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Start in die Wintersaison

Als ich am Langwieder See ankomme und ein Foto machen will, denke ich mir: Das hast du doch schon 100mal fotografiert. Den See. Den Himmel mit und ohne Wolken. Die Bäume mit grünen Blättern, dann mit gelben und irgendwann ohne Laub. Aber das ist ja das Schöne: Es ist inzwischen vertraut. Das Schwimmen im See im Herbst, Winter und Frühling mache ich inzwischen auch schon ein paar Jahre und deshalb kenne ich auch diese Stelle am See schon recht gut. Und auch, wenn es immer dasselbe ist, ist es immer wieder anders.

Heute ist es recht windig, von Westen her weht es über den See. Der macht leichte Wellen, die Autobahn dröhnt übers Wasser. Ich lasse mich davon nicht stören, freue mich lieber, dass die Sonne trotz Wolkenschicht noch wärmt und gehe ins Wasser. Das ist frisch, aber nicht kalt. Untertauchen und schwimmen ist kein Problem. Mein Thermometer zeigt zwar stur 20 Grad an, aber das glaube ich nicht. Eher 16 Grad. Es bitzelt ein kleines bisschen, aber kein Kribbeln. Dazu ist es zu warm. Ich drehe eine kleine Runde, dann gehe ich wieder raus. Ich fühle mich erfrischt. Total toll!

Dann bleibe ich noch ein bisschen am Ufer. Und siehe da! Eine zweite Frau kommt! Wir ratschen ein bisschen, dann schwimmt sie los. Auch sie meint, dass das Wasser etwa 16 Grad hat und dass sie öfter hier ist.

Ich sehe ihr noch nach, dann radl ich zurück. Ich habe nämlich Hunger!


32. Mai

Heute ist der 32. Mai. Das ist kein Tippfehler… oder vielleicht ein kleiner. Man könnte nämlich auch sagen, dass es heute das 32. Mal war. Dass ich schwimmen war. Am Stück! Seit das Freibad am 1. Mai aufgemacht hat, war ich jeden Tag schwimmen. Das wollte ich mal ausprobieren. Letztes Jahr war ich fast den ganzen Mai schwimmen, es gab 3 Tage „frei“. Aber jetzt eben das Experiment.

Ihr könnt euch ja vorstellen, dass es soooo schlecht nicht sein konnte, wenn ich auch heute, laut Kalender der 1. Juni, schon wieder schwimmen war.

Angefangen hat es natürlich gut. Mit viel Vorfreude auf die Freibad-Saison. Und es war toll! Obwohl im Schyrenbad das Wasser an den ersten beiden Tagen recht frisch war. Dafür war das Wetter gut. Das sollte ja nicht so bleiben. Und so bin ich im Regen durch die ganze Stadt geradelt, um ein paar ruhige Bahnen ziehen zu können. Bis auf 2 Tage konnte ich auch meine Standardstrecke von 3.000 Metern schwimmen. Aber die „fehlenden“ 500 Meter wurden bei nächster Gelegenheit nachgeholt. Muss ja alles seine Ordnung haben!

Manchmal war’s auch echt kalt. Aber dafür war ich ungestört. Und ich kam mir recht schnell vor. Ich habe einfach (fast) die ganze Strecke durchgekrault. Zu kkkkaaaalllt zum Nachdenken oder Pause machen! Weiter immer weiter!

Dann flux über die Wiese laufen zur Dusche. Die ist zwar warm, aber der Raum nicht. Es ist eher offen, so dass es kühl ist. Und die Umkleide ist ebenfalls offen. Nur ein Dach drüber (immerhin!). So bin ich dann halb verfroren heimgeradelt und war froh, wenn ich angekommen bin.

Aber es gab auch schöne Tage. An denen ich trotzdem fast allein geschwommen bin, die Sonne hinter den Wolken hervorgelugt hat und es nicht so kalt war. Oder eine meiner Schwimmfreundinnen dabei war. Jede eine Bahn für sich… toll!

Oder ein Tag mit Sonne im Dante. Da war dann gleich ganz viel los. Aber kein Problem, ich kannte alle 4 Mitschwimmer!

Dann war der Tag mit dem Dauerregen. Da hatte ich Glück, denn als ich unterwegs war, hat es fast gar nicht geregnet. Die Isar hatte aber schon beim Hinfahren viel Hochwasser, knapp zwei Stunden später, hatte sie sich einen Weg über die Wiese gebahnt, um den Radweg auf der rechten Seite zu fluten. Das war schon spannend, wie schnell das ging!

