Sauna-Päivä – nochmal!

Letztes Jahr war ich ja endlich auf dem Sauna-Päivä, Sauna-Tag, in Helsinki. Ich wollte vorletztes Jahr schon hinfahren, aber da gab’s organisatorische Probleme. Es war so schön letztes Jahr, dass ich erst überlegt habe, ob ich nochmal hinfahren soll. Erwartungen und so. Aber nachdem ich eine günstige Flugverbindung gefunden hatte, musste ich doch los. Tagelange Vorfreude und etwas Skepsis, ob es wieder so schön sein wird, haben mich begleitet.

Der Sauna-Tag ist am Samstag. Bei der ersten Sauna treffe ich Marjo, Laura und ihre Freundin Kattia. Marjo und Laura haben mich ja letztes Jahr zu den letzten beiden Saunen spontan mitgenommen. Und lustigerweise beginnen wir den neuen Sauna-Tag auch miteinander. Das war eher zufällig so. Marjo und ich haben uns bissl auf dem Laufenden gehalten und als die Sauna-Vereinigung ihre Saunen online gestellt hat, hat mir Marjo eine Nachricht geschickt und so konnte ich hier auch einen der begehrten 20 Plätze ergattern.

Auf Lauttasaari liegt das Sauna-Haus der Sauna-Vereinigung. Und hier ist auch noch Eis in der Ostsee.

Der Steg zurück zum Haus der Sauna-Vereinigung. Hier gibt’s 7 verschiedene Saunen.

Die Sauna liegt auf einer der Inseln von Helsinki, Lauttasaari, und man kommt mit der Metro hin. Und weil die Sauna auf der Insel ist, gibt’s auch ein Avanto, ein Eisloch, in der Ostsee. Darauf bin ich mindestens genauso gespannt wie auf die sieben verschiedenen Saunen, die es hier im Haus gibt. Vier Rauchsaunen und zwei mit Holz beheizte (außerdem eine elektrische, aber das ist uninteressant). Eine Rauchsauna ist so heiß und schwarz, dass ich es kaum fünf Minuten aushalten kann. Eine andere Sauna ist schon fast kalt, wir sind da nur zum „Vorglühen“ drin und ziehen dann direkt in eine wärmere Sauna um.

Saunen fotografieren ist leider schwer – aber immerhin ein kleiner Eindruck

Marjo und Laura haben den perfekten Plan für den Tag und ich finde es schön, dass wir uns wiedersehen. Und sie finden es auch schön. Und überhaupt ist es wie letztes Jahr, dass man schnell und unkompliziert miteinander ins Gespräch kommt. Das ist das Besondere am Sauna-Tag. Es ist nämlich ein bisschen wie ein Festival und jeder hat quasi einen Anlass, etwas zu fragen. In welcher Sauna man schon war und welche noch auf dem Plan stehen, das sind beliebte Einstiegsfragen. Und dann kommt bei mir noch hinzu, dass ich ja keine Finnin bin und dann stellt sich die Frage, was macht die Deutsche hier? Wohnt sie in Finnland? Und wie findet sie die finnische Sauna? Und wie ist es in Deutschland in der Sauna? Und ist der Gesprächsanfang erstmal gemacht, geht’s gleich viel leichter.

Dann kommt für mich um halb 11 Uhr morgens schon der Höhepunkt des Tages: das Eisloch. Die Sonne scheint, der Wind weht. Das Eisloch ruft. Ob ich mich traue? Der Weg über den Steg ist recht weit. Ich bitte Katja, ob sie Bilder machen kann. Dann muss ich ja wohl zumindest untertauchen. Ich stehe also an der Treppe, der Wind weht echt stark. Vor mir das Wasser und die Eisschollen. Tapfer steige ich die Stufen hinab, meine Füße sind im Wasser. Kalt! Aber jetzt gibt’s kein Zurück. Weiter und weiter und untertauchen. Und: gut. Aber kalt. Fürs Foto umdrehen, lächeln. Ich albere rum und setze mich auf die Eisscholle. Winke, grinse. Freu mich.

Tadaa!! Petra Queen of Eisscholle!

Dann ab ins Wasser, anderthalb Züge zurückschwimmen. Kalt. Grausam. Furchtbar. Rausrausraus! Und draußen ist der Wind. Kaltkaltkalt. Inshandtuchsofort! Ohje… zum Haus zurück. Ich leide. Ohnein – ich leide nicht. Ich grinse. Ich werde gerade von innen übermannt. Von diesem unglaublichen Gefühl, das einen überrumpelt, wenn man im Eiswasser war. Ich kann nicht mehr aufhören zu grinsen. Ohje. Die Lippen sind an den Ohren festgetackert. Ich grinse wie ein grenzdebiler, verliebter Teenager. Wow! So heftig hat’s mich noch nie erwischt. Am Haus angekommen, setze ich mich auf die windgeschützte Bank.

