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Ausgebremst und angefroren

Nach meinem Kälteausflug am Dienstag war ich total motiviert. Eigentlich möchte man ja meinen, dass ich nicht mehr mag, weil es ja wirklich grausam kalt war. Aber ich hatte ja einen Plan und deshalb wollte ich wieder zum See. Doch dann wurde ich ausgebremst: Es hat geschneit! Leider so viel, dass die Radwege und Nebenstraßen unbefahrbar waren. Winterdienst ist in München leider immer ein Problem, außer man ist Autofahrer auf dem Mittleren Ring. Also musste ich „aussetzen“.

Fahrradstraßen in München werden anscheinend nicht geräumt…

Am Donnerstag war zwar immer noch Schnee, aber es schneite nicht mehr und so machte ich mich mit meinem Winter-Spikesrad auf zu einer „Erkundungstour“. Meine übliche Route war nur schwer befahrbar und wenn der schöne, platte Schnee demnächst mit Matsch und Spurrillen versehen ist, wird es nicht besser. Ich bin nicht ganz bis zum See gefahren, weil mir schon klar war, dass das letzte Stück voller Schnee ist. Es ist nur eine Forststraße, das habe ich im Dezember schon gesehen, wie es da ist. Zurück in die Stadt bin ich dann eine andere Route gefahren, die meiner Freundin Diana. Sie wohnt zwar im Osten der Stadt, aber ihr Weg führt am Olympiapark vorbei und der ist von mir auch nicht so weit weg. Und siehe da: Hier ist geräumt! Fein, der Plan für die nächsten Tage steht!

Schön mit Schnee. Blöd wegen Wind.

Am Freitag war es am See ziemlich windig. Schwimmen war schön, die Wellen waren nicht schlimm. Das Wasser ist konstant 4-5 Grad „warm“. Beim Umziehen danach habe ich allerdings geflucht. War das kalt. Ich habe kaum eine windstille Ecke gefunden, meine Finger waren taub, ich war froh, als ich zurückfahren konnte. Was heißt fahren? Ich habe mein Rad geschoben, der Untergrund war mir nicht geheuer. Vor allem nicht, wenn ich so ausgefroren bin und zittere.

Der See spiegelt den Himmel.

Am Samstag war’s dafür umso schöner! Sonne! Kein Wind! Diana dabei! Am See ist der Dantebad-Bekannte und seine Frau. Es ist ganz schön was los, weil noch ein Schwimmer kommt. Er hat, wie ich später erfahre, mich schon mal gesehen („Da war eine mit einer weißen Badekappe, voll professionell!“, hat er dem Dantebad-Mann erzählt, der es mir erzählte). Er will es auch ausprobieren, schließlich sind die Bäder ja noch immer (und noch werweißwielange) geschlossen. Er schafft es auf Anhieb, nur in Badehose eine Minute zu schwimmen. Ich bin beeindruckt. Weil die Sonne scheint und die Wasseroberfläche so schön glatt ist wie länger nicht, schaffe ich meine fünf Minuten „locker“, sogar etwas mehr: 5’20 sagt Diana, als ich aus dem Wasser komme. In der Sonne, ohne Wind, ist umziehen gleich viel einfacher. Es ist herrlich, dass ich mein Gesicht in die Sonne halten kann, während ich meinen Tee trinke und mich warmzittere.

Sogar noch etwas mehr Sonne, als ich fertig bin mit dem Schwimmen.

Und dann erfahre ich, dass ich am Mittwoch (da war Feiertag) schon vermisst wurde. Ob es mir wohl zu kalt war? Nein, natürlich nicht! Ich wäre gern bei Schneefall geschwommen, aber radln war nicht möglich. Flugs werden Mitfahrgelegenheit angeboten und Telefonnummern ausgetauscht. So schön ist eine Schwimmgemeinschaft!

Etwas später trudelt auch der Neoprenmann ein, ein großes Hallo, jetzt sind alle da! Und dann stellt sich heraus, dass jeder auch am Freitag da war, aber zu unterschiedlichen Zeiten. Ja, der Wind war grausam. Beim Umziehen, beim Schwimmen war es schön!

Heute Nacht war es kalt. In der Stadt, an der Hauswand spätabends – 3 bis – 4 Grad, klarer Himmel. Ich mag sowas ja. Wobei da natürlich die Sorge mitschwingt, dass der See, so ganz allein da draußen vor der Stadt, zufrieren könnte. Als ich durch den Olympiapark radle, am Oly-See entlang, sehe ich, dass der zu drei Vierteln eine Eisschicht hat. Gestern beim Heimfahren war da noch nichts. Ohje! So schnell kann’s gehen!

Der Regattabadesee liegt so ruhig vor uns, dass ich erst denke, dass auch er eine Eisschicht hat. Aber zum Glück nicht, nur am gegenüberliegenden Ufer. Ich schwimme da ja nicht hin, aber die beiden Männer mit ihren Neoprenanzügen. Naja, neue Route, würde ich sagen.

Mystisch mit Nebel

Direkt am Ufer ist auch ein bisschen Eis. Man sieht es kaum, auf den Fotos noch weniger. Mit dem Nebel ist es zwar grau, aber ich finde, das ist eine ganz tolle Stimmung!

Eis, Eis, Baby!
Zum Glück ist das Eis ganz dünn und deshalb noch kein Hindernis!

Nachdem ich die letzten beiden Male so kalte, schmerzhafte Finger hatte, wollte ich heute die Neoprenhandschuhe noch mal ausprobieren. Es fühlt sich immer etwas komisch an, damit zu schwimmen. Aber während des Schwimmens ist es dann ganz ok, die Finger schmerzen nicht. Ich schwimme meine übliche Route, merke aber, dass ein ganz feiner, fieser Ostwind weht. Wobei „weht“ jetzt übertrieben ist. Er ist halt „da“. Als ich dann aus dem Wasser gehe (noch immer 4-5 Grad), muss ich die Handschuhe ausziehen, um mein Handtuch nehmen zu können. Leider sind die Finger doch etwas ohne Gefühl, so dass es sehr schwer ist, den Saum zu greifen und den Handschuh abzuziehen. Irgendwann schaffe ich es, doch das Gefühl: Was, wenn nicht? macht mich unzufrieden. Deshalb werde ich wohl wieder ohne Handschuhe schwimmen.

