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Sauna-Päivä – nochmal!

Letztes Jahr war ich ja endlich auf dem Sauna-Päivä, Sauna-Tag, in Helsinki. Ich wollte vorletztes Jahr schon hinfahren, aber da gab’s organisatorische Probleme. Es war so schön letztes Jahr, dass ich erst überlegt habe, ob ich nochmal hinfahren soll. Erwartungen und so. Aber nachdem ich eine günstige Flugverbindung gefunden hatte, musste ich doch los. Tagelange Vorfreude und etwas Skepsis, ob es wieder so schön sein wird, haben mich begleitet.

Der Sauna-Tag ist am Samstag. Bei der ersten Sauna treffe ich Marjo, Laura und ihre Freundin Kattia. Marjo und Laura haben mich ja letztes Jahr zu den letzten beiden Saunen spontan mitgenommen. Und lustigerweise beginnen wir den neuen Sauna-Tag auch miteinander. Das war eher zufällig so. Marjo und ich haben uns bissl auf dem Laufenden gehalten und als die Sauna-Vereinigung ihre Saunen online gestellt hat, hat mir Marjo eine Nachricht geschickt und so konnte ich hier auch einen der begehrten 20 Plätze ergattern.

Auf Lauttasaari liegt das Sauna-Haus der Sauna-Vereinigung. Und hier ist auch noch Eis in der Ostsee.

Der Steg zurück zum Haus der Sauna-Vereinigung. Hier gibt’s 7 verschiedene Saunen.

Die Sauna liegt auf einer der Inseln von Helsinki, Lauttasaari, und man kommt mit der Metro hin. Und weil die Sauna auf der Insel ist, gibt’s auch ein Avanto, ein Eisloch, in der Ostsee. Darauf bin ich mindestens genauso gespannt wie auf die sieben verschiedenen Saunen, die es hier im Haus gibt. Vier Rauchsaunen und zwei mit Holz beheizte (außerdem eine elektrische, aber das ist uninteressant). Eine Rauchsauna ist so heiß und schwarz, dass ich es kaum fünf Minuten aushalten kann. Eine andere Sauna ist schon fast kalt, wir sind da nur zum „Vorglühen“ drin und ziehen dann direkt in eine wärmere Sauna um.

Saunen fotografieren ist leider schwer – aber immerhin ein kleiner Eindruck

Marjo und Laura haben den perfekten Plan für den Tag und ich finde es schön, dass wir uns wiedersehen. Und sie finden es auch schön. Und überhaupt ist es wie letztes Jahr, dass man schnell und unkompliziert miteinander ins Gespräch kommt. Das ist das Besondere am Sauna-Tag. Es ist nämlich ein bisschen wie ein Festival und jeder hat quasi einen Anlass, etwas zu fragen. In welcher Sauna man schon war und welche noch auf dem Plan stehen, das sind beliebte Einstiegsfragen. Und dann kommt bei mir noch hinzu, dass ich ja keine Finnin bin und dann stellt sich die Frage, was macht die Deutsche hier? Wohnt sie in Finnland? Und wie findet sie die finnische Sauna? Und wie ist es in Deutschland in der Sauna? Und ist der Gesprächsanfang erstmal gemacht, geht’s gleich viel leichter.

Dann kommt für mich um halb 11 Uhr morgens schon der Höhepunkt des Tages: das Eisloch. Die Sonne scheint, der Wind weht. Das Eisloch ruft. Ob ich mich traue? Der Weg über den Steg ist recht weit. Ich bitte Katja, ob sie Bilder machen kann. Dann muss ich ja wohl zumindest untertauchen. Ich stehe also an der Treppe, der Wind weht echt stark. Vor mir das Wasser und die Eisschollen. Tapfer steige ich die Stufen hinab, meine Füße sind im Wasser. Kalt! Aber jetzt gibt’s kein Zurück. Weiter und weiter und untertauchen. Und: gut. Aber kalt. Fürs Foto umdrehen, lächeln. Ich albere rum und setze mich auf die Eisscholle. Winke, grinse. Freu mich.

Tadaa!! Petra Queen of Eisscholle!

Dann ab ins Wasser, anderthalb Züge zurückschwimmen. Kalt. Grausam. Furchtbar. Rausrausraus! Und draußen ist der Wind. Kaltkaltkalt. Inshandtuchsofort! Ohje… zum Haus zurück. Ich leide. Ohnein – ich leide nicht. Ich grinse. Ich werde gerade von innen übermannt. Von diesem unglaublichen Gefühl, das einen überrumpelt, wenn man im Eiswasser war. Ich kann nicht mehr aufhören zu grinsen. Ohje. Die Lippen sind an den Ohren festgetackert. Ich grinse wie ein grenzdebiler, verliebter Teenager. Wow! So heftig hat’s mich noch nie erwischt. Am Haus angekommen, setze ich mich auf die windgeschützte Bank.

Alles auf Null – Luft- und Wassertemperatur sind gleich kalt/warm.

Kann man schöner ausruhen? Blick von der windgeschützen Hausbank aufs Eis der Ostsee.

Da ist auch einer der Gastgeber. Er sieht sofort, was los ist und freut sich mit mir. Er kennt das Gefühl natürlich selbst und deshalb ist die Unterhaltung dann auch ganz toll. Weil wir auf einer Ebene sprechen. Er weiß, wie ich  mich gerade fühle. Und ich muss nichts erklären. Kein „ohje, das wäre mir zu kalt“ oder „das ist nichts für mich“. Sondern „ja, ich war auch schon, das war toll!“ So mag ich das. Gleichgesinnte.

So schön …

… ein Haus am Meer! Mit Sauna und Eisloch. Perfekt!

Auch in den Saunen selbst ist gute Stimmung. In Finnland darf man in der Sauna ratschen und alle reden mit allen. Eine Gruppe Jungs ist zum Beispiel gleich im Bademantel angereist. Leider im Auto und nicht mit der Metro. Der eine hat sogar daheim schon einen Saunagang gemacht und insgesamt haben sie auch einen perfekten Plan, um heute 10 Saunen zu besuchen. Sie kommentieren sogar den „Löyly“, also den Aufguss. Das ist mir ein inneres Fest, weil ich ja schon gehört habe, dass das ein Thema ist. Wie gut der „Löyly“ ist und ob es Unterschiede gibt. Und dann reden die drei genau darüber. Neben mir. Juchää! Ich freue mich wie ein kleines Kind.

Und dann sind die anderthalb Stunden hier auch rum. Es geht zurück in die Stadt. Die Mädels begleiten mich noch und helfen mir, dass ich die nächste Sauna finde. Ich habe nämlich Glück gehabt und während wir uns wieder angezogen haben, einen Platz auf dem Schiff und der Sauna ergattert. Die „MS Gabriela“ liegt im Hafen von Helsinki und bis sie am Spätnachmittag ablegt, um nach Stockholm zu schippern, können die Besucher vom Sauna-Tag die Saunen auf dem Schiff nutzen. Und ich bin dabei!

Blick auf den Hafen von Helsinki und das Schiff mit den Saunen.

Hier entlang!

Die Saunen auf dem Schiff sind nichts Besonderes, aber mit Blick aufs Meer und chillen mit Bier im Whirlpool ist es eine schöne Erfahrung.

Die nächste Sauna ist „Kepu“ und ich wusste ehrlich gesagt nicht, was das ist. Es ist eine politische Partei in Finnland und in deren Gebäude gibt’s eine Sauna. Die wird leider nicht richtig heiß, obwohl eine Frau zu meiner Linken fleißig Aufgüsse macht. Ich drehe mich zu ihr und sehe ein Birkenblatt auf der Schulter. Sie trägt einen roten Saunahut. „Johanna?“, frage ich. Sie dreht sich zu mir und ist überrascht, mich zu sehen. Sowas! Ohne etwas auszumachen, haben wir uns hier wieder gesehen. Johanna war letztes Jahr in der Sauna von Huopalahti dabei. Mensch, ist das schön! Weil aber die Kepu-Sauna echt enttäuschend ist, verabschiede ich mich und verabrede mit Johanna, dass wir uns im GLO-Hotel treffen. Da war ich letztes Jahr zwar schon, aber es ist ein Platz frei und es gibt Freibier. Außerdem liegt es günstig auf dem Weg zwischen zwei anderen Saunen.

Ich hatte ja eigentlich nur zwei Saunen geplant bzw. einen Platz ergattert. Und dachte mir noch: Naja, man muss ja nicht den ganzen Tag machen. Aber jetzt bin ich voll im Sauna-Tag-Modus und beschließe, zum Studentenwohnheim zu fahren. Es ist ein anderes als letztes Jahr und hier braucht man keine Reservierung. Dementsprechend voll ist es hier. Obwohl es sogar zwei Saunen gibt. Es ist alles sehr unkonventionell. Jeder zieht sich irgendwo aus, stopft seine Klamotten in den Rucksack, der mit den anderen Rucksäcken und Jacken irgendwo steht. Und in den Saunen sitzen wir eng an eng. Mit oder ohne Badebekleidung. Dick, dünn, Männlein, Weiblein. Egal. Ich habe schon ein Bier getrunken, das hilft. Und es ist schön. Und obwohl schon kein Platz mehr auf den Bänken ist, kommen noch welche rein. Einer bleibt gleich neben dem Ofen stehen und fragt, ob er einen Aufguss machen soll. „Du willst doch nur, dass einer geht“, sage ich. Und er verneint mit einem breiten Grinsen, als er eine große Schöpfkelle Wasser auf die heißen Steine gießt. Und dann ist tatsächlich ein Platz frei. So geht das.

Auf der Dachterrasse liegt leider nicht genügend Schnee, um sich darin zu wälzen. Der Wind und das Schneetreiben, das zwischenzeitlich eingesetzt hat, müssen zur Abkühlung reichen. Außerdem haben die Studenten den Grill aufgestellt und angeheizt und es gibt Hotdogs. Prima Idee! Dazu noch ein Bier und dann aufwärmen in der Sauna.

Dann ist es Zeit für die GLO-Sauna. Als ich mich zu einer Frau in die Sauna setze, frägt sie mich was auf Finnisch. Ich antworte, dass ich leider nicht gut Finnisch spreche. Ihr Englisch sei nicht gut, antwortet sie und redet einfach weiter Finnisch mit mir. Und ich mit ihr. Ich bin überrascht, wie gut das noch geht. Seit dem Sommer habe ich es nicht gesprochen. Es sind einfache Sätze und Sachverhalte, aber das geht. Schön ist das. Und es macht mich ein bisschen stolz.

Außerdem habe ich hier auch Gelegenheit, länger mit Johanna zu ratschen. Auch sie freut sich, mich wieder zu sehen. Und dann kommt noch eine Frau, die ich kenne. Sie war am Vormittag auch bei der Sauna-Vereinigung. Es ist eine ganz tolle Stimmung, nur so unter uns Frauen und jede hat schon viele tolle Saunen gesehen und kann was erzählen. Und dann fragen alle, ob ich nächstes Jahr wieder komme. Und ich kann fast nicht anders, als ja zu sagen.

