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Saunen in Helsinki

In Helsinki gibt’s ja viele schöne Saunen, nicht nur Allas Seapool. Darüber habe ich ja schon einige Male geschrieben, weil man da ja auch schön schwimmen kann.

In den anderen Saunen kann man nicht schwimmen. Es gibt nicht mal ein Eisbecken! Denn die Saunen in Helsinki sind ganz anders als hier bei uns in Deutschland. Es gibt alte Saunen aus den 1920er-Jahren, die sehr urig sind – und eine Art Zeitreise. Ich finde, da kann man die typisch finnische Saunakultur am besten kennenlernen. In Finnland gibt’s keine Sanduhr für die optimale Dauer des Saunagangs. Es gibt keinen Bademeister, der einmal stündlich vorbeikommt, um einen Aufguss zu machen. Den Aufguss machen die Saunagäste selbst! Und zwar so oft, wie man will. Hui, da hab ich in Allas einmal ganz schön eingeheizt … Danach bin ich erstmal in den Eispool gegangen.

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Das Chlorhuhn im Meerwasserpool mit Eis.

Mir gefällt die Sauna in Finnland jedenfalls viel besser als hier. Und weil ich in Helsinki schon einige Saunen getestet habe, habe ich hier eine kleine Zusammenstellung für euch gemacht.

Sauna und Finnland – das gehört natürlich zusammen. Ich habe sogar mal gehört, dass man ohne Saunabesuch gar nicht wirklich in Finnland war. Aber zum Glück gibt’s in Helsinki viele öffentliche Saunen, in denen man diese typisch finnische Kultur kennenlernen kann. Keine Angst, wenn Du noch nie in der Sauna warst. In Finnland gibt’s da – anders als in Deutschland – eigentlich keine Regeln zu beachten. Und ich als Frau finde es zum Beispiel sehr angenehm, dass die Saunen in der Regel geschlechtergetrennt sind. Männlein und Weiblein schwitzen getrennt, ratschen aber zusammen. Aber da hat man dann ja schon das Handtuch rumgewickelt oder ist in den Bademantel geschlüpft.

Große Auswahl an unterschiedlichen Saunen

Die Auswahl an Saunen in Helsinki sollte auch für jeden was zu bieten haben: Es gibt die alten Saunen aus den 1920er-Jahren, die alles andere als „Wellness-Tempel“ sind. Sie stammen aus der Zeit, als die Wohnungen der Arbeiter in Helsinki keine eigene Sauna hatten – weder in der Wohnung noch im Haus. Das ist heute anders, da haben viele Wohnungen im Bad eine Sauna. Oder es gibt im Wohnhaus eine Gemeinschaftssauna, in der die Bewohner abwechselnd schwitzen. Davon hat man jetzt als Otto-Normal-Tourist nicht wirklich viel – außer man würde sich via AirBnB eine entsprechende Unterkunft suchen. Und die Hotels in Helsinki haben natürlich auch eine Sauna. Ich finde aber, dass man bei den öffentlichen Saunen Finnland und vor allem die Finnen nochmal von einer ganz anderen Seite kennenlernt. Denn die Finnen gehen gern und oft in die Sauna und sind auch in den erst kürzlich eröffneten, neuen Saunen zu Gast. Ich gehe gern in die Sauna, vor allem in Finnland und deshalb habe ich hier mal ein Saunen in Helsinki beschrieben, in denen ich selbst schon war.

 

Kotiharjun Sauna – die älteste

Im ehemaligen Arbeiterviertel Kallio, jetzt auf dem Sprung zum Szeneviertel, gibt’s mehrere öffentliche Saunen. Das ist ein Relikt aus der Zeit, als es in den Häusern der Arbeiter kein Bad und schon gar keine Sauna. Aus den 1920er-Jahren stammt Kotiharjun Sauna noch (Harjutorinkatu 1, 00500 Helsinki). Die Sauna wird mit Holz beheizt, was ich sehr angenehm finde. Von der Helsingin Katu liegt sie etwas versteckt auf einem Hügelchen, doch die Leuchtbuchstaben kündigen dann doch gut sichtbar an, wo die SAUNA ist. An einem schönen Sommertag sitzen auf dem Mäuerchen vor der Sauna schon mal 20 oder mehr Männer – lediglich mit einem Handtuch um die Hüften, Badeschlappen und einer Dose Bier. Aber keine Angst – die tun nichts und wie gesagt: Da, wo man nackt ist, ist man unter sich. In Kotiharjun Sauna ist die Damensauna im ersten Stock, die Herren sind im Erdgeschoss. An der Kasse kann man Handtücher leihen. Außerdem gibt’s einen Kühlschrank, in dem man sein eigenes Bier aufbewahren kann. Zu kaufen gibt’s nämlich nur „Dünnbier“, also Bier mit etwa 2-3 Prozent Alkohol. Und ein „Sauna-Olut“ schmeckt gleich noch besser als ein normales Bier. Aber zuerst wird natürlich sauniert!

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Dank der vielen Besucher kaum zu verfehlen: Kotiharjun Sauna

Wer in Deutschland schon mal in der Sauna war, wird von Kotiharjun Sauna wohl genauso überrascht sein wie ich. Es hat nämlich überhaupt nichts mit einer Sauna gemein, wie wir sie kennen. Die Umkleide erinnert eher an ein Wirtshaus. Es gibt ein paar Tische, hinter den Holzbänken sind die Schränkchen für die Klamotten. Hier sitzen die Damen nach dem Saunagang zusammen und ratschen, trinken Bier oder lesen. Als ich dort war, lagen da auch Zeitschriften – allerdings auf Finnisch und naja …. Da muss man schon bissl länger Finnisch lernen als nur zwei bis drei Jahre. Aber egal, darum geht’s ja auch nicht. Der Umkleideraum ist jedenfalls sehr urig und gemütlich und ich habe mich ein bisschen wie bei einer Zeitreise gefühlt.

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Sieht eher wie eine Gaststube aus: die Umkleide in Kotiharjun Sauna

Der nächste Raum ist die Dusche. Auch hier wähne ich mich in die 1920er zurückversetzt. Es ist alles sauber, dennoch sieht und spürt man, dass es aus einer anderen Zeit stammt. Und dann, nachdem ich mich geduscht habe, geht’s in die Sauna. Ich bin gespannt! Und wieder überrascht: Ich hätte alles erwartet – von einer großflächigen Sauna mit hellen Holzbänken bis zu einer kleinen Sauna, die einer Hütte nachempfunden ist. Stattdessen: Ein dunkler Raum mit einem riesigen Ofen, der aussieht wie ein „nackter“ Kachelofen. Statt Fliesen gibt’s Steinwände und die Bänke sind ebenfalls aus Stein – und ziemlich steile Stufen.

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Nix Wellness – eher funktional: Der Saunaofen in Kotiharjun Sauna

Unten ist viel Platz, manchmal lagert hier auch Holz. Ebenfalls ein großer Unterschied zu deutschen Saunen: Es wird geredet. Und zwar nicht leise oder verhalten – nein, ganz normal. Schon mit Rücksicht auf die anderen Gäste. Aber nix von wegen „Ruhezone“. Das finde ich anfangs seltsam, weil ich es so nicht kenne. Dann freue ich mich aber, weil es irgendwie viel lockerer ist und ich zudem finnisch höre. Einen Aufgussmeister gibt’s in Finnland auch nicht. Für den „Löyly“ sorgen die Gäste selbst. Und dann wird geschwitzt – nicht zu knapp. Es ist heiß. Aber angenehm. Durch das Holz ist die Luft viel feuchter als in den elektrischen Saunen. Und weil manche Frauen auch eine Schüssel mit Wasser mit in die Sauna bringen, um sich zu waschen, ist immer eine Grundfeuchtigkeit vorhanden. Ich muss sagen, dass ich das inzwischen viel besser finde als die Saunen in Deutschland. Und noch etwas unterscheidet sich: Es gibt kein Eisbecken zum Abkühlen. Nach dem Saunagang dusche ich mich kühl ab, schlüpfe in meinen Bademantel (ich habe einen Reisebademantel aus dünnem Frotteestoff) und gehe hinunter. Es ist ein schöner Sommerabend und so setze ich mich auch auf das Mäuerchen vor der Sauna und trinke mein Bier. Ich mache noch ein paar Saunagänge und genieße den „finnischen way of life“.

