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Kollision

Seit ich regelmäßig schwimmen gehe, ist mir klar, dass es irgendwann passieren wird: eine Kollision. Damit meine ich nicht das leichte Berühren durch andere Schwimmer beim Überholen, sondern so richtig. Dass es an einem ruhigen Abend mit nur einem weiteren Schwimmer auf meiner Bahn (und ebenso ruhig auf den Nachbarbahnen) passiert, damit habe ich nicht gerechnet.

Die Ironie an der Sache ist gleich doppelt: Denn zum einen wollte ich den Nachmittag meiden, weil es die letzten Male einfach sehr gut besucht war. Viel Trubel, in dem man zwar relativ gut schwimmen konnte, aber ich kann mich da einfach nicht entspannen oder auf mein Schwimmen konzentrieren. Ständig habe ich Angst, dass mir jemand reinschwimmt, ein Überholvorgang meinerseits einen anderen Schwimmer behindert oder weitere Schwimmer dazu kommen und das „System“ durcheinanderbringen.

So leer ist es selten – gekracht hat’s trotzdem …

Also wählte ich den Samstag Abend. Da kann man oft Glück haben und in Ruhe schwimmen, während die anderen Menschen Essenseinladungen folgen, tanzen gehen oder im Kino sitzen. So auch kürzlich. Herrlichste Ruhe, pro 50-Meter-Bahn nur ein bis drei Schwimmer. Wir waren zu zweit. Ich musste an der Leine kurz pausieren, weil ich dachte, dass sich mein Schlüssel löst und ins über zwei Meter tiefe Wasser sinkt. Und weil ja niemand da war (außer einem Mitschwimmer), habe ich es riskiert und mich an der Leine festgehalten, um nach dem Schlüssel zu sehen (der am Fuß befestigt ist). Ich sehe auch, wie der andere näher kommt – und ich sehe, dass außer mir weit und breit niemand ist. Platz zum Ausweichen war also da und zwar reichlich. Und dann tut’s einen Schlag auf meinen Kopf. Aua! Aber sowas von! Das war richtig hart. Und der Schwimmer? Schwimmt einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre! Geht’s noch? Die junge Frau auf der Nachbarbahn ist inzwischen bei mir angekommen, bleibt stehen und fragt, ob alles ok ist. Ich muss verneinen, denn der Schlag war ziemlich hart. Er hat mich an der Schläfe getroffen.

Ich tauche jedoch auf ihre Seite der Leine und schwimme dort zurück. Sicher ist sicher. Inzwischen ist der Mann wieder auf meiner Höhe, ich versuche ihn anzuhalten. Keine Chance! Also schwimme ich erstmal zurück zum Beckenrand. Und irgendwie ist mir komisch. Dann beschließe ich, dass ich doch raus muss aus dem Wasser und den Bademeister um Hilfe bitte. Normalerweise mache ich das nicht, entweder ist mir eine Sache nicht so wichtig oder ich halte den „Übeltäter“ selbst an und bitte um etwas mehr Rücksicht.

Der Bademeister hat alles gesehen (bleibt aber trotzdem auf seiner Bank sitzen) und fragt, wie es mir geht. Ich muss mich tatsächlich setzen, irgendwie ist mir jetzt flau. Ob es der Ärger ist oder tatsächlich der Schlag, kann ich nicht einschätzen. Er bietet aber an, den Mann aufzuhalten. Und ein weiterer Schwimmer ist am Beckenrand und fragt, ob er helfen kann. Ich sage, dass er ja versuchen könnte, den Schwimmer aufzuhalten, mir ist es nicht gelungen. Und tatsächlich hält er ihn an, als er wendet (oder eher unter Wasser umdreht). Verdutzt, weil er in seinem Ablauf gestört wird, blickt er den Mann im Wasser an, dann zum Bademeister, weil der ihn jetzt anspricht. Ob er nicht gemerkt hätte, dass er mich am Kopf getroffen hat und dass so eine Schwimmbrille nicht nur die Augen schützt, sondern auch dafür da ist, dass man sieht, was auf der Bahn ist. Nein, er habe mich nicht gesehen. Die Brille sei angelaufen und er sieht nur, wenn jemand schwimmt, weil es dann Blasen gibt. Dann meint er noch, dass er meine Hand berührt hat, als ich auf der anderen Bahn geschwommen bin. Jetzt bin ich komplett verwirrt, weil er mich ein paar Bahnen vorher so knapp überholt hat, dass sein Arm in meinen Arm eingefädelt ist (auch da gab’s keinen Anlass, so nah neben mir zu schwimmen). Aber daran kann er sich gar nicht erinnern. Statt sich zu entschuldigen, beteuert er weitere dreimal, dass er mich nicht gesehen hat (Standardausrede von Autofahrern gegenüber Radlern). Irgendwann ringt er sich zu einer Art Entschuldigung durch, die ich „annehme“, damit sich diese blöde Situation auflöst.