An einem anderen Tag habe ich im Schyrenbad ein vierblättriges Kleeblatt entdeckt! Einmal kurz nach unten geschaut und da war es!

Und natürlich gab’s die Tage, an denen ich mir dachte: gut, wenn es vorbei ist und ich Pause machen kann. Und beim Schwimmen die ersten 10-20 Bahnen nicht vorbeigehen wollten. Und dann die letzten 10 auch… die zogen sich… und ich war flügellahm und eigentlich froh, dass es nur noch 2 Tage sind. Der Feiertag und der Freitag. Yeah. Ende in Sicht.

Da lief es im Wasser dann prima! Wie am Schnürchen. Als ob ich nicht die letzten 30 Tage geschwommen wäre.

Und dann eben heute. Sonne, Samstag, warm … und nichts anderes vor. Hm. Ob ich es wage? Eigentlich wäre es verschenkt, nicht schwimmen zu gehen. Vor allem, wenn nächste Woche wirklich Hochsommer ist. Dann geht nämlich nichts mehr. Dann ist Schluss mit lustig und allein in Ruhe und so… also gut. Für 2 klitzekleine Kilometerchen geh ich schwimmen.

Und dann bin ich da. Und es ist recht ruhig. Glück gehabt. Ich lass mich ins Wasser gleiten. Es ist angenehm kühl. Ich spüre das Kribbeln der Wasserblasen an meinem Bauch. Ich trage nämlich einen Bikini, weil es schönes Wetter ist. Ohmann, ist das schön. Und von wegen flügellahm, ich fühle mich gut und schnell.

Dann ist auf einmal Chaos, viele Leute, die recht unterschiedlich schwimmen. Das mag ich eh nicht und nachdem ich jetzt immer allein war, ist es noch blöder. Gut, dass ich nur 2 Kilometer machen will und das gleich erledigt ist.

Und dann? Dann löst sich das Chaos auf und ich denke… hm. Das kann ich jetzt so nicht beenden. Jetzt, wo wieder Ruhe und Ordnung ist. Da muss ich ja fast… genau! Und so war das dann auch. Und am Ende waren es dann doch 3 Kilometer. Zur Belohnung, weil es ich ja gestern mein Ziel erreicht habe.

Morgen ist jedenfalls Schwimmpause. Ganz, ganz sicher!


Sauna-Päivä in Helsinki

Die Sauna ist in Finnland allgegenwärtig und ihr wisst ja sicher, dass es dort so viele Saunen gibt, dass sich statistisch gesehen zwei Finnen eine Sauna teilen können. Und da könnte man ja meinen, dass in Finnland jeder Tag „Sauna-Tag“ wäre. Aber es gibt einen Tag, der tatsächlich so heißt „Sauna-Päivä„. Hauptsächlich in Helsinki. An diesem Tag im März sind Saunen geöffnet, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit sind: Private Saunen, Saunen im Studentenwohnheim oder im Hotel. Und weil ich ein großer Fan der finnischen Sauna bin, bin ich letztes Jahr extra zum Sauna-Päivä nach Helsinki geflogen. Der nächste Termin ist jetzt am Samstag, 9. März.

Planung

Aller Anfang ist Planung! Um den Sauna-Tag entspannt genießen zu können, ist es sinnvoll, sich bei den verschiedenen Saunen anzumelden. Die meisten Angebote kann man nämlich nur nutzen, wenn man sich angemeldet bzw. eingetragen hat. Den Plan gibt’s hier: https://www.helsinkisaunaday.fi/search und der wird auch ständig erweitert. Reinschauen und dranbleiben lohnt sich also!

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Tervetuloa! Herzlich willkommen beim Sauna-Tag!

Bei den einzelnen Saunen steht auch, was geboten ist und was man mitbringen muss. In aller Regel ein Handtuch. Sinnvoll sind auch Badeschlappen und manchmal auch ein Badeanzug bzw. Badehose. In Finnland wird oft geschlechtergetrennt sauniert, manchmal aber gemeinsam. Und da wird dann Badebekleidung getragen. Und wer es richtig „finnisch“ will, setzt sich einen Sauna-Hut auf. Der soll den Kopf vor zu großer Hitze schützen. Ebenfalls wichtig: Trinken! Wer schwitzt, verliert Flüssigkeit und Mineralien, deshalb viel trinken. Wasser ist immer gut, aber auch Saftschorlen oder ein Bier sind möglich. Und wer den ganzen Tag von Sauna zu Sauna zieht, sollte auch eine Mahlzeit einplanen.