Meine letzte Sauna ist dann im Hotel „Katajanokka“. Das war mal das Gefängnis und ist jetzt ein teures Hotel. Beste Lage am Hafen. Hier habe ich mich mit Jaakko verabredet, der den Sauna-Tag ja ins Leben gerufen hat. Wir kennen uns von meiner ersten Sauna-Tour in Helsinki. Letztes Jahr hat ein Treffen nicht geklappt, dafür heuer. Es ist schön, bekannte Gesichter zu treffen.

Und weil diese Sauna ganz in der Nähe der Sompasauna ist, beschließe ich spontan, mit Jari zu kommen, der dort noch hinfährt. Letztes Jahr war auch die Sompasauna der Abschluss, deshalb passt das ganz gut so.

Sompasauna ist rund um die Uhr geöffnet.

Freier Eintritt und keine Regeln.

Es gibt hier zwei Saunen, alles sieht anders aus als letztes Jahr, weil im Mai die Sauna abgebrannt ist. Das passiert wohl hin und wieder, dass holzbeheizte Saunen brennen. Und es gibt hier auch ein Eisloch. Der Weg dorthin ist zum Glück nicht vereist wie letztes Jahr, dafür bläst der Wind recht stark, das Schneetreiben ist unangenehm. Trotzdem will ich ins Eiswasser. Weil es auch meine letzte Chance ist. Und trotz der widrigen Umstände ist es super.

Das „Avanto“ (Eisloch) bei der Sompasauna

Blick auf Helsinki. Bei Tag sicher unbeschreiblich schön!

Nach sieben Saunen und 13 Stunden Sauna-Tag bin ich jetzt aber müde und erschöpft. Es ist Zeit fürs Bett. Daheim in der AirBnB-Wohnung angekommen, schlafe ich wie ein Murmeltier – mit einem Grinsen im Gesicht.


Sauna-Päivä in Helsinki

Die Sauna ist in Finnland allgegenwärtig und ihr wisst ja sicher, dass es dort so viele Saunen gibt, dass sich statistisch gesehen zwei Finnen eine Sauna teilen können. Und da könnte man ja meinen, dass in Finnland jeder Tag „Sauna-Tag“ wäre. Aber es gibt einen Tag, der tatsächlich so heißt „Sauna-Päivä„. Hauptsächlich in Helsinki. An diesem Tag im März sind Saunen geöffnet, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit sind: Private Saunen, Saunen im Studentenwohnheim oder im Hotel. Und weil ich ein großer Fan der finnischen Sauna bin, bin ich letztes Jahr extra zum Sauna-Päivä nach Helsinki geflogen. Der nächste Termin ist jetzt am Samstag, 9. März.

Planung

Aller Anfang ist Planung! Um den Sauna-Tag entspannt genießen zu können, ist es sinnvoll, sich bei den verschiedenen Saunen anzumelden. Die meisten Angebote kann man nämlich nur nutzen, wenn man sich angemeldet bzw. eingetragen hat. Den Plan gibt’s hier: https://www.helsinkisaunaday.fi/search und der wird auch ständig erweitert. Reinschauen und dranbleiben lohnt sich also!

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Tervetuloa! Herzlich willkommen beim Sauna-Tag!

Bei den einzelnen Saunen steht auch, was geboten ist und was man mitbringen muss. In aller Regel ein Handtuch. Sinnvoll sind auch Badeschlappen und manchmal auch ein Badeanzug bzw. Badehose. In Finnland wird oft geschlechtergetrennt sauniert, manchmal aber gemeinsam. Und da wird dann Badebekleidung getragen. Und wer es richtig „finnisch“ will, setzt sich einen Sauna-Hut auf. Der soll den Kopf vor zu großer Hitze schützen. Ebenfalls wichtig: Trinken! Wer schwitzt, verliert Flüssigkeit und Mineralien, deshalb viel trinken. Wasser ist immer gut, aber auch Saftschorlen oder ein Bier sind möglich. Und wer den ganzen Tag von Sauna zu Sauna zieht, sollte auch eine Mahlzeit einplanen.

Huopalahden Sauna

Meine erste Sauna am Sauna-Tag war eine ganz besondere: Huopalahden Sauna. Mit dem Zug geht’s nach Huopalahti. Das Wetter an diesem März-Tag ist grau: Die Wolken hängen tief und obwohl es Mittag ist, ist das Licht diffus. Der Schnee auf den Straßen und Gehwegen ist auch grau und leicht matschig. Es ist nicht wirklich kalt, um den Gefrierpunkt. Aber diese graue Feuchtigkeit ist ungemütlich. Genau das richtige Wetter, um in die Sauna zu gehen. Ich verlasse den Bahnsteig, denn die Sauna ist genau am Bahnhof. Kein Wunder, das alte Bahnhofsgebäude aus weißem Holz wird von der Finnischen Bahn nicht mehr gebraucht und so hat es Liisa Akimof 2013 gekauft. Und wie sich das in Finnland so gehört, gehört zum Bahnhof auch eine Sauna. Liisa sägt gerade Holzlatten in kleinere Stücke, als ich auf das kleine rote Ziegelhäuschen zusteuere. Darin ist die Sauna.

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Das alte Bahnhofsgebäude in Huopalahti.

Rund um das Ziegelhäuschen stehen ein paar Häuser aus Holz. Das größte ist weiß und steht am nächsten an den Gleisen. Das war früher der Bahnhof. Doch heute ist aus dem Vorort-Bahnhof eine gesichtslose S-Bahn-Station geworden. Liisa wohnt hier und bietet in dem großen Haus Lesungen und andere Kultur-Events an. Die Sauna ist eigentlich nur für die Bewohner des Areals.

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Da ist die Sauna drin.

Heute, am Sauna-Tag, können auch Besucher kommen. Vorausgesetzt, sie haben sich angemeldet und Glück gehabt. Zweimal 8 Plätze gibt’s. Eine Runde für Frauen, eine Runde für Männer. Wie das in Finnland traditionell so ist. Seit 1910 gibt’s die Sauna, erzählt Liisa. Sie war für die Bahnarbeiter gedacht.

(Sobald das Video läuft, steht das Bild auch nicht mehr auf dem Kopf)

Es ist eine alte, einfache Sauna. Etwa 10 Quadratmeter groß. Die Wände sind betongrau, eine steile Holzleiter führt zu der Sauna-Bank, auf der wir später zu acht Platz haben. Durch das Fenster dringt das diffuse Nebelwintergrau in den Raum. In der Ecke stehen zwei Öfen: Einer mit großen Steinen oben drauf, der Kiuas, also der Sauna-Ofen. Der andere ist eine Wassertonne, hier wird das Wasser erwärmt. Wer sich waschen will, muss das mit einer Schüssel machen, auf die ganz altmodische Art. Duschen gibt’s nämlich keine. Es atmet den Charme der Vergangenheit.

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Alles ganz schlicht: Holzbank, der Saunaofen mit den Steinen und die Tonne mit dem heißen Wasser.

Die Sauna wird mit Holz beheizt, was eine sehr schöne Wärme ergibt. Es ist keine so trockene Luft wie ich es aus Deutschland kenne. Was auch daran liegen könnte, dass wir viele Aufgüsse machen. Auch das macht in Finnland kein Sauna-Meister, der zur vollen Stunde kommt, sondern die Sauna-Gäste selbst. In unserem Fall ist das Johanna, die mit Sauna-Hut und Sauna-Tattoo – ein Holzeimer und ein Birkenbündel – ein echter Fan des Schwitzens ist.

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Gleich sind alle Plätze belegt!

Und was kann ich sagen? Es ist einfach nur schön. Wir sitzen wie die Hühner auf der Stange, genießen die Wärme und ratschen. Sehr entspannt. So gefällt mir das. Und zum Abkühlen geht’s in den Schnee! Ich gehe erst ein bisschen auf und ab, atme die frische Luft. Dann wage ich es und lege mich kurz in den weißen Schnee. Schön! Auch Elisa schnappt frische Luft und ist begeistert von der alten Sauna und der Umgebung: „Es ist schon lustig, da warten die Fahrgäste am Bahnsteig auf den Zug, während wir hier im Schnee liegen. Wir haben quasi Publikum!“

Der Zug fährt ein und nimmt die Wartenden mit. Und auch wir warten nicht länger, sondern steigen in die Sauna – für die zweite Runde.

Liisa hat nicht nur die Sauna angeheizt, sie hat auch die Kaffeemaschine angemacht und gegen eine kleine Spende gibt’s sogar einen Kuchen mit Äpfeln aus dem Bahnhofsgarten. In der Waschküche stehen neben zwei großen Waschmaschinen zwei 50er-Jahre-Sessel und ein Nierentisch.

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Liisa killt mit ihrem Messer gleich den Apfelkuchen.

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So charmant kann eine Waschküche sein.

Und während ich mir zum Abschluss Kaffee und Kuchen schmecken lasse, ist die Frauen-Zeit in der Sauna auch schon rum und die Männer kommen. Peter hat sich gleich mal die Säge geschnappt: „Wenn jemand schon so nett ist und kostenlos eine Sauna anbietet, will ich meinen Teil dazu beitragen, dachte ich mir. Und ich hatte Recht: Es ist noch kein anderer da… ja, warum nicht? Im Stadtleben machst du das nicht so oft, aber im Sommer ist es ganz normal – nur nicht im Winter.“ Liisa hatte in ihrer Sauna-Beschreibung erwähnt, dass sie sich freut, wenn jemand beim Holzsägen hilft. Wir Mädels haben das nicht gemacht, aber die Jungs sind ganz fleißig. Nach und nach trudeln die Männer ein, jeder greift zur Säge und sägt ein bisschen. Alle haben gute Laune und ich finde es schade, dass ich weiterziehen muss.

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Wer mag, darf sägen.

Sauna-Dorf im Museumsinnenhof

Mit dem Zug fahre ich zurück ins Zentrum von Helsinki. Unweit des Bahnhofs ist das Nationalmuseum und dort ist im Innenhof ein ganzes Sauna-Dorf aufgebaut. Ein Zelt dient als Umkleide, rund um stehen Imbisswägen, die aber keine Würstl braten, sondern mobile Saunen sind. In die kleine Tubi-Sauna passen gerade mal 6 Besucher, in die Rauchsauna etwa 10. Viel Platz ist nicht und so wuseln die Besucher auf dem Platz zwischen den Sauna-Anhängern umher. Nur mit einem Handtuch bekleidet, manche sogar barfuß. In einem der Anhänger ist sogar ein Whirlpool angekarrt worden.

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Im Imbisswagen werden keine Würschtl gegrillt, sondern Saunagäste …

Hierher können alle ohne Anmeldung kommen, aber Badebekleidung ist Pflicht. Mir persönlich war das Gewusel aber zu viel. Aber hier wird auch mal wieder bestätigt, was ich schon öfter in der finnischen Sauna erlebt habe. Es stimmt nicht, dass die Finnen pauschal so schweigsam sind. Sie sind sehr gesprächig – besonders, wenn es um die Sauna geht. Wer das also erleben will, ist beim Sauna-Tag goldrichtig! Die Saunen sind kostenlos und eigentlich hat man nichts zu verlieren.

