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Olympiaschwimmhalle wieder offen

Gestern war die offizielle Wiedereröffnung der Olympiaschwimmhalle in München. Drei Jahre wurde renoviert, drei Jahre war je ein Teil der Halle gesperrt. Es gab neue Wege, neue Perspektiven und andere Schwimmbecken. Im ersten Teil der Bauarbeiten war das Trainingsbecken unter der Tribüne gesperrt. Das hatte zur Folge, dass die Studenten und andere, die eigentlich dort schwammen, im großen Wettkampfbecken ihre Bahnen zogen. Dann kam Teil zwei des Umbaus – das Wettkampfbecken war gesperrt, alle Schwimmer mussten in das kleine Trainingsbecken unter der Tribüne. Das Becken hat nur fünf Bahnen, da wurde es oft eng, vor allem, weil alle Bahnen geleint waren. Aber auch, weil oft Bahnen gesperrt waren, weil die Uni ja weiterhin ihr Schwimmtraining abhalten musste.

Beengte Verhältnisse im Trainingsbecken während der Umbau-Phase im Oly

In der ganzen Zeit des Umbaus hatte ich ganz vergessen, wie schön und großräumig die Olympiaschwimmhalle ist. Denn das Trainingsbecken ist unter der Tribüne, es fühlt sich an wie in einem Keller. Es ist auf derselben Ebene wie die anderen Becken, aber die Decke ist eben sehr niedrig. Man hat überhaupt nichts von der Außenwelt mitbekommen: Sonne? Regen? Schnee? Weltuntergang? Hätte alles passieren können, während ich meine Bahnen ziehe. Das fand ich schon schade, hier so unter Tage zu sein.

Deshalb bin ich letztes Jahr im Herbst auch recht oft im Dantewinterwarmfreibad gewesen. Ich möchte hier auch mal meine Hochachtung für die Bademeister aussprechen, die ja nicht nur eine Stunde hier unten im Dunklen saßen, sondern ihren kompletten Dienst über knapp zwei Jahre im Keller abgeleistet haben.

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Zwei meiner Schwimmfreunde hätte ich ohne den Umbau im Oly wohl nie kennengelernt: Jakob und Cissi, die schnell und schön schwimmen, sind mir irgendwann im Wettkampfbecken aufgefallen und wir sind ins Gespräch gekommen. Im Laufe der Zeit haben wir und oft gesehen, oft geredet und irgendwann sogar Telefonnummern ausgetauscht. So wurde aus der Bekanntschaft im Umbau-Oly über die Zeit eine Freundschaft, die im Sommer zu Schwimmausflügen in die Freibäder im Umland geführt hat und nun schon über viele gemeinsame Schwimmkilometer besteht. Ohne den Umbau hätten die beiden wohl immer im Hochschulbecken ihre Bahnen gezogen, während ich im Wettkampfbecken (so heißen die beiden Becken nun mal) geschwommen wäre. Ein sehr schöner Nebeneffekt des Umbaus.

Und dann war es irgendwann im Sommer 2019 soweit: Man munkelte, dass das Wettkampfbecken und auch das Trainingsbecken geöffnet sind. Für mich war das im Sommer noch gänzlich uninteressant – ich war bis 30. September im Freibad. Am 1. Oktober war ich „nur“ kurz Herbstschwimmen im See, das Wetter war einfach zu gut für die Halle. Und so kam es, dass ich am 2. Oktober das erste Mal wieder im „Oly“ war. Der Eingang ist noch der Baustelleneingang und so bin ich auch erstmal in die Sammelumkleide gegangen, die während des Umbaus mein Refugium war. Logo hatte ich auch hier „meinen“ Schrank! Doch der Weg von der Sammelumkleide zum großen Becken ist weit. Ich hab mich dann noch gewundert, warum das so ist und warum das früher anders war. Bis mir dann eingefallen ist, dass der Eingang noch an anderer Stelle ist. So gibt’s bzw. gab’s neue Wege – und auch eine neuen Schrank. Dazu später mehr.

Jetzt erstmal das Becken und die Halle. Die Fensterfront aus Glas muss noch gemacht werden, deshalb ziert hier ein schönes buntes Bild die Baustellenfassade.

