Schlagwort-Archive: radln

Von Eis- und Wolkenlücken

Mensch, hat mir das Schwimmen gefehlt! Meine Laune war auch nicht besonders gut, der starke Westwind hat mir das Schwimmen an der Regattastrecke verleidet, ich war total ausgefroren, auch ohne im Wasser gewesen zu sein. Und dazu kommen glatte Radwege …

Vielleicht erkennt man es nicht so gut: da sind ziemlich viele Wellen auf der windgeschützten Regattastrecke

Aber heute war ich guter Dinge: Kein (oder kaum) Wind, hoffentlich ist die Lücke im Eis vom Mittwoch nach dem Wind noch da und hoffentlich kann ich gut radeln. Auto habe ich ja keins. Radln ging so lala, ich war sehr froh um meine Spikes-Reifen. Außerhalb der Stadt war die Straße sogar komplett weiß, festgedrückt, so dass ich dort prima radeln konnte und bis zum See gefahren bin. Ich hatte die letzten Male ja das Rad abgestellt und bin zu Fuß gegangen. Aber heute ging’s. Und was sehe ich am See: Da ist Wasser. Zum größten Teil ohne Eis.

Lücken an den falschen Stellen… hier am Steg ist Eis.

Das Eis ist halt leider an der falschen Stelle – nämlich genau an meiner Schwimmstelle. Übrigens ebenso mit dem Hochnebel, der ist auch an der falschen Stelle: Nämlich genau da, wo die Sonne ist.

Nun gut, ich hatte mir am Mittwoch ja schon eine Alternative angesehen und da gehe ich heute schwimmen. Es gibt eine Bank, wo ich mein Lager aufschlagen kann und der See bietet hier auch eine schöne Schwimmstrecke in nicht zu flachem und nicht zu tiefem Wasser.

Nicht nur ich will schwimmen…

Beim Umziehen ist es kalt, es ist frostig. Ich denke mir: Wenn ich mich jetzt ausziehe, gibt’s kein Zurück! Aber ich habe so derart Lust auf Schwimmen, dass ich mich sofort bereit mache. Die Sonne macht sich inzwischen auch bereit, nur bin ich mit „Umziehen“ schneller als sie. Sie ist noch etwas hinter den Nebelschwaden versteckt, vielleicht geniert sie sich auch?

Ich stelle meinen Handy-Timer zum Spaß auf 5’25 Minuten, wenn die Zeit um ist, wird er klingeln. Haha. Es ist nämlich keiner da. Also, keiner, den das stören könnte; und keiner, der auf die Uhr schauen könnte. Ich gehe ans Ufer, ins Wasser, ja, kalt. Schon klar, da hinten, nicht weit entfernt, ist die Eisdecke. Untertauchen, abwarten, losschwimmen. Schön! Mei, so schön. So lange musste ich verzichten (Mo, Di, Mi, Do!), jetzt darf ich wieder. Ich habe eine schöne Strecke am Ufer entlang, erst in die eine Richtung, dann zurück in die andere. Und dann nochmal. Mir wird kalt, aber ich bin entschlossen. Hat schon was geklingelt? Nein. Naja, ich muss ja auch erst zurückschwimmen. Sehe meine Schuhe am Ufer, schwimme noch einen Bogen. Und dann schrillt ein Höllenlärm los! Also, es ist natürlich kein Höllenlärm, aber es ist das einzige Geräusch außer meinem Wasserplatschen. Geschafft! Fünf Minuten, obwohl ein Großteil des Sees zugefroren ist. Yeah! Blick aufs Thermometer: 4-5 Grad ist das Wasser „warm“. Erstaunlich.

Blick von der eisfreien Schwimmstelle zur Hütte

Ich ziehe mich an und sehe, wer sich auszieht: Die Sonne! Lässig wirft sie den Schleier ab und scheint mich seitlich an. Und wo scheint sie direkt hin? Natürlich an meinen Stammplatz an der Hütte. Also packe ich alles in den Rucksack, um mich im Schutz der Hütte, an der warmen Holzwand, ein bisschen aufzuwärmen. Auf dem Weg dorthin kribbelt es in mir, die Kalt-Warm-Wellen durchfluten mich. Ich setze mich auf „meinen“ Platz, schließe die Augen, genieße die Sonnenwärme, trinke einen Schluck heißen Tee.

Da war die Sonne schon fast wieder weg…

Mann, bin ich glücklich! So schön! Aller Ärger rund um Corona und nicht geräumte Radwege und überhaupt: Vergessen! Noch ein, zwei, drei Minuten genieße ich die Stille, Wärme und Sonne. Und dann ist es vorbei. Weil die Sonne beschlossen hat, dass es jetzt reicht und sie ihren Schleier wieder überwirft. Hast ja recht, ich muss auch zurück. Dass mir so ein schöner Moment geschenkt wird, hätte ich nicht zu träumen gewagt!


Grausame Kälte

Dass es beim Eis- oder Winterschwimmen kalt ist, ist ja kein Geheimnis. Und ich kenne das ja aus der Erfahrung über die Jahre. Gestern und heute war Hochnebel in und um München, typisches Winterhochdruckwetter. Und was gehört dazu? Ein feiner, kaum wahrnehmbarer Wind. Als ich gestern am See angekommen bin, waren meine Finger vom Radln so kalt, dass ich den Verschluss von meinem Fahrradhelm fast nicht aufbekommen habe! Das Schwimmen war dann natürlich kalt, trotzdem schön. Ich bin aber etwas kürzer geschwommen, weil die Finger ziemlich wehgetan haben. Beim Heimradln wurde das Ganze natürlich nicht besser. Die Fingerkuppen haben abends noch ein bisschen wehgetan. So, als ob man sich gestoßen hätte.

Leichte Wellen auf dem See

Heute war ich besser vorbereitet und das Hinradln war gut. Mir war’s sogar fast zu warm am Körper. He, was ist da los? Es ist doch etwa -1 bis -2 Grad kalt? Naja. Ich denke mir nicht viel dabei. Am See herrscht diese herrliche Nebelruhe, allerdings kräuseln sich auf dem Wasser ein paar Wellen. Westwind, aha. Und das bei Hochdruck (normalerweise ist da Ostwind, aber anscheinend geht’s auch so). Schwimmen war gut, sogar besser als gestern, ich bin ein kleines bisschen länger geschwommen als gestern, ich denke, so 4 Minuten. An Land habe ich im Schutz der DLRG-Hütte den feinen Wind aber leider sehr deutlich gespürt. Ich habe mich wie immer schnell umgezogen, das Thermometer mit seiner nassen Schnur habe ich auf die Brüstung gelegt. Und was sehe ich, als ich wieder warm eingepackt bin?

