Farbtupfer. Toll sieht das aus.

Es ist nur eine Kleinigkeit, diese Blumenkästen, aber es macht echt was her, es sieht gleich viel schöner aus!

Und auch die Liegewiese ist mit so kleinen Hecken, die nicht mal hüfthoch sind, etwas aufgeteilt. Und dann natürlich die Sonnenliegen (darf man damit überhaupt in den Schatten?). Da kann man sich für 2 Euro Pfand (wie beim Einkaufswagen) gleich viel bequemer hinflätzen als einfach auf den Boden. Tolle Sache!

Darf man mit den Sonnenliegen auch im Schatten Platz nehmen? Und was ist bei bewölktem Himmel? 😉

Und auch der Kiosk ist liebevoll geführt und hat schöne Angebote. Der Kaffee schmeckt sehr gut, auch die Pommes und das Mykonos-Sandwich. Cissi hat dann bei einem späteren Besuch den griechischen Frappé für sich entdeckt. Und was erfahren wir zum Ende der Saison: Die Betreiber hören auf, nächstes Jahr macht das jemand anders. Schade!

Mykonos-Sandwich zur Stärkung nach dem Schwimmen. Pommes gab’s auch, die sind unter dem Brot versteckt!

Und ja, wir waren natürlich in erster Linie zum Schwimmen da. Das Wasser ist etwas kühler als anderswo, aber bei gut 30 Grad im Schatten ist das ideal. In den meisten Fällen konnten wir gut unsere Bahnen ziehen, denn der Bademeister hat ein Auge darauf, dass in den Bahnen auch nur Sportler schwimmen.

 

Ein kleines Schild schafft Klarheit!

Das etwas kühlere Wasser habe ich dann am Donnerstag zu spüren bekommen. Da war nach ein paar Tagen Schließung zum ersten Mal wieder geöffnet, das Wetter war herrlich und deshalb bin ich alleine nach Dachau geradelt. Ich stecke meinen Fuß also testweise ins verdächtig leere Becken und muss feststellen: kalt. Wow! Naja, alte Eisschwimmerin wie ich bin, schreckt mich das nicht ab und ich tauche ein, tauche unter und schwimme los. Es ist wirklich kalt. Bbbrrrr… naja. Erstmal drangewöhnen und dann wird’s schon. Hm. Es „wird“ leider nicht. Es ist kalt. Ich war auch nicht drauf vorbereitet. Wobei ich lustigerweise beim Radln noch gedacht habe, dass das Wetter (sonnig, warm, aber im Schatten kühl) genau das Wetter ist, bei dem die Eisschwimmsaison startet. Und dann bin ich quasi unfreiwillig beim Eisschwimmen. Und weil mir so kalt ist, beschließe ich, dass es nach zwei Kilometern genügen muss. Basta! Ich fiebere dem Ende so richtig entgegen. Und muss auch wieder feststellen, dass es beim Brustschwimmen noch kälter ist als beim Kraulen. Uaaaahhh… Endlich fertig. Ich setze mich auf den Startblock in die Sonne, um mich zu wärmen.

Alles meins, alles kalt! Einsig in Dachau – sozusagen …

Dann kommt auch meine Schwimmfreundin Petra, die wohnt nämlich in Dachau und wollte es sich nicht entgehen lassen, mit ihrer Kleinen nochmal ins Freibad zu kommen. Und so haben wir dann einen netten Nachmittag, bis die beiden wieder los müssen. Ich bleibe noch in der Sonne, denn das ist richtig schön. Und dann muss ich am Abend, als ich so schön aufgewärmt bin, den fehlenden Kilometer noch „nachschwimmen“. Ich hatte gehofft, dass das Wasser jetzt wärmer ist, aber – naja – war es nicht. Aber für nur einen Kilometer ging’s!

Am Freitag war ich dann aber auf alles vorbereitet! Also wieder aufs Radl, wieder nach Dachau. Dieses Mal habe ich einen Badeanzug ausgesucht, der auf der Bauchseite doppelten Stoff hat (ist wärmer, echt!) und ich hab mein Thermometer mitgenommen, weil mich interessiert, wie warm das Wasser ist. Ich meine, ich bin am Anfang der Saison im Schyrenbad bei 21 Grad auch geschwommen und da hat’s sogar mal geschneit. Und weil ich ja jetzt wusste, dass es kalt ist, war ich mental vorbereitet und wollte meine üblichen drei Kilometer schwimmen. Gesagt – getan! Also los. Schwimmen und schwimmen. Eins, zwei, drei … es geht gut, aber es ist kalt. Dafür bin ich allein. Perfekt. Und die Sonne scheint. So dass ich mir immer denke: Wenn du fertig bist, kannst dich schön in die Sonne setzen und aufwärmen. Das kann ich mir ja nicht vorreden, wenn ich im Regen schwimme. Es läuft gut. Nur die letzten paar Bahnen, da ist es echt hart. Aber die schaffe ich jetzt auch noch. Jawoll! Und dann bin ich fertig mit Schwimmen und glücklich und kalt und freu mich auf die Sonnenliege und das in-der-Sonne-liegen. Ein Blick aufs Thermometer, das die ganze Zeit im Wasser hing, zeigt: 23 Grad. Das kann ich kaum glauben, es hat sich kälter angefühlt. Eher wie 21 Grad.