Die Glasfassade muss noch erneuert werden. Währenddessen ziert dieses Bild die Holzwand.

Aber wie groß das Schwimmbecken ist! Acht Bahnen (statt fünf im Trainingsbecken). Und die Höhe erst! Wie viel Platz gibt es rund um das Becken. Und wie schön ist es unter dem geschwungenen Zeltdach. So luftig! Und ein Teil der Glasfassade ist frei, so dass man zumindest ein bisschen was von der Außenwelt mitbekommt. Manchmal scheint sogar die Sonne aufs Becken.

So leer ist es nur bei Betriebsschluss. Aber wie schön es ist, sieht man hier natürlich am besten. Und träumen wird man ja dürfen …

Ich sauge die neue alte Atmosphäre auf und freue mich. Es ist einfach schön, wieder im Oly zu sein. Dass das Becken jetzt aus Edelstahl ist und nicht mehr gefliest, ist schade. Aber ich habe mich beim Schwimmen im Trainingsbecken schon an das Edelstahl gewöhnt, so dass es mir gar nicht so neu vorkommt. Und ein paar Fliesenstücke vom alten Oly habe ich ja daheim!

Fliesen aus dem alten Oly-Schwimmbecken von 1972

Es schwimmt sich auch echt gut. Vor allem am Anfang kam mir das Becken groß und unübersichtlich vor. Im Trainingsbecken mit seinen fünf Bahnen hat man viel schneller gesehen, wer sonst noch da ist. Oder im Freibad, wenn eh nur eine Bahn für die Schwimmer abgetrennt ist. Da sieht man gleich, wer heute auch schwimmt. Aber bei acht Bahnen, von denen sechs geleint sind – da kann man schon mal den Überblick verlieren. Nachteil der vielen Bahnen: Es gibt nur einen eher kleinen Teil für die „Nichtschwimmer“ und nach wie vor ist es nicht gewollt, dass die Bahnen irgendwie „eingeteilt“ werden. Es kann jeder da schwimmen, wo er/sie es für richtig hält. Wenn man Pech hat, verirrt sich auf jede der sechs Bahnen ein langsamer Brustschwimmer, der schwer zu überholen ist. Oder man hat Glück und kann seine Bahn einmal auch mit einem richtigen Profi teilen – als ich mit Alexandra Wenk auf der Bahn geschwommen bin.

Und dann ist da ja noch die Frage nach dem Schränkchen. Von der Sammelumkleide war mir der Weg zum Becken und den Duschen zu weit. Außerdem sind in der Sammelumkleide jetzt auch wieder vermehrt Schulklassen, die zum Schwimmunterricht da sind. Da war es an der Zeit, dass ich mir eine neue Umkleide und einen Schrank suche. Nehme ich die alte „824“ wieder? Irgendwie scheinen die Schränkchen neu nummeriert zu sein, denn die Lage von „824“ ist nicht ideal.

Welches Schrankerl darf’s denn sein?

Hm… was nehme ich dann? Ich teste verschiedene Schränkchen auf ihre Lage und auf die damit verbundenen Wege. Und lande am Ende bei „700“. Ja – ein Schränkchen ohne eine „8“! Sowas!

Tadaa! Die 700 macht das Rennen – quasi 007 von hinten!

Aber die 700 ist ein guter Schrank. Kaum andere Leute da, nah an der Dusche und nah am Becken. Und: der einzige Kleiderbügel weit und breit im Oly ist auch fast immer da, wo ich ihn lasse. Nur ein paar Mal musste ich suchen, bis ich ihn wieder gefunden habe. Angeblich gibt’s 500 Kleiderbügel, aber wo die sich verstecken, habe ich noch nicht herausgefunden…

 

Der einzige Kleiderbügel im Oly – entweder im Schrankerl oder in der Umkleide!


32. Mai

Heute ist der 32. Mai. Das ist kein Tippfehler… oder vielleicht ein kleiner. Man könnte nämlich auch sagen, dass es heute das 32. Mal war. Dass ich schwimmen war. Am Stück! Seit das Freibad am 1. Mai aufgemacht hat, war ich jeden Tag schwimmen. Das wollte ich mal ausprobieren. Letztes Jahr war ich fast den ganzen Mai schwimmen, es gab 3 Tage „frei“. Aber jetzt eben das Experiment.