Innerhalb weniger Minuten ist der Tropfen zum Eiszapfen gefroren!

Ein Eiszapfen! An der Schnur hing ein Tropfen, der binnen weniger Minuten (ich weiß nicht, wie lange ich zum Anziehen brauche, aber ich denke, dass es keine 5 Minuten sind!) gefroren ist! Und die ganze Schnur ist steif. So kalt war das!

Und dann kommt eigentlich der schlimmste Teil des Ausflugs: Heimradln. Der Wind kommt irgendwie seitlich von vorn, er ist nur ganz fein – aber a..kalt! Mein Gesicht droht einzufrieren, ich zittere beim Radln, mir ist einfach nur kalt. Es ist: grausam! Und dank Lockdown hat auch kein Café oder so geöffnet, jetzt heißt es stark sein für die nächsten 40 Minuten. Da sehe ich auf dem Weg eine ausrangierte Bushaltestelle. Zwar kein warmer Innenraum, aber doch windgeschützt. Hier halte ich an, ich muss einfach. Stelle das Rad ab, gehe in den Schutz des Häuschens und mache Kniebeugen und bewege Finger und Arme, damit sie besser durchblutet werden. Denn das ist ja der Knackpunkt beim Radln, dass die Hände und Arme sich nicht bewegen und dem (Fahrt-)wind ausgesetzt sind. Es wird ein bisschen besser, deshalb starte ich wieder. Aber über die Felder kommt der feine Wind dennoch spürbar über mich. Mein Gesicht schmerzt, ich kann fast nicht mehr denken. Doch, ein Gedanke geht: Schwimmen war schön. Jedenfalls schöner als jetzt auf dem Radl!

Irgendwann komme ich daheim an, in der Stadt war es auch wärmer. Und ich beschließe, dass ich beim nächsten Mal (natürlich gibt’s ein nächstes Mal) meine Kältegesichtscreme verwende. Die habe ich in Lappland bei wirklich tiefen Minusgraden benutzt und die ist super. Und ich werde meine Lapplandlanglaufgesichtsschutzmütze aufsetzen. Wäre doch gelacht!

Hilft hoffentlich auch gegen bayerische Kälte!

Positiver Nebeneffekt: Daheim rieche ich testweise an der Kältecreme, ob alles gut ist. Der Geruch beamt mich nach Lappland, wo ich vergangenes Jahr im Januar wieder war und es wieder sehr schön war. So kann ich zumindest geruchlich dort sein…


Schwimmen im Nebelmeer

Nebel ist ja eigentlich etwas Unangenehmes. Es ist kalt, feucht, grau. Aber Nebel ist eigentlich auch etwas sehr Faszinierendes! Auch, wenn er kalt, feucht und grau ist. Er ist unberechenbar, schwer vorherzusagen, ob er kommt oder ob er sich auflöst. Manchmal hat es den Anschein, dass sich die Sonne durchsetzen kann – um dann doch aufgeben zu müssen.

Wer gewinnt? Sonne oder Nebel?

Diese Woche hat der Meister alle Register gezogen. Ok. Am Montag nicht, da herrschte die Sonne und es war total warm beim Schwimmen. Am Dienstag dann das komplette Gegenteil! So viel Nebel, dass man selbst an dem kleinen Regattabadesee das Gefühl von Endlosigkeit bekam – es war nichts zu sehen! Ein Infinity-Pool.

Es führt ein Steg ins Nirgendwo…

Bei dem Wetter hätte ich eigentlich gedacht, dass ich alleine am See bin (und bin deshalb am Vormittag gefahren). Prompt treffe ich einen Mitschwimmer, den ich sogar schon einmal gesehen hatte. Er radelt auch, schwimmt im Neo und krault einmal um den See. Auch jetzt. Hut ab! Da kann ich mit meinen fünf Minuten am Ufer nicht „mithalten“. Aber weit gefehlt! Der Mitschwimmer ist beeindruckt, dass ich das nur im Badeanzug schaffe. Ich merke auch, wie sehr mir so ein Schwimmratsch fehlt. Den ich normalerweise fast täglich im Schwimmbad habe, und jetzt gar nicht. Auch, wenn ich die Ruhe beim Winterschwimmen sehr genieße, schätze ich den Austausch mit Gleichgesinnten oder freundlichen Spaziergängern.

Am Mittwoch und Donnerstag war es in der Stadt schon etwas sonnig, aber über dem Regattabadesee hing dichter Nebel. Immerhin konnte man die Bäume am anderen Ufer sehen. Reingehen ist für mich inzwischen so normal wie im Freibad. Ja, es ist kalt. Aber das weiß ich ja. Ich schwimme hier immer sechs Mal am Ufer entlang, das sind so fünf bis sechs Minuten. Die ersten beiden „Bahnen“ sind zur Eingewöhnung, die mittleren kann man fast als Schwimmen bezeichnen, die letzten beiden muss ich mir hart abringen. Ich habe mir nämlich vorgenommen, sechs Mal hin- und herzuschwimmen. Ein Ziel hilft enorm! Wenn ich bei der letzten „Wende“ bin, heißt es Zähne zusammenbeißen, denn jetzt ist mir wirklich kalt. Aber der Steg kommt mit jedem Brustzug näher, ich konzentriere mich auf meine Atmung, meine Schwimmtechnik und auf das Ziel vor Augen. Geschafft! Kurzer Thermometercheck: Das Wasser hat 6 Grad. Gut!

An Land ist mir dann echt kalt, umziehen klappt so mehr oder weniger, die Finger sind einfach taub. Die Neoprenhandschuhe habe ich ausprobiert und festgestellt, dass sie mir keinen Vorteil bringen. Da das Wassergefühl mit Handschuhen nicht so schön ist, verzichte ich darauf. Also, anziehen! Auf Sonne besteht keine Hoffnung, oder doch? Ohmann. Bitte. Ein bisschen. Mir ist kalt! Für den Nebelzauber habe ich jetzt überhaupt keinen Nerv. Ich stecke die Füße in die Wolldecke, trinke heißen Tee und zittere. Ich muss ein bisschen „auszittern“, damit ich dann nicht vom Rad falle. Keine Ahnung, ob das möglich ist, aber man kann ja nie wissen. Und naja. Irgendwann muss ich los. Also alles einpacken und ab. Durch den Nebel. Aber da! Unterwegs ist eine runde Scheibe am Himmel erkennbar. Sonne!! Gib Gas! Du schaffst es! Streng dich an! Ich brauche dich! Sie hört mich, kämpft und – siegt! Yeah! So eine Wohltat! Ich komme an einer Plakatwand vorbei, halte kurz an und lass die Sonne auf mich scheinen, mit der Wand im Rücken. Herrlich, ich taue auf!