Und das Beste natürlich zum Schluss: Auf dem Heimweg vom Freibad gibt’s eine Eisdiele, die ganz tolles Eis hat. Da muss ich natürlich anhalten. Egal, wie kalt mir ist (am Donnerstag mit Gänsehaut). Egal, wie wenig Zeit ich habe (am Freitag danach noch was vor). Die Eisdiele gehört zum Besuch im Freibad in Dachau dazu!

Und heute war bei schönem Sommerwetter tatsächlich der letzte Tag. Da waren Cissi und ihr Freund Jakob auch da. Und wir drei hatten einen schönen Tag mit nicht mehr so kaltem Wasser, Sonne und natürlich mit Eis! Eis-Schwimmen also – in einer ganz neuen Bedeutung!

Auf dem Heimweg gibt’s dann oft so eine schöne Abendstimmung!

Das letzte Freibad-Eis in Dachau!

Jetzt schwimmt keiner mehr – die Saison ist rum!

Die letzten Sonnenstrahlen vor dem Ende der Freibad-Saison …


Regentropfenschwimmen

Das beste Freibad-Wetter ist das Wetter, an dem keiner kommen mag. Also, keiner außer mir und ein paar anderen Freaks: Wolken oder sogar Regen. Regen im Freibad, das war in den letzten beiden Sommern eher selten und auch heuer hatte ich oft das „Glück“, dass es nicht geregnet hat. Umso schöner war es diese Woche, als es sogar zweimal geregnet hat, als ich geschwommen bin.

Das Licht ist ein ganz besonderes: Unter Wasser ist es bläulich-türkis, das Edelstahlbecken reflektiert die kleinsten Lichtpartikel. Weil nur wenige Leute schwimmen, ist die Wasseroberfläche relativ glatt. Und dann fängt es an zu regnen. Es ist wie bei „Forrest Gump“: Es gibt ganz verschiedene Arten von Regen. Den ganz feinen Nieselregen, den man kaum bemerkt zum Beispiel. Oder die großen, schweren Tropfen. Die bemerkt man ganz deutlich, zum Beispiel spüre ich sie beim Kraulen auf meiner Schulter. Und ich kann sie von unten sehen, wie sie die Wasseroberfläche durchdringen. Wie sie, wenn sie schnell genug fallen, wieder nach oben spritzen. So, wie man es manchmal auf künstlerischen Bildern sehen kann. Ich konnte am Beckenrand sogar Wassertropfen beobachten, die für einen kurzen Moment auf der Wasseroberfläche liegen bleiben. Das ist mindestens so faszinierend wie die Schneeflocken, die ich im Winterfreibad im Dante beobachtet habe, wie sie erst unter Wasser langsam schmolzen und sich aufgelöst haben. Und überhaupt ist es so schön, dem Regen „von unten“ zuzusehen. Wenn genügend Tropfen auf die türkise Wasseroberfläche fallen, wirkt es wie ein Diamantglitzerhimmel, auf den ich von unten, also von unter Wasser, schaue. Ich muss zugeben, dass ich dann etwas vom Schwimmen abgelenkt bin, weil das einfach so schön aussieht.

Oder ein krasser Prasselregenschauer, der fast schon wehtut, wenn er auf die Schultern prallt. Und das Geräusch erst, das ist auch toll: platschplatschprasselplatsch!

Ebenfalls sehr schön: Rückenschwimmen bei Regen. Wenn die Tropfen mit einem dicken „Platsch“ direkt auf mein Gesicht fallen. Wenn ich direkt in den Himmel blicke, der bleigrau über mir hängt und zu weinen scheint. Auf mich, die hier schwimmt. Als hätte der Himmel Mitleid mit mir. Aber das muss er nicht haben – ich bin hier nicht einsam, ich bin allein. Und glücklich. Weil ich das Becken (fast) für mich allein habe, es nicht kalt ist und der Regen so schön aussieht. Und weil ich ja eh nass bin, beim Schwimmen.

Und bei Schauer-Wetter kommt mit etwas Glück dann auch wieder die Sonne raus und die Stimmung ist unter Wasser wieder eine andere. Hell und strahlend, aber nicht zu grell. Und ich spüre sogar unter der Wasseroberfläche, wie die Sonne wärmt. Das ist auch wunderschön, wenn das Wasser angenehm kühl ist und dann freu ich mich, dass sich die Sonne durch die Wolken mogelt, um mich aufzuwärmen. Denn nach zwei bis drei Kilometern wird’s schon kühl. Aber das macht nichts, ich schwimme einfach viel zu gern. Und warm ist mir bisher immer noch geworden!