Mir bringen die Neoprenhandschuhe nicht so viel…

Ich ziehe mich an, es ist unfassbar kalt. Keine Ahnung, wie tief die Temperatur war, in der Stadt waren es – 1, -2 Grad an der Hauswand. Mein Handtuch, Badeanzug und die Thermometerschnur sind jedenfalls ziemlich angefroren, als ich sie einpacken will. Die Schnur ist steif wie ein Stock! Zum Glück sitze ich windgeschützt, denn es ist echt kalt hier.

Auf dem Heimweg habe ich dann diesen kleinen Kerl entdeckt. Sehr nett, deshalb wollte ich ihn unbedingt fotografieren.

Hoffentlich bleibt es kalt, so dass er hier noch ein bisschen bleiben kann…
Ist der nicht herzallerliebst?

Und noch eine witzige Anekdote: Eigentlich wäre ja morgen, 11. Januar, der Lockdown beendet gewesen (so war es mal angedacht). Mein „Lockdown“-Duschgel ist jetzt jedenfalls aufgebraucht! Ich hatte es zum ersten Mal benutzt, als die Hallenbäder am 2. November geschlossen waren.

Schluss mit „Winterträume“…

Die lokalen Medien sind jetzt übrigens auch auf die Eis- und Winterschwimmer und Eisbader aufmerksam geworden. Ein neuer Trend im Lockdown? Kälte-Kick statt Pandemiefrust? Hier könnt ihr die Artikel lesen und euch selbst ein Bild machen. Und wer’s ausprobieren will: Langsam anfangen, sich nicht überfordern und weitere Tipps von mir.


Jahresbilanz 2020

Das Jahr 2020 hat relativ normal angefangen, ich war am 2. Januar das erste Mal schwimmen. Den ganzen Februar war ich sehr fleißig, ich bin in den 29 Tagen 70 Kilometer geschwommen. Im März wurden es noch 42 Kilometer und dann war plötzlich Schluss! Corona. Alarm. Lockdown. Hallenbad dicht (und noch viel mehr). Keiner wusste, wie lange es dauern würde. Ich habe die Zeit zum Rennradfahren genutzt, das Wetter war herrlich, dazu fast kein Verkehr. Ideal.

Irgendwann wuchs aber die Sehnsucht nach dem Wasser. Der 1. Mai 2020 war sehr traurig, denn es war kein Freibad geöffnet, es gab noch nicht einmal eine Perspektive. Und normalerweise gehe ich am 1. Mai ins Freibad. Tja, normal war 2020 gar nichts.

Blick ins Schyrenbad am 2. Mai

Dann endlich die frohe Botschaft: Die Freibäder können ab 8. Juni öffnen. Juhu! Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind. Die Freude wurde etwas getrübt, weil die Münchner Bäder „schlechtes Wetter“ vorschoben und erst drei Tage später öffnen wollten. Ohmann. Ja, da kann man jetzt sagen: Was sind drei Tage, wenn man eh schon drei Monate nicht schwimmen konnte. Aber ich wollte nicht länger warten, also auf nach Germering, wo das Bad pünktlich am 8. Juni geöffnet hat! Endlich Freibad! Strahlende Gesichter überall! Und dann im Wasser, so schön! Und: so anstrengend! Mann, eine 50-Meter-Bahn ist tatsächlich ganz schön lang und drei Kilometer eine ziemlich lange Strecke. Das wollte ich nie wahr haben, jetzt wurde es bittere Realität. Also: klein anfangen, erstmal nur zwei Kilometer schwimmen. Sich wieder an die Anstrengung und Bewegung gewöhnen.

Das ging zum Glück recht schnell und als ich endlich wieder im Dantesommerbecken schwimmen konnte, wäre mir ja fast die Schwimmbrille verrutscht, weil ich die ganze Zeit so grinsen musste.

So sehen glückliche Chlorhühner aus!!

Den Freibad-Sommer habe ich täglich genutzt. Ich wollte keinen Tag verpassen, wer weiß, was kommt? Und so wurden es 115 Tage am Stück und 313 Kilometer im Freibad. Ein paar extra Kilometer im Freibad kamen im Oktober in Fürstenfeldbruck noch dazu. Da war nach ein paar kalten Nächten das Wasser etwas „frisch“, ein gutes Training fürs Eisschwimmen.

Kaltes Wasser hält mich nicht vom Schwimmen ab…

Und gerade, als ich mich mit den Doppelbahnen und der Situation im Oly angefreundet hatte, kam die Schreckensmeldung: Ab 2. November gibt’s einen „Lockdown light“, der für uns Schwimmer schwere Konsequenzen hatte: Bäder und andere Sportstätten müssen schließen. Vorerst nur im November. Aber da war eigentlich klar, dass der 1. November unser 31. Dezember ist. Zeit für die Jahresbilanz. Ich wollte nicht ganz so schwarz sehen, deshalb schreibe ich den Blogeintrag erst jetzt. Aber die Zahl ist dieselbe wie am 1. November: 535 Kilometer.

Das ist eine schöne Zahl (ihr wisst ja vielleicht, dass ich eine Schwäche für schöne Zahlen habe). Und es ist angesichts der Einschränkungen und Schließungen auch eine gute Zahl. Über 500 Kilometer, das hätte ich im April nicht gedacht. Ich will gar nicht daran denken oder ausrechnen, wie viele Kilometer es in einem „normalen“ Jahr geworden wären. Vergangenes Jahr waren es 834, also fast 300 mehr. Aber das war auch verrückt.

Kann man ein Fazit in diesem Corona-Jahr ziehen? Mir ist bewusst geworden, wie wichtig mir das Schwimmen ist. Für meinen Körper, für meinen Geist, für mein Wohlbefinden und mein Sozialleben. Es entspannt meinen Rücken, meine Gedanken werden frei, neue Ideen kommen. Ich fühle mich wohl, wenn ich Sport gemacht habe, ich genieße die Schwerelosigkeit, das Gleiten und die Kraft im Wasser. Die Ruhe, die entsteht, wenn ich den Kopf unter Wasser habe und Geräusche nur gedämpft wahrnehme. Die Freude, wenn meine Freunde auch im Wasser sind und an mir vorbei schwimmen. Die Bewunderung, wenn ein Schwimmer (oder Schwimmerin) da ist, die besonders gut und schön schwimmt. Der Ehrgeiz, der mich manchmal packt und ich dann schneller oder länger schwimme. Und besonders natürlich das Gefühl, wenn es „läuft“, wenn ich mich so fühle, als könnte ich ewig schwimmen. Das alles habe ich zwar gewusst, aber so richtig bewusst geworden ist es mir durch den erzwungenen Verzicht. Schwimmen ist etwas, das man durch nichts ersetzen kann – und das ich auch nicht missen möchte. Hoffentlich ist es bald wieder möglich, dass ich meine Bahnen ziehe.

