Integration und Knigge

In der Vergangenheit war oft die Rede von „Integration“. Das passt jetzt auch wieder im Schwimmbad. Wenn auch etwas anders als in der großen Politik. Aber auch im Schwimmbecken tauchen um Weihnachten viele Neulinge auf. Die Fraktionen „neuen Badeanzug zu Weihnachten bekommen“, „Weihnachtsspeck abtrainieren“, „endlich Zeit für Sport“ und nicht zu letzt die mit den guten Vorsätzen. Kurz gesagt: Neulinge, die keine Ahnung haben. Das klingt jetzt zwar etwas hart, aber ich spreche aus Erfahrung.

Wie erkennt man Neulinge? Nun ja – sie „schwimmen“ auf der Sport-Schwimmerbahn. Obwohl – kann man es schwimmen nennen, wenn man sich über Wasser halten kann? Vielleicht ja, weil die Fettaugen auf der Suppe ja auch schwimmen …. Sei’s drum. Sie sind da und wollen schwimmen. Schön und gut – dann sollten sie sich aber auch an ein paar einfache Regeln halten. Die meisten Regeln sollten vom Straßenverkehr her bekannt sein. Möchte man meinen …

Meine Lieblinge:

  • … stehen ewig am Beckenrand und schwimmen los, wenn jemand kommt. Wäre nicht weiter schlimm, wenn sie schneller wären, als der Ankommende und Weiterschwimmende.
  • …überholen und brauchen dafür 48 Meter – also fast die ganze Bahn – oder überholen und sind dann so außer Puste, dass sie entweder bei der Wende im Weg stehen oder schwimmen dann so langsam, dass man sie selbst wieder überholen muss.
  • … schwimmen erst langsam und gemütlich, bis sie merken, dass sie überholt werden. Dann geben sie Gas, was den Überholvorgang erschwert. Wozu?
  • … zwicken den Überholenden noch schnell in den Fuß, bevor man weg ist.
  • … bleiben am Beckenrand genau in der Mitte – also an der schwarzen Linie – stehen.
  • … landen zum Wenden rechts der schwarzen Linie und gehen zu Fuß auf die linke Seite zum Weiterschwimmen – allerdings ohne auf den „Verkehr“ zu achten.
  • … stehen ewig am Beckenrand rum zum Ratschen, ohne Platz für die schwimmenden Schwimmer zu machen.
  • … ziehen mit ihrem Arm über der Leine – das geht sowohl über als auch unter Wasser.
  • … können ihre Fähigkeit und Schnelligkeit überhaupt nicht einschätzen.
  • … beschweren sich, wenn sie überholt werden.

Ich frage mich, warum man in seiner Freizeit, wenn man etwas macht, das man gern und freiwillig macht, gegenseitig das Leben bzw. Schwimmen so schwer macht. Etwas mehr realistische Selbsteinschätzung, ein bisschen Rücksicht und mehr Miteinander – das wäre schön.

Wenn die Bahn gut besucht ist, muss halt der Trainingsplan angepasst werden. Da muss nicht unbedingt Schmetterling trainiert werden. Und wer nur Brustschwimmen kann oder will, sollte vielleicht nicht bei den Kraulern trainieren.

Denn Brustschwimmer sind in der Regel schwerer zu überholen, da sie sehr ausladend schwimmen. Ich verstehe da manche Leute einfach nicht … aber vielleicht liegt es einfach daran, dass sie nicht wissen, wie es ist, wenn man überholen muss. Schön wäre es, wenn die Bademeister hier etwas regulierend eingreifen würden.

Doch in München geht man davon aus, dass sich das schon von selbst regelt. Aber als Frau sagt man den Mitschwimmern lieber nichts. Da wird man nur blöd angeredet. „Sie wollen hier ja nur schnell schwimmen“, war mal so ein Kommentar. Wohlgemerkt in der Sportschwimmerbahn!

Warum muss man sich rechtfertigen, wenn man schneller ist und in dem dafür vorgesehenen Bereich trainiert? Und warum sehen die langsamen Schwimmer nicht ein, dass sie in ihrem Bereich schwimmen können? Sollen wir sportlichen Schwimmer in den Bereich mit den Trockenhaarschwimmern und Tratschwellen gehen? Da käme Freude auf!

Naja – aus Erfahrung wissen wir ja zum Glück, dass diese Welle auch abebbt. Anfang Januar geben die ersten ihre guten Vorsätze auf, einige ziehen es bis Ende Januar durch. Und dann haben wir das Becken wieder für uns!

Benimmregeln im Schwimmbad und speziell in der Sportbahn haben übrigens die Limmatsharks aus der Schweiz hier zusammengefasst. Und die Kollegen vom Triathlon-Magazin hier – nicht, dass jemand sagt, dass die Etiquette nur in der Schweiz gilt – aufgelistet.

 

 

Über Petra

Ich schwimme gern. Gern und viel, aber wahrscheinlich nicht besonders gut. Am liebsten kraule ich im Freibad-Becken, doch im Winter geht’s meist in die Halle. Oder zum „Eisschwimmen“ in den See. Sommers geht’s auch hin und wieder zum Schwimmen in einen See, aber am liebsten schwimme ich im Becken. Chlorhuhn halt. Zeige alle Beiträge von Petra

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