Schaurig im Kirchsee

Eines kann man dem Sommer 2019 nicht vorwerfen: Dass er langweilig oder einseitig ist. Es gibt alles von kühl-regnerisch bis megaaffenheiß!  Was aber auch dazugeführt hat, dass die Seen schwankende Temperaturen haben und für das Chlorhuhn das Freibad oft eine gute Alternative war. Und so kommt es, dass ich mein erstes „richtiges“ Freiwasserschwimmen erst am 9. August absolviert habe. Wasserfrosch Lutz hat eine Mitfahr- und Mitschwimmgelegenheit angeboten, die ich gerne angenommen habe. Seine Challenge 2019 ist beendet, es gibt freie Auswahl bei den Seen. Einziges Kriterium: Das Wasser sollte warm genug fürs Chlorhuhn sein, denn zum längeren Schwimmen fehlt mir der Neo. Und kurz im kalten Wasser – das gibt’s erst ab Oktober wieder.

Wissenswertes über den Kirchsee

 

Also fiel die Wahl auf den Kirchsee. Ein Moorsee im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, unweit meiner Heimat Tegernsee. Tatsächlich ist der Kirchsee eine Alternative für einige aus dem Tegernseer Tal, wenn der Tegernsee noch kühl ist. Denn Moorseen sind nicht so tief und deshalb schneller warm. Und groß ist der Kirchsee auch nicht. Die Lage ist idyllisch, Moorlandschaften mit Kiefern erinnern mich immer an Finnland oder Schweden. Nur dass hier im näheren Hintergrund das Kloster Reutberg und im hinteren Hintergrund der Wallberg, der über dem Tegernsee trohnt, zu sehen ist. Sehr schön, ich bin begeistert!

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Der Kirchsee mit Kloster Reutberg im Hintergrund. Nicht im Bild: der Wallberg

Wir machen uns bereit zum Schwimmen, setzen Kappe und Brille auf und schnallen die knallorangenen Bojen um. Da werden wir am Ufer schon von einem Knirps neugierig beäugt und auch gleich gefragt, was wir da haben. Später, als wir zurückkommen, will der Bub die Bojen noch ganz genau inspizieren. Jetzt geht’s aber erstmal ins Wasser, das angenehm warm ist. Wie auch in Finnland sind meine Füße bräunlich unter Wasser. Wir beschließen, einmal quer über den See zu schwimmen, um dann im Uhrzeigersinn am gegenüberliegenden Ufer entlang zu schwimmen. Die ersten paar Meter läuft es gut, ich habe ein gutes Wassergefühl und das Schwimmen fühlt sich gut an. Als wir in Ufernähe sind, machen wir ein paar Bilder, checken die Wassertemperatur: 26 Grad. Zum Teil fühlt es sich kälter an.

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Und dann, als ich weiterkraulen will, überkommt mich fast eine Panik. Der Blick in das tiefe schwarzbraune Wasser ist auf einmal gespenstisch. Zusätzlich hat sich eine dünne Schichtwolke vor die Sonne geschoben, so dass es unter Wasser noch etwas düsterer ist.

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Bis hierher ging es gut …

Ich muss mich total zusammenreißen, dass ich keine Panik bekomme. Das ist echt unangenehm, das hatte ich nicht mal beim Vollmondschwimmen im Chiemsee. Und da war es auch stockfinster unter Wasser. Aber das hier, das ist anders. Was tun? Ich schwimme erstmal Brust, Kopf unter Wasser, aber den Blick eher nach vorn als nach unten gerichtet. Das geht so einigermaßen.

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Moorleiche statt Chlorhuhn

Bei der nächsten Gelegenheit bespreche ich mich mit Lutz. Ich kann so nicht die ganze geplante Strecke schwimmen. Der Blick nach unten macht mir Angst. Ich verstehe es nicht so ganz, denn wenn ich im Tegernsee nach unten blicke, sehe ich auch nichts – außer grünem Wasser. Aber das hier ist anders – und leider so gar nicht meins.

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Solange ich nicht nach unten schauen muss, geht’s …

Es geht auch nicht weg. Wir beschließen, die Strecke abzukürzen. Ich schwimme weiterhin Brust und vermeide den Blick nach unten ins Dunkle. So geht’s einigermaßen. Aber so richtig Spaß macht es mir nicht. Das ist schade, denn eigentlich hatte ich mich gefreut, im See zu schwimmen. Am Ende war es ein guter Kilometer. Lutz ist nicht so ein „Schisser“ wie ich, hier könnt ihr seine Geschichte vom Kirchsee lesen.