Arlan Sauna – die gastfreundliche

Nicht weit von Kotiharjun Sauna entfernt ist Arlan Sauna (Kaarlenkatu 15, 00510 Helsinki). Sie ist ebenfalls im ehemaligen Arbeiterviertel Kallio und existiert seit 1929. Ich glaube, es ist die zweitälteste Sauna in Helsinki. Statt mit Holz wird sie mit Gas beheizt. Ich habe keinen großen Unterschied feststellen können.

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Seit 1929 gibt’s Arlan Sauna schon.

Hier geht’s in einen Innenhof, in dem die Saunagäste zwischen den Gängen sitzen. Am Eingang empfängt mich Kimmo. Kimmo ist der Betreiber der Sauna, doch er ist viel mehr ein Gastgeber. Mit mir kommen zwei Asiatinnen an, Kimmo erklärt ihnen, wo die Sauna, die Umkleide und das Klo sind. Außerdem fragt er, ob sie schon mal in einer Sauna waren und weil die zwei verneinen, rät er ihnen, sich nicht allzu weit nach oben zu setzen. Keine Belehrung, wie lange sie in der Sauna bleiben sollen. Einfach nur: nicht übertreiben. Schön! Auch mir zeigt Kimmo, wo die Damensauna ist. Hier ist sie im Erdgeschoss, gleich links neben der Kasse.

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Auch hier ist die Umkleide sehr wohnlich. Es gibt sogar einen Bücherkoffer.

Die Herren müssen in den ersten Stock. Und auch hier ist die Umkleide wohnlich, mit Holzschränkchen und einem Tisch. Es ist das Gegenteil zu den Umkleiden, wie ich sie hier in Deutschland kenne: steriler als jeder OP. Der Duschraum ist ebenfalls aus den späten 20ern und außer den Duschen gibt’s hier, wie auch in Kotiharjun Sauna, Bänke. Zum Ausruhen, Sachen ablegen oder wenn man sich die Füße waschen will? Egal. Ich dusche mich und gehe in die Sauna. Es ist ähnlich wie in Kotiharju. Ein „nackter“ Kachelofen, steile Treppen, die auch die Bänke sind.

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Der Duschraum in Arlan Sauna

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… und die Sauna selbst. Steile Treppen, ein riesiger Ofen und große Hitze.

Wenn ich die Wahl hätte zwischen Kotiharjun und Arlan Sauna, ich würde Arlan bevorzugen. Kimmo ist wie oben erwähnt, ein richtiger Gastgeber. Er redet mit seinen Gästen, die natürlich auch untereinander reden. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass es hier etwas „typischer“ ist. Kotiharjun Sauna steht in diversen Reiseführern, weil es die älteste Sauna ist. Und deshalb sind da vielleicht auch mehr Touristen. Mir persönlich hat es jedenfalls in Arlan Sauna besser gefallen. Aber das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Kaurilan Sauna – die bezaubernde

Kaurilan Sauna ist eine ganz spezielle Sauna. Hier kann man nicht einfach so vorbeimarschieren, hier muss man reservieren. Am besten schon rechtzeitig von daheim, bevor die Reise losgeht. Man kann entweder die ganze Sauna mieten oder einfach einen Platz für sich und seine Begleitung (falls vorhanden) reservieren.

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Mitten in der Stadt kann man sich wie auf dem Land fühlen: Kaurilan Sauna

Es gibt gemischte Tage und getrennte Tage. Für Pärchen ist dieses getrennte Saunieren vielleicht etwas ungewohnt, weil jeder für sich ist. In Kaurilan Sauna kann man gemeinsam Saunieren. Und was mich überrascht hat: gemischt und nackt! Also nicht erschrecken, wenn man zur gemischten Sauna geht. Die Sauna selbst liegt etwas „außerhalb“, wobei „außerhalb“ in Helsinki ja noch immer relativ ist. (Heikinniementie 9, 00250 Helsinki). Ich bin damals mit der Tram 4 hingefahren, von der Haltestelle sind’s etwa 800 Meter zu Fuß in den Wald. Ich habe mich dann sofort wie auf dem Land gefühlt. Ein typisches rotes Finnen-Häuschen, das ist die Sauna. Davor gibt’s eine kleine Veranda.

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Typischer geht’s kaum – Kaurilan Sauna

Saara betreibt die Sauna. Als ich angekommen bin, war sie noch mit Vorbereitungen beschäftigt. Die Sauna wird ebenfalls mit Holz beheizt. Außerdem gibt’s in dem Häuschen keinen Strom und nur kaltes Wasser aus der Leitung. Zuerst betrete ich die „Tupa“, das ist so eine Art Wohnzimmer, aber gleichzeitig die Umkleide. Es gibt einen offenen Kamin, ein Kanapee und einen Tisch. Ein herrlicher Duft liegt in er Luft: Auf dem Tisch hat Saara selbst gebackenes Brot bereitgestellt.

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Die „Tupa“ ist Umkleide, Ruheraum und Wohnzimmer in einem.

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Sehr einladend sieht das aus. Gleich kommt auch das Brot noch …

Dann geht’s einen kleinen Gang entlang, hier liegen die Leinentücher für die Saunagäste. Und dann ist da die Sauna. Ein dunkler Raum, in der einen Ecke ist ein großes Wasserbassin, das von unten mit Holz befeuert wird. In der anderen Ecke ist der Saunaofen. Das einzige Licht in der Sauna kommt von den brennenden Holzfeuern und ein paar Kerzen. Gegenüber von den Öfen ist eine freie Fläche und dann sind da die Holzstufen zu den Bänken. Auf der freien Fläche wasche ich mich. Dazu mische ich kaltes Wasser vom Hahn mit dem heißen Wasser aus dem Bassin. Es ist sehr urtümlich, sich so zu waschen, mit einer kleinen Schüssel.

Als alle Gäste da sind und Platz genommen haben, ist es ganz schön voll. Aber schön. Jeder redet mit jedem und Saara macht großartige „Löyly“. Während des Aufgusses wird nicht geredet. Da wird dem „Löyly“ zugehört, wie er klingt und zischt. Dem „Löyly“, dem Saunageist, der im Aufguss lebt, wird Respekt gezollt. Und wenn er verklungen ist (meist drei Schöpfer auf die heißen Steine), wird darüber gesprochen, wie er war. Sanft oder heftig? Nachdem mir heiß genug ist, wasche ich mich wieder mit dem Wasser aus den Schüsseln und gehe hinaus. Auf der Veranda genieße ich die finnische Septemberabendluft, trinke mein Bier und bin auf einmal ganz, ganz glücklich. So muss Sauna sein! So reduziert und doch so viel schöner! Und dann natürlich noch Saara, die eine warmherzige Gastgeberin ist und ihr Brot, das ganz phantastisch schmeckt. Der Saunabesuch ist hier auf zwei Stunden begrenzt, aber das macht nichts. Man soll ja eh aufhören, wenn’s am schönsten ist!

 

Allas Seapool – die neueste

Im Hafen von Helsinki, direkt am Kauppatori, schwimmen seit Kurzem Holzstege im Wasser. Darin sind Schwimmbecken eingelassen. Das Ganze gehört zum „Allas Seapool“, einer der neuesten Saunen in Helsinki.

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Allas Sea Pool – hier entlang!

Hier kann man nicht nur Saunieren, sondern auch schwimmen. Und zwar mit Aussicht! Mit Aussicht auf den Dom von Helsinki, die alte Markthalle und die Uspenski Kathedrale. Es sind insgesamt drei Schwimmbecken: eines für Kinder, ein 25-Meter-Becken zum Schwimmen (beide beheizt) und für Wassergymnastik und ein 25-Meter-Becken mit Ostseewasser. Das ist gereinigt, aber nicht erwärmt. Es hat also immer die Temperatur der Ostsee. Ich war schon zwei Mal in Allas Seapool. Beim ersten Mal war ich im September da, da hatte das Wasser 13 Grad.