Ihr könnt euch ja vorstellen, dass es soooo schlecht nicht sein konnte, wenn ich auch heute, laut Kalender der 1. Juni, schon wieder schwimmen war.

Angefangen hat es natürlich gut. Mit viel Vorfreude auf die Freibad-Saison. Und es war toll! Obwohl im Schyrenbad das Wasser an den ersten beiden Tagen recht frisch war. Dafür war das Wetter gut. Das sollte ja nicht so bleiben. Und so bin ich im Regen durch die ganze Stadt geradelt, um ein paar ruhige Bahnen ziehen zu können. Bis auf 2 Tage konnte ich auch meine Standardstrecke von 3.000 Metern schwimmen. Aber die „fehlenden“ 500 Meter wurden bei nächster Gelegenheit nachgeholt. Muss ja alles seine Ordnung haben!

Manchmal war’s auch echt kalt. Aber dafür war ich ungestört. Und ich kam mir recht schnell vor. Ich habe einfach (fast) die ganze Strecke durchgekrault. Zu kkkkaaaalllt zum Nachdenken oder Pause machen! Weiter immer weiter!

Dann flux über die Wiese laufen zur Dusche. Die ist zwar warm, aber der Raum nicht. Es ist eher offen, so dass es kühl ist. Und die Umkleide ist ebenfalls offen. Nur ein Dach drüber (immerhin!). So bin ich dann halb verfroren heimgeradelt und war froh, wenn ich angekommen bin.

Aber es gab auch schöne Tage. An denen ich trotzdem fast allein geschwommen bin, die Sonne hinter den Wolken hervorgelugt hat und es nicht so kalt war. Oder eine meiner Schwimmfreundinnen dabei war. Jede eine Bahn für sich… toll!

Oder ein Tag mit Sonne im Dante. Da war dann gleich ganz viel los. Aber kein Problem, ich kannte alle 4 Mitschwimmer!

Dann war der Tag mit dem Dauerregen. Da hatte ich Glück, denn als ich unterwegs war, hat es fast gar nicht geregnet. Die Isar hatte aber schon beim Hinfahren viel Hochwasser, knapp zwei Stunden später, hatte sie sich einen Weg über die Wiese gebahnt, um den Radweg auf der rechten Seite zu fluten. Das war schon spannend, wie schnell das ging!

An einem anderen Tag habe ich im Schyrenbad ein vierblättriges Kleeblatt entdeckt! Einmal kurz nach unten geschaut und da war es!

Und natürlich gab’s die Tage, an denen ich mir dachte: gut, wenn es vorbei ist und ich Pause machen kann. Und beim Schwimmen die ersten 10-20 Bahnen nicht vorbeigehen wollten. Und dann die letzten 10 auch… die zogen sich… und ich war flügellahm und eigentlich froh, dass es nur noch 2 Tage sind. Der Feiertag und der Freitag. Yeah. Ende in Sicht.

Da lief es im Wasser dann prima! Wie am Schnürchen. Als ob ich nicht die letzten 30 Tage geschwommen wäre.

Und dann eben heute. Sonne, Samstag, warm … und nichts anderes vor. Hm. Ob ich es wage? Eigentlich wäre es verschenkt, nicht schwimmen zu gehen. Vor allem, wenn nächste Woche wirklich Hochsommer ist. Dann geht nämlich nichts mehr. Dann ist Schluss mit lustig und allein in Ruhe und so… also gut. Für 2 klitzekleine Kilometerchen geh ich schwimmen.

Und dann bin ich da. Und es ist recht ruhig. Glück gehabt. Ich lass mich ins Wasser gleiten. Es ist angenehm kühl. Ich spüre das Kribbeln der Wasserblasen an meinem Bauch. Ich trage nämlich einen Bikini, weil es schönes Wetter ist. Ohmann, ist das schön. Und von wegen flügellahm, ich fühle mich gut und schnell.

Dann ist auf einmal Chaos, viele Leute, die recht unterschiedlich schwimmen. Das mag ich eh nicht und nachdem ich jetzt immer allein war, ist es noch blöder. Gut, dass ich nur 2 Kilometer machen will und das gleich erledigt ist.

