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Olympiaschwimmhalle wieder offen

Gestern war die offizielle Wiedereröffnung der Olympiaschwimmhalle in München. Drei Jahre wurde renoviert, drei Jahre war je ein Teil der Halle gesperrt. Es gab neue Wege, neue Perspektiven und andere Schwimmbecken. Im ersten Teil der Bauarbeiten war das Trainingsbecken unter der Tribüne gesperrt. Das hatte zur Folge, dass die Studenten und andere, die eigentlich dort schwammen, im großen Wettkampfbecken ihre Bahnen zogen. Dann kam Teil zwei des Umbaus – das Wettkampfbecken war gesperrt, alle Schwimmer mussten in das kleine Trainingsbecken unter der Tribüne. Das Becken hat nur fünf Bahnen, da wurde es oft eng, vor allem, weil alle Bahnen geleint waren. Aber auch, weil oft Bahnen gesperrt waren, weil die Uni ja weiterhin ihr Schwimmtraining abhalten musste.

Beengte Verhältnisse im Trainingsbecken während der Umbau-Phase im Oly

In der ganzen Zeit des Umbaus hatte ich ganz vergessen, wie schön und großräumig die Olympiaschwimmhalle ist. Denn das Trainingsbecken ist unter der Tribüne, es fühlt sich an wie in einem Keller. Es ist auf derselben Ebene wie die anderen Becken, aber die Decke ist eben sehr niedrig. Man hat überhaupt nichts von der Außenwelt mitbekommen: Sonne? Regen? Schnee? Weltuntergang? Hätte alles passieren können, während ich meine Bahnen ziehe. Das fand ich schon schade, hier so unter Tage zu sein.

Deshalb bin ich letztes Jahr im Herbst auch recht oft im Dantewinterwarmfreibad gewesen. Ich möchte hier auch mal meine Hochachtung für die Bademeister aussprechen, die ja nicht nur eine Stunde hier unten im Dunklen saßen, sondern ihren kompletten Dienst über knapp zwei Jahre im Keller abgeleistet haben.

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Zwei meiner Schwimmfreunde hätte ich ohne den Umbau im Oly wohl nie kennengelernt: Jakob und Cissi, die schnell und schön schwimmen, sind mir irgendwann im Wettkampfbecken aufgefallen und wir sind ins Gespräch gekommen. Im Laufe der Zeit haben wir und oft gesehen, oft geredet und irgendwann sogar Telefonnummern ausgetauscht. So wurde aus der Bekanntschaft im Umbau-Oly über die Zeit eine Freundschaft, die im Sommer zu Schwimmausflügen in die Freibäder im Umland geführt hat und nun schon über viele gemeinsame Schwimmkilometer besteht. Ohne den Umbau hätten die beiden wohl immer im Hochschulbecken ihre Bahnen gezogen, während ich im Wettkampfbecken (so heißen die beiden Becken nun mal) geschwommen wäre. Ein sehr schöner Nebeneffekt des Umbaus.

Und dann war es irgendwann im Sommer 2019 soweit: Man munkelte, dass das Wettkampfbecken und auch das Trainingsbecken geöffnet sind. Für mich war das im Sommer noch gänzlich uninteressant – ich war bis 30. September im Freibad. Am 1. Oktober war ich „nur“ kurz Herbstschwimmen im See, das Wetter war einfach zu gut für die Halle. Und so kam es, dass ich am 2. Oktober das erste Mal wieder im „Oly“ war. Der Eingang ist noch der Baustelleneingang und so bin ich auch erstmal in die Sammelumkleide gegangen, die während des Umbaus mein Refugium war. Logo hatte ich auch hier „meinen“ Schrank! Doch der Weg von der Sammelumkleide zum großen Becken ist weit. Ich hab mich dann noch gewundert, warum das so ist und warum das früher anders war. Bis mir dann eingefallen ist, dass der Eingang noch an anderer Stelle ist. So gibt’s bzw. gab’s neue Wege – und auch eine neuen Schrank. Dazu später mehr.

Jetzt erstmal das Becken und die Halle. Die Fensterfront aus Glas muss noch gemacht werden, deshalb ziert hier ein schönes buntes Bild die Baustellenfassade.

Die Glasfassade muss noch erneuert werden. Währenddessen ziert dieses Bild die Holzwand.