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Unsere Schwimmstrecke: 1,29 Kilometer

Zurück an Land erwartet uns der Bub schon. Er wollte auch wissen, wie warm das Wasser ist und überhaupt. Und dann sag ich, dass es unheimlich ist, ins schwarze Wasser zu schauen. Der 6-Jährige weiß Bescheid: „Das ist doch klar, weil das ein Moorsee ist!“. Tja, da hat er Recht, der Kleine. Ich weiß auch nicht, was da los war mit mir. Vielleicht bin ich auch in letzter Zeit viel zu viel geschwommen. Am 8. August waren die 500 Kilometer voll. Das war mal meine Jahresleistung, ist aber schon vergangenes Jahr weit übertroffen worden. Ich bin halt ein Chlorhuhn.


Zeitreise im Fluss

Ich stehe im Wald und doch im Schwimmbecken. Im Trockenen … und kann das Becken vor lauter Bäumen kaum erkennen. Denn hier in München Freimann war vor 30 Jahren das letzte Mal Wasser im Schwimmbecken.

 

Ich stehe im Schwimmbecken. Hier war vor 30 Jahren das letzte Mal Wasser drin …

Dann musste das Floriansmühlbad schließen. Es hat sich nicht gelohnt. Wie das mit Schwimmbädern halt so ist: hohe Kosten, wenig Einnahmen. Das Freibad im Münchner Norden war in privaten Händen, das Wasser kalt: an heißen Sommertagen mit etwas Glück 22 Grad. Denn das Wasser kam über einen Seitenarm der Isar, über den Garchinger Mühlbach. Der floss durch das Grundstück von Karl Kaltenbach, der das Bad in den 1930er-Jahren gegründet hat. Weil er wohl selbst gern gebadet hat. Und so wurde neben dem Bach ein Becken ausgehoben, mit Beton ausgekleidet und das Wasser aus dem Bach vorne hinein- und hinten herausgeleitet. Ein „Infinity-Pool“, lange bevor es den Begriff überhaupt gab. Jeden Abend wurde das Wasser abgelassen, damit sich keine Algen bilden und nicht zu viel Sediment ablagert. Bissl was ist aber immer liegen geblieben und deshalb musste das Becken einmal in der Woche geputzt werden. „Immer am Samstag in der Früh um 6 Uhr“, erinnert sich Claus Doppelhamer. Er ist der Enkel des Schwimmbadgründers und musste schon als Kind mit anpacken.

Und in genau diesem Becken stehe ich jetzt. Es gibt zwei Ebenen, eine flachere für Nichtschwimmer, dann ein paar Stufen, die in den „tiefen“ Bereich führen, den Schwimmerbereich.

Das Geländer trennt den Nichtschwimmer- vom Schwimmerbereich.

Über diese Treppen ging’s ins Becken …

So richtig „tief“ war es nicht: 1,50 Meter. Der Beton ist aufgeplatzt, überall wächst was Grünes: Gräser, Büsche, Bäume. Birken, die richtige Bäume sind. Denn seit 30 Jahren ist das Bad geschlossen und der Natur überlassen. Am Rand zum Bach sieht man die Leitern noch, das Metall ist gut erhalten, nur die Holzplatten der Leiterstufen sind verrottet, hier kann man nicht mehr rauf- und runtergehen. Erstaunlich, wie schnell sich die Natur alles zurückerobert.

 

Das ist auf der anderen Seite des Beckens. Die Holzstufen der Leiter sind morsch.

Ich versuche mir die Geräusche von damals vorzustellen: Ein Plätschern und Rauschen, denn das Wasser lief vom Bach ins Becken und auf der anderen Seite über eine Mauer in Kaskaden wieder raus. Dazu Lachen und fröhliches Kinderkreischen. „Hier sind wir immer entlang balanciert“, erinnert sich Andi. Der 52-Jährige war als Kind fast jeden Tag im „Flori“. Und schon vor Jahren, als er mir davon erzählt hat, war er wehmütig, dass es das Bad nicht mehr gibt. Jetzt war es soweit, wir dürfen die Wildnis anschauen, Gaby und Claus Doppelhamer erzählen von früher und zeigen alte Fotos. Die 1980er sind gelbstichig und doch lebendig! (Wer mag, kann hier den Radio-Bericht anhören).

Im Floriansmühlbad war einiges geboten: Man konnte sich in dem Mühlbach entlang treiben lassen, im Schwimmbecken planschen oder sich unter die Wasserfälle stellen oder, wenn man mutig war, ins „Wellenbad“ springen. Hier kamen zwei Wasserströme zusammen, es muss lautstark gerauscht haben. Auf den Bildern im Fotoalbum schäumt das Wasser weiß und die Menschen stehen an, um dann einer nach dem anderen hineinzuspringen. „Das hat dich sofort weggezogen, das war toll“, schwelgt Andi in den Erinnerungen. Jetzt plätschert es nur noch ganz ruhig.