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Im Pool mit 13 Grad warmem (kaltem) Ostseewasser bin ich allein.

Manch einer wird jetzt vielleicht sagen: kalt. Aber Moment – ich war noch mal dort und zwar im März. Und da war das Becken fast zugefroren, lediglich eine Eck war eisfrei, damit wir Saunagäste ins Eiswasser gehen können. Und das war richtig toll! Ein Rettungsschwimmer ist vor Ort, es kann also gar nichts passieren. Ich bin nicht nur kurz untergetaucht, ich bin ein paar Züge geschwommen, bis zur Eiskante und zurück. Danach bin ich raus und habe es genossen – mir war richtig warm, obwohl es geschneit hat. Und dann haben mich die Glücksgefühle durchströmt. Herrlich – unbedingt ausprobieren!

 

Ich muss sagen, dass ich die Schwimmbecken in Allas fast besser finde als die Sauna. Es gibt eine für Männer, eine für Frauen und eine gemischte. In die gemischte geht man mit Badebekleidung, was ich persönlich nicht mag. Die Umkleiden in Allas sind in etwa so, wie ich sie aus Deutschland kenne. Zweckgebundener Raum mit Schränkchen. Und leider ziemlich eng, da Allas meist gut besucht ist. Die Sauna selbst ist schön. Die Bänke sind aus hellem Holz und um den Saunaofen (elekrtisch) gruppiert. Den Aufguss machen die Saunagäste selbst, dafür stehen zwei Eimer mit Schöpfkelle bereit.  Durchs Fenster dringt Tageslicht in die Sauna und gibt den Blick auf die Ostsee frei. Das ist schon sehr, sehr schön! Allerdings hatte ich den Eindruck, dass in Allas viele Touristen Gäste sind und deshalb eine gewisse „Unruhe“ geherrscht hat. Teilweise war es ein aufgeregtes Kommen und Gehen, weil es anscheinend für die Gäste so neu und ungewohnt war. Und man ja schließlich mal in die Sauna gehen muss, wenn man in Helsinki ist. Ich kann mich aber auch getäuscht haben.

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Relaxen mit Aussicht – Allas Seapool in der Abendstimmung

Auch wenn Allas bei weitem kein „Wellness“-Tempel ist wie viele Saunen in Deutschland, es ist bei schönem Wetter wirklich einen Besuch wert. Denn wenn es warm genug ist und die Sonne scheint, kann man auf der Terrasse sitzen und den Blick auf den Hafen, den Marktplatz sowie Dom, Rathaus und Präsidentenpalast schweifen lassen. Wenn die Sonne dann untergeht und alles in ein warmes Licht taucht – dann ist das derart kitschig, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Bei schlechtem Wetter sieht es allerdings schlecht aus mit Ruheplätzen. In der Umkleide ist kein Platz und draußen ist es zu kalt. Zumindest war es mir im März bei Schneegriesel und Wind zu kalt im Freien.

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Der Dom von Helsinki im Abendlicht – schöner geht’s kaum.

Außerdem ist es nicht teuer. Für etwa 12 Euro kann man den ganzen Tag in Allas verbringen. Und wer nur mal den Blick genießen will, kann auch von der Straße auf eine der Terrassen gehen und sich einen Eindruck verschaffen. Außerdem gibt’s ein Restaurant/Café, das für alle geöffnet hat und werktags ein Mittagsbuffet anbietet.

Löyly – vom Erfolg überrascht

Auf der anderen Seite von Helsinki, in Hernesaari (Hernesaarenranta 4, 00150 Helsinki) ist eine weiter, neue Sauna in Helsinki. „Löyly“, Aufguss, heißt die Sauna. Es ist ein ziemlich großes und futuristisch wirkendes Gebäude direkt am Strand. Die Sauna ist jedoch ziemlich klein. Der Rest ist Restaurant und Café. Hier kann man auch einfach einen Kaffee trinken und den Blick über die Ostsee schweifen lassen, während unten die Saunagäste zum Abkühlen in die Ostsee steigen.

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Blick von der Löyly-Terrasse auf Helsinki

Und zwar direkt in die Ostsee, über eine Treppe. Ursprünglich war die Sauna nur als „Add-On“ zum Restaurant gedacht, deshalb ist sie so klein dimensioniert. Allerdings wurden die Macher vom Erfolg überrascht, so dass man hier seinen Platz im Voraus buchen muss. Das ist leider einer der Gründe, warum ich die Sauna nur im „kalten“ angeschaut habe, aber nicht selbst dort sauniert habe.

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Zum Abkühlen geht’s direkt in die Ostsee.

Es gibt aber eine Rauchsauna und weil das ziemlich toll ist (habe ich an anderer Stelle mal ausprobiert), kann ich einen Besuch in Löyly nur empfehlen. Außerdem kann man hier direkt in die Ostsee tauchen, um sich abzukühlen. Wenn es wellig ist, ist es wellig, wenn das Meer ruhig ist, ist es ruhig. Es ist halt kein Schwimmbecken wie in Allas.

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Der Saunaofen in der Rauchsauna wird gerade angeheizt.

Sompasauna – die Guerilla-Sauna

Sompasauna ist kostenlos und rund um die Uhr, jeden Tag, geöffnet. Eine Gruppe Freiwilliger kümmert sich um die Sauna und sorgt dafür, dass Holz da ist. Es ist alles etwas ungewöhnlich – und gerade deshalb einen Besuch wert. Die Sauna besteht aus zwei Saunen, einer großen und einer kleinen. Die Umkleide ist eine Hütte, in der jeder sein Zeug einfach abstellt. Es gibt keine Schränkchen oder so. Die Saunen sind mit Holz beheizt und recht eng (auch die große). Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute sehr rücksichtsvoll sind. Zum Abkühlen geht’s auch hier direkt in die Ostsee!

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Eisloch mit Aussicht – Sompasauna

Duschen gibt’s keine, soweit ich das gesehen habe. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es hier an einem schönen Sommerabend sehr nett ist, mit Blick auf die Ostsee und die Stadt. Einfach mal ausprobieren – kostet ja nix! Ich war am Sauna-Tag dort.

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Übrigens habe ich in den Saunen das Gefühl gehabt, dass die als so schweigsam geltenden Finnen hier durchaus reden. Und zwar nicht nur unter sich, sondern auch mit Fremden wie mir. Wenn ich auf Finnisch angesprochen werde, ist schnell klar, dass ich die Sprache leider kaum beherrsche. Deshalb antworte ich dann auf Englisch. Und schon ist man im Gespräch. Woher kommst Du? Bist Du öfter in Finnland? Wie gefällt es Dir hier? Wenn ich dann noch von der deutschen Saunakultur erzähle mit Sanduhr für die richtige Länge des Saunagangs und einem handtuchschwingenden Bademeister, der einmal in der Stunde den Aufguss macht, ist das für die Finnen oft lustig – und irgendwie lehrreich. Sauna ist nicht gleich Sauna. Und mir gefällt die finnische Sauna immer besser.


Uiminen Helsingissä – Schwimmen in Helsinki

Viele werden denken: Was, schon wieder? Aber ja – ich war schon wieder in Helsinki. Anlass war der „Sauna-Tag“ am 10. März. Und weil ich riesiges Glück hatte und einen günstigen Flug ergattert habe, bin ich übers Wochenende nach Finnland geflogen.

Obwohl auf dem Kalender schon Frühling ist: In Helsinki ist noch Winter.

Am Freitag war ich mittags in Helsinki. Das Wetter war nieselig-grau. Ich war nicht wirklich müde, aber vom vielen Sitzen im Flieger und der S-Bahn war mir nach Bewegung. Und welche Bewegung ist schöner als schwimmen? Eben! Deshalb habe ich gleich den Rucksack umgepackt und bin zum Allas Sea Pool marschiert. Lustigerweise habe ich dafür nicht mal den Stadtplan gebraucht.