Ich muss mich noch ein bisschen ausruhen und schwimme dann lieber auf der Bahn mit der Frau. Sie erkundigt sich nochmal, wie es mir geht und sagt, dass der Mann sie auch schon erwischt hat, über die Leine. Ah, da klärt sich was für mich!

Ich will weiterschwimmen, es sind noch immer kaum Leute im Becken und ich denke, dass es wieder geht. Aber leider ist es nicht so. Mir wird schwummrig, als ich kraule. Ich versuche es langsamer, aber es wird nicht besser. Also nochmal kurz Pause. Ein sehnsüchtiger Blick auf das türkise, glatte Wasser und meine einzige Mitschwimmerin. Ich probiere es mit Rückenschwimmen. Das geht. Langsam zwar, aber immerhin. Ich versuche, den Vorfall zu vergessen. Will mich an dem eigentlich ruhigen Schwimmabend erfreuen, aber so ganz will es mir nicht gelingen. Zum einen, weil ich mich noch immer etwas unwohl fühle, zum anderen, weil mich diese Dreistigkeit ärgert. Ja, man kann mal jemanden übersehen. Ja, es kann mal zu einem Zusammenstoß oder so kommen. Aber dann einfach weiterzuschwimmen, als wäre nichts gewesen? Das geht nicht! Im Straßenverkehr wäre das Fahrerflucht. Und ich glaube dem Mann auch nicht, dass er es nicht gemerkt hat. Der wollte einfach weiterschwimmen, sein Ding durchziehen. Das fand ich dreist.

Auch einen Tag später spüre ich an der Schläfe noch etwas, wenn ich die Stelle berühre.


32. Mai

Heute ist der 32. Mai. Das ist kein Tippfehler… oder vielleicht ein kleiner. Man könnte nämlich auch sagen, dass es heute das 32. Mal war. Dass ich schwimmen war. Am Stück! Seit das Freibad am 1. Mai aufgemacht hat, war ich jeden Tag schwimmen. Das wollte ich mal ausprobieren. Letztes Jahr war ich fast den ganzen Mai schwimmen, es gab 3 Tage „frei“. Aber jetzt eben das Experiment.

Ihr könnt euch ja vorstellen, dass es soooo schlecht nicht sein konnte, wenn ich auch heute, laut Kalender der 1. Juni, schon wieder schwimmen war.

Angefangen hat es natürlich gut. Mit viel Vorfreude auf die Freibad-Saison. Und es war toll! Obwohl im Schyrenbad das Wasser an den ersten beiden Tagen recht frisch war. Dafür war das Wetter gut. Das sollte ja nicht so bleiben. Und so bin ich im Regen durch die ganze Stadt geradelt, um ein paar ruhige Bahnen ziehen zu können. Bis auf 2 Tage konnte ich auch meine Standardstrecke von 3.000 Metern schwimmen. Aber die „fehlenden“ 500 Meter wurden bei nächster Gelegenheit nachgeholt. Muss ja alles seine Ordnung haben!

Manchmal war’s auch echt kalt. Aber dafür war ich ungestört. Und ich kam mir recht schnell vor. Ich habe einfach (fast) die ganze Strecke durchgekrault. Zu kkkkaaaalllt zum Nachdenken oder Pause machen! Weiter immer weiter!

Dann flux über die Wiese laufen zur Dusche. Die ist zwar warm, aber der Raum nicht. Es ist eher offen, so dass es kühl ist. Und die Umkleide ist ebenfalls offen. Nur ein Dach drüber (immerhin!). So bin ich dann halb verfroren heimgeradelt und war froh, wenn ich angekommen bin.

Aber es gab auch schöne Tage. An denen ich trotzdem fast allein geschwommen bin, die Sonne hinter den Wolken hervorgelugt hat und es nicht so kalt war. Oder eine meiner Schwimmfreundinnen dabei war. Jede eine Bahn für sich… toll!

Oder ein Tag mit Sonne im Dante. Da war dann gleich ganz viel los. Aber kein Problem, ich kannte alle 4 Mitschwimmer!