 

In dem Häuschen wird Strom erzeugt, früher rauschte auch in dem rechten Bereich Wasser entlang.

… und schoss hier wieder raus – ins Wellenbad. Heute rauscht hier kaum noch was.

Und weil es ein schöner Sommerabend ist, kommt ganz am Ende meines Besuchs das Beste: Wer mag, darf in dem Bach baden. „Das Wasser hat ca. 20 Grad“, meint Gaby Doppelhamer. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen! Der Bikini und ein Handtuch sind eh im Rucksack – man weiß ja nie – und so schnell kann keiner schauen, bin ich umgezogen und stehe an der Leiter. Die Leitern im Bach sind nämlich noch voll funktionsfähig, die Stufen sind Metallbügel.

Idylle pur. Am rechten Rand sieht man noch die Leitern, hier kann man noch ein- und aussteigen.

Das muss man mir nicht zweimal sagen!

Ui, frisch. Aber nicht schlimm. Perfekt. Ich lasse mich reingleiten, die sanfte Strömung nimmt mich mit. Nicht so reißend wie im Eisbach, sondern gemütlich. Als ich gegen den Strom schwimmen will, merke ich die Kraft aber deutlich. Doch ich komme voran. Langsam, aber ich schaffe es mit einiger Anstrengung, einige Meter flussaufwärts zu schwimmen. Dann klettere ich die Leiter rauf, barfuß geht’s an Land zurück und dann nochmal ins Wasser. Herrlich!

Yeah! Die Strömung nimmt mich kräftig, aber sanft mit.

Und nochmal. Und dann nochmal. Und das Beste: Ein Freibad ganz für mich allein. Naja. Nicht ganz, einen Mitschwimmer gab’s schon.

Sommerliche Abendidylle am Garchinger Mühlbach.

Dann genießen wir den Abend am Bach mit Bier und Brotzeit, bevor wir das Floriansmühlbad wieder verlassen. Für immer. Leider. Schade!

Heute war der Eintritt frei, denn das „Floriansmühlbad“ gibt’s nicht mehr.


Maifeiertag – Freibadfeiertag

Schon seit einigen Jahren fiebere ich dem 1. Mai entgegen. Also, jedes Jahr aufs Neue. Und zwar nicht, weil es zwar „Tag der Arbeit“ heißt und ein freier Tag ist, sondern weil es meist der erste Tag im Freibad ist. Letztes Jahr war das anders, da war schon früher geöffnet, weil es ein langes Wochenende war. Heuer ist der 1. Mai ein Mittwoch und somit wieder der erste Freibadtag. Sogar mit Sonne und recht warmen Temperaturen. Und was heißt das fürs Chlorhuhn? Auf ins Schyrenbad natürlich!

Nachdem ich am 23. April das letzte Mal in der Olympiaschwimmhalle war (und damit hoffentlich das letzte Mal „unter Tage“ wegen des Umbaus), war ich einige Tage in Dresden. Dort bin ich Rad gefahren, schwimmen war ich nicht. Und so war ich heute quasi „ausgehungert“, nach über einer Woche ohne schwimmen.

Am Schyrenbad empfängt mich zum Glück keine Menschenschlange (hätte mich bei dem schönen Wetter nicht gewundert), sondern ein Schild – mit dem ich schon fast gerechnet habe: 21 Grad Wassertemperatur.

Abschreckung oder Einladung? 😉

Es war kühl die letzten Tage (habe ich gehört, ich war ja nicht da). Ich denke mir: egal, wird schon gehen. Und zur Not nur zwei statt drei Kilometern. Das hatte ich auch schon mal. Wenn man so viele Jahre schwimmen geht, kennt man irgendwie schon alles…

Das Schyrenbad hat seit letztem Sommer drei Bahnen für Schwimmer (nicht mehr nur zwei) und als ich ankomme, ist auf allen drei Bahnen relativ viel los. Aber es scheint geordnet zuzugehen und so starte ich meine Freibadsaison.

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So war’s 2018 im Schyrenbad. Heute nicht ganz so voll.

Hui… doch ganz schön frisch, die 21 Grad. Obwohl von oben die Sonne lacht. Wohlweislich hatte ich schon meine Ohrenstöpsel eingepackt und in die Ohren gesteckt. Denn mit dem kalten Wasser im Ohr ist mir schon mal schwindelig geworden. Nach ein paar Bahnen habe ich mich an das kalte Wasser gewöhnt, lediglich meine Fußsohlen sind kalt. Aber das macht mir nichts, ich fühle mich wohl und kann recht friedlich schwimmen. Ich spüre das kalte Wasser an mir, ich gleite hindurch. Und dazu scheint die Sonne von oben auf mich. Ich spüre die warmen Strahlen durch die Wasseroberfläche hindurch auf meinem Rücken. Ist das schön! Das ist so schön! Und ich frage mich wieder einmal, warum es im Freibad soooo anders ist als im Winter im Dantebad. Das ist auch draußen, da scheint auch mal die Sonne. Liegt es am wärmeren Wasser? Am Stand der Sonne? An meiner Einbildung? Ich weiß es immer noch nicht. Ich weiß nur, dass ich diesen Moment, diese Monate, herbeigesehnt habe. Und heute ist es endlich so weit!