Ein Traum…

Übrigens gab es auch mal ein „normales“ Jahr, in dem ich ganz knapp keine 500 Kilometer geschafft habe:

2017 war das. Da war irgendwie der Wurm drin und am Ende standen „nur“ 498 Kilometer in der Bilanz. Schlimm? Nein.


Schlechtwetterschwimmerin

Es gibt schlechtes Wetter und es gibt schlechtes Wetter. Also, das, was die meisten darunter verstehen, und das, was ich darunter verstehe. Ich mag es eigentlich ganz gern, wenn das Wetter dem entspricht, was die meisten als „schlecht“ bezeichnen. Denn, wenn die Sonne nicht scheint, ist es draußen ruhiger. Es sind weniger Menschen unterwegs, das mag ich. Also ist schlechtes Wetter für mich gutes Wetter.

Was für die einen schlechtes Wetter ist, ist für mich oft die schönste Stimmung…

Es gibt unterschiedliche Arten von „schlechtem guten Wetter“, vor allem beim Winterschwimmen. Vergangene Woche war es oft kalt, um den Gefrierpunkt, und am See neblig. Ebenso am Wochenende. Am Sonntag ist meine Freundin mit zum See gekommen, einfach so, sie schwimmt zwar gern, aber nicht im kalten See. Es war trotzdem schön, dass sie dabei war. Nicht nur, weil es jetzt auch mal ein „Beweisfoto“ gibt. Sondern, weil es in diesen Zeiten eh schon schwierig genug ist, seine Freunde zu treffen. Wenn man auf Abstand achten will und sich lieber an der frischen Luft trifft (denn leider können auch Freunde ansteckend sein), ist das Winterschwimmen eine schöne Gelegenheit. Außerdem habe ich so „mentale Unterstützung“, wenn zum Beispiel viele Spaziergänger kommen.

Ein Chlorhuhn im See!

Es war dann tatsächlich, obwohl es so neblig war, einiges geboten. am See: Kurz nach unserer Ankunft kam der Neoprenschwimmermann.

Noch ein Schwimmer!

Schon am Samstag hatte ich einen anderen Mit-Schwimmer getroffen. Ich habe mich gerade aufgewärmt, als zwei Frauen und ein Mann zum Häuschen kommen. Der Mann spricht mich auch gleich an, ob ich nur im Badeanzug geschwommen bin und so weiter. Ich habe ihn nur so halb angeschaut, war mit Frieren und Aufwärmen beschäftigt. Irgendwann kommt mir die Stimme bekannt vor: Es ist einer der Samstags-Schwimmer aus dem Dantesommerbad! (und daheim fällt mir ein, dass ich ihn tatsächlich nur in Badehose kenne!). Er schwimmt im Neo, der Grund ist natürlich Corona und das geschlossene Hallenbad.

Am Sonntag war ich dann gerade mit Schwimmen fertig, als zwei weitere Männer kommen. Sie sprechen eine Sprache, die ich nicht kann, ich nehme an, dass es Russisch ist. Denn ich habe die beiden schon mal gesehen und gehört. Sie stellen sich mehrere Minuten ins Wasser, das ihnen bis zur Brust geht. So bleiben sie still stehen, die Hände über den Kopf. Als sie rauskommen und umgezogen sind, frage ich, wie lange sie so stehen. Sechs bis neun Minuten und sie sprechen polnisch, das bringe ich auch gleich noch in Erfahrung.

Im Oktober waren die Wasserstehmänner auch schon mal da.
Hochbetrieb am Regattabadesee

Also waren am Sonntag eine Winterschwimmerin im Badeanzug (ich), ein Krauler mit Neoprenanzug und die beiden Im-Wasser-Steher da. Außerdem sind Spaziergänger vorbei gekommen. Und das alles bei recht unwirtlichem Wetter. Ich möchte mir nicht vorstellen, was für ein Auflauf gewesen wäre, hätte die Sonne gescheint. Und es war kalt! Die Bäume am Ufer waren in schönstem Weiß eingefrostet, der See war spiegelglatt und das Wasser so klar, dass man sogar vom Ufer den Grund sehen konnte! Einmalig!

Frostkunst am Seeufer

Am Montag war’s dann schon um einiges wärmer, kein Frost mehr. Aber heute, Dienstag, war es wirklich warm. Zwölf bis 14 Grad, dazu ein ziemlich starker Westwind. Normalerweise ist das kein Wetter für einen Schwimmausflug, denn ich mag es nicht, wenn mir die Wellen ins Gesicht platschen oder meine Sachen wegfliegen. Aber nur daheim sitzen, das wollte ich auch nicht. Und die Regenschauer sollten erst am Nachmittag wieder einsetzen, also mache ich mich auf den Weg. „Ich muss ja nicht schwimmen“, denke ich mir. „Dann bin ich halt nur geradelt.“

Da ich weiß, wie warm es ist, ziehe ich mich schon etwas „luftiger“ an als die Woche zuvor. Ich finde es immer schwer einzuschätzen, welche Jacke usw. geeignet ist, wenn es so „komisch“ warm ist. Denn so fühlt es sich für mich an: komisch. Irgendwie nicht „richtig“. Und obwohl ich meine Kleidung schon angepasst habe, ist mir warm. Ich fühle mich wie ein Eisbär im Klimawandel! Der Wind bringt auch keine Abkühlung beim Radln, im Gegenteil, ich muss mich anstrengen, denn er kommt oft von vorn.

Man sieht die Wellen auf dem Bild nicht so gut. Dafür sieht man die tolle Lichtstimmung

Am See angekommen sehe ich, dass es auch dort windig und somit wellig ist. An der Hütte versuche ich eine windgeschützte Stelle für meine Sachen zu finden. Gar nicht so leicht. Und dass ich mein Handtuch auf den Steg lege, das kann ich gleich vergessen. Denn das würde sofort mitgerissen werden. Während ich so meine Gedanken und Sachen sortiere, kommen ein junger Mann und eine junge Frau. Er hat einen Rucksack, geht zielstrebig auf die Hüttenterrasse zu. Ich frage ihn, ob er auch schwimmt. „Nein, das ist zu kalt. Wir trinken einen Tee. Aber du schwimmst? Schon mit Neo, oder?“ – „Ich muss mal sehen, aber wenn dann schwimme ich nur im Badeanzug. Momentan hab ich eher Sorge wegen meiner Sachen, dass sie nicht doch weggeweht werden“. Er sagt, dass sie ja da sind, falls was wäre.