Huopalahden Sauna

Meine erste Sauna am Sauna-Tag war eine ganz besondere: Huopalahden Sauna. Mit dem Zug geht’s nach Huopalahti. Das Wetter an diesem März-Tag ist grau: Die Wolken hängen tief und obwohl es Mittag ist, ist das Licht diffus. Der Schnee auf den Straßen und Gehwegen ist auch grau und leicht matschig. Es ist nicht wirklich kalt, um den Gefrierpunkt. Aber diese graue Feuchtigkeit ist ungemütlich. Genau das richtige Wetter, um in die Sauna zu gehen. Ich verlasse den Bahnsteig, denn die Sauna ist genau am Bahnhof. Kein Wunder, das alte Bahnhofsgebäude aus weißem Holz wird von der Finnischen Bahn nicht mehr gebraucht und so hat es Liisa Akimof 2013 gekauft. Und wie sich das in Finnland so gehört, gehört zum Bahnhof auch eine Sauna. Liisa sägt gerade Holzlatten in kleinere Stücke, als ich auf das kleine rote Ziegelhäuschen zusteuere. Darin ist die Sauna.

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Das alte Bahnhofsgebäude in Huopalahti.

Rund um das Ziegelhäuschen stehen ein paar Häuser aus Holz. Das größte ist weiß und steht am nächsten an den Gleisen. Das war früher der Bahnhof. Doch heute ist aus dem Vorort-Bahnhof eine gesichtslose S-Bahn-Station geworden. Liisa wohnt hier und bietet in dem großen Haus Lesungen und andere Kultur-Events an. Die Sauna ist eigentlich nur für die Bewohner des Areals.

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Da ist die Sauna drin.

Heute, am Sauna-Tag, können auch Besucher kommen. Vorausgesetzt, sie haben sich angemeldet und Glück gehabt. Zweimal 8 Plätze gibt’s. Eine Runde für Frauen, eine Runde für Männer. Wie das in Finnland traditionell so ist. Seit 1910 gibt’s die Sauna, erzählt Liisa. Sie war für die Bahnarbeiter gedacht.

(Sobald das Video läuft, steht das Bild auch nicht mehr auf dem Kopf)

Es ist eine alte, einfache Sauna. Etwa 10 Quadratmeter groß. Die Wände sind betongrau, eine steile Holzleiter führt zu der Sauna-Bank, auf der wir später zu acht Platz haben. Durch das Fenster dringt das diffuse Nebelwintergrau in den Raum. In der Ecke stehen zwei Öfen: Einer mit großen Steinen oben drauf, der Kiuas, also der Sauna-Ofen. Der andere ist eine Wassertonne, hier wird das Wasser erwärmt. Wer sich waschen will, muss das mit einer Schüssel machen, auf die ganz altmodische Art. Duschen gibt’s nämlich keine. Es atmet den Charme der Vergangenheit.

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Alles ganz schlicht: Holzbank, der Saunaofen mit den Steinen und die Tonne mit dem heißen Wasser.

Die Sauna wird mit Holz beheizt, was eine sehr schöne Wärme ergibt. Es ist keine so trockene Luft wie ich es aus Deutschland kenne. Was auch daran liegen könnte, dass wir viele Aufgüsse machen. Auch das macht in Finnland kein Sauna-Meister, der zur vollen Stunde kommt, sondern die Sauna-Gäste selbst. In unserem Fall ist das Johanna, die mit Sauna-Hut und Sauna-Tattoo – ein Holzeimer und ein Birkenbündel – ein echter Fan des Schwitzens ist.

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Gleich sind alle Plätze belegt!

Und was kann ich sagen? Es ist einfach nur schön. Wir sitzen wie die Hühner auf der Stange, genießen die Wärme und ratschen. Sehr entspannt. So gefällt mir das. Und zum Abkühlen geht’s in den Schnee! Ich gehe erst ein bisschen auf und ab, atme die frische Luft. Dann wage ich es und lege mich kurz in den weißen Schnee. Schön! Auch Elisa schnappt frische Luft und ist begeistert von der alten Sauna und der Umgebung: „Es ist schon lustig, da warten die Fahrgäste am Bahnsteig auf den Zug, während wir hier im Schnee liegen. Wir haben quasi Publikum!“

Der Zug fährt ein und nimmt die Wartenden mit. Und auch wir warten nicht länger, sondern steigen in die Sauna – für die zweite Runde.