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Kostenloses Sauna-Angebot im Innenhof des Nationalmuseums

Torni-Sauna im GLO Hotel Art

Meine nächste Sauna ist die im GLO Hotel Art. Das Jugendstil-Haus wirkt von außen fast wie eine Burg. Die Mauern bestehen aus großen Granitsteinen, die Holztür ist schwer und mit Eisen beschlagen. Über dem Eingang thront ein Turm. Und im obersten Stockwerk, unterhalb des Turms, ist die Sauna ”Torni”. Die Sauna steht in ihrer Einfachheit in starkem Kontrast zu den dicken Mauern, den schweren Türen und massiven Möbeln, die im Hotel stehen. Es ist eine recht schlichte, elektrisch beheizte Hotelsauna für etwa 10 Leute. Es ist Frauenrunde und kaum sitzen wir auf den Bänken, wirft eine Frau auch einen Aufguss. Dreimal. Warum eigentlich? Reicht nicht eine Schöpfkelle Wasser? Sie ist von der finnischen Sauna-Society und erklärt: ”Einige sagen, dass der Sauna-Geist es mag, wenn du dreimal wirfst. Dann ist er zufrieden und macht den schönsten Dampf. Vielleicht muss man auch einfach zuhören, als ob du mit einem Menschen sprichst: Wie reagiert der Ofen? Beim ersten Mal weißt du es, beim zweiten Mal bist du besser und beim dritten Mal seid ihr befreundet – das wäre eine rationale Erklärung.”

Manche sagen auch, dass man beim dritten Mal im Dunklen einfach die beste Chance hat, den Ofen auch zu treffen.

 

Im GLO Hotel gibt’s kostenlose Getränke und sogar Bier!

Die Umkleide im GLO Hotel. Hat was von Ostseebad …

Ich treffe hier auf Laura und Marjo. Die beiden Freundinnen sind schon den ganzen Tag von Sauna zu Sauna unterwegs. Der Sauna-Tag ist für die beiden der wichtigste Tag im Jahr. Seit Anfang Januar haben sie akribisch geplant, damit sie möglichst viele Saunen besuchen können. Sie waren schon auf einem Boot, einer Sauna mit Dachterrasse und im Hostel. Jetzt sind sie hier.

Der Sauna-Tag ist irgendwie ein Event, ein Festival. In jeder Sauna treffe ich auf neue Leute. Die alte und einfache Sauna der Eisenbahner ist so ziemlich das Gegenteil von der Hotelsauna und vor allem ist der Aufenthaltsbereich hier sehr viel mondäner, mit Ledersesseln und einem schweren Holztisch. Dazu gibt’s kostenlose Getränke – und sogar Bier. Spontan beschließen Laura und Marjo, mich zu ihrer nächsten Sauna mitzunehmen. Zu einem neugebauten Studentenwohnheim.

Kalasatama-Studentenwohnheim

Das Studentenwohnheim ist ein modernes und deshalb ist hier die Sauna nicht im Keller untergebracht, sondern im obersten Stockwerk. Mit Schnee auf der Dachterrasse zum Abkühlen. Die Sauna ist winzig klein, nur 6 Leute haben Platz. Trotzdem ist Jan-Erik, der Vorsitzende im Wohnheim, stolz, dass seine Sauna jedes Jahr beim Sauna-Tag dabei ist. Inzwischen ist es schon spät, 20 Uhr. Unsere Bikinis sind feucht, wir wollen sie nicht mehr anziehen. Die Mädels beratschlagen sich und auch die Studentenwohnheimjungs meinen, dass wir alle gemeinsam nackt in die Sauna gehen können. Ich kenne das ja aus Deutschland eh, deshalb ist mir die Entscheidung ganz recht. Bissl komisch ist es dann schon, als wir so ganz nah beieinander sitzen und ratschen – wie in einer Bar. Nur, dass wir eben nackt sind. Vesa macht einen Aufguss, dass uns ganz schnell heiß wird! Nix wie raus – auf die Dachterrasse und in den Schnee. Einmal tief durchatmen und dann rein ins kühle Weiß. Herrlich!

Sompa-Sauna

Inzwischen ist es 22 Uhr. Die Studentensauna schließt, alle ziehen sich wieder ihre warmen Hosen, Schuhe und Jacken an. Zeit zum Aufbruch und auch wir Mädels machen uns auf den Heimweg. Naja. Nicht so ganz. Ein „Muss“ ist „Sompa Sauna“. Eigentlich gehört sie nicht wirklich zum Sauna-Tag, denn diese Sauna in Helsinki ist jeden Tag rund um die Uhr geöffnet und kostenlos. Aber irgendwie gehört sie doch dazu und deshalb gehen wir hier noch hin. Es ist sehr schön. So „ungeplant“ und doch gut organisiert. Es ist immer jemand da, der sich um Feuerholz und Wasser kümmert. Die Sauna ist sehr heiß, die Aufgüsse zischen und natürlich sind wir sofort in ein Gespräch vertieft. Und dann geht’s für mich noch ins Eisloch. Mitten in der Nacht, im dunklen! Der Weg dorthin ist auch abenteuerlich, ich muss aufpassen, dass ich auf dem Schnee nicht ausrutsche. Eine kleine Treppe führt ins „Avanto“, das Eisloch. Ich gehe rein, tauche unter – herrlich! Mitten in Helsinki, in der Ostsee, im Eis. Finnischer geht’s nicht! Nochmal kurz aufwärmen, dann ist wirklich Schluss für heute.

Anarchisch: Sompa-Sauna

Das Eisloch – Avanto – bei der Sompa-Sauna mit Blick auf die Stadt

Ein ereignisreicher Tag mit viel Entspannung und schönen Eindrücken. ”Ich fühle mich erschöpft, weil ich 12 Stunden lang in der Sauna war. Es gefällt mir, aber jetzt bin ich fertig. Es ist Zeit fürs Bett und zum Wassertrinken. Ich befürchte, dass ich mich morgen verkatert fühle wegen der Dehydrierung. Jetzt heißt’s warten bis nächstes Jahr. Aber ich bin sicher, dass wir unseren Rekord nochmal verbessern: wir waren in 7 oder 8 Saunen – also nächstes Jahr dann 9 – mindestens!”, sagt Marjo auf dem Nachhauseweg. Die Mädels sind so nett, dass sie mich noch begleiten, bis ich mich wieder zurecht finde.

Mein Fazit zum Sauna-Tag: Es ist eine ganz besondere Stimmung. Wie auf einem Festival. Wer ein bisschen offen ist, wird interessante Gespräche führen und nette Leute kennenlernen. Ich bin allein zum Sauna-Tag gefahren, aber natürlich kann man auch mit einer Freundin oder einem Freund fahren. Wer als Pärchen unterwegs ist, sollte aber bedenken, dass in manchen Saunen eben geschlechtergetrennt sauniert wird und das bedeutet oft, dass zuerst eine Stunde die Frauen an der Reihe sind und danach die Männer. Das könnte die Planung etwas erschweren. Aber die Informationen sind alle übersichtlich auf der Homepage zusammengefasst.


Saunen in Helsinki

In Helsinki gibt’s ja viele schöne Saunen, nicht nur Allas Seapool. Darüber habe ich ja schon einige Male geschrieben, weil man da ja auch schön schwimmen kann.

In den anderen Saunen kann man nicht schwimmen. Es gibt nicht mal ein Eisbecken! Denn die Saunen in Helsinki sind ganz anders als hier bei uns in Deutschland. Es gibt alte Saunen aus den 1920er-Jahren, die sehr urig sind – und eine Art Zeitreise. Ich finde, da kann man die typisch finnische Saunakultur am besten kennenlernen. In Finnland gibt’s keine Sanduhr für die optimale Dauer des Saunagangs. Es gibt keinen Bademeister, der einmal stündlich vorbeikommt, um einen Aufguss zu machen. Den Aufguss machen die Saunagäste selbst! Und zwar so oft, wie man will. Hui, da hab ich in Allas einmal ganz schön eingeheizt … Danach bin ich erstmal in den Eispool gegangen.

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Das Chlorhuhn im Meerwasserpool mit Eis.

Mir gefällt die Sauna in Finnland jedenfalls viel besser als hier. Und weil ich in Helsinki schon einige Saunen getestet habe, habe ich hier eine kleine Zusammenstellung für euch gemacht.

Sauna und Finnland – das gehört natürlich zusammen. Ich habe sogar mal gehört, dass man ohne Saunabesuch gar nicht wirklich in Finnland war. Aber zum Glück gibt’s in Helsinki viele öffentliche Saunen, in denen man diese typisch finnische Kultur kennenlernen kann. Keine Angst, wenn Du noch nie in der Sauna warst. In Finnland gibt’s da – anders als in Deutschland – eigentlich keine Regeln zu beachten. Und ich als Frau finde es zum Beispiel sehr angenehm, dass die Saunen in der Regel geschlechtergetrennt sind. Männlein und Weiblein schwitzen getrennt, ratschen aber zusammen. Aber da hat man dann ja schon das Handtuch rumgewickelt oder ist in den Bademantel geschlüpft.

Große Auswahl an unterschiedlichen Saunen

Die Auswahl an Saunen in Helsinki sollte auch für jeden was zu bieten haben: Es gibt die alten Saunen aus den 1920er-Jahren, die alles andere als „Wellness-Tempel“ sind. Sie stammen aus der Zeit, als die Wohnungen der Arbeiter in Helsinki keine eigene Sauna hatten – weder in der Wohnung noch im Haus. Das ist heute anders, da haben viele Wohnungen im Bad eine Sauna. Oder es gibt im Wohnhaus eine Gemeinschaftssauna, in der die Bewohner abwechselnd schwitzen. Davon hat man jetzt als Otto-Normal-Tourist nicht wirklich viel – außer man würde sich via AirBnB eine entsprechende Unterkunft suchen. Und die Hotels in Helsinki haben natürlich auch eine Sauna. Ich finde aber, dass man bei den öffentlichen Saunen Finnland und vor allem die Finnen nochmal von einer ganz anderen Seite kennenlernt. Denn die Finnen gehen gern und oft in die Sauna und sind auch in den erst kürzlich eröffneten, neuen Saunen zu Gast. Ich gehe gern in die Sauna, vor allem in Finnland und deshalb habe ich hier mal ein Saunen in Helsinki beschrieben, in denen ich selbst schon war.

 

Kotiharjun Sauna – die älteste

Im ehemaligen Arbeiterviertel Kallio, jetzt auf dem Sprung zum Szeneviertel, gibt’s mehrere öffentliche Saunen. Das ist ein Relikt aus der Zeit, als es in den Häusern der Arbeiter kein Bad und schon gar keine Sauna. Aus den 1920er-Jahren stammt Kotiharjun Sauna noch (Harjutorinkatu 1, 00500 Helsinki). Die Sauna wird mit Holz beheizt, was ich sehr angenehm finde. Von der Helsingin Katu liegt sie etwas versteckt auf einem Hügelchen, doch die Leuchtbuchstaben kündigen dann doch gut sichtbar an, wo die SAUNA ist. An einem schönen Sommertag sitzen auf dem Mäuerchen vor der Sauna schon mal 20 oder mehr Männer – lediglich mit einem Handtuch um die Hüften, Badeschlappen und einer Dose Bier. Aber keine Angst – die tun nichts und wie gesagt: Da, wo man nackt ist, ist man unter sich. In Kotiharjun Sauna ist die Damensauna im ersten Stock, die Herren sind im Erdgeschoss. An der Kasse kann man Handtücher leihen. Außerdem gibt’s einen Kühlschrank, in dem man sein eigenes Bier aufbewahren kann. Zu kaufen gibt’s nämlich nur „Dünnbier“, also Bier mit etwa 2-3 Prozent Alkohol. Und ein „Sauna-Olut“ schmeckt gleich noch besser als ein normales Bier. Aber zuerst wird natürlich sauniert!