Da ist für jeden was dabei: Sonne, Wolken, Wind und Regen. Und der See in tollen Farben!

Irgendwann hab ich alles verstaut und gehe zum Ufer. Mir ist noch immer so warm vom Radeln, dass ich mich jetzt tatsächlich, trotz Wind und Wellen, aufs Wasser freue. Flink tauche ich unter und schwimme los. Erstmal gegen die Wellen, die mir ins Gesicht spritzen, der Wind hebt zudem einige Tropfen ab und treibt sie mir ins Gesicht. Und dann fängt es auch noch zu regnen an. Juhu, bestes Freibadwetter. Nur, dass ich im See bin. Egal. Das Wasser fühlt sich nicht kalt an, obwohl es wie die vergangenen Tage 6 Grad hat. Ich schwimme ja immer Oma-Brust, deshalb drehe ich den Kopf etwas zur Seite, damit es angenehmer ist mit dem Wind. Und siehe da: Es ist total schön! Wirklich. Und nicht mal kalt. Ich habe durch die vielen Schwimmausflüge hierher schon einige Uferstellen, die mir als Markierung dienen. Zu denen schwimme ich, dann drehe ich um. Ich denke, dass ich in etwa so lange geschwommen bin wie am Sonntag. Da hat meine Freundin nicht nur fotografiert, sondern auch auf die Uhr geschaut: 5’20 Minuten.

Ich will dann eigentlich nicht raus, weil es noch immer regnet und ich keine Lust auf den Wind habe. Ich bleibe solange wie möglich unter Wasser (das sieht sicher seltsam aus), dann richte ich mich auf, atme zweimal durch und sprinte zur Hütte, wo mein Handtuch liegt. Natürlich wollen die beiden Teetrinker jetzt wissen, warum ich das mache usw. Ich kenne das ja schon und sage, dass ich mich kurz umziehe und dann gern alles erzähle, was sie wissen wollen. Umziehen im Wind ist so eine Sache, aber irgendwann bin ich trocken und warm, trinke meinen Tee und wir drei (mit viel Abstand natürlich) ratschen über den See, das Schwimmen, das Winterschwimmen und so weiter. Es war eine wirklich sehr nette Unterhaltung, so dass ich die zwei weiteren Regengüsse gern abgewartet habe.

Während wir geratscht haben, war mir zwar nicht kalt, aber ich habe gezittert. Dieses schöne Gefühl, wenn die Kälte wie eine Welle durch den Körper schwappt, gab’s heute leider nicht. Dafür war mir auf der Heimfahrt weder kalt noch zu warm. Und ich war wiedermal froh, dass ich mich vom Wetter nicht abhalten hab lassen, sondern meine Sachen gepackt habe und losgefahren bin.


Noch vier mal schwimmen…

Noch vier Tage sind die Bäder geöffnet. Donnerstag. Freitag. Samstag. Sonntag.

Dann ist es erstmal wieder vorbei. So hat es die Politik heute beschlossen. Wegen der steigenden Corona-Zahlen.

Bald wieder geschlossen: Olympiaschwimmhalle

Na toll! Es gibt Hygienekonzepte, es dürfen nur eine bestimmte Anzahl Besucher kommen. Es gibt blöde Doppelbahnen. Und ich (und eigentlich die meisten, die ich kenne) habe mich seit März brav an alle Vorgaben gehalten. Was ist der Lohn dafür? Dass wir wieder nicht schwimmen gehen können.

Ja, vielleicht ist es Jammern auf hohem Niveau. Dass aber das Schwimmen das einzige ist, was mir etwas Normalität gibt, ist für mich immens wichtig. Seit über einem halben Jahr arbeite ich im Homeoffice. Sehe meine Kollegen nicht. Treffe Freunde nicht so oft. Und da die meisten von ihnen ebenfalls schwimmen, sehen wir uns: richtig! Beim Schwimmen. Aber das fällt jetzt wieder weg. Und die normalen Treffen ja auch. Stichwort: Kontakte beschränken.

Ich bin kein Corona-Leugner. Ich bin für sinnvolle Maßnahmen mit Weitblick. Ich weiß, dass es vielen anderen Menschen auch so geht. Dass es schwierig ist, keine Menschen zu treffen. Und dazu zählen auch die zufälligen Begegnungen im Schwimmbad.

Und natürlich geht’s ums Schwimmen. Um den Sport. Die Bewegung. Darum, den Kopf frei zu kriegen. Gedanken ziehen zu lassen. Neue Gedanken auftauchen zu lassen. Es geht um seelische und körperliche Gesundheit!

Ich weiß also, was ich die nächsten vier Tage machen werde. Schwimmen. Schwimmen. Schwimmen. Schwimmen. Und vielleicht gehe ich danach in die Sauna. Die macht dann nämlich auch dicht. Und ich befürchte, dass es nicht bei den prognostizierten vier Wochen Schließung bleibt. Das kennen wir ja schon…


Schwimmfreu(n)de

Seit die Freibäder wieder geöffnet haben, bin ich wieder besser gelaunt. Nicht jeden Tag, aber meine Grundfröhlichkeit ist zurück. Ich genieße es, in Ruhe meine Bahnen zu ziehen, in den Flow zu kommen. Am liebsten ganz allein, eine Bahn nur für mich. Aber es gibt etwas, das fast noch besser ist: mit Freunden zu schwimmen. Über die Jahre habe ich viele Mit-Schwimmer kennengelernt, manche nur mit Vornamen im Wasser (manchmal nicht mal das), andere mit Nachnamen und Telefonnummer. Sie sind zu richtigen Freunden geworden, die ich auch außerhalb des Schwimmbads treffe. Das ist sehr wertvoll.

Viel Platz für meine Schwimmfreunde und mich!
Viel Platz für meine Schwimmfreunde und mich!

Wenn es sich ergibt, dass wir dann miteinander schwimmen, ist es umso schöner. Dazu muss ich sagen, dass alle meine Schwimmfreunde besser schwimmen als ich. Bessere Technik, höheres Tempo. Aber das scheint keine Rolle zu spielen. Wir genießen es, unserem Hobby nachzugehen. Das Wasser zu spüren, zu gleiten, uns anzustrengen und uns dabei gut zu fühlen.