Und dann? Dann löst sich das Chaos auf und ich denke… hm. Das kann ich jetzt so nicht beenden. Jetzt, wo wieder Ruhe und Ordnung ist. Da muss ich ja fast… genau! Und so war das dann auch. Und am Ende waren es dann doch 3 Kilometer. Zur Belohnung, weil es ich ja gestern mein Ziel erreicht habe.

Morgen ist jedenfalls Schwimmpause. Ganz, ganz sicher!


Herbstschwimmen mit Begleitung

Heute war wieder einer dieser schönen warmen Herbsttage. Die Luft an sich war warm, die Sonne hat es noch verstärkt. Aber selbst bei Schleierwolkenschicht blieb es warm. Ein guter Tag für einen Ausflug ans und ins Wasser.

Ich bin zum Karlsfelder See geradelt. Eine schöne Strecke, kaum länger als zum Langwieder See. Und der Oktober macht sich bemerkbar, die Blätter werden langsam bunt.

Am Karlsfelder See treffe ich mich mit einer meiner Dantebadbeckenrandfreundinnen. Sie heißt auch Petra und wir teilen nicht nur die Liebe zum Wasser und Schwimmen, sondern auch die Vorliebe für bunte Badeanzüge und lustige Kappen.

Petra ist auch eine prima Triathletin und nutzt die wohl letzte Chance für ein Schwimmtraining im See. Also so richtig schwimmen mit Kopf unter Wasser. Deshalb zieht sie auch ihren Neo an, während ich ja eher dem Kältegefühl entgegenfiebere als der Schwimmstrecke.

Ins Wasser geht’s gemeinsam. Es hat etwa 14 Grad und bis zu den Oberschenkeln fühlt es sich richtig warm an. Kurz nach dem Untertauchen merke ich aber die Kälte. Ich lasse es auf mich wirken, schwimme ruhig dahin. Wir bleiben beide in Ufernähe und schwimmen ratschend dahin. Herrlich! Keiner da außer uns, das Wasser ist klar und glatt, der Himmel weiß-blau und es ist nicht kalt. Schön!

Irgendwann wird’s natürlich schon kühl und ich gehe raus. Draußen an Land ist’s toll! Die warme Herbstluft, dazu das Kribbeln auf der Haut vom Wasser… Wahnsinn! Sooo schön!

Ich ziehe mich an, Petra krault jetzt noch ein paar Runden.

Die Männer aus ihrer Trainingsgruppe schlüpfen derweil in ihre Neos und starten dann. Sie schwimmen insgesamt 20 Minuten.

Am Ende hat jeder das gemacht, was er wollte und konnte. So unterschiedlich die Aktionen waren, es hat jedem Spaß gemacht und wir hatten einen ganz tollen Mittagsausflug!

Den Radio-Beitrag dazu gibt’s am Sonntag, 14. Oktober, auf B5aktuell im „Fitnessmagazin„, um 7.35 und um 17.05 Uhr. Natürlich auch als Podcast.

Außerdem hat mich das Radln zum Karlsfelder See (wie immer mit dem Stadtfahrrad) dazu motiviert, das Rennrad mal wieder aus dem Keller zu holen …


Freibad-Start im Dantebad

Obwohl ich die Freibad-Saison bereits letzte Woche eröffnet habe und auch fleißig schwimmen war, fühlt es sich erst heute „richtig“ nach Freibad an. Warum? Weil das Dantesommerbecken wieder offen hat. Gestern auch schon, logo, dass ich da war. Aber es war wolkig, windig und kühl. Ich habe beim Schwimmen fast bissl gefroren und Rückenschwimmen konnte ich gar nicht: Mir wurde total schwindelig. Also nur vorwärts. Und allein war ich auch nicht. Wir waren zu dritt (in wechselnder Besetzung).

Heute aber war der „gefühlte“ Start in die Freibad-Saison. Es war noch immer wolkig, doch die Sonne konnte sich hin und wieder durch die Wolken kämpfen, tatkräftig unterstützt von einem ziemlich windigen Wind. Es ist erstaunlich viel los, auf der Schwimmerbahn ziehen schon drei Leute ihre Runden. Und was sehe ich? Eine meiner Schwimmbeckenbekannten. Die Frau kenne ich wirklich nur im Wasser, ich weiß nicht mal ihren Namen. Aber wir grüßen uns und ratschen auch immer mal paar Worte. Bis es soweit ist, schwimme ich.

