Schlagwort-Archive: olympiabad

Fisch mit Fahrrad

Drei Wochen ohne Wasser. Drei Wochen ohne Schwimmen. Drei Wochen ohne Chlor. Drei Wochen duschen zuhause. Klingt dramatisch – ist es aber gar nicht! Ich muss zugeben, ich bin selbst erstaunt. Zum einen, weil die Dusche daheim funktioniert (ok… daran habe ich auch nicht gezweifelt), zum anderen, weil es mir eigentlich ganz gut geht damit.

Natürlich vermisse ich das Schwimmen, meine Routine, den Flow und das Treffen von Freunden und Bekannten. Aber ich habe mich erstaunlich schnell an die neue Situation gewöhnt. Das frühlingshafte Wetter hat daran sicher einen großen Anteil. Und zum Glück dürfen wir in Bayern ja (anders als in Italien zum Beispiel) raus an die frische Luft und Sport machen. Und das bietet sich ja an, wenn die Sonne scheint und kaum Wind weht. Schon in der ersten Woche habe ich das Rennrad aus dem Keller geholt und die ein oder andere Runde gedreht. Da hat es sich aber noch nach „Trotz“ angefühlt, ich wollte es mir schön reden, dass ich mal nicht in die Halle „muss“, sondern tatsächlich das Frühlingswetter nutze. Zwischendrin war’s dann wieder ziemlich kalt, mit Nachtfrost und eisigem Ostwind tagsüber. Aber jetzt ist der Frühling da und ich muss sagen, dass ich ganz zwang- und trotzlos das Rennradfahren genieße.

Ich lasse mir den Fahrtwind um die Nase wehen, ich freue mich über die wärmenden Sonnenstrahlen, ich rieche die Frühlingsluft (und kaum Abgase, weil tatsächlich weniger Verkehr ist) und freue mich an der bunten Blütenpracht. Ich rolle dahin und fühle mich fast ein bisschen wie im Urlaub. Denn die alte „Zeitrechnung“ ist größtenteils aufgehoben: Es gibt keinen heftigen Feierabendverkehr, den ich meiden will. Und wie auch im Urlaub dauert es zwei, drei Tage, bis ich mich an den anderen Tagesablauf gewöhne und es genießen kann. Einziger Unterschied: Im Urlaub will ich aus meinem Trott gerissen werden, jetzt wurde ich sozusagen staatlich verordnet aus dem Trott gerissen. Es tut mir gut. Ich kann es genießen – eine neue Form von Freiheit. Ironischerweise. Denn gerade das ist ja eingeschränkt: unsere Freiheit.

img_1597

Im Hallenbad hätte ich das nicht gesehen!

Aber wenn ich ehrlich bin, war es manchmal schon zwanghaft, das mit dem Schwimmen. Und einfach Routine, wie zur Arbeit gehen. Das macht man ja auch, ohne es zu hinterfragen. Vielleicht habe ich das auch mal gebraucht, um zu sehen, dass ich nichts verpasse, wenn ich mal nicht schwimmen gehe. Dass auch andere Sachen Spaß machen, dass Schwimmen nicht per se das „bessere Angebot“ ist.

Ok, jetzt ist es natürlich auch „unnatürlich“, denn ich kann ja gar nicht schwimmen gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es SICHER ganz leer ist, wenn ich grad mal nicht im Bad bin. (Ich weiß, dass es ganz leer ist.. hihi). Es ist schwer in Worte zu fassen. Aber ich bin froh, dass ich für mich einen Weg gefunden habe, mit der neuen und seltsamen Situation umzugehen. Sorgen mache ich mir natürlich schon, vor allem darum, wie es „nach Corona“ weitergeht. Wird es viele Arbeitslose geben? Werden liebe Menschen schwer krank werden? Was ist mit unserer Demokratie? Freiheit? Sicherheit? Reisen? Wann wird es wieder „normal“ werden? Und natürlich auch: Werden die Bäder wieder öffnen? Denn ganz ehrlich: Die Freibadsaison steht vor der Tür, ein Sommer ganz ohne Schwimmen, das ist schwer vorstellbar!