Nach zwei Kilometern überlege ich, ob ich aufhören soll. Spüre in mich hinein, ob mir kalt ist. Oder schwindelig. Oder „komisch“. Nein, nichts dergleichen. Außerdem ist es momentan gerade ruhig, ich muss nicht überholen, keiner überholt mich. Es ist harmonisch, das ist immer ein gutes Argument zum Weiterschwimmen. Und so mache ich dann meine 60 Bahnen voll. Drei Kilometer im Freibad. Die ersten des Sommers 2019. Es ist herrlich!

Ich steige aus dem Becken und will mich noch etwas in die Sonne setzen. Aber das ist zu kalt. Es hat nicht mal 20 Grad Lufttemperatur und ich merke jetzt, wie ausgekühlt ich bin. Also ab in die Dusche. Und nicht zu schnell, schließlich muss sich mein Kreislauf erstmal anpassen. Die Dusche ist schön warm, das tut gut. Dann umziehen und in die Sonne setzen. Banane essen, was trinken. Aufwärmen. Aber selbst mit der schwarzen Strickjacke ist mir kalt. Ich merke, wie ich zu zittern anfange. Es hilft nichts, ich muss heimfahren. Zu kalt. Und wahrscheinlich mehr Hunger als nur eine Banane. Und so endet der erste Freibadtag recht plötzlich, aber das Wichtigste habe ich ja gemacht: Ich war schwimmen. Im Freibad rumliegen, das ist eh nicht so mein Ding.


500 Kilometer vor Ende der Freibad-Saison

Hui! Was ist da heuer los? Ich habe meine Schwimmkilometer zusammengerechnet und es sind schon 500. Im September! Die Freibad-Saison ist noch nicht vorbei und ich bin schon am Jahresziel? Was ist da los?

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„Meine“ Bahn im Dantebad …

Einiges. Ich hatte seit Beginn der Freibad-Saison eine unglaubliche Lust zum Schwimmen. Allein Mai war ich fast jeden Tag im Becken. Und auch im Juni gab’s kaum eine Pause. Es war einfach soooo schön! „Zwangspausen“ gab’s, wenn ich im Urlaub war. Oder an den äußerst heißen Wochenenden. Aber da war ich im See. Hehe…

Sonnenuntergang in Herrsching am Ammersee

Obwohl es in den Sommerferien richtig, richtig heiß war, mit Temperaturen über 30 Grad, war ein vernünftiges Schwimmen im Freibad möglich. Erstaunlich! Aber das lag wohl daran, dass Ferien waren und viele Münchner nicht in der Stadt waren. Oder im See, denn die vielen Seen um München waren auch sehr, sehr warm. Und ich war im Dantebad und habe Bahn um Bahn gezogen.

Warum mir das Schwimmen heuer wieder so viel Spaß macht, kann ich gar nicht genau sagen. Letztes Jahr fiel es mir zum Teil schwer, da habe ich im ganzen Jahr nicht mal 500 Kilometer erreicht. Vielleicht liegt es heuer daran, dass es im Herbst und Winter schwierig wird. Die Olympiaschwimmhalle ist noch im Umbau-Modus, das heißt: fünf Bahnen statt 13. Das Wettkampfbecken mit acht Bahnen wird gerade umgebaut, wir schwimmen im Becken vom Hochschulsport, das fünf Bahnen breit ist. Und natürlich vorrangig von der Uni genutzt wird. Wenn das Semester im Oktober startet, wird’s wohl eng. Das habe ich wohl im Hinterkopf gehabt. Ich bin sozusagen „vorgeschwommen“. Aber das allein kann’s nicht sein.

Da geht’s im Herbst wieder hin: Olympiaschwimmhalle, ohne Tageslicht. Aber immerhin mit 50-Meter-Bahn.

Eigentlich ist es auch egal. Es hat viel Spaß gemacht und ein paar Freibad-Tage gibt’s ja noch. Die werden noch genutzt. Denn der Umstieg in die Halle ist im Herbst besonders schlimm. Dann werde ich von den vielen, vielen Freibad-Tagen zehren. Vom Schwimmen in der Sonne genauso wie von den Regenschwimmtagen.


