Ostseeschwimmen 2 – Svendborg

Von Nyborg bin ich mit dem Radl nach Svendborg gefahren. Ich muss sagen: Radln in Dänemark ist sowas von schön und entspannt! Nicht nur, weil es viel weniger Verkehr gibt. Sondern auch, weil die Mentalität eine andere ist. Radler sind hier Verkehrsteilnehmer – kein Störfaktor wie bei uns in Deutschland. Meine Strecke führt größtenteils am Meer entlang, was echt schön ist. Und es ist ziemlich hügelig! Hätte ich von Dänemark jetzt nicht erwartet.

In Schloss Broholm mache ich einen Zwischenstopp. Interviewtermin mit Anne. Die Dänen sind ziemlich locker und schnell spricht man sich mit Vornamen an. Anne hat aus dem Schloss ein Hotel und Restaurant/Café gemacht.

 

Sie zeigt mir die Räume, die alle unterschiedlich sind. Ich fühle mich wie in eine andere Zeit versetzt. Es gibt ein großes Herrenzimmer, in dem die feinen Herren damals bei Whiskey und Zigarre die Weltpolitik besprochen haben (oder über Frauen getratscht, wer weiß das schon?), ein Eckzimmer mit vielen Fenstern und blauer Einrichtung – das Zimmer für die Frauen. Hier hatten sie viel Licht, um ihre Handarbeiten zu machen und dabei zu reden. Es gibt noch viele weitere Räume.

 

 

… das Damenzimmer. Aber hier ist es gemütlicher, finde ich!

Die Gäste dürfen sich aussuchen, wo sie ihren Kaffee trinken. Ich entscheide mich für die Terrasse, weil die Sonne dort so schön hinscheint und ich auf das Wasser im Burggraben blicken kann.

 

 

… mit Blick auf den Burggraben.

Als es dann Abschied-Nehmen heißt von Anne, frage ich sie noch, ob sie vielleicht Winterschwimmen macht. Das ist in Dänemark nämlich auch recht populär. Ein großes Grinsen erleuchtet ihr ganzes Gesicht: Ja, macht sie. Sie wohnt direkt am Meer (Neid!!) und geht jeden Morgen vor der Arbeit. Nur im Winter, wenn es morgens stockfinster ist, geht sie nur am Wochenende. Auf meine Frage, ob nur die Dunkelheit und nicht das kalte Wasser das Problem seien, wird ihr Lächeln nur noch größer: „Das kalte Wasser ist überhaupt kein Problem. Es gibt mir einen Kick für den ganzen Tag. Dann bin ich voller Energie!“. Ich muss auch lächeln und kann meine Vorfreude auf die kommende Winterschwimm-Saison nicht verbergen. Ich erzähle Anne, dass ich seit letztem Winter auch das Eisschwimmen für mich entdeckt habe und dass ich dafür 45 Minuten radeln muss. Sie ist sehr beeindruckt und wir versprechen uns, gedanklich miteinander zu schwimmen, wenn es wieder kalt wird. Ich sag nur: Eisschwimmerinnen unter sich! Das war echt unbeschreiblich, dass da so eine Verbindung da war, auf einmal!

 
Meine Radltour geht weiter und als ich in Svendborg ankomme, werde ich an der Rezeption des Hotels Christiansminde gleich mit Namen begrüßt: „You must be Petra!“, sagt Charlotte von der Rezeption. Ich bin etwas verwirrt und frage, woher sie das weiß. Ich sei die einzige, die noch „fehlt“ heute, war ihre Antwort. Wow! Ich bin beeindruckt. Das ist mal herzlich. Sie reicht mir auch gleich einen weißen kuschligen Bademantel und erklärt mir, wo ich am besten schwimmen kann.

Da war ich noch guter Dinge – auf meiner Terrasse im Hotel


Denn direkt vor dem Hotel seien zu starke Strömungen, aber ein paar Meter weiter wäre ein Strand mit Steg und da wäre es prima.