Aber wie heißt es so schön: Von allen Sorgen, die ich mir machte, sind die meisten nicht eingetroffen.“ Das ist von Sven Hedin, einem schwedischen Entdeckungsreisenden. Stand mal auf meinem Kalender. Und das ist doch ein gutes Motto – gerade jetzt.


Das Chlorhuhn an Land …

Das Corona-Virus hat uns weiterhin im Griff. Inzwischen sind nicht nur die Schwimmbäder geschlossen, fast das komplette öffentliche Leben ist lahmgelegt. Keine Cafés, Kneipen, Restaurants, keine Freunde treffen und natürlich kein Schwimmen. Das ist schon hart. Hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Aber mir fehlt das Schwimmen, die Routine, das Wasser, der Flow. Ja, der Flow fehlt mir am meisten!

img_8236

Ohmann… das fehlt mir!

Beim Schwimmen geht’s ja nicht nur ums Wasser. Ich liebe es einfach, wenn ich so dahin schwebe, mich gleichzeitig leicht und kraftvoll fühle. Wenn ich meinen Rhythmus gefunden habe und Bahn um Bahn durchs Becken ziehe. Um mich herum nur Wasser, das alle Geräusche dämpft und so schön gurgelt. Das ist beruhigend. Vor allem, wenn ich allein schwimmen kann. Das Glück habe ich hin und wieder. Und gerade jetzt merke ich, dass es das ist, was mir fehlt. Dieses Gefühl von „Sicherheit“. Wenn ich einen blöden Tag hatte und ins Wasser gehe, fällt vieles von mir ab. Mein Kopf wird frei, die Gedanken drehen sich nicht mehr, sie ordnen sich. Ich kann abschalten oder auf neue Ideen kommen. Oder Dinge von einer anderen Seite sehen. Das wäre gerade jetzt, in dieser schwierigen und unsicheren Zeit so wichtig. Aber: Es geht nicht. Und ja, das ist mir auch klar.

Was macht das Chlorhuhn stattdessen? Es versucht sich im Leben an Land. Als es vergangene Woche so schön frühlingshaft und warm war, bin ich mit dem Rennrad gefahren. Und es war schön! Ich habe mich sogar bei dem Gedanken ertappt, dass es gar nicht so schlecht ist, dass das Bad geschlossen hat, so mache ich wenigstens was anderes. Es hat gut getan, an der Sonne zu sein, den Fahrtwind zu spüren. Es war bissl wie im Urlaub. Da geht mir das Schwimmen auch nicht ab. Da mache ich andere Sachen und natürlich ist die Gesamtsituation eine andere. Und ich kann mich aufs Schwimmen freuen, denn wenn ich wieder daheim bin, kann ich ja wieder ins Bad. Aber jetzt? Weiß es keiner.

Frühling am Feldmochinger See – beim Radeln gesehen

Hübsch und blau, aber kein Schwimmbecken … 

Am Samstag war dann Nieselregen, da wollte ich nicht radfahren. Aber da ich samstags oft mit Freunden schwimmen gehe, war es doppelt hart. Weil wir weder schwimmen gehen können, noch ein Alternativprogramm starten können.

img_2728

Die Olympiaschwimmhalle vermisst uns Stammschwimmer sicher auch!

Wäre Eisschwimmen eine Option? Hm, ja, vielleicht. Das Wetter hat mir da auch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es wehte ein starker und eisiger Ostwind. Ich bin mit meinem normalen Stadtfahrrad geradelt, es war ja sonnig. Aber es war wirklich kalt und unangenehm, da hatte ich überhaupt keine Lust zum Eisschwimmen. Dazu kommt, dass ich heuer nicht besonders oft im kalten Wasser war. Und für „richtiges“ Schwimmen ist das Eisschwimmen kein Ersatz. Es ist etwas ganz anderes. Es ist ein Kick, eine Herausforderung, aber einen Flow gibt’s da nicht. Mal sehen, wie sich das Wetter entwickelt.

Ich denke mal, dass es euch anderen, die auch gern und oft schwimmen, ähnlich geht. Vielleicht helfen ja die Schwimmbuch-Tipps über die Trockenzeit? Viele lokale Buchläden, die zur Zeit geschlossen sind, bieten trotzdem einen Online-Versand an. Ihr könnt also doppelt Gutes tun: für euch und für den Buchladen.