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Dank der vielen Besucher kaum zu verfehlen: Kotiharjun Sauna

Wer in Deutschland schon mal in der Sauna war, wird von Kotiharjun Sauna wohl genauso überrascht sein wie ich. Es hat nämlich überhaupt nichts mit einer Sauna gemein, wie wir sie kennen. Die Umkleide erinnert eher an ein Wirtshaus. Es gibt ein paar Tische, hinter den Holzbänken sind die Schränkchen für die Klamotten. Hier sitzen die Damen nach dem Saunagang zusammen und ratschen, trinken Bier oder lesen. Als ich dort war, lagen da auch Zeitschriften – allerdings auf Finnisch und naja …. Da muss man schon bissl länger Finnisch lernen als nur zwei bis drei Jahre. Aber egal, darum geht’s ja auch nicht. Der Umkleideraum ist jedenfalls sehr urig und gemütlich und ich habe mich ein bisschen wie bei einer Zeitreise gefühlt.

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Sieht eher wie eine Gaststube aus: die Umkleide in Kotiharjun Sauna

Der nächste Raum ist die Dusche. Auch hier wähne ich mich in die 1920er zurückversetzt. Es ist alles sauber, dennoch sieht und spürt man, dass es aus einer anderen Zeit stammt. Und dann, nachdem ich mich geduscht habe, geht’s in die Sauna. Ich bin gespannt! Und wieder überrascht: Ich hätte alles erwartet – von einer großflächigen Sauna mit hellen Holzbänken bis zu einer kleinen Sauna, die einer Hütte nachempfunden ist. Stattdessen: Ein dunkler Raum mit einem riesigen Ofen, der aussieht wie ein „nackter“ Kachelofen. Statt Fliesen gibt’s Steinwände und die Bänke sind ebenfalls aus Stein – und ziemlich steile Stufen.

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Nix Wellness – eher funktional: Der Saunaofen in Kotiharjun Sauna

Unten ist viel Platz, manchmal lagert hier auch Holz. Ebenfalls ein großer Unterschied zu deutschen Saunen: Es wird geredet. Und zwar nicht leise oder verhalten – nein, ganz normal. Schon mit Rücksicht auf die anderen Gäste. Aber nix von wegen „Ruhezone“. Das finde ich anfangs seltsam, weil ich es so nicht kenne. Dann freue ich mich aber, weil es irgendwie viel lockerer ist und ich zudem finnisch höre. Einen Aufgussmeister gibt’s in Finnland auch nicht. Für den „Löyly“ sorgen die Gäste selbst. Und dann wird geschwitzt – nicht zu knapp. Es ist heiß. Aber angenehm. Durch das Holz ist die Luft viel feuchter als in den elektrischen Saunen. Und weil manche Frauen auch eine Schüssel mit Wasser mit in die Sauna bringen, um sich zu waschen, ist immer eine Grundfeuchtigkeit vorhanden. Ich muss sagen, dass ich das inzwischen viel besser finde als die Saunen in Deutschland. Und noch etwas unterscheidet sich: Es gibt kein Eisbecken zum Abkühlen. Nach dem Saunagang dusche ich mich kühl ab, schlüpfe in meinen Bademantel (ich habe einen Reisebademantel aus dünnem Frotteestoff) und gehe hinunter. Es ist ein schöner Sommerabend und so setze ich mich auch auf das Mäuerchen vor der Sauna und trinke mein Bier. Ich mache noch ein paar Saunagänge und genieße den „finnischen way of life“.

Arlan Sauna – die gastfreundliche

Nicht weit von Kotiharjun Sauna entfernt ist Arlan Sauna (Kaarlenkatu 15, 00510 Helsinki). Sie ist ebenfalls im ehemaligen Arbeiterviertel Kallio und existiert seit 1929. Ich glaube, es ist die zweitälteste Sauna in Helsinki. Statt mit Holz wird sie mit Gas beheizt. Ich habe keinen großen Unterschied feststellen können.

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Seit 1929 gibt’s Arlan Sauna schon.

Hier geht’s in einen Innenhof, in dem die Saunagäste zwischen den Gängen sitzen. Am Eingang empfängt mich Kimmo. Kimmo ist der Betreiber der Sauna, doch er ist viel mehr ein Gastgeber. Mit mir kommen zwei Asiatinnen an, Kimmo erklärt ihnen, wo die Sauna, die Umkleide und das Klo sind. Außerdem fragt er, ob sie schon mal in einer Sauna waren und weil die zwei verneinen, rät er ihnen, sich nicht allzu weit nach oben zu setzen. Keine Belehrung, wie lange sie in der Sauna bleiben sollen. Einfach nur: nicht übertreiben. Schön! Auch mir zeigt Kimmo, wo die Damensauna ist. Hier ist sie im Erdgeschoss, gleich links neben der Kasse.

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Auch hier ist die Umkleide sehr wohnlich. Es gibt sogar einen Bücherkoffer.

Die Herren müssen in den ersten Stock. Und auch hier ist die Umkleide wohnlich, mit Holzschränkchen und einem Tisch. Es ist das Gegenteil zu den Umkleiden, wie ich sie hier in Deutschland kenne: steriler als jeder OP. Der Duschraum ist ebenfalls aus den späten 20ern und außer den Duschen gibt’s hier, wie auch in Kotiharjun Sauna, Bänke. Zum Ausruhen, Sachen ablegen oder wenn man sich die Füße waschen will? Egal. Ich dusche mich und gehe in die Sauna. Es ist ähnlich wie in Kotiharju. Ein „nackter“ Kachelofen, steile Treppen, die auch die Bänke sind.

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Der Duschraum in Arlan Sauna

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… und die Sauna selbst. Steile Treppen, ein riesiger Ofen und große Hitze.

Wenn ich die Wahl hätte zwischen Kotiharjun und Arlan Sauna, ich würde Arlan bevorzugen. Kimmo ist wie oben erwähnt, ein richtiger Gastgeber. Er redet mit seinen Gästen, die natürlich auch untereinander reden. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass es hier etwas „typischer“ ist. Kotiharjun Sauna steht in diversen Reiseführern, weil es die älteste Sauna ist. Und deshalb sind da vielleicht auch mehr Touristen. Mir persönlich hat es jedenfalls in Arlan Sauna besser gefallen. Aber das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Kaurilan Sauna – die bezaubernde

Kaurilan Sauna ist eine ganz spezielle Sauna. Hier kann man nicht einfach so vorbeimarschieren, hier muss man reservieren. Am besten schon rechtzeitig von daheim, bevor die Reise losgeht. Man kann entweder die ganze Sauna mieten oder einfach einen Platz für sich und seine Begleitung (falls vorhanden) reservieren.

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Mitten in der Stadt kann man sich wie auf dem Land fühlen: Kaurilan Sauna

Es gibt gemischte Tage und getrennte Tage. Für Pärchen ist dieses getrennte Saunieren vielleicht etwas ungewohnt, weil jeder für sich ist. In Kaurilan Sauna kann man gemeinsam Saunieren. Und was mich überrascht hat: gemischt und nackt! Also nicht erschrecken, wenn man zur gemischten Sauna geht. Die Sauna selbst liegt etwas „außerhalb“, wobei „außerhalb“ in Helsinki ja noch immer relativ ist. (Heikinniementie 9, 00250 Helsinki). Ich bin damals mit der Tram 4 hingefahren, von der Haltestelle sind’s etwa 800 Meter zu Fuß in den Wald. Ich habe mich dann sofort wie auf dem Land gefühlt. Ein typisches rotes Finnen-Häuschen, das ist die Sauna. Davor gibt’s eine kleine Veranda.

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Typischer geht’s kaum – Kaurilan Sauna

Saara betreibt die Sauna. Als ich angekommen bin, war sie noch mit Vorbereitungen beschäftigt. Die Sauna wird ebenfalls mit Holz beheizt. Außerdem gibt’s in dem Häuschen keinen Strom und nur kaltes Wasser aus der Leitung. Zuerst betrete ich die „Tupa“, das ist so eine Art Wohnzimmer, aber gleichzeitig die Umkleide. Es gibt einen offenen Kamin, ein Kanapee und einen Tisch. Ein herrlicher Duft liegt in er Luft: Auf dem Tisch hat Saara selbst gebackenes Brot bereitgestellt.

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Die „Tupa“ ist Umkleide, Ruheraum und Wohnzimmer in einem.

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Sehr einladend sieht das aus. Gleich kommt auch das Brot noch …

Dann geht’s einen kleinen Gang entlang, hier liegen die Leinentücher für die Saunagäste. Und dann ist da die Sauna. Ein dunkler Raum, in der einen Ecke ist ein großes Wasserbassin, das von unten mit Holz befeuert wird. In der anderen Ecke ist der Saunaofen. Das einzige Licht in der Sauna kommt von den brennenden Holzfeuern und ein paar Kerzen. Gegenüber von den Öfen ist eine freie Fläche und dann sind da die Holzstufen zu den Bänken. Auf der freien Fläche wasche ich mich. Dazu mische ich kaltes Wasser vom Hahn mit dem heißen Wasser aus dem Bassin. Es ist sehr urtümlich, sich so zu waschen, mit einer kleinen Schüssel.

Als alle Gäste da sind und Platz genommen haben, ist es ganz schön voll. Aber schön. Jeder redet mit jedem und Saara macht großartige „Löyly“. Während des Aufgusses wird nicht geredet. Da wird dem „Löyly“ zugehört, wie er klingt und zischt. Dem „Löyly“, dem Saunageist, der im Aufguss lebt, wird Respekt gezollt. Und wenn er verklungen ist (meist drei Schöpfer auf die heißen Steine), wird darüber gesprochen, wie er war. Sanft oder heftig? Nachdem mir heiß genug ist, wasche ich mich wieder mit dem Wasser aus den Schüsseln und gehe hinaus. Auf der Veranda genieße ich die finnische Septemberabendluft, trinke mein Bier und bin auf einmal ganz, ganz glücklich. So muss Sauna sein! So reduziert und doch so viel schöner! Und dann natürlich noch Saara, die eine warmherzige Gastgeberin ist und ihr Brot, das ganz phantastisch schmeckt. Der Saunabesuch ist hier auf zwei Stunden begrenzt, aber das macht nichts. Man soll ja eh aufhören, wenn’s am schönsten ist!

 

Allas Seapool – die neueste

Im Hafen von Helsinki, direkt am Kauppatori, schwimmen seit Kurzem Holzstege im Wasser. Darin sind Schwimmbecken eingelassen. Das Ganze gehört zum „Allas Seapool“, einer der neuesten Saunen in Helsinki.