Liisa hat nicht nur die Sauna angeheizt, sie hat auch die Kaffeemaschine angemacht und gegen eine kleine Spende gibt’s sogar einen Kuchen mit Äpfeln aus dem Bahnhofsgarten. In der Waschküche stehen neben zwei großen Waschmaschinen zwei 50er-Jahre-Sessel und ein Nierentisch.

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Liisa killt mit ihrem Messer gleich den Apfelkuchen.

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So charmant kann eine Waschküche sein.

Und während ich mir zum Abschluss Kaffee und Kuchen schmecken lasse, ist die Frauen-Zeit in der Sauna auch schon rum und die Männer kommen. Peter hat sich gleich mal die Säge geschnappt: „Wenn jemand schon so nett ist und kostenlos eine Sauna anbietet, will ich meinen Teil dazu beitragen, dachte ich mir. Und ich hatte Recht: Es ist noch kein anderer da… ja, warum nicht? Im Stadtleben machst du das nicht so oft, aber im Sommer ist es ganz normal – nur nicht im Winter.“ Liisa hatte in ihrer Sauna-Beschreibung erwähnt, dass sie sich freut, wenn jemand beim Holzsägen hilft. Wir Mädels haben das nicht gemacht, aber die Jungs sind ganz fleißig. Nach und nach trudeln die Männer ein, jeder greift zur Säge und sägt ein bisschen. Alle haben gute Laune und ich finde es schade, dass ich weiterziehen muss.

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Wer mag, darf sägen.

Sauna-Dorf im Museumsinnenhof

Mit dem Zug fahre ich zurück ins Zentrum von Helsinki. Unweit des Bahnhofs ist das Nationalmuseum und dort ist im Innenhof ein ganzes Sauna-Dorf aufgebaut. Ein Zelt dient als Umkleide, rund um stehen Imbisswägen, die aber keine Würstl braten, sondern mobile Saunen sind. In die kleine Tubi-Sauna passen gerade mal 6 Besucher, in die Rauchsauna etwa 10. Viel Platz ist nicht und so wuseln die Besucher auf dem Platz zwischen den Sauna-Anhängern umher. Nur mit einem Handtuch bekleidet, manche sogar barfuß. In einem der Anhänger ist sogar ein Whirlpool angekarrt worden.

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Im Imbisswagen werden keine Würschtl gegrillt, sondern Saunagäste …

Hierher können alle ohne Anmeldung kommen, aber Badebekleidung ist Pflicht. Mir persönlich war das Gewusel aber zu viel. Aber hier wird auch mal wieder bestätigt, was ich schon öfter in der finnischen Sauna erlebt habe. Es stimmt nicht, dass die Finnen pauschal so schweigsam sind. Sie sind sehr gesprächig – besonders, wenn es um die Sauna geht. Wer das also erleben will, ist beim Sauna-Tag goldrichtig! Die Saunen sind kostenlos und eigentlich hat man nichts zu verlieren.

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Kostenloses Sauna-Angebot im Innenhof des Nationalmuseums

Torni-Sauna im GLO Hotel Art

Meine nächste Sauna ist die im GLO Hotel Art. Das Jugendstil-Haus wirkt von außen fast wie eine Burg. Die Mauern bestehen aus großen Granitsteinen, die Holztür ist schwer und mit Eisen beschlagen. Über dem Eingang thront ein Turm. Und im obersten Stockwerk, unterhalb des Turms, ist die Sauna ”Torni”. Die Sauna steht in ihrer Einfachheit in starkem Kontrast zu den dicken Mauern, den schweren Türen und massiven Möbeln, die im Hotel stehen. Es ist eine recht schlichte, elektrisch beheizte Hotelsauna für etwa 10 Leute. Es ist Frauenrunde und kaum sitzen wir auf den Bänken, wirft eine Frau auch einen Aufguss. Dreimal. Warum eigentlich? Reicht nicht eine Schöpfkelle Wasser? Sie ist von der finnischen Sauna-Society und erklärt: ”Einige sagen, dass der Sauna-Geist es mag, wenn du dreimal wirfst. Dann ist er zufrieden und macht den schönsten Dampf. Vielleicht muss man auch einfach zuhören, als ob du mit einem Menschen sprichst: Wie reagiert der Ofen? Beim ersten Mal weißt du es, beim zweiten Mal bist du besser und beim dritten Mal seid ihr befreundet – das wäre eine rationale Erklärung.”

