Teuflische Insel

Am Freitag war der See erneut spiegelglatt und warm. Am Ufer 21, draußen 20 Grad. Perfekt. Ich habe mir also meine Boje geschnappt und bin Richtung Insel geschwommen. Es lief so gut, dass ich in einem weiten Bogen um die östliche Inselspitze geschwommen bin, um dann Kurs auf Rottach-Egern, Popperwiese, zu nehmen. Da bin ich vor zwei Jahren mit Bootsbegleitung schonmal hingeschwommen, es ist nicht zu weit. Ich bin in meinem Rhythmus, in meinem Element, die Sonne scheint. Das Wasser ist grün und unter mir nur noch mehr Grün. Kurz vor dem Schwimmfloß der Popperwiese drehe ich um. Ich habe heute keine Lust, an Land zu gehen, ich will einfach nur schwimmen.

insel-schwimmen

Meine ungefähre Schwimmroute ….

Also geht’s jetzt wieder Richtung Insel, dieses Mal von der anderen Seite. Als ich dort in die Nähe komme, bin ich etwas verwirrt. Um die Insel sind gelbe Bojen. Sie markieren die Schutzzone, denn die Insel ist Vogelschutzgebiet. Ich verwechsle durch meine etwas beschlagene Brille die Bojen. Denke, dass ich schon viel weiter bin. Dann muss ich aber einen Bogen schwimmen, um aus der Schutzzone und aus dem Flachwasserbereich zu kommen. Weil es in letzter Zeit so warm war, befürchte ich, dass die Algen – auch als Schlingpflanzen bekannt – zu hoch gewachsen sind. Und das kann ich jetzt nicht gebrauchen, dass mich da eine am Fuß kitzelt. Also muss ich einen Bogen schwimmen. Und dann zurück zur Friedlwiese, meinem Ausgangspunkt. Gut zu erkennen dank der Bootshütte, auf deren Dach sich die Sonne spiegelt.

Vom Schiff aus fotografiert: Im Hintergrund der Ringberg. Leider kaum zu erkennen: die Ringseeinsel

 


Aber: Ich komme nicht voran. Leichter Nordwind ist aufgekommen, ein paar Wellen auf dem See. An sich nicht schlimm. Das hatte ich schon heftiger erlebt. Trotzdem macht sich ein mulmiges Gefühl bereit. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich beim Kraulen vom Weg abkomme. Ich muss zur Orientierung sehr oft nach vorne schauen. Dann beschließe ich 1.: Ruhe bewahren und 2.: Brust schwimmen, also normal, nicht Oma-Brust. Der Vorteil ist, dass ich mit jedem Zug sehe, wohin ich schwimme. Außerdem macht Brustschwimmen auch Spaß. Das etwas mulmige Gefühl bleibt. Es fühlt sich an, als ob ich von der Insel nicht wegkomme. Weit ist es nicht zum Ufer bzw. Ausgangspunkt, etwa 300 Meter. Aber mei – was soll man mit Fakten, wenn die alternativen Fakten halt dagegen sprechen…

Natürlich ist alles gut gegangen und ich konnte die Insel hinter mir lassen. Dann bin ich auch wieder gekrault und außer Puste war ich auch nicht. Also alles gut. Als ich meiner Schwester davon erzählt habe, hat sie gesagt, dass sie das Gefühl auch schon hatte, dass man von der Insel nicht mehr wegkommt. Vielleicht eine Strömung? Oder der Teufel hat doch seine Finger im Spiel? Schließlich hat er der Sage nach die Insel geschaffen. Als Gott mit der Erschaffung der Welt fertig war und ihm das Tegernseer Tal so gut gelungen ist, wollte der Teufel es zerstören.

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Der Teufel samt Felsbrocken auf dem Ringberg (c) Sepp Mohr, Tegernseer Sagen

Er schleppte einen schweren Gesteinsbrocken auf den Ringberg, um ihn von dort in den See zu schleudern. So sollte das Wasser überschwappen und alles überfluten und zerstören. Doch der Plan misslang. Der Felsbrocken rollte den Berg hinab und in den See. Allerdings blieb er dort als Insel liegen – und das Tegernseer Tal wurde noch schöner durch diesen Akzent …

Über Petra

Ich schwimme gern. Gern und viel, aber wahrscheinlich nicht besonders gut. Am liebsten kraule ich im Freibad-Becken, doch im Winter geht’s meist in die Halle. Oder zum „Eisschwimmen“ in den See. Sommers geht’s auch hin und wieder zum Schwimmen in einen See, aber am liebsten schwimme ich im Becken. Chlorhuhn halt. Zeige alle Beiträge von Petra

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