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Allas Sea Pool – hier entlang!

Hier kann man nicht nur Saunieren, sondern auch schwimmen. Und zwar mit Aussicht! Mit Aussicht auf den Dom von Helsinki, die alte Markthalle und die Uspenski Kathedrale. Es sind insgesamt drei Schwimmbecken: eines für Kinder, ein 25-Meter-Becken zum Schwimmen (beide beheizt) und für Wassergymnastik und ein 25-Meter-Becken mit Ostseewasser. Das ist gereinigt, aber nicht erwärmt. Es hat also immer die Temperatur der Ostsee. Ich war schon zwei Mal in Allas Seapool. Beim ersten Mal war ich im September da, da hatte das Wasser 13 Grad.

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Im Pool mit 13 Grad warmem (kaltem) Ostseewasser bin ich allein.

Manch einer wird jetzt vielleicht sagen: kalt. Aber Moment – ich war noch mal dort und zwar im März. Und da war das Becken fast zugefroren, lediglich eine Eck war eisfrei, damit wir Saunagäste ins Eiswasser gehen können. Und das war richtig toll! Ein Rettungsschwimmer ist vor Ort, es kann also gar nichts passieren. Ich bin nicht nur kurz untergetaucht, ich bin ein paar Züge geschwommen, bis zur Eiskante und zurück. Danach bin ich raus und habe es genossen – mir war richtig warm, obwohl es geschneit hat. Und dann haben mich die Glücksgefühle durchströmt. Herrlich – unbedingt ausprobieren!

 

Ich muss sagen, dass ich die Schwimmbecken in Allas fast besser finde als die Sauna. Es gibt eine für Männer, eine für Frauen und eine gemischte. In die gemischte geht man mit Badebekleidung, was ich persönlich nicht mag. Die Umkleiden in Allas sind in etwa so, wie ich sie aus Deutschland kenne. Zweckgebundener Raum mit Schränkchen. Und leider ziemlich eng, da Allas meist gut besucht ist. Die Sauna selbst ist schön. Die Bänke sind aus hellem Holz und um den Saunaofen (elekrtisch) gruppiert. Den Aufguss machen die Saunagäste selbst, dafür stehen zwei Eimer mit Schöpfkelle bereit.  Durchs Fenster dringt Tageslicht in die Sauna und gibt den Blick auf die Ostsee frei. Das ist schon sehr, sehr schön! Allerdings hatte ich den Eindruck, dass in Allas viele Touristen Gäste sind und deshalb eine gewisse „Unruhe“ geherrscht hat. Teilweise war es ein aufgeregtes Kommen und Gehen, weil es anscheinend für die Gäste so neu und ungewohnt war. Und man ja schließlich mal in die Sauna gehen muss, wenn man in Helsinki ist. Ich kann mich aber auch getäuscht haben.

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Relaxen mit Aussicht – Allas Seapool in der Abendstimmung

Auch wenn Allas bei weitem kein „Wellness“-Tempel ist wie viele Saunen in Deutschland, es ist bei schönem Wetter wirklich einen Besuch wert. Denn wenn es warm genug ist und die Sonne scheint, kann man auf der Terrasse sitzen und den Blick auf den Hafen, den Marktplatz sowie Dom, Rathaus und Präsidentenpalast schweifen lassen. Wenn die Sonne dann untergeht und alles in ein warmes Licht taucht – dann ist das derart kitschig, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Bei schlechtem Wetter sieht es allerdings schlecht aus mit Ruheplätzen. In der Umkleide ist kein Platz und draußen ist es zu kalt. Zumindest war es mir im März bei Schneegriesel und Wind zu kalt im Freien.

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Der Dom von Helsinki im Abendlicht – schöner geht’s kaum.

Außerdem ist es nicht teuer. Für etwa 12 Euro kann man den ganzen Tag in Allas verbringen. Und wer nur mal den Blick genießen will, kann auch von der Straße auf eine der Terrassen gehen und sich einen Eindruck verschaffen. Außerdem gibt’s ein Restaurant/Café, das für alle geöffnet hat und werktags ein Mittagsbuffet anbietet.

Löyly – vom Erfolg überrascht

Auf der anderen Seite von Helsinki, in Hernesaari (Hernesaarenranta 4, 00150 Helsinki) ist eine weiter, neue Sauna in Helsinki. „Löyly“, Aufguss, heißt die Sauna. Es ist ein ziemlich großes und futuristisch wirkendes Gebäude direkt am Strand. Die Sauna ist jedoch ziemlich klein. Der Rest ist Restaurant und Café. Hier kann man auch einfach einen Kaffee trinken und den Blick über die Ostsee schweifen lassen, während unten die Saunagäste zum Abkühlen in die Ostsee steigen.

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Blick von der Löyly-Terrasse auf Helsinki

Und zwar direkt in die Ostsee, über eine Treppe. Ursprünglich war die Sauna nur als „Add-On“ zum Restaurant gedacht, deshalb ist sie so klein dimensioniert. Allerdings wurden die Macher vom Erfolg überrascht, so dass man hier seinen Platz im Voraus buchen muss. Das ist leider einer der Gründe, warum ich die Sauna nur im „kalten“ angeschaut habe, aber nicht selbst dort sauniert habe.

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Zum Abkühlen geht’s direkt in die Ostsee.

Es gibt aber eine Rauchsauna und weil das ziemlich toll ist (habe ich an anderer Stelle mal ausprobiert), kann ich einen Besuch in Löyly nur empfehlen. Außerdem kann man hier direkt in die Ostsee tauchen, um sich abzukühlen. Wenn es wellig ist, ist es wellig, wenn das Meer ruhig ist, ist es ruhig. Es ist halt kein Schwimmbecken wie in Allas.

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Der Saunaofen in der Rauchsauna wird gerade angeheizt.

Sompasauna – die Guerilla-Sauna

Sompasauna ist kostenlos und rund um die Uhr, jeden Tag, geöffnet. Eine Gruppe Freiwilliger kümmert sich um die Sauna und sorgt dafür, dass Holz da ist. Es ist alles etwas ungewöhnlich – und gerade deshalb einen Besuch wert. Die Sauna besteht aus zwei Saunen, einer großen und einer kleinen. Die Umkleide ist eine Hütte, in der jeder sein Zeug einfach abstellt. Es gibt keine Schränkchen oder so. Die Saunen sind mit Holz beheizt und recht eng (auch die große). Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute sehr rücksichtsvoll sind. Zum Abkühlen geht’s auch hier direkt in die Ostsee!

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Eisloch mit Aussicht – Sompasauna

Duschen gibt’s keine, soweit ich das gesehen habe. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es hier an einem schönen Sommerabend sehr nett ist, mit Blick auf die Ostsee und die Stadt. Einfach mal ausprobieren – kostet ja nix! Ich war am Sauna-Tag dort.

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Sompasauna

Übrigens habe ich in den Saunen das Gefühl gehabt, dass die als so schweigsam geltenden Finnen hier durchaus reden. Und zwar nicht nur unter sich, sondern auch mit Fremden wie mir. Wenn ich auf Finnisch angesprochen werde, ist schnell klar, dass ich die Sprache leider kaum beherrsche. Deshalb antworte ich dann auf Englisch. Und schon ist man im Gespräch. Woher kommst Du? Bist Du öfter in Finnland? Wie gefällt es Dir hier? Wenn ich dann noch von der deutschen Saunakultur erzähle mit Sanduhr für die richtige Länge des Saunagangs und einem handtuchschwingenden Bademeister, der einmal in der Stunde den Aufguss macht, ist das für die Finnen oft lustig – und irgendwie lehrreich. Sauna ist nicht gleich Sauna. Und mir gefällt die finnische Sauna immer besser.


Uiminen Helsingissä – Schwimmen in Helsinki

Viele werden denken: Was, schon wieder? Aber ja – ich war schon wieder in Helsinki. Anlass war der „Sauna-Tag“ am 10. März. Und weil ich riesiges Glück hatte und einen günstigen Flug ergattert habe, bin ich übers Wochenende nach Finnland geflogen.

Obwohl auf dem Kalender schon Frühling ist: In Helsinki ist noch Winter.

Am Freitag war ich mittags in Helsinki. Das Wetter war nieselig-grau. Ich war nicht wirklich müde, aber vom vielen Sitzen im Flieger und der S-Bahn war mir nach Bewegung. Und welche Bewegung ist schöner als schwimmen? Eben! Deshalb habe ich gleich den Rucksack umgepackt und bin zum Allas Sea Pool marschiert. Lustigerweise habe ich dafür nicht mal den Stadtplan gebraucht.

Die Brocken hier sind Eisbrocken, die weiße Fläche ist Eis. Hinter dem Zaun ist der Meerwasserpool von Allas Seapool.

Die Ostsee ist zugefroren, nur im Hafenbecken ist es keine Eisschicht, sondern es schwimmen riesige Eisbrocken, weil hier ja auch Schiffe fahren. Ich werfe einen Blick auf die Schwimmbecken im Allas und weiß, dass das eine gute Entscheidung war: Auf den abgetrennten Bahnen waren je nur zwei Leute. Und weil es ein 25-Meter-Becken ist, ist das prima. Ich bezahle also meinen Eintritt (12 Euro für den ganzen Tag) und ziehe mich um. Dann husch schnell ab ins Becken, denn draußen ist es kalt, leichter Frost.

Das beheizte 25-Meter-Becken. Die meisten Leute tummeln sich im Spaßbereich. Gut für mich!

Das Wasser ist warm, aber nicht zu warm. Ich weiß immer noch nicht, was der Unterschied zwischen „Matka/Distance“ und „Nopea/Fast“ ist, aber weil es auf der „Nopea“-Bahn gleichmäßiger ist, geselle ich mich hier zu den Damen. Es läuft prima. Ich bin ziemlich schnell im Flow und habe mich auch schnell an die Kurzbahn gewöhnt. Die eine Frau muss ich manchmal überholen, die andere überholt mich hin und wieder. Aber alles läuft sehr harmonisch. Und als auf der „Hiidas/Slow“-Bahn am Beckenrand gar niemand mehr ist, wechsle ich hierher und schwimme weiter. Bahn um Bahn. Es ist wie im Sommer, wenn ich total im „Tunnel“ bin und um mich rum kaum mehr was mitkriege. Mit „Sightseeing“ ist heute hier nicht viel geboten, es ist so grau, dass ich den Dom fast nicht sehen kann. So sehe ich von Helsinki in dieser Stunde hauptsächlich den hellblauen Beckenboden. Aber das macht nichts.

Und als ich fast fertig bin mit meiner Schwimmeinheit, sind auf einmal zwei junge Männer in meiner Bahn. Stehen da rum und blödeln. Ohmann! Können die nicht 10 Minuten später kommen? Und was machen die hier überhaupt? Im größeren Bereich des Beckens ist eigentlich genug Platz und da steht auch irgendwas von „easy swimming“, habe ich beim Reingehen gesehen. Ich beschließe, nichts zu sagen, sondern schwimme einfach weiter. Ich tu so, als wären sie gar nicht da. Sie kapieren nach zwei meiner Bahnen, dass ich da schwimme. Bleiben aber da, sind aber zumindest an den Rand ausgewichen. Ich denke mir nur: Das sind sicher keine Finnen. Die Finnen, die ich bisher kennengelernt habe, wären nicht so dreist. Zumal man im Winter in diese Randbahn nur kommt, wenn man schon durch die anderen Bahnen durchgetaucht ist. Am Beckenrand liegt Schnee, es ist glatt, deshalb ist der Bereich gesperrt.