Manche sagen auch, dass man beim dritten Mal im Dunklen einfach die beste Chance hat, den Ofen auch zu treffen.

 

Im GLO Hotel gibt’s kostenlose Getränke und sogar Bier!

Die Umkleide im GLO Hotel. Hat was von Ostseebad …

Ich treffe hier auf Laura und Marjo. Die beiden Freundinnen sind schon den ganzen Tag von Sauna zu Sauna unterwegs. Der Sauna-Tag ist für die beiden der wichtigste Tag im Jahr. Seit Anfang Januar haben sie akribisch geplant, damit sie möglichst viele Saunen besuchen können. Sie waren schon auf einem Boot, einer Sauna mit Dachterrasse und im Hostel. Jetzt sind sie hier.

Der Sauna-Tag ist irgendwie ein Event, ein Festival. In jeder Sauna treffe ich auf neue Leute. Die alte und einfache Sauna der Eisenbahner ist so ziemlich das Gegenteil von der Hotelsauna und vor allem ist der Aufenthaltsbereich hier sehr viel mondäner, mit Ledersesseln und einem schweren Holztisch. Dazu gibt’s kostenlose Getränke – und sogar Bier. Spontan beschließen Laura und Marjo, mich zu ihrer nächsten Sauna mitzunehmen. Zu einem neugebauten Studentenwohnheim.

Kalasatama-Studentenwohnheim

Das Studentenwohnheim ist ein modernes und deshalb ist hier die Sauna nicht im Keller untergebracht, sondern im obersten Stockwerk. Mit Schnee auf der Dachterrasse zum Abkühlen. Die Sauna ist winzig klein, nur 6 Leute haben Platz. Trotzdem ist Jan-Erik, der Vorsitzende im Wohnheim, stolz, dass seine Sauna jedes Jahr beim Sauna-Tag dabei ist. Inzwischen ist es schon spät, 20 Uhr. Unsere Bikinis sind feucht, wir wollen sie nicht mehr anziehen. Die Mädels beratschlagen sich und auch die Studentenwohnheimjungs meinen, dass wir alle gemeinsam nackt in die Sauna gehen können. Ich kenne das ja aus Deutschland eh, deshalb ist mir die Entscheidung ganz recht. Bissl komisch ist es dann schon, als wir so ganz nah beieinander sitzen und ratschen – wie in einer Bar. Nur, dass wir eben nackt sind. Vesa macht einen Aufguss, dass uns ganz schnell heiß wird! Nix wie raus – auf die Dachterrasse und in den Schnee. Einmal tief durchatmen und dann rein ins kühle Weiß. Herrlich!

Sompa-Sauna

Inzwischen ist es 22 Uhr. Die Studentensauna schließt, alle ziehen sich wieder ihre warmen Hosen, Schuhe und Jacken an. Zeit zum Aufbruch und auch wir Mädels machen uns auf den Heimweg. Naja. Nicht so ganz. Ein „Muss“ ist „Sompa Sauna“. Eigentlich gehört sie nicht wirklich zum Sauna-Tag, denn diese Sauna in Helsinki ist jeden Tag rund um die Uhr geöffnet und kostenlos. Aber irgendwie gehört sie doch dazu und deshalb gehen wir hier noch hin. Es ist sehr schön. So „ungeplant“ und doch gut organisiert. Es ist immer jemand da, der sich um Feuerholz und Wasser kümmert. Die Sauna ist sehr heiß, die Aufgüsse zischen und natürlich sind wir sofort in ein Gespräch vertieft. Und dann geht’s für mich noch ins Eisloch. Mitten in der Nacht, im dunklen! Der Weg dorthin ist auch abenteuerlich, ich muss aufpassen, dass ich auf dem Schnee nicht ausrutsche. Eine kleine Treppe führt ins „Avanto“, das Eisloch. Ich gehe rein, tauche unter – herrlich! Mitten in Helsinki, in der Ostsee, im Eis. Finnischer geht’s nicht! Nochmal kurz aufwärmen, dann ist wirklich Schluss für heute.