Dann war der Tag mit dem Dauerregen. Da hatte ich Glück, denn als ich unterwegs war, hat es fast gar nicht geregnet. Die Isar hatte aber schon beim Hinfahren viel Hochwasser, knapp zwei Stunden später, hatte sie sich einen Weg über die Wiese gebahnt, um den Radweg auf der rechten Seite zu fluten. Das war schon spannend, wie schnell das ging!

An einem anderen Tag habe ich im Schyrenbad ein vierblättriges Kleeblatt entdeckt! Einmal kurz nach unten geschaut und da war es!

Und natürlich gab’s die Tage, an denen ich mir dachte: gut, wenn es vorbei ist und ich Pause machen kann. Und beim Schwimmen die ersten 10-20 Bahnen nicht vorbeigehen wollten. Und dann die letzten 10 auch… die zogen sich… und ich war flügellahm und eigentlich froh, dass es nur noch 2 Tage sind. Der Feiertag und der Freitag. Yeah. Ende in Sicht.

Da lief es im Wasser dann prima! Wie am Schnürchen. Als ob ich nicht die letzten 30 Tage geschwommen wäre.

Und dann eben heute. Sonne, Samstag, warm … und nichts anderes vor. Hm. Ob ich es wage? Eigentlich wäre es verschenkt, nicht schwimmen zu gehen. Vor allem, wenn nächste Woche wirklich Hochsommer ist. Dann geht nämlich nichts mehr. Dann ist Schluss mit lustig und allein in Ruhe und so… also gut. Für 2 klitzekleine Kilometerchen geh ich schwimmen.

Und dann bin ich da. Und es ist recht ruhig. Glück gehabt. Ich lass mich ins Wasser gleiten. Es ist angenehm kühl. Ich spüre das Kribbeln der Wasserblasen an meinem Bauch. Ich trage nämlich einen Bikini, weil es schönes Wetter ist. Ohmann, ist das schön. Und von wegen flügellahm, ich fühle mich gut und schnell.

Dann ist auf einmal Chaos, viele Leute, die recht unterschiedlich schwimmen. Das mag ich eh nicht und nachdem ich jetzt immer allein war, ist es noch blöder. Gut, dass ich nur 2 Kilometer machen will und das gleich erledigt ist.

Und dann? Dann löst sich das Chaos auf und ich denke… hm. Das kann ich jetzt so nicht beenden. Jetzt, wo wieder Ruhe und Ordnung ist. Da muss ich ja fast… genau! Und so war das dann auch. Und am Ende waren es dann doch 3 Kilometer. Zur Belohnung, weil es ich ja gestern mein Ziel erreicht habe.

Morgen ist jedenfalls Schwimmpause. Ganz, ganz sicher!


Harmonie im Schwimmbecken 

Eine volle Schwimmerbahn muss nicht immer heißen, dass es chaotisch ist. Leider gilt auch umgekehrt: Kaum Leute auf der Bahn verspricht nicht automatisch Ruhe und Harmonie. Aber widmen wir uns mal der schöneren Variante: Bahn voll, trotzdem läuft’s.

Zum Beispiel am Samstag. Schönster Sonnenschein, blauer Himmel, eisige Temperaturen samt Ostwind. Definitiv kein Wetter zum Eisschwimmen für mich. Aber Sonne wollte ich, deshalb habe ich mich ins Dantebad gewagt. Ja, gewagt! Denn bei dem Wetter war mir klar, dass ich nicht die einzige sein werde, die hier schwimmen will. Und ja – es waren viele Schwimmer da. Auf allen drei Bahnen und auch im restlichen Becken. „Naja, das war klar“, denke ich mir und schwimme los. Ich bleibe entspannt, schließlich weiß ich ja, worauf ich mich eingelassen habe. Zu meiner großen Überraschung läuft es aber recht harmonisch ab. Irgendwie sind nur Leute da, die wissen, wie man sich in der Masse verhält. Ganz selten kommt es zu knappen Überholmanövern (auch im Gegenverkehr), aber das lässt sich kaum vermeiden bei der Menge an Schwimmern. Und so kommt’s, dass ich relativ ungestört meine Bahnen ziehen kann und sowohl das Schwimmen als auch die Sonne genießen kann.

Im Sommer hatte ich bei weniger Leuten, dafür unterschiedlichen Geschwindigkeiten, ein ähnlich gutes Erlebnis: Einer dieser heißen Sommertage, an denen ich eh mit allem rechne, aber nicht damit, im Freibad in Ruhe schwimmen zu können.