Irgendwann bin ich dann fertig mit Schwimmen. Und dann höre ich die beiden sprechen – auf russisch. „So, habe ich’s mir doch gedacht“, denke ich etwas selbstzufrieden.

Ich verschnaufe noch ein bisschen, dann atme ich tief ein und aus. Und dann ganz tief ein, halte die Luft an und tauche. In einem kurzen Becken, das auch nur knapp 1,70 Meter tief ist, könnte das mit dem Tauchen ja klappen. Ich stoße mich also ab, gleite, mache einen kräftigen Brustschwimmzug. Und einen weiteren. Der Boden ist nur ganz knapp unter mir. Irgendwann wird die Luft knapp. „Durchhalten! Wenn’s nicht mehr geht, gehen noch 2 bis 3 Züge“, feuere ich mich selbst an. Und dann muss ich doch auftauchen. Zwei Züge vorm Ziel, dem Beckenrand. Ohmann! Ich wage nach einer weiteren Verschnaufpause noch einen Versuch – doch auch hier muss ich kurz vor knapp auftauchen. Schade! Und auch wieder nicht. So weit, 20 oder 22 Meter, bin ich schon lange nicht mehr getaucht!

Jetzt geht’s ab in die Sauna. Denn der Allas Seapool ist ja auch eine Sauna. Hier ist es schon voller als im Becken. Es sind ziemlich viele Touristen da (ich ja auch). Leider ist es deshalb etwas zu sehr wie im Hühnerstall, rein, raus – viel Unruhe. Egal. Irgendwann bin ich allein in der Sauna und mache einen Aufguss. In Finnland darf man das nämlich. Da kommt kein Bademeister, der Geschichten erzählt und mit dem Handtuch wedelt. Da darf jeder. Ich gieße einen Schöpflöffel Wasser auf die heißen Steine in der Mitte der Sauna. Ah, schön warm. Aber noch nicht genug. Ein zweiter Schöpfer. Schon besser. Mir war nämlich dann noch etwas kühl nach dem Schwimmen und dem Spaziergang zurück ins Haus (der ist nämlich recht weit). Und dann gieße ich noch einen dritten Schöpfer drauf. Hui! Jetzt ist es… äh… warm. Sehr warm.

Zwei Frauen betreten die Sauna. Finninnen, wie ich ihrem Geplauder entnehme. Die eine setzt sich tapfer hin. Die andere geht auf der kleinen Treppe gleich einen Schritt zurück. „Tossi kuuma“, sagt sie zu ihrer Freundin – „sehr heiß“. Und auch mir wird es jetzt zu heiß. Ohje! Die Decke ist relativ niedrig in der Sauna und der heiße Dampf vom Aufguss kommt jetzt runter. Ich muss auch auf die Treppe. Die Sitzbank ist nur in einer Höhe angebracht. Und dann warten wir. Und weitere Frauen kommen herein. Fragen, was los ist. Wir sagen nur, dass es zu heiß ist. Und ich entschuldige mich. Sage, dass ich einen Schöpfer zu viel auf die Steine gegeben habe. (Lustigerweise erfahre ich am nächsten Tag, dass ein guter Aufguss aus 3 Schöpfern besteht. Aber vielleicht mit weniger Wasser…). Irgendwann geht’s wieder und wir können Platz nehmen. Und irgendwann gehe ich dann doch aus der Sauna.

Da sieht man gar nicht viel vom Meerwasserpool. Nur am linken Rand und in der Ecke ist das Becken eisfrei!

Auf mich wartet nämlich der „Merivesiallas“ – der Meerwasserpool! Da ist ja das Wasser der Ostsee drin, nur gereinigt, nicht erwärmt. Und das habe ich schon gesehen – da ist Eis auf dem Wasser im Becken! Eigentlich ist das ganze Becken voller Eis, nur eine Ecke ist eisfrei. Ein Rettungsschwimmer steht dick eingepackt am Beckenrand. Ich habe ihn vorhin schon gesehen, wie er von den Besuchern ein Handy in die Hand gedrückt bekommt und die Leute im Eiswasser fotografiert. Also habe ich auch mein Handy in den Bademantel gesteckt und frage ihn, ob er hier für die Fotos zuständig ist. „Nein“, sagt er, „ich bin der Rettungsschwimmer.“ Ich entgegne lächelnd, dass mir das schon klar ist, aber dass ich eben gesehen habe, dass er viel fotografiert und ob er eben so freundlich wäre, auch von mir ein Bild zu machen. „Klar“, sagt er. Und dass es zum Glück den ganzen Winter bisher keine Unfälle gab.

Ich ziehe meinen Bademantel aus und hänge ihn an die Garderobe, die bereit steht. Auch die Flip-Flops ziehe ich aus. Mittlerweile hat es zu schneien angefangen und ich bin etwas aufgeregt, ob ich es schaffe, in das Eiswasser, das echte Eiswasser, reinzugehen. Über eine Leiter geht’s in den Pool. Als meine Füße das Wasser berühren, finde ich es ziemlich kalt. Aber es hilft nichts. Ich will da rein. Und dann gehe ich einfach weiter die Stufen runter und tauche unter. Oh, gar nicht schlimm! Ich schwimme zur Eiskante. Das sind vielleicht zwei Züge. Dann breche ich ein Eckerl vom Eis ab, drehe mich um und grinse in die Kamera mit meiner Trophäe. Es ist gar nicht kalt und gar nicht schlimm. Es ist total toll! Endlich bin ich im richtigen Eiswasser. Mit Eiskante, von der ich was abbreche. Die aber außer am Rand ziemlich massiv ist. Wahnsinn!

Das Chlorhuhn lacht zufrieden im Eiswasser und hält die Trophäe hoch. Ein Traum ging in Erfüllung!

Dann gehe ich raus und mir ist nicht kalt. Im Gegenteil. Ich schlüpfe zwar in meinen Bademantel, aber als eine junge Spanierin kommt, kann ich ganz locker da stehen, und mit ihr und dem Rettungsschwimmer reden. Ich ermuntere sie, auch reinzugehen. Sie ist nämlich noch unschlüssig. Und dann geht sie zur Leiter. Ich rate ihr, sich drauf einzustellen, dass es kalt ist. Dann tief durchatmen, ruhig bleiben und untertauchen. Sie tut wie befohlen und ist nach einer Sekunde wieder aufgetaucht. Und dann sage ich: „Und jetzt machst das nochmal und genießt es. Jetzt ist es nicht mehr so schlimm!“ Gesagt, getan – und länger drin geblieben. „Nach der nächsten Sauna schwimme ich“, sagt sie mit einem glücklichen Gesichtsausdruck.

Ich gehe auch nochmal in die Sauna, um danach nochmal ins Eiswasser zu gehen. Es war auch nochmal schön, aber nicht mehr dasselbe wie beim ersten Mal. Der Zauber, die Magie, waren weg. Ich wusste ja schon, was kommt. Schön war’s natürlich trotzdem. So wie der ganze Nachmittag.

Viele Möglichkeiten zum Schwimmen gibt’s im Eispool grad nicht. Ich genieße es trotzdem!

Einziges Manko am Allas Seapool im Winter: Es gibt keinen wirklichen Ruheraum. In der gemischten Sauna gibt’s da zwar was, aber die war leider wegen eines Privatevents geschlossen. Und das kommt öfter vor, war auch im Herbst schon so. Da bin ich draußen in der Sonne gesessen, deshalb ist mir das nicht aufgefallen. Aber insgesamt kann ich einen Besuch im Allas Seapool im Hafen von Helsinki nur empfehlen!


498 – knapp daneben ist auch verpasst

Der 31. Dezember ist ja in unserer Kultur immer DER Stichtag. Für Jahresbilanzen. Für gute Vorsätze, für große Feiern und: für einen neuen Kalender. In den trage ich dann wieder meine Schwimmergebnisse ein, um nach weiteren 365 Tagen sagen zu können: Ich bin geschwommen. Und nicht nur das, sondern auch: Ich bin soundsoviele Kilometer geschwommen. Heuer waren es 498 Kilometer. Der niedrigste Wert seit den Aufzeichnungen. Sogar im Unfall-Jahr 2014 mit Zwangspause waren es mehr Kilometer (528). Habe ich deshalb mein Ziel verpasst? Äh… nein. Ich hatte nämlich keines. Bissl ärgerlich ist es trotzdem, dass die schöne, runde 500 um nur 2 Kilometer verfehlt wurde. Gezählt werden nur die Kilometer im Becken. Also sind es tatsächlich mehr als 500, weil ich – wenn heuer auch selten – auch im See geschwommen bin.

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279 Freibad-Kilometer waren es 2017 – die meisten wohl hier auf dieser Bahn

Ich habe die Bilanz noch etwas aufgeschlüsselt: Im Freibad-Becken wurden 279 Kilometer absolviert, das heißt, dass „nur“ 219 Kilometer auf die Wintersaison entfallen. Da der „Freibad-Winter“ aber viel länger ist als der Sommer, ergibt sich im Kalender ein Ungleichgewicht. Ich habe noch immer nicht herausgefunden, warum ich im Sommer lieber schwimme. Die naheliegendsten Begründungen: draußen und 50-Meter-Bahn müssen entfallen, denn in München kann man ja das ganze Jahr über draußen und sowohl draußen als drinnen auf einer 50-Meter-Bahn schwimmen. Vielleicht liegt’s am Licht? Also so allgemein? Keine Ahnung. Ich schwimme halt lieber im Freibad. Das ist nicht mit dem Winterwarmfreibad im Dante gleichzusetzen. Ich habe darüber auch schon „Fachgespräche“ mit anderen „Betroffenen“ geführt – denen geht’s ähnlich. Aber eine Erklärung haben auch die nicht. Eher so eine Art „Bauchgefühl“.

Dann habe ich mir meine Statistik nochmal angeschaut. Während ich im Winter zwei bis viermal pro Woche schwimmen gehe, kommt es im Sommer schon vor, dass ich jeden Tag gehe. Da mache ich dann auch mal einen Tag Pause (weil es zum Beispiel zu heiß ist und ergo kein Schwimmwetter), oder weil ich tatsächlich mal Pause mache. Die längste Reihe ohne Unterbrechung gab’s dann von Ende August bis Mitte September (=Ende der Freibadsaison): Da war ich an 15 (fünfzehn!) Tagen hintereinander schwimmen. Je drei Kilometer. Aber am letzten Tag, an Tag Nummer 15, konnte ich wohl nicht genug bekommen: Da waren es vier Kilometer. Dann war aber mal gut – und ich war ganze drei (!!) Tage am Stück nicht im Wasser! Und dann hat die „ruhige“ Zeit angefangen, mit nur zwei Schwimmtagen pro Woche. Zu mehr hatte ich einfach keine Lust.