Anarchisch: Sompa-Sauna

Das Eisloch – Avanto – bei der Sompa-Sauna mit Blick auf die Stadt

Ein ereignisreicher Tag mit viel Entspannung und schönen Eindrücken. ”Ich fühle mich erschöpft, weil ich 12 Stunden lang in der Sauna war. Es gefällt mir, aber jetzt bin ich fertig. Es ist Zeit fürs Bett und zum Wassertrinken. Ich befürchte, dass ich mich morgen verkatert fühle wegen der Dehydrierung. Jetzt heißt’s warten bis nächstes Jahr. Aber ich bin sicher, dass wir unseren Rekord nochmal verbessern: wir waren in 7 oder 8 Saunen – also nächstes Jahr dann 9 – mindestens!”, sagt Marjo auf dem Nachhauseweg. Die Mädels sind so nett, dass sie mich noch begleiten, bis ich mich wieder zurecht finde.

Mein Fazit zum Sauna-Tag: Es ist eine ganz besondere Stimmung. Wie auf einem Festival. Wer ein bisschen offen ist, wird interessante Gespräche führen und nette Leute kennenlernen. Ich bin allein zum Sauna-Tag gefahren, aber natürlich kann man auch mit einer Freundin oder einem Freund fahren. Wer als Pärchen unterwegs ist, sollte aber bedenken, dass in manchen Saunen eben geschlechtergetrennt sauniert wird und das bedeutet oft, dass zuerst eine Stunde die Frauen an der Reihe sind und danach die Männer. Das könnte die Planung etwas erschweren. Aber die Informationen sind alle übersichtlich auf der Homepage zusammengefasst.


Herbstschwimmen mit Begleitung

Heute war wieder einer dieser schönen warmen Herbsttage. Die Luft an sich war warm, die Sonne hat es noch verstärkt. Aber selbst bei Schleierwolkenschicht blieb es warm. Ein guter Tag für einen Ausflug ans und ins Wasser.

Ich bin zum Karlsfelder See geradelt. Eine schöne Strecke, kaum länger als zum Langwieder See. Und der Oktober macht sich bemerkbar, die Blätter werden langsam bunt.

Am Karlsfelder See treffe ich mich mit einer meiner Dantebadbeckenrandfreundinnen. Sie heißt auch Petra und wir teilen nicht nur die Liebe zum Wasser und Schwimmen, sondern auch die Vorliebe für bunte Badeanzüge und lustige Kappen.

Petra ist auch eine prima Triathletin und nutzt die wohl letzte Chance für ein Schwimmtraining im See. Also so richtig schwimmen mit Kopf unter Wasser. Deshalb zieht sie auch ihren Neo an, während ich ja eher dem Kältegefühl entgegenfiebere als der Schwimmstrecke.

Ins Wasser geht’s gemeinsam. Es hat etwa 14 Grad und bis zu den Oberschenkeln fühlt es sich richtig warm an. Kurz nach dem Untertauchen merke ich aber die Kälte. Ich lasse es auf mich wirken, schwimme ruhig dahin. Wir bleiben beide in Ufernähe und schwimmen ratschend dahin. Herrlich! Keiner da außer uns, das Wasser ist klar und glatt, der Himmel weiß-blau und es ist nicht kalt. Schön!

Irgendwann wird’s natürlich schon kühl und ich gehe raus. Draußen an Land ist’s toll! Die warme Herbstluft, dazu das Kribbeln auf der Haut vom Wasser… Wahnsinn! Sooo schön!

Ich ziehe mich an, Petra krault jetzt noch ein paar Runden.

Die Männer aus ihrer Trainingsgruppe schlüpfen derweil in ihre Neos und starten dann. Sie schwimmen insgesamt 20 Minuten.

Am Ende hat jeder das gemacht, was er wollte und konnte. So unterschiedlich die Aktionen waren, es hat jedem Spaß gemacht und wir hatten einen ganz tollen Mittagsausflug!

Den Radio-Beitrag dazu gibt’s am Sonntag, 14. Oktober, auf B5aktuell im „Fitnessmagazin„, um 7.35 und um 17.05 Uhr. Natürlich auch als Podcast.

Außerdem hat mich das Radln zum Karlsfelder See (wie immer mit dem Stadtfahrrad) dazu motiviert, das Rennrad mal wieder aus dem Keller zu holen …


Start in die Freibad-Saison

Wie unterschiedlich die Welt sein kann: die Leute, deren Gedanken und auch das Wetter.

Während es letztes Jahr einen regelrechten Kaltstart in die Freibad-Saison gab, war es heuer richtig sommerlich! 28 Grad waren vorhergesagt, das hat sogar die Stadtwerke überzeugt und deshalb hat das Schyrenbad heute schon geöffnet. Statt am 1. Mai.