Weiteres „Opfer“ von Corona: Der Sauna-Tag in Helsinki. Ich war eh schon unentschlossen, ob ich in diesen Zeiten überhaupt wegfahren soll (war da noch erlaubt), aber es hat sich irgendwie nicht richtig angefühlt. Und dann haben sich die Ereignisse überschlagen, der Sauna-Tag wurde abgesagt. Glück im Unglück. Da habe ich natürlich auch keine Zimtschnecken bekommen, dafür hat mir meine Freundin Diana eine gebacken und mit ins Dantebad gebracht.

Zimtschnecke fürs Chlorhuhn

Und heute gab’s bei meinem Bäcker auch wieder eine Zimtschnecke., eine Spezialanfertigung. Im Sortiment gibt’s die nämlich nicht. Aber der Junior fand Zimtschnecken bei einem Urlaub in Schweden auch toll, darüber haben wir mal geredet und er hatte im Januar schon mal eine „Test-Schnecke“ gebacken. Das Ganze ist dann wegen der Krapfen etwas eingeschlafen, aber heute bekam ich eine neue Version zum Probieren! Es gibt also auch Lichtblicke in dieser echt blöden Zeit!

Zimtschnecke von meinem Bäcker!


Corona-Schwimmpause

Mensch, was sind das für komische Zeiten gerade? Vor zwei, drei Wochen war noch alles normal – und auf einmal überschlägt sich alles und auch die Schwimmbäder sind davon betroffen. Ab morgen, Dienstag, 17. März, werden sie auch in München geschlossen. Sinnvoll – aber traurig!

img_2728

So leer wird es vorerst in der Olympiaschwimmhalle sein … 😦

Das werden jetzt harte Zeiten für uns Dauer-Schwimmer. Mindestens zwei Wochen sind alle Bäder in München (und gefühlt im Rest der Welt) geschlossen. Fürs richtige Schwimmen im Freiwasser ist es noch zu kalt. Und ausgerechnet heuer war ich keine so fleißige Eisschwimmerin. Naja. Es ist sowieso kein „Ersatz“, eher eine „Ergänzung“.

Gleich mal vorweg: Ich finde es richtig, dass die Bäder auch geschlossen werden. Zwar ist die Übertragung im Chlorwasser nicht nachgewiesen und ziemlich unwahrscheinlich, die Ansteckung an der Türklinke nicht wahrscheinlicher als im Supermarkt. Es gibt aber zwei weitere Aspekte zu beachten: Das eine ist, dass inzwischen viel mehr Menschen infiziert sind (und es oft nicht wissen, weil sie (noch) keine Symptome haben). Das andere ist, dass sich das Virus über die Luft verbreitet, man soll einen Abstand von zwei Metern zueinander einhalten. Und da sind wir am Knackpunkt: Selbst wenn man zu „Randzeiten“ schwimmen geht, trifft man auf andere Menschen. Und manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man zu zweit am Beckenrand steht. Und schnauft (atmet). Und weil immer mehr Menschen infiziert sind, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass da einer im Bad infiziert ist. Das war vor zwei Wochen noch anders, da waren weniger Infizierte gemeldet. Und wenn ich dann sehe, dass sich Gruppen von fünf oder mehr Schwimmern zusammentun und gemeinsam trainieren, ratschen, pausieren, außer Puste sind – dann wird mir da jetzt eben ganz anders. Es geht jetzt eben darum, die Ausbreitung einzudämmen, zu verlangsamen.

 

Aber natürlich ist es traurig, dass die Bäder schließen. Zum einen natürlich, weil mein liebster Lieblingssport wegfällt. Ich schwimme ja gern, dieses monotone Bahnenziehen brauche ich für mein Wohlbefinden. Es ist mein Ausgleich, meine Meditation. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sich anfühlen wird, nicht zu schwimmen. Ob Radfahren das ersetzen kann?

 

Zum anderen, weil das Schwimmen und der Besuch im Bad auch eine soziale Komponente hat. Hier treffe ich Bekannte, die ich nur hier treffe. Deren Namen ich oft nicht weiß, die ich an der Badehose bzw. am Badeanzug erkenne und auf der Straße wohl nicht kennen würde. Die Gleichgesinnte sind, mit denen man zwei, drei Worte wechselt. Manchmal auch mehrere Sätze. Das wird mir, die alleine lebt, fehlen! Denn auch in der Arbeit sind weniger Menschen vor Ort, auch ich werde zum Teil Homeoffice machen – auch hier fehlen die sozialen Kontakte. Auch das ist richtig, aber es ist halt auch traurig.

