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Jahresbilanz 2020

Das Jahr 2020 hat relativ normal angefangen, ich war am 2. Januar das erste Mal schwimmen. Den ganzen Februar war ich sehr fleißig, ich bin in den 29 Tagen 70 Kilometer geschwommen. Im März wurden es noch 42 Kilometer und dann war plötzlich Schluss! Corona. Alarm. Lockdown. Hallenbad dicht (und noch viel mehr). Keiner wusste, wie lange es dauern würde. Ich habe die Zeit zum Rennradfahren genutzt, das Wetter war herrlich, dazu fast kein Verkehr. Ideal.

Irgendwann wuchs aber die Sehnsucht nach dem Wasser. Der 1. Mai 2020 war sehr traurig, denn es war kein Freibad geöffnet, es gab noch nicht einmal eine Perspektive. Und normalerweise gehe ich am 1. Mai ins Freibad. Tja, normal war 2020 gar nichts.

Blick ins Schyrenbad am 2. Mai

Dann endlich die frohe Botschaft: Die Freibäder können ab 8. Juni öffnen. Juhu! Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind. Die Freude wurde etwas getrübt, weil die Münchner Bäder „schlechtes Wetter“ vorschoben und erst drei Tage später öffnen wollten. Ohmann. Ja, da kann man jetzt sagen: Was sind drei Tage, wenn man eh schon drei Monate nicht schwimmen konnte. Aber ich wollte nicht länger warten, also auf nach Germering, wo das Bad pünktlich am 8. Juni geöffnet hat! Endlich Freibad! Strahlende Gesichter überall! Und dann im Wasser, so schön! Und: so anstrengend! Mann, eine 50-Meter-Bahn ist tatsächlich ganz schön lang und drei Kilometer eine ziemlich lange Strecke. Das wollte ich nie wahr haben, jetzt wurde es bittere Realität. Also: klein anfangen, erstmal nur zwei Kilometer schwimmen. Sich wieder an die Anstrengung und Bewegung gewöhnen.

Das ging zum Glück recht schnell und als ich endlich wieder im Dantesommerbecken schwimmen konnte, wäre mir ja fast die Schwimmbrille verrutscht, weil ich die ganze Zeit so grinsen musste.

So sehen glückliche Chlorhühner aus!!

Den Freibad-Sommer habe ich täglich genutzt. Ich wollte keinen Tag verpassen, wer weiß, was kommt? Und so wurden es 115 Tage am Stück und 313 Kilometer im Freibad. Ein paar extra Kilometer im Freibad kamen im Oktober in Fürstenfeldbruck noch dazu. Da war nach ein paar kalten Nächten das Wasser etwas „frisch“, ein gutes Training fürs Eisschwimmen.

Kaltes Wasser hält mich nicht vom Schwimmen ab…

Und gerade, als ich mich mit den Doppelbahnen und der Situation im Oly angefreundet hatte, kam die Schreckensmeldung: Ab 2. November gibt’s einen „Lockdown light“, der für uns Schwimmer schwere Konsequenzen hatte: Bäder und andere Sportstätten müssen schließen. Vorerst nur im November. Aber da war eigentlich klar, dass der 1. November unser 31. Dezember ist. Zeit für die Jahresbilanz. Ich wollte nicht ganz so schwarz sehen, deshalb schreibe ich den Blogeintrag erst jetzt. Aber die Zahl ist dieselbe wie am 1. November: 535 Kilometer.

Das ist eine schöne Zahl (ihr wisst ja vielleicht, dass ich eine Schwäche für schöne Zahlen habe). Und es ist angesichts der Einschränkungen und Schließungen auch eine gute Zahl. Über 500 Kilometer, das hätte ich im April nicht gedacht. Ich will gar nicht daran denken oder ausrechnen, wie viele Kilometer es in einem „normalen“ Jahr geworden wären. Vergangenes Jahr waren es 834, also fast 300 mehr. Aber das war auch verrückt.