Ich bin sogar so weit aufgetaut, dass ich unterwegs einen kurzen Foto-Stopp einlege. In Feldmoching dampft die Erde. Es sieht total magisch aus, als würden die Erdgeister emporsteigen. Ich mache ein Foto, aber in echt ist es natürlich viel beeindruckender.

Wie kleine Erdgeister steigen die Nebelschwaden aus dem Boden

Der Freitag startet mit stahlblauem Himmel, schon vor Sonnenaufgang ist es klar, kein Nebel. Kurzer Check der Webcam: Im Norden von München ist noch Nebel, aber auch der lichtet sich. Der ideale Zeitpunkt zum Schwimmen. Ich packe meine Sachen und radle los. Ich sehe, dass es im Norden neblig ist. Aber ab wo? Schon in Feldmoching? Werde ich den Kirchturm sehen? Oder liegt der Nebel über der Autobahn? Ich komme an den Punkten vorbei: alles sonnig! Als ich auf der Zielgeraden bin, dampfen hier die Felder. Aus der schwarzen Erde steigen kleine Nebelgeister empor. Und es werden immer mehr. Kurz vor dem See sehe ich die Nebelbank. Es ist total faszinierend!

Da vorne kommt der See und da ist auch der Nebel…
… aus dem Boden steigt der Nebel auf und lässt eine mystische Stimmung entstehen.

Als ich vom nicht-nebligen Schatten in die Nebelwand fahre, sinkt die Temperatur rapide ab! Als wäre ich in einen Kühlschrank gefahren oder so. Und der ganze See liegt unter Nebelschwaden. Die sind aber in Bewegung, keine „Suppe“ wie an den vergangenen Tagen. Es ist ein unglaubliches Schauspiel der Natur. Und in einer halben Stunde vielleicht vorbei. Der ideale Zeitpunkt!

Ein kleiner Eindruck vom Nebel am See

Diese schöne Nebelschwadenstimmung kann ich mit dem Neoprenmitschwimmer teilen. Wir sind uns auf dem Weg schon kurz begegnet und haben uns zugerufen, dass wir uns gleich am See sehen werden. Wir sind beide sehr begeistert von dem Schauspiel, wie die Nebelschwaden und die Sonne umeinander tanzen.

Ich schwimme meine übliche Strecke, bin ziemlich glücklich, weil die Natur heute so viel zu bieten hat. Und weil ich weiß, dass ich an Land ein, zwei Sonnenstrahlen zum Aufwärmen abbekomme. Die sind dann auch bitter nötig, denn trotz aller Euphorie ist mir nach den fünf, sechs Minuten im Wasser natürlich kalt. Aber die Sonne tut gut, der Tee wärmt von innen und ich bin froh, dass ich es die ganze Woche geschafft habe, schwimmen zu gehen.


Und täglich grüßt das Murmeltier …

Ich bin ja ein totales Gewohnheitstier. Deshalb fällt es mir ja anfangs immer etwas schwer, wenn sich meine Routine ändert. Also, wenn wie aktuell, die Bäder geschlossen sind. Dann muss ich mir eine neue Routine suchen, sie erproben und dann für gut befinden. Dazu hatte ich seit 2. November reichlich Gelegenheit (Galgenhumor, sonst wäre es noch schwerer zu ertragen). Anfangs hat das „schöne Wetter“ noch für etwas Verwirrung gesorgt, denn dann musste ich entscheiden, ob ich Rennrad fahre oder schwimmen gehe, also im See. Doch das ist inzwischen auch „erledigt“, das Rennrad ist im Winterschlaf und ich im Winterschwimmmodus. Wenn es nicht gerade schneit/schneeregnet/regnet, radle ich zum See.

1000 Mal fotografiert…

So viele Tage am Stück mache ich das in „normalen“ Zeiten ja nicht. Da bin ich in einem anderen Rhythmus und der heißt: Olympiaschwimmhalle oder Dantewinterwarmfreibad. Abwechslung kommt hier im Training auf – mal mehr Rücken und Brust, mal nur Kraul, mal mit und mal ohne Trainingstools. Aber ich schweife ab.

Zurück zum See. Da bin ich inzwischen Stammgast und meistens ist außer mir keiner da. Das finde ich gut, denn dann kann ich mein Ding in Ruhe durchziehen und mich danach in Ruhe umziehen. Das ist trotz viel Übung und Routine immer eine Herausforderung. Longsleeves sind schwieriger anzuziehen als kurzärmelige T-Shirts. Socken mit kurzem Schaft sind ebenso besser geeignet als welche mit längerem Schaft und dass Schuhbänder blöd sind, das weiß ich schon seit fünf Jahren.

Kürzlich hat mir eine Freundin ihre Neoprenhandschuhe geliehen. Sie ist Schwimmerin, aber nicht im kalten See, deshalb kann ich ihre Handschuhe gern ausprobieren.

Die schwarze Hand im See…

Das habe ich jetzt zweimal gemacht. Und hm. Ich weiß nicht. Es fühlt sich komisch an, mit Handschuhen zu schwimmen. Die Finger sind auch nur etwa 30 Sekunden länger warm als ohne. An das Schwimmgefühl konnte ich mich schon etwas herantasten, doch was ich ziemlich grausig fand: Als ich mit dem Schwimmen nach 4 bis 5 Minuten fertig war und aus dem Wasser (6 Grad) gehe, werden meine Finger in den nassen Handschuhen EISIG kalt. Boah! Das war hart. Also musste ich so schnell wie möglich aus den Dingern raus. Beim ersten Mal ging das recht gut, heute war’s schwierig. Ich hatte zu wenig Fingerspitzengefühl, um den Rand des Handschuhs zu greifen. Kurze Panik! Aber dann konnte ich die Dinger zum Glück abstreifen, das Handtuch um mich legen und mit dem Umziehen anfangen. Ich hab übrigens noch nie darauf geachtet, ob ich eine Gänsehaut habe. Warum mir das jetzt einfällt? Ich lerne ja zum Spaß Estnisch und da hatten wir im Kurs kürzlich das estnische Wort dafür: kananahk – wörtlich übersetzt: Hähnchenleder (im Estnischen gibt’s nur einWort für Haut und Leder).