Erschwerend kam dann ab Ende November die Bauphase II in der Olympiaschwimmhalle dazu: Das große Wettkampfbecken wird saniert, man schwimmt jetzt im Hochschulbecken, das kleiner ist (nur fünf statt acht Bahnen) und ohne Tageslicht. Weil alle fünf Bahnen geleint sind, kommt es da leider immer mal wieder zu  unschönen Begegnungen (ratschende Oma-Brustschwimmerinnen nebeneinander treffen auf hart trainierende Schwimmer), wobei keiner für den anderen Verständnis zu haben scheint („ich will hier ja auch nur schwimmen“ – denken sich beide Parteien und haben Recht – und doch wieder nicht).

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Das umgebaute Schwimmbecken vom Hochschulsport in der Olympiaschwimmhalle

Naja. So ist jedenfalls das Schwimmjahr 2017 zu Ende. Mit zwei Kilometern, die fehlen. Mit wenigen See-Kilometern heuer. Dafür mir vielen „Fremdgewässern“. Ich war im Atlantik, in der Adria, unter der Erde in einem alten Bergwerk, im Bled-See in Slowenien, in Italien im Lago Maggiore, in der Ostsee in Dänemark, Schweden und Finnland. In finnischen Seen. Im eisigkalten Chiemsee, im wärmer werdenden Langwieder See, der dann auch wieder kälter wurde. Und an Land bin ich quasi auch geschwommen: Ich habe eine Reportage übers Eisschwimmen gemacht und einen kurzen Beitrag zum Thema „Immer mehr Nichtschwimmer„. Da folgt im Frühsomer dann auch eine längere Reportage. Das Thema ist einfach zu wichtig. Schwimmen ist nicht nur schön, es ist wichtig. Lebensrettend. Und einfach eine Kulturtechnik wie lesen, rechnen, schreiben.

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Mein Privatpier in Stockholm – herrlich!

Perfektioniert haben es natürlich wir verrückten Hobby-Schwimmer, wie ich. Wir schwimmen, schreiben darüber, lesen davon und rechnen fleißig unsere Kilometer zusammen. Bis am Ende 498 rauskommt. Auch, wenn 500 schöner gewesen wäre …


Suomen Sauna – Sauna in Finnland: Allas Seapool Helsinki 

Ich wollte euch ja noch schreiben, wie es in der Sauna von Allas Seapool in Helsinki war. Den Bericht vom Schwimmen gibt’s hier. Geht eigentlich ganz schnell: schön war’s!

Allas Seapool im Hafen von Helsinki


Und ausführlicher: Es gibt drei Saunen da: eine für Männer, eine für Frauen und eine gemischte. Und in die gemischte geht man in Finnland in Badebekleidung. 

Die gemischte Sauna im Allas Seapool mit Blick aufs Meer


Ich war da ja auch wegen Interviews und habe Tiina getroffen. Sie hat Saunayoga erfunden. Das wird im Badeanzug und in einer lauwarmen Sauna bei etwa 50 Grad gemacht. Ich habe noch nie Yoga gemacht. Und dann ist mein erstes Mal in der Sauna. 

Es war aber echt schön. Erst muss man sich entspannen. Das dauert immer bissl, bis ich dann runter komme und bei der Sache bin. (Vor allem, wenn draußen ein Schwimmbecken wartet…). Zuerst haben wir uns gedehnt: Schultern, Arme, Rücken und dann die Beine. 

Danach gab‘s noch ein paar Kräftigungsübungen. Währenddessen ist es nie zu heiß, im Gegenteil: die Wärme tut gut und lockert die Muskeln. Erst gegen Ende freue ich mich auf die Abkühlung. 

13 Grad im Meerwasserpool


Und die gibt’s im Meerwasserpool bei 13 Grad. Herrlich! Die Sonne scheint und ich sehe auf den Marktplatz, das Rathaus und den Präsidentenpalast und im Hintergrund der weiße Dom von Helsinki! Ein Traum!

Beim Reingehen ist es schon kalt, aber dann geht’s prima! Ich schwimme insgesamt vier Bahnen, also 100 Meter insgesamt. Im Becken gibt’s eine Art Geländer, an dem man sich zur Not festhalten könnte. Das Wasser ist zwar leicht trüb, aber es ist gereinigt. 

Das Chlorhuhn im Meerwasserpool und im Hintergrund der „Zuckerwürfel“ von Alvar Aalto


Die andere Sauna ist richtig heiß. Das ist natürlich super. Und anders als in Deutschland kommt da kein Bademeister und macht eine Riesenshow zum Aufguss. Den Aufguss macht man in Finnland selbst. Man fragt die anderen, ob es ok ist und dann wirft man das Wasser auf die heißen Steine. Die Frage lautet übrigens: lisää löylyä? 

Löyly ist der Aufguss und auch der Geist der Sauna. Man lauscht ihm andächtig, wartet, bis das letzte Zischen verklungen ist. Oft ist der Löyly auch Gegenstand des Gesprächs. War er gut? Wie hat er sich angefühlt? Und so weiter. Allerdings eher in der privaten Sauna und nicht in der öffentlichen. 

Und wer denkt, dass die Finnen nicht reden, dem sei gesagt: Das stimmt so nicht. Denn als ich die gemischte Sauna betrete, spricht mich der Mann, der drinnen saß, gleich auf finnisch an. Ich sagte, dass ich nur wenig finnisch kann und schon waren wir im Gespräch. 

Ich habe bei meinem Besuch auch richtig Glück gehabt. Die Sonne schien und so konnte ich an der Holzwand sitzen und das Panorama genießen. Es war nicht viel los, kann mir aber vorstellen, dass es im Sommer sehr voll ist. 

Schönes Wetter und schöne Aussicht – perfekt zum Relaxen!


Und wer Eisschwimmen ausprobieren möchte, kann es im Allas Seapool tun. Denn der Meerwasserpool ist ganzjährig geöffnet, es gibt eine Aufsicht und im Winter sogar Mützen, damit der Kopf warm bleibt. 

Abendstimmung über Helsinki


Folter in Yväskylä 

Keine Angst, das wird keine SM-Geschichte. Oder doch? Ich war jedenfalls in Finnland, auf einer Pressereise und da ging’s nach Yväskylä. Dort war ich dann kurz im See schwimmen. 

Es gibt dort aber auch eine Schwimmhalle. Uimaallas! Und wir waren dort. Architekt war Alvar Aalto. Wer auch sonst? Er hat quasi alles in Yväskylä gebaut bzw. entworfen. So auch das Schwimmbad. 

Ein Schwimmbad von Alvar Aalto

Und jetzt kommt der Teil mit der Folter: Wir waren in der Schwimmhalle. Da war nämlich beim „City of Lights“-Event auch eine Lichtinstallation. 

Ein schönes 50-Meter-Becken und kaum Schwimmer…

… herrlich!


Auf den Bildern sieht das leider nicht so toll aus wie in echt. Das Licht hat immer wieder gewechselt, meist war es bläulich. 

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Wir hatten sogar das Glück, den Lichtkünstler Kari höchstenpersönlich zu treffen. Und was sagt der? Seine Lichtinstallation wirkt am besten, wenn man schwimmt! Und das hat uns vorher keiner gesagt! Also leider kein Schwimmen und auch zu wenig Zeit dafür. Sowas Blödes! Und dabei war das sooooo ein schönes Becken!


Das 25-Meter-Becken stammt von Aalto. Wer sich bissl mit ihm und seiner Arbeit auskennt, sieht es sofort. 


Wieder im Langwieder See 

Nach meinem Finnland-Ausflug bin ich wieder in Bayern. Und was haben Bayern und Finnland gemeinsam? Außer meiner Liebe und einer weiß-blauen Fahne? Seen! Unsere Seen sind zwar kleiner, aber zum Schwimmen reicht es.

Klein, aber zum Schwimmen ausreichend: der Langwieder See

Heute bin ich sogar in Gesellschaft. Diana kommt mit und schwimmt auch. Es ist noch bissl windig, aber immerhin kein Sturm mehr wie am Donnerstag. Und zwischendurch kommt die Sonne raus.

Am Langwieder See ist herrlichste (finnische) Ruhe, der See gehört uns! Ich schätze ihn schon vorm Reingehen auf 15 Grad, was mein Thermometer bestätigt. Reingehen klappt prima. Vor allem, weil unter Wasser kein Wind weht!

Im Gegensatz zu den Seen in Finnland noch richtig warm mit 15 Grad!

Das Schwimmen war traumhaft! Auf einmal breitet sich ein wohliges Kribbeln auf meinem Rücken aus, unterm Schwimmen. Es ist total schön und ich kann prima schwimmen! Die Wellen sind kaum spürbar, ich würde am liebsten ewig schwimmen! Doch die Vernunft mahnt zur Umkehr.

Ich mag nicht an Land!

An Land weht der Wind doch merklich, ich würde am liebsten im See bleiben. Aber hilft nix. Raus und umziehen. Ich spüre das Kribbeln unter der Haut und genieße es. Allerdings nicht zu lang, denn der Wind kühlt mich aus.

Die Luft ist kälter als das Wasser!

Deshalb packen Diana und ich unsere sieben Sachen und radeln heim. Schön war’s! Jetzt fängt die beste Zeit erst an!

Und für alle, die es auch gern ausprobieren wollen: Jetzt ist die beste Zeit. Die meisten Seen sind noch nicht wirklich kalt, so dass man sich langsam an die Kälte gewöhnen kann. Ich habe hier mal meine persönlichen Tipps zum Winterschwimmen zusammengestellt.


Uiminen suomen järvessä – Schwimmen in finnischen Seen

Ich war dieses Mal ziemlich lange in Finnland, da konnte ich natürlich auch viel schwimmen. Und weil es dort schon sehr herbstlich ist, war es fast schon Eisschwimmen. Jedenfalls war das Wasser ziemlich kühl. In der Ostsee war ich „nur“ im Meerwasserpool im Allas Sea Pool. Aber in Mittelfinnland war ich in drei Seen schwimmen. Mein erstes Mal schwimmen in einem finnischen See. Und da ist ja die Auswahl ziemlich groß: In Finnland gibt’s 187.888 Seen – gezählt wird erst ab einer Größe wie dem Bodensee. Es sind also wohl noch mehr Seen im „Land der 1000 Seen“. Und in dreien durfte ich schwimmen.

Endlich komme ich dem See näher!


Der erste See war in Jyväskylä. Am Donnerstag war leider keine Zeit zum Schwimmen, nur bissl schauen. Unser kleines, feines Hotel „Yöpuu“ lag auch etwas zu weit weg vom See, so dass ich es nicht mal kurz dazwischen quetschen konnte.

Es war eine organisierte Reise, aber am Freitag war etwas Zeit zwischen den Terminen, die ich zum Schwimmen nutzen wollte. Das Hotel „Paviljonki“ war direkt am See, die Dame von der Rezeption sagte mir, wo eine gute Badestelle ist und hat mir ein hoteleigenes Fahrrad ausgeliehen. In Jyväskylä gibt’s sogar zwei Seen: den Päijenne (zweitgrößter See Finnlands, zieht sich bis Lahti) und den Jyväsjärvi. Im Jyväsjärvi war ich beim Schwimmen. Ich komme an der Badestelle an, es ist ein kleiner Strand, der im Sommer wohl gut genutzt ist.