 

Wir werden sehen, wie sich das alles weiterentwickelt – und ob ich danach noch schwimmen kann. Jetzt muss ich erstmal schauen, ob die Dusche daheim noch funktioniert … 😉


Bilanz 2019: 834 Kilometer

Wow! 834 Kilometer bin ich heuer, 2019, geschwommen. Nur im Becken! Die paar Meterchen im See kann ich dieses Jahr getrost unter den Tisch fallen lassen.

So leer ist das Becken natürlich nur nach Betriebsschluss

Das „Wow“ ist so zu verstehen, dass ich „normalerweise“ etwa 500 Kilometer schwimme. Das wurde letztes Jahr schon getoppt: Da waren es dann 666 Kilometer. Und dieses Jahr hatte ich die 500 schon am Geburtstag, also im August, voll. Da waren dann auch die 666 nicht mehr als nur eine schöne Zahl. Wohin sollte die Reise also gehen? 700? Realistisch, aber nicht wirklich eine Herausforderung. Aber solange diese Marke das Ziel war, war die „700“ in der Olympiaschwimmhalle auch mein Schrank.

 

Unfassbar! Kaum Schwimmer da, aber mein Schrank ist besetzt!

Zum Glück nicht immer …

Doch das war dann auch geknackt und die Kilometerjagd ging weiter. „Jagd“ deshalb, weil es mir heuer – ironischerweise genau in dem Jahr, in dem ich weniger schwimmen wollte – ziemlich wichtig war, Kilometer zu sammeln. Keine Ahnung, warum das so war. Ich habe auch immer fleißig mitgerechnet, normalerweise schaue ich am Ende der Freibadsaison mal, wie viele Kilometer schon zusammengekommen sind, oder im November. Aber heuer war alles anders.

Das hat mit einem verrücken Plan im Mai zu tun: Da wollte ich tatsächlich jeden Tag schwimmen gehen. Also vom 1. bis 31. Mai – 31 Mal hintereinander. Das war mal schön, und mal weniger schön. Weil entweder viele Leute da waren oder ich nicht in meinen Flow gekommen bin. Und manchmal hat es sich angefühlt wie Arbeit – und ich war ja auch tatsächlich öfter schwimmen als arbeiten (Feiertage, Wochenenden – keine Ausnahmen, zumindest nicht im Mai). Und dann war es doch so gut, dass ich am 1. Juni gleich nochmal schwimmen gegangen bin. Hihi!

Ach, Freibad … bis wir uns wiedersehen, dauert es noch …

Die verlängerte Freibad-Saison bis 30. September hat ihr übriges getan, dass zahlreiche Kilometer hinzugekommen sind. Und als dann die Olympiaschwimmhalle wieder geöffnet hat, war es da bis zur offiziellen Eröffnung sehr ruhig. Und das musste ich natürlich nutzen. Schönes Schwimmen unter dem Zeltdach, wieder mit viel Platz. Tja und so ging das Jahr zur Neige und das Chlorhuhn ist geschwommen, geschwommen, geschwommen. Und anders als zum Beispiel im letzten Jahr hatte ich nie „Unlust“ verspürt. Klar, manchmal fiel es mir im Wasser schwer, der Flow hat sich nicht eingestellt oder so, aber ich hatte immer Lust hinzugehen. Kein „Zuviel“ vom vielen Schwimmen – eher im Gegenteil!

Ich habe einen neuen Schrank – weil er eine „8“ enthält und so schön zweideutig ist.

Allerdings muss ich auch eingestehen: Ich habe wirklich kaum etwas anderes gemacht. Ich war nicht im Urlaub (im April in Dresden und im Oktober in Antwerpen), aber im Sommer war ich hier. Beziehungsweise im Freibad. Und auch das See-Schwimmen habe ich vernachlässigt. Sowohl im Sommer als auch im Herbst und Winter. Irgendwie war mir das „Kacheln zählen“ im Edelstahlbecken lieber. Und so habe ich auch kaum etwas erlebt, in diesem Jahr 2019. Kein Radln in Dänemark oder Schweden, keine neuen Abenteuer in Estlandoder sonstwo. Das kann man schon mal machen, ist sicher gut für die Klimabilanz, aber so das Gelbe vom Ei war’s nicht im Rückblick.