Das Schwimmen selbst ist übrigens sehr schön. Egal, ob mit oder ohne Handschuhe. Ich bin konzentriert und versuche, nicht an die Kälte zu denken. Ich habe einen Plan: Mindestens sechs Mal hin und zurück am Ufer. Ich habe das mal „gestoppt“: eine Runde sind 1’10 Minuten. Bei sechs Mal hin und her also dreieinhalb Minuten. Nicht die Welt, aber hey: Besser als nix!

Zum Radln kann ich übrigens als Unterwäsche bzw. T-Shirt Kleidung aus Merinowolle empfehlen. Zum einen wird das nicht nassgeschwitzt, zum anderen ist es wärmer als Baumwolle. Ich empfinde den Unterschied als sehr deutlich. Heute war es sogar so, dass mir auf dem Hinweg fast zu warm war. Ich hatte den Eindruck, dass sich das Shirt durch meine Körperwärme aufgeheizt hat und diese Wärme an mich abgibt. Denselben Effekt konnte ich bei meiner Trachtenjacke aus Schafwolle feststellen. Oder wenn man auf einem Schaffell sitzt. Das wird so warm, dass man es fast nicht aushalten kann. Klar – die Wolle hatte am Schaf ja eine Aufgabe (anders als Baumwolle, die ja eine Pflanze ist). Weitere Tipps rund ums Eisschwimmen gibt’s hier.

Ich bin jetzt jedenfalls so in meiner Routine mit dem See-Schwimmen angekommen, dass es für mich momentan nicht soooo tragisch ist, dass das Hallenbad geschlossen ist. Zumindest versuche ich so, meine Laune in diesen zehrenden Zeiten hochzuhalten.

Ich habe mir ein Covidchen gegönnt…

Jeder Tag ist anders …

Gestern war ich noch total genervt und traurig, wollte eigentlich schwimmen, wurde aber von Eis und Schnee auf dem Hinweg (ich muss radln) ausgebremst und hatte dann keine Lust mehr. Da dachte ich schon, dass es da war mit dem Winterschwimmen.

Und heute? Ist alles anders! Die Sonne scheint, der Weg zu meinem anderen See ist schnee- und eisfrei und ich bin guter Dinge. Packe alles in meinen Rucksack und los geht’s. Es hat ca. 2 Grad plus, mir wird es beim Radln fast schon zu warm.

Jetzt sieht es immerhin nach Winter aus

Am See angekommen, bietet sich ein schönes Bild: Schnee auf der Wiese, am Uferrand aber keiner (so dass ich meine Sachen ausbreiten kann) und der See ist spiegelglatt. Perfekt. Also Lager aufschlagen, umziehen und ich freu mich, dass es mit der Sonne „richtig warm“ ist. Kein Witz. Es war fast warm. Badekappe auf, Thermometer geschnappt und ab ins Wasser. Ja, es ist kühl. Klar, das wusste ich. Bis zum Bauch reingehen, kein Problem. Tief durchatmen, Konzentration. Los geht’s. Hui, frisch. Aber: schön! Ich nehme mir vor, viermal auf- und abzuschwimmen. Es ist zwar kalt, aber gut auszuhalten. Und dann schaffe ich sogar zwei mehr. Jetzt treibt mich die Vernunft zurück an Land. Handtuch um den Körper, abtupfen, Badeanzug runter, Merionolongsleeve an, dann ist der untere Teil des Körpers dran und kurz danach bin ich wieder vollständig eingepackt. Setze mich hin, genieße meinen Tee und schaue aufs Wasser.

Still und zum Glück nicht starr ruht der See…

Meine Wellen sind schon wieder Vergangenheit, die Oberfläche ist spiegelglatt. Und dann durchströmt mich dieses Kribbeln: diese heißen und kalten Wellen, die durch den ganzen Körper schwappen. Ist das schön! Und meine Hände und Füße sind zwar kalt, aber nicht komplett steif. Es macht schon einen deutlichen Unterschied, ob es + oder – 2 Grad Lufttemperatur sind. Und die Sonne, die macht natürlich auch einen Unterschied. Das Wasser war heute sogar etwas kälter: 7 Grad.

Wo die Sonne hinscheint, ist es für den Schnee zu warm…

Alles in allem war es wunderschön und ich bin jetzt wieder besser gelaunt. Obwohl die Hallenbäder (und vieles andere) noch bis einschließlich 10. Januar geschlossen bleiben. Galgenhumor: Immerhin bleiben uns so hoffentlich die „Gute-Vorsätze-Schwimmer“ und „in den Weihnachtsferien-endlich-mal-ins-Hallenbad-Schwimmer“ erspart … 😉


Kaltmamsell

Eisschwimmen kann man es nicht nennen, denn dazu ist es zu warm. Aber „normales“ Schwimmen auch nicht – dazu ist es zu kalt. Das Freibad in Fürstenfeldbruck ist ja noch bis Kirchweih geöffnet (Probleme mit dem Hallenbad). Vergangenen Sonntag war es so schön, dort zu schwimmen. Obwohl das Wasser nur 19.8 Grad hatte. Oder: Weil das Wasser nur knapp 20 Grad hatte. Denn das hält viele vom Freibad-Besuch ab, es waren außer mir nur zwei andere Schwimmer da. Und schon klar: Wenn man richtig trainieren will, ist es zu kalt. Die Muskeln werden hart, eine Pause zwischendrin ist (zumindest für mich) undenkbar. Aber ich bin ja keine Leistungsschwimmerin und kaltes Wasser macht mir nicht so viel aus. Deshalb MUSSTE ich am Freitag nochmal nach Fürstenfeldbruck.

Die ganze Woche war das Wetter mies: grau, regnerisch – Hallenbadwetter. Am Freitag aber war es schön und warm. Fast 19 Grad, dazu Sonne und Schleierwolken. Ein Anruf in der AmperOase: Das Wasser hat 19.5 Grad. Juhu! Ich hätte mit weniger gerechnet, nach den kalten Nächten. Also, ab aufs Radl und los. Auch kaum Gegenwind und wie gesagt: schön warm. Und weil ich die Strecke inzwischen kenne, habe ich sie gedanklich in Abschnitte eingeteilt – dadurch wird sie kürzer. Und schwupps, schon bin ich da! Und sonst keiner. Hehe!

Eine wahre Oase

Nachdem ich den Bademeister gebeten habe, ein Bild von mir und der Temperaturtafel zu machen, kommt tatsächlich noch ein Mann, der auch schwimmen will. Und eine Frau war im Wasser! Ich sag zu ihm: „Jetzt wird’s gleich voll!“ und wir beide müssen lachen.