„Dank“ Corona sind einige meiner Freunde im Homeoffice und so schaffen wir es ziemlich regelmäßig, dass wir gleichzeitig im Bad sind. Mit meinen „Telefonnummer-Freunden“ kann ich mich natürlich dazu verabreden, aber es gibt eben auch den ein oder anderen, den man dann nur im Becken trifft. Gleiche Zeit, gleicher Ort. Und das ist richtig schön! Manchmal schwimmen wir fast die ganze Einheit gemeinsam, manchmal sehen wir uns nur zur „Übergabe“, je nach Zeitplan. Aber es ist immer schön! Ich freue mich direkt darauf. Auch, wenn ich die Bahn dann nicht für mich habe. Aber mit Freunden ist es ja fast dasselbe. Und wenn dann bei Sonne noch bisschen Zeit für einen Ratsch in der Sonne ist, ist es fast wie Urlaub. Oder wie als Kind, als man sich einfach so, ohne groß was abzumachen, im Freibad (oder in meinem Fall im Strandbad am See) getroffen hat. Man wusste einfach, dass die anderen da sind. Dass es sowas noch gibt, macht mich fröhlich. Da teile ich „meine“ Bahn doch gern!


Das Glück ist flüssig und türkis

Endlich heimkommen. Kennt ihr das Gefühl? Oder frisch verliebt zu sein? Oder sich wieder in jemanden zu verlieben? Ja, so ungefähr fühlt es sich an, wieder zu schwimmen. Zu dick aufgetragen? Ich glaube nicht. Zumindest nicht für uns Chlorhühner, Wasserratten, Schwimmjunkies, Wasserfrösche oder wie immer ihr euch auch nennt… Ich habe euch genau gesehen. Dieses fast schon debile Grinsen im Gesicht. Und auch diese Ehrfurcht vor dem Wasser: Kann ich es überhaupt noch? Denn wer von uns Wasserjunkies war schon mal ein Vierteljahr, drei Monate, 13 Wochen, nicht im Wasser? Keiner. Und warum nicht? Ja, blöde Frage.

Die Wolken konnten die Schwimmer nicht abhalten, endlich ins Bad zu kommen.

Und jetzt dürfen wir wieder. Als ich gestern noch kurz in der Sonne im Dantebad saß, hat es ein kleines Mädchen auf den Punkt gebracht: „Ich hab fast vergessen, wie schön schwimmen ist.“ Ich musste grinsen und dachte: Wie recht du hast!

Auf den Stufen im Stadionbereich setzt man auf Eigenverantwortung.

Oder der Typ, der mit uns auf der Bahn geschwommen ist. Schnell war der. Und gut. Der hat doch keine so lange Pause gemacht, der war doch heimlich im See! Oder im Ausland. Oder… naja. Es ergibt sich ein kurzer Schwatz am Beckenrand (mit Abstand, natürlich). Dabei grinst der Typ sosehr, dass sich seine Mundwinkel gefühlt dreimal um die Ohren wickeln. Und sagt, dass er paar Mal im See war (ich WUSSTE es!), Krafttraining an Land gemacht hat und dass auch viel Willen dahinter steckt. Und dass es gut läuft (das haben wir anderen neidisch zur Kenntnis genommen.). Ich muss auch grinsen, weil ich ihn so gut verstehen kann und mich für mich und für ihn und für uns alle einfach nur freue.

Ich war von Montag bis Mittwoch in Germering schwimmen. Das Freibad ist toll, aber nicht voll. Ok, lag am Wetter. Denn am Dienstag und Mittwoch war es tatsächlich kühl und regnerisch. Aber wer ein Junkie auf Entzug ist, der radelt auch im Nieselregen eine Stunde zum Bad. Die Schwindelgefühle vom ersten Schwimmtag waren dann am Dienstag schon besser. Ich habe Ohrenstöpsel benutzt, bin mit dem Pullbuoye geschwommen, habe mich auf eine möglichst ruhige Lage konzentriert. Es war schön. Und anfangs, also am Montag, kam mir die 50-Meter-Bahn ziemlich lang vor. Krass. Wenn man das immer macht, ist es nicht weit. Aber so war es ungewohnt. Und nach den ersten 500 Metern dachte ich auch: Jetzt weiß ich, warum so viele Leute immer so beeindruckt sind, wenn man sagt, dass man 3 Kilometer schwimmt. Ist doch nix! Jaahaa… wenn man es gewöhnt ist. Aber da komme ich schon wieder hin.

Ins Sommerbecken dürfen bis zu 75 Personen. Zum Glück waren so viele nicht da …

Gestern war dann der erste Tag im Dantebad. Mein Heimatbad. Mein geliebtes Sommerbecken, in dem die eine Schwimmerbahn im Schatten ist. Trotz eher mäßigem Wetter waren einige Leute da. Ich hatte mich mit zwei Schwimmfreunden verabredet. Es lief gut. Als mich meine Freunde dann mal überholt haben, war ich echt gerührt! Das war so schön. So normal. So wie früher. Und man ist gemeinsam. Man teilt diese Leidenschaft fürs Wasser, die Freude am Schwimmen. Am Schweben. Am Dahingleiten. Es war echt sehr emotional.

Das Chlorhuhn in seiner natürlichen Umgebung.

Und vor und nach dem Schwimmen haben wir bekannte Gesichter getroffen. Wie das oft so ist, weiß man den Namen nicht, hat keine Möglichkeiten der Kontaktaufnahme. Aber hier im Dantebad (oder jedem anderen Bad) gab’s nur ein Thema: Wie man die Zeit verbracht hat, dass man sich freut, wieder hier zu sein. Wie das Schwimmen war. Dass der See zu kalt und einfach nicht dasselbe ist. Dass Joggen als Alternative langweilig ist. Kurz: Dass man das Schwimmen mit nichts vergleichen oder gar ersetzen kann.

Heute war ich nochmal schwimmen. Mit meiner anderen Schwimmfreundin. An einem Brückentag mit blauem Himmel, Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Und dann Corona und alles – ohje. Aber dann: Überraschung. Es ist relativ wenig los, das Schwimmen klappt sogar ganz prima, wir sind zu dritt in der Bahn. Und bei mir stellt sich der Flow ein. Ich kann es gar nicht glauben, was da im Bauch kribbelt und im Hirn wirbelt, während ich da so vor mich hinschwimme. Die Sonne scheint durch die Blätter, ich spüre deutlich den Unterschied zwischen den schattigen und sonnigen Stellen im Wasser. Ich fliege, ich schwebe – ich will gar nicht aufhören. Der Schwindel ist besiegt und dass die Arme etwas schwer sind: egal. Ich bin in meinem Element. Daheim. Umschlossen vom Wasser, durchflutet vom Glück. Ich kann es gar nicht fassen, wie toll es ist!