Aber wie groß das Schwimmbecken ist! Acht Bahnen (statt fünf im Trainingsbecken). Und die Höhe erst! Wie viel Platz gibt es rund um das Becken. Und wie schön ist es unter dem geschwungenen Zeltdach. So luftig! Und ein Teil der Glasfassade ist frei, so dass man zumindest ein bisschen was von der Außenwelt mitbekommt. Manchmal scheint sogar die Sonne aufs Becken.

So leer ist es nur bei Betriebsschluss. Aber wie schön es ist, sieht man hier natürlich am besten. Und träumen wird man ja dürfen …

Ich sauge die neue alte Atmosphäre auf und freue mich. Es ist einfach schön, wieder im Oly zu sein. Dass das Becken jetzt aus Edelstahl ist und nicht mehr gefliest, ist schade. Aber ich habe mich beim Schwimmen im Trainingsbecken schon an das Edelstahl gewöhnt, so dass es mir gar nicht so neu vorkommt. Und ein paar Fliesenstücke vom alten Oly habe ich ja daheim!

Fliesen aus dem alten Oly-Schwimmbecken von 1972

Es schwimmt sich auch echt gut. Vor allem am Anfang kam mir das Becken groß und unübersichtlich vor. Im Trainingsbecken mit seinen fünf Bahnen hat man viel schneller gesehen, wer sonst noch da ist. Oder im Freibad, wenn eh nur eine Bahn für die Schwimmer abgetrennt ist. Da sieht man gleich, wer heute auch schwimmt. Aber bei acht Bahnen, von denen sechs geleint sind – da kann man schon mal den Überblick verlieren. Nachteil der vielen Bahnen: Es gibt nur einen eher kleinen Teil für die „Nichtschwimmer“ und nach wie vor ist es nicht gewollt, dass die Bahnen irgendwie „eingeteilt“ werden. Es kann jeder da schwimmen, wo er/sie es für richtig hält. Wenn man Pech hat, verirrt sich auf jede der sechs Bahnen ein langsamer Brustschwimmer, der schwer zu überholen ist. Oder man hat Glück und kann seine Bahn einmal auch mit einem richtigen Profi teilen – als ich mit Alexandra Wenk auf der Bahn geschwommen bin.

Und dann ist da ja noch die Frage nach dem Schränkchen. Von der Sammelumkleide war mir der Weg zum Becken und den Duschen zu weit. Außerdem sind in der Sammelumkleide jetzt auch wieder vermehrt Schulklassen, die zum Schwimmunterricht da sind. Da war es an der Zeit, dass ich mir eine neue Umkleide und einen Schrank suche. Nehme ich die alte „824“ wieder? Irgendwie scheinen die Schränkchen neu nummeriert zu sein, denn die Lage von „824“ ist nicht ideal.

Welches Schrankerl darf’s denn sein?

Hm… was nehme ich dann? Ich teste verschiedene Schränkchen auf ihre Lage und auf die damit verbundenen Wege. Und lande am Ende bei „700“. Ja – ein Schränkchen ohne eine „8“! Sowas!

Tadaa! Die 700 macht das Rennen – quasi 007 von hinten!

Aber die 700 ist ein guter Schrank. Kaum andere Leute da, nah an der Dusche und nah am Becken. Und: der einzige Kleiderbügel weit und breit im Oly ist auch fast immer da, wo ich ihn lasse. Nur ein paar Mal musste ich suchen, bis ich ihn wieder gefunden habe. Angeblich gibt’s 500 Kleiderbügel, aber wo die sich verstecken, habe ich noch nicht herausgefunden…

 

Der einzige Kleiderbügel im Oly – entweder im Schrankerl oder in der Umkleide!


Trockenschwimmen

„Trockenschwimmen“ – das gilt heute im doppelten Wortsinn. Nach so vielen Freibadschwimmtagen am Stück gönne ich mir heute eine Pause. Ich muss ehrlich sagen, dass mir das schwer fällt. Aber so ganz ohne Schwimmen ist dann auch dieser Tag nicht. Im Kino läuft ein Dokumentarfilm namens „Trockenschwimmen„, den schaue ich mir an. Mit einer Freundin, die auch gern schwimmt. Der Film läuft mittags, es sind nur sechs andere Frauen im Kino. Lustig, dass es nur Frauen sind. (Eigentlich wollte ich schon am Donnerstag gehen, aber da war ich beim Laufen – außerplanmäßig.)