Das war vorm Schwimmen, aber danach habe ich mindestens genauso gegrinst!

Wie auch beim letzten Mal bin ich mental auf das kalte Freibadwasser vorbereitet. Ich gleite rein, ja, es ist kalt. Obwohl die Sonne scheint. Aber es ist nur 0.3 Grad kälter als letzte Woche und da waren Wolken – also: Das wird schon. Nach 100 Metern hat sich mein Körper an die Temperatur gewöhnt und es geht los. Es fühlt sich gut an. Das Wasser trägt mich, die Sonne scheint, alles ist so schön türkis und hell. Wunderbar! Und ja, ich spüre auch, dass das Wasser kalt ist. Doch ich blende es wie beim letzten Mal aus. Und wie die Woche davor ist es dann viel zu schnell vorbei! Ob ich noch 500 Meter mehr mache? Nein, vernünftig sein! Du musst noch über eine Stunde heimradeln. Und jetzt fühlt es sich gut an. Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist – ok. Ich bin total high, weil es so toll war! Und beim Heimradeln auch noch leichten Rückenwind – was will man mehr? Ich bin noch den ganzen Abend total geflasht, weil es so toll war!

Luft und Wasser waren fast gleich warm.

Gestern hat es dann fast die ganze Zeit geregnet, es ist auch ziemlich kühl geworden. Nur noch 10 statt 19 Grad. Da habe ich dann von meinem Ausflug gezehrt. „Gut, dass ich das gestern noch genutzt habe!“

Heute, Sonntag, ist das Wetter besser. Kaum Wind, kein Regen, manchmal spitzt die Sonne raus. Kühl ist es aber noch immer: morgens grad mal 5 Grad, mittags immerhin 9 Grad. Ich habe Respekt vor der weiten Fahrt (fast 30 km) nach Fürstenfeldbruck – und noch mehr vor der Rückfahrt. Deshalb beschließe ich, dass ich die Eisschwimmsaison im See einläute. In der Corona-Schwimmpause, als ich viel geradelt bin, habe ich den Regattabadesee entdeckt und festgestellt, dass es dorthin genauso weit ist wie zum Langwieder See, in dem ich sonst schwimme. Im Mai dachte ich mir, dass ich das im Herbst/Winter mal teste. Weil es am Regattabadesee auch einen Steg und eine Hütte von der DLRG gibt, auf deren Terrasse ich mich windgeschützt (falls nötig) umziehen kann.

Die Wolken hängen tief, der Boden ist nass, es ist kalt beim Radeln. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich es am See überhaupt schaffe, mich auszuziehen, weil es so unangenehm feuchtkalt ist beim Radeln. Als ich aber am Regattabadesee ankomme, macht sich die Sonne als weiße Scheibe hinter den grauen Wolken bemerkbar. Ich schaue auf die glatte Wasseroberfläche und denke: Ausprobieren will ich es auf jeden Fall. Und dann mal sehen.

Ganz vorsichtig will die Sonne rauskommen…

Auf der Wiese neben der Hütte sind eine Reihe Angler, aber die stören mich nicht weiter. Der Steg wirkt wie eine Begrenzung zu deren „Gebiet“. Ich ziehe mich aus, den Badeanzug habe ich schon drunter. Meine Sachen liegen bei der Hütte, nur Handtuch, Thermometer und Badeschuhe nehme ich mit zum Steg. Ich gehe ins Wasser, es ist nicht kalt. Bis zu den Oberschenkeln ist es kein Problem, dann warte ich kurz ab, um mich zu akklimatisieren. Ich atme tief durch, mache mich bereit – und tauche unter. Ja, schon frisch. Aber es geht. Und so schwimme ich los. Immer am Ufer entlang, weg von den Anglern. Das Wasser ist total klar, ich sehe den Grund unter mir ganz deutlich. Es ist auch überhaupt nicht tief, vielleicht hüfttief.

Nach ein paar Zügen hat sich mein Körper an das Wasser gewöhnt, ich schwimme Oma-Brust und es ist richtig schön! Und jetzt wird mir auch warm. Die „Heizung“ läuft und wärmt den Rücken. Im See ist es immer schwierig, so eine Strecke abzuschätzen. Wie weit will ich schwimmen? Wie weit ist realistisch? Was wäre ein guter Anhaltspunkt? Ich finde es immer schön, ein Ziel zu haben. Das geht im See nicht so leicht wie im Freibad. Ich suche mir für den Moment einen kleinen Busch aus, bis dort hin und dann zurück. Wie weit das ist? Keine Ahnung. Ich drehe um, schwimme Richtung Steg. Und weil es so schön ist im Wasser und es sich gut anfühlt, schwimme ich nochmal dieselbe Strecke. Es ist toll! Und nicht kalt. Ich schau mal kurz auf das Thermometer: Es zeigt 15 Grad an. Also kälter als im Freibad in Fürstenfeldbruck, aber doch ganz schön warm.

Als ich fertig bin, kommt die Sonne zwar ein bisschen besser durch die Wolkenschicht, aber es kommt auch Wind auf. Deshalb bin ich froh, dass ich mich geschützt an der Holzwand der Wachstation umziehen kann. Eigentlich wollte ich dann ein Foto vom Thermometer machen, aber das steht nach kürzester Zeit nicht mehr bei 15 Grad, sondern bei 10! Die Luft ist so kalt, dass das Thermometer sofort reagiert. Krass – und das Wasser ist wärmer als die Luft. Schön!

Lichtreflexe auf dem sich leicht kräuselndem Wasser im Regattabadesee

Ich bin angezogen und setze mich noch kurz auf die Stufen, versuche, die wenige Sonnenenergie aufzunehmen. Doch sie ist zu schwach. Der Tee wärmt mich, meine Füße in den Schuhen sind aber kalt. Zittern muss ich nicht, ich spüre nur, dass ich Sehnsucht nach Sonnenwärme hätte.

Da kommen auf einmal drei Jungs, etwa 9 Jahre alt, um die Ecke. Stellen ihre Roller ab und sind schon am Ufer. Ich denke: Gottseidank bin ich schon fertig. Denn es ist ein Riesen-Hallo! Die kleinen Hände ins Wasser gesteckt: „Papa, das ist gar nicht kalt!“ – „Ich mag schwimmen!“ – „Ohja, dürfen wir in Unterhosen schwimmen?“ – Der Vater ermahnt die Burschen, dass sie nicht so rumschreien sollen. Immer noch ganz aus dem Häuschen, jetzt nicht mehr ganz so laut, wollen die Burschen trotzdem schwimmen. „Bitte, bitte, bitte!“. Der Vater ist davon nicht überzeugt und sagt, dass jetzt Schluss sei mit dem „Schmarrn“, wir gehen nicht schwimmen und damit basta – und Handtücher haben wir auch nicht dabei.