Auf der anderen Seite der Bilanz steht aber auch, dass ich viele „Gemeinsame Kilometer“ geschwommen bin. Im Winter, als wir in der Olympiaschwimmhalle noch im Trainingsbecken geschwommen sind, waren meine Schimmfreunde Jakob und Cissi oft da. Auch, wenn die beiden viel besser und schneller schwimmen als ich, sind wir irgendwie gemeinsam geschwommen. Auch mit meiner Freundin Diana hat es 2019 wieder öfter geklappt, das wir uns zum Schwimmen getroffen haben. Im Sommer gab’s zahlreiche Freibad-Besuche mit Cissi, die mir ihr Lieblingsfreibad in Dachau gezeigt hat, aber auch Ausflüge nach Germering oder „daheim“ im Dante- oder Schyrenbad. Und auch, wenn immer behauptet wird, dass Schwimmen ein einsamer und wenig kommunikativer Sport ist, finde ich es schön, wenn ich nette Gesellschaft habe. Klar: Während des Schwimmens redet man nicht miteinander, aber der/die andere ist auch da und jeder kann seinen Plan schwimmen – und ist nie weit weg. Ganz anders als beim Radlfahren …

Als Fazit lässt sich sagen, dass ich das mit den vielen, vielen Kilometern mal ausprobiert habe – und mal sehen, was ich 2020 mache. Das ist ein Schaltjahr, also ein Tag mehr zum Schwimmen – oder für was anderes… mal sehen …


Olympiaschwimmhalle wieder offen

Gestern war die offizielle Wiedereröffnung der Olympiaschwimmhalle in München. Drei Jahre wurde renoviert, drei Jahre war je ein Teil der Halle gesperrt. Es gab neue Wege, neue Perspektiven und andere Schwimmbecken. Im ersten Teil der Bauarbeiten war das Trainingsbecken unter der Tribüne gesperrt. Das hatte zur Folge, dass die Studenten und andere, die eigentlich dort schwammen, im großen Wettkampfbecken ihre Bahnen zogen. Dann kam Teil zwei des Umbaus – das Wettkampfbecken war gesperrt, alle Schwimmer mussten in das kleine Trainingsbecken unter der Tribüne. Das Becken hat nur fünf Bahnen, da wurde es oft eng, vor allem, weil alle Bahnen geleint waren. Aber auch, weil oft Bahnen gesperrt waren, weil die Uni ja weiterhin ihr Schwimmtraining abhalten musste.

Beengte Verhältnisse im Trainingsbecken während der Umbau-Phase im Oly

In der ganzen Zeit des Umbaus hatte ich ganz vergessen, wie schön und großräumig die Olympiaschwimmhalle ist. Denn das Trainingsbecken ist unter der Tribüne, es fühlt sich an wie in einem Keller. Es ist auf derselben Ebene wie die anderen Becken, aber die Decke ist eben sehr niedrig. Man hat überhaupt nichts von der Außenwelt mitbekommen: Sonne? Regen? Schnee? Weltuntergang? Hätte alles passieren können, während ich meine Bahnen ziehe. Das fand ich schon schade, hier so unter Tage zu sein.

Deshalb bin ich letztes Jahr im Herbst auch recht oft im Dantewinterwarmfreibad gewesen. Ich möchte hier auch mal meine Hochachtung für die Bademeister aussprechen, die ja nicht nur eine Stunde hier unten im Dunklen saßen, sondern ihren kompletten Dienst über knapp zwei Jahre im Keller abgeleistet haben.