Wasser!!

Seit Montag habe ich auch zuhause festgestellt, dass meine Laune deutlich besser ist. Gelöster. So ganz tief drinnen. Als ob ein Knoten geplatzt wäre. Erleichtert. Weil ich wieder schwimmen kann. Weil ein großes Stück Normalität in mein Leben zurückgekommen ist. Und weil schlechtes Wetter wieder Sinn macht!

Ich sag ja: Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen!

Corona-Schwimmpause

Mensch, was sind das für komische Zeiten gerade? Vor zwei, drei Wochen war noch alles normal – und auf einmal überschlägt sich alles und auch die Schwimmbäder sind davon betroffen. Ab morgen, Dienstag, 17. März, werden sie auch in München geschlossen. Sinnvoll – aber traurig!

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So leer wird es vorerst in der Olympiaschwimmhalle sein … 😦

Das werden jetzt harte Zeiten für uns Dauer-Schwimmer. Mindestens zwei Wochen sind alle Bäder in München (und gefühlt im Rest der Welt) geschlossen. Fürs richtige Schwimmen im Freiwasser ist es noch zu kalt. Und ausgerechnet heuer war ich keine so fleißige Eisschwimmerin. Naja. Es ist sowieso kein „Ersatz“, eher eine „Ergänzung“.

Gleich mal vorweg: Ich finde es richtig, dass die Bäder auch geschlossen werden. Zwar ist die Übertragung im Chlorwasser nicht nachgewiesen und ziemlich unwahrscheinlich, die Ansteckung an der Türklinke nicht wahrscheinlicher als im Supermarkt. Es gibt aber zwei weitere Aspekte zu beachten: Das eine ist, dass inzwischen viel mehr Menschen infiziert sind (und es oft nicht wissen, weil sie (noch) keine Symptome haben). Das andere ist, dass sich das Virus über die Luft verbreitet, man soll einen Abstand von zwei Metern zueinander einhalten. Und da sind wir am Knackpunkt: Selbst wenn man zu „Randzeiten“ schwimmen geht, trifft man auf andere Menschen. Und manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man zu zweit am Beckenrand steht. Und schnauft (atmet). Und weil immer mehr Menschen infiziert sind, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass da einer im Bad infiziert ist. Das war vor zwei Wochen noch anders, da waren weniger Infizierte gemeldet. Und wenn ich dann sehe, dass sich Gruppen von fünf oder mehr Schwimmern zusammentun und gemeinsam trainieren, ratschen, pausieren, außer Puste sind – dann wird mir da jetzt eben ganz anders. Es geht jetzt eben darum, die Ausbreitung einzudämmen, zu verlangsamen.

 

Aber natürlich ist es traurig, dass die Bäder schließen. Zum einen natürlich, weil mein liebster Lieblingssport wegfällt. Ich schwimme ja gern, dieses monotone Bahnenziehen brauche ich für mein Wohlbefinden. Es ist mein Ausgleich, meine Meditation. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sich anfühlen wird, nicht zu schwimmen. Ob Radfahren das ersetzen kann?

 

Zum anderen, weil das Schwimmen und der Besuch im Bad auch eine soziale Komponente hat. Hier treffe ich Bekannte, die ich nur hier treffe. Deren Namen ich oft nicht weiß, die ich an der Badehose bzw. am Badeanzug erkenne und auf der Straße wohl nicht kennen würde. Die Gleichgesinnte sind, mit denen man zwei, drei Worte wechselt. Manchmal auch mehrere Sätze. Das wird mir, die alleine lebt, fehlen! Denn auch in der Arbeit sind weniger Menschen vor Ort, auch ich werde zum Teil Homeoffice machen – auch hier fehlen die sozialen Kontakte. Auch das ist richtig, aber es ist halt auch traurig.

 

Wir werden sehen, wie sich das alles weiterentwickelt – und ob ich danach noch schwimmen kann. Jetzt muss ich erstmal schauen, ob die Dusche daheim noch funktioniert … 😉


Olympiaschwimmhalle wieder offen

Gestern war die offizielle Wiedereröffnung der Olympiaschwimmhalle in München. Drei Jahre wurde renoviert, drei Jahre war je ein Teil der Halle gesperrt. Es gab neue Wege, neue Perspektiven und andere Schwimmbecken. Im ersten Teil der Bauarbeiten war das Trainingsbecken unter der Tribüne gesperrt. Das hatte zur Folge, dass die Studenten und andere, die eigentlich dort schwammen, im großen Wettkampfbecken ihre Bahnen zogen. Dann kam Teil zwei des Umbaus – das Wettkampfbecken war gesperrt, alle Schwimmer mussten in das kleine Trainingsbecken unter der Tribüne. Das Becken hat nur fünf Bahnen, da wurde es oft eng, vor allem, weil alle Bahnen geleint waren. Aber auch, weil oft Bahnen gesperrt waren, weil die Uni ja weiterhin ihr Schwimmtraining abhalten musste.

Beengte Verhältnisse im Trainingsbecken während der Umbau-Phase im Oly

In der ganzen Zeit des Umbaus hatte ich ganz vergessen, wie schön und großräumig die Olympiaschwimmhalle ist. Denn das Trainingsbecken ist unter der Tribüne, es fühlt sich an wie in einem Keller. Es ist auf derselben Ebene wie die anderen Becken, aber die Decke ist eben sehr niedrig. Man hat überhaupt nichts von der Außenwelt mitbekommen: Sonne? Regen? Schnee? Weltuntergang? Hätte alles passieren können, während ich meine Bahnen ziehe. Das fand ich schon schade, hier so unter Tage zu sein.

Deshalb bin ich letztes Jahr im Herbst auch recht oft im Dantewinterwarmfreibad gewesen. Ich möchte hier auch mal meine Hochachtung für die Bademeister aussprechen, die ja nicht nur eine Stunde hier unten im Dunklen saßen, sondern ihren kompletten Dienst über knapp zwei Jahre im Keller abgeleistet haben.

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Zwei meiner Schwimmfreunde hätte ich ohne den Umbau im Oly wohl nie kennengelernt: Jakob und Cissi, die schnell und schön schwimmen, sind mir irgendwann im Wettkampfbecken aufgefallen und wir sind ins Gespräch gekommen. Im Laufe der Zeit haben wir und oft gesehen, oft geredet und irgendwann sogar Telefonnummern ausgetauscht. So wurde aus der Bekanntschaft im Umbau-Oly über die Zeit eine Freundschaft, die im Sommer zu Schwimmausflügen in die Freibäder im Umland geführt hat und nun schon über viele gemeinsame Schwimmkilometer besteht. Ohne den Umbau hätten die beiden wohl immer im Hochschulbecken ihre Bahnen gezogen, während ich im Wettkampfbecken (so heißen die beiden Becken nun mal) geschwommen wäre. Ein sehr schöner Nebeneffekt des Umbaus.