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Alles beim Alten im Dante – deshalb auch ein altes Bild …

Während ich meine Bahnen ziehe, überlege ich wieder mal, warum ich das Dantesommerbecken so gern mag. Weil es ja eigentlich auch nur ein 50-m-Freibadbecken ist, wie auch das im Schyrenbad zum Beispiel. Und dann fällt es mir auf – zum ersten Mal, nach all den vielen Jahren: Die Bäume am Rand! Das Becken liegt am Rand des Freibadbereichs, neben den Fliesen, die ums Becken herum sind, sind auf der einen Seite gleich die Bäume, die das Dantefreibad von der Außenwelt trennen. Und wegen dieser Bäume ist es hier (die Schwimmerbahn ist an genau dem Rand) sehr grün und beschützt. Und oft schattig und manchmal schwimmt deshalb bissl Laub oder anderes Baumzeugs auf dem Wasser. Aber das macht mir nichts. Ich mag das. Gleich bei meiner zweiten Bahn konnte ich heute meinen Augen kaum trauen. Ich bin Brust geschwommen und sehe: ein Eichhörnchen. Am Beckenrand! Es war ganz nah da, hat wohl die Pfötchen gewaschen oder einen Schluck getrunken? Keine Ahnung. Ich bin zwar langsamer geschwommen, aber es ist dann doch davongehuscht, als ich ihm zu nahe kam.

Heute bin ich dann auch wieder in meinen „Schwimmrausch“ geraten. Ich war dann nämlich allein auf der Bahn, habe den Sonnenglitzerspielen auf dem Edelstahlboden zugeschaut. Die gibt’s vor allem bei halbbedecktem Himmel, wenn die Sonne nicht zu grell ist. Und dann war ich im „Tunnel“: Ich bin wie eine kleine Maschine geschwommen. Zug um Zug. Bahn um Bahn. Kalt war mir dann nicht mehr, ich war im Rausch! Herrlich! Und dann sind alle Bahnen geschwommen, ein Mann hat sich zu mir gesellt und ich verlasse das Becken.

Weil die Sonne inzwischen so schön scheint, setze ich mich noch kurz an den Beckenrand und beobachte die Szenerie. Es ist wie immer, als ob nie Winter gewesen wäre. Alle sind wieder da (obwohl noch nicht viel los ist). Der Mann, der in meiner Bahn schwimmt, nickt mir bei der Wende kurz zu. Die Frau von vorhin begrüßte mich mit „immer die Gleichen, gell?“ und ich schmunzle. Es scheint, als hätten alle nur auf diesen Tag hingefiebert, wenn sie endlich wieder ins Dantebad können. Im Wasser sehe ich noch ein paar andere, die ich vom Sehen kenne und auch am Beckenrand taucht ein bekanntes Gesicht auf.

Es ist wieder Sommer. Wieder Dantebad. Wieder die gleichen Gesichter. Bissl wie heimkommen. Schön.


Schwimmen im Lago Maggiore 

Ich war mal wieder unterwegs. Und zum ersten Mal in meinem Leben so wirklich in Italien. Eine meiner Schwimmfreundinnen hat geheiratet und mich zur Hochzeit eingeladen. Und diese Hochzeit war am Lago Maggiore. Ich bin einen Tag früher angereist und mir einen schönen Tag am See gemacht.

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Lago Maggiore

Der Lago Maggiore ist groß und von Bergen umrahmt. Also ein kleines bisschen so wie der Tegernsee. Halt in groß. Es sieht sehr schön aus und ich habe einen kostenlosen Strand gefunden.

Ein Sandstrand am See, das finde ich verwirrend. Weil ich dadurch und weil es in Italien ist, fast denke, dass ich am Meer bin. Ich suche ein schattiges Plätzchen und schlage mein Lager auf.