Alles auf Null – Luft- und Wassertemperatur sind gleich kalt/warm.

Kann man schöner ausruhen? Blick von der windgeschützen Hausbank aufs Eis der Ostsee.

Da ist auch einer der Gastgeber. Er sieht sofort, was los ist und freut sich mit mir. Er kennt das Gefühl natürlich selbst und deshalb ist die Unterhaltung dann auch ganz toll. Weil wir auf einer Ebene sprechen. Er weiß, wie ich  mich gerade fühle. Und ich muss nichts erklären. Kein „ohje, das wäre mir zu kalt“ oder „das ist nichts für mich“. Sondern „ja, ich war auch schon, das war toll!“ So mag ich das. Gleichgesinnte.

So schön …

… ein Haus am Meer! Mit Sauna und Eisloch. Perfekt!

Auch in den Saunen selbst ist gute Stimmung. In Finnland darf man in der Sauna ratschen und alle reden mit allen. Eine Gruppe Jungs ist zum Beispiel gleich im Bademantel angereist. Leider im Auto und nicht mit der Metro. Der eine hat sogar daheim schon einen Saunagang gemacht und insgesamt haben sie auch einen perfekten Plan, um heute 10 Saunen zu besuchen. Sie kommentieren sogar den „Löyly“, also den Aufguss. Das ist mir ein inneres Fest, weil ich ja schon gehört habe, dass das ein Thema ist. Wie gut der „Löyly“ ist und ob es Unterschiede gibt. Und dann reden die drei genau darüber. Neben mir. Juchää! Ich freue mich wie ein kleines Kind.

Und dann sind die anderthalb Stunden hier auch rum. Es geht zurück in die Stadt. Die Mädels begleiten mich noch und helfen mir, dass ich die nächste Sauna finde. Ich habe nämlich Glück gehabt und während wir uns wieder angezogen haben, einen Platz auf dem Schiff und der Sauna ergattert. Die „MS Gabriela“ liegt im Hafen von Helsinki und bis sie am Spätnachmittag ablegt, um nach Stockholm zu schippern, können die Besucher vom Sauna-Tag die Saunen auf dem Schiff nutzen. Und ich bin dabei!

Blick auf den Hafen von Helsinki und das Schiff mit den Saunen.

Hier entlang!

Die Saunen auf dem Schiff sind nichts Besonderes, aber mit Blick aufs Meer und chillen mit Bier im Whirlpool ist es eine schöne Erfahrung.

Die nächste Sauna ist „Kepu“ und ich wusste ehrlich gesagt nicht, was das ist. Es ist eine politische Partei in Finnland und in deren Gebäude gibt’s eine Sauna. Die wird leider nicht richtig heiß, obwohl eine Frau zu meiner Linken fleißig Aufgüsse macht. Ich drehe mich zu ihr und sehe ein Birkenblatt auf der Schulter. Sie trägt einen roten Saunahut. „Johanna?“, frage ich. Sie dreht sich zu mir und ist überrascht, mich zu sehen. Sowas! Ohne etwas auszumachen, haben wir uns hier wieder gesehen. Johanna war letztes Jahr in der Sauna von Huopalahti dabei. Mensch, ist das schön! Weil aber die Kepu-Sauna echt enttäuschend ist, verabschiede ich mich und verabrede mit Johanna, dass wir uns im GLO-Hotel treffen. Da war ich letztes Jahr zwar schon, aber es ist ein Platz frei und es gibt Freibier. Außerdem liegt es günstig auf dem Weg zwischen zwei anderen Saunen.