Und dann war es irgendwann im Sommer 2019 soweit: Man munkelte, dass das Wettkampfbecken und auch das Trainingsbecken geöffnet sind. Für mich war das im Sommer noch gänzlich uninteressant – ich war bis 30. September im Freibad. Am 1. Oktober war ich „nur“ kurz Herbstschwimmen im See, das Wetter war einfach zu gut für die Halle. Und so kam es, dass ich am 2. Oktober das erste Mal wieder im „Oly“ war. Der Eingang ist noch der Baustelleneingang und so bin ich auch erstmal in die Sammelumkleide gegangen, die während des Umbaus mein Refugium war. Logo hatte ich auch hier „meinen“ Schrank! Doch der Weg von der Sammelumkleide zum großen Becken ist weit. Ich hab mich dann noch gewundert, warum das so ist und warum das früher anders war. Bis mir dann eingefallen ist, dass der Eingang noch an anderer Stelle ist. So gibt’s bzw. gab’s neue Wege – und auch eine neuen Schrank. Dazu später mehr.

Jetzt erstmal das Becken und die Halle. Die Fensterfront aus Glas muss noch gemacht werden, deshalb ziert hier ein schönes buntes Bild die Baustellenfassade.

Die Glasfassade muss noch erneuert werden. Währenddessen ziert dieses Bild die Holzwand.

Aber wie groß das Schwimmbecken ist! Acht Bahnen (statt fünf im Trainingsbecken). Und die Höhe erst! Wie viel Platz gibt es rund um das Becken. Und wie schön ist es unter dem geschwungenen Zeltdach. So luftig! Und ein Teil der Glasfassade ist frei, so dass man zumindest ein bisschen was von der Außenwelt mitbekommt. Manchmal scheint sogar die Sonne aufs Becken.

So leer ist es nur bei Betriebsschluss. Aber wie schön es ist, sieht man hier natürlich am besten. Und träumen wird man ja dürfen …

Ich sauge die neue alte Atmosphäre auf und freue mich. Es ist einfach schön, wieder im Oly zu sein. Dass das Becken jetzt aus Edelstahl ist und nicht mehr gefliest, ist schade. Aber ich habe mich beim Schwimmen im Trainingsbecken schon an das Edelstahl gewöhnt, so dass es mir gar nicht so neu vorkommt. Und ein paar Fliesenstücke vom alten Oly habe ich ja daheim!

Fliesen aus dem alten Oly-Schwimmbecken von 1972

Es schwimmt sich auch echt gut. Vor allem am Anfang kam mir das Becken groß und unübersichtlich vor. Im Trainingsbecken mit seinen fünf Bahnen hat man viel schneller gesehen, wer sonst noch da ist. Oder im Freibad, wenn eh nur eine Bahn für die Schwimmer abgetrennt ist. Da sieht man gleich, wer heute auch schwimmt. Aber bei acht Bahnen, von denen sechs geleint sind – da kann man schon mal den Überblick verlieren. Nachteil der vielen Bahnen: Es gibt nur einen eher kleinen Teil für die „Nichtschwimmer“ und nach wie vor ist es nicht gewollt, dass die Bahnen irgendwie „eingeteilt“ werden. Es kann jeder da schwimmen, wo er/sie es für richtig hält. Wenn man Pech hat, verirrt sich auf jede der sechs Bahnen ein langsamer Brustschwimmer, der schwer zu überholen ist. Oder man hat Glück und kann seine Bahn einmal auch mit einem richtigen Profi teilen – als ich mit Alexandra Wenk auf der Bahn geschwommen bin.

Und dann ist da ja noch die Frage nach dem Schränkchen. Von der Sammelumkleide war mir der Weg zum Becken und den Duschen zu weit. Außerdem sind in der Sammelumkleide jetzt auch wieder vermehrt Schulklassen, die zum Schwimmunterricht da sind. Da war es an der Zeit, dass ich mir eine neue Umkleide und einen Schrank suche. Nehme ich die alte „824“ wieder? Irgendwie scheinen die Schränkchen neu nummeriert zu sein, denn die Lage von „824“ ist nicht ideal.

Welches Schrankerl darf’s denn sein?

Hm… was nehme ich dann? Ich teste verschiedene Schränkchen auf ihre Lage und auf die damit verbundenen Wege. Und lande am Ende bei „700“. Ja – ein Schränkchen ohne eine „8“! Sowas!

Tadaa! Die 700 macht das Rennen – quasi 007 von hinten!

Aber die 700 ist ein guter Schrank. Kaum andere Leute da, nah an der Dusche und nah am Becken. Und: der einzige Kleiderbügel weit und breit im Oly ist auch fast immer da, wo ich ihn lasse. Nur ein paar Mal musste ich suchen, bis ich ihn wieder gefunden habe. Angeblich gibt’s 500 Kleiderbügel, aber wo die sich verstecken, habe ich noch nicht herausgefunden…

 

Der einzige Kleiderbügel im Oly – entweder im Schrankerl oder in der Umkleide!


32. Mai

Heute ist der 32. Mai. Das ist kein Tippfehler… oder vielleicht ein kleiner. Man könnte nämlich auch sagen, dass es heute das 32. Mal war. Dass ich schwimmen war. Am Stück! Seit das Freibad am 1. Mai aufgemacht hat, war ich jeden Tag schwimmen. Das wollte ich mal ausprobieren. Letztes Jahr war ich fast den ganzen Mai schwimmen, es gab 3 Tage „frei“. Aber jetzt eben das Experiment.

Ihr könnt euch ja vorstellen, dass es soooo schlecht nicht sein konnte, wenn ich auch heute, laut Kalender der 1. Juni, schon wieder schwimmen war.

Angefangen hat es natürlich gut. Mit viel Vorfreude auf die Freibad-Saison. Und es war toll! Obwohl im Schyrenbad das Wasser an den ersten beiden Tagen recht frisch war. Dafür war das Wetter gut. Das sollte ja nicht so bleiben. Und so bin ich im Regen durch die ganze Stadt geradelt, um ein paar ruhige Bahnen ziehen zu können. Bis auf 2 Tage konnte ich auch meine Standardstrecke von 3.000 Metern schwimmen. Aber die „fehlenden“ 500 Meter wurden bei nächster Gelegenheit nachgeholt. Muss ja alles seine Ordnung haben!