Kann man ein Fazit in diesem Corona-Jahr ziehen? Mir ist bewusst geworden, wie wichtig mir das Schwimmen ist. Für meinen Körper, für meinen Geist, für mein Wohlbefinden und mein Sozialleben. Es entspannt meinen Rücken, meine Gedanken werden frei, neue Ideen kommen. Ich fühle mich wohl, wenn ich Sport gemacht habe, ich genieße die Schwerelosigkeit, das Gleiten und die Kraft im Wasser. Die Ruhe, die entsteht, wenn ich den Kopf unter Wasser habe und Geräusche nur gedämpft wahrnehme. Die Freude, wenn meine Freunde auch im Wasser sind und an mir vorbei schwimmen. Die Bewunderung, wenn ein Schwimmer (oder Schwimmerin) da ist, die besonders gut und schön schwimmt. Der Ehrgeiz, der mich manchmal packt und ich dann schneller oder länger schwimme. Und besonders natürlich das Gefühl, wenn es „läuft“, wenn ich mich so fühle, als könnte ich ewig schwimmen. Das alles habe ich zwar gewusst, aber so richtig bewusst geworden ist es mir durch den erzwungenen Verzicht. Schwimmen ist etwas, das man durch nichts ersetzen kann – und das ich auch nicht missen möchte. Hoffentlich ist es bald wieder möglich, dass ich meine Bahnen ziehe.

Ein Traum…

Übrigens gab es auch mal ein „normales“ Jahr, in dem ich ganz knapp keine 500 Kilometer geschafft habe:

2017 war das. Da war irgendwie der Wurm drin und am Ende standen „nur“ 498 Kilometer in der Bilanz. Schlimm? Nein.


Auf zu neuen Bädern

In diesem verrückten Corona-Sommer bin ich viel daheim geblieben, was in meinem Falle bedeutet: Ich war fast nur im Dantebad schwimmen. Erstaunlicherweise war es dort oft sonntags bei bestem Sommerwetter besonders ruhig in der Schwimmerbahn, in „normalen“ Zeiten war der Sonntag hingegen tabu – deshalb habe ich da oft Ausflüge in die Freibäder im Umland gemacht. Doch das war heuer nicht nötig.

Schwimmen unter Coronabedingungen

Bis, ja bis das Sommerbecken leider in die Winterpause ging. Trotz schönstem Spätsommerwetter musste das Bad schließen. Weil es einfach Tradition ist, dass die Sommerbäder mit dem Ende der Schulferien schließen. Weil das schon immer so war und immer so sein wird und wokämenwirdahinwennwirdasmaländernwürden?

Naja. Nicht lange Trübsal blasen, sondern endlich nach Dachau ins Freibad radeln. Das hatte noch eine Woche länger geöffnet. Allerdings musste ich den Ausflug allein unternehmen, denn dort waren im Sportbecken Doppelbahnen abgetrennt. Und das ist gelinde gesagt Mist. Ich konnte zwar gut schwimmen, aber nur, weil außer mir gerade keiner da war. Ich weiß nämlich selbst nicht sooo genau, wie das System gedacht ist. Und wenn man fragt, gibt’s unterschiedliche Auslegungen: immer an der Leine schwimmen, als ob es eine normale Bahn wäre. Oder so tun, als wäre die Leine in der Mitte da. Aha. Oder nur auf- und abschwimmen, nicht im Kreisverkehr. Soso… Wie gesagt, ich hatte Glück, ich war allein. Und weil das Wasser traditionell ziemlich kühl ist in Dachau, bin ich auch weniger geschwommen.

Doppelbahnen als Coronamaßnahme in Dachau

Ich habe dann den Spätsommer auf einer dieser Liegen genossen, das war herrlich. Denn das Bad ist tatsächlich sehr schön. Auf der Heimfahrt habe ich mir dann noch das traditionelle Eis gegönnt, das sehr gut geschmeckt hat, aber allein ist es halt nicht dasselbe wie sonst.

Kniebeobachtung in der Sonne
Einsames Eis

Das Wochenende danach war dann auch das Freibad in Dachau geschlossen, die Sonne spielte aber weiterhin Sommer und so dachte ich, dass es wohl viele Schwimmer ins Schyrenbad zieht. Das war ja unter der Woche schon gut besucht. Also auf nach Fürstenfeldbruck. Da hat das Freibad noch offen (Probleme mit dem Hallenbad) und alle acht Bahnen sind einfach geleint, keine Doppelbahnen.