Ich muss innerlich lachen. Denn wenn ich etwas später und die Familie etwas früher gekommen wäre, hätten mich die Jungs schwimmen sehen – und der Vater natürlich auch. Und dann wäre es dünn geworden mit den Argumenten. Die Burschen hatten ja recht: Das Wasser war nicht kalt. Punkt für den Vater: keine Handtücher. Das ist bei so kühlen Außentemperaturen blöd. Leider war mein Handtuch komplett nass, ich habe den Badeanzug darin eingewickelt. Wie gern hätte ich den Jungs den Spaß erlaubt! Und wie froh war ich – bin ich – dass ich erwachsen bin und machen kann, was ich für richtig halte. Egal, was andere darüber denken.

Beim Heimradln habe ich darüber nachgedacht, ob ich es meinen Kindern (hätte ich welche) erlaubt hätte. Wahrscheinlich ja. Denn ich hätte sie wohl zu meinem Schwimmausflug mitgenommen und dann würden sie sehen, dass es nicht schlimm ist. Eher normal. Und dass man sich danach sofort abtrocknen und umziehen muss. Damit man gesund bleibt – und nächstes Mal wieder schwimmen kann.


Auf ein Neues – nach Fürstenfeldbruck

Also, dass meine Schwimmpläne gestern so verweht wurden, hat mir heute keine Ruhe gelassen. Die Wettervorhersage war besser, kein Regen in Sicht, der Wind weniger. Also wollte ich es nochmal wissen und bin aufs Radl gestiegen, um nach Fürstenfeldbruck zu fahren. Die Sonne kam auch raus, kann es schöner sein?

Äh, ja. Es kann. Denn der „windstille“ Tag war leider nicht windstill, sondern ziemlich zugig. Und zwar aus Westen, also Gegenwind. Zwar keine Böen, aber kontinuierlich. Das zehrt an den Nerven. Wind ist ein fieser Gegner beim Radln, man weiß nie, wann er aufhört – anders als ein Berg. Aber weil die Sonne scheint und ich auch sonst keine Pläne für heute hatte, hab ich mich durchgebissen. Und mir vorgestellt, dass ich im Urlaub bin – da hatte ich auch oft mal Gegenwind und musste tatsächlich weiterradeln, weil ich zu meiner Unterkunft musste.

Irgendwann war ich dann in Fürstenfeldbruck und im Freibad. Und die Sonne scheint von einem blauen Himmel, die Wolkenwand da hinten – „ach, die wird schon nicht jetzt kommen“. Ein Blick ins Bad – alles leer! Juhu. Und wie schön blau das leuchtet dank der Fliesen.

Blau, blau, blau – meine Lieblingsfarbe!

Heute stand auf der Tafel auch die Wassertemperatur: 19.8 Grad. Hui! Und gut, dass ich meine Schwimmfreundin nicht überredet habe mitzukommen. Da hätte ich mir wohl was anhören dürfen … Ich hatte aber eh damit gerechnet, dass es maximal 21 Grad sein werden. Deshalb bin ich innerlich vorbereitet (wie beim Eisschwimmen), friemle die Ohrenstöpsel in die Ohren, setze Kappe und Brille auf und tauche ein. Oh, das ist kalt. Und der Wind macht es nicht besser. Lieber schnell untertauchen und starten.

Fast 20 Grad!

Wie immer ist es am Anfang sehr kalt. Bis sich der Körper an die Temperatur gewöhnt. Aber es ist schön. Acht Bahnen, insgesamt drei Schwimmer. Da bin ich ganz entspannt. Wer soll jetzt schon kommen und mich stören? Und es ist so schön türkis und hell unter Wasser (nach gestern in der Dunkelkammer aka Olympiaschwimmhalle). Ich bin ganz happy und komme gleich in meinen Flow. Das Wasser trägt mich, ich bin schnell (also, gefühlt) und ich schwimmeschwimmeschwimme! Mei, so schön. Kalt? Nö. Das blende ich aus. Darauf habe ich heute keine Lust. Ich will schwimmen. Ich will alleine schwimmen. Ich schwimme. Ich schwimme alleine. Was, schon wieder 50 Meter rum? Krass. Weitersoimmerweiter!

Aber hei, was ist da los? Jetzt schieben sich diese blöden Wolken ausgerechnet vor die Sonne. Da hinten, da ist der ganze Himmel hellblau – aber da ist die Sonne nicht. He, ihr Wolken! Geht da hinter. Da ist ganz viel Platz. He, Sonne! Kämpf ein bisschen! Ja, so ist’s gut, komm raus! Ich spüre jede kleinste Veränderung, jeden Minimalsonnenstrahl kann ich wahrnehmen. Das ist es, was das Schwimmen im Freibad so schön macht.

Daaaaa hinten ist der Himmel blau. Aber da ist die Sonne leider nicht.

Und dann ist schon die Hälfte rum. Ich habe mir 2.000 Meter, also 40 Bahnen, vorgenommen. Nach 1.000 Metern spüre ich natürlich schon, dass es kalt ist. Aber mich packt dann auch der Ehrgeiz. Ich habe mir 40 Bahnen vorgenommen, da schwimme ich auch 40 Bahnen. Weil: So kalt ist es nicht. Außerdem habe ich heute wieder einen heißen Tee dabei, das ist schon ein beruhigender Gedanke. Und weiter geht’s. Noch 16 Bahnen. Das ist nicht viel. Noch 10. Ja, die paar schaffe ich auch noch. Was, nur noch 4 Bahnen? Noch zweimal in den schattigen, kühlen Bereich am Ende des Beckens? Was? Letzte Bahn? Nur noch 50 Meter? Echt? Schon vorbei? Ich bin doch gerade erst gekomm… naja. Ok. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass ich nicht gerade erst gekommen bin. Und ja, mir ist jetzt auch ein bisschen kalt, meine Füße sind etwas taub, als ich mich hinstelle.

Es war wunderschön. So im Tunnel, in Trance, nur ich und das Wasser und das Wasser und ich und überhaupt: Sowas von schön! Das war’s total wert, so weit geradelt zu sein. Gegen den Wind gekämpft zu haben. Nur noch zwei Wochen! Dann ist auch in Fürstenfeldbruck Schluss. Das Wasser wird jedenfalls nicht mehr wärmer, „eher kälter“ meint der Bademeister, als ich die Temperaturtafel fotografiere.