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Fühlt sich gleich nach Urlaub an, wenn man die Füße in den Sand legt …

Dann messe ich die Wassertemperatur. Mein Hautthermometer sagt: genau richtig zum Schwimmen. Das Thermometer mit den Zahlen zeigt 24,5 Grad. Perfekt!

thermometer

Ideale Wassertemperatur

Ich bin also voll motiviert und setze Kappe und Brille auf, damit das Abenteuer starten kann. Meine Boje habe ich nicht mitgenommen (warum? Warum? Warum?), aber am Ufer entlang wird es schon gehen. Ich sehe auch andere Krauler.

Beim Reingehen muss ich feststellen, dass die Steine recht groß und vor allem glitschig sind. Ich tauche fix unter, wenn ich schwimme, kümmert mich der Boden nicht. Im Wasser schwimmen leider seltsame Dreckpartikel. Nicht so schön… ich vermute, dass es der Algenglitsch von den Steinen ist. Ich schwimme Brust, da ist die Gefahr geringer, dass ich so ein Algen-Zeugs einatme. Und ich stelle leider fest, dass der See sehr wellig ist. Obwohl es windstill ist.

Liegt wohl an den Motorbooten, die hier rumcruisen… hm. Was nun? Wenn die Wellen schon beim Brustschwimmen so blöd sind, will ich erst gar nicht kraulen.

Aber dann denke ich: probiert’s einfach. Wenn es blöd ist, kannst ja immer noch Brust schwimmen. Und siehe da: Das Kraulen klappt besser als gedacht! Und hier, etwas weiter vom Ufer entfernt, sind auch diese Partikel weg. Yeah!

Ich genieße meinen Ausflug. Das Wasser ist angenehm warm und schön grün. Etwas dunkler als im Tegernsee. Ich schwimme zu dem Strand vom Hotel. Der ist an Land nur für Hotelgäste, aber im Wasser darf jeder schwimmen und schauen. Hihi…

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Vom Boot aus habe ich dann ein Foto gemacht – so weit draußen bin ich aber nicht geschwommen – wegen der vielen Motorboote.

Auf dem Rückweg schau ich mir noch den anderen Strand an, den ich auf dem Hinweg an Land aus der Ferne gesehen habe. Mit Liegen und Schirmen und Schnickschnack – nix für mich.

Ich beende meinen Ausflug, der doch schöner war als anfangs gedacht.

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Urlaub! Stärkung! Yeah!

Ich beschließe, nach dem Abendessen wieder ans Wasser zu gehen und einen Sundowner-Swim zu machen.

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Pizza ist in Italien natürlich Pflicht!

Jetzt ist das Wasser ruhig, die Sonne grüßt von hinter den Bergen und taucht alles in ein weiches Licht. Ich schwimme Oma-Brust und sehe vom Wasser aus noch ein paar letzte Sonnenstrahlen.  Herrlich!

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Abendstimmung am See

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So schön und noch viel schöner war es am Abend beim Schwimmen!

Am Tag der Hochzeit war ich am Vormittag noch mal schwimmen. Das ist einfach so ein schöner Start in den Tag, wenn man gemütlich im See schwimmt.  Ganz ohne Ziel oder Bahnen zählen. Einfach nur schwimmen, das Wasser genießen. Sich leicht und schwerelos fühlen. Schweben. Vom Wasser aufs Land schauen. Perfekt!

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Wolkig und trüb, aber das Wasser war herrrrlliiiichchch!

Die Hochzeit war natürlich auch sehr schön. Zur Trauung sind wir mit dem Boot gefahren. Hätten wir alle mal eine Boje eingepackt… 😉

 

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Baveno vom Boot aus – die Hochzeitsgesellschaft setzte per Schiff über ans andere Ufer.

Das Abendessen der Hochzeitsfeier war dann an einem kleinen Nachbarsee des Lago Maggiore – am Lago di Mergozzo. Ebenfalls sehr hübsch, trotz Wolken!

Anders als der Lago Maggiore wäre der Lago di Mergozzo wohl perfekt zum Schwimmen: Er ist laut Wikipedia 2,6 Kilometer lang und etwa einen Kilometer breit. Außerdem gilt er als einer der saubersten Seen Europas, Motorboote sind nicht erlaubt. Zwischen den beiden Seen ist Schwemmland, weil sie ursprünglich miteinander verbunden waren (was ich aufgrund der Lage schon vermutet hatte). Ein Dammbau im 9. Jahrhundert trennte die Bucht ab und schuf so den „piccolo lago“.