Nordsee-Baden

Das Chlorhuhn und das Meer, das ist so eine Sache … Ich glaube, das wird auch nix mehr mit uns. Ich war kürzlich an der Nordsee. Nicht in Deutschland, denn da ist immer Ebbe, wenn ich mal da bin. Sondern in Schweden. Am Kattegat. Ich bin den Kattegattleden geradelt. Der führt von Helsingborg im Süden bis nach Göteborg, immer an der Westküste entlang. Und natürlich fast immer am Meer, also der Nordsee entlang. Am zweiten Radltag war die Nordsee wütend oder zumindest hat sie gewütet. Es war ein heftiger Wind und dadurch gab’s heftige Wellen. Fürs Radln kein großer Spaß (kann man hier im neuen Radl-Blog lesen), fürs Schwimmen noch weniger.

Sieht schön aus, ist aber krass laut!

Nach 65 Kilometern Tagestour, zum Teil mit krassem Gegenwind, bin ich in Båstad angekommen. Ein Örtchen direkt am Meer, auch mein Hotel liegt direkt am Meer. Ich kann von meinem Zimmer im Bademantel losmarschieren und bin gleich am Sandstrand. Sand, das ist auch so eine Sache bei mir. Ich verstehe gar nicht, was alle immer mit ihren Sand-Stränden haben. Da hast den Sand überall (wirklich überall) und der geht auch nicht mehr weg. Ich bin also froh, dass ich nur Badelatschen und einen Bademantel anhabe, da hält sich das mit dem Sand-Souvenir in Grenzen.

Muscheln am Strand und die Pier geht ganz schön weit raus. Und da draußen ist es immer noch flach …

Der Wind bläst, ist zum Glück aber nicht kalt. Nur: wohin mit dem Bademantel (in dem auch meine Schlüsselkarte ist)? Ich sehe kleine Holzhüttchen mit Veranda. Keiner da, deshalb erlaube ich mir, meine Schuhe und den Bademantel hier in ein windgeschützes Eckchen zu legen. Und dann mache ich mich auf zum Strand, eine Minidüne hinunter und dann über den warmen Sand zum Wasser. Tausende und tausende Muscheln liegen hier. Und die Wellen rauschen ans Ufer. Das Wasser scheint flach zu sein, aber ich sehe nicht, was unter mir ist. Ich will ungern in scharfe Muschelkanten treten, deshalb entscheide ich mich für den Weg über die Pier. Sie führt relativ weit raus, am Ende ist eine Leiter. Über die gehe ich ins Wasser. Also, erstmal mit den Füßen. Es ist warm, trotz des Windes. Aber was ist unter mir? Wie tief? Wasserpflanzen? Ungeheuer? Es dauert ewig, bis ich mich entscheide einzutauchen. (Beim Eisschwimmen bin ich da viel zielstrebiger).

Und naja. Was soll ich sagen? Wasser halt. Zum Glück nicht tief. Je nach Wellental oder -berg geht mir das Wasser bis zu den Oberschenkeln oder zum Bauch. Schwimmen? Keine Chance. Es gibt auch keine Wellenpause. Es ist entweder hoch oder tief, aber nie ruhig. Und kräftig sind die Wellen! Ich tauche ein paar Mal ein, lasse mich hin- und herschwappen. Spaß sieht anders aus. Das ist nicht meine Welt. Ich stelle mich wieder hin und da wirft mich so eine Welle von hinten fast um! Zaxndi! Do legst di nieda!

Ich kraxle die Leiter wieder rauf, gehe über die Pier zurück zum Strand, von da zurück zum Holzhüttchen – und bin trocken. Der Wind hat mich trocken geweht!

Jetzt gehe ich erstmal in die Sauna des Hotels. Die hat eine riesige Glasfront mit Blick auf den Strand und das Wasser und ich bin der einzige Gast. Herrlich.

Sauna mit Tageslicht und Aussicht

Einen weiteren Nordsee-Versuch gab’s im Verlauf der Reise noch. In Steninge. Da übernachte ich in einem Hostel – und das war so schön da, das muss ich jetzt erst loswerden. Kennt ihr das, wenn ihr an einen Ort kommt und euch sofort wohl fühlt? Und willkommen? So war das im Vandrarhem Steninge! Catarina und Per betreiben dieses Hostel direkt an der Küste und am Kattegattleden. Und Catarina hat mich sofort herzlichst begrüßt, fast wie eine Freundin. Sie strahlt einfach sowas Herzliches, Gastfreundliches aus, das kann man nur schwer beschreiben, das muss man erleben. Es gibt einfach Leute, die zum Gastgeber geboren sind. Und eigentlich ursprünglich einen ganz anderen Beruf ausgeübt hatten. Das ist bei Catarina so und das war auch bei Marianne in Boxholm so. Die ist auch so eine Frau, bei der man sich sofort „dahoam“ fühlt und umsorgt, aber nicht so übermuttermäßig. Sondern einfach willkommen. Als Gast.

Per ist Weltmeister im Haferbreimachen. Er und Catarina betreiben das Vandrarhem Steninge.