Einfache Bahnen sind offenbar auch ok…

Am Samstag hat mich meine Schwimmfreundin Diana im Auto mitgenommen. Doch am Sonntag habe ich mich mit dem Rad auf den Weg gemacht. Es ist nämlich weiter als nach Dachau oder Germering, davor hatte ich eigentlich Respekt. Aber bei der Autofahrt habe ich gesehen, dass es nur fünf Kilometer mehr sind, also nicht so tragisch. Dank Routenplanung meiner anderen Schwimmfreunde hatte ich auch eine gute Streckenführung, die so einfach geradeaus ist, dass ich das Navi gar nicht gebraucht hätte. Nur kurz vor Schluss war ich unsicher. Und habe am Kloster Fürstenfeld eine Radlerin gefragt, ob sie sich auskennt und wüsste, wo ich entlangfahren muss. Sie meinte, dass ich entweder da auf der Straße fahren kann oder mit ihr mitradeln kann – an der Amper entlang. Es war sehr idyllisch dort und das Freibad kam nach kürzester Zeit. (Auf der Heimfahrt bin ich die Straße gefahren, das war noch kürzer!)

So, im Freibad angekommen. Das Bad ist nicht besonders groß, deshalb war im Becken auch nicht viel los. Der einzige Nachteil: Die Bahnen sind zwar abgetrennt, aber nicht beschriftet. Da kann es schon mal vorkommen, dass auf jeder Bahn ein Trockenhaarbrustschwimmer vor sich hindümpelt und man die Qual der Wahl hat. Ich hatte Glück und bin zu einer Frau auf die Bahn gegangen, die so ungefähr mein Tempo schwamm. Wir haben genügend Abstand gehalten, so dass es fast war, als wäre jede allein. Herrlich! Und dazu die Spätsommersonne schräg von oben. Und unten türkis, denn das Becken ist noch gefliest. Irgendwann war die Frau fertig und ich war allein, bis kurz vor Schluss ein anderer Mitschwimmer kam. Aber das ist in Ordnung – so viel Luxus hatte ich lange nicht.

AmperOase… der Name passt.

Nach dem Schwimmen habe ich die Sonne noch ein bisschen genossen. Allerdings finde ich das Bad nicht so schön wie in Dachau. Die Liegewiese ist viel kleiner, es gibt viel Beton (ähnlich wie in Germering). Dass die Amper sehr idyllisch am Bad vorbeifließt, bemerkt man kaum. Früher durfte man hier vom Freibad aus auch im Fluss schwimmen, das ist aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt. Ursprünglich konnte man übrigens nur in der Amper schwimmen, doch das ist lange her. Mich hat das an das ehemalige Floriansmühlbad erinnert, das schon seit 30 Jahren geschlossen ist.

In der Amper darf man (zumindest hinter dem Freibad) nicht baden …

Endlich Freibad!

Ich konnte es kaum glauben, als ich am Freitag, 22. Mai, auf Facebook einen Link sah, der besagte, dass Markus Söder sagte, dass die Freibäder in Bayern am 8. Juni öffnen dürfen. Mein Herz hat einen Hüpfer gemacht, ohne Scheiß! Ich hatte Tränen in den Augen, weil ich mich so gefreut hab. Dann hieß es natürlich: Warten. Weiter warten. Fast wie als Kind in der Adventszeit … und dann kamen Meldungen von Bädern, die es nicht schaffen, am 8. Juni zu öffnen. (Übrigens haben die Bad-Betreiber auch aus den Medien erfahren, dass sie öffnen dürfen. Vielleicht habe ich es sogar früher gesehen als manch Bad-Betreiber… eigentlich unglaublich). Naja.

München ist gleich mal vorgeprescht und hat gesagt, dass einige Bäder am Montag, 8. Juni, öffnen. Man bereite alles vor (weil es vom März inzwischen wieder schmutzig war, Laub im Becken usw.). Aus Germering wusste ich, dass sie startklar sind, weil im Fliesenbecken Wasser sein muss und das war beheizt und wurde umgewälzt, weil sonst Algen wachsen. Alle Bäder haben sich was wegen der Hygiene- und Abstandsregeln überlegt, jetzt wurde da fleißig gewerkelt (vielen Dank!!). Und dann, ja dann kam, was kommen musste. Eine Wettervorhersage, die den Stadtwerken München nicht „schön“ genug war. Und so gab’s am Freitag dann die Information, dass die Bäder erst am Donnerstag (in Bayern ein Feiertag), 11. Juni, öffnen. Ohmann! Ich war sauer. Wütend. Enttäuscht.

Schlechtes Wetter…

Aber: Auf Germering ist Verlass. „Wir öffnen und sind eigentlich froh über das eher untypische Freibad-Wetter.“ Wir Sportschwimmer wissen ja eh, dass das die besten Tage sind. Und unter den neuen Voraussetzungen lässt sich da doch gleich ein Testlauf veranstalten.