Die Brocken hier sind Eisbrocken, die weiße Fläche ist Eis. Hinter dem Zaun ist der Meerwasserpool von Allas Seapool.

Die Ostsee ist zugefroren, nur im Hafenbecken ist es keine Eisschicht, sondern es schwimmen riesige Eisbrocken, weil hier ja auch Schiffe fahren. Ich werfe einen Blick auf die Schwimmbecken im Allas und weiß, dass das eine gute Entscheidung war: Auf den abgetrennten Bahnen waren je nur zwei Leute. Und weil es ein 25-Meter-Becken ist, ist das prima. Ich bezahle also meinen Eintritt (12 Euro für den ganzen Tag) und ziehe mich um. Dann husch schnell ab ins Becken, denn draußen ist es kalt, leichter Frost.

Das beheizte 25-Meter-Becken. Die meisten Leute tummeln sich im Spaßbereich. Gut für mich!

Das Wasser ist warm, aber nicht zu warm. Ich weiß immer noch nicht, was der Unterschied zwischen „Matka/Distance“ und „Nopea/Fast“ ist, aber weil es auf der „Nopea“-Bahn gleichmäßiger ist, geselle ich mich hier zu den Damen. Es läuft prima. Ich bin ziemlich schnell im Flow und habe mich auch schnell an die Kurzbahn gewöhnt. Die eine Frau muss ich manchmal überholen, die andere überholt mich hin und wieder. Aber alles läuft sehr harmonisch. Und als auf der „Hiidas/Slow“-Bahn am Beckenrand gar niemand mehr ist, wechsle ich hierher und schwimme weiter. Bahn um Bahn. Es ist wie im Sommer, wenn ich total im „Tunnel“ bin und um mich rum kaum mehr was mitkriege. Mit „Sightseeing“ ist heute hier nicht viel geboten, es ist so grau, dass ich den Dom fast nicht sehen kann. So sehe ich von Helsinki in dieser Stunde hauptsächlich den hellblauen Beckenboden. Aber das macht nichts.

Und als ich fast fertig bin mit meiner Schwimmeinheit, sind auf einmal zwei junge Männer in meiner Bahn. Stehen da rum und blödeln. Ohmann! Können die nicht 10 Minuten später kommen? Und was machen die hier überhaupt? Im größeren Bereich des Beckens ist eigentlich genug Platz und da steht auch irgendwas von „easy swimming“, habe ich beim Reingehen gesehen. Ich beschließe, nichts zu sagen, sondern schwimme einfach weiter. Ich tu so, als wären sie gar nicht da. Sie kapieren nach zwei meiner Bahnen, dass ich da schwimme. Bleiben aber da, sind aber zumindest an den Rand ausgewichen. Ich denke mir nur: Das sind sicher keine Finnen. Die Finnen, die ich bisher kennengelernt habe, wären nicht so dreist. Zumal man im Winter in diese Randbahn nur kommt, wenn man schon durch die anderen Bahnen durchgetaucht ist. Am Beckenrand liegt Schnee, es ist glatt, deshalb ist der Bereich gesperrt.

Irgendwann bin ich dann fertig mit Schwimmen. Und dann höre ich die beiden sprechen – auf russisch. „So, habe ich’s mir doch gedacht“, denke ich etwas selbstzufrieden.

Ich verschnaufe noch ein bisschen, dann atme ich tief ein und aus. Und dann ganz tief ein, halte die Luft an und tauche. In einem kurzen Becken, das auch nur knapp 1,70 Meter tief ist, könnte das mit dem Tauchen ja klappen. Ich stoße mich also ab, gleite, mache einen kräftigen Brustschwimmzug. Und einen weiteren. Der Boden ist nur ganz knapp unter mir. Irgendwann wird die Luft knapp. „Durchhalten! Wenn’s nicht mehr geht, gehen noch 2 bis 3 Züge“, feuere ich mich selbst an. Und dann muss ich doch auftauchen. Zwei Züge vorm Ziel, dem Beckenrand. Ohmann! Ich wage nach einer weiteren Verschnaufpause noch einen Versuch – doch auch hier muss ich kurz vor knapp auftauchen. Schade! Und auch wieder nicht. So weit, 20 oder 22 Meter, bin ich schon lange nicht mehr getaucht!

Jetzt geht’s ab in die Sauna. Denn der Allas Seapool ist ja auch eine Sauna. Hier ist es schon voller als im Becken. Es sind ziemlich viele Touristen da (ich ja auch). Leider ist es deshalb etwas zu sehr wie im Hühnerstall, rein, raus – viel Unruhe. Egal. Irgendwann bin ich allein in der Sauna und mache einen Aufguss. In Finnland darf man das nämlich. Da kommt kein Bademeister, der Geschichten erzählt und mit dem Handtuch wedelt. Da darf jeder. Ich gieße einen Schöpflöffel Wasser auf die heißen Steine in der Mitte der Sauna. Ah, schön warm. Aber noch nicht genug. Ein zweiter Schöpfer. Schon besser. Mir war nämlich dann noch etwas kühl nach dem Schwimmen und dem Spaziergang zurück ins Haus (der ist nämlich recht weit). Und dann gieße ich noch einen dritten Schöpfer drauf. Hui! Jetzt ist es… äh… warm. Sehr warm.

Zwei Frauen betreten die Sauna. Finninnen, wie ich ihrem Geplauder entnehme. Die eine setzt sich tapfer hin. Die andere geht auf der kleinen Treppe gleich einen Schritt zurück. „Tossi kuuma“, sagt sie zu ihrer Freundin – „sehr heiß“. Und auch mir wird es jetzt zu heiß. Ohje! Die Decke ist relativ niedrig in der Sauna und der heiße Dampf vom Aufguss kommt jetzt runter. Ich muss auch auf die Treppe. Die Sitzbank ist nur in einer Höhe angebracht. Und dann warten wir. Und weitere Frauen kommen herein. Fragen, was los ist. Wir sagen nur, dass es zu heiß ist. Und ich entschuldige mich. Sage, dass ich einen Schöpfer zu viel auf die Steine gegeben habe. (Lustigerweise erfahre ich am nächsten Tag, dass ein guter Aufguss aus 3 Schöpfern besteht. Aber vielleicht mit weniger Wasser…). Irgendwann geht’s wieder und wir können Platz nehmen. Und irgendwann gehe ich dann doch aus der Sauna.

Da sieht man gar nicht viel vom Meerwasserpool. Nur am linken Rand und in der Ecke ist das Becken eisfrei!

Auf mich wartet nämlich der „Merivesiallas“ – der Meerwasserpool! Da ist ja das Wasser der Ostsee drin, nur gereinigt, nicht erwärmt. Und das habe ich schon gesehen – da ist Eis auf dem Wasser im Becken! Eigentlich ist das ganze Becken voller Eis, nur eine Ecke ist eisfrei. Ein Rettungsschwimmer steht dick eingepackt am Beckenrand. Ich habe ihn vorhin schon gesehen, wie er von den Besuchern ein Handy in die Hand gedrückt bekommt und die Leute im Eiswasser fotografiert. Also habe ich auch mein Handy in den Bademantel gesteckt und frage ihn, ob er hier für die Fotos zuständig ist. „Nein“, sagt er, „ich bin der Rettungsschwimmer.“ Ich entgegne lächelnd, dass mir das schon klar ist, aber dass ich eben gesehen habe, dass er viel fotografiert und ob er eben so freundlich wäre, auch von mir ein Bild zu machen. „Klar“, sagt er. Und dass es zum Glück den ganzen Winter bisher keine Unfälle gab.