Ich hatte ja eigentlich nur zwei Saunen geplant bzw. einen Platz ergattert. Und dachte mir noch: Naja, man muss ja nicht den ganzen Tag machen. Aber jetzt bin ich voll im Sauna-Tag-Modus und beschließe, zum Studentenwohnheim zu fahren. Es ist ein anderes als letztes Jahr und hier braucht man keine Reservierung. Dementsprechend voll ist es hier. Obwohl es sogar zwei Saunen gibt. Es ist alles sehr unkonventionell. Jeder zieht sich irgendwo aus, stopft seine Klamotten in den Rucksack, der mit den anderen Rucksäcken und Jacken irgendwo steht. Und in den Saunen sitzen wir eng an eng. Mit oder ohne Badebekleidung. Dick, dünn, Männlein, Weiblein. Egal. Ich habe schon ein Bier getrunken, das hilft. Und es ist schön. Und obwohl schon kein Platz mehr auf den Bänken ist, kommen noch welche rein. Einer bleibt gleich neben dem Ofen stehen und fragt, ob er einen Aufguss machen soll. „Du willst doch nur, dass einer geht“, sage ich. Und er verneint mit einem breiten Grinsen, als er eine große Schöpfkelle Wasser auf die heißen Steine gießt. Und dann ist tatsächlich ein Platz frei. So geht das.

Auf der Dachterrasse liegt leider nicht genügend Schnee, um sich darin zu wälzen. Der Wind und das Schneetreiben, das zwischenzeitlich eingesetzt hat, müssen zur Abkühlung reichen. Außerdem haben die Studenten den Grill aufgestellt und angeheizt und es gibt Hotdogs. Prima Idee! Dazu noch ein Bier und dann aufwärmen in der Sauna.

Dann ist es Zeit für die GLO-Sauna. Als ich mich zu einer Frau in die Sauna setze, frägt sie mich was auf Finnisch. Ich antworte, dass ich leider nicht gut Finnisch spreche. Ihr Englisch sei nicht gut, antwortet sie und redet einfach weiter Finnisch mit mir. Und ich mit ihr. Ich bin überrascht, wie gut das noch geht. Seit dem Sommer habe ich es nicht gesprochen. Es sind einfache Sätze und Sachverhalte, aber das geht. Schön ist das. Und es macht mich ein bisschen stolz.

Außerdem habe ich hier auch Gelegenheit, länger mit Johanna zu ratschen. Auch sie freut sich, mich wieder zu sehen. Und dann kommt noch eine Frau, die ich kenne. Sie war am Vormittag auch bei der Sauna-Vereinigung. Es ist eine ganz tolle Stimmung, nur so unter uns Frauen und jede hat schon viele tolle Saunen gesehen und kann was erzählen. Und dann fragen alle, ob ich nächstes Jahr wieder komme. Und ich kann fast nicht anders, als ja zu sagen.

Meine letzte Sauna ist dann im Hotel „Katajanokka“. Das war mal das Gefängnis und ist jetzt ein teures Hotel. Beste Lage am Hafen. Hier habe ich mich mit Jaakko verabredet, der den Sauna-Tag ja ins Leben gerufen hat. Wir kennen uns von meiner ersten Sauna-Tour in Helsinki. Letztes Jahr hat ein Treffen nicht geklappt, dafür heuer. Es ist schön, bekannte Gesichter zu treffen.

Und weil diese Sauna ganz in der Nähe der Sompasauna ist, beschließe ich spontan, mit Jari zu kommen, der dort noch hinfährt. Letztes Jahr war auch die Sompasauna der Abschluss, deshalb passt das ganz gut so.

Sompasauna ist rund um die Uhr geöffnet.

Freier Eintritt und keine Regeln.

Es gibt hier zwei Saunen, alles sieht anders aus als letztes Jahr, weil im Mai die Sauna abgebrannt ist. Das passiert wohl hin und wieder, dass holzbeheizte Saunen brennen. Und es gibt hier auch ein Eisloch. Der Weg dorthin ist zum Glück nicht vereist wie letztes Jahr, dafür bläst der Wind recht stark, das Schneetreiben ist unangenehm. Trotzdem will ich ins Eiswasser. Weil es auch meine letzte Chance ist. Und trotz der widrigen Umstände ist es super.

Das „Avanto“ (Eisloch) bei der Sompasauna

Blick auf Helsinki. Bei Tag sicher unbeschreiblich schön!

Nach sieben Saunen und 13 Stunden Sauna-Tag bin ich jetzt aber müde und erschöpft. Es ist Zeit fürs Bett. Daheim in der AirBnB-Wohnung angekommen, schlafe ich wie ein Murmeltier – mit einem Grinsen im Gesicht.

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Über Petra

Ich schwimme gern. Gern und viel, aber wahrscheinlich nicht besonders gut. Am liebsten kraule ich im Freibad-Becken, doch im Winter geht’s meist in die Halle. Oder zum „Eisschwimmen“ in den See. Sommers geht’s auch hin und wieder zum Schwimmen in einen See, aber am liebsten schwimme ich im Becken. Chlorhuhn halt. Zeige alle Beiträge von Petra

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