Also, ich heute Morgen aufs Radl (radln bin ich ja jetzt gewöhnt) und ab nach Germering. Das sind 20 Kilometer, nicht gerade um die Ecke, aber machbar. Ich war so aufgeregt, ob ich alles eingepackt habe, dass ich gleich mehrmals meinen Rucksack überprüft habe. Und dann radle ich los, bin voller Vorfreude (fast wie beim Eisschwimmen) und male mir aus, wie es sein wird. Werden viele Leute da sein? In Germering kann man nichts online buchen, es geht das Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Bissl „zocken“, dafür fair (weil wenn jemand geht, kann wieder jemand rein – sollte es zu voll sein). Naja. Das Wetter ist nicht schlecht, morgens ist es kühl und bewölkt – also: ideal. Während ich also so vor mich hinradle, schwanke ich zwischen: Alle, alle, alle werden gleich am Vormittag zum Schwimmen gehen, weil sie es nicht erwarten können – und: ach, bei dem Wetter, da sind die üblichen Verdächtigen, das Bad ist groß, wird schon werden. Und natürlich male mich mir aus, wie es sein wird, wieder im Wasser zu sein. Bis auf ein paar Oma-Schwimmausflüge im See war ich ja an Land. Wie wird es sich anfühlen? Wie anstrengend wird es sein? Kann ich noch schwimmen? Kommt der Flow?

Dann bin ich endlich da. Puh – auf dem Auto- und Radlparkplatz nur wenige Fahrzeuge. Immerhin. Eine Menschenschlange ist auch nicht zu sehen. Dafür ein Bauzaun, der Ein- und Ausgang trennt.

Ein- und Ausgang getrennt

Ein paar Schwimmer kommen raus – mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Ohmann! Endlich! Ich auch will! Am Eingang stehen zwei Security-Männer. Der eine sagt: Jetzt gehen grad vier raus, der andere nickt. Und ruft mir zu: „Hier bitte Hände desinfizieren und dann hier Kontaktdaten eintragen.“ Ich befolge die Anweisungen, die Gesichtsmaske habe ich schon über Mund und Nase gezogen. An der Kasse bezahle ich meinen Eintritt, dann geht’s durchs Drehkreuz.

Innen und im Kassenbereich muss man Masken tragen. Das kennen wir ja schon…

Kein Mensch weit und breit. Dafür Hinweiszettel zum Abstandhalten. Die Innenumkleide ist geschlossen, aber draußen ist offen. Es gibt auch Spinde für Wert- und Badesachen. Also eigentlich alles wie immer.

Die Duschen sind gesperrt, von den drei Waschbecken ist das mittlere blockiert und bei den Toiletten ist nur jede zweite benutzbar, die anderen sind abgesperrt und mit Schildern versehen.

Nur jede zweite Toilette darf benutzt werden

Als ich zum Becken gehe, schiebt sich die Sonne zwischen den Wolken durch, um mich zu begrüßen. Es klingt nach Freibad, zwei Jugendliche springen vom Zehner und landen mit einem saftigen Platscher im Wasser. Oh, wie ist das schön! Der Sound des Sommers. Dann geht’s die letzten Meter zum 50-Meter-Sport-Becken. Türkis-leuchtend liegt es vor mir. Einige Menschen schwimmen, maximal zwei auf einer Bahn. Neu ist, dass auch der „Planscher“-Bereich Leinen bekommen hat. Da sind zwei Zweibahnen abgetrennt, auch die „Normalschwimmer“ müssen jetzt im Kreisverkehr schwimmen.

Ordnung gilt jetzt auch im „freien“ Bereich

„Bei den Sportschwimmern hat sich nichts geändert, die kennen das ja eh“, sagt mir der Schwimmmeister Holger. Ich frage ihn auch, ob er Tipps hat: nicht zu viel wollen beim ersten Mal nach so langer Pause. Ich versuche, es mir zu Herzen zu nehmen.