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Schwimmen im Dantebad (Archivbild)

Aber Wunder gibt’s immer wieder und so geschah es, dass in der Schwimmerbahn nur vier Leute waren, als ich kam. Zwei ältere Herren und zwei sehr sportliche. Ich habe letztere von weitem gesehen. Sie waren offensichtlich am Trainieren.

Nachdem ich mich eingeschwommen hatte, frage ich die zwei, ob sie gerade Intervalle machen und ob sie gleich starten. Weil ich ja langsamer bin. Sie meinen, dass es noch dauert und ich gern losschwimmen kann. Und was kann ich sagen? Es lief die ganze Zeit (fast eine Stunde) äußerst harmonisch ab. Es schien, als suchten sie Lücken, damit sie nicht überholen müssen. Kam ich an die Wende, habe ich kurz geschaut, ob sie vielleicht grad starten und ihnen Vorrang gegeben (überholen ist ja immer doof). Manchmal mussten sie aber unterwegs doch mal überholen. Das haben sie aber sehr rücksichtsvoll getan. Ich habe kaum gemerkt, dass sie an mir vorbeigeschwommen sind oder mir entgegen kamen. Das war echt toll und zeigt, dass es auch anders geht. Sollte öfter so sein.

 

 


Uiminen Suomessa – oder Schwimmen mit Ausblick 

Ich war mal wieder in Helsinki. Und wie ich ja letztes Jahr geschrieben habe, kann man hier ziemlich gut schwimmen. Ich war sehr gespannt auf die neue Attraktion „Allas Seapool“, direkt im Hafen von Helsinki. Das hab ich letztes Jahr noch als Baustelle gesehen. 


Aber jetzt ist es offen und ich musste da natürlich hin. Es ist ein Schwimmbad mit Sauna – oder anders rum. Jedenfalls sind die drei Becken direkt in der Ostsee. Sie schwimmen quasi auf einem Steg. 

Direkt im Hafen von Helsinki liegt der Allas Seapool

Schwimmbecken, Kinderbecken und Meerwasserpool

 

Wenn gerade ein Schiff in den Hafen  fährt, kann man gaaaanz leicht die Wellen spüren. Es gibt drei Becken: eins für Kinder (Lasten-Allas), eins mit Meerwasser (Merivesi) und eins zum Schwimmen. Allerdings nur 25 Meter lang. Tiina von Allas Seapool erklärt mir, dass ein 50-Meter-Becken zwar Platz gehabt hätte, aber zu schwer wäre. Der Pool ist auch nur 1,60 Meter tief. 

Es sind zwei Bahnen abgetrennt: Matka (Distance) und Nopea (Fast). Was genau der Unterschied sein soll, erschließt sich mir nicht so ganz. Nachdem auf beiden Bahnen je zwei Schwimmer sind, entscheide ich mich für die Matka-Bahn. Wir drei haben in etwa dasselbe Tempo, so dass es trotz der kurzen Bahn gut läuft. 

Der 25-Meter-Pool für Schwimmer, Aquajogger und Planscher…


Ungewohnt für mich, die nur auf der Langbahn unterwegs ist, dass ich so viel wenden muss. Aber ich bin im Urlaub und da ist eh alles anders. 

Es ist Montag Nachmittag, die Sonne über Helsinki scheint, das Wasser ist angenehm warm und griffig. Und das schönste ist, dass ich beim Schwimmen immer mal wieder den Dom von Helsinki sehe. Schwimmen mit Ausblick! Grandios! Vor allem beim Rückenschwimmen!

Vom Allas Seapool sieht man direkt auf den Dom und den Marktplatz von Helsinki!


Nach zwei Kilometern oder unfassbaren 80 Bahnen habe ich dermaßen Hunger, dass ich die Schwimmeinheit beende. Schließlich ist auch noch Sauna und der Meerwasserpool (sieht fast finnisch aus, das Wort!) wartet. 

Dort ist das Ostsee-Wasser drin. Es wird lediglich gereinigt, aber es wird nicht aufgewärmt. Es ist vielleicht ein oder zwei Grad wärmer als im Freien, aber das Thermometer zeigt 13 Grad. Juhuuuu!

Das Thermometer zeigt 13 Grad…


Aber dazu mehr in einem Eintrag zur Sauna


Das Chlorhuhn taucht ab

Kennt ihr das? Man hat eine ganze 50-Meter-Bahn vor sich. Ganz allein. Und denkt: Das will ich jetzt tauchend bewältigen. Und dann taucht man nach nicht mal der Hälfte auf. Blöd. Muss doch besser gehen! Machen doch andere auch.