Ich ziehe meinen Bademantel aus und hänge ihn an die Garderobe, die bereit steht. Auch die Flip-Flops ziehe ich aus. Mittlerweile hat es zu schneien angefangen und ich bin etwas aufgeregt, ob ich es schaffe, in das Eiswasser, das echte Eiswasser, reinzugehen. Über eine Leiter geht’s in den Pool. Als meine Füße das Wasser berühren, finde ich es ziemlich kalt. Aber es hilft nichts. Ich will da rein. Und dann gehe ich einfach weiter die Stufen runter und tauche unter. Oh, gar nicht schlimm! Ich schwimme zur Eiskante. Das sind vielleicht zwei Züge. Dann breche ich ein Eckerl vom Eis ab, drehe mich um und grinse in die Kamera mit meiner Trophäe. Es ist gar nicht kalt und gar nicht schlimm. Es ist total toll! Endlich bin ich im richtigen Eiswasser. Mit Eiskante, von der ich was abbreche. Die aber außer am Rand ziemlich massiv ist. Wahnsinn!

Das Chlorhuhn lacht zufrieden im Eiswasser und hält die Trophäe hoch. Ein Traum ging in Erfüllung!

Dann gehe ich raus und mir ist nicht kalt. Im Gegenteil. Ich schlüpfe zwar in meinen Bademantel, aber als eine junge Spanierin kommt, kann ich ganz locker da stehen, und mit ihr und dem Rettungsschwimmer reden. Ich ermuntere sie, auch reinzugehen. Sie ist nämlich noch unschlüssig. Und dann geht sie zur Leiter. Ich rate ihr, sich drauf einzustellen, dass es kalt ist. Dann tief durchatmen, ruhig bleiben und untertauchen. Sie tut wie befohlen und ist nach einer Sekunde wieder aufgetaucht. Und dann sage ich: „Und jetzt machst das nochmal und genießt es. Jetzt ist es nicht mehr so schlimm!“ Gesagt, getan – und länger drin geblieben. „Nach der nächsten Sauna schwimme ich“, sagt sie mit einem glücklichen Gesichtsausdruck.

Ich gehe auch nochmal in die Sauna, um danach nochmal ins Eiswasser zu gehen. Es war auch nochmal schön, aber nicht mehr dasselbe wie beim ersten Mal. Der Zauber, die Magie, waren weg. Ich wusste ja schon, was kommt. Schön war’s natürlich trotzdem. So wie der ganze Nachmittag.

Viele Möglichkeiten zum Schwimmen gibt’s im Eispool grad nicht. Ich genieße es trotzdem!

Einziges Manko am Allas Seapool im Winter: Es gibt keinen wirklichen Ruheraum. In der gemischten Sauna gibt’s da zwar was, aber die war leider wegen eines Privatevents geschlossen. Und das kommt öfter vor, war auch im Herbst schon so. Da bin ich draußen in der Sonne gesessen, deshalb ist mir das nicht aufgefallen. Aber insgesamt kann ich einen Besuch im Allas Seapool im Hafen von Helsinki nur empfehlen!


498 – knapp daneben ist auch verpasst

Der 31. Dezember ist ja in unserer Kultur immer DER Stichtag. Für Jahresbilanzen. Für gute Vorsätze, für große Feiern und: für einen neuen Kalender. In den trage ich dann wieder meine Schwimmergebnisse ein, um nach weiteren 365 Tagen sagen zu können: Ich bin geschwommen. Und nicht nur das, sondern auch: Ich bin soundsoviele Kilometer geschwommen. Heuer waren es 498 Kilometer. Der niedrigste Wert seit den Aufzeichnungen. Sogar im Unfall-Jahr 2014 mit Zwangspause waren es mehr Kilometer (528). Habe ich deshalb mein Ziel verpasst? Äh… nein. Ich hatte nämlich keines. Bissl ärgerlich ist es trotzdem, dass die schöne, runde 500 um nur 2 Kilometer verfehlt wurde. Gezählt werden nur die Kilometer im Becken. Also sind es tatsächlich mehr als 500, weil ich – wenn heuer auch selten – auch im See geschwommen bin.

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279 Freibad-Kilometer waren es 2017 – die meisten wohl hier auf dieser Bahn

Ich habe die Bilanz noch etwas aufgeschlüsselt: Im Freibad-Becken wurden 279 Kilometer absolviert, das heißt, dass „nur“ 219 Kilometer auf die Wintersaison entfallen. Da der „Freibad-Winter“ aber viel länger ist als der Sommer, ergibt sich im Kalender ein Ungleichgewicht. Ich habe noch immer nicht herausgefunden, warum ich im Sommer lieber schwimme. Die naheliegendsten Begründungen: draußen und 50-Meter-Bahn müssen entfallen, denn in München kann man ja das ganze Jahr über draußen und sowohl draußen als drinnen auf einer 50-Meter-Bahn schwimmen. Vielleicht liegt’s am Licht? Also so allgemein? Keine Ahnung. Ich schwimme halt lieber im Freibad. Das ist nicht mit dem Winterwarmfreibad im Dante gleichzusetzen. Ich habe darüber auch schon „Fachgespräche“ mit anderen „Betroffenen“ geführt – denen geht’s ähnlich. Aber eine Erklärung haben auch die nicht. Eher so eine Art „Bauchgefühl“.

Dann habe ich mir meine Statistik nochmal angeschaut. Während ich im Winter zwei bis viermal pro Woche schwimmen gehe, kommt es im Sommer schon vor, dass ich jeden Tag gehe. Da mache ich dann auch mal einen Tag Pause (weil es zum Beispiel zu heiß ist und ergo kein Schwimmwetter), oder weil ich tatsächlich mal Pause mache. Die längste Reihe ohne Unterbrechung gab’s dann von Ende August bis Mitte September (=Ende der Freibadsaison): Da war ich an 15 (fünfzehn!) Tagen hintereinander schwimmen. Je drei Kilometer. Aber am letzten Tag, an Tag Nummer 15, konnte ich wohl nicht genug bekommen: Da waren es vier Kilometer. Dann war aber mal gut – und ich war ganze drei (!!) Tage am Stück nicht im Wasser! Und dann hat die „ruhige“ Zeit angefangen, mit nur zwei Schwimmtagen pro Woche. Zu mehr hatte ich einfach keine Lust.

Erschwerend kam dann ab Ende November die Bauphase II in der Olympiaschwimmhalle dazu: Das große Wettkampfbecken wird saniert, man schwimmt jetzt im Hochschulbecken, das kleiner ist (nur fünf statt acht Bahnen) und ohne Tageslicht. Weil alle fünf Bahnen geleint sind, kommt es da leider immer mal wieder zu  unschönen Begegnungen (ratschende Oma-Brustschwimmerinnen nebeneinander treffen auf hart trainierende Schwimmer), wobei keiner für den anderen Verständnis zu haben scheint („ich will hier ja auch nur schwimmen“ – denken sich beide Parteien und haben Recht – und doch wieder nicht).

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Das umgebaute Schwimmbecken vom Hochschulsport in der Olympiaschwimmhalle

Naja. So ist jedenfalls das Schwimmjahr 2017 zu Ende. Mit zwei Kilometern, die fehlen. Mit wenigen See-Kilometern heuer. Dafür mir vielen „Fremdgewässern“. Ich war im Atlantik, in der Adria, unter der Erde in einem alten Bergwerk, im Bled-See in Slowenien, in Italien im Lago Maggiore, in der Ostsee in Dänemark, Schweden und Finnland. In finnischen Seen. Im eisigkalten Chiemsee, im wärmer werdenden Langwieder See, der dann auch wieder kälter wurde. Und an Land bin ich quasi auch geschwommen: Ich habe eine Reportage übers Eisschwimmen gemacht und einen kurzen Beitrag zum Thema „Immer mehr Nichtschwimmer„. Da folgt im Frühsomer dann auch eine längere Reportage. Das Thema ist einfach zu wichtig. Schwimmen ist nicht nur schön, es ist wichtig. Lebensrettend. Und einfach eine Kulturtechnik wie lesen, rechnen, schreiben.

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Mein Privatpier in Stockholm – herrlich!