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Zwei meiner Schwimmfreunde hätte ich ohne den Umbau im Oly wohl nie kennengelernt: Jakob und Cissi, die schnell und schön schwimmen, sind mir irgendwann im Wettkampfbecken aufgefallen und wir sind ins Gespräch gekommen. Im Laufe der Zeit haben wir und oft gesehen, oft geredet und irgendwann sogar Telefonnummern ausgetauscht. So wurde aus der Bekanntschaft im Umbau-Oly über die Zeit eine Freundschaft, die im Sommer zu Schwimmausflügen in die Freibäder im Umland geführt hat und nun schon über viele gemeinsame Schwimmkilometer besteht. Ohne den Umbau hätten die beiden wohl immer im Hochschulbecken ihre Bahnen gezogen, während ich im Wettkampfbecken (so heißen die beiden Becken nun mal) geschwommen wäre. Ein sehr schöner Nebeneffekt des Umbaus.

Und dann war es irgendwann im Sommer 2019 soweit: Man munkelte, dass das Wettkampfbecken und auch das Trainingsbecken geöffnet sind. Für mich war das im Sommer noch gänzlich uninteressant – ich war bis 30. September im Freibad. Am 1. Oktober war ich „nur“ kurz Herbstschwimmen im See, das Wetter war einfach zu gut für die Halle. Und so kam es, dass ich am 2. Oktober das erste Mal wieder im „Oly“ war. Der Eingang ist noch der Baustelleneingang und so bin ich auch erstmal in die Sammelumkleide gegangen, die während des Umbaus mein Refugium war. Logo hatte ich auch hier „meinen“ Schrank! Doch der Weg von der Sammelumkleide zum großen Becken ist weit. Ich hab mich dann noch gewundert, warum das so ist und warum das früher anders war. Bis mir dann eingefallen ist, dass der Eingang noch an anderer Stelle ist. So gibt’s bzw. gab’s neue Wege – und auch eine neuen Schrank. Dazu später mehr.

Jetzt erstmal das Becken und die Halle. Die Fensterfront aus Glas muss noch gemacht werden, deshalb ziert hier ein schönes buntes Bild die Baustellenfassade.

Die Glasfassade muss noch erneuert werden. Währenddessen ziert dieses Bild die Holzwand.

Aber wie groß das Schwimmbecken ist! Acht Bahnen (statt fünf im Trainingsbecken). Und die Höhe erst! Wie viel Platz gibt es rund um das Becken. Und wie schön ist es unter dem geschwungenen Zeltdach. So luftig! Und ein Teil der Glasfassade ist frei, so dass man zumindest ein bisschen was von der Außenwelt mitbekommt. Manchmal scheint sogar die Sonne aufs Becken.

So leer ist es nur bei Betriebsschluss. Aber wie schön es ist, sieht man hier natürlich am besten. Und träumen wird man ja dürfen …

Ich sauge die neue alte Atmosphäre auf und freue mich. Es ist einfach schön, wieder im Oly zu sein. Dass das Becken jetzt aus Edelstahl ist und nicht mehr gefliest, ist schade. Aber ich habe mich beim Schwimmen im Trainingsbecken schon an das Edelstahl gewöhnt, so dass es mir gar nicht so neu vorkommt. Und ein paar Fliesenstücke vom alten Oly habe ich ja daheim!

Fliesen aus dem alten Oly-Schwimmbecken von 1972

Es schwimmt sich auch echt gut. Vor allem am Anfang kam mir das Becken groß und unübersichtlich vor. Im Trainingsbecken mit seinen fünf Bahnen hat man viel schneller gesehen, wer sonst noch da ist. Oder im Freibad, wenn eh nur eine Bahn für die Schwimmer abgetrennt ist. Da sieht man gleich, wer heute auch schwimmt. Aber bei acht Bahnen, von denen sechs geleint sind – da kann man schon mal den Überblick verlieren. Nachteil der vielen Bahnen: Es gibt nur einen eher kleinen Teil für die „Nichtschwimmer“ und nach wie vor ist es nicht gewollt, dass die Bahnen irgendwie „eingeteilt“ werden. Es kann jeder da schwimmen, wo er/sie es für richtig hält. Wenn man Pech hat, verirrt sich auf jede der sechs Bahnen ein langsamer Brustschwimmer, der schwer zu überholen ist. Oder man hat Glück und kann seine Bahn einmal auch mit einem richtigen Profi teilen – als ich mit Alexandra Wenk auf der Bahn geschwommen bin.