In dem Film geht’s um eine Gruppe Senioren (auch hauptsächlich Frauen, zwei Männer sind dabei), die trotz ihres hohen Alters nicht schwimmen können. In einem Hallenbad in Leipzig wollen sie es lernen. Der Film begleitet sie dabei und zeigt auch, warum die Damen und der Herr nicht schwimmen können. Kurz gesagt: Sie hatten in der Kriegs und Nachkriegszeit nicht die Möglichkeit dazu. Doch jetzt, auf ihre alten Tage, wollen sie es lernen.

Warum ich das in meinem Chlorhuhn-Blog thematisiere? Weil einer meiner ersten Gedanken war (den ich meiner Freundin auch zuflüstere): Die sind so alt geworden, ohne dieses tolle, einmalige, wunderbare Gefühl des Schwimmens. Dieses Gleiten, Leicht-Sein, Schweben – für sie war Wasser eher abschreckend. Gefährlich. „Die Armen“, denke ich mir. Andererseits wissen sie ja (noch) nicht, was sie verpasst haben.

Es ist berührend zu sehen, wie viel Überwindung es diese alten Leutchen kostet, überhaupt ins Wasser zu gehen. Erste Bewegungen, mit Aqua-Jogging-Gürtel. Sie haben noch kein Vetrauen ins Wasser. Es macht ihnen angst. Es dauert sehr lange, bis sie sich trauen, sich aufs Wasser zu legen. Sich am Rand festzuhalten und den Auftrieb zu spüren. Und immer wieder gibt’s Rückschläge. Tage, an denen nicht klappen will, was tags zuvor noch ging.

Am Ende sieht man, wie sich eine der Frauen selbst Mut zuspricht: „Ich kann das. Ich kann schwimmen. Ich schaffe das.“ Sie wiederholt dieses Mantra mehrfach, dann fasst sie sich ein Herz und schwimmt. Zwei, drei, vier Züge. Omabrust. Diagonal von einem Beckenrand zum anderen. Unsereins hätte diese Mini-Distanz wohl mit einem kräftigen Abstoß locker geschafft. Aber für diese Frau schien es eine unüberwindbare Entfernung zu sein. Überglücklich hat sie es gemeistert.

In einer Szene sieht man auch einen Kinderschwimmkurs. Die Kleinen sind sehr unterschiedlich: Manche forsch und fix im Wasser, manche zögerlich, ängstlich. Ich musste dann auch an meine Kindheit denken. Ich war anfangs so wasserscheu, dass ich aus dem Schwimmkurs ausgeschlossen wurde (waren andere Zeiten, damals! hihi…). Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass es nicht schlimm ist, sondern schön. Und freitags ist der Papa mit mir und meiner Schwester eine Zeitlang immer ins Hallenbad gegangen. Wir haben direkt daneben gewohnt und das war dann unser „Badetag“. Ich kann mich noch erinnern, dass sich der Papa im Wasser in die Hocke begeben hat. Seine Oberschenkel waren dann unser „Startblock“, von da haben wir uns abgestoßen. Und wir haben nicht nur geplanscht, sondern sind auch hin- und hergeschwommen. Das Becken im Hallenbad in Tegernsee war 20 Meter lang. Ja, war. Es wurde zu einem Fitnessstudio umfunktioniert. An diese Freitage erinnere ich mich hin und wieder. Aber dann gerne. Ebenso an unsere Sommer, die wir gefühlt von Mai bis September im Strandbad in Tegernsee verbracht haben. Im See schwimmen, das war echt toll!

Zurück zum Film: Der hat mich beeindruckt. Und auch traurig gemacht. Denn leider scheint es, als würden sich die Zeiten, in denen Kinder nicht mehr selbstverständlich schwimmen lernen, gerade wiederkehren. Der Schwimmunterricht an den Schulen muss oft ausfallen. Hallenbäder schließen. Weite Fahrten verleiden das Schwimmvergnügen. Und wer es als Kind nicht lernt, für den sind die Hürden viel höher, es später zu tun. Eine der Frauen sagt: „Es war mir in der Jugend peinlich, dass ich nicht schwimmen konnte.“ Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt. Dass noch viele Kinder schwimmen lernen. Es muss ja nicht jeder so ein begeisterter Schwimmer wie das Chlorhuhn werden. Aber ich finde, jeder sollte die Chance dazu bekommen. Außerdem kann schwimmen Leben retten – Fußball nicht!