Perfektioniert haben es natürlich wir verrückten Hobby-Schwimmer, wie ich. Wir schwimmen, schreiben darüber, lesen davon und rechnen fleißig unsere Kilometer zusammen. Bis am Ende 498 rauskommt. Auch, wenn 500 schöner gewesen wäre …


Suomen Sauna – Sauna in Finnland: Allas Seapool Helsinki 

Ich wollte euch ja noch schreiben, wie es in der Sauna von Allas Seapool in Helsinki war. Den Bericht vom Schwimmen gibt’s hier. Geht eigentlich ganz schnell: schön war’s!

Allas Seapool im Hafen von Helsinki


Und ausführlicher: Es gibt drei Saunen da: eine für Männer, eine für Frauen und eine gemischte. Und in die gemischte geht man in Finnland in Badebekleidung. 

Die gemischte Sauna im Allas Seapool mit Blick aufs Meer


Ich war da ja auch wegen Interviews und habe Tiina getroffen. Sie hat Saunayoga erfunden. Das wird im Badeanzug und in einer lauwarmen Sauna bei etwa 50 Grad gemacht. Ich habe noch nie Yoga gemacht. Und dann ist mein erstes Mal in der Sauna. 

Es war aber echt schön. Erst muss man sich entspannen. Das dauert immer bissl, bis ich dann runter komme und bei der Sache bin. (Vor allem, wenn draußen ein Schwimmbecken wartet…). Zuerst haben wir uns gedehnt: Schultern, Arme, Rücken und dann die Beine. 

Danach gab‘s noch ein paar Kräftigungsübungen. Währenddessen ist es nie zu heiß, im Gegenteil: die Wärme tut gut und lockert die Muskeln. Erst gegen Ende freue ich mich auf die Abkühlung. 

13 Grad im Meerwasserpool


Und die gibt’s im Meerwasserpool bei 13 Grad. Herrlich! Die Sonne scheint und ich sehe auf den Marktplatz, das Rathaus und den Präsidentenpalast und im Hintergrund der weiße Dom von Helsinki! Ein Traum!

Beim Reingehen ist es schon kalt, aber dann geht’s prima! Ich schwimme insgesamt vier Bahnen, also 100 Meter insgesamt. Im Becken gibt’s eine Art Geländer, an dem man sich zur Not festhalten könnte. Das Wasser ist zwar leicht trüb, aber es ist gereinigt. 

Das Chlorhuhn im Meerwasserpool und im Hintergrund der „Zuckerwürfel“ von Alvar Aalto


Die andere Sauna ist richtig heiß. Das ist natürlich super. Und anders als in Deutschland kommt da kein Bademeister und macht eine Riesenshow zum Aufguss. Den Aufguss macht man in Finnland selbst. Man fragt die anderen, ob es ok ist und dann wirft man das Wasser auf die heißen Steine. Die Frage lautet übrigens: lisää löylyä? 

Löyly ist der Aufguss und auch der Geist der Sauna. Man lauscht ihm andächtig, wartet, bis das letzte Zischen verklungen ist. Oft ist der Löyly auch Gegenstand des Gesprächs. War er gut? Wie hat er sich angefühlt? Und so weiter. Allerdings eher in der privaten Sauna und nicht in der öffentlichen. 

Und wer denkt, dass die Finnen nicht reden, dem sei gesagt: Das stimmt so nicht. Denn als ich die gemischte Sauna betrete, spricht mich der Mann, der drinnen saß, gleich auf finnisch an. Ich sagte, dass ich nur wenig finnisch kann und schon waren wir im Gespräch. 

Ich habe bei meinem Besuch auch richtig Glück gehabt. Die Sonne schien und so konnte ich an der Holzwand sitzen und das Panorama genießen. Es war nicht viel los, kann mir aber vorstellen, dass es im Sommer sehr voll ist. 

Schönes Wetter und schöne Aussicht – perfekt zum Relaxen!


Und wer Eisschwimmen ausprobieren möchte, kann es im Allas Seapool tun. Denn der Meerwasserpool ist ganzjährig geöffnet, es gibt eine Aufsicht und im Winter sogar Mützen, damit der Kopf warm bleibt. 

Abendstimmung über Helsinki


Uiminen Suomessa – oder Schwimmen mit Ausblick 

Ich war mal wieder in Helsinki. Und wie ich ja letztes Jahr geschrieben habe, kann man hier ziemlich gut schwimmen. Ich war sehr gespannt auf die neue Attraktion „Allas Seapool“, direkt im Hafen von Helsinki. Das hab ich letztes Jahr noch als Baustelle gesehen. 


Aber jetzt ist es offen und ich musste da natürlich hin. Es ist ein Schwimmbad mit Sauna – oder anders rum. Jedenfalls sind die drei Becken direkt in der Ostsee. Sie schwimmen quasi auf einem Steg. 

Direkt im Hafen von Helsinki liegt der Allas Seapool

Schwimmbecken, Kinderbecken und Meerwasserpool

 

Wenn gerade ein Schiff in den Hafen  fährt, kann man gaaaanz leicht die Wellen spüren. Es gibt drei Becken: eins für Kinder (Lasten-Allas), eins mit Meerwasser (Merivesi) und eins zum Schwimmen. Allerdings nur 25 Meter lang. Tiina von Allas Seapool erklärt mir, dass ein 50-Meter-Becken zwar Platz gehabt hätte, aber zu schwer wäre. Der Pool ist auch nur 1,60 Meter tief. 

Es sind zwei Bahnen abgetrennt: Matka (Distance) und Nopea (Fast). Was genau der Unterschied sein soll, erschließt sich mir nicht so ganz. Nachdem auf beiden Bahnen je zwei Schwimmer sind, entscheide ich mich für die Matka-Bahn. Wir drei haben in etwa dasselbe Tempo, so dass es trotz der kurzen Bahn gut läuft. 

Der 25-Meter-Pool für Schwimmer, Aquajogger und Planscher…


Ungewohnt für mich, die nur auf der Langbahn unterwegs ist, dass ich so viel wenden muss. Aber ich bin im Urlaub und da ist eh alles anders. 

Es ist Montag Nachmittag, die Sonne über Helsinki scheint, das Wasser ist angenehm warm und griffig. Und das schönste ist, dass ich beim Schwimmen immer mal wieder den Dom von Helsinki sehe. Schwimmen mit Ausblick! Grandios! Vor allem beim Rückenschwimmen!

Vom Allas Seapool sieht man direkt auf den Dom und den Marktplatz von Helsinki!


Nach zwei Kilometern oder unfassbaren 80 Bahnen habe ich dermaßen Hunger, dass ich die Schwimmeinheit beende. Schließlich ist auch noch Sauna und der Meerwasserpool (sieht fast finnisch aus, das Wort!) wartet. 

Dort ist das Ostsee-Wasser drin. Es wird lediglich gereinigt, aber es wird nicht aufgewärmt. Es ist vielleicht ein oder zwei Grad wärmer als im Freien, aber das Thermometer zeigt 13 Grad. Juhuuuu!

Das Thermometer zeigt 13 Grad…


Aber dazu mehr in einem Eintrag zur Sauna


Ostseeschwimmen 3 – Stockholm

Meine Reise an der Ostsee ging nach Fünen noch ein Stückerl weiter in den Norden: nach Stockholm. Dorthin bin ich mit dem Zug gefahren. Das hat zwar gedauert, war aber eine schöne Reise – und ich durfte nochmal über die Öresundbrücke fahren.

Die Öresundbrücke von oben …


Stockholm liegt ja auf vielen kleinen Inseln, ist also von der Ostsee umgeben. Das gibt der Stadt ein sehr angenehmes Flair.

Herrlichste Abendstimmung in Stockholm


Stockholm liegt auf vielen Inseln …

… deshalb ist immer und überall Wasser. Toll!


Das wollte ich natürlich nutzen, deshalb habe ich mich über AirBnB in einer Wohnung mit Privatstrand eingemietet. Das Haus von Karina ist 45 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, dafür ist es in herrlichster Natur und auch der Privatpier ist mehr als herrlich!