Alles meins!


So geht’s mir zumindest. Und was macht das Chlorhuhn, wenn es nicht weiter weiß? Es fragt jemanden, der sich auskennt. Wie beim Freiwasser-Schwimmen. Da hab ich mir Tipps von Christof Wandratsch geholt. Oder beim Eisschwimmen. Da war ich bei Sabine Croci und bei Jochen Aumüller.

Jetzt also tauchen. Wer könnte mir da bessere Tipps geben als der Deutsche Meister und WM-Finalist Robert Woltmann? Wer 175 Meter ohne Luftholen durchs Becken kommt, hat doch sicher eine Ahnung. Und genauso ist es.
Wir treffen uns im Freibad, bevor es öffnet. Haben also das Becken für uns. Ich bastle aus den Aufnahmen später einen Radiobeitrag fürs Fitnessmagazin. Aber jetzt erstmal die Arbeit.

Ich mache mich bereit, atme tief ein und aus und tauche. Ich weiß schon ein bisschen, wie ich es mache. Also tief zum Boden runter, ruhige, kräftige Züge. Brust ist zum Glück eh meine beste Lage. Ich lasse etwas Luft ab, gleite und muss nach etwa 20 Metern auftauchen. Da war es, dieses beklemmende Gefühl, wenn man keine Luft mehr bekommt.

Das Chlorhuhn in seinem Element …


„Gar nicht mal so schlecht“, lautet Roberts erstes Fazit. Puh! Immerhin. Allerdings gleite ich kaum, sagt der Experte. Aha. Da verbrauche ich natürlich Energie bzw. Sauerstoff. Und ich kann viel, viel tiefer einatmen. Das allerdings muss ich in Ruhe an Land üben, denn ungeübt wird mir bissl komisch, schwindlig.

Wichtig beim Streckentauchen: nicht hyperventilieren. Und nicht alleine machen. „Es besteht die Möglichkeit, dass man ohnmächtig wird. An Land ist es nicht tragisch, aber unter Wasser kann das tödlich ausgehen“, warnt Robert. Ich bin ja unter bester Aufsicht. Zum Glück!

Ich fliege!


Wir üben noch ein bisschen. Der Atemreflex kommt zwar, aber ich habe keine Panik mehr. Denn ich kann es schon beim zweiten Versuch besser einordnen. Außerdem soll ich nur Luft anhalten, nicht unterwegs ausatmen. Wusste ich auch nicht.

Ich schaue einmal zu, als Robert taucht. Ich schwimme über ihm. Er kommt in seiner Gleitphase fast zum Stillstand. Wahnsinn. Die Ruhe muss man erstmal haben! Instinktiv richtig gemacht habe ich den Armzug. Es ist ein Tauchzug, Schlüssellochzug. Bis zur Hüfte.

Wichtig, um Strecke zu machen: Brustschwimmzüge und laaaaanggeee gleiten!


Und dann kommt der finale Tauchgang. Ich atme tief durch, versuche kräftig auszuatmen, damit die alte Luft raus ist und Platz für viel neue Luft mit Sauerstoff ist. Dann Luft anhalten und runter. Abstoßen. Gleiten. Armzug. Beinschlag. Gleiten. Fliegen. Am Boden entlang. Herrlich. Es fühlt sich gut an.

Ich muss nicht hektisch auftauchen. Ich schwimme schräg aufwärts und: habe die halbe Bahn geschafft! 25 Meter! Immerhin. Das sind 5 Meter weiter als ohne Tipps und Training.

Ich werde jetzt also öfter an Land die Luft anhalten, tief durchatmen und dann wieder tauchen. Auch, wenn das offiziell in vielen Bädern nicht erlaubt ist. Aber das ist Reinspringen auch nicht – und das machen genügend andere.

Das Chlorhuhn freut sich, der Lehrer ist stolz auf seine Schülerin!


Fun fact zum Schluss: Robert kannte meinen Blog schon vorher. Witzig, wie klein die Wasserwelt doch ist!


Integration und Knigge

In der Vergangenheit war oft die Rede von „Integration“. Das passt jetzt auch wieder im Schwimmbad. Wenn auch etwas anders als in der großen Politik. Aber auch im Schwimmbecken tauchen um Weihnachten viele Neulinge auf. Die Fraktionen „neuen Badeanzug zu Weihnachten bekommen“, „Weihnachtsspeck abtrainieren“, „endlich Zeit für Sport“ und nicht zu letzt die mit den guten Vorsätzen. Kurz gesagt: Neulinge, die keine Ahnung haben. Das klingt jetzt zwar etwas hart, aber ich spreche aus Erfahrung.