Abstand halten auch im Wasser am Beckenrand

Die Vorfreude ist einfach zu groß! Jetzt bin ich wirklich kribbelig und hibbelig. Ich setze Kappe und Brille auf, suche mir eine Bahn aus. Sie sind zu zweit, doch der Mann am Rand ist soeben fertig. Kurzer Ratsch: „Ich hätte nach 200 Metern nicht gedacht, dass ich 2.000 schaffe“, sagt er. Ui, denke ich mir. Er wünscht mir viel Spaß und ich lasse mich ins Wasser gleiten. ENDLICH! Oh, wie schön. Es ist mit 25 Grad genau richtig bei dem kühlen Sonnewolkenmix. Ich starte, wie immer, mit Brust. Es ist gut. Es ist schön. Es ist: wackelig. Ich schwanke zwischen Grinsen und Tränenverdrücken. So schön, wieder im Wasser zu sein! Und: 50 Meter sind ganz schön weit. Ich hab innerlich noch gelacht, als der Schwimmmeister gesagt hat, wie es ihm geht, wenn er von Winter und 25-Meter-Bahn auf die lange Bahn im Sommer umsteigt. Ich kenne das ja nicht, habe ja auch im Winter dank Olympiaschwimmhalle 50 Meter. Und jetzt: Puh… naja. So schlimm ist es nicht, aber es dauert. Dann komme ich an, atme durch und es geht zurück. Die ersten vier Bahnen sind immer Brust. Ich spüre meinen Körper, ich versuche die Bewegungen trotz aller freudiger Aufregung ordentlich und kraftvoll zu machen. Es fühlt sich gut an. Doch mir wird ein bisschen schwindlig. Naja, das wird sich schon geben mit der Zeit.

Dann ist Kraulen angesagt. Das habe ich jetzt tatsächlich seit 16. März nicht mehr gemacht. Die gute Nachricht: Ich kann es noch. Die schlechte: Es ist nicht besser geworden. Ich liege unruhig im Wasser, das spüre ich deutlich. Und durch das Geschaukel von mir und dem Wasser wird das Schwindelgefühl stärker. Hoffentlich geht das wieder weg! Ich versuche mich auf die Schwimmbewegung zu konzentrieren. Das geht und ich versuche, auch etwas Abdruck auf die Hand zu bekommen. Auch das klappt. Und so zähle ich Bahn für Bahn und schwimme so vor mich hin. Nach zehn Bahnen denke ich, dass Abwechslung gut wäre und will Rücken schwimmen. Der Sonne-Wolken-Himmel ist schön, das Rückenschwimmen klappt gut – aber an der Wende ist mir so schwindelig wie im kalten Wasser, ich muss auf die Bauchlage wechseln. Und hoffen, dass es besser wird. Es wird zwar im Laufe der nächsten Bahnen besser, aber es geht nicht weg. Das ist schade und vermiest mir meinen schönen ersten Freibadtag ein bisschen. Zeitweise bin ich sogar allein auf der Bahn, aber ich kann es gar nicht richtig genießen. Und weil ich auch nicht übertreiben will und soll, beschließe ich, dass es für heute mit 2.000 Metern (statt 3.000) gut sein soll.

Zum Abschluss und auslockern schwimme ich dann noch Rückenbeine. Das tut gut, ich merke aber, dass meine Körperspannung nachgelassen hat. Das werde ich also beim nächsten Mal auch zwischendurch machen. Und vielleicht auch ein Brett mitnehmen, um an der Wasserlage zu arbeiten. Als ich mein Pensum dann geschafft habe, bin ich zwar irgendwie glücklich, aber das Schwindelgefühl übertüncht das Ganze. Ich bin ohne Witz seekrank geworden!

Trotzdem war es ein sehr schönes Gefühl und ich werde die nächsten Tage auch wieder schwimmen gehen. Mit Ohrenstöpseln, vielleicht hilft das gegen den Schwindel? Und mit ein bisschen Technik im Programm. Wenn so wenig los ist im Becken, kann ich die Zeit dazu gut nutzen.

Das Wichtigste ist aber: Das Chlorhuhn war endlich wieder im Chlorwasser!

Daheim angekommen, zeigt das Thermometer an der Hauswand (Nordseite!) fast 20 Grad und die Sonne schaut regelmäßig zwischen den Wolken raus. So sieht „schlechtes Wetter“ aus.

Abschied in Raten

Der wahrscheinlich längste Freibad-Sommer aller Zeiten verabschiedet sich in Raten. Nachdem ich mich schon von meinem Daheim-Bad, also dem Sommerbecken im Dante, verabschiedet habe und auch die Freibad-Saison in Dachau trotz Verlängerung vorbei ist, heißt es heute Abschied nehmen in Germering. Auch hier endet jetzt die Zeit im Freibad und das Schwimmen unter freiem Himmel. Auch hier wurde noch verlängert. Probleme mit dem Hallenbad. Haha. Die habe ich immer!

Toller Service! Damit die Leute schwimmen können, bleibt einfach das Freibad geöffnet.