Ein Leben ohne Schwimmen ist möglich, aber sinnlos

Jetzt dauert diese Corona-Sache schon über 2 Monate. Eigentlich länger, aber die Bäder sind seit über zwei Monaten geschlossen. Und wie das bei einem Junkie so ist, fällt der Entzug dank „Ersatzdrogen“ erst später auf. Also jetzt.

Radln als Ersatzdroge

Ich habe gestern einen Fernsehbericht über die Freibäder in NRW gesehen, die wieder geöffnet sind. Glückliche Menschen, die im Becken ihre Bahnen ziehen. Da war ich neidisch (bin ich normalerweise nicht) und traurig. Denn bei uns in Bayern gibt’s in Sachen Freibad noch nicht mal eine Perspektive!

Ich gehe doch am liebsten schwimmen, wenn keiner da ist.

Als der Mann im Interview am Beckenrand dann auch noch geschwärmt hat, wie schön es ist, wieder im Wasser zu sein, Bahnen zu ziehen und den Flow zu spüren, war ich ehrlich den Tränen nahe. Denn da wurde mir schmerzlich bewusst, wie SEHR ich das Schwimmen vermisse! Das Eintauchen ins Wasser, die ersten Züge. Dann meine Kraft und gleichzeitig die Schwerelosigkeit. Und dann der Flow! Wenn ich funktioniere wie ein Uhrwerk. Ein Zug nach dem anderen. Immer weiter. Schwebend und kraftvoll. Das gibt’s nur im Schwimmbecken! Ich will auch wieder!

Ja, geh doch ins Freiwasser, werden jetzt einige sagen. Aber: Für mich ist das einfach nicht dasselbe! Der See ist schön, aber im Hochsommer „Notlösung“, jetzt zu kalt für richtiges Schwimmen und zu warm für Eisschwimmkicks. Und einen Neo habe ich nicht und will ich auch nicht.

Auch schön, aber kein Ersatz: Regattabadesee

Deshalb bin ich seit der Schließung hauptsächlich mit dem Rennrad unterwegs. Das ist schön. Keine Frage! Ich merke, wie ich besser werde. Wie ich mich besser auskenne und Neues entdecke. Holzofenbrot in Kollbach…

Oder auf einer neuen Route dieses kleine Verkaufshäusl. Sehr nett gemacht und ich habe auch mal Eier da gekauft.

Oder der Natur zuzuschauen, wie sie aufblüht und dann auch wieder verblüht. Der Raps ist inzwischen nicht mehr so gelb wie vor ein paar Wochen noch. Oder der eine Baum, der so toll ganz in weiß geblüht hat: jetzt ein normaler Baum (und ich habe es verpasst, ein Foto zu machen!).

Der Raps blüht inzwischen fast nicht mehr…

Ich war zwischendurch auch im Wasser. Im Regattabadesee, zum Beispiel kurz vor dem Regen. Das war schön. Aber kein Ersatz!

Tolle Stimmung kurz vor dem Regen

Also auch keine Option…

Oder in der Regattastrecke. Da kann man unterhalb der Tribüne schwimmen. Das war auch schön. Das Wasser ist so klar, dass man den Grund sieht. Geknickte Optik, wenn man nur mit Kopf über Wasser schwimmt. Aber dann kamen unglaublich viele Wasserpflanzen, das ist nicht meins. Dann bin ich umgedreht. Und als ich mich umgezogen habe, hatte ich lauter Dreck unter dem Badeanzug… also auch keine Option für mich…

An der Regattastrecke
Klares Wasser und viele Pflanzen

Heute beim Radln war es auch schön, aber ich bin trotzdem traurig. Denn es war ideales Freibad-Wetter: warm und zum Teil dicke, fette Wolken, die aber harmlos sind. Doch sie halten die Mehrheit der Menschen vom Freibad-Besuch ab und so habe ich da oft meine Ruhe (Stichwort: Abstand!). Und wenn man dann nach dem Schwimmen etwas ausgekühlt ist und am Beckenrand auf den warmen Steinen sitzt, freut man sich über jeden Sonnenstrahl, der einen wieder aufwärmt. Und hofft, dass die dicke Wolke schnell weiterzieht.

Ich hoffe jetzt, dass die dicke Wolke namens „Corona-Vorsichtsmaßnahme“ auch weiterzieht und sich die Politik und Badbetreiber für eine Öffnung der Freibäder durchringen kann. Natürlich unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln. Das haben wir ja alle verstanden! Nur, warum das Freibad im Sommer geschlossen ist, während Fußball gespielt wird, der Biergarten und die Geschäfte offen haben, das verstehe ich nicht!


Wasser marsch!

Jetzt ist es soweit: Kein Wasser. Zumindest nicht im Freibad und nicht in absehbarer Zeit. Ich hatte es ja fast befürchtet. Manno! Jetzt, wo das Wetter so schön ist. Jetzt, wo die Sehnsucht echt groß ist! Fünf Wochen an Land! Das muss man sich mal vorstellen! Fünf mal sechs Tage ohne Wasser. 30 Tage! Hallo?? Das hatte ich nicht mal nach meinem Unfall. Und da war immerhin Besserung in Sicht. Und jetzt? Vor lauter Panik und Angst bleiben Sportstätten geschlossen. Sogar Stege an den Seen sind gesperrt. Hoch ansteckend, so ein paar Holzplatten auf dem Wasser. Unfassbar.

Hochansteckend, so ein Steg!

Ja, schon klar – die Ansteckung geht von den Menschen aus, die hier in Horden rumsitzen. Aber haben wir in den letzten fünf Wochen nicht alle gelernt, dass es wichtig ist, Abstand zu halten? Ich hoffe doch, dass die meisten Mitmenschen das inzwischen wissen und sich nicht eng an eng aneinander quetschen (was ich persönlich ja schon immer besser fand, aber als „seltsam“ galt).

Alles meins, keiner da!

Das Radln macht nach wie vor Spaß, meine Ortskenntnis im nördlichen Outback von München erhöht sich. Zum Glück spielt das Wetter noch mit. Denn Radln ist sehr wetterabhängig, ganz anders als Schwimmen. Allerdings stelle ich auch Parallelen fest: Inline-Skater sind die Brustschwimmer des Radlfahrers: schwer einzuschätzen, gehören irgendwie nicht dazu und sind immer im Weg. Vorteil vom Radlfahren: Man hat eine Klingel, um auf sich aufmerksam zu machen. Doch der Schein trügt, nicht immer wird man gehört. Immerhin sind die „Hindernisse“ überholt und tauchen nicht nach 50 Metern wieder auf … Galgenhumor!