Wie erkennt man Neulinge? Nun ja – sie „schwimmen“ auf der Sport-Schwimmerbahn. Obwohl – kann man es schwimmen nennen, wenn man sich über Wasser halten kann? Vielleicht ja, weil die Fettaugen auf der Suppe ja auch schwimmen …. Sei’s drum. Sie sind da und wollen schwimmen. Schön und gut – dann sollten sie sich aber auch an ein paar einfache Regeln halten. Die meisten Regeln sollten vom Straßenverkehr her bekannt sein. Möchte man meinen …

Meine Lieblinge:

  • … stehen ewig am Beckenrand und schwimmen los, wenn jemand kommt. Wäre nicht weiter schlimm, wenn sie schneller wären, als der Ankommende und Weiterschwimmende.
  • …überholen und brauchen dafür 48 Meter – also fast die ganze Bahn – oder überholen und sind dann so außer Puste, dass sie entweder bei der Wende im Weg stehen oder schwimmen dann so langsam, dass man sie selbst wieder überholen muss.
  • … schwimmen erst langsam und gemütlich, bis sie merken, dass sie überholt werden. Dann geben sie Gas, was den Überholvorgang erschwert. Wozu?
  • … zwicken den Überholenden noch schnell in den Fuß, bevor man weg ist.
  • … bleiben am Beckenrand genau in der Mitte – also an der schwarzen Linie – stehen.
  • … landen zum Wenden rechts der schwarzen Linie und gehen zu Fuß auf die linke Seite zum Weiterschwimmen – allerdings ohne auf den „Verkehr“ zu achten.
  • … stehen ewig am Beckenrand rum zum Ratschen, ohne Platz für die schwimmenden Schwimmer zu machen.
  • … ziehen mit ihrem Arm über der Leine – das geht sowohl über als auch unter Wasser.
  • … können ihre Fähigkeit und Schnelligkeit überhaupt nicht einschätzen.
  • … beschweren sich, wenn sie überholt werden.

Ich frage mich, warum man in seiner Freizeit, wenn man etwas macht, das man gern und freiwillig macht, gegenseitig das Leben bzw. Schwimmen so schwer macht. Etwas mehr realistische Selbsteinschätzung, ein bisschen Rücksicht und mehr Miteinander – das wäre schön.

Wenn die Bahn gut besucht ist, muss halt der Trainingsplan angepasst werden. Da muss nicht unbedingt Schmetterling trainiert werden. Und wer nur Brustschwimmen kann oder will, sollte vielleicht nicht bei den Kraulern trainieren.

Denn Brustschwimmer sind in der Regel schwerer zu überholen, da sie sehr ausladend schwimmen. Ich verstehe da manche Leute einfach nicht … aber vielleicht liegt es einfach daran, dass sie nicht wissen, wie es ist, wenn man überholen muss. Schön wäre es, wenn die Bademeister hier etwas regulierend eingreifen würden.

Doch in München geht man davon aus, dass sich das schon von selbst regelt. Aber als Frau sagt man den Mitschwimmern lieber nichts. Da wird man nur blöd angeredet. „Sie wollen hier ja nur schnell schwimmen“, war mal so ein Kommentar. Wohlgemerkt in der Sportschwimmerbahn!

Warum muss man sich rechtfertigen, wenn man schneller ist und in dem dafür vorgesehenen Bereich trainiert? Und warum sehen die langsamen Schwimmer nicht ein, dass sie in ihrem Bereich schwimmen können? Sollen wir sportlichen Schwimmer in den Bereich mit den Trockenhaarschwimmern und Tratschwellen gehen? Da käme Freude auf!

Naja – aus Erfahrung wissen wir ja zum Glück, dass diese Welle auch abebbt. Anfang Januar geben die ersten ihre guten Vorsätze auf, einige ziehen es bis Ende Januar durch. Und dann haben wir das Becken wieder für uns!

Benimmregeln im Schwimmbad und speziell in der Sportbahn haben übrigens die Limmatsharks aus der Schweiz hier zusammengefasst. Und die Kollegen vom Triathlon-Magazin hier – nicht, dass jemand sagt, dass die Etiquette nur in der Schweiz gilt – aufgelistet.