Im Herbst gehört mir der ganze Strand!


Es gibt eine hölzerne Umkleidekabine, die ich ganz für mich allein habe. So viel Luxus! Ich kann alles aufhängen.

Luxus: ich kann alles aufhängen

Meine kleine Luxuskabine …


Und dann geht’s ein paar Meterchen über die Wiese zum Sandstrand. Dort gehe ich ins Wasser. Es ist klar und frisch – und rötlich. Meine Füße und das Thermometer wirken „eingefärbt“. Ich gehe zügig rein, tauche unter und schwimme los.
Weil ich den See nicht kenne und es schon ganz schön frisch ist mit 12,5 Grad bleibe ich mal lieber in Ufernähe. Ich schwimme ein, zwei, drei Mal hin und her. Dann muss es genug sein.

12,5 Grad und leicht rötliches Wasser


Es ist ein grauer Nebelherbsttag, an Land ist es sogar kälter als im Wasser. Und der nächste Termin ruft. Aber ausprobiert haben wollte ich es dann doch – auch wenn ich Zeitdruck nicht mag. Nach dem Schwimmen stellt sich ein angenehmes Kribbeln ein, das mir kalt und warm durch den Körper jagt.

Idylle pur in Hankasalmi! Glasklares, spiegelglattes Wasser – in Trinkwasserqualität!


Am Tag danach habe ich erneut die Möglichkeit zum See-Schwimmen. Unser Trip führt uns nach Hankasalmi. Den dunkelsten Ort in Finnland. Weil es dort, ebenfalls in Mittelfinnland, wenig künstliches Licht gibt, ist es sogar möglich, Polarlichter zu sehen. Naja. Möglich. Theoretisch. Aber es ist bewölkt und abends regnet es sogar leicht. Tagsüber ist es neblig-nieselig grau, aber das „Ferienzentrum“ Lomakeskus Revontuli liegt direkt am See, da will ich natürlich trotzdem kurz schwimmen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, um in den See zu kommen: Stege und Strände. Das Wasser ist unglaublich klar und hat sogar Trinkwasserqualität. Der See heißt „Iso Virmas“, also Großer Virmas. Still und spiegelglatt liegt er da vor mir. Übrigens waren bisher alle Seen, die ich gesehen habe (vom Bus aus z.B). sehr ruhig, keine Wellen, dafür schönste Spiegelungen.

Die Wasserpflanzen sind gut zu sehen …


Trotz mehrfacher Versuche will sich keiner aus meiner Gruppe mit mir ins Wasser wagen. Aber immerhin findet sich einer, der fotografiert. Sozusagen als Beweis. Das Wasser hier ist kälter: 10.8 Grad. Und es gibt wahnsinnig viele Wasserpflanzen. Ich muss also eine Stelle ohne Pflanzen finden. Erstens weil ich das unangenehm finde, wenn die mich kitzeln, andererseits weil es ziemlich viele sind, so dass ich tatsächlich Angst hätte, dass ich mich verheddere.

Bisher das kälteste Wasser: 10,8 Grad


Neben dem Steg ist es aber gut und ich gehe rein. Puh! Das ist echt kühl! Und das Wasser ist ziemlich lang ziemlich flach, so dass ich ganz schön weit gehen muss, bis es tief genug zum Schwimmen wird. Und dann tauche ich unter und schwimme. Puh. Echt kalt. Aber dann geht’s ganz gut. Ich schwimme zurück, halte Jan (dem Fotograf) das Thermometer hin, damit er es ablichten kann.

Schwimmen ist schön!


Dann wollte ich eigentlich aufhören und raus. Aber ich merke, dass es doch ganz schön war, deshalb schwimme ich nochmal los. Jetzt geht’s recht gut. Zweimal neben dem Steg hin und her, dann ist mir doch kalt und ich gehe raus.

Beim Abendessen bin ich der Held, alles wollen die „Beweisfotos“ sehen. Nach dem Abendessen war dann Sauna angesagt und ich habe nochmal versucht, die Gruppe zum Schwimmen zu überreden. Aber es half nichts: Auch nach der Sauna wollte keiner in den See zum Abkühlen. Ich schon. Und es war gut, dass ich tagsüber schon war. Denn so wusste ich, was mich in der Dunkelheit erwartet. Nach der Sauna hat das kalte Wasser echt richtig gut getan!

Blick auf den riesenlangen Päijenne-See


Am vorletzten Finnland-Tag sind wir wieder Richtung Süden gefahren – nach Lahti. Allerdings auf der Straße und mit dem Bus. Man könnte auch auf dem Päijenne-See mit dem Schiff bis Lahti fahren, denn der See verbindet Jyväskylä und Lahti miteinander.

In Lahti haben wir wieder eine Unterkunft direkt am See. Herrlich! Auch, wenn es wieder neblig-grau ist. Aber immerhin ohne Niesel. Und der See ist ebenfalls spiegelglatt. Es ist der „Vesijärvi“ – Wassersee. Er ist durch einen Kanal mit dem Päijenne-See verbunden.

Könnte Sommer sein (Sommer ist, was in deinem Kopf passiert) …


Auf dem Programm steht heute Kajak-Fahren mit Kirsi.

Lotta und ich im Zweier-Kajak in der finnischen Idylle


Ich teile mir ein Zweierkajak mit Lotta, die schöne Bilder macht. Wir schippern in der Gruppe eine gute Stunde auf dem See herum. Es ist wunderschön.

Für weitere Strecken nutze ich das Kajak … *g


Wir kommen an einer Inselgruppe vorbei und fahren in eine Bucht. Es ist so, wie ich mir Finnland vorgestellt habe. Idyllisch, ruhig. Die Bäume verlieren ihre gelben Blätter zum Teil schon, so dass wir die Mökkis (Sommerhäuschen) am Ufer sehen können. Das wäre ein Leben! Ein Mökki, direkt am See. Paddeln, schwimmen, Sauna und grillen! Naja, bis aufs Grillen machen wir das alles!

Der Vesijärvi ist wärmer als der See in Hankasalmi


Während wir paddeln, messe ich mit dem Thermometer die Wassertemperatur: 12 Grad. Wieder etwas wärmer. Der See ist nicht tief, verrät Kirsi: im Schnitt 6 Meter. Das ist nicht viel. Beim Paddeln sehen wir auch zahlreiche Wasserpflanzen. Zum einen, weil sie bis zur Oberfläche wachsen, zum anderen, weil auch hier das Wasser sehr klar ist.

Auf dem Bild sieht es dunkler und grauer aus als es in Wahrheit war …


Nach dem Paddeln nutze ich gleich noch die Gelegenheit zum Schwimmen. Mitkommen will wieder keiner, aber Estelle macht immerhin Fotos. Ich merke direkt, dass der See wärmer ist als der vom Tag zuvor. Oder mir ist einfach wärmer, weil wir uns beim Paddeln sportlich betätigt haben und ich aufgewärmt bin. Beim Reingehen schlagen mir Wellen entgegen. Irgendwo auf dem See ist ein Motorboot gefahren, und jetzt gelangen die Wellen ans Ufer. Ich weiß nicht, ob der See mich freudig begrüßt oder ob er mich eher vom Schwimmen abhalten will. Als die Wellen verebben, gehe ich rein. Und schwimme ein gutes Stück. Es ist herrlich! Gar nicht kalt, sondern richtig schön.

Schön war es im Vesijärvi!


Als ich rausgehe, will mir Estelle gleich das Handtuch reichen, aber ich brauche es erstmal nicht. Denn mir ist nicht kalt. Ich merke zwar, wie das Kribbeln durch den Körper wabert, aber ich friere nicht. Ich genieße. Die Warm-Kalt-Wellen durchströmen mich, ich muss lächeln. Das war soooo schön!

Kiesstrand und Herbstlaub, das beim Rausgehen raschelt!


Dann ist direkt im Anschluss Sauna angesagt. Herrlich! Und zum Abkühlen gehe ich  – wieder als Einzige – in den See. Langsam legt sich die Dämmerung über den Vesijärvi, es ist herrlich friedlich. Beim letzten Schwumm sage ich leise „Pfiati“ und bin etwas traurig.

Der Abschied fällt schwer …


Uiminen Suomessa – oder Schwimmen mit Ausblick 

Ich war mal wieder in Helsinki. Und wie ich ja letztes Jahr geschrieben habe, kann man hier ziemlich gut schwimmen. Ich war sehr gespannt auf die neue Attraktion „Allas Seapool“, direkt im Hafen von Helsinki. Das hab ich letztes Jahr noch als Baustelle gesehen. 


Aber jetzt ist es offen und ich musste da natürlich hin. Es ist ein Schwimmbad mit Sauna – oder anders rum. Jedenfalls sind die drei Becken direkt in der Ostsee. Sie schwimmen quasi auf einem Steg. 

Direkt im Hafen von Helsinki liegt der Allas Seapool

Schwimmbecken, Kinderbecken und Meerwasserpool

 

Wenn gerade ein Schiff in den Hafen  fährt, kann man gaaaanz leicht die Wellen spüren. Es gibt drei Becken: eins für Kinder (Lasten-Allas), eins mit Meerwasser (Merivesi) und eins zum Schwimmen. Allerdings nur 25 Meter lang. Tiina von Allas Seapool erklärt mir, dass ein 50-Meter-Becken zwar Platz gehabt hätte, aber zu schwer wäre. Der Pool ist auch nur 1,60 Meter tief. 

Es sind zwei Bahnen abgetrennt: Matka (Distance) und Nopea (Fast). Was genau der Unterschied sein soll, erschließt sich mir nicht so ganz. Nachdem auf beiden Bahnen je zwei Schwimmer sind, entscheide ich mich für die Matka-Bahn. Wir drei haben in etwa dasselbe Tempo, so dass es trotz der kurzen Bahn gut läuft. 

Der 25-Meter-Pool für Schwimmer, Aquajogger und Planscher…


Ungewohnt für mich, die nur auf der Langbahn unterwegs ist, dass ich so viel wenden muss. Aber ich bin im Urlaub und da ist eh alles anders. 

Es ist Montag Nachmittag, die Sonne über Helsinki scheint, das Wasser ist angenehm warm und griffig. Und das schönste ist, dass ich beim Schwimmen immer mal wieder den Dom von Helsinki sehe. Schwimmen mit Ausblick! Grandios! Vor allem beim Rückenschwimmen!

Vom Allas Seapool sieht man direkt auf den Dom und den Marktplatz von Helsinki!


Nach zwei Kilometern oder unfassbaren 80 Bahnen habe ich dermaßen Hunger, dass ich die Schwimmeinheit beende. Schließlich ist auch noch Sauna und der Meerwasserpool (sieht fast finnisch aus, das Wort!) wartet. 

Dort ist das Ostsee-Wasser drin. Es wird lediglich gereinigt, aber es wird nicht aufgewärmt. Es ist vielleicht ein oder zwei Grad wärmer als im Freien, aber das Thermometer zeigt 13 Grad. Juhuuuu!

Das Thermometer zeigt 13 Grad…


Aber dazu mehr in einem Eintrag zur Sauna