Letztes Jahr war der Freibad-Start auch Ende April – aber es war kalt. Trotzdem war’s schön!

Ich habe überlegt, ob ich an so einem schönen Sommertag überhaupt ins Freibad gehen soll. Da wird es sicher voll sein. Vor allem, weil es das einzige Freibad ist, das geöffnet hat. Und Sonntag und seit Tagen schon angekündigt, dass es heute Sommer ist. Das sind die Zutaten für Chaos im Bad.

Andererseits will ich gern am ersten Tag gehen. Und so habe ich mich darauf eingestellt, dass es voll wird und schwimmen wohl eher mäßig wird.

Vorm Bad: eine Schlange von Leuten. Einige höre ich sagen: ich hätte nicht gedacht, dass es so voll wird. Und ich denke: wo lebst du denn? Denkt ihr, ihr seid die einzigen, die einen Wetterbericht hören oder zum Fenster rausschauen und die Sonne sehen? Logo zieht’s bei dem Wetter alle ins Freibad.

Naja. Dank Bäderkarte kann ich fix durchs Drehkreuz und bin drin. Liegewiese: voll. Logo. Umziehen und ab zum Becken. Auch gut besucht. Und die abgetrennten Bahnen sind jetzt weiter rechts. So dass es mit der Bahn am Rand 3 abgetrennte Bahnen gibt. In jeder schwimmen ca. 8 Leute und ziemlich ungeordnet. Ich verschaffe mir einen Überblick und entscheide mich für Bahn 2.

Ich muss mich bissl zurechtfinden, doch dann geht’s erstaunlich gut. Das Wasser kam mir etwas kühler vor, aber das macht nichts. Es ist sehr angenehm.

Und dann endlich wieder schwimmen. Also im Freien. Ohne zu warmes Wasser wie im Dante und trotzdem nicht so kalt wie im See. Und irgendwie kommt mir die Bahn im Schyrenbad nicht vor wie 50 Meter. Viel zu schnell ist die Wende da und es geht weiter. Hin und her. Vor und zurück. Herrlich. Also teilweise. Manchmal ist es schon blöd, weil ich überholen muss, nicht wirklich Platz ist (genau dann kommt Gegenverkehr) oder jemand anders überholt und ich bin der Gegenverkehr. Aber im Großen und Ganzen läuft es besser als erwartet. Und dazu Sonne!

Ich bleibe nach dem Schwimmen noch ein bisschen da. Aber da sind es mir dann doch zu viele Menschen. Außerdem gibt’s bei Freunden von mir Spargel und ich bin eingeladen. Jipppie! Essen und ich muss nicht kochen. Danach essen wir noch ein Eis. Und was hat die Eisdiele im Angebot? Seepferdchen-Eis!!! Logo, dass das in meine Waffel kommt.


Frühlingsschwimmen

Der Frühling ist da. Endlich. Am Dienstag war Frühlingsanfang bei Minusgraden, aber heute gab’s Sonne und es war windstill. Perfekt zum Eisschwimmen. Oder Frühlingsschwimmen.

Ich muss sagen, dass meine Motivation ziemlich gesunken ist, seit der Radlweg nicht mehr benutzbar ist und ich über eine blöde Ampel und durch eine Straße mit Parkplätzen fahren muss. Dennoch habe ich mich heute aufgerafft und bin zum Langwieder See gefahren. Bevor die ganzen Sonntagsausflügler kommen…

Am Langwieder See war es dann noch ruhig und der See selbst lag spiegelglatt da. Herrlich! Und mir war vom Radln warm.

Also umziehen und rein ins kühle Nass. Mein digitales Thermometer hat grad keine Batterien und deshalb ist das alte analoge mitgekommen. Es zeigt aber je nach Blickwinkel alles von 5 bis 10 Grad an.

An den Füßen und Beinen ist es nicht kalt. Sogar eher angenehm. Ich gehe zügig weiter und tauche unter. Kühl, aber gut. Als ich schwimme, kommt die Kälte. Ich bin ja in Ufernähe, wo ich stehen kann. Also alles gut. Aber kalt!

Ich schwimme weiter. Und zurück. Und nochmal hin. Und dann muss ich mich ganz schön zusammenreißen, um auch noch zurück zum Anfang zu schwimmen. Es ist nämlich echt kalt. Aber das will ich jetzt durchziehen und deshalb schaffe ich es auch.