Und dann ist da ja noch die Frage nach dem Schränkchen. Von der Sammelumkleide war mir der Weg zum Becken und den Duschen zu weit. Außerdem sind in der Sammelumkleide jetzt auch wieder vermehrt Schulklassen, die zum Schwimmunterricht da sind. Da war es an der Zeit, dass ich mir eine neue Umkleide und einen Schrank suche. Nehme ich die alte „824“ wieder? Irgendwie scheinen die Schränkchen neu nummeriert zu sein, denn die Lage von „824“ ist nicht ideal.

Welches Schrankerl darf’s denn sein?

Hm… was nehme ich dann? Ich teste verschiedene Schränkchen auf ihre Lage und auf die damit verbundenen Wege. Und lande am Ende bei „700“. Ja – ein Schränkchen ohne eine „8“! Sowas!

Tadaa! Die 700 macht das Rennen – quasi 007 von hinten!

Aber die 700 ist ein guter Schrank. Kaum andere Leute da, nah an der Dusche und nah am Becken. Und: der einzige Kleiderbügel weit und breit im Oly ist auch fast immer da, wo ich ihn lasse. Nur ein paar Mal musste ich suchen, bis ich ihn wieder gefunden habe. Angeblich gibt’s 500 Kleiderbügel, aber wo die sich verstecken, habe ich noch nicht herausgefunden…

 

Der einzige Kleiderbügel im Oly – entweder im Schrankerl oder in der Umkleide!


Schwimmen mit Alexandra Wenk

Vor einigen Wochen habe ich mir in der Olympiaschwimmhalle die Bahn mit Alexandra Wenk geteilt. Sie schwimmt ja nicht mehr in München, war aber zu Besuch in der alten Heimat – und was macht man da? Schwimmen, natürlich! Wir waren nur zu zweit auf der Bahn, es war ein Tag, an dem es recht ruhig war. Und ich muss sagen: Ich war begeistert. Oder ich bin es eigentlich immer noch. Zu sehen, wie so ein Profi schwimmt, das ist einfach nur toll. Wie sie ganz ruhig im Wasser liegt, sich selbst bei den Bewegungen kaum bewegt, kaum anstrengt und so derart schnell vorankommt. Wahnsinn! Sie ist wohl „nur locker“ geschwommen, wenn ich mir erlauben darf das zu beurteilen. Allein die Wasserlage. Ganz ruhig, ganz nah an der Oberfläche. Ganz flach. Ein Armzug, ein Beinschlag – und zack, weg ist sie! Keine Wellen, keine Sauerstoffblasen, kein Garnix! Wie ein Fisch. Diese Körperspannung, diese Beherrschtheit. Anmut pur. Ich habe eine Gänsehaut bekommen, weil es mich so fasziniert hat. Es ist gar nicht so sehr die Geschwindigkeit, die mich beeindruckt hat (obwohl die auch um einiges höher ist als bei meinen eh schon sehr guten Schwimmfreunden). Es ist schwer zu beschreiben, aber vielleicht hat mich am meisten diese Körperbeherrschtheit begeistert. Diese Ruhe und Kraft. Die Leichtigkeit, mit der sie durchs Wasser gleitet, ohne es aufzuwühlen. Die Perfektion. Ich war jedenfalls sehr begeistert, das aus nächster Nähe zu sehen, zu erleben. Und dankbar. Denn es passiert nicht jeden Tag, dass ich mir die Bahn mit einem Profi teilen darf.


Fremdschwimmen in der eigenen Stadt: Südbad

Die nächsten beiden Wochen werden schwer für mich. Die Olympiaschwimmhalle, mein Winterquartier sozusagen, ist wegen Revision geschlossen. Normalerweise findet das zur Freibadsaison statt, da krieg ich das nicht mit. Aber wegen des großen Umbaus musste das jetzt stattfinden. Ohmann. Was tun? Eigentlich ist das Dantebad eine gute Ausweichmöglichkeit, aber bei den frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein ist mir da das Wasser einfach zu warm. Und mutmaßlich ist es dort auch gut besucht. Ich habe auch schon überlegt, gar nicht schwimmen zu gehen. Aber irgendwie fühlt sich das auch nicht gut an. Ich weiß, ich bin ein verrückter Junkie! Aber als ich letzte Woche im Olympiabad mit anderen Schwimmern geredet habe, ging es ihnen genauso. Und übrigens nicht nur denen, die richtig gut schwimmen, sondern auch diejenigen, die eher so vor sich hinschwimmen. Zwei Wochen ohne, das ist ganz schön hart.