Ich habe beim Weiterradln dann lange drüber nachgedacht, warum das bei Catarina und Marianne so anders ist als in einem (großen) Hotel. Da sind die Leute ja auch zuvorkommend und nett (schließlich ist man ja zahlender Gast). Aber das ist so ein „professionelles“ Nett, so, so … ich weiß nicht … nicht von Herzen. Sondern weil es halt dazu gehört, der Job es erfordert und man ja Dienstleister ist. Während das Nett-Sein im Vandrarhem Steninge und im Hotell Sommarhagen tatsächlich von Herzen kam. Weil die Betreiberinnen (zumindest habe ich das so empfunden) mit Herzblut bei der Sache sind. Und vielleicht auch, weil es ihr Hotel/Hostel ist. Sie haben es aufgebaut, die Gäste kommen zu ihnen – und wohl auch wegen ihnen – genau hierher. Sie sind nicht nur Angestellte, die ihren Job machen (bitte nicht falsch verstehen, ich habe hohen Respekt vor Jobs in der Hotellerie/Gastronomie; und die meisten machen den Job gut!). Es ist aber deren Projekt, deren „Baby“ und das merkt man.

So, jetzt aber zum Strand. Denn dahin hat mich Catarina dann auch gleich geschickt, der ist nämlich einfach auf der anderen Straßenseite.

 

Das ist ein Naturstrand, das heißt, die Algen werden nicht entfernt. Das Wasser ist trüb und wellig. Es gibt auch hier eine Leiter zum Reingehen. Ich spreche mit einer Frau, die gerade ihre Schwimmrunde beendet hat. Sie macht mir Mut: Das Wasser ist sauber, das Aufgewühlte ist nicht schlimm. Ich könne stehen, Wasserpflanzen gibt’s auch keine und wenn ich zwischen der Leiter und der Pier (die zu einer Insel führt) schwimme, ist es „safe“.

Ich wage mich also ins Wasser und schwimme ein bisschen hin und her. Weil der Strand in einer Bucht ist, sind die Wellen hier nicht so heftig wie in Båstad. Aber so richtig Schwimmen ist das auch nicht. Eher baden und sich treiben lassen. Für den Abschluss einer Radltour ganz schön. Als ich dann in der Dusche den Bikini ausziehe, sehe ich, dass in ein „Mitbringsel“ abbekommen habe. Der Schlamm hat sich in den Nähten gesammelt. Das sieht nicht schön aus, lässt sich aber zum Glück ganz leicht ausspülen.

Und später gibt’s hier einen wirklich schönen Sonnenuntergang zu sehen. Ich kann meinen Blick kaum abwenden, so schön ist es, der Sonne beim Untergang zuzusehen. Wie sie langsam aber sicher ins Meer fällt, ein Sonnenbad sozusagen.

Schon schön, so ein Sonnenuntergang über dem Meer!

Jetzt nimmt die Sonne ein Bad – ein Sonnenbad!

Als ich bei meinem vorigen Schwedentrip in Göteborg war (das ich übrigens sehr empfehlen kann), bin ich mit dem Schiff auf die Schären gefahren. Das ist eine feine Sache, einfach so mit dem öffentlichen Nahverkehr in eine Inselwelt zu fahren. Schon die Fahrt war Urlaub. Und es ist wirklich schön da im Schärengarten vor Göteborg.

Mit der Tram zur Endhaltestelle und dann aufs Schiff.

Hinaus in den Schärengarten von Göteborg. Für nur 9 Euro (Tagesticket)!

Ich bin bis zur Endstation gefahren und da ein bissl rumspaziert.

Dann habe ich mich in einem sehr gemütlichen Fleckerl Strand niedergelassen, dem Meer gelauscht und mein Buch gelesen.

Mein idyllisches Platzerl – ganz für mich allein!

Später bin ich dann weitermarschiert und habe eine schöne Badestelle gefunden. Mit großen, runden Felsen, auf denen ich mir ein Platzerl gesucht habe. Und einem Steg samt Leiter, um ins Wasser zu kommen.

Auf den Felsen war’s schön warm!

Auch hier war die Nordsee Anfang Juli schön warm, etwa 22 Grad. Und es war wellenarm, weil es in einer Bucht war. Ach, hätte man hier schön schwimmen können. Glasklares Wasser, kaum Wellen – aber irgendwas hat immer an meinen Füßen gekitzelt. Komische Wasserpflanzen, ohje! Chlorhuhnalarm. Ich bin dann nur vom Steg zu meinen Steinen und zurückgeschwommen.

Wasserpflanzen ohne Ende …

… die beim Schwimmen kitzeln.

Genug (Nerven)Kitzel fürs Chlorhuhn. Ich hab mich dann an Land wie ein Seehund auf die warmen Steine zum Trocknen gelegt. Mit vom Salzwasser pappiger Haut. Da waren mir die Seen in Schweden schon um einiges lieber!