Dann nix wie raus und das Handtuch rumgewickelt. Schön! Die Sonne wärmt. Von innen ein Hitzeschwall. Toll! Es durchflutet mich richtiggehend. Ein Wahnsinn!

Auch, nachdem ich wieder angezogen bin, fühlt es sich noch toll an. Ich kann das jetzt gar nicht wirklich beschreiben. Es war einfach toll! Erfrischt. Ein regelrechter Kick!

Dann radle ich heim und bin sehr glücklich und froh, dass ich trotz des blöden Radlwegs zum See gefahren bin!


Suomen Sauna – Sauna in Finnland: Allas Seapool Helsinki 

Ich wollte euch ja noch schreiben, wie es in der Sauna von Allas Seapool in Helsinki war. Den Bericht vom Schwimmen gibt’s hier. Geht eigentlich ganz schnell: schön war’s!

Allas Seapool im Hafen von Helsinki


Und ausführlicher: Es gibt drei Saunen da: eine für Männer, eine für Frauen und eine gemischte. Und in die gemischte geht man in Finnland in Badebekleidung. 

Die gemischte Sauna im Allas Seapool mit Blick aufs Meer


Ich war da ja auch wegen Interviews und habe Tiina getroffen. Sie hat Saunayoga erfunden. Das wird im Badeanzug und in einer lauwarmen Sauna bei etwa 50 Grad gemacht. Ich habe noch nie Yoga gemacht. Und dann ist mein erstes Mal in der Sauna. 

Es war aber echt schön. Erst muss man sich entspannen. Das dauert immer bissl, bis ich dann runter komme und bei der Sache bin. (Vor allem, wenn draußen ein Schwimmbecken wartet…). Zuerst haben wir uns gedehnt: Schultern, Arme, Rücken und dann die Beine. 

Danach gab‘s noch ein paar Kräftigungsübungen. Währenddessen ist es nie zu heiß, im Gegenteil: die Wärme tut gut und lockert die Muskeln. Erst gegen Ende freue ich mich auf die Abkühlung. 

13 Grad im Meerwasserpool


Und die gibt’s im Meerwasserpool bei 13 Grad. Herrlich! Die Sonne scheint und ich sehe auf den Marktplatz, das Rathaus und den Präsidentenpalast und im Hintergrund der weiße Dom von Helsinki! Ein Traum!

Beim Reingehen ist es schon kalt, aber dann geht’s prima! Ich schwimme insgesamt vier Bahnen, also 100 Meter insgesamt. Im Becken gibt’s eine Art Geländer, an dem man sich zur Not festhalten könnte. Das Wasser ist zwar leicht trüb, aber es ist gereinigt. 

Das Chlorhuhn im Meerwasserpool und im Hintergrund der „Zuckerwürfel“ von Alvar Aalto


Die andere Sauna ist richtig heiß. Das ist natürlich super. Und anders als in Deutschland kommt da kein Bademeister und macht eine Riesenshow zum Aufguss. Den Aufguss macht man in Finnland selbst. Man fragt die anderen, ob es ok ist und dann wirft man das Wasser auf die heißen Steine. Die Frage lautet übrigens: lisää löylyä? 

Löyly ist der Aufguss und auch der Geist der Sauna. Man lauscht ihm andächtig, wartet, bis das letzte Zischen verklungen ist. Oft ist der Löyly auch Gegenstand des Gesprächs. War er gut? Wie hat er sich angefühlt? Und so weiter. Allerdings eher in der privaten Sauna und nicht in der öffentlichen. 

Und wer denkt, dass die Finnen nicht reden, dem sei gesagt: Das stimmt so nicht. Denn als ich die gemischte Sauna betrete, spricht mich der Mann, der drinnen saß, gleich auf finnisch an. Ich sagte, dass ich nur wenig finnisch kann und schon waren wir im Gespräch. 

Ich habe bei meinem Besuch auch richtig Glück gehabt. Die Sonne schien und so konnte ich an der Holzwand sitzen und das Panorama genießen. Es war nicht viel los, kann mir aber vorstellen, dass es im Sommer sehr voll ist. 

Schönes Wetter und schöne Aussicht – perfekt zum Relaxen!


Und wer Eisschwimmen ausprobieren möchte, kann es im Allas Seapool tun. Denn der Meerwasserpool ist ganzjährig geöffnet, es gibt eine Aufsicht und im Winter sogar Mützen, damit der Kopf warm bleibt. 

Abendstimmung über Helsinki