 

Übersichtskarte von Lago Maggiore und Lago di Mergozzo

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Freibad – mehr als schwimmen

Mitte September überkommt mich und meine virtuellen Mitschwimmer eine Melancholie. Die Freibäder schließen. Das mag Lutz in seinem Blog amüsant finden und darauf hinweisen, dass man auch jetzt im Herbst noch in Seen schwimmen kann. Das ist richtig. Doch für mich und die anderen, die ihr Freibad jetzt schmerzlich verabschieden und über den Winter vermissen, geht’s wohl um mehr als nur das Schwimmen im gechlorten Becken. Schließlich kann man auch im Hallenbad schwimmen. Und zumindest ich in München habe das Glück, dass ich auch drinnen eine 50-Meter-Bahn habe (Olympiaschwimmhalle) und sogar – Luxus, Luxus! – den ganzen Winter über draußen schwimmen kann. Kostet zwar etwas mehr, ist aber im Freien. Das Dante-Winter-Warmfreibad macht’s möglich. Und doch ist es nicht dasselbe. Warum?

Darüber habe ich mir einige Gedanken gemacht. Und ich komme für mich zu dem Schluss, dass das Schwimmen im Freibad mehr ist als nur die körperliche Betätigung. Für mich ist es in der Tat wie ein „zweites Wohnzimmer“. Manche bezeichnen so ihre Stammkneipe, bei mir trifft das auf das Sommerbecken im Dantebad zu. Und das ist dasselbe Bad wie oben erwähnt, nur ist das Becken auf der anderen Seite. Es hat nur im Sommer geöffnet. Und irgendwie ist es so, dass man im Sommer mehr mit den Leuten redet. Zum einen, weil man an einem schönen Tag auch ein bisschen am Beckenrand sitzt. Zum anderen, weil man sich bei schlechtem Wetter verbündet fühlt. Und wer regelmäßig ins Bad geht, trifft zwangsläufig immer dieselben Leute.

Ich nenne diese Menschen gern „Beckenrand-Freunde“. Denn zumeist bleibt es bei dieser Verbindung. Man kennt sich aus dem Freibad, man kennt sich in Badeklamotten. Man weiß, wie der andere schwimmt – den Namen weiß man manchmal nicht. Man grüßt sich, verabschiedet sich, wünscht sich Spaß oder scherzt kurz rum. Oder klagt sich gegenseitig das Leid, weil die Schwimmerbahn auf einmal von vielen „Fremden“ geentert wird. Kurzum: Man hat Gemeinsamkeiten.

Viele dieser Menschen treffe ich im Sommer regelmäßig. Von manchen weiß ich sogar den Vornamen oder was sie arbeiten. Oder dass sie auch noch andere Hobbys außer schwimmen haben. Von anderen weiß ich trotz längerer Unterhaltung nicht mal den Vornamen. Aber eine neue Badekappe, ein neuer Badeanzug oder eine neue Hose – das erkennt man sofort. Man fachsimpelt über die beste Brille, wo es bunte Badeanzüge gibt oder welches die nervigsten Mitschwimmer-Marotten sind. Und das ist schön. Wenn ich an einem regnerischen Sonntag nicht weiß, was ich machen soll, gehe ich ins Freibad. Manchmal treffe ich Mitschwimmer, manchmal winkt mir auch nur der Bademeister zu. Es ist einfach ein Ort, an dem ich mich wohlfühle. An dem man mich kennt (manche wissen meinen Namen, andere nicht).

Das ist das, was für mich das Schwimmen im Freibad so anders macht. Denn ich treffe nur einen winzigen Anteil dieser Menschen im Winter im Dantebad. In der Olympiaschwimmhalle bin ich auch oft, aber einen „Ratsch“ gibt’s da eher selten. Da fühlt sich das Schwimmen auch immer „ernster“ und mehr wie ein „Training“ an. Und deshalb bin zumindest ich jetzt etwas traurig. Weil einfach mehr fehlt als das Schwimmen. Denn das ließe sich ja leicht ersetzen.