Meine Unterkunft in Stockholm – das kleine Häuschen ist die Sauna

Privatpier!


Ich habe leider viel zu wenig Zeit gehabt in Stockholm, so dass ich nur am Sonntag Vormittag schwimmen gehen konnte. Aber dafür war es umso toller! Der Morgen war noch frisch, es hatte in der Nacht nur 7 bis 9 Grad. Die Ostsee lag spiegelglatt da, der Blick zu den Nachbarinseln war klar. Über eine kleine Leiter gehe ich ins Wasser, das angenehm warm ist, ich schätze 16 bis 18 Grad. Und dann schwimme ich! Oma-Brust, der Sonne entgegen, bis zu den Nachbarn. Ohmann, das ist doch ein Leben! Privatpier und einfach ausm Haus und ins Wasser! Dann schwimme ich zurück, die Morgensonne im Rücken, zu den anderen Nachbarn. Es ist soooo herrlich! Ich genieße es noch ein bisschen und dann geht’s zurück an Land. Hunger! Die Sonne scheint mir auf den Rücken, die Luft wird langsam wärmer.

Steiniges Ufer, glasklares Wasser, spiegelglatte Oberfläche – herrlich!


Für mein Frühstück stelle ich den Tisch und Stuhl im Garten in die Sonne mit Blick auf die Ostsee. So kann man leben!

Frühstück mit Aussicht!

PS: Am Samstag habe ich mich in Stockholm noch mit Mats Andersson getroffen. Der hatte 2002 „Ö till Ö“ – „SwimRun“ erfunden. Ab 2006 wurde aus dem Spaß- und Abenteuer-Event ein Rennen. Und auch in Bayern gibt’s das seit vorigem Jahr. Darüber haben wir uns ausführlich unterhalten – und dann noch ein Bild gemacht. Sehr interessante Geschichte!

Mats hat „Ö till Ö“ aus Spaß erfunden.


Ostseeschwimmen 2 – Svendborg

Von Nyborg bin ich mit dem Radl nach Svendborg gefahren. Ich muss sagen: Radln in Dänemark ist sowas von schön und entspannt! Nicht nur, weil es viel weniger Verkehr gibt. Sondern auch, weil die Mentalität eine andere ist. Radler sind hier Verkehrsteilnehmer – kein Störfaktor wie bei uns in Deutschland. Meine Strecke führt größtenteils am Meer entlang, was echt schön ist. Und es ist ziemlich hügelig! Hätte ich von Dänemark jetzt nicht erwartet.

In Schloss Broholm mache ich einen Zwischenstopp. Interviewtermin mit Anne. Die Dänen sind ziemlich locker und schnell spricht man sich mit Vornamen an. Anne hat aus dem Schloss ein Hotel und Restaurant/Café gemacht.

 

Sie zeigt mir die Räume, die alle unterschiedlich sind. Ich fühle mich wie in eine andere Zeit versetzt. Es gibt ein großes Herrenzimmer, in dem die feinen Herren damals bei Whiskey und Zigarre die Weltpolitik besprochen haben (oder über Frauen getratscht, wer weiß das schon?), ein Eckzimmer mit vielen Fenstern und blauer Einrichtung – das Zimmer für die Frauen. Hier hatten sie viel Licht, um ihre Handarbeiten zu machen und dabei zu reden. Es gibt noch viele weitere Räume.

 

 

… das Damenzimmer. Aber hier ist es gemütlicher, finde ich!

Die Gäste dürfen sich aussuchen, wo sie ihren Kaffee trinken. Ich entscheide mich für die Terrasse, weil die Sonne dort so schön hinscheint und ich auf das Wasser im Burggraben blicken kann.

 

 

… mit Blick auf den Burggraben.

Als es dann Abschied-Nehmen heißt von Anne, frage ich sie noch, ob sie vielleicht Winterschwimmen macht. Das ist in Dänemark nämlich auch recht populär. Ein großes Grinsen erleuchtet ihr ganzes Gesicht: Ja, macht sie. Sie wohnt direkt am Meer (Neid!!) und geht jeden Morgen vor der Arbeit. Nur im Winter, wenn es morgens stockfinster ist, geht sie nur am Wochenende. Auf meine Frage, ob nur die Dunkelheit und nicht das kalte Wasser das Problem seien, wird ihr Lächeln nur noch größer: „Das kalte Wasser ist überhaupt kein Problem. Es gibt mir einen Kick für den ganzen Tag. Dann bin ich voller Energie!“. Ich muss auch lächeln und kann meine Vorfreude auf die kommende Winterschwimm-Saison nicht verbergen. Ich erzähle Anne, dass ich seit letztem Winter auch das Eisschwimmen für mich entdeckt habe und dass ich dafür 45 Minuten radeln muss. Sie ist sehr beeindruckt und wir versprechen uns, gedanklich miteinander zu schwimmen, wenn es wieder kalt wird. Ich sag nur: Eisschwimmerinnen unter sich! Das war echt unbeschreiblich, dass da so eine Verbindung da war, auf einmal!

 
Meine Radltour geht weiter und als ich in Svendborg ankomme, werde ich an der Rezeption des Hotels Christiansminde gleich mit Namen begrüßt: „You must be Petra!“, sagt Charlotte von der Rezeption. Ich bin etwas verwirrt und frage, woher sie das weiß. Ich sei die einzige, die noch „fehlt“ heute, war ihre Antwort. Wow! Ich bin beeindruckt. Das ist mal herzlich. Sie reicht mir auch gleich einen weißen kuschligen Bademantel und erklärt mir, wo ich am besten schwimmen kann.

Da war ich noch guter Dinge – auf meiner Terrasse im Hotel


Denn direkt vor dem Hotel seien zu starke Strömungen, aber ein paar Meter weiter wäre ein Strand mit Steg und da wäre es prima.

Die Abendstimmung habe ich noch im Hotel fotografiert. Der Strand ist nicht weit entfernt.


Ich stelle also meine Radltaschen ab, krame den Badeanzug raus und gehe zum Strand. Es ist jetzt etwa halb 8 Uhr abends, die Sonne steht tief hinter der Stadt. Ich habe mein Handy nicht mitgenommen, weil ich nicht wusste, wie die Lage am Steg sein wird. Jetzt müsst ihr euch diesen Sonnenuntergang und die Lichtstimmung halt vorstellen – oder selbst mal hinfahren. Es war beeindruckend schön. Und gegenüber des Stegs war auch schon die Nachbarinsel. Vor Svendborg im Süden von Fünen gibt’s ganz viele Inseln – größere und kleinere. Ein wahres Inselparadies.

Soooo traumhaft – aber leider sind im Wasser viele Quallen unterwegs …


Naja – zurück zum Schwimmausflug. Auf dem Steg ist eine Gruppe Jugendlicher und drei Herren, zwei sind etwa Mitte 50, einer ist älter. Ich ziehe den Bademantel aus und lege ihn auf meine Flip-Flops auf dem Steg. Dann gehe ich zur Treppe und will ins Wasser. Auf einmal reden die drei Herren auf mich ein. Also, das checke ich erst gar nicht, weil sie dänisch reden. Und dänisch kann ich nicht. Irgendwann dämmert es mir, dass die vielleicht mit mir reden. Ich sage, dass ich leider kein dänisch kann. Dann erklärt der eine, dass ich aufpassen muss, weil da Quallen unterwegs sind. Der andere (beide übrigens in Badehosen) grinst die ganze Zeit. Ich gehe also wieder auf den Steg und frage dann, ob sie sich über mich lustig machen. Nein, nein! Gar nicht. Sie zeigen mir jetzt im Wasser die Quallen. Ich habe, da ich ja quasi nie am Meer bin, solche Tiere noch nie in echt gesehen. Es sieht aus, als würde ein Taschentuch im Wasser treiben. Und es gibt einige von ihnen. Es sind sogar ziemlich große da – so groß wie meine Hand! Mit langen Tentakeln und einem roten Fleck auf dem „Rücken“. Ohmann! Ich mag jetzt eigentlich gar nicht mehr schwimmen. Ich habe Bedenken wegen der Tiere. Ich muss an den Bericht von Conny Prasser denken, als sie von einer Qualle gestochen wurde und schlimmste Schmerzen hatte. Ok. So gefährlich sind die hier wohl nicht, aber nachdem schon Mückenstiche bei mir ganz schön anschwellen, will ich nix riskieren. Und ich bin ja im Urlaub, also weg von daheim, und soll morgen noch radeln. Ohje! So hab ich mir das nicht vorgestellt.