Germering hat eigentlich ein recht attraktives Bad. Es gibt drei bis vier abgetrennte Schwimmerbahnen und meistens kann man in Ruhe schwimmen. Übrigens ist das Bad eine Entdeckung meiner ältesten Schwimmfreundin Diana. Mit ihr war ich zum ersten Mal vor einigen Jahren hier und auch heuer hat sie mich mit dem Auto mitgenommen. Voll der Luxus: mit dem Auto ins Freibad!

Diana wusste lustigerweise auch, dass die Sportfreunde Stiller hier ein Video gedreht haben!

Der Sprungturm ist in „Wellenreiten“ von den Sportfreunden Stiller zu sehen.

Heute und die letzten Male war ich aber mit dem Radl hier. Meine anderen Schwimmfreunde Cissi und Jakob haben nämlich wie ich kein Auto und so bleibt nur das Radl. Aber wenn man die Strecke mal kennt, ist es überhaupt kein Problem hierher zu radln. Genauso wie nach Dachau.

Irgendwie waren Cissi und ich die letzten beiden Wochenenden aber nicht so begeistert von Germering. Wir hatten zwar eine Bahn komplett für uns zwei, aber so richtig wollte sich die Freude darüber und die Freude am Schwimmen nicht einstellen. Woran liegt es? Daran, dass das Becken gefliest ist (und kein Edelstahl)? Daran, dass das Wasser doch ganz schön warm ist? 26 Grad und die Sonne scheint drauf – das ist schon was anderes als 23/24 Grad bei Wolken. Zumal wir kaltes Wasser ja mögen… hm. Ratlos ziehen wir unsere Bahnen und ich habe immer das Gefühl, dass ich kaum voran komme… irgendwie unbefriedigend.

Abendstimmung in Germering

Das war gestern und heute anders! Gestern war’s ziemlich windig, ich war vom Radln etwas ausgekühlt. Und wegen Wolken und Wind war auch das Wasser kühler. Ich schwimme Rücken, Kraul und Brust im Wechsel. Es fühlt sich gut an! Dann, weil ich ganz allein auf der Bahn bin, 1000 Meter Rücken. Herrlich! Den Himmel und die Wolken beobachten, die in einem Affenzahn über mich hinwegziehen. Dann die Sonne auf dem Bauch spüren. Toll!! Weil das Wasser relativ warm ist, schwimme ich im Bikini. Und heute auch. Mit dem Unterschied, dass der Himmel langweilig einfach nur blau ist.

Meine Aussicht beim Rückenschwimmen!

Aber das ist natürlich auch voll schön! Und dann wird mir bewusst, dass es das letzte Mal ist, dass ich im Freibad Rücken schwimmen werde. Ich genieße es. Obwohl andere Leute auf der Bahn sind (und überholen beim Rückenschwimmen blöd ist). Ich denke darüber nach, warum es heute „besser“ geht als letzte und vorletzte Woche. Zeitlich bin ich wohl so schnell wie immer. Aber es fühlt sich besser an. Meine Theorie: ich muss mich an das Becken gewöhnen. Beim ersten Mal in Dachau habe ich mich auch nicht so wohl gefühlt. Ich hatte das schon öfter, dass ich mich fremd fühle und dann nicht so gut schwimme. Also innerlich. Äußerlich sieht es wohl ähnlich aus.

Bissl was war schon los heute. Aber es war Platz für alle!

Und jetzt, wo ich mich an Germering gewöhnt habe, ist hier der letzte Tag. Die Freibad-Saison verabschiedet sich hier mit einem sehr sommerlichen Tag. Blauer Himmel, Sonne und richtig warm! Wenn die Bäume am Rand nicht schon das ein oder andere gelbe Blatt hätten, könnte man glatt meinen, es wäre Sommer! Doch auch die Sonne steht viel tiefer und macht ein sanftes Licht. Ein würdiger Abschied!

Übrigens bin ich nicht die Einzige, die traurig ist, dass der Freibadsommer vorbei ist. Schwimmkollege Lutz hat heute in Taufkirchen/Vils bei freiem Eintritt Abschied genommen.

Abschied von Sommer, Sonne, Bikini und Germering!

Fun-Fact: Neben dem Freibad in Germering ist die Eishalle. Da hat heute die Saison angefangen. So kann Eis-Schwimmen auch sein.

Und weil wir in Germering noch keine Eisdiele gefunden haben bzw. keine auf dem Weg liegt, gibt’s das After-swim-Eis daheim! Sogar aus Finnland! Jäätelö!