Manchmal war’s auch echt kalt. Aber dafür war ich ungestört. Und ich kam mir recht schnell vor. Ich habe einfach (fast) die ganze Strecke durchgekrault. Zu kkkkaaaalllt zum Nachdenken oder Pause machen! Weiter immer weiter!

Dann flux über die Wiese laufen zur Dusche. Die ist zwar warm, aber der Raum nicht. Es ist eher offen, so dass es kühl ist. Und die Umkleide ist ebenfalls offen. Nur ein Dach drüber (immerhin!). So bin ich dann halb verfroren heimgeradelt und war froh, wenn ich angekommen bin.

Aber es gab auch schöne Tage. An denen ich trotzdem fast allein geschwommen bin, die Sonne hinter den Wolken hervorgelugt hat und es nicht so kalt war. Oder eine meiner Schwimmfreundinnen dabei war. Jede eine Bahn für sich… toll!

Oder ein Tag mit Sonne im Dante. Da war dann gleich ganz viel los. Aber kein Problem, ich kannte alle 4 Mitschwimmer!

Dann war der Tag mit dem Dauerregen. Da hatte ich Glück, denn als ich unterwegs war, hat es fast gar nicht geregnet. Die Isar hatte aber schon beim Hinfahren viel Hochwasser, knapp zwei Stunden später, hatte sie sich einen Weg über die Wiese gebahnt, um den Radweg auf der rechten Seite zu fluten. Das war schon spannend, wie schnell das ging!

An einem anderen Tag habe ich im Schyrenbad ein vierblättriges Kleeblatt entdeckt! Einmal kurz nach unten geschaut und da war es!

Und natürlich gab’s die Tage, an denen ich mir dachte: gut, wenn es vorbei ist und ich Pause machen kann. Und beim Schwimmen die ersten 10-20 Bahnen nicht vorbeigehen wollten. Und dann die letzten 10 auch… die zogen sich… und ich war flügellahm und eigentlich froh, dass es nur noch 2 Tage sind. Der Feiertag und der Freitag. Yeah. Ende in Sicht.

Da lief es im Wasser dann prima! Wie am Schnürchen. Als ob ich nicht die letzten 30 Tage geschwommen wäre.

Und dann eben heute. Sonne, Samstag, warm … und nichts anderes vor. Hm. Ob ich es wage? Eigentlich wäre es verschenkt, nicht schwimmen zu gehen. Vor allem, wenn nächste Woche wirklich Hochsommer ist. Dann geht nämlich nichts mehr. Dann ist Schluss mit lustig und allein in Ruhe und so… also gut. Für 2 klitzekleine Kilometerchen geh ich schwimmen.

Und dann bin ich da. Und es ist recht ruhig. Glück gehabt. Ich lass mich ins Wasser gleiten. Es ist angenehm kühl. Ich spüre das Kribbeln der Wasserblasen an meinem Bauch. Ich trage nämlich einen Bikini, weil es schönes Wetter ist. Ohmann, ist das schön. Und von wegen flügellahm, ich fühle mich gut und schnell.

Dann ist auf einmal Chaos, viele Leute, die recht unterschiedlich schwimmen. Das mag ich eh nicht und nachdem ich jetzt immer allein war, ist es noch blöder. Gut, dass ich nur 2 Kilometer machen will und das gleich erledigt ist.

Und dann? Dann löst sich das Chaos auf und ich denke… hm. Das kann ich jetzt so nicht beenden. Jetzt, wo wieder Ruhe und Ordnung ist. Da muss ich ja fast… genau! Und so war das dann auch. Und am Ende waren es dann doch 3 Kilometer. Zur Belohnung, weil es ich ja gestern mein Ziel erreicht habe.

Morgen ist jedenfalls Schwimmpause. Ganz, ganz sicher!


Herbstschwimmen mit Begleitung

Heute war wieder einer dieser schönen warmen Herbsttage. Die Luft an sich war warm, die Sonne hat es noch verstärkt. Aber selbst bei Schleierwolkenschicht blieb es warm. Ein guter Tag für einen Ausflug ans und ins Wasser.

Ich bin zum Karlsfelder See geradelt. Eine schöne Strecke, kaum länger als zum Langwieder See. Und der Oktober macht sich bemerkbar, die Blätter werden langsam bunt.

Am Karlsfelder See treffe ich mich mit einer meiner Dantebadbeckenrandfreundinnen. Sie heißt auch Petra und wir teilen nicht nur die Liebe zum Wasser und Schwimmen, sondern auch die Vorliebe für bunte Badeanzüge und lustige Kappen.

Petra ist auch eine prima Triathletin und nutzt die wohl letzte Chance für ein Schwimmtraining im See. Also so richtig schwimmen mit Kopf unter Wasser. Deshalb zieht sie auch ihren Neo an, während ich ja eher dem Kältegefühl entgegenfiebere als der Schwimmstrecke.

Ins Wasser geht’s gemeinsam. Es hat etwa 14 Grad und bis zu den Oberschenkeln fühlt es sich richtig warm an. Kurz nach dem Untertauchen merke ich aber die Kälte. Ich lasse es auf mich wirken, schwimme ruhig dahin. Wir bleiben beide in Ufernähe und schwimmen ratschend dahin. Herrlich! Keiner da außer uns, das Wasser ist klar und glatt, der Himmel weiß-blau und es ist nicht kalt. Schön!

Irgendwann wird’s natürlich schon kühl und ich gehe raus. Draußen an Land ist’s toll! Die warme Herbstluft, dazu das Kribbeln auf der Haut vom Wasser… Wahnsinn! Sooo schön!

Ich ziehe mich an, Petra krault jetzt noch ein paar Runden.

Die Männer aus ihrer Trainingsgruppe schlüpfen derweil in ihre Neos und starten dann. Sie schwimmen insgesamt 20 Minuten.

Am Ende hat jeder das gemacht, was er wollte und konnte. So unterschiedlich die Aktionen waren, es hat jedem Spaß gemacht und wir hatten einen ganz tollen Mittagsausflug!

Den Radio-Beitrag dazu gibt’s am Sonntag, 14. Oktober, auf B5aktuell im „Fitnessmagazin„, um 7.35 und um 17.05 Uhr. Natürlich auch als Podcast.

Außerdem hat mich das Radln zum Karlsfelder See (wie immer mit dem Stadtfahrrad) dazu motiviert, das Rennrad mal wieder aus dem Keller zu holen …