Bayern wie im Klischee: der Starnberger See, im Hintergrund die Alpen im Dunst

Heute habe ich es nicht mehr ausgehalten ohne Schwimmen. Deshalb bin ich vormittags zum Starnberger See gefahren. Vorteil von Corona: Weniger Autoverkehr, immerhin. Und am See zum Glück nur ein anderer Mensch. Ich halte ja, siehe oben, eh gern Abstand. Also kein Problem. Der Steg ist zwar gesperrt, ins Wasser kommt man trotzdem.

Bestes Wasser!

Das ist angenehm klar und kühl, aber nicht zu kalt. Ich gehe rein, es ist echt schön! Weil ich vom Radln etwas aufgehitzt bin, warte ich ein bisschen, dann tauche ich unter. Schööööön! Ich schwimme Oma-Brust, einmal um den Steg herum. Das Wasser ist kühl, ich merke, wie mein Atem schneller geht. Aber es ist gut auszuhalten, außerdem könnte ich hier überall stehen, das Wasser ist flach. Und so schwimme ich die paar Meterchen um den Steg. Beim Rausgehen ist mir ganz wohlig, und als ich das Handtuch um mich wickle, kribbelt es. Es ist nicht so heftig wie im Winter, dafür ist das Wasser schon zu warm und auch die Luft ist fast schon sommerlich. Aber es ist schön! Ich genieße den Blick aufs Wasser und die Alpen, die im Dunst zu erkennen sind.

Schön war’s! (Und irgendwann schaffe ich es auch, ein gutes Selfie zu knipsen!)

Dann ist es schon wieder Zeit zum Aufbruch. Beim Radln ist mir nicht kalt, aber ich fühle mich erfrischt. Gestärkt. Es ist zwar nicht mit dem Bahnenschwimmen im Schwimmbad zu vergleichen, aber sehr schön.

Auf die Freibad-Saison möchte ich dennoch nicht verzichten. Es wäre wirklich unglaublich, wenn wir heuer überhaupt nicht ins Freibad könnten!

Diesen Spruch von Benjamin Franklin sollten wir uns alle zu Herzen nehmen. Es gibt keine Vollkaskoversicherung fürs Leben …


Fisch mit Fahrrad

Drei Wochen ohne Wasser. Drei Wochen ohne Schwimmen. Drei Wochen ohne Chlor. Drei Wochen duschen zuhause. Klingt dramatisch – ist es aber gar nicht! Ich muss zugeben, ich bin selbst erstaunt. Zum einen, weil die Dusche daheim funktioniert (ok… daran habe ich auch nicht gezweifelt), zum anderen, weil es mir eigentlich ganz gut geht damit.

Natürlich vermisse ich das Schwimmen, meine Routine, den Flow und das Treffen von Freunden und Bekannten. Aber ich habe mich erstaunlich schnell an die neue Situation gewöhnt. Das frühlingshafte Wetter hat daran sicher einen großen Anteil. Und zum Glück dürfen wir in Bayern ja (anders als in Italien zum Beispiel) raus an die frische Luft und Sport machen. Und das bietet sich ja an, wenn die Sonne scheint und kaum Wind weht. Schon in der ersten Woche habe ich das Rennrad aus dem Keller geholt und die ein oder andere Runde gedreht. Da hat es sich aber noch nach „Trotz“ angefühlt, ich wollte es mir schön reden, dass ich mal nicht in die Halle „muss“, sondern tatsächlich das Frühlingswetter nutze. Zwischendrin war’s dann wieder ziemlich kalt, mit Nachtfrost und eisigem Ostwind tagsüber. Aber jetzt ist der Frühling da und ich muss sagen, dass ich ganz zwang- und trotzlos das Rennradfahren genieße.

Ich lasse mir den Fahrtwind um die Nase wehen, ich freue mich über die wärmenden Sonnenstrahlen, ich rieche die Frühlingsluft (und kaum Abgase, weil tatsächlich weniger Verkehr ist) und freue mich an der bunten Blütenpracht. Ich rolle dahin und fühle mich fast ein bisschen wie im Urlaub. Denn die alte „Zeitrechnung“ ist größtenteils aufgehoben: Es gibt keinen heftigen Feierabendverkehr, den ich meiden will. Und wie auch im Urlaub dauert es zwei, drei Tage, bis ich mich an den anderen Tagesablauf gewöhne und es genießen kann. Einziger Unterschied: Im Urlaub will ich aus meinem Trott gerissen werden, jetzt wurde ich sozusagen staatlich verordnet aus dem Trott gerissen. Es tut mir gut. Ich kann es genießen – eine neue Form von Freiheit. Ironischerweise. Denn gerade das ist ja eingeschränkt: unsere Freiheit.

img_1597

Im Hallenbad hätte ich das nicht gesehen!

Aber wenn ich ehrlich bin, war es manchmal schon zwanghaft, das mit dem Schwimmen. Und einfach Routine, wie zur Arbeit gehen. Das macht man ja auch, ohne es zu hinterfragen. Vielleicht habe ich das auch mal gebraucht, um zu sehen, dass ich nichts verpasse, wenn ich mal nicht schwimmen gehe. Dass auch andere Sachen Spaß machen, dass Schwimmen nicht per se das „bessere Angebot“ ist.

Ok, jetzt ist es natürlich auch „unnatürlich“, denn ich kann ja gar nicht schwimmen gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es SICHER ganz leer ist, wenn ich grad mal nicht im Bad bin. (Ich weiß, dass es ganz leer ist.. hihi). Es ist schwer in Worte zu fassen. Aber ich bin froh, dass ich für mich einen Weg gefunden habe, mit der neuen und seltsamen Situation umzugehen. Sorgen mache ich mir natürlich schon, vor allem darum, wie es „nach Corona“ weitergeht. Wird es viele Arbeitslose geben? Werden liebe Menschen schwer krank werden? Was ist mit unserer Demokratie? Freiheit? Sicherheit? Reisen? Wann wird es wieder „normal“ werden? Und natürlich auch: Werden die Bäder wieder öffnen? Denn ganz ehrlich: Die Freibadsaison steht vor der Tür, ein Sommer ganz ohne Schwimmen, das ist schwer vorstellbar!

Aber wie heißt es so schön: Von allen Sorgen, die ich mir machte, sind die meisten nicht eingetroffen.“ Das ist von Sven Hedin, einem schwedischen Entdeckungsreisenden. Stand mal auf meinem Kalender. Und das ist doch ein gutes Motto – gerade jetzt.