Die drei Männer bieten an zu schauen, ob ich auf der einen Stegseite freie Bahn habe. Im flachen Wasser sind die Quallen eher nicht. Ich überwinde mich und schwimme am Steg entlang von der Treppe am Ende bis zur Leiter in der Mitte. Genießen konnte ich das nicht. Ich muss sagen, dass ich im Eiswasser schon längere Strecken geschwommen bin – mit mehr Genuss. Quallen – das sind Qualen für mich. Es ist dann auch alles gut gegangen und die Abendstimmung am Steg war echt gigantisch. Da fand ich es dann äußerst schade, dass ich keinen größeren Schwimmausflug machen konnte. Das Wasser war nämlich auch ruhig, also ohne Wellen. Aber so ist das manchmal – da spielen einfach andere Dinge rein, auf die man keinen Einfluss hat. Oder sich einschüchtern lässt. Selbst schuld, könnte man auch sagen.


Ostseeschwimmen 1 – Nyborg auf Fünen

Ich war mal wieder unterwegs. Dienstlich in Dänemark. Genauer gesagt auf der Insel Fünen. Sie ist ziemlich groß und liegt in der Mitte zwischen dem dänischen Festland und der Insel Seeland, auf der die Hauptstadt Kopenhagen liegt. Von dort bin ich mit dem Zug nach Nyborg gefahren. Nyborg war im Mittelalter die Hauptstadt des Königreichs Dänemark, Fünen gilt wegen seiner fruchtbaren Böden als „Gemüsegarten“ Dänemarks. Fünen ist über eine Brücke mit Seeland verbunden.

Mit dem Zug übers Meer – bzw. über den Großen Belt

Da ich Züge und Brücken irgendwie spannend finde, habe ich mich sehr über die Überfahrt gefreut. Und die Storebaelt-Broen über den Großen Belt ist sogar länger als die von mir als ebenfalls sehr faszinierend empfundene Öresund-Brücke. Also, je nach Messung. Beides sind sehr beeindruckende Hängebrücken.

Die Öresundbrücke von oben …

Der Flieger hat eine große Runde um die Öresundbrücke gedreht, so konnte ich sie ausgiebig bewundern!

Und welch ein Glück! Mein Hotel liegt direkt am Meer. Und mit Blick auf die Brücke! Das ist ja toll! Sehnsüchtig gleitet mein Blick über die Ostsee.

Daaaaaa will ich rein!

Doch ich bin ja nicht zum Spaß hier, deshalb müssen erst noch ein paar Termine erledigt werden und es gibt ein (äußerst feines!) Geschäftsabendessen.

Abendessen mit Blick aufs Meer und Bier von Fünen – mit Holunder. Das Bier heißt „Fünischer Frühling“ und war sehr gut!

Bissl fies: Ich blicke direkt auf die Ostsee und muss doch warten, bis es endlich soweit ist. Neidisch beobachte ich einzelne Schwimmer, sogar eine SUP-Gruppe zieht vorbei.

 

Und dann, als die Sonne hinter dem Hotel noch eine Riesenshow namens „Sonnenuntergang“ abzieht, ist es endlich soweit: Ich darf schwimmen. Endlich!

Das heißt nicht: Viel Spaß beim Schwimmen, sondern, dass man die Brücke auf eigene Gefahr betritt.

 

Da war die Sonne schneller als ich mit dem Fotografieren …

Ist das toll oder ist das toll? Im Hintergrund die Storebaelt-Brücke

Die Ostsee hat sich wohl auch auf mich gefreut, denn sie ist jetzt, am Abend, spiegelglatt. Und etwa 18 Grad warm. Sagt das Haut-Thermometer. Draußen ist es auch nicht gerade warm, aber das macht nix. Ich gehe rein, es gibt einen Steg mit Leiter. Das ist gut, denn im Uferbereich sind ziemlich viele Algen. Doch Überraschung: Das Wasser ist auch hier nicht tief. Keine Ahnung, wie weit ich raus laufen müsste, damit es tiefer wird. Ich beschließe, dass es tief genug ist und schwimme. Ohmann… das ist sooooo schön gewesen! Links das Ufer mit der untergehenden Sonne, vor mir nur die Ostsee und dann diese tolle Abendstimmung. Ich liebe Abendstimmung am See – oder an der See. Ich schwimme also ein ganzes Stück in „Oma-Brust“ am Ufer entlang. Merke, wie mich das Wasser umschmeichelt. Wie schön es wieder mal ist, im Wasser zu sein und zu schwimmen. Auch, wenn es nur Oma-Brust ist. Aber da hat man einfach die beste Aussicht!

Dann drehe ich um und schwimme zum Steg zurück. Dort sind inzwischen zwei Engländer, die die Aussicht und Abendstimmung genießen. Ich sehe jetzt auch diese tolle Brücke vor mir. Und irgendwie ist der Schwimmausflug dann viel zu schnell rum. Aber es wird jetzt wirklich dunkel und man soll ja bekanntlich aufhören, wenn’s am schönsten ist!

Luft- und Wassertemperatur: 18,4 Grad – perfekt!

 

 

Die glückliche Schwimmerin, der Große Belt und die Mega-Brücke

Am nächsten Morgen mache ich mich um kurz nach 7 Uhr nochmal auf zum Schwimmen. Allerdings ist die Ostsee auch schon „wach“ und deshalb ziemlich wellig. Das Wasser platscht mir salzig ins Gesicht, das Schwimmen ist anstrengender als am Abend zuvor.

Guten Morgen, Ostsee!

Etwas welliger als am Abend …

Blick von meiner Terasse zum Meer und der Brücke

Die Sonne ist schon länger aufgegangen, sie scheint jetzt hinter der Storebelt-Brücke. Das sieht hübsch aus, doch die Wellen sind lästig – so auf nüchternen Magen.

Blick auf das Sinatur-Hotel. Echt direkt am Wasser.

Nach dem Schwimmausflug führe ich noch ein Interview mit Jan, dem Geschäftsführer des Sinatur-Hotels. Er erzählt mir viel über Nachhaltigkeit, denn das ist den Dänen sehr wichtig. Außerdem zeigt er mir den Obst- und Kräutergarten des Hotels. Er pflückt eine gelbe Zwetschge für mich vom Baum: Herrlich süß schmeckt die.

Zwetschgenbäume im Hotelgarten

Ich hätte mich ja nicht getraut, da einfach eine zu ernten. Aber der Chef darf das!

Und dann zeigt er mir noch seine 300.000 Arbeiterinnen, für die er keine Steuern zahlt – wie er grinsend anmerkt: Das Hotel hat eigene Bienen, ein Imker kümmert sich um die Tiere und erntet den Honig.

Bienenstöcke gibt’s auch auf dem Hotelgelände

Und dann gibt’s endlich Frühstück. Sehr fein! Mit Honig von den Bienen, die ich grad noch besucht habe, hausgemachter Marmelade und hausgemachtem Nutella. Mit salzigen Nussstückchen, sehr, sehr gut!

Was für ein tolles Frühstück! Hausgemachtes Nutella mit salzigen Nüssen, Honig vom Hotelgarten, Blaubeer- und Himbeermarmelade – hausgemacht. Hmmm!!

Frisch gestärkt heißt es dann schon Abschied nehmen. Denn mit dem Radl fahre ich jetzt zum Südende der Insel – nach Svendborg. Wo auch ein Hotel direkt am Strand auf mich wartet …

Mit dem Radl geht’s an der Küste entlang nach Süden