Eisfreier Kick

Der Frühling – oder vielmehr ein Vorbote – hält in München gerade Einzug. Schon seit ein paar Tagen erfreut uns ein Hochdruckgebiet mit blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und kalten Nächten mit zunehmendem Mond. Herrlich!

Nachdem mein letzter Ausflug zum Eisschwimmen ja vereist war, bin ich heute mal ohne große Erwartungen losgeradelt. Die Schwimmsachen habe ich natürlich mitgenommen, aber eher auf gut Glück. Wenn ein See erstmal zugefroren ist, bleibt er das meist auch eine Weile. Und wenn die Nächte kalt sind, reicht die Sonne tagsüber nicht immer. Also standen die Chancen 50:50.

Das Radln war schon herrlich! Es ist so warm, dass ich sogar ohne Handschuhe radln konnte. Und die Luft! Toll. Einfach nur toll. Mit jedem Kilometer, den ich näher zum See komme, frage ich mich, ob wohl zumindest ein kleines Löchlein im Eis ist. Halt groß genug, dass ich reingehen kann. Aber ob ich mich traue? Ich war ja seit Weihnachten nicht im kalten Wasser, kürzlich war mir in der Sauna sogar das Tauchbecken zu kalt. Und dann denke ich wieder: egal – einfach mal sehen.

Ich komme also an – und ich sehe ein schönes Blau – Wasser!! Kein Eis. Yeah! Ok, weiter hinten ist auf dem See schon noch eine Eisschicht, aber die ist so weit weg, dass es fast schon schade ist.

Im Hintergrund sieht man die Eisschicht, aber hier ist mehr als genug Platz zum Schwimmen. Keine Wellen, glasklares Wasser und Sonne. Voll toll!

Ich setze mich also hin und will grad loslegen – da kommt ein Pärchen mit Schäferhund. Und der darf jetzt natürlich erstmal planschen. Und planschen. Und planschen. Manno! Ich war zuerst da! Meine Badezeit! Naja. Sagen kann ich auch schlecht was, aber mich jetzt umziehen und dann ins Wasser, wenn der Hund da ist? Nein. Am Ende schwimmt der noch zu mir her… ich mag keine Hunde, im Wasser schon gar nicht, im kalten Wasser sowas von überhaupt nicht und schlechte Erfahrung hab ich damit auch gemacht. Also abwarten. Sonne genießen und innerlich „bittebittebitte geht jetzt“ bitten. Und siehe da: Es hat geholfen! Hund und Pärchen weg, Chlorhuhn allein. Umziehen. Es ist immer noch warm. Die Sonne scheint ja genau an meine Uferstelle. Toll!

Ich habe das Thermometer schon gleich bei meiner Ankunft ins Wasser gelegt, aber da ist es flach und deshalb zeigt es jetzt 6 Grad an. Naja. Kann glauben, wer will, ich nicht. Vielleicht da im handtiefen Wasser mit Sonnenschein. Ich nehme das Thermometer also mit und gehe bis zum Bauch ins Wasser. Schon kalt, aber geht. Prima! Gleich mal tief durchatmen und eintauchen. Gar nicht so kalt. Ich schwimme. Oohohh… doch kalt. Sehr kalt. Mein Puls steigt, die Atmung wird schneller. Aber ich schwimme weiter. Am Ufer, wo ich auch stehen kann. Ohje. Ist das immer so weit gewesen? Ich will wenigstens einmal hin und her. Ohje. Kaltkaltkalt. Aber gut. Es fühlt sich gut an. Ich kann das. Die Kkkkäälltte kriecht unter meine Haut. Die Schwimmzüge werden ungelenker. Gut, dass ich schon auf dem Rückweg bin (parallel zum Ufer). Gleich ist’s geschafft. Oben, wo der Weg entlang führt, sind drei Rentner stehen geblieben und schauen zu. Egal. Ich muss raus. Ich grinse. Es ist soooooo gut! Und natürlich schallt gleich die Frage her: Wie kalt? Ich sag: „Ca. 6 Grad, schön war’s!“. Es ist für die Leute eigentlich auch egal, wie kalt es ist, die können das eh nicht einschätzen. Ich könnte auch ohne Thermometer irgendwas sagen, denke ich mir schelmisch.

Sie ziehen weiter, ich schlinge mir das Handtuch um den Körper. Und stehe in der Sonne. Und genieße. Denn jetzt durchflutet es mich. Nicht kalt oder heiß. Nur die Glücksgefühle. Ich könnte jodeln, wenn ich das könnte. Mei, das ist so gut gewesen. Wie lange nicht! Ich grinse wie ein verliebter Teenager. Dann ziehe ich mich um. Klappt problemlos, die Finger haben noch Gefühl. Hätte ich doch länger aushalten können? Das frage ich mich ja öfter, wenn ich dann wieder an Land bin. Und weil es so schön sonnig ist, sitze ich da noch ein bisschen und schaue aufs Wasser. Und grinse immer noch. Vielleicht muss ich beim nächsten Mal einfach einen zweiten Badeanzug mitnehmen. Dann könnte ich nochmal reingehen und müsste nicht in den nassen Badeanzug schlüpfen … hm… mal sehen. Es war jedenfalls viel, viel besser als erwartet und so gut wie schon sehr, sehr lange nicht mehr. Ein Megakick!

Über Petra

Ich schwimme gern. Gern und viel, aber wahrscheinlich nicht besonders gut. Am liebsten kraule ich im Freibad-Becken, doch im Winter geht’s meist in die Halle. Oder zum „Eisschwimmen“ in den See. Sommers geht’s auch hin und wieder zum Schwimmen in einen See, aber am liebsten schwimme ich im Becken. Chlorhuhn halt. Zeige alle Beiträge von Petra

One response to “Eisfreier Kick

  • Christoph

    Hi Petra,

    schön daß Du auch wieder mit der Freibadesaison begonnen hast. Leider war ich weiter hinten am Birkensee und habe Dich nicht getroffen. Im Januar habe ich schon die ersten Versuche in der Seesauna am Tegernsee unternommen. Leider ging es beim besten Willen nicht bis zur ersten Boje. Es waren aber immerhin 25 Sekunden bei 0°C. Am 10.Februar war ich dann das erste mal am Birkensee. Genau wie Du, bin ich erst einmal hingefahren und habe „vorsichtshalber“ mal die Badesachen eingepackt“. Dann der erste Dämpfer: Langwieder See, nur im Uferbereich aufgetaut, Lußsee, fast alles zugefroren. Birkensee, Hurra, kein Eis! Der kann ja nicht kälter sein als der Tegernsee… Mehr als ein paar Züge habe ich aber nicht geschafft. Ich bin halt nix mehr g’wohnt.
    Beim nächsten mal, ich glaub es war am 18.2., hatte ich dann das Thermometer dabei. Das hat dann schon 6°C angezeigt! Da konnte ich dann schon eine Minute schwimmen!
    Am Donnerstag in der Seesauna habe ich dann die 2 Minuten geknackt. Das war aber richtig kalt! Da hab‘ ich ausg’schaut wie ein Krebs.
    Mal schaun ob ich im März die erste Seequerung am Birkensee schaffe!
    Liebe Grüße, Christoph

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