Die Abendstimmung habe ich noch im Hotel fotografiert. Der Strand ist nicht weit entfernt.


Ich stelle also meine Radltaschen ab, krame den Badeanzug raus und gehe zum Strand. Es ist jetzt etwa halb 8 Uhr abends, die Sonne steht tief hinter der Stadt. Ich habe mein Handy nicht mitgenommen, weil ich nicht wusste, wie die Lage am Steg sein wird. Jetzt müsst ihr euch diesen Sonnenuntergang und die Lichtstimmung halt vorstellen – oder selbst mal hinfahren. Es war beeindruckend schön. Und gegenüber des Stegs war auch schon die Nachbarinsel. Vor Svendborg im Süden von Fünen gibt’s ganz viele Inseln – größere und kleinere. Ein wahres Inselparadies.

Soooo traumhaft – aber leider sind im Wasser viele Quallen unterwegs …


Naja – zurück zum Schwimmausflug. Auf dem Steg ist eine Gruppe Jugendlicher und drei Herren, zwei sind etwa Mitte 50, einer ist älter. Ich ziehe den Bademantel aus und lege ihn auf meine Flip-Flops auf dem Steg. Dann gehe ich zur Treppe und will ins Wasser. Auf einmal reden die drei Herren auf mich ein. Also, das checke ich erst gar nicht, weil sie dänisch reden. Und dänisch kann ich nicht. Irgendwann dämmert es mir, dass die vielleicht mit mir reden. Ich sage, dass ich leider kein dänisch kann. Dann erklärt der eine, dass ich aufpassen muss, weil da Quallen unterwegs sind. Der andere (beide übrigens in Badehosen) grinst die ganze Zeit. Ich gehe also wieder auf den Steg und frage dann, ob sie sich über mich lustig machen. Nein, nein! Gar nicht. Sie zeigen mir jetzt im Wasser die Quallen. Ich habe, da ich ja quasi nie am Meer bin, solche Tiere noch nie in echt gesehen. Es sieht aus, als würde ein Taschentuch im Wasser treiben. Und es gibt einige von ihnen. Es sind sogar ziemlich große da – so groß wie meine Hand! Mit langen Tentakeln und einem roten Fleck auf dem „Rücken“. Ohmann! Ich mag jetzt eigentlich gar nicht mehr schwimmen. Ich habe Bedenken wegen der Tiere. Ich muss an den Bericht von Conny Prasser denken, als sie von einer Qualle gestochen wurde und schlimmste Schmerzen hatte. Ok. So gefährlich sind die hier wohl nicht, aber nachdem schon Mückenstiche bei mir ganz schön anschwellen, will ich nix riskieren. Und ich bin ja im Urlaub, also weg von daheim, und soll morgen noch radeln. Ohje! So hab ich mir das nicht vorgestellt.

Die drei Männer bieten an zu schauen, ob ich auf der einen Stegseite freie Bahn habe. Im flachen Wasser sind die Quallen eher nicht. Ich überwinde mich und schwimme am Steg entlang von der Treppe am Ende bis zur Leiter in der Mitte. Genießen konnte ich das nicht. Ich muss sagen, dass ich im Eiswasser schon längere Strecken geschwommen bin – mit mehr Genuss. Quallen – das sind Qualen für mich. Es ist dann auch alles gut gegangen und die Abendstimmung am Steg war echt gigantisch. Da fand ich es dann äußerst schade, dass ich keinen größeren Schwimmausflug machen konnte. Das Wasser war nämlich auch ruhig, also ohne Wellen. Aber so ist das manchmal – da spielen einfach andere Dinge rein, auf die man keinen Einfluss hat. Oder sich einschüchtern lässt. Selbst schuld, könnte man auch sagen.

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Über Petra

Endlich habe ich einen Balkon und kann meine Pflanzenlust ausleben. Ich möchte Euch daran teilhaben lassen. Außerdem freue ich mich auf Eure Erfahrungen, Bilder, Tipps und Tricks! Zeige alle Beiträge von Petra

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