Also habe ich mir einen Plan überlegt. Ich fahre ins Südbad. Fahrtstrecke ist vertretbar und ja, es hat nur eine 25-Meter-Bahn. Aber immerhin sind zwei Bahnen abgetrennt. Und durch die große Glasfront soll die Sonne auch schön ins Becken scheinen. Das verspricht die Webseite und als ich dort ankomme, ist es genau so. (Fotos darf man ja nicht machen, ihr müsst also auf die Homepage der Stadtwerke gehen)

Allerdings wirkt das Becken auf mich wie im Miniaturwunderland. So klein. So kurz. Fast niedlich. Ich weiß, das klingt voll arrogant, aber ich habe echt das große Glück, sommers wie winters im 50-Meter-Becken zu schwimmen. Das letzte Mal auf 25-Meter, das war in Helsinki, im Allas Seapool. Naja. Jetzt war die Wahl eben zwischen zu warm und zu kurz. Ich habe zu kurz gewählt und stelle schnell fest, dass es zum einen wirklich eine kurze Bahn ist. Zweimal ramme ich auch fast die Wand. Könnte auch an der Sonne liegen, die die Sicht etwas verblendet hat. Und ich stelle fest, dass vier Leute auf der Kurzbahn ganz schön viel sein können. Überholen ist eine Herausforderung, weil die Bahn einfach schnell zu Ende ist. Ich habe Glück, zwei der drei Mitschwimmer sind recht rücksichtsvoll, machen eine kurze Pause an der Wende und lassen mich vor. Der dritte konnte wohl seine und meine Geschwindigkeit nicht gut einschätzen oder hat nicht aufgepasst, wasweißich, jedenfalls war der bissl unangenehmer. Aber auch nur kurz.

Im Großen und Ganzen hat es ganz gut geklappt. Und ich habe mal wieder festgestellt, wie anders es sich anfühlt, woanders zu schwimmen. Gar nicht so: „mein Bad, meine Bahn, weg da!“. Eher so: Wir schwimmen hier jetzt gemeinsam. Oder fast so bissl: Ich bin hier Gast. Irgendwie war’s entspannter. Kennt ihr das auch? Dass man so innerlich zu „meine Bahn“ neigt, wenn man immer „daheim“ schwimmt?

Die Sonne hat jedenfalls tatsächlich schön durch die große Glasfront geschienen, das war schön. Denn im Olympiabad bin ich zur Zeit ja nur „unter Tage“, da kriegt man von der Welt nichts mit. Und als ich fertig war mit schwimmen, sehe ich tatsächlich einen der Olympiabad-Dantesommerbad-Schwimmer hier. Wir grinsen uns an. Geredet haben wir in all den Jahren noch nie. Aber heute. Weil wir ja Leidensgenossen sind. Und deshalb ratschen wir jetzt kurz – übers Schwimmen und dass es schon blöd ist, dass das Oly grad zu ist.

Zum Abschluss meines Fremdschwimmausflugs gönne ich mir noch ein bisschen Relaxen im Außenbecken. Die Sonne scheint durch die Schleierwolken, das Wasser ist warm und sprudelt und ich döse ein bisschen vor mich hin. Sehr fein! Eigentlich waren die zwei Stunden heute fast wie ein kleiner Urlaub.

Immerhin ein Bild von außen: Das Südbad in München Sendling.

Samt An- und Abreise, weil ich eigentlich auch nie durch Untersendling radle. Schade eigentlich. Ist schön da. Und das Bad ist mitten in der Stadt, zwischen den Wohnhäusern und Wirtschaften. Nicht so ab vom Schuss wie das Dante und Oly. Vielleicht mache ich da nächste Woche nochmal einen Ausflug. Mit anschließendem Essen in einer der Wirtschaften, an denen ich heute nur vorbei geradelt bin. Denn wie heißt es so schön auf meiner Bäderkarte: „Ihre Auszeit vom Alltag!“. Genau so habe ich mich heute gefühlt.

Ihre Auszeit vom Alltag – aber wenn Schwimmen Alltag ist?!